DFB-Pokal: FC Augsburg vs. RB Leipzig 1:2 n.V.

Viertelfinale im DFB-Pokal. RB Leipzig beim FC Augsburg. Ein dramatisches und spannendes Spiel mit phasenweise etwas arg wenig Fußball. Am Ende so ein Spiel, bei dem es dir eigentlich scheißegal ist, warum es am Ende zum Sieg reichte und ob dafür ein abkippender Weihnachtsbaum oder was auch immer verantwortlich war, weil über allem schlicht das viel wichtigere Wort Halbfinale steht. Versuchen wir uns trotzdem mal in einer Einordnung.

Nachdem Ralf Rangnick vor dem Spiel noch erklärt hatte, nicht rotieren zu wollen, gab es dann doch erstaunliche Wechsel. Mukiele, Haidara, Adams und Forsberg spielten nicht mit. Für letztere beide blieb nicht mal die Bank. Hintergrund waren Adduktorenprobleme (die Forsberg direkt nach dem Spiel gegen Hertha noch verneint hatte), sodass die Wechsel sich dann doch erklärten. Laimer als Rechtsverteidiger hielt Rangnick offenbar für das bessere Matchup gegen den gefährlichen Flankengeber Max.  Demme ersetzte Adams im zentralen Mittelfeld. Bruma durfte überraschend mal wieder für Forsberg ran. Und Sabitzer ersetzte wie erwartet Haidara. Organisiert war RB zu Begin in einem 4-3-3.

Manuel Baum hatte seinem FC Augsburg nach dem 0:3 in Nürnberg zwei Änderungen verpasst. Finnbogason und der angeschlagene Ji mussten raus. Teigl und Richter standen dafür in der Startelf. Der FCA mit einer Dreier-/ Fünferkette, Koo und Baier davor und Hahn, Gregoritsch und Richter als variable Offensivkräfte.

Augsburg von der Formation her ähnlich kompakt wie zuletzt in Leipzig. Allerdings verteidigte man bei weitem nicht so tief, sondern verwickelte RB wie schon im letzten Heimspiel bereits im Mittelfeld in viele Zweikämpfe und warf sehr viel Intensität in die Partie. Dabei war das Motto eigentlich über die gesamte Spielzeit dasselbe. Entweder Bälle erobern oder viele lange Bälle spielen und dann in der Zentrale den zweiten Ball sichern und das Spiel auf die starken Außenbahnen verlagern. Wie immer bei Spielen gegen das Team von Manuel Baum tat sich RB mit der sehr physischen, sehr robusten und direkten Spielweise durchaus schwer.

Entsprechend entwickelte sich früh ein Spiel mit sehr unterschiedlichen Rollen. Augsburg kam über die Intensität im Spiel gegen den Ball. RB sollte das Spiel derweil machen. Nach kurzen Probleme zu Beginn gelang das eigentlich auch im Rahmen dessen, was die Gastgeber zuließen, auch ganz gut. Die Leipziger in der ersten Hälfte mit einigen gefährlichen oder potenziell gefährlichen Aktionen, weil man es besser verstand, den Ball in die Nähe des Augsburger 16ers zu bewegen als der FCA andersherum. Auch die RB-Passquote war da mit 75% noch gut (in der zweiten Hälfte nur noch 64%).

Doch wie schon zuletzt in der Bundesliga verpasste es RB Leipzig, daraus Kapital in Form von Toren zu schlagen. Die Torabschlüsse waren auch in bester Position nicht gut. Timo Werner trifft das Tor nicht, nachdem er schon Keeper Kobel umkurvt hatte, weil er ein wenig aus der Balance gerät. Bruma schließt ein bisschen zu spät ab. Kampl zielt nicht genau genug. Dazu kamen diverse Situationen, in denen man sich auf der Außenbahn gut durchspielt, aber dann die Flanke ins Nirvana schlägt oder so hoch, dass selbst ein Poulsen drei Meter sein müsste, um dort ranzukomen. Und dann waren da noch die ruhenden Bälle, von denen RB in der ersten Halbzeit knapp zehn am Strafraum der Augsburger in Form von Ecken und Freistößen hatte. Nichts davon war gefährlich. Genau auf diese Situationen hatte Rangnick vor der Partie noch gehofft.

Augsburg kam nur selten in die Nähe von Peter Gulacsi. Wenn dann wurde es aber dank direkter Spielweise durchaus brenzlig. Die größte Chance hatte Richter allein vor dem RB-Tor, aber Gulacsi kam rechtzeitig raus und konnte den Abschluss aus kurzer Distanz abwehren.

Insgesamt war Augsburg in dieser ersten Halbzeit die Mannschaft, die mit der größeren Intensität spielte, während RB das spielaktivere Team mit den besseren Feldpositionen und der größeren Anzahl an gefährlichen Situationen (nicht gleichbedeutend mit Torabschlüssen) war. Kein Spiel auf ganz hohem Niveau, aber ein erstaunlich abwechslungsreiches Spiel mit Möglichkeiten auf beiden Seiten.

Ausufernde Freude nach der Partie über den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokal. | GEPA Pictures - Thomas Bachun
GEPA Pictures – Thomas Bachun

Über die zweite Halbzeit müsste man aus RB-Sicht eigentlich den Mantel des Schweigens decken. Fußballerisch kam da 45 Minuten lang fast nichts nennenswertes mehr. Ein einziger(!) Torschuss war das Ergebnis der ungenauen Bemühungen, bei denen man immer mehr das Gefühl bekam, dass nur ein Glückstreffer zum Erfolg führen kann.

Augsburg blieb nach dem Seitenwechsel bei einem sehr intensiven Spielstil und begann die Partie immer mehr zu dominieren. Nicht durch Spielkultur (wobei es auch gute Passagen des Ballbesitzes gab je länger das Spiel dauerte und je ungeordneter die Formationen wurden), sondern vor allem durch lange Bälle und gute Spielverlagerungen. Das 4-3-3 ist gerade auf den Außenbahnen durchaus anfällig und da spielte Augsburg auch weiter hin. Mehrmals dass ein langer Ball auf die Laimer-Seite geschlagen wurde, wo der Außenverteidiger plötzlich zwei Gegenspieler verteidigen musste. Das ist ganz sicher keine Konstellation, die man haben will. Später reagierte Ralf Rangnick darauf, indem er auf ein 4-2-2-2 umstellte.

Viel rum kam bei den Augsburger Bemühungen aber auch nicht. Eine Flanke, die gefährlich durch den Strafraum segelte war lange die einzige gefährliche Szene, weil man sich im Spiel nach vorn dann doch zu viele Ungenauigkeiten leistete, wenn man mal in eine Situation kam, in der man in Überzahl war.

Und nach 74 Minuten lag Augsburg dann auch noch (Stichwort einziger RB-Torschuss) wie aus dem Nichts zurück. Haidara schaltete nach einem Ballgewinn schnell und schickte Timo Werner auf die Reise, der sich dann doch mal gegen den robusten Danso durchsetzt und den Ball schon halb aus dem Gleichgewicht kommend an Kobel vorbeischiebt.

Die restlilchen 16 Minuten waren aus RB-Sicht eine einzige Abwehrschlacht, nachdem Khedira kurz nach dem Rückstand an Gulacsi gescheitert war. Ein langer Ball nach dem anderen flog Richtung Innenverteidiger, die fast permanent im Eins gegen Eins in die Kopfbälle mussten. Augsburg weiterhin recht gut darin, sich die zweiten Bälle zu holen, sodass bei RB kaum Entlastung stattfand.

Kurz vor Schluss brachte Ralf Rangnick noch Stefan Ilsanker und stellte auf Dreier- /Fünferkette um, um in der letzten Reihe gegen die langen Bälle besser aufgestellt zu sein. Hat halt den Nachteil, dass du aus dem 5-3-2 heraus vorn kaum noch Zugriff kriegst. Aber irgendwie verteidigte man die Führung in die Nachspielzeit hinein, sicherte den Ball in dieser einige Male ganz gut an der gegnerischen Eckfahne und nahm Zeit von der Uhr. Doch einen letzten Angriff hatte Augsburg noch. Flanke von Richter. In der Mitte ist Finnbogason trotz Dreierkette gedankenschneller. Und schon steht es mit der allerletzten Aktion der regulären Spielzeit 1:1.

Das Momentum des Spiels liegt nun eigentlich bei den Gastgebern. Aber in der Verlängerung beginnt RB mit größer werdenden Räumen dann doch wieder ein wenig Fußball zu spielen. Sabitzer wird immer mehr zum Vorzeigekämpfer und zieht zusammen mit Haidara von der Acht aus die Fäden. Cunha bringt vorn auch noch mal Ballsicherheit in die Partie. Immer wieder zieht man nun mit Tempo Richtung Augsburger Tor. Doch ganz gefährlich wird es nicht. Ein ungefährlicher Abschluss von Laimer. Ein gefährlicherer Abschluss von Haidara, der am langen Pfosten vorbeistreicht, das war es in der ersten Hälfte der Verlängerung.

In der zweiten Hälfte der Verlängerung wird es dann ein offener Schlagabtausch und damit ein packendes Finale des Pokalfights. Neun der insgesamt 35 Torschüsse hat man sich für diese letzten 15 Minuten aufgehoben, nachdem es in der Zeit seit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit der regulären Spielzeit in 60 Minuten nur zehn gewesen waren. Finnbogason, Gregoritsch und Richter per schönem Fallrückzieher hatten auf Augsburger Seite die besten Gelegenheiten. Halstenberg und Orban haben auf RB-Seite sehr gute Schusspositionen.

Doch das große Finale dieser Partie ist dann vielleicht ganz passend zu diesem spielerisch meist nicht hochklassigem Fight ein Handspiel im Strafraum, das sich Gregoritsch leistet und das folgerichtig mit einem Elfmeter bestraft wird. Halstenberg diskutiert mit Cunha erstmal die Reihenfolge der Schützen aus, um den Ball dann humorlos, hart und platziert im Tor zu versenken. 2:1. Jubel, Trubel. Abpfiff.

Fazit: Es war über 120 Minuten ein extrem umkämpftes Spiel mit vielen Fouls und Zweikämpfen. RB mit der etwas spielstärkeren Klinge (aber auch vielen langen Bällen), einer guten ersten Halbzeit und einer grottigen zweiten. Augsburg mit sehr viel Intensität und Setzen auf den zweiten Ball kassierte das Gegentor in einer Phase, in der man eigentlich das bessere Team war, um sich dann doch noch mit dem verdienten Ausgleich in die Verlängerung zu retten. In der hatte dann RB das bessere Ende auf seiner Seite in einem Spiel, das eigentlich über 120 Minuten gesehen ein klassisches Unentschieden-Spiel war. Bis halt Gregoritschs Hand kam..

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Randbemerkung 1: Halbfinale im DFB-Pokal! Das klingt und ist mal ganz groß. Egal auf welche Art es zustande kam. Neben RB Leipzig steht bisher auch der HSV als Zweitligist in der Runde der letzten Vier. Die letzten beiden Vertreter für die letzte Runde vor Berlin werden heute zwischen Bayern und Heidenheim und zwischen Schalke und Werder ermittelt. Wie immer gilt als Wunsch für die nächste Runde: Nicht die Bayern und nicht auswärts. Dann bleiben natürlich nicht mehr so richtig viele Paarungen übrig..

Randbemerkung 2: Schon ein krasser Spannungsbogen. Kein gutes Spiel gemacht, aber bis zur letzten Sekunde geführt, um dann doch noch den Ausgleich zu kassieren, nach dem das Augsburger Publikum mal richtig wach wurde. Dann die Verlängerung und in der Schlussminute diesmal RB mit dem Treffer zum Sieg. Krasse Emotionen auf dem Platz in der RB-Spielertraube, die dummerweise nicht vor dem Gästeblock feierte und so vom gesamten Biervorrat eingedeckt wurde, den es da in der Augsburger Zuschauerecke gab. Quasi als verfrühte Siegerdusche. Wie die Mannschaft dann nach dem Abpfiff in fast schon kindlicher Freude vor den Gästeblock stürmte, war ganz hübsch anzusehen. Auf diesen Sieg hatten alle Beteiligten mal richtig Bock. Ihn so spät zu erringen, tat dann emotional noch sein Übriges. Persönlich kann ich mich auch nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem RB-Tor so ausufernd durch die Gegend gesprungen bin. War schon ziemlich geil..

Randbemerkung 3: Erster Sieg von RB Leipzig in Augsburg im vierten Anlauf. Erster Sieg im dritten Pokalspiel gegen den FCA. Können wir diese Negativserien dann also auch abhaken.

Randbemerkung 4: Acht Tore reichten RB Leipzig in vier Spielen, um ins Halbfinale einzuziehen. In Augsburg kassierte man nach dem Gegentor bei Viktoria Köln erst den zweiten Treffer im laufenden Wettbewerb. Auch hier ist es vor allem die defensive Stabilität, die RB Leipzig den Erfolg bringt. Wobei davon gegen Augsburg nicht so arg viel zu sehen war bei gleich zwölf zugelassenen Torschüssen im eigenen Strafraum. RB kassierte beim FCA den zweiten Gegentreffer im Jahr 2019 aus dem Spiel heraus. Vorher war das in elf Pflichtspielen nur Hoffenheim gelungen. Defensivkrise incoming.^^

Randbemerkung 5: Am Ende nur reichlich 25.000 Zuschauer in der Augsburger Arena, die über 30.000 Plätze hat. Die Haupttribüne mit ihren VIP-Plätzen war sehr leer und auch ansonsten blieben in den Randbereichen der Tribünen doch recht viele Plätze frei. Sicherlich aus FCA-Sicht auch irgendwie enttäuschend für so ein wichtiges Spiel und angesichts dessen, dass die Dauerkartenbesitzer das Spiel geschenkt bekamen und alle anderen sehr niedrige Ticketpreise zu zahlen hatten. In der zweiten Runde gegen Mainz waren es gar nur reichlich 15.000 Zuschauer gewesen. In Augsburg scheint der DFB-Pokal genau wie in Leipzig nicht allzu sehr zu ziehen. Zumindest im Vergleich zur Bundesliga.

Randbemerkung 6: Im Gästeblock waren rund 1.500 Fans. Das waren immerhin mehr als bei den bisherigen drei Spielen in Augsburg (1.200, 700, 900), aber es war auch lange nicht voll. Dafür war die Stimmung für einen RB-Gästeblock doch erstaunlich gut. Auch den Heimbereich packte irgendwann das Pokalfeeling, sodass es insgesamt doch ganz hübsch war.

Randbemerkung 7: Nicht ganz so hübsch die Fehde zwischen Augsburgern und Leipzigern nach dem Spiel. Offenbar ausgelöst von Oliver Mintzlaff, der direkt nach dem Spiel der Augsburger Bank mitteilen wollte, was er von deren Verhalten während des Spiels so hält. Nicht der allerbeste Zeitpunkt für ein lockeres Gespräch unter ähm Freunden. Entsprechend auch das Eskalationslevel und ein nicht mehr einzukriegender Stefan Reuter. Nun, die Beziehung zwischen Augsburger Führungsebene und Leipziger Führungsebene ist ja schon seit längerem gestört und gipfelte bereits in verschiedensten öffentlichen Vorwürfen und dem gezielten wechselseitigen Ausplaudern von Geschichten. Auch irgendwie alles ganz schön Kindergarten, auch wenn ich die emotionale Ebene von Genugtuung, wenn man gegen einen Gegner gewinnt, den man nicht mag, verstehen kann (war ja nicht viel anders als Augsburg einst gegen RB gewann).

Randbemerkung 8: Dass das so eskalierte, war auch deswegen albern, weil man in der jüngeren Vergangenheit eigentlich auf der Ebene der direkten sportlichen Akteure (also Spieler und Trainer) eher meinen konnte, von einer Entspannung der Situation sprechen zu können. FCA-Coach Manuel Baum war vor den letzten Spielen stets um ein Maximum an Respekt bemüht und ist sowieso ein meist angenehm sachlicher Typ. Aber auf der Ebene Reuter/ Hofmann/ Mintzlaff ist wohl Hopfen und Malz verloren. Nun ja, bei so einem Konstrukte-Derby ist halt vielleicht einfach per se besonderes Feuer drin..

Randbemerkung 9: Angenehm hob sich Amadou Haidara von dem Gewese ab. Zumindest in der Situation, als er den Ball gefährlich nah über Manuel Baum hinwegdrosch, nachdem die Kugel schon im Aus war. Ein paar Sekunden runterkommen und glücklich sein, nicht gelb-rot gesehen zu haben und dann ging er doch noch die 20, 30 Meter zu Manuel Baum zurück und reichte ihm zur Entschuldigung die Hand. So wie es auch sein sollte.

Randbemerkung 10: Aus der Emotion heraus in der Halbzeit einen Diss-Tweet Richtung Augsburgs Daniel Baier geschrieben (ja, ich war zwischenzeitlich ein wenig genervt vom Spiel). Ein sehr guter Mittelfeldspieler mit sehr gutem Auge für das Spiel und gutem Torabschluss. Aber auch mit einer seltsamen Art, Fouls an sich selbst als die schlimmste Sache der Welt darzustellen und selbst dagegen ziemlich dreckig und nicklig zu spielen oder nach Zweikämpfen noch mal einen mitzugeben, um dann beteuernd die ‚Was, ich? Ich habe doch gar nichts gemacht!‘- Hände zu heben und sich in Schiedsrichter-Debatten zu begeben. Das kann in Spielen ganz schön nerven und führte bei Poulsen sehr früh dazu, dass er einen warnenden Zeigefinger auf Baier richtete. Letztlich ist es aber einfach einer dieser Spieler, die man in gegnerischen Teams schlimm findet und die man im eigenen Team wahrscheinlich mögen würde, weil sie sich nichts gefallen lassen und immer präsent sind. In öffentlichen Auftritten gibt sich Baier dann auch eher als Typ Liebling aller Schwiegermütter. Nun ja, es ist wie es ist und es ist ja auch gut, wenn es Spieler gibt, an denen man sich abarbeiten kann.

Randbemerkung 11: Apropos sich nichts gefallen lassen. Haidara. Kommt ins Spiel, liefert sich sofort einen Infight mit Khedira und sieht gelb. Liegt nahe, zumindest in dieser Beziehung einen würdigen Keita-Nachfolger zu erkennen..

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Lichtblicke:

  • Willi Orban: In der Defensive mal wieder das Bollwerk. Unheiimlich gutes Stellungsspiel. Gegen robuste Langball-Augsburger wieder mit sehr gutem Timing im Luftzweikampf. Manchmal merkt man ihm es an, dass die linke Seite der Innenverteidigung nicht seine ist, weil ihm dort der linke Fuß für das schnelle Weiterspielen im Aufbauspiel fehlt. Aber dass er links spielen muss, weil Konate rechts spielt, dafür kann ja Orban nichts.
  • Peter Gulacsi: Hatte so viel zu tun wie selten in den letzten Monaten. Sechs Paraden musste er zeigen, einmal den Ball aus dem Tor holen. War der gewohnt sichere Rückhalt, der auch bei Flanken sicher agierte. Ein klitzekleiner Wackler als er einen Schuss nach vorn in die Strafraummitte faustet,  Aber abgesehen davon konnte sich RB beim Schlussman bedanken, dass es bei nur einem Gegentreffer blieb. Auch wichtig bei manchen Paraden, den Ball nicht nur abzuwehren, sondern auch festzuhalten. Auch diesbezüglich ist Gulacsi in den letzten zwei Jahren immer besser geworden.
  • Marcel Halstenberg: Nicht nur wegen des präzise verwandelten Elfmeters ein absoluter Stabilisator des Teams. War mit seiner Kopfballstärke wichtig und auch ansonsten defensiv sehr stabil. Offensiv im Laufe des Spiels mit ein paar ganz guten Aktionen und Ideen. Ballsicher und kurz vor dem Elfmeter schon mit der guten Chance auf das 2:1.

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Tore: 0:1 Werner (74.), 1:1 Finnbogason (90. + 4), 1:2 Halstenberg (120. /HE)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Laimer, Konaté, Orban, Halstenberg – Sabitzer, Demme (69. Mukiele), Kampl (91. Cunha) – Poulsen, Bruma (62. Haidara), Werner (84. Ilsanker); Bank: Mvogo, Saracchi, Augustin; Nicht im Kader: Forsberg, Adams, Upamecano, Smith Rowe, Klostermann, Nukan (alle verletzt oder angeschlagen), Müller

Aufstellung FC Augsburg: Kobel – Gouweleeuw, Khedira (95. Jensen), Danso – Teigl, Koo, Baier (87. Cordova), Max – Hahn (80. Finnbogason), Richter (114. Stafylidis) – Gregoritsch

Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hatte insgesamt eine in sich konsistente Linie, was er pfeift und was nicht. Die hielt er bis zum Ende durch. Lediglich bei einer Aktion gegen Cunha an der Strafraumgrenze tief in der Verlängerung wäre ich zu 100% von Foul ausgegangen und somit komplett anderer Meinung gewesen als Stieler. Der Ärger darüber potenzierte sich noch dadurch, dass kurz darauf auf der anderen Seite eine Ilsanker-Aktion konsequent als Foul gepfiffen wurde. Ansonsten kann man das von der Linie her so machen. Kompliziert wurde Stielers Spielleitung dadurch, dass er lange um jeden Preis verhinden wollte, gelbe Karten zu zeigen. Was da an permanentem Ziehen, Ringen, Foulspiel, Nachhakeln nach dem Zweikampf, Ball wegschieben und vor den Ball stellen ungeahndet durchging, war irgendwann einfach too much und führte auch dazu, dass die Partie immer zefahrener wurde. Eben weil die Spieler merkten, dass sie mit vielen kleinen Fouls ungestraft durchkommen. Dass die ersten gelben Karten nach der Pause für ein bisschen Rumschubsen verteilt wurden, passte da gut ins Bild. Klar, da war lange auch kein wirklich übles Foul dabei, bei dem du sagst, das ist zu 100% eine Aktion, bei der du gelb geben willst (Baier hätte sicher mindstens eine gesehen, wenn er mit einem Forsberg-Gedächtnis-Tritt von hinten Erfolg gehabt und ich glaube Bruma nicht nur gestreift hätte), aber in der Masse war es auch irgendwann zu viel, was ohne Karte durchging. Stieler ist ein Typ, der viel über Ansprache und Kontakt zum Spieler lösen will (ein motzender Sabitzer kam so früh um eine gelbe Karte drumherum). Das ist grundsätzlich natürlich vernünftig, aber wenn das nicht funktioniert, weil die Spieler das durch dreckiges Spiel ausnutzen, dann müsste man auch mal mit den Sanktionen anziehen. Haidara durfte sich darüber freuen, dass Stieler das nicht tat, sonst wäre er für sein Ballwegschlagen in die Zuschauerränge direkt über FCA-Coach Manuel Baums Kopf hinweg mit gelb-rot vom Platz geflogen. Handspielentscheidungen in der Schlussphase gingen nach dem, was ich gelesen habe, ok. Einen Ellenbogenschlag von Sabitzer früh in der Partie habe ich aufgrund meiner Stadionposition nicht gesehen. Da der Videoassistent nicht eingegriffen hat, kann man davon ausgehen, dass der das nicht als Tätlichkeit, für die man glatt rot ziehen könnte, gesehen hat. Klagen gab es teilweise von RB-Fanseite über die zu lange Nachspielzeit in der regulären Spielzeit. Drei Minuten waren angezeigt. Fast vier wurden schließlich gespielt. Das hatte Stieler aber schon früh angezeigt, dass er die drei Minuten noch mal verlängern wird, nachdem Halstenberg in der Nachspielzeit für einen Einwurf erstmal 50 Meter im lockeren Schritt nach vorn gegangen war. Das passte schon so. Insgesamt war es eine in der Linie ordentliche Spielleitung von Stieler, in Sachen Konsequenz bei persönlichen Strafen war es mir persönlich viel zu mild. Willen, zu einem echten Pokalfight beizutragen hin oder her.)

Gelbe Karten: Khedira, Koo, Gregoritsch – Haidara (1.), Halstenberg (1.)

Zuschauer: 25.651 (davon 1.500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, FCA-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 18 : 17
  • Schüsse auf das Tor: 7 : 5
  • Schüsse innerhalb des Strafraums: 12:11
  • Ballbesitz: 45% : 55%
  • Zweikampfquote: 48% : 52 %
  • Passquote: 60% : 70%
  • Fouls: 22 :20
  • Ecken: 2 : 6
  • Abseits: 8 : 7

Statistiken von kicker.de, sofascore.com

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Saisontorschützen DFB-Pokal: Werner – 3; Poulsen, Forsberg, Augustin, Cunha, Halstenberg – je 1

Saisonvorlagengeber DFB-Pokal: Klostermann, Poulsen, Haidara – je 2; Kampl, Halstenberg – je 1

Saisontorbeteiligungen DFB-Pokal (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Upamecano – 3; Demme, Kampl – je 2; Forsberg, Bruma, Mukiele, Konaté, Poulsen, Sabitzer, Orban – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Thomas Bachun

3 Gedanken zu „DFB-Pokal: FC Augsburg vs. RB Leipzig 1:2 n.V.“

  1. Bei den Lichtblicken fehlt m.E. Haidara. Er ist tatsächlich ein Unterschiedsspieler, der beide Tore vorbereitet hat, das erste mit einem Uwe-Bein-Gedächtnispass. Ansonsten Orban zurecht genannt, Spieler des Spiels für mich auf Seiten der Rasenballsportler.

    Das Spiel hat viel Erkenntnisgewinn gebracht, wer eher nicht in die Stammelf gehört. Die Verlierer des Spiels sind für mich Bruma und Sabitzer. Sabitzer vollkommen übermotiviert, muss wegen klarer Tätlichkeit mit Rot vom Platz. Auch anschließend extrem unkonzentriert, zig „Christian-Ziege-Gedächtnis-Flanken“ unbedrängt ins Nirvana. Da reicht es nicht, in der Verlängerung Vorkämpfer zu sein, wenn man in 90 Minuten Fehler an Fehler reiht.

    Zu Bruma fehlen mir die Worte. Da ist so viel Potenzial und er setzt 0,0 davon um. Ohne jedes Gefühl für den richtigen Aktionszeitpunkt, keine Spielübersicht, kurzum der Inbegriff der Ineffektivität. Wenn man sieht, was mit einem fitten Forsberg und Haidara geht, dann ist das definitiv zu wenig.

    Dritter „Schattenblick“: Rangnick. Dass Hasenhüttl katastrophal wechselt, ist bekannt. Aber wie man so um ein Gegentor betteln kann, indem man den Konterstürmer auswechselt und Ilsanker bringt, der wieder in wirklich jeder Situation überfordert ist und zur Krönung das Gegentor verschuldet. Was muss der Kerl denn noch machen, bis man ihn nicht mehr berücksichtigt. Ich glaube, Uwe Bein ist heute noch besser als Ilse.

    Hoffentlich sehen wir in Leverkusen wieder die „Berlin-Elf“ (das könnte ein geflügeltes Wort wie einst die „Breslau-Elf“ werden) auf dem Platz.

    Ach so. Und ansonsten gilt stets #TeamMintzlaff

  2. Irgendwie den RBlern schon ziemlich unsympathisch und unangenehm der FCA. Plädiere dafür, die Pflichtspiele gegen Augsburg in der nächsten Saison offiziell gegen solche vs Hertha zu ersetzen. Da wird doch was zu machen sein! Vielleicht mit ner Uhr…

  3. Mit den Lichtblicken gehe ich konform, denn auch bei Haidara gab es Licht und Schatten (wäre aber sicher meine Nr. 4 gewesen). Sabitzer sehe ich etwas positiver als FaulerZauber. Ohne seinen Einsatz (und dem von Laimer) in der Verlängerung hätten wir uns vermutlich nicht bis in die 120. Minute gerettet. Allerdings hatte er ganz viel Glück nicht frühzeitig vom Platz zu fliegen. Bei so einem Einsatz vom Gegner wäre ich jetzt noch äußerst empört.
    Laimer übrigens in den ersten 90 Minuten in der Defensive eindeutig überfordert, das war dann mit Mukiele auf seiner Position deutlich besser.

    Mein Wunsch zum Halbfinale: Heimspiel gegen Heidenheim ;-) !

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