Bundesliga: 1. FC Nürnberg vs. RB Leipzig 0:1

24. Spieltag in der Bundesliga. Auswärtsspiel in Nürnberg. Da gab es einst in der zweiten Liga für RB Leipzig zweimal nichts zu holen. Aber die Kräfteverhältnisse haben sich seitdem doch deutlich verschoben. So richtig sah man das am Samstagnachmittag auf dem Rasen nicht. Letztlich war der 1:0-Arbeitssieg, der erste Sieg eines Auswärtsteams in den Duellen beider Klubs gegeneinander überhaupt, aber trotzdem verdient.

Ralf Rangnick veränderte sein Team gegenüber dem Hoffenheim-Spiel auf zwei Positionen. Adams kam für Ilsanker in die Partie, wie man es erwarten durfte. Kampl ersetzte den überraschend wegen Grippe fehlenden Demme. Hieß auch, dass Timo Werner weiter fehlte, der nach Erkrankung immer noch nicht im Kader stand. Organisiert war man nach dem Ausflug in die Fünferkette gegen Hoffenheim nun wieder im gewohnten 4-2-2-2.

Nürnberg musste notgedrungen dreimal umstellen. Den rotgesperrten Pereira ersetzte Kerk. Erras kam für den kurzfristig ausfallenden Petrak in die Partie. Und Ishak spielte im Sturm für Zrelak, der sich unter der Woche einen bitteren Kreuzbandriss zugezogen hatte. An der Formation der Nürnberger änderte sich nichts. Es blieb bei einem 4-1-4-1, das man allerdings nicht ganz so tief interpretierte wie noch gegen Dortmund und aus dem heraus man aktiver spielte und nach zweimal deutlich unter 30% Ballbesitz diesmal auf 46% kam.

Die Partie ging aus RB-Sicht eigentlich ganz gut los. Vor allem über links hatte man ein paar gute Aktionen, aus denen ein, zwei gefährliche Situationen vor dem Nürnberger Tor resultierten. Rein ging der Ball aber nicht. Dafür gab es auf der anderen Seite in Folge der ersten Offensivaktion der Hausherren Elfmeter. Einen recht umstrittenen Elfmeter, den Hanno Behrens an die Latte setzte. Es war der einzige Torabschluss der Heimmannschaft in der kompletten ersten Halbzeit.

Aber in der Entstehung auch einer, der den Weg für das Spiel wies. Denn wenn Nürnberg mal gefährlich wurde, dann meist über die Außenbahn und da vor allem in der zweiten Halbzeit. Da schaffte man es wie vor dem Elfmeter (dort mit Leibold und Kerk) dann doch immer mal ganz gut, sich mit viel Physis und Einsatz durchzusetzen und Situationen zu kreieren, bei denen so etwas wie Gefahr aufkam. Auch der einzige Schuss überhaupt, den Peter Gulacsi halten musste (nach 89 Minuten!), entstand auf diese Art über die linke Seite.

Ansonsten war das über 90 Minuten von Nürnberg offensiv nicht viel. Man mühte sich sehr viel mehr um die Teilnahme an dem Spiel als noch in den letzten beiden Begegnungen gegen Dortmund und in Düsseldorf. Aber viel fiel den Hausherren dann doch nicht ein. Hinten spielte man sich den Ball mit einem tief fallenden Erras zwischen den Innenverteidigern immer mal hin und her und band da auch Torwart Mathenia ein (was nebenbei auch das Anlaufen von RB mit nur zwei Spielern aus dem Spiel nahm). Darauf aufbauend setzte man dann vornehmlich auf lange Bälle, die man immer wieder Richtung Ishak spielte. Jeder vierte Ball war am Ende ein langer (bei RB jeder siebte). Das kann an guten Tagen auch mal gut gehen, aber Konaté und Orban köpften das meiste da hinten relativ problemlos raus und im Kampf um die zweiten Bälle spielte RB auch zumeist aufmerksam.

Die RasenBallsportler auf der anderen Seite mit dem erwartet schweren Spiel, gegen einen gut verteidigenden Gegner die Lücke zu finden. In der Spielfeldzentrale war wenig Platz, sodass es Nürnberg gelang, die Angriffe zumeist auf die Außenbahnen zu lenken. Dort war es dann schwer für RB gegen sehr gut verdichtende Gastgeber Lücken zu finden. Selbst wenn ein Kampl immer wieder mit nach links fiel und dort die Seite mit überlud.

Entsprechend entstand teilweise ein handballartiges Spiel, bei dem RB wie um einen imaginären Kreis herumspielte. Links raus, ein Stück in die gegnerische Hälfte, zurück zum Mittelkreis, rechts raus, ein Stück in die gegnerische Hälfte. Abgesehen von einem schönen Kampl-Abschluss, als es mal schnell durch die Mitte ging, wurde es in der ersten Hälfte vor allem nach ruhenden Bällen gefährlich. Halstenberg mit herrlichem direkten Freistoß aus sehr spitzem Winkel, den Mathenia noch gerade so ans Lattenkreuz lenkt. Poulsen nach einer Freistoßflanke per Kopf mit zu wenig Druck auf dem Ball. Und dann die Führung natürlich nach einem ruhenden Ball. Konaté hatte einen Halstenberg-Eckball verlängert. Klostermann hatte (so wie Witsel für den BVB in Leipzig) die Kugel auf der hinteren Seite des Strafraums aufgenommen und dann einmal durch alle durch im Netz versenkt.

Viel Gewimmel, wenig klare Aktionen. Trotzdem gewinnt RB Leipzig verdient mit 1:0 in Nürnberg. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Es war angesichts des verschossenen Elfmeters und eines Spiels, in dem beide Teams spielerisch kaum etwas zielgerichtetes hinbekamen und RB bei den Angriffen in vielen Situationen zu ungenau spielte, vielleicht eine etwas glückliche Führung. Der Spielstand spiegelte aber auch das Bemühen der beiden Teams um das Spiel wieder und ging entsprechend trotzdem durchaus ok.

Die zweite Halbzeit wurde dann zwar spielerisch nicht unbedingt viel besser, aber sie wurde offener geführt und bot entsprechend mehr Abwechslung. Mit 6:4 Torschüssen war die Partie nun auch deutlich ausgeglichener als vor der Pause, als da noch 1:8 Torschüsse zugunsten der Gäste standen.

Erstaunlich dabei, dass sich RB Leipzig teilweise auf ein Run-and-Gun-Spiel einließ, bei dem man ein wenig die defensive Ordnung verlor. Bzw. man im (viel zu schlecht ausgeführten) Umschaltspiel nach vorn mit vielen Spielern mitsprintete und dann teilweise große Räume hinter sich offen ließ, in die Nürnberg bei den oft folgenden RB-Ballverlusten durchaus stoßen konnte. Auch wenn da wenig konkrete Torgefahr auf Seiten der Gastgeber bei rum kam. Die beiden gelben Karten wegen des Unterbindens von Kontern (bei eigener Führung) waren durchaus ein Zeichen, dass RB da manchmal ein wenig zu arg die Ordnung verlor.

Wobei es natürlich auch ein gutes Mittel sein kann, sich auf Run and Gun einzulassen, weil das ja eigentlich den Qualitäten von RB Leipzig entgegenkommt. Wenn man denn die Umschaltsituationen gut ausspielt. Aber was man da teilweise im vorderen Drittel für Entscheidungen traf, war für das Sorgen für die vorzeitige Entscheidung in dieser Partie nicht zielführend. Immer wieder wurden da Bälle nach außen gespielt und ihnen somit die Gefahr genommen. Fehlabspiele unterbrachen viele Angriffsversuche genauso wie Dribblingsversuche, bei denen man hängen blieb. Und wenn man dann mal richtig durchkam, dann war da ja auch noch Mathenia wie bei einer riesigen Laimer-Chance nach einer knappen Stunde. (Mal abgesehen von allem verteidigte Nürnberg vor allem zentral und auch bei RB-Tempogegenstößen durchaus sehr gut und dicht.)

Es war viel Haareraufen dabei in dieser Partie, die neutralen Beobachtern wenig Spaß gemacht haben dürfte. Die Limitierungen der tapfer verteidigenden und es offensiv  zumindest versuchenden Nürnberger gerade im vorderen Spielfelddrittel waren allzu offensichtlich. Die fehlende Klasse der Gäste an diesem Tag, dies auszunutzen und die Partie vorzeitig zu entscheiden, blieb aber auch auffällig. Und so war es eine zerfahrene Partie, die dann irgendwie ohne große Aufreger ihrem Ende entgegenging.

Fazit: Ein verdienter Sieg für RB Leipzig, die (abgesehen vom Nürnberger Elfer) die größere Zahl an und die klareren Chancen hatten. Wenn der Elfer zu Beginn des Spiels reingegangen wäre, dann hätte man vermutlich noch mal ein ganz anderes Spiel gehabt. Aber letztlich verdiente sich RB Leipzig die drei Punkte durch viel Arbeit und durch ein paar gute Standards. Ein Arbeitssieg in einem maximal durchschnittlichen Bundesligakick. Gehört auch zu einer Saison.
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Randbemerkung 1: Nach 24 Spielen RB Leipzig mit sieben Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher neun Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt) (verglichen werden jeweils die Heimspiele der Vorsaison mit den Heimspielen in dieser Saison gegen die jeweiligen Gegner und analog die Auswärtsspiele). Gegenüber der Hinrunde (Ziel ist es ja in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig nach sieben Spielen seit der Winterpause genauso viele Punkte auf dem Konto. Bedeutet nun Platz 3 in der Tabelle. Hoffenheim dürfte nach der Niederlage in Frankfurt aus der CL-Verlosung raus sein. Bzw. ist es unwahrscheinlich, dass die TSG in zehn Spielen elf Punkte auf RB Leipzig aufholt. So wie es aktuell aussieht, spielen Leipzig, Mönchengladbach, Leverkusen, Frankfurt und Wolfsburg zwei Champions-League-Plätze aus. Gegen drei der Teams muss RB noch ran. Nur Wolfsburg empfängt man dabei zu Hause. Angesichts dessen, dass RB die Big-Point-Spiele in der Rückrunde bisher nicht gewinnen konnte, wird das noch sehr interessant..

Randbemerkung 2: Vier Auswärtssiege von RB Leipzig in Folge. Dass man die Spiele gegen Abstiegskandidaten, die ein CL-Kandidat eigentlich gewinnen muss, aber so oft ja dann auch nicht gewinnt (frag nach in Dortmund), allesamt siegreich bestreitet und auch Düsseldorf (die in der Rückrunde bisher mehr Punkte geholt haben als Dortmund) auswärts souverän überrollt, ist absolut beeindruckend.

Randbemerkung 3: Rund 2.000 RB-Fans mit in Nürnberg am Samstagnachmittag (by the way: fast 1.000 weniger als einst im letzten Zweitligaspiel in Nürnberg; erstaunlich). Rund 1200 Fans mehr als letzte Saison in Köln (nicht direkt vergleichbar wegen der Fahrtstrecke, aber hier ersetzt halt ein Aufsteiger einen Absteiger). Insgesamt fuhren in dieser Saison damit bisher rund 19.400 Fans mit zu den zwölf Auswärtsspielen, rund 11.100 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen. 5.000 fehlten dabei allein bei der Auswärtsfahrt nach Berlin, 4.000 in München.

Randbemerkung 4: Welches Standing Peter Gulacsi inzwischen hat, zeigt sich auch darin, dass er inzwischen sogar gefeiert wird, wenn er gar nichts dafür kann, dass ein Tor verhindert wurde. So wie beim verschossenen Elfer der Nürnberger, den Gulacsi souverän an die Latte guckte. Aber irgendwo musste die Freude über den Fehlschuss wohl einfach hin.. (Nur einen einzigen Schuss musste Gulacsi in Nürnberg halten, um mit der Null aus dem Spiel zu gehen.)

Randbemerkung 5: Endlich hat es Marcel Sabitzer geschafft, sich an die Spitze der Gelb-Statistik der Bundesliga zu schieben. Acht Verwarnungen hat er schon gesehen. Genauso viele wie William und Ascacibar. Aber die beiden haben heute noch die Chance, sich wieder alleinig an die Spitze zu setzen. Sabitzer steuert schnurstracks auf die zweite Gelbsperre der Saison zu. Das wäre natürlich ein bisschen viel. Andererseits ist es immer bewundernswert, wie sich Sabitzer meist seine gelbe Karte abholt, weil er dem Schiedsrichter seine Meinung mitteilt, aber auch seine Grenze soweit kennt, dass er nicht vom Platz fliegt. Stefan Effenberg gefällt das.

Randbemerkung 6: Erster Wechsel in der 86. Minute. Ganz ehrlich, das habe ich nicht verstanden. Der Mannschaft fehlte Frische und Geschwindigkeit in der Spitze. Das Spiel gegen den Ball war jetzt auch nicht von einer überragenden Dynamik, dass die Statik zwingend hätte so bleiben müssen. Spätestens ab der 70. Minute hätte man auf eine frische Option gesetzt (Bruma oder Augustin oder auch Mukiele, wenn man an Konatés Fähigkeiten, bis zum Ende ohne gelb durchzukommen, zweifelt). Aber es passierte nichts. Und dann nichts. Und dann weiter nichts. Und noch mal nichts. Und dann kam Ilsanker. Erstaunlich. Genauso erstaunlich wie die Tatsache, dass dann kurz nach der Einwechslung von Ilsanker die restlichen Ersatzspieler zur Bank gerufen wurden. Und dann setzten sich die fünf Feldspieler in Bewegung und schlenderten ihren Weg bis zu Bank. Und dann durften sich Bruma und Mukiele umziehen und zumindest dabei helfen, dass die Nachspielzeit etwas schneller runtertickt. Seltsam. Habe ich zugegeben überhaupt nicht verstanden.

Randbemerkung 7: Im letzten Spiel gegen Hoffenheim schon eine schwache Zweikampfquote. Da hatte man noch das Gefühl, dass die TSG sich in diesen Duellen einfach cleverer anstellt und den Körper besser reinstellt, um Bälle zu sichern. Nun in Nürnberg auch wieder eine schwache Zweikampfquote und es blieb in vielen Situationen das seltsame Gefühl (seltsam auch deswegen, weil das im bisherigen Saisonverlauf so nur selten vorkam), dass der Gegner einfach robuster und physisch griffiger spielt und die RasenBallsportler in manchen Situationen einfach nicht gut dagegenhalten (und auch einige Einsätze mit dem Körper abgepfiffen bekamen). Dazu kommt auch ein Mittelfeld mit einem Adams, der gegen physisch robuste und große Spieler dann doch auch so seine Probleme hat (entsprechend auch unter 40% gewonnene Zweikämpfe). RB über die Saison gesehen in Sachen Zweikampf eigentlich das zweitbeste Team der Liga. Umso erstaunlicher die Quoten der letzten beiden Spiele mit jeweils deutlich unter 50% gewonnene Zweikämpfe.

Randbemerkung 8: Drei Gegentore in acht Pflichtspielen seit der Winterpause. Davon gerade mal eins aus dem Spiel heraus. Auch Nürnberg hatte letztlich gerade mal durch einen (sagen wir umstrittenen) Foulelfmeter eine ernsthafte Chance auf ein Tor. Schon irre, was RB da bisher in der Rückrunde defensiv abreißt. Zumal da mit Dortmund, Wolfsburg, Frankfurt oder Hoffenheim auch durchaus sehr gute Gegner dabei waren. Wobei halt jenseits der Zahlen so ein bisschen ein Fragezeichen bleibt, inwieweit die Zweikampfstatistiken der letzten beiden Spiele einen ernsteren Hintergrund haben (oder einfach nur Zufall sind) und dafür sprechen, dass RB gegen physisch agierende Gegner Probleme kriegt. Das Mismatch Demme/ Joelinton gegen Hoffenheim war genauso augenscheinlich wie die Probleme von Adams in Nürnberg in einigen Situationen in der Zentrale, wenn es vor allem um hohe Bälle ging.

Randbemerkung 9: Erstaunlich auch, dass die Anzahl der Dribblings wieder nach oben geht. 15 gewonnene waren es gegen Nürnberg. Im bisherigen Saisonverlauf war man diesbezüglich eigentlich eher ein Bundesliga-Durchschnittsteam. Unter Hasenhüttl agierte RB im Ballbesitz noch oft mit Dribblings, die dann durch Positionsspiel abgesichert waren und im Fall eines Verlustes den Ball das Gegenpressing zum Zug kommen sollte. Unter Rangnicks direkterem Umschaltspiel mit weniger Ballbesitz spielten Dribblings bisher in der Saison zumeist eigentlich eine geringere Rolle. Zuletzt wurde es aber wieder mehr. Was auch ein Hinweis darauf sein könnte, dass man sich mit dem direkten, schnellen Spiel nach vorn grad schwer tut. Was wiederum auch ein Hinweis darauf sein könnte, dass ein Werner als Spielertyp, der die Räume in der Tiefe mit seinen Läufen öffnet, fehlt.

Randbemerkung 10: Die Tyler-Adams-Serie hält. Mit ihm in der Startelf hat RB Leipzig bisher immer gewonnen und 12:1 Tore geschossen. Eine (hübsche) Zahlenspielerei. Irgendwann wird die Serie dummerweise aber auch mal reißen.

Randbemerkung 11: Timo Werner diesmal erkrankt erneut nicht mal im Kader. Schon das dritte Spiel seit der Winterpause, das er in der Bundesliga verpasste. Vor der Winterpause stand da noch die Null. In der Bundesliga steht Werner diese Saison weiter bei 72 Torschüssen, aus denen elf Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 51 Schüssen zwölf Tore (24%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für ein Tor 22 Schüsse (5%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 20 gewonnenen Dribblings in 65 Versuchen (31% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 20 von 53 (38%), Augustin bei acht von 19 (42%) und Cunha bei elf von 20 (55%).

Randbemerkung 12: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 24 Bundesligaspielen: 92:67 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 8:2 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). Defensiv ist RB das beste Team der Liga(!), offensiv seit der Winterpause sehr gut. Auch die Effizienz passt, wenn man die Anzahl der Torabschlüsse mit der Anzahl der Tore vergleicht. In Nürnberg nahm man durch ein Tor nach Standard drei Punkte mit. Schon in Hannover waren Standards ja für den Sieg elementar wichtig.

Randbemerkung 13: Der Nürnberger Gästeblock. Aufgrund der eher geringen Steigung und der Tartanbahn einer mit schlechter Sicht. Dinge, die am anderen Ende des Stadions passieren, kann man quasi genauso gut einschätzen wie Dinge, die man im Radio hört. Gut, dass die Ordnerschaft die Aufdrucke auf den Tickets und die Zuordnung auf den Karten zu den voneinander getrennten Stehplatzblöcken nicht ganz so ernst nahm und so zumindest die Chance bestand, den Schwenkfahnen aus dem Weg zu gehen, die nur im einen der beiden Stehplatzblöcke zu finden waren. Im sowieso schon unschönen Nürnberger Block auch noch hinter Fahnen zu stehen wäre dann schon relativ katastrophal (so man denn deswegen zu einem Auswärtsspiel fährt, weil man das Spiel verfolgen will).

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Lichtblicke:

  • Willi Orban: Der Kapitän mal wieder mit einer ruhigen und abgeklärten Partie. Immer den Kopf oben und da wenn benötigt.
  • Marcel Sabitzer: Stand ein wenig sinnbildlich für die Mannschaft. Arbeitete viel (auch wenn er manchmal einen seltsam lockeren Umgang mit seinem Positionsspiel zu haben schien), machte auch in der Spieleröffnung gerade in Hälfte zwei einige gute Bewegungen und viel richtig. Aber in letzter Konsequenz passierte dann Richtung gegnerischem Tor nicht mehr viel. (Allein schon für eine Szene in der zweiten Halbzeit, als er in der eigenen Hälfte einen Ball aufnimmt, drei Spieler bindet und den Ball auf Adams durchsteckt, der dann frei übers ganze Feld stiefeln kann, aber am gegnerischen Strafraum keine gute Entscheidung trifft, gehört Sabitzer hier in die Lichtblicke.)
  • Lukas Klostermann/ Marcel Halstenberg: Mal wieder als Duo, weil sie auf ihren Seiten zur Zeit so viel richtig machen und in beiden Richtungen des Spielfelds wichtig sind. Was Klostermann da diesmal an Bällen verarbeiten musste, bei denen er von Konaté in eine Situation an der Seitenauslinie gebracht wurde, in der er gleich unter Gegnerdruck stand, war Wahnsinn. Löste der Rechtsverteidiger aber ganz gut. Halstenberg auf der anderen Seite sowieso als Teil des Passspiels sehr wichtig. Undankbar war der Job der Außenverteidiger trotzdem. Nürnberg war sehr gut darin, den Ball nach außen zu leiten und dort dann die Spieler im Ballbesitz abzuklemmen und zu isolieren.

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Tor: 0:1 Klostermann (40.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg – Adams, Kampl (90.+1 Mukiele) – Sabitzer (90. +2 Bruma), Laimer – Cunha (86. Ilsanker), Poulsen; Bank: Müller, Saracchi, Forsberg, Augustin; Nicht im Kader: Smith Rowe, Haidara, Upamecano (alle verletzt), Demme, Werner, Nukan (alle krank), Mvogo

Aufstellung 1. FC Nürnberg: Mathenia – Valentini, Mühl, Ewerton, Leibold – Erras – Kubo (81. Knöll), Löwen, Behrens, Kerk (66. Misidjan) – Ishak

Schiedsrichter: Daniel Schlager (Viele knifflige Situationen zu lösen. Auch im Strafraum. Elfmeter für Nürnberg war aus Stadionsicht sehr wenig Foul. Die TV-Bilder zeigen angeblich eher, dass Leibold Konaté auf den Fuß tritt, also gar kein Foul vorliegt. Dass der Videoassistent, nachdem zuerst auf Freistoß entschieden wurde, darauf hinweist, dass das geahndete Foul im Strafraum war, ist sein Job. Ob er das Foul selbst anzweifeln oder Schlager an die Linie an den Monitor hätte schicken müssen, kann ich nicht einschätzen (klingt aber eher danach) [jetzt noch mal angeguckt: Leibold tritt Konaté zuerst auf den Fuß, rutscht dann runter und fällt über diesen; da mag es fünf Prozent Argument geben, dass der VAR nicht dem Elfmeter widersprechend eingreift und das nicht als komplette Fehlentscheidung sieht (zum Beispiel, weil man sagt, dass Konates Fuß da nicht hingehört und Leibold quasi aus dem Tritt kommt, weil Konate seinen Fuß strafbar in dessen Weg und unter dessen Fuß stellt), aber eigentlich ist es halt zuerst eher ein Foul an Konaté, bevor man das in der Folge als Bein stehenlassen oder was auch immer interpretiert]. Verwirrung um die gelbe Karte, die Schlager in der Situation Konaté zeigte und von der man im Stadion nicht mitbekam, dass diese direkt wieder zurückgenommen wurde (weil die Karte für ein taktisches Foul bei Freistoßentscheidung war, aber bei einer Elfmeterentscheidung kein Gelb für taktisches Foul gegeben werden kann bzw. bei einer ballbezogenen Aktion im Strafraum, die zum Elfmeter führt, kein Gelb gegeben wird, wenn denn das Foul nicht selbst so heftig war, dass es deswegen gelbwürdig ist). Als Konaté dann in Hälfte zwei nochmal gelb bekam, herrschte etwas Verwirrung, weil es keinen Platzverweis zur Folge hatte. Die Verwirrung wurde komplettiert, als der Stadionsprecher fälschlicherweise mit Hinweis auf Informationen vom 4. Offiziellen meinte, dass die Karte in der Halbzeit zurückgenommen wurde (was schlicht nicht möglich ist; in der Halbzeit wurde die noch vor dem Elfer erfolgte Rücknahme der Karte nur noch einmal den Teams gegenüber kommuniziert). Eine mögliche Foulsituation gegen Laimer kurz vor der Pause im FCN-Strafraum kann ich nicht einschätzen, weil zu weit weg, genauso wie zwei Szenen kurz nacheinander im RBL-Strafraum in Hälfte 2. Ein Stoßen gegen Adams in der zweiten Halbzeit war für mich dagegen ein klares Foul und aus Stadionsicht mindestens auf der Strafraumlinie, ergo ein Elfmeter. Das alles war schon eher so mäh, aber auch in Sachen Zweikampfbewertung Schlager mit einer merkwürdigen Linie und einigen Pfiffen, wenn der Körpereinsatz doch relativ normal wirkte. Der Schiedsrichter dürfte auch froh gewesen sein, als dann sein Arbeitstag irgendwann zu Ende war..)

Gelbe Karten: Leibold, Behrens | Sabitzer (8.), Konaté (6.), Kampl (3.)

Zuschauer: 34.532 (davon 2.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, FCN-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 7 : 12
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 4 : 8
  • Schüsse auf das Tor: 1 : 5
  • gewonnene Zweikämpfe: 54,6% : 45,5%
  • Ballbesitz: 45,7% : 54,3%
  • Passquote: 65,5% : 76,7%
  • Laufstrecke: 117,9 km : 116,2 km
  • Sprints: 220 : 257
  • Intensive Läufe: 713 : 695
  • Fouls: 8 : 17
  • Ecken: 5 : 8
  • Abseits: 5 : 2
  • Meiste Torschüsse: sieben Spieler mit je 1 – Klostermann, Laimer, Poulsen: je 2
  • Meiste Torschussvorlagen: Leibold, Behrens, Ishak: je 1 – Sabitzer, Kampl: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Erras: 73,7% – Halstenberg: 61,1%
  • Meiste Ballkontakte: Leibold: 68 – Kampl: 83
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Ewerton: 87,0% – Orban: 85,2%
  • Größte Laufstrecke: Behrens: 12,2 km – Adams: 11,9 km
  • Meiste Sprints: Ishak: 30 – Cunha: 38

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 12; Werner – 11; Orban – 4; Sabitzer, Augustin, Klostermann – je 3; Forsberg, Kampl, Cunha, Bruma, Laimer, Konaté, Halstenberg – je 1

Saisonvorlagengeber: Halstenberg, Werner – je 6; Kampl, Poulsen – je 5; Forsberg, Sabitzer – je 4; Demme – 3; Laimer, Klostermann – je 2; Orban, Bruma, Cunha, Adams, Konaté – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Halstenberg – 12; Sabitzer – 11; Kampl – 8; Upamecano, Konaté, Orban – je 6; Forsberg, Demme, Poulsen, Klostermann – je 5; Adams – 4; Saracchi, Mukiele – je 3; Werner, Ilsanker, Gulacsi, Bruma – je 2; Laimer, Cunha – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

6 Gedanken zu „Bundesliga: 1. FC Nürnberg vs. RB Leipzig 0:1“

  1. Sabitzer in den Lichtblicken, ist das als Provokation gedacht ;-) ? Ja, es gab diese 2 Aktionen in Halbzeit 2 und der Einsatz stimmte, aber die (oft unbedrängte) Fehlpassquote, vor allem in der 1. Halbzeit war doch erschütternd.
    Aus meiner TV-Sicht gab es im ganzen Spiel keine wirklich elfmeterreife Situation. Am wenigsten die von Konaté, die natürlich kein bisschen ein Foul war. Vermutlich hätte Herr Schlager das auch nicht gepfiffen, wenn er gleich gesehen hätte, dass die Aktion im Strafraum war. Die mangelnde Kommunikation der gelben Karte hätte mich als Nürnberg-Fan auch gewaltig auf die Palme gebracht.
    Glückliche und verdiente 3 Punkte, letzte Saison wäre das Spiel vermutlich noch 0:0 ausgegangen.

  2. Zunächst DANKE für Deinen Bericht. Er gibt – ergänzt durch PeterM’s Kommentar – genau meinen Eindruck wieder. Hinsichtlich der Auswechslungen habe ich schon mit dem Beginn der zweiten Halbzeit auf irgendeine Aktivität gewartet….

  3. @Grinch1969
    ist echt lustig, ich habe irgendwie an Dich denken müssen als der VAR am Samstag eingriff.

    Gut zu dem Thema haben wir uns ja auf Twitter mit Collinas Erben genug ausgelassen, kann ja ggf. Matthias verlinken.

    Zum Spiel / Analyse.
    Ja, es war kein schönes Spiel, aber wie das Team wie schon gegen den VfB den Sieg eintütete war beeindruckend.
    Und wieder zu 0 gespielt.
    Und wieder hat ein Verteidiger das Tor erziehlt, weil es vorne klemmte.

    20 Gegentore sind in Europa Top 5, unfassbar.
    Auch haben wir uns auf Twitter / TM den Kopf zerbrochen, das mal Saracchi und vor allen Mukiele spielen sollten. Aber wie soll man das Halstenberg / Klostermann vermitteln, wenn sie so bockstark spielen.

    Tja, und die (Nicht-Wechsel)
    Ich verstehe es auch nicht.
    Bei Rückstand macht es Rangnick richtig, wie gegen die TSG, aber bei Führungen will er nicht, das irgendwie/irgendwer das funktionierende Rädchen durcheinander bringt. Anders ist es nicht zu erklären.

    RB 10
    Pff, No Adams, No Party

    RB 5
    das ist irgendwie sehr erstaunlich und immer wieder amüsant, wie sich Sabitzer die gelben Karten abholt. In dem Fall, habe ich den TV angeschrien „Zieh das Foul“ (war schon eine gute Kontergelegenheit) Aber so mag ich ihn, immer voran.

    Von daher auch gut in den Lichtblicken vertreten, wie auch der Rest.

    Interesannt an der (nicht) gelben Karte von Konate: Hätte der VAR nicht eingegriffen beim Elfmeter, wäre Ibu gegen Augsburg gesperrt und die Siegwahrscheinlichkeit gesunken.
    Aber auch bei Konate merkt man, das er überspielt ist und er eigentlich eine Pause mal braucht. Gegen die TSG hatte er ja auch ein paar Wackler. In dem Alter und Position auch völlig normal.

    RB 13
    Wir haben das Spiel ohne Werner, Demme, Forsberg, Upamecano, Jika und Haidara gewonnen.
    Verrückt.

    RB 14
    9 Tore und 10 Vorlagen und unfassbare 41 Vorvorlagen.
    Wo steht diese Abwehr von Leipzig in dieser Statisik in der Buli?

    1. @ausle,

      es ist inzwischen leider einfach nur noch frustrierend wie dilettantisch in der BuLi mit einem eigentlich guten Werkzeug umgegangen wird. Man hat, auch ohne den Aluhut aufzuhaben und den zum Glühen zu bringen, das Gefühl dass man einfach nur ein weiteres Werkzeug installiert hat um Einfluß auf die Spiele nehmen zu können. Das geschieht ja so schon Spiel für Spiel durch Schiedsrichter die eben auch nur Menschen sind und somit nicht objektiv ihre Arbeit verrichten können. Es verleidet mir auch am TV inzwischen fast jedes Spiel und nimmt mir persönlich die Lust an einem Fußballspiel, egal ob TV oder Live im Stadion. Wenn dort nicht in Kürze eine gängige Praxis gefunden wird bin ich wahrscheinlich komplett weg, dazu gibt es inzwischen viel zu Gute Alternativangebote um seine Freizeit angemessen zu verbringen. Live Sport und da besonders der Fußball, der auch weiterhin aufgebläht wird, reisst kaum noch vom Hocker. Dazu die mangelnde Konkurrenzsituation in der heimischen Bananenliga in der Veränderungen von selbsternannten Kulturvordenkern wie den 11F regelmäßig Online und in Druck möglichst umfassend und um sich beissend verhindert werden sollen. Es ist insgesamt ernüchternd und sportlich nur noch wenig erbaulich was in der BuLi und drumherum präsentiert wird.

    2. @Grinch1969,

      Wahnsinn. Erkenne mich in deinem Text durchaus wieder. Finde auch es gibt eine ganze Menge anderer Möglichkeiten.
      Und wenn man es schafft sich ab und an mal neutral die Frage zu stellen ob es wirklich noch die Bundesliga / oder Fußball im allgemeinen sein muss, kommt man glaube ich schnell auch zu einer anderen Antwort….

      Gruß
      Chris

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