Große Unbekannte

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig bei Rosenborg Tronheim (04.10.2018, 18.55 Uhr) befindet sich eine Zusammenfassung von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick und Yussuf Poulsen.]

Europa League, zweiter Spieltag. Nach dem ersten Spiel in der Gruppenphase und der Niederlage gegen Salzburg brannte bei RB Leipzig mal ordentlich der Baum. Zwei Spieler suspendiert und ein zürnender Ralf Rangnick, der sich fragte, warum man sich eigentlich durch die Quali gequält habe, wenn man dann die Gruppenphase wegschmeißt.

Weitere Konsequenz des Spiels gegen Salzburg war das Ende der großen Rotation. Sprich, in der Liga spielten seitdem nicht zwangsläufig die frischesten, sondern die jeweils besten Spieler (wofür Frische nur ein Kriterium von vielen ist). Das bedeutet aber auch, dass einige (ganz vorne weg Diego Demme und Kevin Kampl) in den letzten Wochen sehr viel Spielzeit hatten.

Entsprechend könnte man annehmen, dass Ralf Rangnick nun die Europa League auch zur Belastungssteuerung und zum Durchwechseln nutzen wird. Ganz wie in der Quali-Phase könnte der Rest der Gruppenphase eher dahingehend bestritten werden, dass man die Spiele bestmöglich angeht, aber auch nicht alles an Manpower riskieren wird und dann am Ende guckt, was bei rauskommt. Oder anders gesagt, es ist wichtiger am Wochenende gegen Nürnberg die bestmögliche Mannschaft auf dem Platz zu haben, als in Trondheim. Entsprechend dürfte man wohl nichts verrücktes unternehmen, um bestimmte Spieler unbedingt auf dem Platz zu haben.

Dabei ist das Spiel in Trondheim für den Ausgang der Europa-League-Gruppenphase durchaus ein entscheidendes. Im Kampf gegen Celtic und Salzburg um einen der ersten beiden Plätze und ums Überwintern in Europa ist ein Sieg beim norwegischen Meister fast schon Pflicht, wenn RB nicht am dritten Spieltag gegen die Schotten schon unter enormem Ergebnisdruck stehen will. Ohne allzu überheblich gegenüber den Nordeuropäern zu sein, muss man in den Spielen gegen das vermeintlich schwächste Team der Gruppe punkten, wenn man oben dabei bleiben will.

Dass das nicht komplett einfach wird, zeigt sich schon daran, dass Trondheim bzw. der Rosenborg Ballklub, wie er richtigerweise heißt, in Heimspielen in der Europa League in dieser Saison noch unbesiegt ist, auch wenn da mit Gegnern aus Island, Irland und Mazedonien auch noch nicht die ganz große Klasse dabei war. Lediglich im Heimspiel gegen Celtic musste man sich in der Champions-League-Quali, in die Trondheim bereits Mitte Juli startete, mit einem Unentschieden begnügen (witzig, dass Trondheim schon letzte Saison in der CL-Quali gegen Celtic ran musste, diese Saison wieder und nun noch mal das Aufeinandertreffen in der EL-Gruppenphase hat).

Es dürfte für RB Leipzig das erste richtig hitzige Europa-League-Spiel der Saison werden. Häcken war atmosphärisch eher eine Kaffeefahrt. Craiova war schon sehr nett, aber aufgrund des Vorsprungs aus dem Hinspiel und des Spielverlaufs in Rumänien begann das Stadion nicht wirklich zu kocken. Luhansk war aufgrund des Ausweichspielorts atmosphärisch auch eher überschaubar. Trondheim ist nun mit einem 20.000er-Stadion ein kleines, enges Schmuckkästchen, in dem die Fans zu einem Faktor werden können, weil sie nah dran und durchaus entflammbar sind. Schon letzte Saison schlug man dort Ajax Amsterdam, trotzte St. Petersburg einen Punkt ab und verlor gegen Real Sociedad nur knapp.

Kadertechnisch ist Rosenborg sicherlich kein allerhöchstes europäisches Niveau.  Nickals Bendtner ist der schillernste Name im Kader, war allerdings zuletzt verletzt und hat zudem eine Klage wegen Körperverletzung am Hals. Sportlich ist er nicht mehr zwangsläufig unumstritten, aber als Torjäger ist er natürlich immer noch eine Klasse für sich.

Vielleicht demonstriert sich das Niveau des norwegischen Meisters ganz gut dadurch, dass dort mit Vegar Eggen Hedestad und Even Hovland zwei Akteure spielen, die man hierzulande noch aus den Zweitligazeiten aus Spielen gegen Braunschweig und Nürnberg kennt. Hovland feierte eins zwei Siege in vier Spielen gegen RB. Hedestad kam mit Braunschweig auf ein Unentschieden. Dass beide Spieler in Trondheim Stammspieler sind, sich aber in Deutschland in Richtung Bundesliga nicht durchsetzen konnten, verweist auf ein sehr gutes Zweitliganiveau, das die norwegische Liga in der Spitze hat.

Mindstens sehr gutes deutsches Zweitliganiveau ist aber in einer Art Pokalspiel immer noch eine Herausforderung. Die Gastgeber werden das Spiel sicherlich wie eine Underdog angehen. In Glasgow spielten sie zuletzt mit einem sehr tiefen 4-3-3. Gegen ein meist einfallsloses Celtic-Team verteidigten sie in der Formation lange ein 0:0, ohne selbst sonderlich gefährlich zu werden. Erst kurz vor Schluss kassierte man dann doch den Gegentreffer zur 0:1-Niederlage.

Auch gegen RB Leipzig darf man erwarten, dass Trondheim versuchen wird, die Räume eng zu halten und dann den einen oder anderen Konter zu setzen und flügellastig vor allem über lange Bälle zu agieren. Der dänische Kapitän Mike Jensen spielt dabei in beide Richtungen des Platzes eine zentrale Rolle. Issam Jebali bringt offensiv eine gute Technik ein. Lanley ist ein guter und schneller Außenbahnspieler. Söderlund oder Bendtner warten vorn darauf, mal einen Ball reinmachen zu dürfen. Auch auf Schwedens U21-Nationalspieler Jonathan Levi sollte man in der Offensive achten, wenn er denn mitmachen darf.

Alles kein Hexenwerk, was der Rosenborg Ballklub da spielt, aber in einem Heimspiel werden sie das wohl mit einer anderen Überzeugung spielen als noch in Glasgow, als man mit unter 40% Ballbesitz und einer Passquote von unter 75% keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor brachte. Aber auch für die Norweger gilt wie für RB, dass sie einige Belastungen meistern müssen. In der Liga liegt man mit vier Punkten Vorsprung auf Platz 1. Im Pokal zog man zuletzt in die Runde der letzten Vier ein. In der Europa League ist man auch dabei. Viele englische Wochen warten auf Rosenborg BK, bis Ende November in Norwegen die Saison zu Ende geht. Entsprechend geht es auch dort durchaus um das Thema Belastungssteuerung.

Trainiert wird Rosenborg BK derzeit von Rini Cohen. Der übernahm das Team Mitte Juli und verlor zuletzt in der Liga nach 19 Punkten aus 21 Spielen zum ersten Mal. Aus zwei Punkten Rückstand auf Platz 1 sind allerdings vier Punkte Vorsprung auf Rang 2 geworden. Durchaus eine Erfolgsbilanz.

Letztlich wird sich RB Leipzig darauf einstellen müssen, einen Gegner bespielen zu müssen, der dicht verteidigt. Inwiefern man dabei die zuletzt gewählte Taktik, den Ball einfach abzugeben und auf Defensive und Umschalten zu setzen, durchziehen kann, muss man abwarten. Gegen ein Team, das im tiefen Verteidigen geübt ist, wird das im Normalfall nicht ganz so einfach. Ist wie in Luhansk ein Spiel, bei dem einem auch mal ein Standard gut tun würde, um das Bespielen dichter Verteidigungsketten zu erleichtern.

Fraglich halt, wie stark man durchwechselt und wie sehr darunter jene Stabilität leidet, die man sich gerade erst wieder erarbeitet hatte. Allerdings wäre auch die Frage, wo man Bruma, Cunha, Augustin und Co sonst spielen lassen wollte, wenn nicht in so einem Spiel in Trondheim. Fraglich noch, ob es vielleicht auch bei Emil Forsberg für ein paar Minuten reicht. [Update: Kampl und Forsberg sind erkältet und wegen Adduktorenproblemen nicht mit nach Norwegen geflogen. Beide sollen am Freitag wieder ins Training einsteigen.]

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Mvogo – Klostermann (Laimer), Orban, Konaté (Upamecano), Halstenberg – Laimer, Ilsanker (Demme) – Sabitzer, Bruma – Cunha, Augustin
  • Rosenborg Tronheim: Hansen – Hedenstad, Reginiussen, Hovland, Meling – Lanlay, Denic, Konradsen – Jeball, Söderlund, Jensen

Fazit: Der Rosenborg Ballklub ist ein wenig die Unbekannte in dieser Europa-League-Gruppe. Von der reinen Kaderqualität sicherlich absoluter Außenseiter sind sie vor allem im heimischen Lerkendal-Stadion nicht zu unterschätzen. Auf RB Leipzig wartet so ein bisschen ein Pokalspiel. Der Verlierer dieser Partie wäre in Richtung Platz 1 oder 2 inder EL-Gruppe schon mal ordentlich hintendran. Von der reinen Qualität her ist Leipzig in diesem Auswärtsspiel natürlich Favorit. Die Frage bleibt aber, wie stark Ralf Rangnick auch im Hinblick auf das Nürnberg-Spiel durchwechselt und was das für die zuletzt gewonnene Stabilität im Team bedeutet. Wird ein interessanter Ausflug in den ganz hohen Norden Europas, wo am Donnerstag unter zehn Grad und Regen erwartet werden.

[Wer das Spiel von RB Leipzig bei Rosenborg Trondheim nicht vor Ort verfolgen kann und am 04.10.2018, ab 18.55 Uhr findet Live-Bilder bei DAZN. Bullenfunk gibt es zu der Partie nicht. Einen RB-Fans-Liveticker wohl auch nicht.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. Rosenborg Trondheim

  • keine

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Ralf Rangnick darf mit guter Laune in eine neue Saison gehen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig bei Rosenborg Trondheim. Mit Ralf Rangnick und Yussuf Poulsen.

Ralf Rangnick: Kampl (Erkältung) und Forsberg (Adduktorenprobleme) fallen aus. Beide sollen Freitag wieder dabei sein.

„Geht darum, wer in welcher Verfassung ist.“ Wer aufläuft, ist noch unklar.

„Trondheim intensiv beobachtet. Sie kommen über den spielerischen Ansatz. Sehr spielstarke Mannschaft. Darauf müssen wir uns einstellen. Müssen stabil stehen und ein enges Netz haben, um daraus schnell umschalten zu können.“ Trondheim spiele gern von hinten heraus Fußball.

„Glaube nicht, dass man Serienmeister in Norwegen wird, wenn man deutsches Zweitliganiveau hat. Wir nehmen den Gegner ernst. Beide Mannschaften haben ihr erstes Spiel in der EL verloren. Deswegen wäre es wichtig, nun zu gewinnen. Auch hinsichtlich des Nürnberg-Spiels am Sonntag wäre es wichtig, ein Erfolgserlebnis zu haben.“

Ob Bendtner spielt oder nicht, spielt nicht die ganz große Rolle. Wichtiger sei es, wie in Hoffenheim gut zu verteidigen. Chancen kriege man immer. „Stabil stehen und wenig zulassen ist wichtig.“

Yussuf Poulsen: „Kenne Mike Jensen schon seit langem.“ Von der Nationalmannschaft. Schon beim letzten Mal viel über das Match geredet und geflachst. (Jensen ist der Kapitän bei Rosenborg BK.) Spielen auch zusammen Brett- und Kartenspiele. „Jensen gut am Ball und mit Auge für die Mitspieler. Man muss ihn unter Druck setzen, sonst kann er was mit dem Ball anfangen.“

„Trondheim mit einer sehr guten Leistung gegen Celtic. Wir wissen, dass sie Qualität haben.“

„Wir wollen gewinnen, weil wir das erste Spiel verloren haben. Dafür werden wir alles geben.“

„Falls sich Rosenborg nur auf mich konzentriert, haben wir auch andere Spieler, die Tore erzielen können.“

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