Echte 1a-Lösung mit Abstrichen bei der B-Note

Überraschend soll sie sein, hatte Oliver Mintzlaff in Bezug auf die Trainerfindung angekündigt. Und die absolute Wunschlösung. Nun, man darf dem Geschäftsführer zugestehen, dass ihm die Überraschung mit der gestrigen Bekanntgabe von Julian Nagelsmann als künftigem RB-Cheftrainer absolut gelungen ist. Im Gegensatz zur einstigen Pressekonferenz, in der Ralf Rangnick als 1a-Lösung verkauft wurde, ist Julian Nagelsmann tatsächlich auf dem aktuellen Trainermarkt die absolute 1a-Lösung. Und entsprechend kann man dem Klub (und dem geneigten Fan und Zuschauer gleich mit) njur gratulieren, dass er diese Lösung nach der etwas wilden Trennung von Ralph Hasenhüttl hinbekommen hat.

Bleiben halt die leichten Abzüge in der B-Note. Denn eigentlich suchte man natürlich einen Trainer für sofort. Dass man nun Julian Nagelsmann erst ab der nächsten Spielzeit, also ab 2019 bekommt, ist der saure Teil des Apfels, den man nach aktuellem Stand der Dinge, an dem sich wohl eher nicht allzu viel verändern dürfte, mitverspeisen muss. Heißt entsprechend auch, dass man für die kommende Saison eine Übergangslösung finden muss, die nach Lage der Dinge Ralf Rangnick heißen wird, was RB Leipzig  aber erst auf einer Pressekonferenz vor dem Trainingsstart Anfang Juli verkünden will (was wiederum ein wenig seltsam ist, falls man denn wirklich schon die Übergangslösung festgelegt hat).

Mit Julian Nagelsmann kommt in einem Jahr ein Trainer, den man eigentlich schon diesen Sommer bräuchte, der aber genau für den Schritt steht, der zu machen ist. Nämlich den Umbruch im Team weiter zu gestalten. In der abgelaufenen Spielzeit gehörten noch sechs Spieler aus der zweiten Liga zu den elf meisteingesetzten Akteuren. Mit Bruma und Kampl konnten sich lediglich zwei Spieler in diese Kernformation schieben, die letzte Saison noch nicht dabei waren. Ein bisschen steht die letzte Saison auch dafür, dass es in Bezug auf die Entwicklung und Auffrischung des Teams eher Stillstand gab. Dass RB Leipzig mit Mukiele und Saracchi schon zwei Spieler verpflichtet hat, die für noch mehr Tempo und Dynamik schon in der letzten Reihe stehen, verweist darauf, dass man gewillt ist, in Sachen Kaderzusammenstellung noch mal einen Schritt weiterzugehen und die Strukturen im Team zu verändern (zu welchen gruppendynamischen Ergebnissen das auch immer führen mag).

Neben dieser Enwicklung des Kaders ist bei RB Leipzig vor allem auch eine spieltaktische Entwicklung angesagt. Ralph Hasenhüttl ist dies in den letzten zwölf Monaten durchaus bereits angegangen und versuchte, das Team flexibler einzustellen und auch aus dem Ballbesitz heraus erfolgreich sein zu lassen. Gerade in der Rückrunde schien ihm dabei aber auch etwas die ruhige Hand zu fehlen und wechselten Formationen und Spielideen teilweise etwas arg wild. Aber die Grundideen von einem Fußball, der auch Ballbesitzstrukturen kennt, ohne die Balleroberung zu vernachlässigen, waren phasenweise bereits zu sehen. Es fehlte halt die Konstanz und vor allem auch guter, defensiver Ballbesitz bei Gegnerdruck in Form hohen Anlaufens.

Julian Nagelsmann steht nun seinerseits genau für die Weiterführung dieses Konzepts, die Spielidee breiter aufzustellen und dem Verein des Pressings und Gegenpressings (was RB unter Hasenhüttl ja von Anfang schon etwas zurückhaltender, stabiler und tiefer interpretierte als noch unter Rangnick) auch Strukturen im Spiel mit dem Ball mitzugeben. Wer einmal gesehen hat, wie ein Oliver Baumann in Hoffenheim selbst 30 Meter vor dem Tor unter Druck den Ball nicht blind wegschlägt, sondern einen Passweg zu einem Mitspieler sucht und das mit Gulacsi-Abschlägen in den letzen Monaten selbst wenn die nahen Mitspieler winken vergleicht, der weiß, dass die Unterschiede nicht ganz gering sind.

Nagelsmann hat es in Hoffenheim geschafft, einem sehr breit besetzten Bundesligakader, dem aber eigentlich die herausragenden Köpfe fehlten, allerlei an Ideen mitzugeben, wie man den Ball in den gegnerischen Strafraum und in das dortige Tor bekommt, selbst wenn der Gegner mal defensiv vernünftig sortiert ist. Ballbesitz, flache Anspiele in die Spitze, klatschen lassen, nachrücken, tief spielen, den Strafraum gut besetzen. Da sind durchaus ein paar Bestandteile drin gewesen, die man bei den Aufeinandertreffen mit Neapel und deren Coach Sarri so beeindruckend fand.

Mit diesen Ideen und permanenten Anpassungen hat es Nagelsmann geschafft, aus einem (von der Besetzung her) ordentlichen Bundesligisten einen sehr guten Bundesligisten zu machen. Und er hat es vor allem geschafft, selbst nach Abgängen von zentralen Stützen wie Rudy, Süle oder Wagner die Mannschaft immer wieder so zusammenzusetzen (taktisch, aber auch durch das kluge Verschieben von Spielern auf andere Positionen), dass er zurück in die Erfolgsspur fand. Dass Hoffenheim am Ende der abgelaufenen Saison in die Champions League einziehen konnte, ist angesichts der Abgänge im Sommer davor und im Winter durchaus ein kleines Wunder gewesen (auch wenn die Konkurrenz mit ihren jeweiligen Schwächen dabei gut mitgeholfen haben mag).

Nagelsmann ist aber auch beileibe kein Ballbesitz-Fanatiker (so wie es Sarri ja auch keiner ist), sondern seine TSG Hoffenheim verfügt auch zusätzlich über gute Lösungen im Umkehrspiel und in der Balleroberung. Exakt diese Mischung, die das Sarri-Neapel so gut beherrschte und von der auch Hasenhüttl von der Idee her absolut überzeugt war, machen Nagelsmann in Sachen spieltaktischer Entwicklung für RB Leipzig so interessant. Weil er das bestehende Fundament eines Vereins, der nun schon länger viel Wert auf allerlei an Qualitäten in der Balleroberung legt, nehmen kann und es um die entscheidenden Elemente im Spiel mit dem Ball bereichern könnte. Dass er dies erst in einem Jahr machen will/ kann/ darf, ist ein bisschen schade, weil der Schritt sich eigentlich logisch an die letze Saison anschließt, aber perfekt ist die Welt im Fußball wohl (fast) nie.

Man könnte die hypothetische Frage einwerfen, ob Ralph Hasenhüttl diese Aufgabe nicht auch gemeistert hätte. Zumindest hatte der Ex-Coach viele der Themen, die taktisch anstanden auf dem Zettel. Allerdings fehlte diesbezüglich im Saisonverlauf auch ein wenig die Weiterentwicklung, weswegen man in Bezug auf die Zukunft unter Hasenhüttl in Bezug auf die spieltaktische Entwicklung auch hätte skeptisch sein können. Wäre halt die Frage, wie viel an fehlender Weiterentwicklung einfach auch den englischen Wochen und dem praktisch nicht vorhandenen Training geschuldet war (zumal in den Länderspielpausen ja auch meist locker zehn Spieler unterwegs waren).

Fakt ist, dass auch Julian Nagelsmann in der abgelaufenen Saison gerade während der englischen Wochen in der Hinrunde kritische Phasen überstehen musste. Was Ralph Hasenhüttl, der offenbar mit Nagelsmann immer mal wieder in persönlichem Kontakt stand, irgendwann in der Rückrunde mal zu der Bemerkung brachte, dass beide Trainer Erfahrungen gemacht hätten, die sie so vor der Saison nicht erwartet hätten. Nagelsmann war dann auch derjenige, der in der Rückrunde den besonderen Wert von regelmäßigen Trainingswochen betonte. Die fehlten in der Hinrunde noch, weswegen man in der Bundesliga und in der Europa League der Musik hinterherhinkte. In der Rückrunde hatte man nach dem Aus in Europa wieder Zeit zum trainieren und startete dann auch noch eine Aufholjagd, die den Verein bis in die Champions League führte.

Dabei war sich Nagelsmann zwischendurch auch nicht zu schade, von seinen Ballbesitzstrukturen ein Stück abzuweichen und stärker auf eine Spielidee zu setzen, die über Verteidigen, Umschalten und Kontern kommt. RB Leipzig durfte das Ergebnis dessen bei der 0:4-Niederlage in Hoffenheim am Ende der Hinrunde eindrücklich bestaunen. Ähnlich versuchte es ja RB Anfang der Rückrunde dann ja auch wieder, als man gegen Schalke und Augsburg zu Hause den Ball nicht haben wollte.

Mit Nagelsmann kommt also ein Trainer, der bereits nachgewiesen hat, dass er eine Mannschaft sehr flexibel aufstellen und sehr gut weiterentwickeln kann, sodass das Team am Ende mehr ist, als man ihm aufgrund der Einzelteile zutrauen würde. Man hat allerdings auch gesehen, dass er in der Königsdisziplin des Umgangs mit Dreifachbelastung auch noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist. Sprich, ein Team permanent zu führen, dass Samstag-Mittwoch-Samstag (oder die entsprechenden Äquivalente) spielt und ihm trotzdem für jede Partie funktionierende Lösungen mitzugeben, muss auch ein Nagelsmann noch lernen. In Hoffenheim hat er mit der Champions-League-Gruppenphase diesbezüglich in der kommenden Saison noch mal die Chance dazu, die Erfahrungen der letzten Saison zu verarbeiten und anzuwenden.

Für RB Leipzig ist die Verpflichtung von Julian Nagelsmann der nächste logische Schritt (zumindest, wenn man einem Hasenhüttl nicht mehr vertrauen wollte). Fragen kann man sich natürlich, warum andersherum auch Leipzig für Nagelsmann der nächste logische Schritt sein soll. Vielleicht liegt es in der Kurzform daran, dass er in Leipzig ähnlich wie in Hoffenheim, nur halt mit besserer finanzieller Ausstattung arbeiten kann.

Anders gesagt gilt Hoffenheim in Sachen Innovation auch jenseits der klassischen Trainingssteuerung als Vorzeigeverein. Ein Klub, der viel im Bereich der Kognition arbeitet und dort immer wieder auch Feedback-Schleifen zur Wissenschaft einbaut und immer wieder Konzepte einarbeitet und datenbasiert agiert. Viel Arbeit im Detail in Dingen, die mit dem Ball erstmal nicht viel zu tun haben. Auch in Leipzig ist man an diesem Thema in den letzten Jahren immer wieder dran gewesen und hat man mit Ralf Rangnick einen Sportdirektor, der gerade in Detailfragen immer wieder willig und besessen ist, auch noch das nächste Prozent an Entwicklung rauszuholen.

Gerade auf dieser Ebene der Arbeit in einem Verein, der sich Innovation nicht verschließt und in dem man alle Möglichkeiten bekommt, Ideen zu probieren und umzusetzen, dürfte es für Julian Nagelsmann passen. Wohlgemerkt halt vor dem Hintergrund, dass man ihm hier ähnliche Möglichkeiten wie in Hoffenheim nur halt mit potenziell besseren Spielern bieten kann. Leipzig will wirtschaftlich in der näheren Zukunft die Lücke zu Borussia Dortmund schließen. Das ist per se eine ganz andere Hausnummer als Hoffenheim, die dazu übergegangen sind, ein Verein zu sein, der sich seinen Etat auch durch regelmäßige Spielerverkäufe zusammenstellt.

In diesem Sinne dürfte der (Zwischen)Schritt Leipzig für Nagelsmann logischer sein, als er sich von außen erstmal anfühlt. Denn begehrt war Nagelsmann eigentlich bereits bei einer noch größeren Kategorie Klubs. Aber man darf da dann auch gern mal festhalten, dass der Trainer gerade mal 30 Jahre alt ist und er entsprechend noch bei Bedarf eine ewige Karriere mit allerlei großen Vereinen vor sich hat. Vor einem möglichen Schritt in irgendeiner Zukunft zu Vereinen der Kategorie Bayern, Chelsea, Real ist dann eben ein Schritt zu einem Verein, der permanent Champions League spielen will, in Sachen Karriereplanung durchaus schlau, weil man sich so an das ganz große Niveau herantasten kann.

Eine der spannenden Fragen ist halt, wie die Spielideen von Nagelsmann, die für RB Leipzig eigentlich der logische nächste Schritt sind, zu den Ideen der Vereinsführung passen. In den letzten Monaten fielen Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff immer mal wieder dadurch auf, dass sie eine Rückbesinnung auf die RB-DNA einforderten, ohne dass so richtig klar geworden wäre, was diese RB-DNA unter den Bedingungen von fast 50 Pflichtspielen und einem Kader, der nicht wesentlich breiter als der anderer Bundesligisten war und dem ein funktionierender Nachwuchsunterbau fehlte, sein soll. Wenn man damit wirlich die Rückkehr zum etwas wilden Dauerpressing am gegnerischen Strafraum meint, dann wird das in der Extremität nicht das sein, was man von einem Julian Nagelsmann kriegt.

Damit verbunden ist dann auch die Frage, wie viel Freiheiten ein Julian Nagelsmann in Leipzig in Sachen spieltaktischer Entwicklungen bekommt. In Leipzig ähnelten sich die Muster unter Zorniger und Hasenhüttl (und ähnliche Geschichten gab es ja auch aus dem Rangnick-Salzburg). Im ersten Jahr wurde von den Trainern jeweils noch vor allem der positive Effekt thematisiert, wie sehr man unter einem Sportdirektor wie Ralf Rangnick und dessen Fachwissen profitieren und lernen kann. Später wurde dieser Teil der Geschichte immer leiser und gibt es die eine oder andere Geschichte, bei der der Einfluss des Sportdirektors (und vom Gefühl her gilt das inzwischen auch für den Einfluss des Geschäftsführers) zu groß wurde.

Mintzlaff hatte Zorniger deswegen im Nachhinein mal Beratungsresistenz (also Teamunfähigkeit) vorgeworfen. Umgedreht dürfte Zorniger wohl das Gefühl gehabt haben, dass in seinen Entscheidungsbereich hineingeredet wird (die Geschichte, dass man ihm bspw. Rebic ohne seine Kenntnis in die Kabine gesetzt hat, ist inzwischen ja durchaus legendär). Sowohl Zorniger als auch Hasenhüttl waren mit der Lust des Sportdirektors, gute Fußballer zu sammeln, offenbar nicht immer zu 100% einverstanden, weil sie Teamstrukturen und -hierarchien als wichtiger erachteten bzw. sie diese zu schützen gedachten.

Lange Rede, kurzer Sinn, die Frage wird auch sein, wie viel Einflussnahme ein Julian Nagelsmann zu schätzen weiß und ab welcher Stelle (oder vor allem wohl ab welchem Zeitpunkt) er es übergriffig finden dürfte. Er ist sicherlich ein sehr lernwilliger Coach, der mit dem Lernsetting bei RB Leipzig auch gut leben kann, aber er ist nun eben auch ein Coach mit klaren, eigenen Ideen, für die er den Raum haben muss, sie umzusetzen. Wenn er den nicht kriegt, werden es (trotz Vierjahresvertrag) dann mit Nagelsmann wohl nur die RB-handelsüblichen zwei Jahre (gut, bei Zorniger waren es zweieinhalb, aber von denen verbrachte Rangnick auch noch zwei überwiegend in Salzburg..). Angesichts der gewöhnlichen Amtszeit von Bundesliga-Trainern, die im Schnitt eher noch drunter liegen dürfte, wäre das aber vielleicht auch nicht ganz so schlimm, wenn man in dieser Zeit wenigstens die richtigen Weichen gestellt hat.

Vorher wird aber noch eine anderer Trainer die nächsten Weichen stellen müssen. Wahrscheinlich ist, dass erneut Ralf Rangnick den Übergangstrainer für eine Saison macht. So wie schon in der Saison 2015/2016, als er mit dem mit Selke, Halstenberg, Ilsanker, Sabitzer, Orban und Gulacsi  runderneuerten Kader in die Bundesliga aufgestiegen war.

Die Rangnick-Lösung birgt dieselben Risiken wie beim letzten Mal. Grundproblem bleibt, dass Rangnick für RB Leipzig in seiner Rolle als Sportdirektor viel wertvoller ist als als Trainer und diese Aufgabe keine Teilzeitaufgabe mehr ist. Wenn Rangnick Bundesliga-Trainer auf Zeit sein will, dann bräuchte er ein sehr gutes und verlässliches Trainerteam, das ihm viel Arbeit abnimmt und er bräuchte im Management-Bereich gute Leute, die ihn dort entlasten können. Und selbst wenn er diese hat, bleibt halt die Gefahr, dass Misserfolge des Trainers Rangnick auch den Sportdirektor Rangnick mitbeschädigen. Angesichts dessen, dass er die umfassende, sportliche Kernkompetenz im Klub ist, kann das eigentlich niemand ernsthaft wollen.

Auf der anderen Seite wäre ein sehr erfolgreicher Trainer Rangnick auch nicht ganz unproblematisch. Sagen wir, der Sportdirektor führt die Mannschaft in der kommenden Saison auf Platz 2 in der Bundesliga. Dann sind das natürlich auch Fußstapfen für den Nachfolger, die sehr groß sind. Auch keine einfache Situation. Das bekannte ja auch Ralph Hasenhüttl einst, der deswegen in der Anfangsphase auch komplett das übernahm, was Rangnick in der Saison zuvor gemacht hatte. Aufgrund der überragenden Hinrunde 2016/2017 fiel das Thema mit den zu großen Fußstapfen dann aber auch schnell unter den Tisch.

Der andere interessante Aspekt ist, wo sich RB Leipzig unter einem möglichen Trainer Ralf Rangnick in der kommenden Saison spieltaktisch hinentwickeln würde. Die Eindrücke der Saison in der zweiten Liga und die Aussagen der letzten Monate verweisen darauf, dass es auf mehr Umschalten und Ballerobern und Sprinten hinauslaufen würde. Das hat zwar in der zweiten Liga auch nicht immer so richtig gut funktioniert, als man viele Spiele vor allem auch mit sehr guter Moral und viel individueller Klasse, aber nicht unbedingt mit mannschaftstaktischen Großartigkeiten gewonnen hat. Ballbesitzspiel war damals jedenfalls auch nicht so richtig der Bereich, in dem RB Leipzig glänzen konnte. Und das hohe Anlaufen führte oft zu Lücken zwischen den ersten Anläufern und dem Mittelfeld, die sogar von Zweitligisten ganz gut bespielt werden konnten.

Entsprechend wird es spannend, was Ralf Rangnick von den Entwicklungsansätzen der Vorsaison übernimmt und was er vor allem auch dann als Fingerprint an Julian Nagelsmann zu übergeben gedenkt. Wenn man nicht in die Gruppenphase der Europa League muss, könnte man mit Sprint- und Zappelfußball sogar gut durch die Saison kommen. Hinsichtlich der Entwicklung hin zu einem Team, das regelmäßig englische Wochen spielen will, wäre es allerdings ein (Zwischen)Rückschritt. Aber das ist auch noch viel Zukunftsmusik.

Fakt ist, dass RB Leipzig mit der Verpflichtung von Julian Nagelsmann ein echter Coup gelungen ist, der in Bezug auf die Vereinsentwicklung absolut Sinn macht. Trotzdem bleiben aufgrund der Gegegebenheiten bei RB mit Rangnick und Mintzlaff und der Spielidee-Fokussierung auch ein paar Fragezeichen, was das erfolgreiche Arbeiten unter Nagelsmann angeht. Dass Julian Nagelsmann erst 2019 nach Leipzig kommen will/ kann, ist ein Wermutstropfen. Ralf Rangnick als Übergangstrainer ist wegen der Auswirkungen auf seine Rolle als Sportdirektor suboptimal, aber wohl kaum vermeidbar, weil andere Lösungen von ihrer Strahlkraft her ein erhebliches Risiko in einer Übergangssaison wären. In einer perfekten Welt würde Nagelsmann diesen Sommer in Leipzig anfangen. Aber wenn man diesen Trainer erst für 2019 kriegen kann, muss man mit der Imperfektion für diese eine Saison halt leben.

——————————————————————————–

Julian Nagelsmann wird künftig noch viel intensiver mit Spielern von RB Leipzig arbeiten können als in der Vergangenheit bei seinen wenigen Besuchen in der Red Bull Arena. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

——————————————————————————–

7 Gedanken zu „Echte 1a-Lösung mit Abstrichen bei der B-Note“

  1. Vielleicht zielt man von Vereinsseite aber auch darauf ab, dass Hoffenheim sich dieses Jahr mit Nagelsmann als „Lame Duck“ nicht antun möchte bzw. zu viele Risiken darin sieht und ihn schon diesen Sommer abgibt. Zwar schwer vorstellbar, aber träumen darf man ja noch :)

  2. Zur „perfekten Welt“ ist es nur notwendig, dass die TSG gefallen am RH findet. Dann könnten beide Vereine gegenseitig die Blockaden fallen lassen und sofort mit der Arbeit anfangen. So einfach wäre es… man muss nur auf ein paar Turbulenzen in der nächsten Saison verzichten.

  3. Zuerst wirkt die neue sehnlichst gesuchte und auch dringend notwendige Verkündigung der Trainerfindung 1. Klasse mit dem noch relativ jungen Nagelsmann nach dem gewollten Abbruch mit dem allseits beliebten R. Hasenhüttl fast als eine kleine Sensation! Allerdings nicht O. Mintzlaff, sondern der bereits sich früher in Hoffenheim besonders wohlgefühlt habende R.Rangnik dürfte diesen Draht gespannt haben. Schaut man allerdings dann auf seinen geplanten Arbeitsbeginn, der erst in vielen Monaten stattfinden soll, muss dieser Verhandlungserfolg gleich wieder mächtig abgemindert werden. Wichtig ist doch, dass in der begonnenen Entwicklung der „RasenBallfußballer“ keine Pause einzulegen ist. Mit der vermutlich angestrebten „Zwischenlösung R. Rangnick“, sehe ich das allerdings so! Hinzu kommt die auf Juli hinausgeschobene offizielle Mitteilung, dass der Sportdirektor vermutlich die zeitliche Lücke schließen wird, die natürlich gleichzeitig wesentlich günstiger gewesen wäre……

    Das frühzeitige Vorpreschen der Meldungen kann allerdings für die beiden Lager in Hoffenheim und Leipzig auch erhebliche negative Veränderungen bringen, sodass diese im schlimmsten Fall zu einem unbestimmten Zeitpunkt noch korrigiert werden könnten, weil sich hier oder dort die Freude über die geplanten Arbeitsplatzwechsel in Grenzen halten dürfte und der spätere jeweilige Leistungsstand auch eine wesentliche Rolle spielen wird……

    Den Blick zurück zum Leipziger Aufstieg in die 2.Bundesliga sollte man allerdings nicht unbedingt zu sehr strapazieren, da Rangnicks konfliktbelastete Doppelfunktion da noch funktionierte. Das sollte allerdings nicht unbedingt ein Voraussetzung sein für ein weiteres problemloses Gelingen. Nur gut, dass er und evtl. später auch Nagelsmann spüren wird, wie es ist, wenn man den eigenen Nachwuchs heranführen will und dafür nur in ein Loch schauen kann!

    Zum Schluss versuche ich noch herauszufinden, ob der mutige 4-Jahresvertrag für Nagelsmann ein Vor- oder Nachteil für ihn sein könnte. Vermutlich wird die Einstellung mit beiderseitigem (und Hoffenheims) Einvernehmen eher beginnen, aber auch beendet sein……

  4. Dann erscheint es auch logisch, dass Haidara in Salzburg verlängert hat und eben ein Jahr später mit Nagelsmann nach Leipzig kommt.

  5. Also der Blog ist besser als Deine Aussage beim Silly-Heimatsender.
    „Perfekte Bedingungen!“
    „Nächster logischer Schritt“
    ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.