Treffen der Küken der Liga

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig bei Bayer Leverkusen (18.11.2017, 15.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralph Hasenhüttl.]

Der letzte Block vor der Winterpause steht schon wieder an. 17 Pflichtspiele haben die Spieler von RB Leipzig bereits in den Beinen. Acht weitere warten noch bis Weihnachten. Darunter zwei entscheidende in der Champions League. Acht Spiele in 30 Tagen. Das ist im Vergleich zu den letzten englischen Wochen fast schon entspannt und behinhaltet erstmals seit August sogar eine Woche, die keine englische ist.

Zum Auftakt der letzten acht Spiele geht es auf die Reise zum Spiel bei Bayer Leverkusen. Die stehen auf Platz 9. Das klingt nach Bundesliga-Mittelmaß, allerdings sind es für Bayer acht Punkte nach unten zum Relegationsplatz und nur vier nach oben zum ersten Champions-League-Platz und sechs auf RB Leipzig. Platz 9 ist also eher einer mit Potenzial nach oben.

Bayer gehörte in den letzten 20, 25 Jahren neben Bayern, Dortmund und Schalke zu den Teams, die am konstantesten in der Top 4 mitgespielt haben. Entsprechend geht der Blick auch in dieser Saison wieder eher nach oben denn nach unten. Sich in Europas Königsklasse zu messen, ist weiterhin das eigentliche Ziel. Auch wenn man es in dieser Saison vielleicht nicht so offensiv formuliert hätte wie in anderen Spielzeiten.

Überraschend dabei, wie früh rund um Bayer Leverkusen in dieser Spielzeit dann aber doch Unruhe aufkam. Schließlich hatte man sich letzte Saison als letztlich Zwölfter erst spät vor dem Abstieg gerettet und in der Sommerpause einen kleinen Umbruch im Team gestaltet.Das fing beim neuen Trainer Heiko Herrlich an. Das ging bei den Abgängen Hakan Canhanoglu, Kevin Kampl, Chicharito, Ömer Toprak oder Aleksandar Dragovic weiter, die allesamt keine unwichtigen Rollen hatten. Und das beinhaltete auch, dass man abgesehen von Lucas Alario oder Sven Bender eher junge Spieler mit Perspektive holte.

Dass man mit einem Team, das letzte Saison gerade als Team nicht so richtig gut funktionierte, mit relevanten Abgängen und mit neuem Trainer vielleicht nicht sofort durchstarten würde, kam eigentlich nicht sonderlich überraschend. Dass man nach drei Spielen noch ohne Sieg dastand, war angesichts dessen, dass man unter anderem gegen Bayern und Hoffenheim spielte, auch keine ganz große Sensation. Viel am grundsätzlichen Zweifel an Bayer in der breiteren (und medialen) Öffentlichkeit schien sich am Namen Heiko Herrlich abzuarbeiten, dem nicht so viele ein erfolgreiches Arbeiten in Leverkusen zutrauten.

Aber bereits zur Saisoneröffnung in München brachte Bayer einen sehr guten Auftritt auf den Rasen. Statt der 1:3-Niederlage hätte auch ein 3:3 sehr gut zum Spiel gepasst. Der gute Eindruck, den Leverkusen in dem Spiel machte, bestätigte sich in den letzten Wochen weiter. Denn inzwischen ist man seit sieben Pflichtspielen, darunter sechs in der Bundesliga, ungeschlagen und fährt langsam die Ergebnisse ein, die man den Zahlen nach erwarten würde.

Denn Leverkusen ist auf Augenhöhe mit Dortmund die Nummer 2 der Lige beim Herausspielen von Chancen und gehört auf der anderen Seite zum Mittelfeld der Liga, wenn man auf zugelassene Chancen, also die Qualität der Abwehrarbeit schaut. Wenn es um die Balance zwischen Offensive und Defensive geht (worauf die Differenz zwischen erarbeiteten und zugelassenen Chancen einen guten Hinweis gibt), dann ist Bayer hinter Bayern und Dortmund derzeit die Nummer 3 der Liga. Entsprechend sind Ambitionen Richtung Europa sicherlich gar nicht falsch.

Auf jeden Fall ist bei Bayer-Spielen schon mal Spektakel vorprogrammiert. Weniger als zwei Tore sind bisher noch nie bei ihren Spielen gefallen. 3,55 Treffer fallen durchschnittlich pro 90 Minuten bei Bayer-Partien. Nur bei BVB-Spielen geht es noch torreicher zu. Vor allem die Bayer-Offensive funktioniert bei reichlich zwei Toren pro Spiel schon ganz gut.

Kevin Volland ist im Gegensatz zu seiner Premierensaison bei Bayer nun voll im Spiel und hat schon sechs Tore erzielt. Leon Bailey hat als Rechtsaußen auch einen riesigen Sprung gemacht. Und Julian Brandt ist trotz des permanenten Eindrucks, dass da noch viel mehr ginge (und viel mehr auch an Konstanz) beim fußballerisch so überragenden 21-Jährigen, ein wichtiger Bestandteil der Offensive. Perspektivisch auch von hoher Relevanz die Verpflichtung des Argentiniers Lucas Alario für immerhin über 20 Millionen Euro, bei dem man die Qualität im Abschluss auch in engen Räumen schon sehr gut erkennen kann.

Die Qualität im Kader ist halt trotz der Abgänge im Sommer unvermindert hoch. So hoch, dass selbst ein Bellarabi, der eher ein Schmidt-Spieler gewesen zu sein scheint, häufig nur auf der Bank sitzt. Man ist auf jeder Position praktisch doppelt besetzt und hat im Sturm mit Alario die letzte Lücke geschlossen. Man hat neben Brandt und Bailey mit Havertz, Neuzugang Retsos, Tah, Jedvaj oder Henrichs noch viele weitere Talente irgendwo im Alter zwischen 18 und 21. Man ist nach RB Leipzig der Verein, der die jüngsten Spieler aufs Feld schickt und entsprechend hat die Mannschaft eigentlich auch eine sehr gute Perspektive.

Es passt also von den grundsätzlichen Bausteinen her alles recht gut zusammen in Leverkusen. Was letzte Saison nicht passte, war das teaminterne Klima. Entsprechend eigentlich auch nicht ganz unpassend, dass man mit Heiko Herrlich jemanden holte, der genau auf Elemente wie Teamfähigkeit und gemeinschaftlicher Arbeit sehr viel Wert legt.

Aber Herrlich ist auch ein Trainer, der der Mannschaft neben dem Pressing ein neues Gesicht geben wollte. Man schafft es zwar weiterhin, aus dem Umkehrspiel gefährlich zu bleiben und ist hinter Augsburg die Mannschaft mit den meisten Kontertoren. Wofür dann eben Spieler wie Volland oder Bailey stehen. Man hat aber auch Wege gefunden dabei selbst nicht so anfällig für Konter zu sein. Noch kein einziges Kontertor kassierte man diese Saison.

Auch in der Verteidigung normaler Angriffssituationen agiert man relativ ordentlich, auch wenn man da manchmal der Viererkette in der Abwehr noch Probleme anmerkt. Gerade wenn ein junges Talent wie der Grieche Retsos in der Innenverteidigung agiert. Problembereich ist vor allem das Verteidigen von Standards geblieben. Da steht man auch diese Saison mit sieben Gegentreffern schon wieder an der Spitze der Bundesliga und ist auf dem Weg die extrem vielen Gegentore der Vorsaison sogar noch mal zu übertreffen.

Leicht erhöht hat sich bei Bayer Leverkusen unter Herrlich der Ballbesitz und vor allem auch die Passquote. Weniger lange Bälle, dafür mehr kurze Pässe werden gespielt. Was darauf verweist, dass man wie RB Leipzig ein wenig die Transformation weg von einem Pressing-Umschaltteam hin zu einer flexibleren Mannschaft versucht. Durchaus erfolgreich versucht. Gerade zu Hause ist man mit viel Ballbesitz und vielen Torchancen bereits zu einem recht dominanten Team geworden. Keines das jedes Spiel mal eben locker gewinnt, aber eines, das die Schritte macht, auch konstant wieder eines der vier bis sechs besten Teams der Liga zu werden.

Mit mehr Spielkultur, ohne dabei Geschwindigkeit und Pressing zu vergessen (Bayer ist im höheren Geschwindigkeitsbereich das Team mit den höchsten Laufwerten der Liga), geht Heiko Herrlich in Leverkusen seinen Weg, der für die kurze Zeit, die er bisher dort arbeitet, recht vernünftig aussieht. Wenn sich denn die Tendenz aus den letzten Wochen auch in den nächsten Wochen bestätigt. Nach den nächsten drei Spielen gegen Leipzig, in Frankfurt und gegen Dortmund (die Nummern 2, 7 und 3 der aktuellen Tabelle) wird man diesbezüglich wohl schon mehr wissen.

Gegen RB Leipzig wird Bayer Leverkusen fast in Bestbesetzung antreten können. Lediglich bei Tin Jedvaj ist nach längerer Verletzung nicht anzunehmen, dass er bereits zu einem Einsatz kommt. Dafür versucht man alles, dass man Sven Bender trotz Rippenbruch mit einem Spezialschutz in die Innenverteidigung bekommt. Aber ob das auch wirklich klappt, war zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels noch unsicher.

Auf Seiten von RB Leipzig gibt es auch kaum Verletzungssorgen. Stefan Ilsanker ist mit seinen Zehenproblemen weiter kein Thema. Ansonsten sieht es so aus, als ob alle Akteure prinzipiell einsatzfähig wären. Wobei man noch ein bisschen abwarten muss, welche Folgen die Belastungssteuerung für die Kaderplanung haben wird. Denn ein paar Spieler und allen voran Emil Forsberg hatten in der Länderspielwoche ordentlich viel Laufarbeit abzureißen. Vor dem Hintergrund, dass am kommenden Dienstag noch das vorentscheidende Champions-League-Spiel in Monaco ansteht, wird man wohl sehr genau hingucken, wer belastungstechnisch gerade an der Grenze ist und wer nicht.

Mögliche Aufstellungen:

  • Bayer Leverkusen: Leno – Henrichs (Retsos, L. Bender), Tah, S. Bender (Retsos), Wendell – Aranguiz, L. Bender (Baumgartlinger) – Bailey, Havertz (Volland), Brandt (Volland) – Volland (Alario)
  • RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann (Bernardo), Orban, Upamecano, Halstenberg – Demme (Kampl), Keita – Sabitzer, Forsberg (Bruma, Kampl) – Augustin (Poulsen), Werner

Fazit: Leverkusen gegen Leipzig. Es ist das spannende Duell der beiden jüngsten Mannschaften der Bundesliga, bei dem durchaus mit einigen Toren zu rechnen ist. Für Leverkusen ist es die Chance, sich mit einem Sieg ganz nah an die Champions-League-Plätze heranzusaugen. Für RB bietet sich die Gelegenheit einen direkten Konkurrenten im Kampf um Europa deutlich zu distanzieren. Wird aber eine ordentliche Herausforderung gegen die offensiv- und laufstarken Gastgeber.

[Wer das Spiel von RB Leipzig bei Bayer Leverkusen nicht vor Ort verfolgen kann und am 18.11.2017, ab 15.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live natürlich bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. Bayer Leverkusen

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Neue Herausforderung mit dem Spiel in Leverkusen für Ralph Hasenhüttl. Foto: GEPA Pictures - Andreas Pranter.
Foto: GEPA Pictures – Andreas Pranter.

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig gegen Bayer Leverkusen. Mit Ralph Hasenhüttl.

11.42

Weiter geht es im Bundesliga-Spielplan. Länderspielpause vorbei. Noch sechs Spiele sind es in der Liga bis zur Winterpause. RB mit einer guten Ausgangsposition und noch einigen Gegnern, die man nicht zur Bundesligaspitze zählen muss. Aber eben auch mit den schweren Auswärtsspielen in Hoffenheim und Leverkusen.

11.44

Die Partie in Leverkusen verspricht einiges an Spektakel, weil zwei junge Teams mit einiger offensiver Qualität aufeinandertreffen. Mal sehen, ob das auch auf dem Platz zu sehen sein wird oder ob RB mit in der Länderspielpause einstudierten Mechanismen gegen den Ball die Partie etwas weniger chancenreich gestalten kann, als man erwarten würde.

11.49

Die Partie auch ein wahres Fest für Scouts egal welcher Klub-Herkunft. Was da so alles im Altersbereich um die 20 in beiden Teams auf dem Platz steht, ist schon enorm.

12.02

Ralph Hasenhüttl: „Jungs sind sehr erfolgreich von den Länderspielen zurückgekehrt. War alles dabei. Man of the match, Debüt, Tore.“ „Alle fit zurück.“ Gestern noch ein bisschen müde, nur wenig gemacht im Training. „Heute packen wir noch mal ein paar Inhalte ins Training.“

12.05

Hasenhüttl: „Forsberg war am nächsten Morgen schon wieder in Leipzig, da war nicht viel mit feiern.“ „Jungs sind so sehr Profi, dass sie wissen, wenn sie wieder feiern können. Ist gerade nicht die Zeit dafür.“

Zu Leverkusen: „Erwarte ein sehr gutes Spiel. Wenn ich Zuschauer wäre, würde ich hingehen. Zwei richtig gute Mannschaften treffen aufeinander. Überrascht mich nicht, dass Leverkusen es gut macht. Klasse Mannschaft mit viel Qualität. Zu Hause ungeschlagen. Sehr die Mannschaft Richtung Champions-League-Platz. Direkter Konkurrent für uns.“

12.09

Hasenhüttl: „Freue mich, dass Timo Werner in der Nationalmannschaft so viel trifft. Auch in einer Phase, in der nicht so viel gelungen ist. Beeindruckend, dass er seine Qualität so einsetzen kann, dass er immer wieder torgefährlich ist.“ Ist schon wieder nah an Topform dran. „Überrascht mich nicht, dass unsere Spieler in den Nationalmannschaften gut performen. Wichtiger natürlich für mich, dass sie bei uns Topleistungen bringen.“ Schlägt sich nicht permanent selbst auf die Schulter, dass seine Spieler gute Nationalspieler sind.

Zur Zeit bis zur Winterpause: „Nicht ganz so extrem wie die letzten englischen Wochen. International werden Entscheidungen fallen. Da brauchen wir wohl zwei Siege. Aber erstmal ist Leverkusen. Einige schwere Aufgaben in der Bundesliga noch vor der Brust.“

„Wollen weiterhin den Fußball spielen, für den wir bisher gelobt worden sind. Hätten uns nicht viele zugetraut, trotz Belastung unseren Fußball auf den Platz zu bringen. Haben es geschafft, unser Niveau zu halten. War für uns auch überraschend. Ist den Jungs nicht hoch genug anzurechnen. Nicht zu erwarten gewesen. Geht darum, Woche für Woche den hohen Ansprüchen gerecht zu werden.“

12.13

Hasenhüttl: Kurze Pause zwischen Leverkusen und Monaco. Deswegen muss man bezüglich Belastungssteuerung das Monaco-Spiel bei den Leverkusen-Plänen einfließen lassen.

Viele Gemeinsamkeiten zwischen Leverkusen und Leipzig. „Agieren von der Positionierung her ähnlich wie wir.“ Viel Offensivqualität. Auch fußballerische Lösungen. „Werden Kleinigkeiten entscheiden. Die müssen wir mit aller Macht auf unsere Seite ziehen.“

Jean-Kevin Augustin noch nicht bei 100%. „Hat aber Belastungen schon gut verkraftet. Muskelverletzung war etwas stärker, deswegen muss man gucken. Ist Option für Samstag. Noch unklar, ob auch in der Startelf.“

Weiß nicht mehr, ob er oder Herrlich die bessere Note im Trainerlehrgang hatte. Haben nebeneinander gesessen.

12.15

Hasenhüttl: Wer aus dem Trio Demme, Kampl, Keita spielt, ist noch nicht entschieden. Um die Frage, ob auch alle drei gleichzeitig spielen könnten, drückt er sich. Klingt eher nicht so.

Ilsankers Zehe ist noch geschwollen. „Dauert ein paar Wochen bis es heilt.“ Bleibt weiter draußen, weil der nächste Schlag auf die Stelle wieder einen Rückschlag bringen würde. „Ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht.“ Vielleicht Mannschaftstraining in einer Woche.

Upamecano gestern mit leichten Halsschmerzen. Soll heute wieder dabei sein und morgen auch in Leverkusen.

12.18

Hasenhüttl: „Bailey ein Topspieler.“ Hat nicht gehört, dass RB mal an ihm dran war. „Vor allem nach vorne und im Dribbling richig Qualitäten.“

Zum Videobeweis: „Man tut den Schiedsrichtern keinen Gefallen, wenn man die Diskussion so sehr öffentlich führt.“ Plädert noch mal für ein Challenging-System, um den Druck vom Schiedsrichter zu nehmen. Darf aber nicht so viele Challenges geben, um zum taktischen Mittel zu werden.

12.21

Das war es von hier. Ralph Hasenhüttl gut gelaunt nach zwei Wochen ohne Pressekonferenzen. Und würde jedem empfehlen, sich Bayer gegen RB anzuschauen. Na mal sehen, wie viele sich davon überzeugen lassen und wie viel von der Klasse dann auf dem Platz auch zu sehen ist. In diesem Sinne viel Spaß mit dem Spiel morgen.

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