2.Bundesliga: FC St. Pauli vs. RB Leipzig 1:0

Spitzenspiel am 21.Spieltag. FC St. Pauli gegen RB Leipzig. Vierter gegen Erster. Leipzig mit der Chance, einen Konkurrenten zu distanzieren und sich für die letzten zwei 0:1-Niederlagen gegen St. Pauli zu revanchieren. Am Ende grüßte das Murmeltier und es stand wieder ein 1:0 für die Hamburger auf der Anzeigetafel. Nur dass zur Abwechslung nicht Thy den Siegtreffer erzielte, sondern Rzatkowski.

In die Partie gegangen war RB Leipzig bis auf die Torhüterpostion, wo Gulacsi den verletzten Coltorti ersetzte, komplett in der Aufstellung vom Braunschweig-Spiel, wo man gegen einen defensiven Gegner mit viel Dominanz die Partie beherrscht hatte. Heißt auch, dass man wieder im 4-2-3-1 auflief. Komplett ohne Änderungen lief  auf der anderen Seite der Gastgeber auf, der an seinem 4-4-1-1, mit dem man Fürth den Zahn zog, auch gegen RB bestehen wollte.

Gegen den FC St. Pauli der Lienen-Zeit zu spielen, ist eine unangenehme Aufgabe. Weil das Team in der Defensive meist sehr genau und vor allem im letzten Drittel extrem kompakt spielt. Verkomplizieren tut sich die Aufgabe erst recht, wenn man in Rückstand gerät, denn dann igelt sich der FC St. Pauli ganz tief ein, sodass man sich jeden Torschuss hart erarbeiten muss.

Von der Seite her waren die ersten zehn Minuten des Spiels beim FC St. Pauli aus RB-Sicht der ungünstigste vorstellbare Start. Schon so früh in Rückstand zu geraten, spielte den Gastgebern komplett in die Karten und legte die Last des Spielaufbaus noch stärker in die Hände der Gäste.

Ganz von ungefähr kam der Gegentreffer aber nicht, denn in den ersten Minuten hatte St. Pauli einige im Ansatz verheißungsvolle Kontersituationen, bei denen aber die letzte Aktion nicht passte. Beim 1:0 passte dann alles zusammen. Nach Ballgewinn landete der Ball rechts nahe der Mittellinie bei Lennart Thy, der vor allem als Ballbehaupter und Anspielstation eine starke Partie machte. Die RB-Verteidigung entschied sich gegen den Angriff auf den Stürmer und für das Fallen nach hinten, um nicht mit Geschwindigkeit überlaufen zu werden. Was Thy für einen Diagonalball auf den linken Flügel nutzte, wo Klostermann gegen Buchtmann und Buballa in Unterzahl war (weil Kaiser zu spät aushalf) und so nicht verhindern konnte, dass letzterer den Ball flach nach innen auf Rzatkowski spielen kann. Ballannahme, Schuss aus 11 Metern, Tor. Typischer St.-Pauli-Fußball. In allen Instanzen nicht so richtig gut verteidigt von RB und vielleicht auch nicht völlig unhaltbar.

Nach dem 0:1 brauchte Leipzig ein paar Minuten, um sich im nun endgültig wachen Stadion zu schütteln und die Spielkontrolle komplett zu übernehmen. Bis zur Pause spielte am Millerntor nur noch RB Leipzig, während der Gastgeber komplett mit Verteidigen beschäftigt war.

Dabei war es beileibe nicht so, dass St. Pauli perfekt verteidigte. Hätten sie das getan, hätte RB Leipzig zwischen der 15. und 45. Minute nicht ein halbes Dutzend bester Chancen gehabt. Doch von den vielen Gelegenheiten aus dem Spiel heraus und nach Standards wollte einfach keiner reingehen in den Kasten von Robin Himmelmann, der einerseits einen überragenden, fehlerfreien Tag erwischte, andererseits aber auch in einigen Situationen das Glück weniger gelungener RB-Torabschlüsse hatte.

Wenn mal ein Ball durchkam, war an Robin Himmelmann kein Vorbeikommen - RB Leipzig verzweifelt beim FC St. Pauli an der Chancenverwertung | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Orban scheiterte an Himmelmann, Forsberg am Außennetz, Kaiser am fehlenden Elfmeterpfiff, Poulsen wieder an Himmelmann, Sabitzer auch. Dass es zur Pause 1:0 für die Gastgeber stand, war eine kleine Laune des Fußballgotts, der passenderweise von Himmelmann, aber auch von den RB-Angreifern unterstützt wurde.

Man konnte den RB-Spielern in der Halbzeit (abgesehen von der Chancenverwertung) nicht mal einen großen Vorwurf machen. Man spielte es geduldig runter, suchte und fand auf verschiedensten Wegen immer wieder die Lücken und Wege Richtung St.-Pauli-Strafraum, kreierte gute Torabschlüsse und verteidigte vor allem auch das gefährliche Konterspiel der Gastgeber gut und konsequent und meist schon im Ansatz. Sprich, man löste diese unangenehme Aufgabe, bei der man immer merkte, dass da unheimlich viel Energie investiert werden musste, absolut vernünftig.

Der ganz große spielerische Glanz kam dabei nicht immer auf, weil man sich im Kombinationsspiel gegen die Defensive der Gastgeber (naturgemäß) schwer tat. Poulsen mit einigen Ballverlusten im Passspiel. Ein Forsberg, der nicht immer die richtigen Lösungen im Eins gegen Eins fand. Und ein etwas glückloser Kaiser. Es stand da beileibe kein Zauberteam auf dem Platz, aber eins, dass ein ums andere Mal anlief und bei Ballverlust oft sofort wieder gegen den Ball arbeitete und ihn sich zurückholte.

Wer erwartete, dass es in der zweiten Hälfte so weitergehen würde, sah sich getäuscht. Die Partie war nun wesentlich ausgeglichener und wurde eher zu einem gegenseitigen Abnutzungskampf. RB Leipzig weiterhin mit Ball- und Spielkontrolle, ohne dass man vorerst daraus Gefahr generieren konnte. St. Pauli verteidigte den Strafraum sehr gut, ohne daraus selbst größere Gefahr auszustrahlen. Ein Nehrig-Kopfball nach Standard nach einer Stunde deutete aber an, dass sich dies auch schnell ändern kann.

RB Leipzig setzte nun noch mehr auf Offensive und löste die Doppelsechs mit Ilsanker und Demme zugunsten eines 4-1-3-2 auf und brachte zudem noch Bruno, der über rechts noch mal spielerische Lösungen finden sollte. Die Auswechslungen von Demme und Kaiser erwiesen sich aber gerade in Bezug auf das Finden spielerischer Lösungen nicht unbedingt als hilfreich. In ein kluges, dominantes Aufbauspiel mit Torgefahr kam man nur noch selten. Stattdessen versuchte man es vermehrt mit hohen Bällen auf Selke und Poulsen. Ein Stilmittel, was immer noch die Eroberung von zweiten Bällen als Chance hatte, aber insgesamt mehr den Gastgebern beim Verteidigen in die Karten zu spielen schien und nur noch selten für direkte Offensivgefahr sorgte. Der Ansatz der ersten Halbzeit, St. Pauli geduldig zu zerspielen, wirkte da deutlich erfolgsversprechender.

Chancen hatte RB Leipzig allerdings trotzdem noch ein paar. Forsberg, der im Torabschluss bei sechs Versuchen sehr unglücklich blieb, scheiterte einmal im Strafraum an Himmelmann, um kurz darauf einen Ball völlig freistehend aus 12 Metern weit am Tor vorbeizuziehen. Bei Poulsen war nach knapp 75 Minuten der Winkel zu spitz, als dass sein Schuss ernsthafte Erfolgschancen hätte haben können. Das war bei Bruno ein paar Minuten später schon anders. Trotzdem schoss er aus zehn Metern recht deutlich am langen Pfosten vorbei.

Insgesamt war in der letzten Viertelstunde aber St. Pauli das deutlich gefährlichere Team, das gegen offensive Gäste, bei denen später auch noch Innenverteidiger Orban für Stürmer Quaschner Platz machte, nun die Konterräume besser nutzte und dem 2:0 wesentlich näher war als immer einfallsloser werdende RasenBallsportler dem 1:1. Bernd Nehrig setzte einen großartigen Volleyschuss nach 77 Minuten an die Latte. Und Fafa Picault setzte einen Ball an den Pfosten, nachdem er Torwart Gulacsi schon ausgespielt hatte und zu genau am zurückeilenden Keeper vorbeispielen wollte.

In Gefahr geriet der Sieg des FC St. Pauli zumindest rein von Chancenseite her nicht mehr. Gefühlt war RB Leipzig zwar bis in die Nachspielzeit am Drücker und immer stand noch die Möglichkeit im Raum, dass aus dieser optischen Überlegenheit auch noch ein Tor resultiert, aber so richtig durch kam man einfach nicht mehr.

Über 90 Minuten gesehen kam aus RB-Sicht einfach viel zusammen. Das frühe Gegentor, das die taktische Situation komplett zugunsten der Gastgeber veränderte. Die schlechte Chancenverwertung vor allem in der besten Phase des Spiels zwischen 15. und 45. Minute. Das Einstellen des kopfklaren Spielens ab der 60. Minute. Die wirkungslosen oder gar kontraproduktiven Wechsel. Dazu verlor man viele entscheidende Zweikämpf, konnte sich auch bei Standards nicht entscheidend durchsetzen, obwohl man vergleichsweise viele davon hatte und hatte auch bei Schiedsrichterentscheidungen nicht immer das Glück auf der eigenen Seite. Von allem ein bisschen, aber an die eigene Nase fassen muss man sich vor allem, weil man aus 29 Torschüssen kein einziges Tor gemacht hat.

Fazit: Nein, es war beileibe kein schlechtes Spiel von RB Leipzig. Was auch die mitgereisten Anhänger nach dem Spiel honorierten. Um aber aus dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli was mitzunehmen, fehlte Glück und vor allem Genauigkeit beim Abschluss. Der FC St. Pauli nahm mit einem starken Himmelmann und ein paar guten Konterversuchen, von denen einer früh in der Partie saß, glückliche, aber auch nicht völlig unverdiente drei Punkte im Aufstiegskampf mit. Das dritte 1:0 des FC St. Pauli gegen RB Leipzig in Folge. Murmeltiertag eben.

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Randbemerkung 1: Zweites Spiel in Folge, in dem RB Leipzig trotz einer Vielzahl an Offensivszenen kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen konnte. Klar, gegen zwei Mannschaften, die insbesondere in der Verteidigung des eigenen Strafraums ihre Stärken haben und entsprechend wenig ungestörte Torschüsse zulassen. Zusammengenommen muss man in diesen beiden Spielen bei dem betriebenen Aufwand aber auch mal aus dem Spiel heraus treffen. Gilt insbesondere, wenn man beim FC St. Pauli 18mal(!) im Strafraum zum Abschluss kommt..

Randbemerkung 2: Die erste Auswärtsniederlage von RB Leipzig im elften Anlauf in dieser Saison. Irgendwann endet halt jede Serie. Dass sie nicht in Karlsruhe endete, wo der Gastgeber ein deutliches Chancenplus hatte, sondern beim FC St. Pauli, wo RB lange ein deutliches Chancenplus hatte, ist eine der Wunderlichkeiten des Fußballs. Zwei von drei Niederlagen in dieser Saison hat RB Leipzig nun gegen St. Pauli kassiert. Auch bemerkenswert. Genauso wie die Tatsache, dass St. Pauli in vier Zweitligaspielen in zwei Spielzeiten dreimal gegen RB gewonnen hat. Das Torverhältnis ist mit 4:4 immerhin noch ausgeglichen..

Randbemerkung 3: Bei allen Wechseln von RB Leipzig war die Intention nachvollziehbar, so richtig glücklich war keiner der Wechsel. Demme rauszunehmen und Selke zu bringen, war dahingehend logisch, dass halt beim Auflösen der Doppelsechs ein Sechser runtermuss und Ilsanker als zweiter möglicher Kandidat als zentral-defensiver Offensivspieler und Vorwärtsverteidger unverzichtbar schien. Demme rauszunehmen, bedeutete aber auch auf Qualitäten und Dynamik in der Verbindung zwischen Defensive und Offensive zu verzichten. Was dem Spiel nicht gut tat und RB vom Weg von vor der Halbzeit abbrachte, St. Pauli zu zerspielen. Bruno für Kaiser zu bringen klang logisch, weil es noch mal zusätzliche spielerische Qualität auf die rechte Seite bringen sollte. Dass das ausgerechnet der Techniker und breit spielende Bruno leisten sollte, war zumindest gewagt, hätte aber natürlich auch klappen können. Kaiser schien, bei allen Schwierigkeiten, besser zu diesem umkämpften Spiel zu passen. Die Auswechslung von Orban, um einen weiteren Stürmer zu bringen, war dann der totale Offensivwunsch. Führte aber auch dazu, dass mit Orban einer runterging, der sich in den 80 Minuten zuvor durch sicheres Passspiel auch in des Gegners Hälfte und ein paar gute, hohe Balleroberungen ausgezeichnet hatte, sodass RB noch mehr hoch und weit spielen musste, was der Innenverteidigung von St. Pauli ganz recht war.

Randbemerkung 4: Immer wieder bei Spielen zwischen RB Leipzig und dem FC St. Pauli im Vorfeld medialerseits gern genommenes bzw. gepushtes Vorgeplänkel. Diesmal war es eine unglückliche Äußerung von Ewald Lienen in der Pressekonferenz vor dem Spiel, in der ein Zusammenhang zwischen RB Leipzig einerseits und Kommerz und Faschismus andererseits hergestellt worden schien. Was Lienen in einer extra aufgenommenen, weiteren Videobotschaft dementierte und aufzuklären versuchte.

Randbemerkung 5: Erstaunlich angesichts der im Umfeld der Spiele gern aufgebauschten Storys (N-TV schoss diesmal im Vorfeld den absurden Vogel ab und sprach vom „Giftgipfel gegen RB Leipzig“), dass es am Ende bisher im Großen und Ganzen und trotz Quatsch auf beiden Seiten (wie eine bei Twitter behauptete [broken Link] Bierflasche auf den RB-Bus und vereinzeltes Gepöbel hier und dort) rund um die Partien zwischen RB Leipzig und dem FC St. Pauli extrem entspannt zugeht. Gut, dass man sich vom medialen Aufheizen nicht anstecken lässt und die Duelle mit großem Ernst, aber auch Fairness austrägt.

Randbemerkung 6: Bezeichnend dafür, dass sich St. Pauli und RB Leipzig auf Sachebene eben doch nicht so fremd sind, wie immer getan wird, dass St. Paulis Präsident Oke Göttlich und RBs Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff vor dem Spiel gemeinsam eine „Nie wieder“-Stellungnahme verlasen und sich so gegen Gewalt, Rechsextremismus und Fremdenhass richteten.

Randbemerkung 7: Bezeichnend auch für eine vergleichsweise normale Ebene, dass dem Gegner nach dem Spiel Applaus gespendet wurde (zumindest von RB-Seite Richtung St. Pauli, andersherum war das aus meiner (akustischen) Situation nicht nachvollziehbar). Und auch Ewald Lienen ließ vor dem Gästeblock seinen Applaus und seinen nach oben gestreckten Daumen da. Nun ja, kann man sich nichts von kaufen von Gesten. Aber ein bisschen Anstand und Menschenverstand hat noch niemandem geschadet.

Randbemerkung 8: „RB ist nicht ok.-“ (Tapete im heimischen Ultra-Block) Ernsthaft St.-Pauli-Fans? Habt ihr eine Sektion Twitter? Puh..

Randbemerkung 9: Extrem sackig war Marcel Sabitzer, der nach dem Spiel kurz Richtung RB-Fans klatschte, um dann direkt Richtung Kabine zu stapfen. Erinnerte ein bisschen an einen Joshua Kimmich früher, der nach Niederlagen auch gern mal bedient abzog und in Heidenheim letzte Saison überflüssigerweise von Beierlorzer noch mal aus der Kabine geholt wurde, um am Mannschaftskreis teilzuhaben. Man konnte Sabitzer verstehen und ein bisschen ist das halt seine Art, mit Niederlagen umzugehen. Gut trotzdem, dass der Rest der Mannschaft sich noch den (verdienten) Applaus abholen kam (dabei aber auch sichtbar bedröppelt und wenig aufmunterungsbereit aussah).

Randbemerkung 10: Im Vergleich zur Vorsaison RB Leipzig mit 15 Punkten und sieben Toren (Tordifferenz) mehr nach dem 21. Spieltag. Gegen dieselben Gegner wie in den ersten 21 Spielen des Vorjahrs holte man diese Saison elf Punkte mehr (wenn man den schlechtesten Aufsteiger Darmstadt durch den schlechtesten Absteiger Paderborn, Ingolstadt durch Freiburg, Aue durch Bielefeld und Aalen durch Duisburg ersetzt).

Lichtblicke:

  • Willi Orban: Abwehrchef und meist gegen tief stehende Gastgeber erste Spielaufbauoption. Investierte viel in das Spiel, und gewann in der zweiten Halbzeit einige wichtige Zweikämpfe weit vor der Abwehr. Merkwürdig, dass ausgerechnet er zehn Minuten vor Schluss vom Feld musste.
  • Marel Sabitzer: Aus Prinzip und weil ihn solche Niederlagen ankotzen und weil er sich auf dem Platz spielerisch und verbal wehrt. Und sowieso, weil er immer unterwegs und anspielbereit ist und gegen St. Pauli auch immer wieder weite Wege in die Defensive ging, um dort auzuhelfen. Im Zug zum Tor fehlte etwas Effizienz und Geradlinigkeit, aber ansonsten war es ein typischer, auffälliger, sich nie versteckender Sabitzer.
  • Diego Demme: Im Mittelfeld wieder extrem fleißig und zweikampfstark unterwegs. Versuchte sich darin, die Verbindung zwischen Sechs und Offensive herzustellen. Klappte auch oft ganz gut. Dass er das Feld nach einer Stunde verlassen musste, war schade, machte aber taktisch Sinn, da Rangnick die Doppelsechs auflösen wollte und Ilsanker als Defensivabsicherung auf dem Platz bleiben musste. Demmes Abwesenheit tat dem Spiel trotzdem nicht so richtig gut.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des Spieltags 21 bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tor: 1:0 Rzatkowski (8.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban (81. Quaschner), Compper, Klostermann – Demme (60. Selke), Ilsanker – Kaiser (60.Bruno), Sabitzer, Forsberg – Poulsen; Bank: Bellot, Teigl, Nukan, Khedira; Nicht im Kader: Coltorti, Boyd, Halstenberg (aller verletzt oder noch nicht wieder fit), Hierländer, Strauß, Gipson

Aufstellung FC St. Pauli: Himmelmann – Hornschuh, Sobiech, Ziereis, Buballa – Sobota (84.Picault), Rzatkowski, Nehrig (90. Eden), Buchtmann – Alushi (78. Dudziak) – Thy

Schiedsrichter: Tobias Welz (Oft keine klare Linie und zwischen kleinlicher und großzügiger Spielleitung oszilierend. Phasenweise schlicht seltsame Zweikampfentscheidungen. Dazu in der ersten Halbzeit einen Elfmeter für RB übersehen. Vielleicht bezeichnend für die ‚ich will mir hier nicht die Finger verbrennen‘-Linie, dass Welz in der zweiten Halbzeit nach Foul von Buchtmann dem erregten Sabitzer mit die gelbe Karte zeigt, obwohl der außer einem verbalen Gruß nichts gemacht hatte und sogar noch gestoßen wurde. Keine so richtig gute Partie des Spielleiters in einer Partie, die eigentlich gar nicht so viele Schwierigkeiten mit sich brachte.)

Gelbe Karten: Buchtmann – Ilsanker (9.), Sabitzer (3.)

Zuschauer: 29.546 (davon  2.600 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, FCSP-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 16 : 29
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 18
  • Schüsse auf das Tor: 6 (+2mal Aluminium) : 6
  • gewonnene Zweikämpfe: 52,9% : 47,1%
  • Ballbesitz: 40,5% : 59,5%
  • Passquote: 57,9% : 77,3%
  • Laufstrecke: 117,4 km : 119,2 km
  • Sprints: 188 : 185
  • Intensive Läufe: 551 : 615
  • Fouls: 15 : 22
  • Ecken: 5 : 9
  • Abseits: 4 : 3
  • Meiste Torschüsse: Nehrig, Thy: je 4 – Forsberg: 6
  • Meiste Torschussvorlagen: Thy: 3 – Jung: 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Buballa: 76,9% – Demme: 68,8%
  • Meiste Ballkontakte:Thy: 55 – Ilsanker: 92
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Buchtmann: 75,0% – Orban: 88,9%
  • Größte Laufstrecke: Rzatkowski: 11,7 km – Jung: 11,9 km
  • Meiste Sprints: Buchtmann: 25 – Jung: 26

Statistiken von bundesliga.de, bild.de

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Saisontorschützen: Selke, Sabitzer – je 7; Forsberg – 6; Kaiser, Poulsen – 3; Halstenberg – 2; Quaschner, Nukan, Ilsanker, Compper – je 1; Eigentore: Parensen (Union) – 1

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 4, Klostermann, Poulsen, Bruno, Kaiser – je 3; Sabitzer, Selke, Demme, Halstenberg, Jung – je 2; Quaschner, Kalmár, Orban – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Sabitzer, Kaiser – je 8; Ilsanker – 5; Halstenberg, Forsberg, Bruno, Orban – je 4; Demme – 3; Klostermann, Coltorti, Poulsen – je 2; Nukan, Jung, Compper, Teigl – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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14 Gedanken zu „2.Bundesliga: FC St. Pauli vs. RB Leipzig 1:0“

  1. Lieber „rotebrauseblogger“,

    wie schon sooft, ist natürlich immer wieder Dein Fleiß für die kurzfristige und ausführliche Spielbeobachtung zu bewundern. Da aber auch andere Fußballfreunde vor Ort oder im Fernsehen die „RaBa“- Spiele ganz oder durch die entscheidenden Zusammenschnitte auch sehen können, gibt es natürlich zwischen Deinen meistens auch gut beobachteten und zutreffend geschilderten Szenen und den eigenen wahrgenommenen Geschehnissen auf dem Rasen schon ein paar Dinge zum Nachdenken…..

    Immer, wenn Du von den erkannten „Systemen“ schreibst, muss ich ein wenig schmunzeln. Warum? Weil diese jeweils von Zahlen umrahmte geordnete theoretische Strategie doch nur bei den jeweiligen Anpfiffen kurz zu sehen ist, ehe sich, je nach den zu erwartenden wechselhaften Spielsituationen, auf beiden Seiten entweder mehr auf Angreifen oder Abwehren orientiert wird. Das Zauberwort „Doppelsechs“ ist doch nichts weiter als die praktische Fortsetzung der früheren „Läufer“, mit den Zahlen 5 und 6 auf dem Buckel, wobei mal der eine oder andere Spieler mehr oder weniger Abwehr- bzw. Angriffsaufgaben zu übernehmen hat! Deshalb ist doch beispielsweise das sogenannte 4-2-3-1- System gleichbedeutend mit dem 4-5-1-System, weil beide in der Theorie mit einem Fingerzeig auf ein starkes Mittelfeld hinweisen! Wir sollten uns deshalb wegen eventuellen unnötigen Irritationen eher auf angriffs- oder abwehrorientiert einigen, statt mit der nutzlosen Zahlenspielerei zu beschäftigen…..

    Ehrlich gesagt, war es aufgrund der Gesamtüberlegenheit und der schon im Bericht genannten ausgelassenen häufigen Torchancen des Aufstiegskandidaten tatsächlich ein glücklicher Gastgebersieg, bei dem mir allerdings das bedingungslose Kämpfen der Leipziger, zumindest um das Ausgleichstor, viel zu kurz kam!

    Was ich aus Deinem Kommentar allerdings noch nicht so richtig dazulernen konnte, ist die bisher noch nicht bekannte Bedeutung des Sabiger Begriffs „sackig“, den er klatschend in Richtung der Fans sandte……..

  2. Ausgezeichnete Analyse! Ergänzend muss man sagen, dass es in den letzten beiden Jahren eine Art Gesetz wurde, dass immer eine Halbzeit toll war und eine mittelmäßig. Mir war daher zur Halbzeit – aber auch aufgrund des bis dahin betriebenen Aufwandes, welcher mit dem frühem 1:0 zusammenhängt – klar, dass die bessere Halbzeit vorbei war. Sollten sie es noch schaffen das Niveau der jeweils besseren Halbzeit auf die andere zu übertragen, werden sie in Liga 2 fast unschlagbar werfen.

  3. Pauli hat zweimal zuvor zu Hause verloren (u.a. 0:4-Klatsche gegen Nürnberg!!!) und Rangnick rennt nach komfortabler Anreise im Flieger mit Ansage zum 3. Mal in Folge (unfassbar für mich) ins offene Messer (Spielablauf ist so u.a. im Pauli-Forum Tage zuvor herbeigehofft worden…). Diese spielerisch limitierte Kiez-Truppe auswärts selbst einmal auskontern – das wäre was gewesen, Rangnick hat aber auch keinen Plan B wie andere zuvor, nur das Spielermaterial ist besser und somit der aktuelle (noch) gute Punktestand bis Montagabend.
    Selke ist als Einwechsler verschenkt, der ständig lamentierende Poulsen war von Beginn an schwach, Forsberg und Bruno im Abschluss wie F-Jugendspieler. Quaschner mit seinen Fouls nahm den letzten Spielfluss nach unsinniger aber bekannter Wechselstrategie im Falle des Zurückliegens.
    Gegen diesen Pseudo-Kiez-Klub zum 3. Mal in Folge ohne eigenes Tor zu verlieren – das tut besonders weh.
    Hoffentlich haben wir jetzt zukünftig nicht das Pech was wir in der Hinrunde an Glück hatten – dann wird es eng, gewinnen wir jetzt alle Heimspiele irgendwie, dann sind wir wohl durch.
    Erstligatauglich ist die Mannschaft in keinster Weise, sagen die Neutralen um mich herum, verweile nämlich noch in der Nähe von Hamburg. Ein gestandener Trainer für dieses Spielsystem wird nicht zu finden sein, ein unverbrauchter junger dynamischer „Platzhalter“ schon.
    Die Hofberichterstattung der LVZ ist auch schwer bekömmlich…
    Freue mich trotzdem auf logischerweise sehr „tief stehende“ Unioner und bringe als Dosen-Event-Fan noch 3 Leute zusätzlich mit…

    1. Besser informieren…die 0:4 Klatsche entstand, weil vor der Winterpause Pauli versucht hat mitzuspielen. Da dies jedoch grandios scheiterte, sind Sie wieder zur reinen Defensive zurückgekehrt.

    2. Noch nicht abgekühlt? Selke ist momentan klar schlechter als Sabitzer und Poulsen. Logisch dass er nur von der Bank kommt. Dass er so gar keinen Effekt nach der Einwechslung hatte stimmt bedenklich.

      Ich hätte auch lieber einen etwas vorsichtigeren Beginn gesehen. Das Gegentor schien zu leicht. Aber so spielen wir nunmal nicht. Da kann man mit dem Eegebnis vor Augen durchaus mal nach dem Plan B rufen. Allerdings sollte man vorher auf die Tabelle schaun. Viele Argumente bleiben da nicht für einen Taktikwechsel. Genausogut hätte das aggresive Spiel ja auch die Leipziger Führung bringen können. Dann hätte ich ja gern mal den spielenden FC St. Pauli gesehen.

  4. Torschüsse und Standards gehören zu den grundlegenden Fertigkeiten des Fußballspiels, die man wie beim Beherrschen eines Musikinstruments immer wieder üben muss. Was nützen geniale Spielzüge und Dribblings, wenn man die Basics nicht beherrscht. Hinzu kommt der verständliche Fehler, bei Rückstand gegen eine unterlegene, mauernde Mannschaft das sensible Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive zugunsten der Offensive aufzulösen. Klar sollte dann die Offensive dominieren, aber mit zehn Stürmern hat noch keine Mannschaft ein Spiel gewonnen.

  5. Danke für Deine Analyse.

    Erwähnenswert aus meiner Sicht, die katastrophale Stehsituation im unteren Bereich des Gästeblocks.
    Falls, was ich nie hoffe, dort aus welchen Grund auch immer mal Panik ausbricht oder jemand medizinische Hilfe benötigt, dann Gute-Nacht-Marie!
    Mein Appell an die Pauli-Verantwortlichen, schnellstens ändern, bevor etwas Vorhersehbares geschieht.

    Zum Spiel selbst, die vergebenen Chancen sind zum Haare raufen. Aber gut, neues Spiel, neue Chancen.

    1. Da solltet ihr euch an die eigene Nase fassen! Der Grund für die Überfüllung des Stehbereiches war das ein grosser Teil mit Sitzplatzkarten eben nicht auf ihren Plätzen saßen sondern standen!

  6. Manchmal überhastet Abschlüsse. Tor war ganz schwach verteidigt. 3 Leite stehen drumrum, ohne am Torschussczu hintern.

  7. Ist ja schon (fast) alles gesagt worden.

    Was ich aber nicht verstehe sind die Wechsel. Wenn ich sehe, daß Forsberg und Poulsen einen gebrauchten Tag haben (im Sinne der Chancenverwertung), dann tausche ich doch dort positionsgetreu!! Also Selke für Poulsen und Bruno für Forsberg. Dann hat RR immer eine Option offen und im MF noch eine gute Grundordnung mit Demme und Kaiser. Als dann noch Quaschner für Orban kam, konnte man das Elend sehen, daß sie sich alle auf den Füßen standen und Pauli nur Kontern brauchte. Dann am Ende lieber Nukan bringen, wenn es hoch und weit geht bzw auf ruhende Bälle noch hoffen.

  8. Man sollte halt nicht mit Flieger anreisen .ist immer mit frühen Gegentore in die Hose gegangen.😀Osnabrück. Unterhaching und jetzt Pauli.
    Sonst ist es halt was fürs Phrasenschwein. Schön gespielt.aber wie im Hinspiel keinen reingemacht.
    Bruno wie immer Totalausfall.wie sollen wir den nur loswerden😉

  9. Hey Witzbold, alias Pumpe, wir standen im Stehplatzbereich, unterer Teil, da sind keine Sitzplätze. Oder hat man Leute mit Sitzplatzkarten in Stehplatzbereich gelassen? Wenn ja, dann hat man dem Chaos Vorschub geleistet. Treppenaufgang voll, Treppe zum mittleren Bereich voll. Warst du da dabei, wenn nicht, Mund halten.

  10. Das sind ja mehr Randbemerkungen als Text. Dennoch alle extrem treffend!

    Die Niederlage ist kein Untergang und sicherlich kommt der Dämpfer zur rechten Zeit!

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