Spieler der Rückrunde: Dominik Kaiser

Es ist nicht immer so einfach, bei der Bestimmung des herausragenden Spielers einer Saison oder einer Hin- bzw. Rückrunde eine ausgefallene Wahl zu treffen. Zumal wenn die Sache so eindeutig ist, wie in der Zeit seit der Winterpause.

Klar, man könnte den unkonventionellen Weg und Yussuf Poulsen wählen, der wohl den größten Qualitätssprung im ganzen Kader gemacht und sich von einem hervorragenden Individualisten zu einem mannschaftsdienlichen Stürmer mit Abschlussqualitäten entwickelt hat. Einem Poulsen bei der Arbeit zuzuschauen, wie er sich im wahrsten Sinne des Wortes mit Freude in jeden Ball wirft oder dem Spielgerät hinterhersprintet und mit dem Ball am Fuß inzwischen auch den Kopf oben behält, macht viel Spaß und ist ein großes Versprechen auf die kommenden Jahre, falls Poulsen auch die nächsten Enwicklungsschritte macht.

Auch einen Sebastian Heidinger könnte man nennen, wenn es um prägende Figuren geht. Insbesondere in der Zeit direkt nach der Winterpause war er eine der herausragenden Stützen. Im Laufe der Runde entwickelte er sich vielleicht (überspitzt gesagt) von Weltklasse zu europäischer Klasse zurück, blieb aber trotzdem ein nicht ersetzbarer, unheimlich konstanter Fixpunkt. Ähnliches gilt für Diego Demme und mit Abstrichen für Joshua Kimmich.

Letztlich führt aber beim Spieler der Rückrunde 2013/2014 kein Weg an Dominik Kaiser vorbei, der nicht umsonst auch bei der DFB-Wahl zum besten Spieler der dritten Liga erhoben wurde. Und damit die Nachfolge von Hakan Calhanoglu antrat, der letztes Jahr beim Karlsruher SC glänzte, in diesem Jahr beim HSV den Durchbruch schaffte und nun bei diversen europäischen Topclubs auf den Zetteln steht.

Ob Dominik Kaisers Karriere noch mal ähnlich steil durch die Decke geht, ist angesichts der mehr als fünf Jahre, die er auf Calhanoglu alterstechnisch Vorsprung hat, eher zweifelhaft. Erst mit knapp 21 ist Kaiser im Sommer 2009 überhaupt vom Regionalclub Normannia Gmünd zu einem Fußballverein mit überregionaler Perspektive gewechselt. Bei der TSG Hoffenheim spielte er hauptsächlich in der Regionalliga, erlebte aber unter Marco Pezzaiuoli auch sein Bundesligadebüt.

Nur schwerlich zu stoppen - Dominik Kaiser mit eleganter Ballkontrolle und perfekter Spielübersicht | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Dass seine Karriere Richtung professionellem Fußball erst relativ spät startete, könnte auch bedeuten, dass eben doch noch mehr Entwicklungsluft in ihm steckt als bei vergleichbaren Altersgenossen, die schon ab 15, 16 oder 17 in Nachwuchsleistungszentren immer am oberen Leistungsniveau spielen mussten, um sich durchzusetzen. Vielleicht erklärt sich dadurch auch der Sprung, den Kaiser in dieser Saison und hier insbesondere in der Rückrunde noch mal machte.

Ein Sprung, mit dem er quasi prototypisch für ein Team stand, das nach der Winterpause endgültig in der dritten Liga ankam und mit einer unglaublichen Konstanz am Ende den verdienten Aufstieg sicherte. Zu dem Dominik Kaiser mit vielen starken Partien beitrug.

Dass sich der Mann mit der Nummer 24 in den 17 Drittligaspielen in 2014, von denen er keine einzige Minute verpasste, noch mal stärker ins Blickfeld spielen konnte, lag auch daran, dass er nach der Verpflichtung von Diego Demme im Mittelfeld von der Acht auf die Zehn wechselte. Eine Reaktion darauf, dass man im ursprünglichen Dreistürmersystem mit Kimmich, Ernst, Demme und Kaiser vier Spieler für die nur drei Mittelfeldpositionen, also die Sechs und die zwei Achter hatte. Also einen zu viel. Kaiser wanderte auf die Zehn und blieb dort auch, nachdem sich Ernst das Kreuzband gerissen hatte.

Und in dieser Position wurde Kaiser zum mehr noch als schon in der Hinrunde dominierenden Mann im Team. Durch seine Ballsicherheit ermöglichte er etwas, was man voher nicht allzu oft gesehen hatte. Ballsicherung und -besitz im vorderen Spieldrittel. Etwas, was zudem auch für das Gegenpressing von RB Leipzig essenziell ist. Denn je weiter vorne man im normalen Spielaufbau Bälle hat und entsprechend auch verlieren kann, desto wahrscheinlicher resultiert dann aus schnell wiedergewonnenen Bällen direkte Torgefahr. Zudem überzeugte Kaiser als eine der ersten Stationen im Spiel gegen den Ball, sodass der gegnerische Spielaufbau entscheidend gestört werden konnte (den Unterschied sah man recht gut, als Timo Röttger in Rostock in der Kaiser-Position spielte und kaum Druck auf den Ball bekam).

Überragend aber vor allem Kaisers Offensivstatistiken. 13 Tore und 14 Vorlagen stehen zu Buche (nah dran an Calhanoglus 17 und 12 aus dem Vorjahr). Sieben Tore und zehn Vorlagen resultieren allein aus den 17 Spielen seit der Winterpause. Im Schnitt in jedem Spiel ein Torbeteiligung. Viermal erzielte Kaiser in diesen 17 Spielen das 1:0, dazu den Siegtreffer gegen Chemnitz. Insgesamt waren neun seiner 13 Tore im Saisonverlauf Tore, mit denen Kaiser die Führung erzielte.

Für einen Mittelfeldspieler keine schlechten Statistiken. Dazu zusammen mit Marc Schnatterer bester Vorbereiter und zweitbester Scorer der Liga. Direkt hinter den Topstürmern Stroh-Engel, Frahn und Onuegbu bester Torschütze der Liga, dazu der – rechnet man mal die Elfmetertore ab – deutlich treffsicherste Mittelfeldspieler der Liga.

Dominik Kaiser hat dank einer grandiosen Rückrunde in veränderter Rolle, die das Ziehen in den Strafraum fast schon nach Art einer falschen Neun ermöglichte, zusätzlich zu seiner Spielintelligenz und feinen Technik ein paar statistische Superlative aufstellen können und gezeigt, dass mit ihm auch eine Liga höher absolut zu rechnen ist.

Wo dann noch dazukommt, dass er auch als Leader deutlich präsenter geworden ist. Dominik Kaiser ist sicherlich ein ruhiger Zeitgenosse, aber als solcher trotzdem eine zentrale Stütze im Team. Sportlich, aber auch darüber hinaus. Er hat sich neben Frahn zu einem der zentralen Gesichter des Vereins entwickelt, auf den es auch in naher Zukunft ankommen wird, wenn man Erfolg haben will.

Dominik Kaiser war in ziemlich allen Belangen, da gibt es wenig dran zu deuteln, der Spieler der Rückrunde bei RB Leipzig in der dritten Liga der Saison 2013/2014. Manchmal erwartet man von Kaiser schon gar nichts anderes mehr als Topleistungen und wenn es mal ein normaler Tag wird, dann fällt er aus dem Radar. Dann sollte man sich immer wieder mal verdeutlichen, dass ein Kaiser an einem normalen Tag immer noch die meisten seiner Konkurrenten auf seiner Position aussticht. In der dritten Liga sowieso, für die zweite Liga darf man auf die entsprechende Beweisführung in der kommenden Saison gespannt sein.

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Bisher so:

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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2 Gedanken zu „Spieler der Rückrunde: Dominik Kaiser“

  1. DK, ein Jung den man einfach mag, seine Spielweise, seine Kommentare, sein Auftreten.
    Ein ganz wichtiger Spieler für die Mission in Liga 2, im oberen Drittel mitzuspielen.

  2. Es ist wie immer, es macht einfach immer wieder Spaß Deine Beiträge zu lesen. Ergänzend zu diesem Beitrag will ich nur anmerken, dass sicherlich auch jene Person, die die Umstellung im Mittelfeld erst ermöglicht hat und seitdem unauffällig ebenfalls einen Superjob macht, mal mehr erwähnt werden sollte – Diego Demme!

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