Ost-West-Geschichten 20 Jahre später

Man kann behaupten, dass es bezeichnend ist für den Fußball in jenem geographischen Teil Deutschlands, der sich 1991 fußballtechnisch dem DFB angeschlossen hat, was da gestern bei der Partie Aue gegen Cottbus auf den Brüsten der Spieler zu sehen war. Da traf „Spar mit! Reisen“ auf „Tropical Island“. Ein Schweizer Reiseunternehmen mit 100 Beschäftigten vs. ein malaysischer Geschäftsmann, der im brandenburgischen Niemandsland in einer Halle, in der Cargolifter Ende des letzten Jahrtausends Luftschiffe bauen wollte und daran Pleite ging, im bereits zweiten Versuch eine tropische Traumlandschaft betreibt (Vision laut Eigenwerbung (broken Link): „Europas führendes Urlaubsresort“ – ähm ja). Die (zusammen mit Union) derzeit führenden ostdeutschen Fußballvereine wirtschaftlich und sponsorentechnisch immer noch unter ferner liefen, das ist das bezeichnende Merkmal für den Fußball 20 Jahre nach der Wende. Kein Gazprom, Emirates, VW, T-Home oder wie auch immer sie bei den westdeutschen Leuchttürmen heißen, sondern Spar mit! Reisen und Tropical Island! Möglicherweise zufällig, dass es Sponsoren sind, die vor allem auf das Fernweh abzielen.

Dabei ist es sowieso schon eine schräge Geschichte, dass ausgerechnet Cottbus und Aue (derzeit) die Sieger der ostdeutschen Fußballgeschichte sind. Erstere waren beim Abschied der DDR-Oberliga vor 20 Jahren 13. und damit Vorletzte. Zweitere starteten in der letzten Saison des DDR-Fußballs noch nicht mal im Oberhaus. Beide verschwanden in der Frühzeit des bundesdeutsch vereinten Fußballs in der Versenkung des Amateursports. Rostock, Dresden, Erfurt, Halle, Chemnitz, Jena, Lok Leipzig und Stahl Brandenburg hießen die Vereine, die damals in den Profisport aufrücken durften. Die ersten zwei sind immerhin wieder zweitklassig, kämpfen dort allerdings maximal gegen den Abstieg. Beim Rest darf jeder selbst nachvollziehen, wo die Vereine gelandet sind (Tipp: es geht bis runter in die sechste Liga).

Cottbus und Aue also und damit zwei Vereine, die für das Motto stehen, mit dem man gerne – auch schon mal in falscher Sentimentalität – die DDR-Lebensrealität beschrieb: Aus Sch… Bonbons machen. Ja, das können sie in Cottbus und Aue, unter widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Topergebnisse erschaffen. Und doch bleibt trotz der Topleistungen eine fußballerische Lebensrealität, die auch 20 Jahre nach der Fußballvereinigung keine Chancengleichheit zwischen Ost und West erlaubt. Sicherlich gibt es auch Unterschiede zwischen Nord und Süd und innerhalb des Ostens zwischen Sachsen und ostbrandenburger Grenzregionen, aber grundsätzlich und vereinfacht, unterscheiden sich die Bundesländer Ost und West eben durch ihre wirtschaftshistorisch gewachsenen Rahmenbedingungen. Chancengleichheit war auf dieser Basis nie zu haben und wird auf absehbare Zeit kein Thema sein. Der Blick auf die Besetzung der Bundesliga beweist dies nur allzu deutlich.

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Regionalliga: RB Leipzig vs. TSV Havelse 4:1

Nun, manchmal gibt es eben diese Tage, an denen andere Sachen wichtiger sind als der Fußball. Wie gestern als die RasenBallsportler dank oder trotz meiner Abwesenheit die letztjährigen Absteiger und Dann-Doch-Nicht-Absteiger aus Havelse mit 4:1 schlugen. Ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Ergebnis.

Denn zum ersten Mal seit dem siebten Spieltag der vergangenen Saison und dem damaligen 3:2-Heimsieg gegen den SV Wilhelmshaven gelang es RB Leipzig wieder einmal einen Rückstand in einen Sieg umzuwandeln. Was nicht in einem Mangel an Gelegenheit begründet liegt, denn in immerhin 10 Partien geriet RB Leipzig seitdem irgendwie in Rückstand, ohne dass es noch zu drei Punkten gereicht hätte. Genauso wie das 4:1 gegen Havelse gehörte das letztjährige Auswärtsspiel bei Holstein Kiel zum vierten Spieltag. Damals wandelte RB Leipzig zum letzten Mal einen Halbzeit-Rückstand in einen Sieg um. In einem Heimspiel ist es gar das erste Mal in der RB-Vereinsgeschichte und im fünften Versuch, dass aus 0 Punkten zur Pause 3 Punkte am Ende wurden. Bloß gut gibt es Statistiken.

Ein Vergleich der sich auch aufdrängt, ist der der Zuschauerzahlen: Während zum Saisonabschluss 2010/2011 gegen den TSV Havelse lediglich 1.305 Zuschauer in der großen Mehrzahl RB Leipzig siegen sehen wollten, waren es gestern immerhin 4.276. Worin sich auch ausdrückt, dass sich unter den RB-Anhängern sicherlich noch keine Euphorie breitgemacht hat, aber der Saisonstart eher Zufrieden- als Unzufriedenheit hervorruft. Zum letztjährigen zweiten Heimspiel gegen Hannover 96 II waren nach zwei Auftaktunentschieden gerade einmal 2.633 Zuschauer anwesend (allerdings an einem Samstag und nicht an einem Sonntag).

Wäre ich gestern im Stadion gewesen, dann hätte ich aber wohl trotzdem in der ersten Halbzeit ein Déjà-vu-Erlebnis gehabt. Ballbesitz, Spielkontrolle, wenig Durchschlagskraft, 0 Tore, 1 Konter, 1 Gegentor, 0:1. So ging es auch schon letztes Jahr desöfteren in Halbserie 1 vonstatten. Manchmal sind es dann die kleinen Unterschiede, die die großen Folgen haben. Für das Spiel im konkreten, aber auch möglicherweise für das große Ganze Saison im allgemeinen. In diesem Fall war es die zweite Konterszene der Havelser, die deren Offensivkraft Ali Moslehe in bester Euro-2008-Gomez-Manier aus zwei Metern übers Tor stolperte. Sodass es beim 0:1 zur Pause und vergleichsweise guten Ausgangsbedingungen für das Drehen des Spiels blieb. Wobei man gute Ausgangsbedingungen eben auch erst einmal ausnutzen muss.

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Wochen(end)splitter XI

Stell Dir vor Philipp Lahm schreibt ein Buch, keiner hat es gelesen, aber alle reden drüber. Herrlich die Welt, die die Funktionsweise eines Sketches von Monty Python hat. Und herrlich, daran teilhaben zu dürfen. Philipp Lahm hat also ein Buch geschrieben. Bei allem was man darüber (nicht) weiß, vermute ich dem Titel und den Beschreibungen nach, dass es darum geht, anhand seiner eigenen Karriere zu zeigen, wie sich der Fußball verändert hat und was heutige Jugendliche mitbringen sollten, wenn sie im Profi-Fußball mitschwimmen wollen.

So weit, so unspektakulär. Das Buch, das nächste Woche erscheinen wird (Titel übrigens: Der feine Unterschied: Wie man heute Spitzenfußballer wird), wäre vermutlich erfolgreich gestartet, Philipp Lahm hätte die eine oder andere positive oder negative Rezension gekriegt und alles wäre so dahin geplätschert, wie das oft bei Büchern so der Fall ist. Wenn ja wenn Philipp Lahm nicht auf die Idee gekommen wäre, das Buch vorher in der BILD in Auszügen vorzustellen. Auzüge, bei denen die eine oder andere wohlbekannte deutsche Fußballfigur nicht sonderlich gut wegkommt. Völler komplett plan- und orientierungslos, Klinsmann ohne Taktik, Magath mit seinen Methoden gescheitert und van Gaal (bei dem fällts mir grad nicht ein, was mit dem ist). Nicht sonderlich neues Gedankengut.

Explosive Wirkung erhält das ganze erst durch seine exponierte Präsentation im BILD-Kontext. Philipp Lahm muss es offenbar sehr wichtig gewesen sein, ausgerechnet jene Inhalte des Buches schon vor der Veröffentlichung unters Volk zu bringen, die dezidiert aus dem Innenleben früherer Fußballteams plaudern und so handelnde Personen, respektive Vorgesetzte aus Lahms Vergangenheit ein Stückweit der Lächerlichkeit preisgeben. Insbesondere die Darstellung Rudi Völlers wirkt doch ziemlich despektierlich.

Trotzdem ist das ganze ein von vorne bis hinten ein inszenierter Skandal ohne Inhalt. Man nehme ein paar Leute, die für Lahms weitere Karriere direkt keine (bremsende) Rolle mehr spielen werden. Man pisse ihnen in einem Vorabdruck irgendetwas ans Bein, was inhaltlich recht harmlos ist, aber die betreffenden Personen, eben weil sie so dezidiert als auf die eine oder andere Art unfähig beschrieben werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Reaktionen verleiten wird. Und stehe dann als derjenige da, der öffentlich seine Meinung gesagt und verdienten Personen der deutschen Fußballgeschichte Paroli geboten hat.

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Transfer: Bastian Schulz

Der Transfergerüchte-Berg kreißte und er gebar mit Bastian Schulz einen defensiven Mittelfeldspieler! Was für eine Pointe, nachdem man sehnsüchtig darauf wartete, welchen Innenverteidiger, Linksverteidiger oder meinetwegen auch Offensivgeist man bei RB Leipzig aus dem Transferhut zaubern würde. Ein defensiver Mittelfeldspieler erscheint auf den ersten Blick als völlig überflüssige Verpflichtung. Lagerblom, Rost, Geißler, Rosin, Ernst, Sebastian und Laas heißt die lange Liste derer, die sich auf dieser Position wohl fühlen würden. Wobei Laas unter Trainer Pacult als aussortiert und freigegeben für einen Wechsel gilt; Ernst und Rosin in der Vorbereitung und Ernst auch in den Pflichtspielen als Innenverteidiger eingesetzt wurden, sprich von Pacult eher dort gesehen werden; und Tim Sebastian Backup für den Rechtsverteidigerposten und Notnagel in der Innenverteidigung ist.

Womit nur noch Lagerblom und Rost als Stammkräfte im defensiven Mittelfeld bleiben, die beide in den letzten Wochen mit Blessuren zu kämpfen hatten. Und ein Tom Geißler, in den Pacult offenbar nicht 100%iges Vertrauen setzt. Wie schlecht das defensive Mittelfeld besetzt ist, wenn Rost und Lagerblom ausfallen, durfte man gegen den HSV II bestaunen, als das Spiel mit Doppelsechs Geißler/ Rosin in den letzten knapp 20 Minuten komplett seine Ordnung verlor. Von daher könnte man auch die nur auf den ersten Blick überraschende Behauptung aufstellen, dass Bastian Schulz eine zwangsläufige Verpflichtung ist, um eine zentrale Position im 4-2-3-1 oder im 4-2-2-2 tatsächlich mit hoher Qualität zu besetzen.

Und hohe Qualität verspricht der 26jährige Bastian Schulz, der bei Hannover 96 seine ersten Schritte im Profigeschäft machte und 2008, damals schon 23jährig in der Bundesliga Fuß fasste. Immerhin 21 Einsätze 2008/2009, davon 12 von Beginn an sind keine schlechte Bilanz. Dass es für ganz oben vielleicht dann doch nicht reicht, zeigte die weitere Karriere. Von Hannover 96 in die zweite Liga zum 1.FC Kaiserlsautern abgegeben, wurde er dort zum Stammspieler ehe ihn eine Verletzung zurück und aus der Mannschaft warf. In welche er wieder gesund nach dem Bundesliga-Aufstieg vor einem Jahr nicht mehr hineinfand. Weswegen der Abgang bei Kaiserslautern als logische Konsequenz erscheint.

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Michael Ballack, Wunschgerüchte und Hierarchiefreiheit

Bei RB Leipzig wächst die Anzahl der Transfergerüchte derzeit ja indirekt proportional zur Anzahl der Tage, die es noch bis zum Transferschluss Ende August hat. Allein die BILD hat heute wieder drei neue Spieler auf das Karussell geworfen. Namen, die sich täglich ändern können. Was mich persönlich zumindest ein wenig wundert ist die Tatsache, dass Felix Magath permanent zu einem RB-Gerücht gemacht wurde, wenn er nur mal stirnrunzelnd die Brille abgesetzt hat (ist unzufrieden, will weg, geht bestimmt zu einem Verein mit viel Geld), während noch niemand auf die Idee gekommen ist, den nahe liegenden Michael Ballack aufs Karussell zu werfen und damit wenigstens fünf Minuten Internet-Suchmaschinen- und Copy-and-Paste-Ruhm abzufassen.

Was mir dazu verhilft, meinen (nicht mehr ganz neuen) Twitter-Account ins Spiel zu bringen, wo ich bereits gestern meinen Wunsch nach medialem Gerüchtewunschkochen Ausdruck verlieh:

 

 

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Regionalliga: SV Wilhelmshaven vs. RB Leipzig 1:3

So erstaunlich ruhig die letzte Woche rund um RB Leipzig nach der ersten Saisonniederlage gegen den HSV II verlief, so schmerz- und humorlos fuhren die RasenBallsportler nach Wilhelmshaven, nahmen dort die drei Punkte in Empfang und fuhren als neuer Tabellenvierter wieder zurück nach Leipzig. Das ist der Platz, auf den man schon in der letzten Saison ein Abonnement hatte. Wobei das nicht nur wegen der erst drei gespielten Spieltage wenig aussagekräftig ist, sondern auch deshalb, weil die Regionalliga es bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison auf insgesamt vier abgesagte bzw. verlegte Spiele gebracht hat und die Tabelle aus diesem Grund nur ein Zerrbild dessen ist, was sie im Normal- oder Idealfall wäre.

In Wilhelmshaven versuchte es RB Leipzig diesmal und erstmalig in Pflichtspielen von Beginn an mit einem 4-4-2 (als 4-2-2-2). Heißt, dass Sebastian Heidinger bei Coach Pacult ein wenig in sportliche Ungnade gefallen sein muss, denn dieser wurde letztlich für den zweiten Stürmer Stefan Kutschke geopfert. Rockenbach rutschte dafür auf die Heidinger-Linksaußen-Position, auf der er – für mich überraschend – schon letzte Woche besser aussah, als auf der Position in der kreativen Zentrale.

Letztlich sind die Fragen 4-2-2-2 oder 4-2-3-1 und damit verbunden die Frage Heidinger oder Kutschke derzeit die einzigen Fragen, die sich spieltaktisch-individuell stellen, wenn denn alle Spieler zur Verfügung stehen. Womit man erstaunlich weit ist in der Kernelf-Findung. Inwieweit Tim Sebastian beispielsweise seine Chance auch dauerhaft nutzen kann, die ihm durch den Ersatz des gesperrten Henrik Ernst erwächst, wird man sehen müssen. Inwieweit mögliche Neuzugänge noch einmal kurzfristig Bewegung in die Stammelf bringen auch.

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Wochen(end)splitter X

[Frage der Woche: Gegen den HSV II konnte RB Leipzig in der vergangenen Saison zwei mal gewinnen. Mit der Niederlage letzten Samstag ging diese weiße Weste verloren. Welches ist aktuell das einzige Team aus der Regionalliga Nord, das bereits letztes Jahr gegen RB antreten durfte und noch nicht in den Genuss eines Punktgewinns gegen den Favoriten kam? Auflösung am Ende.]

Sieht man mal vom wohl nur für mich interessanten Umstand ab, dass mir das Hoffenheimer Piepen neue Blog-Besucher-Rekorde eingebracht hat, verlief die Woche doch eigentlich ganz schön ruhig. Ich meine ja nur, so nach einem 1:2 zu Hause gegen den HSV II. Als großer Favorit der Liga. Irgendwie ist es – na klar – blöd, im zweiten Spiel bereits eine Niederlage zu kassieren und hinterher zu rennen, aber das auf dem Platz sah eigentlich ganz gut und zukunftsfähig aus. So der für Leipziger Verhältnisse erstaunlich gelassene Tenor.

Allerdings dürfte der Tonfall auch recht schnell schärfer werden, wenn die RasenBallsportler in Wilhelmshaven nicht alle drei Punkte ins Gepäck packen. Wilhelmshaven ist einer der Orte, wo man im Frühjahr eines dieser gruseligen Auswärtsspiele abgeliefert hat.  Die haben inzwischen ihren Kader in selbst für RB-Verhältnisse extremem Maße einmal komplett ausgetauscht. Glaubt man der offiziellen RB-Homepage [broken Link], dann falle beim SV Wilhelmshaven vor allem die quantitativ magere Anhängerschaft, als auch die fehlende Kondition der Mannschaft auf. Ein Selbstgänger quasi. Bleibt zu hoffen, dass das ein anderer Selbstgänger wird als so viele Selbstgänger der letzten Saison.

Falls es schief geht, darf man sich schon mal erinnern, wie es zuging, als RB Leipzig vor einem Jahr nach drei Spieltagen mit 3 Punkten und 2:2 Toren im Mittelfeld der Regionalliga herumgeisterte. Winfried Wächter durfte auf Seite 1 der LVZ einen Leitartikel zum Thema veröffentlichen. Und der MDR fragte sich allen Ernstes, wie lange Tomas Oral denn wohl noch Trainer sein werde. Aber irgendwie kann man sich in der derzeitigen medialen Ruhe einen solchen Bruch gar nicht vorstellen.

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Neue Freundschaften

Noch einmal als RB-fernes Thema, weil es so gut passt zum tonalen Skandal, der hier im Blog gestern Thema war, ein Nachtrag der mich dann doch (positiv) erstaunt hat. Aus einem Gespräch mit und zwischen Dietmar Hopp und Hans-Joachim Watzke in der heutigen Sport BILD (17.08.2011):

Herr Watzke, wir sitzen hier in der Loge von Herrn Hopp, eine Stunde vor dem Anpfiff zwischen 1899 Hoffenheim und dem BVB. Ihre Fans singen: „Hopp, du Fußball-Hure.“ Vor fast zwei Jahren hatten Sie Hopp und Hoffenheim verbal attakiert. Tragen Sie an diesen Gesängen eine Mitschuld?
Du hast immer 100 bis 200 völlig Verstörte, die man nicht eingefangen kriegt. Ich kann mir heute vorstellen, dass meine damaligen Worte sicher einige verrückte Menschen zusätzlich beflügelt haben, Herrn Hopp kritisch zu sehen. Daran trage ich eine Mitschuld. (…) Wenn ich mit der einen oder anderen Aussage über das Ziel hinausgeschossen bin, sollte man mir das nachsehen. Ich entschuldige mich dafür.“

Klar, so ein Treffen in der Hoppschen Loge mit Begleitung der Sport BILD ist immer auch ein PR-Termin mit viel nichtssagenden, gegenseitig ausgetauschten Freundlichkeiten, von denen es im weiteren Interview reichlich gibt. Und wer weiß, ob die Freundlichkeiten nach der Partie angesichts der Gästeblockzusatzbeschallung ähnlich freundlich ausgefallen wären. Und sowieso trennt die beiden natürlich inhaltlich weiterhin einiges.

Andererseits habe die erste persönliche Aussprache zwischen Watzke und Hopp mit Begraben des Kriegsbeils nach Angaben der beiden bereits vor einem halben Jahr heimlich still und leise und eben nicht als PR-Termin stattgefunden. Und überhaupt finde ich es sehr erstaunlich, dass BVB-Boss Watzke öffentlich einen Fehler im Umgang mit Dietmar Hopp eingesteht und es tatsächlich schafft, sich für seine verbalen Rundumschläge zu entschuldigen und sogar sieht, dass seine Äußerungen nicht gerade zur Mäßigung seitens seiner Borussen-Anhänger führte. Respekt Herr Watzke, das hätte ich Ihnen nicht wirklich zugetraut. Muss ich mein Bild von Ihnen wohl noch mal überdenken.

Zum Piepen

Die Story ist natürlich zu gut. Böses, kaltes Retortenbaby Hoffenheim mit dem Oberbösling Hopp greifen die selbst- und fremdernannten besten Fans der Liga [broken Link], die nur mal eben ihre Kritik am modernen Fußball äußern wollen, mit unangenehmen Schallwellen an. Ein Skandal fußballüberirdischen Ausmaßes.

Mal vorneweg gesagt, alle folgenden Aussagen zum Thema halten nur unter der Bedingung, dass die abgespielten Töne tatsächlich keine körperlichen Schäden zur Folge haben konnten. Wofür – abgesehen von einer Anzeige wegen Körperverletzung – ein paar Indizien sprechen: erstens die Tatsache, dass das was man in den diversen Handyvideos hören konnte, tatsächlich wie es auch ein Polizeisprecher sagte eher nach einem Ton aus einem Science-Fiction-Film klang. Zweitens die Tatsache, dass in den Aufnahmen die Leute sich nicht die schmerzenden Ohren zuhielten, sondern eher irritiert und verwirrt wirkten. Und drittens die Tatsache, dass die Ohrenzeugenberichte nicht den eigenen Schmerz, sondern die Situation und die Verwirrung und die daraufhin lauter und wütender werdenden Fangesänge thematisierten oder das ganze unter dem Vorwurf Zensur besprachen.

Nimmt man also an, dass hier keine physische Gewalt ausgeübt wurde, sondern eher eine psychische, bleibt trotzdem noch das arg schräge Konzept, auf unliebsames, verbales Fanauftreten auf gegnerischer Seite mit unangenehmer Beschallung zu reagieren. Lernen durch Bestrafung ist nun tatsächlich ein pädagogisches Konzept, das wenn überhaupt nur eine sehr kurze Phase der Anerkennung gehabt haben dürfte. Und wenn dann eher in Systemen, in denen wohl kaum jemand leben möchte.

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Regionalliga: RB Leipzig vs. Hamburger SV II 1:2

Ich hatte mich ja drüben bei Facebook vor dem Spiel trotz starken HSV-Kaders ganz optimistisch gezeigt, was den Ausgang des ersten Regionalliga-Heimspiels von RB Leipzig in der neuen Saison angeht. Da das ordentlich in die Hose ging, werde ich mich zukünftig vor Spielen in eine pessimistische Grundstimmung manövrieren müssen. Zum Erfolg muss halt jeder sein Scherflein beitragen..

Ich bin – der eine oder andere hat das sicher schon mitbekommen – ein starker Verfechter von ergebnisunabhängigen Spielbewertungen. Im Guten genauso wie im Schlechten. Die Leistung, die RB Leipzig in der gestrigen Heimpartie bot, war jedenfalls eine, auf der man aufbauen kann, eine die so gar nicht dem depremierenden, euphoriebremsenden Endergebnis entsprach. Trotzdem rennt RB Leipzig der Musik nun schon wieder hinterher. Aber der Reihe nach.

Es begann, wie man es erwarten durfte mit dem bereits bekannten 4-2-3-1, in dem Tom Geißler die Rolle des verletzten Timo Rost im defensiven Mittelfeld neben Pekka Lagerblom übernahm. Doch in den ersten 15 Minuten waren es nicht die RasenBallsportler, die die Initiative übernahmen und wie noch im Wolfsburg-DFB-Pokal-Spiel den Gegner bestürmten. Vielmehr fühlte man sich an viele Spiele der letztjährigen Hinrunde erinnert. Man begann das Spiel in aller Ruhe, versuchte die Bindung zu finden, ließ den Gegner ein wenig kombinieren, vergaß dabei das konsequente Arbeiten gegen den Ball, sodass der HSV schon früh spielerisches Selbstvertrauen gewann und schwupps stand es nach einem Konter frühzeitig 0:1. Nimmt man die ersten 15 Minuten als Maßstab, dann auch völlig verdient.

Nach 15 Minuten begann sich RB Leipzig in die Partie zu kämpfen. Ab der 25. Minute sah es auch nach sehr gutem Fußball aus. Insbesondere über den 45 Minuten lang bärenstarken Timo Röttger lief eine Angriffswelle nach der anderen Richtung HSV-Tor. Von Zeit zu Zeit sogar mittels schnellem, direktem Spiel. Nur der Ausgleich wollte aus Gründen mangelnden Glücks und vielleicht auch Könnens nicht fallen. Trotzdem hatte man den im Vergleich zur letzten Saison absolut neuen Eindruck, die RasenBallsportler wüssten ganz genau, mit welchen Mitteln sie die gegnerische Abwehrreihe bezwingen können. Nicht zu Unrecht bemerkte der ehemalige RasenBallsportler Ingo Hertzsch in der Pause, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis der Ausgleich fiele.

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Nachwuchs-Frühschoppen

Neben dem morgigen Liga-Heim-Auftakt von RB Leipzig gegen den Hamburger SV II gibt es ein weiteres zentrales Thema dieser Tage, die Eröffnung des neuen Trainingszentrums am Cottaweg [broken Link]. Das wird am Sonntag ab 9 Uhr mit einer Veranstaltung, die den Titel Frühschoppen trägt, eingeweiht. Wer das schmucke, neue Zweitwohnzimmer der RasenBallsportler erkunden will, wird dort ganz sicher auf seine Kosten kommen.

Neben einer öffentlichen Trainingseinheit der Pacultschen Männermannschaft, die hoffentlich nach einem Heimsieg am Tag zuvor locker auslaufen darf, steht ab 11 Uhr auch die Bundesliga-Premiere eines RB-Teams auf dem Programm. Die U17 empfängt aus diesem Anlass ihr altersmäßiges Pendant von Hannover 96. Was ein kleiner Vorgeschmack auf die nächsten Jahre am Cottaweg sein dürfte, denn dort tummeln sich in Zukunft die Nachwuchsteams von RB Leipzig nicht nur zu Trainingszwecken, sondern auch zum Absolvieren ihrer Pflichtspiele. Was eventuell dazu führt, dass der eine oder andere Zuschauer, dem die Sportschule Abtnaundorf oder gar Delitzsch (U23) zu weit weg waren, die Spiele besucht. Zur Einstimmung auf die U17-Bundesligapremiere empfehle ich jedenfalls das entsprechende Interview mit dem neuen Trainer des Teams Olaf Holetschek auf der offiziellen Website von RB Leipzig [broken Link].

Wer dieses Interview bereits interessant findet, der wird restlos begeistert sei, von dem was uns die rb-fans.de im Vorlauf der neuen Nachwuchssaison ins virtuelle Haus geliefert haben, nämlich ein sehr schickes, zweiteiliges Interview mit RB-Nachwuchskoordinator Ivo Jungbauer [broken Link], das umfassend Aufschluss gibt über Philosophien, Strategien und Ziele in der Nachwuchsarbeit bei RB Leipzig. Ein absoluter Lesetipp.

Der Nachwuchsbereich ist schon deswegen von besonderem Interesse, weil er für den Verein ein wichtiger Baustein bei der eigenen Identitätsfindung sein dürfte. Die letzten zwei Jahre zeigen jedenfalls, dass man sehr zielstrebig und (im Vergleich zum Männerbereich) auch mit konzeptioneller Kontinuität eine gesunde, sportliche Vereinsbasis aufzubauen sucht. Was Ivo Jungbauer nicht zu Unrecht zum freundlichen Selbst-Schulterklopfen animiert:

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Auch flache Hierarchien haben ein Gesicht

Gestern war ja wieder mal Fußballfreundschaftsnationalmannschaftsabend. Und auch wenn ich in einer Analyse des Spiels eher der Einschätzung bei spielverlagerung.de folgen und mit ihnen behaupten würde, dass „Brasilien taktisch nicht auf der Höhe“ und das ganze deshalb ein „Pflichtergebnis für das deutsche Team“ war, darf man auch feststellen, dass es schlimmere Abendbeschäftigungen gibt, als Mario Götze beim Fußball spielen zuzugucken.

Doch das eigentlich nur nebenbei. Gestern bin ich nämlich auch noch über ein Interview mit Philipp Lahm in der letztwöchigen Sport BILD (04.08.2011)  gestolpert. Gefragt wurde er dort unter anderem auch, welche der beiden Versionen zum Ballack-Abgang denn der Wahrheit entspreche, die vom Bundestrainer oder die vom Ex-Kapitän. Geantwortet hat er auch:

Zu diesem Thema können sich nur die Beteiligten äußern. Dass ich aber dem Bundestrainer glaube und vertraue, ist selbstverständlich. Ich kann nur sagen, dass mir Herr Löw im Mai das Gleiche gesagt hat, wie er es nun in der Öffentlichkeit getan hat.

Ah ja. Heißt übersetzt, dass man erwarten würde, dass Lahm besser schweigt, dass er aber seinem Bundestrainer trotzdem noch mal seine Loyalität beweisen will und dafür auch im Subtext Michael Ballack eins reiwürgen darf.

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Neue grün-weiße Landesliga-Welten

Los ging es letztes Wochenende nicht nur für RB Leipzig in der Regionalliga, sondern auch in der Sachsenliga, deren besonderen Reiz ich ja schon in der Vorschau auf die Leipziger Fußballsaison zumindest ansatzweise beschrieben habe. Am ersten Spieltag marschierte das noch ungewohnte und ungleiche grün-weiße Doppel aus BSG Chemie und SG Leipzig Leutzsch jedenfalls mit zwei 2:0-Siegen im sportlichen Gleichschritt voran.

Zu ihrem Heimspiel im Alfred Kunze Sportpark (gegen Eilenburg) begrüßte Chemie dabei durchaus bemerkenswerte knapp 1.700 Zuschauer, die für ordentlich Anfangseuphorie sorgten. Währenddessen besuchten den Bildern nach zu urteilen reichlich 100 grün-weiße Anhänger aus der anderen Ecke auch das Auswärtsspiel der SG LL in Plauen (gegen Oelsnitz). Bleibt die spannende Frage, wieviele Zuschauer die SG LL nächste Woche zum Heimspiel in den Alfred Kunze Sportpark ziehen wird.

Angesichts dessen, dass im grün-weißen Lager alles oder ziemlich viel neu ist, kann man schon mal den Überblick verlieren, wie sich auch in der LVZ (09.08.2011) gezeigt hat:

Bei der BSG Chemie kamen zum Auftakt gegen den FC Eilenburg fast 1700 Zuschauer. Hat Sie das überrascht?
Tino Vogel (Trainer RB Leipzig II): Eigentlich nicht, in Leutzsch werden sicher noch oft über 1000 Fans kommen. Besonders gefreut hat mich, das mit Vincent Markus ein Spieler zum 1:0 getroffen hat, den ich in den Junioren trainiert habe.

Dummerweise spielt Vincent Markus aber nicht für die BSG Chemie, sondern für die SG Leipzig Leutzsch und erzielte für diese den Führungstreffer gegen Oelsnitz. Ob tatsächlich Tino Vogel der Fauxpas unterlief oder der interviewbearbeitenden LVZ-Redaktion ist nicht überliefert.

Man könnte nun einwenden, dass das ja auch egeal und Leutzsch überall da ist, wo grün-weiß ist. Und SG LL oder BSG Chemie eben alles eine Suppe. Was die Beteiligten wohl weit von sich weisen würden und auch durch ihre Praxis hartnäckig dementieren. Während die Chemie-Ultras bspw. gegen den LL-Chef Jamal Engel schießen (Spruchband beim Eilenburg-Spiel: „Nur kleine und dumme Kinder glauben an Engel …“), lässt der kaum eine Gelegenheit aus, um den Chemie-Ultras  als prägendem Teil des Konkurrenz-Vereins eine mitzugeben. Währenddessen werden in den jeweiligen Foren vermeintliche oder tatsächliche Fehler und Pannen des jeweils anderen genauestens dokumentiert und somit die jeweilige Frontstellung zementiert. Kaum vorstellbar, dass sich beide Vereine (und auch Fans) im Laufe der Saison einander annähern. Schwer vorstellbar bereits, dass man die grün-weißen Landesliga-Duelle als gemeinsame Feste organisieren kann..

Beruhigendes

‚Wir haben hier einen reinen Arbeitssieg erspielt. Erspielt kann man gar nicht sagen, wir haben erhebliche Probleme gehabt im Spiel nach vorne. Es war für uns nicht einfach, aber umso erfreulicher, dass es kurz vor Schluss noch funktioniert hat.
‚Wir haben schlechten Fußball gespielt. Wir haben den Ball kaum laufen lassen, haben die Zweikämpfe vor allem in der ersten Halbzeit nicht angenommen.
(Peter Pacult und Timo Röttger im Red Bull Audioplayer [broken Link] nach dem Spiel beim SV Meppen am 07.08.2011)

Ich würde gerne festhalten, dass ich diese Feststellungen sehr beruhigend finde, weil sie eine sehr gute Arbeitsgrundlage für die nächsten Wochen darstellen.

Ich möchte auch festhalten, dass es beruhigend ist, dass die RasenBallsportler Qualitäten besitzen, auch schlechte Spiele zu gewinnen. Und ja, ich meine tatsächlich Qualitäten, denn die Tatsache, dass RB Leipzig in Meppen gerade in der letzten Viertelstunde noch mal Druck und dann auch das Tor gemacht hat, weist auf Moral, Physis und eine breite Bank hin und scheint schon deswegen kein Zufall zu sein, weil auch Rapid Wien unter Pacults Leitung das beste österreichische Team in der Schlussviertelstunde war (LVZ, 23.07.2011).

Ich möchte abschließend festhalten, dass ich es zudem beruhigend finde, einen Übungsleiter bei RB Leipzig in Verantwortung zu wissen, der keine Korrelation zwischen Ergebnis und Leistung herstellt, sondern ersteres unabhängig von zweiterem zu beurteilen weiß. Ergebnis super, Spiel schlecht, eine solche (treffende) Analyse habe ich in den letzten 12 Monaten nicht immer, aber ab und zu schon vermisst. Bietet eine gute Grundlage, um an den Fehlern zu arbeiten und besser zu werden. Sodass dann irgendwann vielleicht Ergebnis und Spielniveau auch in einem Regionalliga-Spiel positiv zusammenpassen. Man mag gar nicht dran denken, wie das wäre. Ein Traum..

Regionalliga: SV Meppen vs. RB Leipzig 0:1

Tja, so ist es eben im Fußball. Da steht es bei Bayern gegen Gladbach lange 0:0 und dann kommt Manuel Neuer, sorgt für einen Klopps und schwupps steht es 0:1 und es wird ein Bayern-Fehlstart. Bayern ist in der Tabelle schon wieder der Verfolger und Neuer steht vorerst unter besonderer Beobachtung.

In Meppen stand es gegen RB Leipzig auch lange 0:0. Pascal Borel bewahrte in der einen oder anderen 1:1-Situation mit beeindruckender Ruhe sein Team vor dem Rückstand. Irgendwann ließ er dann aber einen recht harmlosen Fernschuss vor die Füße des Gegners abprallen. Der den Ball aber nicht im Tor unterbrachte. Und so schoss dann RB in der Schlussminute das 1:0. Der Saisonstart war urplötzlich ein gelungener und der Torwart nicht der Depp, sondern der Matchwinner.

So nah beieinander liegen sie eben die fußballerischen Realitäten. Bis kurz vor dem Schluss hießen die wohl schon geschriebenen, potenziellen medialen Schlagzeilen „RB Leipzig bleibt in Auftaktspielen weiter sieglos“ oder „RB Leipzig mit Fehlstart in die Saison“ oder ähnliches. Nach dem Spiel bleibt es bei Dusel, Glück, Freude, Abgezocktheit oder beim BILDesken Besiegen des Fluchs, zum Saisonauftakt nicht gewinnen zu können. Erstaunlich, wie eine Minute das Storytelling und die Interpretation eines Spiels verändern kann.

Man könnte natürlich nach der Partie darauf verfallen, festzustellen, dass das eben eine Spitzenmannschaft auszeichne, so kurz vor dem Ende noch das Tor und den Sieg perfekt zu machen. Dass hier die Cleverness gesiegt hat und auch die bessere Kondition und Konzentration. Man kann aber auch mit Peter Pacult und Timo Röttger feststellen, dass RB einfach ein mieses Spiel gemacht hat, dass die Fehlerquote in der Offensive viel zu hoch war, um erfolgreich Fußball zu spielen. Dass der 1:0-Sieg nicht Ausdruck einer Spitzenmannschaft, sondern schlicht und einfach Glück war. Dass man nicht von Cleverness sprechen kann, wenn der Gegner bei einem Standard in der 90. Minute gleich drei Gegenspieler nicht deckt und diese Auszählen können, wer den Ball nun schließlich und endlich versenken darf. Es ist wohl von allem ein bisschen und ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit für alle, die nach dem Wolfsburg-Spiel schon wieder dachten, man könne die Gegner allesamt mit zwei, drei Toren Differenz und locker besiegen.

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DFB-Pokal: RB Leipzig vs. FC Augsburg

(Update 16.08.2011: Der DFB hat das DFB-Pokal-Spiel RB Leipzig gegen FC Augsburg inzwischen auf den 25.10.2011, 19 Uhr terminiert [broken Link]. Infos zum Kartenvorverkauf folgen, sobald sie vorliegen.)

(Update 09.09.2011: Der Kartenvorverkauf für das Spiel RB Leipzig gegen den FC Augsburg in der zweiten Runde des DFB-Pokals startet am Montag, den 12.09.2011. Details und Vorverkaufsstellen finden sich auf der Homepage des Vereins in der Rubrik Vorverkauf [broken Link].)

Ob man bei Sky heimlich auch auf einen schnellen Aufstieg von RB Leipzig hofft, weil es ihnen erhöhte Absatzquoten im einwohnerreichen Großraum Leipzig bescheren würde? Bei der gestrigen Auslosung für die zweite DFB-Pokal-Runde jedenfalls dürfte Sky noch nicht allzuviele Leipziger und Leipzigerinnen begrüßt haben. Die, die es sehen konnten, erfuhren das, was die anderen auch erfuhren, nämlich dass RB Leipzig am 25. oder 26.10. in der Red Bull Arena auf den Fc Augsburg treffen wird, einfach etwas eher. Bei allen zusammen dürfte die Auslosung eine ähnliche Indifferenz hinterlassen haben.

Der FC Augsburg ist sicherlich aus dem Lostopf der Profis nicht das Los, das sportlich gesehen Angst und Schrecken verbreitet, erst recht nicht bei einem auf Drittliga-Niveau gepimpten Viertligisten wie RB Leipzig. Es ist aber auch nicht das Los, das die Red Bull Arena binnen weniger Tage ausverkaufen wird. Augsburg ist für RB Leipzig sicherlich nicht das Riesen-Traumlos, aber es ist ein Bundesligist mit einigen interessanten Namen und je näher das Spiel rücken wird, desto interessanter wird der Gegner und das Spiel werden werden.

Zu Augsburg fällt mir sportlich zugegeben nicht viel ein. In grauer Vorzeit habe ich mal einen Tag in Augsburg verbracht, ohne mich daran irgendwie erinnern zu können. Meistens begegnete mir Augsburg nur als ICE-Halt auf dem Weg nach München. Sportlich gesehen hätte ich bis vor nicht allzulanger Zeit bei Augsburg fast ausschließlich an Eishockey gedacht. Inzwischen hat sich der FC Augsburg aber auch fußballerisch durch die Ligen bis in die Bundesliga gekämpft, auch wenn ich den Eindruck habe, dass man dort von deren Anwesenheit noch nicht wirklich Notiz genommen hat.

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Leipziger Fußball 2011/2012

Eine neue Saison steht unmittelbar bevor. Eine neue Saison, die für die verschiedenen Leipziger Fußballlager wieder einmal viele Fragen aufwirft, viele Fragen, die vermutlich derzeit noch nicht mal gestellt wurden. Erinnert man sich daran, wie es im Leipziger Fußball vor einem Jahr aussah, dann gab es dort RB Leipzig mit Tomas Oral, Lok Leipzig mit Achim Steffens, den FC Sachsen Leipzig mit Dirk Heyne und die BSG Chemie Leipzig mit Radisa Radojicic. Dass mal eben keiner der Vereine (aus den unterschiedlichsten Gründen) mehr mit demselben Trainer in das neue Spieljahr geht, wirkt schon fast unheimlich. Dass einer der Vereine nicht mal mehr existiert, ist dagegen für Leipziger Verhältnisse nicht ungewöhnlich. Neues Jahr also, neues Glück. Und viele Baustellen und verschiedenste Ziele für die Vereine in den verschiedenen Spielklassen.

RB Leipzig: Schon wieder zählt nur der Aufstieg

Die umfassensten Personalveränderungen hat in den vergangenen Monaten sicherlich der ranghöchste Leipziger Verein hinter sich gebracht. Man kann guten Gewissens sagen, dass da kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Was sowohl für den Bereich der sportliche Verantwortlichen gilt (wer das nachvollziehen möchte, nutze die Google-Suchfunktion oben rechts in der Sidebar und die Namen Pacult, Oral, Beiersdorfer, Linke, Loos, Bach, Shoukry), als auch für den Kader von RB Leipzig. In der Stammformation der Leipziger stehen gleich sieben Neuzugänge, die zumindest für den DFB-Pokal keine große Eingewöhnung brauchten.

Ich hatte den Kader der neuen Saison ja bereits ausführlich unter die Lupe genommen und bleibe bei dem formulierten Ergebnis, dass die Mannschaft bis auf kleiner Ausnahmen (vor allem die Innen- und Linksverteidigung) zumindest doppelt hochwertig besetzt ist. Neu-Trainer Peter Pacult hat den Kader nach seinen Vorstellungen noch einmal verändert und vor allem Spieler in den Mitzwanzigern verpflichtet, die dem Team auch in der Breite Stabilität verleihen sollen. Zudem hat Pacult sehr viel wert auf Spielertypen für die Außenbahn gelegt, die seiner Spielphilosophie, die man als schnell, robust, zielstrebig bezeichnen könnte, entgegenkommen. Die beiden Duos Kocin/ Heidinger und vor allem Müller/ Röttger verkörpern jedenfalls mindestens Drittliga-Niveau, dürften aber aufgrund ihrer Robustheit auch in der Regionalliga prima zur Geltung kommen und die Differenz zum letztjährigen Kader ausmachen.

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Pragmatik, Vergangenheitsbewältigung und Religion

Mit Teams wie Meppen am Sonntag kommen jetzt die richtigen Kaliber. (Peter Pacult in der BILD vom 01.08.2011)

Man mag das für ein leicht übertriebenes Understatement halten, was Peter Pacult da direkt nach dem euphorisierenden DFB-Pkal-Triumph von sich gegeben hat, aber tatsächlich hat er damit auch ein ganz schön großes Stück weit recht. Die Saison beginnt in ihrer harten Realität erst am Wochenende, eben in Meppen. Dafür und nicht für den Wolfsburg-Aufgalopp wurden neun unterklassige Testspielgegner ausgewählt, die die in der Saison wartenden, hochmotivierten Defensivgegner bestmöglich imitieren sollten. Testspiele, in denen die RasenBallsportler das gedankenschnelle Agieren lehren sollten, mit dem auch 10 gegnerische Verteidiger überwindbar werden. Testspiele, in denen nicht alles immer perfekt lief. Man braucht gegen Meppen, Halberstadt, Halle und wie sie alle heißen werden, den Mut zur Offensivaktion gegen kompakte Gegner und keine Angst vor dem Fehlpass, der dann zum blitzschnellen Konter führen könnte. Wobei ich vermute, dass RB Leipzig in der kommenden Spielzeit aufgrund eines individuell schnelleren Defensivverbundes nicht ganz so anfällig für Tempogegenstöße sein dürfte, wie im vergangenen Jahr.

Für den SV Meppen ist das Spiel gegen RB Leipzig von ähnlichem Charakter, wie es das Pokal-Spiel von RB war. Man spielt gegen einen Gegner, der als Favorit das Spiel in die Hand kriegen will. Man kriegt vielleicht am Anfang eine Chance, die die Brust breiter macht. Und dann geht plötzlich vieles von selbst. Und ehe es sich der Favorit versieht, gelingt ihm spielerisch nicht mehr viel und die wenigen, dafür klaren Chancen gehen dann auch noch vorbei. Und schwupps sind die ersten Punkte weg.

Ich würde vermuten der nominelle Klassenunterschied zwischen RB Leipzig und Wolfsburg ist genauso groß, wie der zwischen Meppen und RB. Was verdeutlicht, was schief gehen kann, was aber auch verdeutlich wer als Sieger vom Platz gehen müsste. Wenn die RasenBallsportler tatsächlich den DFB-Pokal abschütteln können und mit ihren Gedanken voll bei der Liga sind, wird es angesichts der offensiv-individuellen Klasse auch klappen. Wenn nicht, dann nicht. Dass die Auslosung zur zweiten Runde im DFB-Pokal ausgerechnet am Samstag, einen Tag vor dem Punktspielstart stattfindet, mag da nicht sehr glücklich sein. Zieht man einen Gegner wie Bayern, Schalke oder Dortmund könnte das ziemlich zulasten der Konzentration in der Spielvorbereitung gehen.

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RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg 2.0

Das Spiel RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg war nicht nur für die althergebrachten Medienerzeugnisse und Online-Portale sowohl in der Vor- als auch in der Nachbereitung ein gefundenes Fressen, auch in der (vornehmlich Leipziger) Blogspähre, zu der ich nicht nur dem Namen nach dazu gehöre, ging es – vergleicht man dies mit dem sonstigen Output nach Spielen mit Beteiligung von RB Leipzig – rund. Aus meiner Sicht sind die Beiträge eine prima Ergänzung zu den medialen Fragen, wann denn Pokalheld Frahn wohl ins Bett gegangen ist und wie lange er zum dopingprobenpullern gebraucht habe und helfen dabei, ein komplettes Bild vom Spiel und dem Geschehen drumherum zu vermitteln. Weswegen ein kleiner Blick auf die versammelten Einzel-Online-Artikel erlaubt sei.

Den Anfang macht ein Blog namens Spielverlagerung, welcher auch der einzige sein wird, der nicht aus dem Leipziger Umfeld kommt. Behandelt werden dort generell und so auch in Bezug auf das Spiel der RasenBallsportler gegen den VfL vor allem die spieltaktischen Fragen:

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Fahrradloser Peter Pacult

Gerade noch war RB Leipzig ein zwar unnormaler, aber auch weitgehend unbeachteter Regionalligist, schon gibt man dank Sieg gegen Wolfsburg den Samstags-Sportschau-Opener. Inklusive Spielbericht, der eher Daniel-Frahn-Story war und Interview mit dem Dreifach-Torschützen, dessen Namen die beiden relevanten Leipziger Tageszeitungen gestern zu mehr oder minder gelungenen Wortspielen benutzten (Frahnsinn bei der BILD, Frahntastisch bei der LVZ).

Das Interview mit dem Neu-Kapitän wirkte  beidseitig leicht unbeholfen. Der eine wusste nicht so recht, was er fragen sollte, der andere hatte auf die Pokalheld-und-Co-Fragen nicht viel zu antworten. Interessanteste Info wahrscheinlich noch, dass Daniel Fahn erst um fünf im Bette war..

Wichtig war es dem Neu-Moderator Matthias Opdenhövel noch, über RB-Trainer Peter Pacult zu berichten, dass der (sinngemäß erinnert) bei allen drei RB-Toren sitzen geblieben sei und ausgesehen habe, als hätte man ihm das Fahrrad geklaut. Sich also nicht gefreut habe. Ob er dies denn wenigstens in der Kabine getan habe, konnte Daniel Frahn wegen Dopingprobenpullerns nicht beantworten. Ob Herr Opdenhövel weiß, dass das Spekulieren über Peter Pacults Gemütszustand nach Spielen ein No Go sein kann?:

(Video bei Youtube nicht mehr vorhanden)

Hach, die künftigen Aufeinandertreffen zwischen Presse und Pacult versprechen schon jetzt einen hohen Unterhaltungswert..

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