Archiv der Kategorie: Leipziger Fußball

(Kein) Klotz am Bein (mehr)

Jedem Fußballinteressierten, der in der DDR sozialisiert wurde, fällt wohl eine ganz persönliche Geschichte zum Zentralstadion ein. Das Fritz-Walter-Hackentor 1956 kam noch etwas zu früh für mich, doch im September 1985 durfte auch ich anlässlich des WM-Qualifikationsspiels gegen den damaligen Europameister Frankreich (das große Frankreich! die aus dem Fernsehen! Giresse, Platini!) die ewiglang erscheinenden Treppen der Schüssel erklimmen. Fast noch an der Hand meines Vaters laufend war es nicht nur mein erster Fußballausflug nach Leipzig, sondern auch mein erstes Flutlichtspiel und sowieso mein erstes Länderspiel.

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Kult vs. Tradition

Die Ansprüche der Leipziger Kultklubs sind im Schatten von RB halt nicht mehr so hoch. (BILD vom 19.07.2010)

Kult statt Tradition? Ist das etwa die neue Sprachregelung der BILD-Zeitung? Quasi als moderner, popkultureller Ersatz für den ideologisch angehauchten, leicht verstaubten Begriff der Tradition? Man kann schon erahnen, wie das dann zukünftig in der Berichterstattung aussehen könnte. RasenBallsport Leipzig als warenförmig wahrgenommener Verein, der bei Siegesserien den Helden geben darf und gefeiert wird und ganz analog zu Bayern München bei einer Niederlage den Deppen der (Leipziger) Nation geben muss, auf den man nach Belieben mit dem Knüppel draufhauen kann. Und dahinter stehen mit Lok und dem FC Sachsen zwei Clubs in Stellung, von denen man als ‚Kultclubs‘ mit Herz nicht viel erwartet, außer eben Kult zu sein und in gelegentlichen Derbys zu beweisen, dass man noch Zuschauer zieht. Was potenzielle Berichte a la ‚Chaos beim Kult-Club – Steffens wirft hin‘ einschließt. Langsam manifestiert sich die neue Situation mit drei Leipziger Clubs und ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Aspekte der Manifestation leiden können muss..

Grün-weiße (Nicht-)Fusionen

Man steckt ja nicht drin, von daher sollte man sich auch mit Bewertungen zurück halten, aber die derzeitige Situation zwischen den beiden grün-weißen Vereinen BSG und FC Sachsen ist zumindest skurril. Da bietet die eine Seite – die BSG – an, bedingungslos beizutreten, wenn die andere Seite – der FC Sachsen – sich dazu entschließt, den Namen der BSG anzunehmen. Darauf reagiert die Mitgliederversammlung der anderen Seite mit dem Angebot in ergebnisoffene Verhandlungen zu treten. Ähm, um es mit Jens Fuge zu sagen: „Mir fällt nichts ein, über was man (…) noch verhandeln soll.“ [broken Link]

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Derbyzwischenbilanz, verspätet

Nach 5 von 6 gespielten Leipziger Stadtderbys (ausgenommen den Landespokal) sieht die innerstädtische Tabelle so aus:

1. RasenBallsport Leipzig: 3 Spiele, 9 Punkte, 6:0 Tore
2. FC Sachsen Leipzig: 3 Spiele, 2 Punkte, 0:2 Tore
3. Lokomotive Leipzig: 4 Spiele, 2 Punkte, 0:4 Tore

Dass Lok bei 4 Derbyauftritten im Zentralstadion kein einziges Tor geschossen hat, ist bemerkenswert. Dass ihre zwei Punkte zudem sehr glücklicher Natur sind, ist sogar noch bemerkenswerter. Zuschauertechnisch hatte Lok dagegen die Nase relativ weit vorn. Dummerweise profitierten davon (finanziell) vor allem die anderen Vereine, da Lok erst in der Rückrunde die Derbyheimspiele hatte und diese wesentlich schlechter besucht waren als die Spiele der Hinserie. Sportlich überraschend, dass der FC Sachsen in beiden ‚Traditions’derbys gegen Lok das bessere Team war. Sportlich wenig überraschend, dass RasenBallsport in den Derbys bisher eine weiße Weste behielt. Trotz der sportlichen Zweiklassengesellschaft ist es fast ein bisschen schade, dass die Derbys in der nächsten Saison wieder auf 2 zusammenschrumpfen, wenn nur noch Lok und der FC Sachsen die selbe Liga teilen. Vielleicht gibt es ja im Landespokal noch einen Nachschlag…

Jungbullen?

„Die Jungbullen von RB Leipzig II waren an diesem Mittwoch eine Nummer zu groß für Loks U23.“ (Lok-Homepage [broken Link]) Respekt, nicht nur für den 5:2-Sieg der zweiten RasenBallsportmannschaft, die ja – so hört man – nächste Saison wieder zur ersten Markranstädter Mannschaft werden soll, sondern auch für die offizielle Lok-Homepage, die es sich in überraschend realistischer Sicht nicht nehmen lässt, den bei den Red-Bull-Teams üblichen Titel ‚Jungbullen‘ zu verwenden. Wobei, im speziellen Kontext könnte man das ganze auch ironisch wenden: das Durchschnittsalter der Startelf betrug schließlich beachtliche, handgeschätzte 27,5 Jahre, zu dem die Herren Kujat und Räbsch nicht unerheblich beitrugen. Insgesamt ist es sehr gut vorstellbar, dass man in diesem Spiel den Kern des nächstjährigen SSV Markranstädt gesehen hat, da zu vermuten ist, dass die Anschlusskader der ersten RasenBallsportmannschaft wie Mittenzwei, Schaaf und Juraschek im nächsten Jahr eher dort als in der Schüssel auflaufen werden.

Alle Macht der Jugend

Wenn man im Zusammenhang mit RasenBallsport von Baustellen redet, dann jammert man sicher – im Vergleich zu anderen Vereinen – auf hohem Niveau. Andererseits ist es der Anspruch von RasenBallsport Leipzig, in absehbarer Zeit die Nr.1 in Mittel- bzw. Ostdeutschland zu werden. Von daher sollte hier sowieso einiges anders als in anderen Vereinen funktionieren. Eine der Baustellen auf hohem Niveau ist die Nachwuchsarbeit der RasenBallsportler.

(Was gibt es schöneres als Profifußballer, die aus dem eigenen Verein kommen. Mir fallen da spontan die geschätzten Herren Möckel, Watzka, Garbuschewski ein. Alles Fußballspieler mit Drittligaformat, die selbst mit ihrer (nur passablen) Klasse keine Perspektive in Leipzig sahen und ihr Glück woanders (derzeit Erfurt, Magdeburg, Chemnitz) versuch(t)en. Schön wäre es, diese noch in Leipzig zu wissen, denn bei Spielern, die aus den eigenen Jugendmannschaften eines Vereins erwachsen, hat man selbst als außenstehender Beobachter immer das Gefühl, man hätte beim Heranwachsen zugesehen und sie selber entdeckt und jetzt, wo sie erwachsen sind, kann man stolz darauf sein, dass was vernünftiges aus ihnen geworden ist.)

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Rückrundenausblick

So, es ist nun bereits Mitte März. Zeit, dass die Fußballsaison auch in den unteren Spielklassen mal wirklich und nicht nur tröpfchenweise startet. Und auch wenn es derzeit nicht gesichert ist, dass die Saison tatsächlich durchstartet, scheint die Zeit reif, einen kurzen Blick auf die Chancen und Potenziale der bestplatzierten Leipziger Vereine zu werfen.

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Fußball in Leipzig: von der Peripherie zum Nabel der Welt?

Arm an Geschichten war sie nie, die Leipziger Fußballwelt. Der VfB Leipzig (später Lok und dann wieder VfB und nun wieder Lok) wurde 1903 erster Deutscher Meister, der ‚Rest von Leipzig’ alias der BSG Chemie Leipzig (später der FC Sachsen Leipzig) wurde mythenreich und sensationell DDR-Meister 1964 und 1987 schaffte es der 1.FC Lokomotive Leipzig in einer historischen Europacupsaison zum Endspiel nach Athen – um nur die herausragendsten Ereignisse zu nennen.

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