Frohe Weihnachten

Schon das neunte Weihnachtsfest steht an, seitdem es diesen Blog gibt. Das dritte in der Bundesliga. Die deutsche Topliga wird langsam zum gewohnten Umfeld. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Man kennt Klubs, Stadien und auch ein bisschen so die jeweilige Vereinskultur und kann Zusammenhänge herstellen und Entwicklungen besser bestimmen. Aber die erste Aufregung und Euphorie ist auch ein wenig gewichen, was sich an den Zuschauerzahlen oder der Bereitschaft, für deutlich mehr als 17 Pflichtheimspiele Geld auszugeben, bemerkbar macht.

Es war ein sehr vielschichtiges Jahr mit dem Europa-League-Viertelfinale und dem Scheitern in Marseille. Danach das Scheitern im Kampf um einen Champions-League-Platz und die Freude in Berlin über einen Platz in der Europa League (dass daraus die Quali würde und man bei RB den Wettbewerb zwar professionell angeht, aber in der Prioritätenliste nicht ganz oben einsortiert, konnte man da ja noch nicht ahnen).

Es folgte der Stimmungskiller der Trennung von Ralph Hasenhüttl zu einem Zeitpunkt, an dem es erst richtig interessant geworden wäre, ob der dazu in der Lage ist, seine Ideen, die eher Richtung Sarri und Nagelsmann gingen statt Richtung purem Umschaltfußball, umzusetzen. (Dass Hasenhüttl in seinem neuen Job in Southampton sehr gut gestartet ist und nach bereits drei Spielen sein eigenes Fanlied gekriegt hat, freut mich sehr für ihn.)

Es folgte eine unruhige Sommerpause mit zwei bis drei weniger Neuzugängen als ursprünglich geplant. Dazu Spieler, die nicht fit aus dem Urlaub kamen, eine spät beginnende Vorbereitungszeit, aber umso früher beginnende Europa-League-Quali-Spiele inklusive Flug zum Spiel gegen Häcken vom Trainingslager aus und inklusive eines grausamen Testspiels gegen Huddersfield einen Tag später, für das RB eigentlich gar kein Team mehr hatte.

Die Vorbereitungszeit hatte eigentlich alle Bestandteile, um eine schlechte Saison nach sich zu ziehen, aber Rangnick moderierte die ungünstigen Rahmenbedingungen erstaunlich ruhig und souverän und klaglos weg. Erst nach einem schleppenden Saisonstart polterte er nach dem Salzburg-Spiel öffentlich los und suspendierte Augustin und Mukiele. Das hätte leicht auch nach hinten losgehen können, rüttelte aber die Hierarchien im Team noch mal klar und fortan lief es mit einer Mannschaft, die sich schon lange kennt, wesentlich besser.

Von den elf meisteingesetzten Spielern waren diese Saison bisher gleich sieben (Sabitzer, Ilsanker, Klostermann, Gulacsi, Poulsen, Orban und Demme) schon in der zweiten Liga bei RB, spielen also mindestens die vierte Saison zusammen. Demme und Poulsen gibt es sogar schon seit der dritten Liga im Verein. Gerade Poulsen hat sich noch mal in eine absolute Führungsrolle aufgeschwungen und schießt inzwischen sogar Tore.

Am Ende des Jahres 2018 bleibt neben der Hasenhüttl-Trennung nur das Ausscheiden aus der Europa League als echtes Negativerlebnis. Gegen ein bestenfalls zweitklassiges Rosenborg Trondheim kurz vor Schluss noch die Qualifikation für die K.o.-Phase wegzuschmeißen, war völlig unnötig und bitter. Aber auch ein bisschen passend zu einem Europa-League-Ausflug, in dem RB Leipzig nie so richtig angekommen schien.

Es war für mich als Blogger ein sehr anstrengendes Jahr. Englische Wochen kosten immer extrem viel Kraft und Schlaf. Gerade Donnerstag Abend 21 Uhr, 24 Uhr zu Hause (wenn es kein Auswärtsspiel ist) Spielbericht schreiben und am nächsten Morgen wieder um sechs auf der Matte stehen nach ein, zwei Stunden Schlaf, um dann den Freitag mit der nächsten Pressekonferenz und dem nächsten Spiel vor der Brust abzureißen, einen Vorbericht zu schreiben und dann vielleicht am Sonntag früh nach sagen wir Dortmund zu eiern, das war schon teilweise extrem. Am Ende dieses Jahres mit seinen vor allem in den letzten Monaten permanenten englischen Wochen spürte ich die Müdigkeit in allen Knochen und bin über Winterpause und wenige englische Wochen in der Rückrunde durchaus nicht unfroh.

Blogtechnisch war durch die vielen Spiele der Rahmen eigentlich immer vorgegben, weil jenseits des Alltagsgeschäfts eh wenig Raum blieb. Das war einerseits blöd, weil es Raum nahm für andere Themen. Andererseits war es aber auch gut, weil ich eh ein bisschen müde mancher Sachen bin, die über das fußballerische Alltagsgeschäft hinausgehen.

Das kommunikative Brimborium rund um die Bundesliga finde ich weiterhin eher abschreckend und wenig anregend und sich damit täglich (ja auch wegen des Schreibens für RBlive) damit beschäftigen zu müssen, ist eher so semi-prall. Und alles was mit Fan-, Fanszenen und Fankulturthemen zu tun hat, entfernt sich interessemäßig Jahr für Jahr weiter von mir (ohne dass ich daran im RB-Kontext natürlich vorbeigehen könnte), während mich bundesweite, informelle Fußballblogger- oder Vereinsexpertennetzwerke im Gegensatz zur zweiten oder dritten Liga (ganz oberflächlich grob gesagt) immer weniger anmachen bzw. sich auf Bloggerebene auch ordentlich ausgedünnt haben (und ein paar, auf die ich mich immer noch freue, gibt es schon noch). Bin da selber ein bisschen gespannt, wie das hier im Blog in der kommenden Rückrunde mit etwas mehr Raum jenseits vom Alltagsgeschäft so wird und wo es mich da thematisch so hinverschlägt.

Mit dem Blog geht es auf jeden Fall bis zum Sommer weiter. Dann steht wie jedes Jahr die familienintern zu klärende Frage an, welche Pläne es gibt und ob die Perspektiven, sich tagesaktuell um den RasenBallsport zu drehen, auch weiterhin positiv sind. Bei unserer Tochter steht im Sommer der Sprung ins Gymnasium an. Das war familienintern immer so als Zeitpunkt auserkoren, noch mal generell zu überlegen, wie es in den kommenden Jahren so weitergehen soll. Das können dann auch ganz radikale Veränderungen sein. Mit inzwischen 45 Jahren stellt sich auch immer die Frage, wann so der letzte Zeitpunkt ist, an dem man noch mal Entscheidungen trifft, die ganz grundsätzliche Neuorientierungen mit sich bringen. Aber auch dafür bleibt über den Jahreswechsel vielleicht etwas Zeit zum Nachdenken (falls Timo Werner in der Zeit zum Entschluss kommt, dass er seinen Vertrag nicht will, nehme ich ihn gern und lasse künftig bloggen^^).

Wer es bis dahin wichtig findet, dass dieser Blog als Form der Ergänzung der klassischen, newsorientierten Print- und Onlineberichterstattung dauerhaft besteht, ist eingeladen, diesen Blog, in dem in knapp neun Jahren bereits mehr als 3.600 Artikel erschienen, finanziell zu unterstützen. Egal ob als rotebrauseblocker, als Amazon-Besteller, Spender oder oder. Wie das alles geht und warum man das machen sollte, steht im „Support your local rotebrauseblogger„-Artikel.

Wer über die Weihnachtszeit Schmökerstoff sucht, dem empfehle ich den Suchbutton oben rechts auf dieser Seite. Nachhören kann man sicherlich auch die letzten Folgen der Podcastreihe „Champagner statt Bier„. Bei „Bis Dose leer“ war in letzter Zeit viel zu viel Ruhe. Aber auch das ändert sich vielleicht in den kommenden Wochen, wenn mehr Zeit bleibt für solchen Schabernack.

Was die geneigte Leserschaft im letzten Jahr so spannend fand, weiß ich nicht, da ich das Google-Tracking-Tool aufgrund der neuen Datenschutzbestimmungen in Europa aus dem Blog geworfen hatte (primär weil ich kein Bock hatte, in eine rechtliche Falle zu laufen bzw. mich um mögliche Verträge mit Google zu kümmern und weil mir konkrete Leserzahlen eh nicht so wichtig sind). Wenn euch langweilig ist, klickt euch einfach ein wenig durch Rubriken und Tags oder klickt auf den Zufallsartikel, der rechts in der Seitenleiste (Desktop) oder irgendwo unten (mobil) zu finden ist.

Vielen Dank an dieser Stelle auch in diesem Jahr an die treue Leserschar und für viele Anmerkungen auf persönlichem oder digitalem Wege und fürs gelegentliche (verbale) Schulterklopfen in den Stadien dieser Bundesligawelt. Sorry, wenn ich aus Zeitgründen nicht auf jeden Kommentar hier im Blog eingehe, da lasse ich tatsächlich viel durchrauschen. Vielen Dank vor allem an die, die auf die eine oder andere Weise helfen, die wirtschaftliche Basis für diesen Blog zu gewährleisten. Ich schätze jeden einzelnen Euro, der in die Arbeit hier gesteckt wird, jede Spende, jede Amazon-Bestellung, die ihr sowieso tätigen wolltet und über das Blogbanner hier rechts (auf Desktop-Rechnern) tätigt (mobil irgendwo weiter unten). Ihr, die ihr an die wirtschaftlichen Grundlagen meines Tuns denkt, seid großartig.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest im Kreise der Lieben und einen guten Rutsch ins neue Jahr. In dem wir uns hoffentlich in alter Frische wiederlesen und hören und im Fall der Fälle auch sehen. Weiter geht es hier im Blog mit Pressezeug um den 08.01. herum. Erste Analysen zur Hinrunde und ein paar Sätze zu Amadou Haidara gibt es eventuell schon in der ersten Woche des neuen Jahres. Mal sehen. Lasst es euch erstmal gut gehen. Wir lesen uns 2019 wieder.

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Diese Bild mochte ich in diesem Jahr sehr gern (nein, das ist keine Anspielung auf den Pyro-Qualm) und ich danke in dem Zusammenhang Dirk Hofmeister, dass er mir immer wieder mal eine Auswahl seiner Fotos (so wie auch dieses von Bruma) von RB-Spielen zur Verfügung stellt.
Diese Bild mochte ich in diesem Jahr sehr gern (nein, das ist keine Anspielung auf den Pyro-Qualm) und ich danke in dem Zusammenhang Dirk Hofmeister, dass er mir immer wieder mal eine Auswahl seiner Fotos (so wie auch dieses von Bruma) von RB-Spielen zur Verfügung stellt.

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6 Gedanken zu „Frohe Weihnachten“

  1. Vielen Dank für die tolle Begleitung durch das aufregende RB-Jahr. Ich hoffe, du machst noch lange weiter. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

  2. Wer über RB perfekt informiert sein möchte braucht eigentlich nur diesen Blog und sonst nichts!
    Vielen vielen Dank dafür, verbunden mit der Bitte, Deine Midlife-Crisis ;-) noch um ein paar Jahre zu verschieben…
    Ich wünsche Dir und den Deinen schöne Festtage!

  3. Auch von mir alle guten Wünsche zum Fest und für das Jahr 2019 allen hier. Ein großes Dankeschön an den „RBB“!!! Manchmal dauert es zwar etwas mit der Freischaltung eines Beitrages, „klassisch zensiert“ wurde ich aber nur hier noch nie! Auch dafür ein großer Dank! Bitte alles weiter so, so es die persönliche Lebensplanung (Familie!) eben zulässt…

  4. Lieber RBB, vielen lieben Dank für Deine immer sehr lesenswerten Ausführungen zu den Spielen. Auch Deine Randbemerkungen sind immer sehr treffend. Ich möchte auch, dass uns Dein Blogg noch lange erhalten bleibt und appelliere an alle stillen Leser, ob sich nicht noch mehr finanzielle Unterstützer finden. Nur so kann Matthias seine zeit- und geldaufwändige Arbeit fortsetzen. Ich freue mich schon jetzt auf Deine nächsten Beiträge .

  5. Ich danke dir auch für diesen Blog, der mMn der wichtigste Info Pool rund um den geneigten Rasenballsport ist. Vielen Dank dafür und das es noch einige Zeit weitergeht. Einen guten Rutsch und Start ins neue Jahr

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