Bundesliga: RB Leipzig vs. SV Werder Bremen 3:2

Letztes Spiel des Jahres 2018. 31. Pflichtspiel der Saison. 54. Pflichtspiel des Jahres. RB Leipzig empfängt Werder Bremen und holt sich einen etwas glücklichen, aber dafür sehr emotionalen 3:2-Sieg, mit dem man sich auf den Champions-League-Plätzen festsetzt und mit einer hervorragenden Ausgangsposition ins neue Jahr geht.

RB Leipzig mit zwei Wechseln. Willi Orban kehrt für Dayot Upamecano in die Mannschaft zurück. Nicht unerwartet, weil es gegen Bremen nicht primär um Geschwindigkeit in der letzten Reihe ging. Sabitzer kehrte erwartungsgemäßg auch nach Sperre ins Team zurück. Dafür musste Bruma weichen. Was in einem 4-2-2-2 bedeutete, dass Laimer auf der linken Zehn spielte und der Fokus von der Besetzung der Mannschaft und der Zehner-Positionen her von vornherein vor allem auf dem Spiel gegen dem Ball lag.

Werder Bremen auf der anderen Seite musste Moisander ersetzen und brachte dafür den wiedergenesenen Veljkovic in der Innenverteidigung. Der vor allem in den ersten Schritten schnelle Rashica kam zudem erwartungsgemäß zum Einsatz und ersetzte in der Offensive Osako. Organisiert das ganze in der ersten Hälfte in einem 4-3-3, in dem Kruse im Anlaufen vor den beiden anderen Stürmern agierte und sich so eine klarere Drei-Stürmer-Reihe bildete und weniger eine Raute.

Es war ein buntes Treiben in der Anfangsphase der Partie. RB Leipzig versuchte wie schon gegen Mönchengladbach oder Leverkusen früh Druck zu machen und ein Tor zu erzielen. Aber das was dort vor allem auf dem linken Flügel an Überladungen noch gut geklappt hatte, funktionierte diesmal weniger. Weil Laimer einige Kombinationsversuche mit unsauberem Passspiel unterbrach. Und weil der Österreicher teilweise in eine etwas zentralere Rolle rückte, sodass sich nicht immer gute Passoptionen anboten. Trotzdem schafften es Halstenberg und Werner immer mal die Linie runterzukommen. In die Mitte kam man damit aber nicht so richtig durch.

Werder auf der anderen Seite spielte von Beginn an auf ansehnliche Weise mit. Immer wieder gute Bälle auf die Außenbahnen, wo dann Rashica oder Eggestein Fahrt aufnahmen. Und dabei eigentlich hätten in Führung gehen müssen. Wenn denn Rashica seine Schwäche in der Chancenverwertung nicht auch mit nach Leipzig gebracht hätte und mit seinem Abschluss aus sieben Metern an einem hereinhechtenden Klostermann gescheitert wäre.

Das Spiel in den ersten 20 bis 25 Minuten komplett auf der Kippe. Was sich ganz gut im ersten Tor der Partie demonstrierte. Werder nur einen Pass von einer Hunderprozentigen Chancen entfernt, aber Orban kann nah an der Mittellinie die Kugel gerade noch abfangen. Kampl nimmt sie auf und spielt sie auf Klostermann, der auf halbrechts zu viel Platz kriegt. Und diesen Platz mit Geschwindigkeit nutzt, in den Strafraum zieht und den Ball unter die Latte schießt. Ein Klostermann wie man ihn letzte Saison praktisch nie gesehen hat und in dieser Saison langsam immer wieder mal sieht.

1:0 für RB Leipzig. Ein Zwischenstand, den man sich in dieser Saison nur in Dortmund noch nehmen ließ. Und mit der Führung im Rücken hatten die RasenBallsportler die Partie für 15 Minuten auch komplett im Griff. Sämtliche Angriffsversuche der Bremer erstickte man im Keim und lauerte auf der anderen Seite auf die eine Situation, in der man den zweiten Treffer hinterherschieben kann. Werner hat sie nach einer guten halben Stunde, kann den Ball aus nicht perfekter Position aber nur über das Tor heben.

Lukas 'flying high' Klostermann. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Richtung Ende der ersten Halbzeit kam Werder dann mit den eigenen Bemühungen wieder besser durch. Langkamp und Kruse haben jeweils sehr gute Möglichkeiten, um per Kopf auszugleichen, lassen die Chance aber liegen. Auf der anderen Seite spielt Konaté (der einige Lucio-Erinnerungsausflüge einlegte) einen irren Pass für Packing-Freunde durch alle Reihen der Bremer hindurch auf Sabitzer, der lieber aus einem ungünstigen Winkel knapp verschießt, als den nicht ganz einfachen Pass in die Mitte auf den völlig (und völlig meint extrem völlig) freien Werner zu spielen, der ein fast todsicheres Tor zur Folge gehabt hätte.

Da schien man bei den Bremern etwas Mitleid mit Werner und dem geklauten Tor zu haben und legte ihm einfach mal den Ball in ähnlicher Position noch mal auf. Pavlenka mit dem flachen Pass in die Mitte auf Kruse, der sich fallen gelassen hatte. Um den Werder-Spieler drei, vier Pressing-bereite RB-Spieler. Poulsen auch schon relativ nah dran. Und so spielt Kruse den Ball wieder zurück zu Pavlenka. Nur halt viel zu kurz, sodass Werner dazwischenspritzt, Pavlenka umkurvt und zum 2:0 einschießt. Den Ball darf der Torwart gegen eine auf sowas lauernde Mannschaft wie Leipzig dort nicht hinspielen. Und Kruse darf ihn natürlich nicht zu kurz wieder zurückspielen.

Das Geschenk zum 2:0 stellte die Partie ein bisschen auf den Kopf. Denn die war bis auf die 15 Minuten nach dem 1:0 und vor allem chancentechnisch in der ersten Halbzeit eine auf Augenhöhe (mit eben wegen der 15 Minuten leichten Vorteilen für RB). Doch während Werder aus mindestens drei sehr guten Chancen kein Tor macht, erzielt RB aus genauso vielen Chancen sehr effizient zwei Tore und kriegt das zweite Tor geschenkt.

2:0 zur Pause. Eigentlich schon fast sowas wie eine Vorenscheidung bei RB-Spielen in dieser Saison. Wenn man nicht schon in der ersten Halbzeit das Gefühl gehabt hätte, dass die Partie von ihrem Verlauf her ständig auf der Kippe steht und es nicht 2:0 stand, weil RB den Gegner komplett unter Kontrolle gehabt hätte.

Entsprechend geht es auch nach der Pause weiter. Werder nun mit einer Dreierkette, sodass vor allem Gebre Selassie rechts, aber auch Augustinsson links sehr offensiv agieren können. Bremen weiterhin mit einem fußballerisch sehr guten Spiel. Immer wieder lösen sie sich aus Pressingsituationen und lassen den Ball laufen und spielen ihn hinter Pressinglinien. Gulacsi hält die Null nach 54 Minuten gleich mit mehreren Paraden am Stück.

Nach 58 Minuten muss der am Zeh lädierte Kampl vom Platz. Für ihn kommt Upamecano in die Partie und es wird auf ein 5-3-2 umgestellt. Das verstärkt den Druck der Bremer aber nur noch, weil sie nun kaum noch in ihrem Spielaufbau gestört werden, weil der RB-Block vergleichsweise tief steht. Die Idee durch eine Fünferkette die offensiven Außenpositionen von Werder aufzufangen, geht gar nicht auf, weil man davor keinen Druck mehr auf den Ball kriegt. Ballsicherheit hat RB in der Formation auch nicht. Zweite Bälle gewinnt man auch kaum.

Der klassische Ablauf über größere Teile der zweiten Hälfte: Langer Ball (teilweise fast schon Befreiungsschläge) von hinten heraus. Werder nimmt den Ball auf und spielt ihn relativ unbedrängt über die Halbpositionen nach vorn und findet dann immer wieder Wege in die Tiefe, wo teilweise (hoffenheimesk) vier bis fünf Spieler auf Höhe der RB-Abwehrkette agieren.

Nach 66 Minuten folgt die Belohnung für die Gäste. Klostermann, Demme und Laimer können in der Mitte Kruse nicht stoppen, der Möhwald freispielt. Der frühere Erfurter, der damals auch mal auf der RB-Liste gestanden haben soll, kann vom durchsprintenden Klostermann in der Spielfeldzentrale nicht mehr gestoppt werden und spielt einen unglaublich guten Pass in den Rücken von Halstenberg auf den durchlaufenden Gebre Selassie. Hereingabe in die Mitte, Schuss von Kruse, Upamecano fälscht noch ab. Gulacsi chancenlos.

Es spielte jetzt nur noch Werder und die einzige Frage war, ob RB vielleicht noch mal den entscheidenden Konter setzt, um den Gästen den Nerv zu ziehen oder nicht. Schon vor dem 2:1 hatte Konaté die Entscheidung auf dem Kopf, traf aber nicht. Das Spiel in der Hand hatten aber komplett die Gäste, die der taumelnden RB-Abwehr einen Ball nach dem anderen um die Ohren spielten. 72%(!) Ballbesitz hatte Werder in der Zeit zwischen Halbzeitpause und 2:2-Ausgleich. Mit einer 85%igen Passquote schaffte man es auch, die Gastgeber mit großer Genauigkeit zu bespielen. Es war eine ziemlich beeindruckende Demonstration von Ballbesitzfußball in dieser Phase. Keinem brotlosen Ballbesitzfußball wohlgemerkt.

Erstaunlich dabei, dass RB trotz Fünferkette und tiefem Verteidigen nicht nur beim 1:2 anfällig für Geschwindigkeit in der Tiefe war sondern auch beim 2:2. Bei einer Pressingsituation auf der rechten Seite kann man den tiefen Ball auf Osako nicht verhindern, der Upamecano fast schon enteilt ist, aber an der Strafraumgrenze gerade noch gestellt werden kann. Die RB-Spieler, die nach hinten eilen, orientieren sich alle Richtung Osako, während Sargent auf der linken Seite völlig ignoriert wird. Osako mit viel Übersicht rüber auf den erst 18-jährigen US-Amerikaner, der die Kugel zum zweiten Saisontreffer im dritten Kurzeinsatz in die kurze Ecke schießt.

Es war der verdiente Ausgleich in einer Partie, die Werder in der zweiten Halbzeit so deutlich dominierte wie selten eine Gastmannschaft in der Red Bull Arena. Nach 77 Minuten setzte kaum jemand noch auf RB Leipzig, die zudem ab der 70. Minute mit ihren Kräften langsam am Ende schienen.

Doch da hatte man die Rechnung ohne die besondere Dramaturgie für dieses Spiel gemacht. Denn nach 81 Minuten brachte Rangnick dann Bruma für Orban und stellte wieder zurück auf ein 4-2-2-2. Ein angesichts der Abwehrprobleme gewagt erscheinender Move, nach dem RB aber sofort wieder wesentlich präsenter war und nicht so tief stand (und zudem noch mit Bruma im Gegensatz zu Laimer, der auf die Sechs ging, einen ballsicheren Akteur auf der linken Zehn hatte). Was Ursache und Wirkung war, blieb unklar, aber Bremen agierte nach dem 2:2 wieder deutlich zurückhaltender. Man gab den Ball jetzt wieder stärker ab und spielte nicht mehr so genau. Es schien, als wäre man mit dem 2:2 zufrieden und wollte nun den Punkt vielleicht noch mal aus einer sicheren Defensive und Umschalten in einen Sieg verwandelt. Vielleicht wurden sie in diese Rolle aber auch nur durch RB gedrängt. Vielleicht war es eine Mischung aus beidem.

Fakt ist, dass von Werder in den letzten zehn Minuten der Partie offensiv nichts mehr kam, nachdem sie RB zuvor teilweise schwindlig gespielt hatten. Was eine bemerkenswerte Veränderung des Spielgeschehens war. RB nun wieder mal mit ein paar Ballbesitzphasen ohne ganz großen Druck, sodass sich auch ein Demme wieder in die gegnerische Hälfte schieben und dort Spielstrukturen herstellen konnte.

Und dann war auch schon Bruma-Time. Während der in allen Teilen des Stadions reichlich vorhandene Werder-Anhang noch die Wohlfühl-Pizarro-Einwechslung bejubelte und auf das 3:2 hoffte, spielte sich RB auf der linken Seite viel zu einfach durch. Halstenberg zur Abwechslung mal mit einer Hereingabe in den Rücken der Abwehrkette, sodass der Ball bis zu Bruma rechts im Strafraum durchrutscht, der sich etwas zurückfallen hatte lassen. Direktabnahme, Tor, eine kleine Explosion im Stadion.

Es war ein emotional herausragender Schlusspunkt unter eine Partie, die RB zuvor gegen gleichwertige, in der zweiten Halbzeit sogar lange bessere Gäste aus der Hand gegeben hatte. In einem Moment, in dem das kaum noch einer für möglich gehalten hatte, fand Ralf Rangnick mit Bruma und der Rückkehr zum 4-2-2-2 doch noch eine Antwort auf die Fragen, die die Bremer mit ihrer Spielweise aufwarfen. Ein glückliches Ende einer Partie, in der insbesondere RBs Probleme im Ballbesitz, wenn es um die Verwaltung von Spielen geht, wieder mal aufgedeckt wurden.

Fazit: Ein Spiel, das über 90 Minuten gesehen in allen relevanten Statistiken und persönlichen Beobachtungen ein Unentschieden gewesen ist. Und dass die RasenBallsportler in einer Phase doch noch auf ihre Seite zogen, in der sie eigentlich schon tot und an die Wand gespielt schienen. Das 3:2 war ein emotionaler Ausbruch, wie man ihn in der Red Bull Arena in dieser Saison so auch noch nicht erlebt hat. Und damit war es der perfekte Schlusspunkt unter das Jahr 2018 in einem aus RB-Sicht bei weitem nicht perfekten, aber jederzeit mit viel Einsatz geführten und sehr ansehenswerten Fußballspiel.
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Randbemerkung 1: Nach 17 Spielen RB Leipzig mit drei Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher neun(!) Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt). Damit beendet man die Hinrunde auf Platz 4. Vier Punkte Vorsprung auf Europa-League-Platz 5. Sechs Punkte Vorsprung hat man auf Rang 6, auf dem man im Fall der Fälle in die Europa-League-Quali muss. Sieben Punkte Vorsprung sind es schon auf Leverkusen, 13 auf Schalke. Auf Hoffenheim sind es vier bis sieben Punkte Vorsprung (je nach Ausgang ihrer Partie gegen Mainz). RB hat sich im Kampf um einen Champions-League-Platz eine sehr gute Ausgangsposition verschafft und hat in der Rückrunde keine Dreifachbelastung. Sehr gute Voraussetzungen, um am Ende unter den ersten vier Teams der Bundesliga einzulaufen. Dass man dem BVB oder dem FCB gefährlich werden kann, sehe ich nicht. Die Konkurrenz, um die es geht, sind Teams wie Mönchengladbach, Hoffenheim oder Frankfurt. (Oder vielleicht auch Leverkusen, wenn die mal in den Flow kommen, oder noch vielleichter Wolfsburg).

Randbemerkung 2: Drittes Heimspiel gegen Werder Bremen, dritter Sieg. Das erste Team, gegen das RB drei Bundesligaheimspiele gewinnen konnte. In der Rückrunde könnten da noch Frankfurt, Freiburg und Augsburg dazukommen.

Randbemerkung 3: 23 Punkte hat RB Leipzig in neun Heimspielen gesammelt. Neben Dortmund und Mönchengladbach ist man das dritte Team, das in Heimspielen noch ungeschlagen ist. Das Unentschieden gegen Düsseldorf zu Saisonbeginn war dabei sogar noch hochgradig überflüssig. Insgesamt funktioniert das Rangnicksche Konzept des Umschaltens in Heimspielen sehr gut. Auch weil man in allen Heimspielen (bis auf Düsseldorf und (natürlich bei einem 0:0) Schalke) in Führung ging und entsprechend mit Umschaltfußball die entstehenden Räume im Anschluss gut nutzen konnte. Auswärts funktionierte das nicht ganz so gut. Auch weil RB nur zweimal in Führung ging (beide Spiele gewann man) und entsprechend öfter in die Situation kam, aus dem Spiel mit dem Ball heraus Druck machen zu müssen. Das ist weiter nicht die Paradedisziplin der RasenBallsportler..

Randbemerkung 4: Konrad Laimer mit einer weiteren Position in seiner persönlichen Sammlung in dieser Saison. Nach Rechtsverteidiger, Sechser, Achter, rechter Zehner und (sehr kurz) Stürmer nun der linke Zehner. Sehr bunte Mischung und zu vermuten ist, dass es auch in der Rückrunde und bei wachsender Konkurrenz im Team nicht einfacher wird, für Laimer einen festen Platz zu finden.

Randbemerkung 5: Bruma mit dem erst zweiten Joker-Tor für RB Leipzig in dieser Saison. Das erste schoss Augustin am fünften Spieltag zum 2:0 gegen Stuttgart. Brumas Tor brachte also erstmals Punkte von der Bank. In Sachen Tore von der Bank ist RB eines der schlechtesten Teams der Liga (interessanterweise ist Bayern nicht viel besser). Das ist keine so richtig gute Bilanz, nachdem man diesbezüglich in den letzten beiden Jahren noch zu den absoluten Topteams gehörte.

Randbemerkung 6: Mal wieder Zeit für einen Zettel. Den bekam Klostermann früh in der zweiten Halbzeit gereicht und der beinhaltete offensichtlich nur, dass Orban und Konaté die Positionen tauschen (zumindest habe ich nicht mehr große Änderungen danach wahrgenommen). Also ging der Zettel von Klostermann zu Konaté, der dann erstmal im laufenden Spiel einige (sich ewig anfühlende) Sekunden lang während des Verschiebens mit der Kette den Zettel studierte. Also das machte, was man beim Autofahren tunlichst vermeiden sollte, nämlich nicht auf die Straße aka das Spielfeld zu gucken. Machte den geneigten Zuseher etwas wahnsinnig, wie Konaté immer vom Zettel zum Spiel und zurück guckte und dabei versuchte, seinen Platz in der Kette zu halten. Bis er ihn endlich Orban weiterreichte und man erleichtert durchatmen konnte, weil die Konzentration des Innenverteidigers nun wieder komplett und ohne Unfall dem Spiel galt..

Randbemerkung 7: Fast 119 Kilometer Laufleistung noch mal am Ende der englischen Woche und der Hinrunde. Noch mal eine Leistung deutlich über dem Saisonschnitt. Auch Werder in ähnlichen Dimensionen unterwegs. Im höheren Geschwindigkeitsbereich bis hin zu Sprints aber RB mit dem höheren Aufwand (was vor allem aus dem vielen Verteidigen in der zweiten Hälfte resultieren dürfte). In der letzten Saison war man im Dezember lauftechnisch deutlich eingebrochen und kroch auf dem Zahnfleisch in die Winterpause. In dieser Saison konnte RB trotz der 31 Pflichtspiele und sicher auch wegen der relativ umfassenden Rotation bis zum letzten Spieltag auf höchstem körperlichen Niveau mithalten und hat deswegen nun drei Punkte mehr auf dem Konto als letzte Weihnachten.

Randbemerkung 8: 17 Gegentore in der Hinrunde. Damit hat RB die beste Defensive der Liga (auch wenn das gegen Bremen phasenweise gar nicht so aussah). Es ist ein bisschen das eingetreten, was man angesichts des Wechsels zu Rangnick erwarten konnte. Dass das Spiel gegen den Ball wieder wichtiger werden würde. Vielleicht überraschend dabei, dass das Attackieren nicht so wild gespielt wurde wie noch in der zweiten Liga, als die Mannschaftsteile beim Anlaufen immer mal wieder auseinanderfielen und dadurch Räume entstanden, die nicht hätten entstehen sollen. Oft verteidigte RB in dieser Saison gar nicht mit hohem Pressing, sondern mit einem Mittelfeldpressing, das dann auch Räume in die Tiefe zum Umschalten bot. Wenn denn der Gegner Fußball spielte. RB definierte sich in dieser Hinrunde vor allem über Pressinghöhen und Unterschiede in der Formation und damit Unterschiede, wo man welche Spieler anläuft. Das macht man aber halt tatsächlich mit den passenden Spielern recht konsequent und gut.

Randbemerkung 9: Timo Werner mit einem sehr mannschaftsdienlichen Auftritt. Gutes Auge für die Mitspieler, die er entsprechend auch immer mal gut bediente. Viel gearbeitet. Und das 2:0 geschossen, weil er in den schlechten Kruse-Pass spritzt. 13 Tore hat Werner bisher in dieser Saison erzielt. Dabei erzielte er zwölf der Tore per Doppelpack, traf also entsprechend auch ’nur‘ in sieben von 21 Pflichtspielen. Alle diese Spiele gewann RB Leipzig. Insgesamt steht Werner diese Saison in der Bundesliga schon bei 63 Torschüssen, aus denen elf Tore resultierten (17% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 37 Schüssen acht Tore (22%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für ein Tor 13 Schüsse (8%) (bei nur einem Tor ist die Statistik aber noch nicht so recht aussagekräftig). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 18 gewonnenen Dribblings in 54 Versuchen (11 von 17 in den letzten drei Spielen) (33% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 14 von 31 (45%), Augustin bei sieben von 17 (41%) und Cunha bei vier von neun (44%). Die Daten von Timo Werner nähern sich langsam immer mehr den Daten von Yussuf Poulsen an, nachdem er lange eher ineffizient agierte. Für Werner fast schon schade, dass die Winterpause kommt, wo er in den letzten Spielen doch sehr gut in Schwung war.

Randbemerkung 10: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 17 Bundesligaspielen: 63:48 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 3:1 Tore gefallen.In den letzten Spielen hat RB wieder einige Abschlüsse nach Standard zugelassen, aber trotzdem kein Tor kassiert. Nur ein Standardgegentor in einer gesamten Hinrunde (und der Treffer resultiert vom ersten Spieltag..) sind ein sehr, sehr guter Wert. Vor allem angesichts der Tatsache, dass man letzte Saison einige Spiele wegen ruhender Bälle wegschmiss. Nur Mönchengladbach ist defensiv bei Standards noch besser und hat noch gar keinen Treffer kassiert. Vier bis fünf Gegentreffer sind Bundesligamittelfeld. Mit drei Standardtreffern ist RB allerdings offensiv auch nur unteres Bundesligamittelfeld.

Randbemerkung 11: Vor dem Spiel ein von den Red Acses und Rasenballisten initiiertes Fantreffen aka Infoveranstaltung im Fantreff am Glockenturm wegen der Hausverbote. Wohl mit nicht übermäßigem Newswert. Die Kritik an zwei der drei Fanbetreuer in Bezug auf deren Art Ermittlungsarbeit bleibt halt aus Sicht der Gruppen bestehen. Ansonsten sprechen viele mit vielen, unter anderem auch der Verein mit den Betroffenen und alles ist irgendwie im Fluss. Randnotiz, dass die LE Uniteds bei der Veranstaltung in vergleichsweise großer Anzahl Präsenz zeigten. Die Veranstaltung war letztlich eher dünn besucht. Was dann auch wieder mal zeigt, wie schwierig so formelle Kommunikationswege bei Problemen sind. Online-Texte sind vielen zu lang. Veranstaltungen wie diese im Fantreff erreichen nur einen sehr geringen Teil der Fans. Bleibt halt die Hoffnung, dass in einem generellen Umgang mit Fanthemen alle ein bisschen auf ihre Diskussionskultur achten und dass der Verein nach dem durchaus nachvollziehbaren Versuch, die Pyro-Leute aus Salzburg dranzukriegen, einsieht, dass er bei der Jagd nach den Pyro-Leuten bei einem Spiel, wo es eine stille Übereinkunft aller Beteiligten gab, dass der Rauch ok geht, mit fragwürdigen Urteilen über das Ziel hinausgeschossen ist.

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Lichtblicke:

  • Lukas Klostermann: Stand am Anfang der Saison ein wenig am Scheideweg mit seinem fehlenden Mut im Spiel nach vorn. Lange in der Bundesliga (auch wegen Verletzung) eher zweite Wahl hat er sich zuletzt mit stabilen Leistungen wieder zur ersten Wahl entwickelt. Dass er offensiv inzwischen immer wieder mal in Lücken stößt und dort seine Geschwindigkeit einsetzt, hat er nicht nur beim grandiosen 1:0 gezeigt. Hinten verteidigt er zweikampfstark und stabil (auch wenn es manchmal noch eine Spur aggressiver sein könnte). Schön zu sehen, dass Klostermann nach seinem Kreuzbandriss nun wirklich wieder in einer Verfassung ist, auf die man vor seinem Kreuzbandriss hoffen konnte. Wenn er auf dem Niveau konstant spielen kann, dann stehen ihm für seine Karriere alle Türen offen.
  • Peter Gulacsi: Kleiner Wackler (wie schon in München) bei einer Ecke, bei der man hätte denken können, dass sie seine hätte sein müssen. Ansonsten wieder mit starken Paraden und viel Ruhe auf der Linie und lange derjenige, der das 0:0 bzw. später die Führung festhielt. Großartige Hinrunde von Gulacsi, der keinen einzigen groben Fehler machte, der zu einem Gegentor geführt hätte und die meisten Großchancen aller Bundesliga-Keeper vereitelt hat. Immer sehr subjektiv (zumal wenn man nicht alle Spiele sieht), aber zusammen mit Bürki und Sommer derzeit absolut Top 3 der Liga. Schlechte Nachrichten für Mvogo (den Rangnick trotzdem nicht ziehen lassen will)..
  • Bruma: Ja, man hätte mit Orban oder Werner auch andere nehmen können, aber für diesen großartigen Moment beim 3:2 hat es sich der Portugiese verdient, in die Lichblicke zu rücken. Er bei seiner Einwechslung der perfekte Spieler zur perfekten Zeit. Einer, der was mit dem Ball anzufangen weiß und bei allgemein abnehmenden Kräften in ein RB-Team, das kaum Ballsicherheit hatte, eben diese ein Stück weit wieder einbrachte und in der Offensive Bälle sichern konnte. Dass er dazu dann noch das 3:2 und sein erstes Bundesligator in dieser (für ihn bisher nicht einfachen) Saison machte, war eine echte Feel-Good-Story.

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Tore: 1:0 Klostermann (22.), 2:0 Werner (44.) 2:1 Kruse (67.), 2:2 Sargent (77.), 3:2 Bruma (88.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban (81. Bruma), Halstenberg – Demme, Kampl (58. Upamecano)  – Sabitzer, Laimer – Poulsen, Werner (90. + 2 Cunha); Bank: Mvogo, Mukiele, Saracchi, Augustin; Nicht im Kader: Forsberg (verletzt), Ilsanker (gesperrt), Müller

Aufstellung Werder Bremen: Pavlenka – Gebre Selassie, Langkamp, Veljkovic, Augustinsson – Möhwald, M. Eggestein, Klaassen (86. Pizarro) – J. Eggestein (66. Sargent), Kruse, Rashica (58. Osako)

Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Vom Auftreten her souverän. In der Beurteilung von Zweikämpfen aber fast durchgängig etwas arg kleinlich. Gepfiffen wurden zumeist Berührungen, nicht zwangsläufig Fouls. Das machte Steinhaus relativ konsequent, sich aber dadurch auch angreifbar, wenn sie einen Armeinsatz dann doch mal nicht ahndete. Mir persönlich war das zu kleinlich, aber die Linie kennt man noch aus den Zeiten als Steinhaus RB in vierter, dritter und zweiter Linie gepfiffen hat. Laimer gelb zu geben, folgte der etwas kleinlichen Linie. Später bei Langkamp die Karte stecken zu lassen, obwohl der Werner daran hinderte, allein von der Seite in den Strafraum zu laufen, passte dann aber halt nicht dazu. Aber insgesamt blieb Steinhaus in ihrer Linie stringent. Das kann man dann zwar zu kleinlich finden, aber man kann sich dann auch (Stichwort Erwartungshaltung) auf dem Platz damit arrangieren. (Nach dem 2:1-Anschlusstreffer wartete Steinhaus kurz auf Köln, ob eine Abseitsstellung vorlag, weil Osako beim Kruse-Schuss im Abseits stehend Gulacsi irritiert hat. Letztlich hebt aber sowieso Halstenberg das Abseits auf, sodass die Frage, ob Osako im aktiven Abseits steht, irrelevant wurde. Ähnliche Frage beim 3:2. Da steht Poulsen deutlich im Abseits. Aber leicht versetzt zu Pavlenka, sodass auch hier keine aktive, weil den Torwart irritierende Abseitsstellung vorlag. Das wurde früher wesentlich strenger gehandhabt. Inzwischen muss man schon wirklich in der Schussrichtung vor dem Torwart stehen, damit dort Abseits gepfiffen wird, auch wenn der im Abseits stehende Spieler gar nicht am Ball war.))

Gelbe Karten: Laimer (3.), Bruma (1.) | –

Zuschauer: 40.455 (davon 5.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, SVW-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 13 : 15
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 10 : 13
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 6
  • gewonnene Zweikämpfe: 52,8% : 47,2%
  • Ballbesitz: 45,5% : 54,5%
  • Passquote: 74,6% : 78,8%
  • Laufstrecke: 118,6 km : 119,2 km
  • Sprints: 240 : 205
  • Intensive Läufe: 679 : 627
  • Fouls: 14 : 9
  • Ecken: 4 : 4
  • Abseits: 7 : 4
  • Meiste Torschüsse: Sabitzer: 4 – Rashica, J. Eggestein: je 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Halstenberg, Laimer, Werner: je 2 – Gebre Selassie, Kruse, Klaassen: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Orban – 66,7% – Gebre Selassi – 66,7%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 87 – Eggestein: 109
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Konaté – 86,8% – Langkamp: 88,7%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,9 km – Möhwald: 11,9 km
  • Meiste Sprints: Werner: 32 – Rashica: 26

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner – 11; Poulsen – 8; Augustin – 3; Sabitzer, Klostermann – je 2; Forsberg, Orban, Kampl, Cunha, Bruma – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner, Kampl – je 5; Poulsen – 4; Sabitzer, Forsberg, Demme, Halstenberg – je 3;  Laimer, Orban, Klostermann, Bruma – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Sabitzer, Kampl – je 7; Halstenberg, Upamecano – je 6; Poulsen- je 5; Demme, Forsberg, Konaté – je 4; Saracchi, Mukiele – je 3; Ilsanker, Gulacsi, Klostermann, Orban – je 2; Werner, Laimer, Cunha, Bruma – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

6 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. SV Werder Bremen 3:2“

  1. Dann sag ich mal „Danke“ für all die schönen Spielberichte dieses Jahr.
    Eine Frage noch: „Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher neun(!) Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt)“
    Das verstehe ich nicht. Die Hinrunde ist durch und da sind es 3 Punkte mehr.

  2. Besser ein mal unglücklich verloren und ein mal glücklich gewonnen als 2 mal ehrlich unentschieden!

    Ich wünsche Dir, lieber Matthias, ein wunderschönes Weihnachtsfest und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken für die wunderbare Mischung an Information und Unterhaltung, die Du hier über das ganze Jahr präsentiert hast!

  3. „Nach 17 Spielen RB Leipzig mit drei Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher neun(!) Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt).“

    Irgendwie stehe ich bei Randbemerkung 1 auf dem Schlauch.
    Wie kann es nach 17 Spielen (gleicher Zeitpunkt wie in der Vorsaison), in denen man gegen jeden Gegner einmal gespielt hat, einen Unterschied in der Punktdifferenz zu „gegen die bisherigen Gegner“ geben? Verstehe ich das mit dem Ersetzen falsch?

  4. @Martin @Kay Verglichen wird das Resultat vom zum Beispiel Auswärtsspiel gegen Wolfsburg mit dem Auswärtsspiel in Wolfsburg letzte Saison, sodass dort nicht Hinrunde mit Hinrunde verglichen wird. Also die Spiele gegen dieselben Gegner am selben Ort. Kleine Spielerei, die Spielplaneffekte rausnehmen soll.

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