Bundesliga: Eintracht Frankfurt vs. RB Leipzg 1:1

Vierter Spieltag in der Bundesliga. Bei RB Leipzig nach der Niederlage gegen Salzburg und den Suspendierungen von Augustin und Mukiele schon ordentlich Feuer unter dem Vereinsdach. Durchaus undankbar dann nach Frankfurt zu fahren, wo die Eintracht einen sehr intensiven Spielstil auf den Rasen bringt. Zurück fuhr RB Leipzig schließlich mit einem dem Spielverlauf entsprechenden 1:1, das nach dem Salzburg-Debakel ein Schritt nach vorn war.

Back to the roots hieß es bei RB Leipzig für das Spiel in Frankfurt. Acht Spieler, die schon in der ersten Bundesliga-Saison dabei waren, standen in der Startelf. Bis auf Saracchi waren alle schon letzte Saison da. Klares Setzen auf eine alte, gewachsene Mannschaftshierarchie. Und auch von der Formation her machte man den Schritt zurück zu einem 4-2-2-2, das nach dem Bundesliga-Aufstieg das System der Erfolgswahl war. Kompakte Arbeit gegen den Ball stand dabei im Mittelpunkt.

Frankfurt auf der anderen Seite auch mit einer Art back to  the Kovac-roots und mit einer Dreierkette in der Abwehr, in der Hasebe als eine Art spielmachender, zentraler Innenverteidiger aufgestellt war. So wie man es halt unter Kovac meist gespielt hatte, aber unter Hütter nicht mehr so richtig spielen wollte. Insgesamt war man im 3-4-3 recht offensiv aufgestellt. Haller und Jovic durften mal zusammen auf dem Platz stehen. Gacinovic und auf den Außenbahnen Kostic und da Costa durften die Bemühungen unterstützen. Die Kernbemühungen der Franfurter galten aber wie bei RB dem Spiel gegen den Ball.

Wie oft, wenn zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die dem Spiel gegen den Ball die allererste Aufmerksamkeit widmen, ging es in der Partie zwar flott hin und her, ohne das daraus aber irgendeine Torgefahr entstand. Die Abwehrketten standen sicher und fingen die Bälle weg, die doch mal den Weg durch die Pressingreihen fanden. Werner nach einer Viertelstunde mit einem ungefährlichen Torabschluss. Das war es für 25 Minuten, die nicht langweilig, aber fußballerisch auch einigermaßen überschaubar waren. Nur drei Torabschlüsse in dieser Zeit insgesamt zeugen davon, dass sich das Geschehen zwischen den Strafräumen abspielte.

Dann musste Willi Orban für eine Behandlung einer blutenden Wunde vom Feld und schon stand es 1:0 für die Hausherren gegen eine Gästeabwehr, die Orbans Abwesenheit mit Laimer als Innenverteidiger und Sabitzer als Rechtsverteidiger auffangen wollte, aber mit dieser Formation nicht darauf verzichtete in Unterzahl nach vorn zu verteidigen. Saracchi deswegen mal eben sehr weit vorn positioniert. Upamecano rückt beim Versuch, einen Pass abzufangen fast bis an die Mittellinie vor. Allerdings verpasst der Franzose den Ball, sodass Jovic im Rücken ganz viel Platz hat. Laimer versucht noch zu retten, kommt aber beim Abwehrversuch gegen Jovic ins straucheln, so dass der Eintracht-Angreifer relativ unbedrängt flanken kann. Sabitzer muss in der Mitte gegen Haller(!) Innenverteidiger spielen, verliert ihn im Rücken aber völlig aus den Augen. Haller freistehend mit dem Kopfball, den Gulacsi noch klasse hält. Aber aus dem Rückraum rückt Fernandes nach und kann den Abprallen ungestört über die Linie drücken.

Ein ärgerliches Gegentor, weil bis dahin mal gar nichts auf Gulacsis Tor gekommen war. Ausgelöst durch die Unordnung, die Orbans Abwesenheit in der Mitte hinterlassen hatte. In so einer Situation mal nicht das Fallenlassen über das Verteidigen an der Mittellinie gestellt zu haben, muss sich Upamecano anrechnen lassen, geht aber wohl als Unerfahrenheit durch (genauso wie Saracchis sehr hohe Positionierung trotz Unterzahl). Und dass Laimer dann nachrückend zusammen mit Sabitzer quasi die Innenverteidigung gegen Jovic und Haller spielen müssen, geht als Mismatch durch, das man überhaupt nicht haben will.

Mit diesem Gegentor schien die bis dahin bestehende Stabilität von RB Leipzig mal eben komplett in sich zusammenzufallen. Gulacsi klasse gegen Jovic. Und noch mal Gulacsi gegen einen prima herausgespielten Torschuss von Fernandes. In dieser Phase hätte das Spiel komplett gen Eintracht kippen können, aber der ungarische RB-Keeper hielt seine Mannschaft im Spiel.  Eine Mannschaft, die danach wieder die Stabilität der ersten 25 Minuten gewann und nichts mehr zuließ, aber offensiv bis auf einen harmlosen Werner-Kopfball auch nichts zustande brachte.

Peter Gulacsi hält in Frankfurt das 1:1 für RB Leipzig fest. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Es war keine schlechte Halbzeit, die RB Leipzig da spielte. Man konzentrierte sich darauf, erstmal stabil zu stehen und viel zu arbeiten. In der Offensive blieb aber vieles Stückwert und beruhte auf Zufälligkeiten. Da wurden immer wieder einfach Bälle nach vorn gebolzt, irgendwie halbwegs in die Richtung eines Mitspielers. Konstruktives und planvolles Offensivspiel sieht dann aber doch anders aus. Grundsätzlich ging das Konzept des Stabilität first aber auf. Halt nur nicht in den fünf Minuten um das 0:1 herum, wobei der Gegentreffer einer Mischung aus uncleverem Verhalten und verletzungsbedingter Abwesenheit von Orban geschuldet war. Letztlich ein verdienter, aber auch ein unglücklicher Rückstand einer Mannschaft, die sich ohne besonderer Glanzlichter doch durchgängig bemüht hatte.

Zur zweiten Halbzeit stellte Rangnick dann wieder auf ein 4-3-3 um und holte Forsberg in eine zentralere Rolle zwischen die Stürmer. Also in eine Position, in der er in den letzten Wochen ganz gute Auftritte hingelegt hatte. Und auch in Frankfurt sah das zumindest ordentlich und 25 Minuten lang nach mehr Spielkontrolle aus. Sabitzer und Kampl spielten vor Demme nun die Achter. Gerade Kampl war zusammen mit Forsberg der auffällige Ankurbler im Offensivspiel.

Bis zur 70. Minute spielte nun (im Rahmen dessen, was bei zwei Teams mit Umschaltfokus so diesbezüglich möglich ist) nur noch RB Leipzig. Die Gastgeber nun ihrerseits in möglichen Umschaltsituationen mit viel Gebolze und Ungnauigkeiten.

Die neuen Bemühungen um das Spiel mit dem Ball wurden schon schnell nach der Pause belohnt. Nach einer Ballstafette von der Mittellinie aus über die linke Seite und dann ganz nach rechts auf Laimer bekam Kostic im Strafraum den Ball an die Hand. Da der Arm deutlich vom Körper wegstand und damit die Körperfläche vergrößerte, war Strafstoß die logische Folge. Forsberg behielt die Nerven und glich aus.

In den nächsten 20 Minuten hätte das Spiel auch komplett zu Gunsten der Gäste kippen können. Forsberg direkt nach dem Ausgleich an den Pfosten. Werner und Orban die zehn Minuten später eine Forsberg-Hereingabe nur knapp verpassen. Werner nach 71 Minuten mit der Riesenmöglichkeit aus Nahdistanz die Führung zu erzielen. Aber der Ball ging am langen Pfosten vorbei.

Mit der im Heimbereich euphorisch bejubelten Einwechslung von Rebic kippte das Spiel in den letzten 20 Minuten wieder zurück auf die Seite der Eintracht. Bei RB schien langsam die Luft auszugehen. Planvolle Aktionen Richtung Eintracht-Tor gibt es kaum noch. Gacinovic trifft stattdessen in einer der Situationen, in denen RB in letzter Linie hinterherläuft, ins Tor, soll dabei aber im Abseits gestanden haben. Gulcsi rettet noch zweimal gegen bzw. vor Rebic. Frankfurt ist in diesen letzten 20 Minuten näher am 2:1, auch wenn RB noch zwei, drei gute Möglichkeiten hat, in die Tiefe zu spielen, dabei aber wenig genau und wenig gefährlich agiert.

Fazit: Ein 1:1, das einem Spiel gerecht wurde, das recht unterschiedliche Spielphasen sah. Eine beiderseits stabile erste Hälfte, bei der RB die Partie beinah durch fünf unorganisierte Minuten verspielt hätte. 25 gute RB-Minuten nach der Pause, in der man auch hätte in Führung gehen können. Und 20 Minuten am Ende, in denen Frankfurt den Siegtreffer hätte erzielen können. Mit etwas mehr Cleverness und Abgezocktheit wäre RB mit einem Dreier nach Hause gefahren. So holte man mit gutem Willen und einer kadertechnischen Rückkehr zu den Wurzeln des RB-Kerns der letzten zwei Jahre durch eine weitgehend gute Arbeit gegen den Ball immerhin einen verdienten Punkt. Was man nach dem naiven Verhalten in der ersten Halbzeit gegen Salzburg durchaus als Schritt nach vorn in Sachen Stabilität werten kann. Fußballerisch fehlte den 90 Minuten in Frankfurt allerdings fast komplett der Glanz, auch wenn es nie langweilig war.

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Randbemerkung 1: Nach vier Spielen RB Leipzig mit zwei Punkten weniger als in der Vorsaison. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher auch zwei Punkte weniger (wenn man den HSV durch Düsseldorf ersetzt). Es fehlen halt die zwei Punkte aus dem Heimspiel gegen Düsseldorf, ansonsten lief bisher ergebnistechnisch nicht so viel falsch. Bleibt halt nach dem Unentschieden in Frankfurt weiter die Frage, in welche Richtung die Saison wohl abbiegt. Aktuell sind da viele Möglichkeiten denkbar. Das Spiel gegen Stuttgart ist diesbezüglich vor der schweren Partie in Hoffenheim durchaus sehr wichtig.

Randbemerkung 2: Rund 600 RB-Fans mit in Frankfurt. Genausoviele wie letzte Saison, damals allerdings bei einem Montagsspiel im Winter. Die Zahl der Mitreisenden war also eher enttäuschend, zumal wenn man bedenkt, dass in der ersten Saison noch rund 2.500 Fans mit nach Frankfurt reisten. Damals allerdings auch zum letzten Spiel der Saison, was ja immer noch mal ein ganz eigenes Ereignis ist. Insgesamt fuhren in dieser Saison bisher rund 2.600 Fans mit zu den Auswärtsspielen, rund 1.000 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen.

Randbemerkung 3: Der Umgang mit den Wetterprognosen war schon eher seltsam. 24 Stunden vor dem Spiel gab es diverse Wettermodelle, die für den Zeitpunkt des Anpfiffs der Partie zwischen Frankfurt und Leipzig einen Sturm prognostizierten, der im Extremfall bis hin zu Orkan-Böen hätte gehen können. Dazu gab es mit selbem Tenor eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes. Bis drei Stunden vor dem Spiel war das für beide Vereine keine Meldung oder ein Hinweis wert (RB schrieb lediglich was von Gewittern, wegen denen man früher losfahren soll). Dann erst kam überhaupt ein Polizei-Hinweis, dass der Veranstalter das Wetter im Auge hat. Vor Ort manifestierte sich das darin, dass die Fanmeile und die eigentlich immer nette Waldtribüne abgesagt wurden und ein besonders dicht bewaldeter Weg (um ins Stadion zu gelangen, muss man in jedem Fall durch einen Wald) gesperrt war. Letztlich passierte abgesehen von stärkerem Wind und einem ordentlichen Regen circa 90 Minuten vor dem Spiel nicht viel. Haben die Veranstalter deshalb alles richtig gemacht, weil es im Rückblick gut ging? Persönlich fand ich es ziemlich fahrlässig mit einem ‚lassen wir mal laufen und gucken, was passiert‘ mit der Situation umzugehen. 45.000 Leute zu einem Ort durch einen Wald pilgern zu lassen, während Wetterprognosen vor einem Orkan warnen und eher dazu aufrufen, komplett zu Hause zu bleiben, ist schon vergleichsweise crazy. Wozu gibt der Deutsche Wetterdienst als staatliche Wetterstelle eigentlich amtliche Unwetterwarnungen raus, wenn das auch behördlicherseits eh folgenlos bleibt? Klar, wenn man das Spiel einen Tag vorher abgesagt hätte, hätte man hinterher mit einem ‚war doch gar nicht so schlimm‘ klugscheißen können. Aber das Risiko in Kauf zu nehmen, bei der Anreise von 45.000 Menschen in nicht kontrollierbare Situationen zu kommen (und Orkanböen wären nun mal nicht kontrollierbar gewesen), ist schon eher erstaunlich bis einigermaßen unklug.

Randbemerkung 4: Emil Forsberg und Timo Werner vor dem Elfmeter wieder mal in intensiver Diskussion darüber, wer ausführen darf. Vielleicht kann man das für die Zukunft mal vor dem Spiel festlegen. Dass man jedesmal erstmal diskutiert, wer schießen darf und Werner dann bedröppelt weggeht, kann nicht so richtig im Sinne des Erfinders und im Sinne der Konzentration des Schützen sein.

Randbemerkung 5: In den letzten Wochen war Belastungssteuerung und größtmögliche Frische das permanente Mantra für die Spiele. Nun die Rolle ganz zurück und wieder hin zu einem Stammkader. Und der durfte dann gleich mal fast 90 Minuten auf dem Platz stehen. Erst in der 85. Minute wechselte Rangnick in einem zu dem Zeitpunkt schon ordentlich pumpenden Team erstmals aus. Ohne Extreme geht es offenbar nicht.

Randbemerkung 6: Erstaunlich auch, dass die letzten drei Wechsel allesamt defensiver Natur waren. Drei große Defensivspieler wurden binnen fünf Minuten eingewechselt. Hauptsache groß, Hauptsache hinten dicht. Auch ein guter Fingerzeig, wie wichtig es Rangnick war, zumindest diesen einen Punkt mitzunehmen und wie wenig Vertrauen er darin hatte, vielleicht noch auf einen Dreier zu gehen.

Randbemerkung 7: Gar nicht mit in Frankfurt waren Nordi Mukiele und Jean-Kevin Augustin, die nach ihrem Handy-Gate vom Salzburg-Spiel für eine Partie suspendiert wurden. Über den öffentlichen Pranger kann man als Maßnahme sicher streiten. Dass eine Missachtung von Regeln in der Spielvorbereitung nicht ungestraft bleiben kann, ist allerdings klar. Die Frage ist halt, wie das öffentliche Austragen dieser Maßnahmen bei der Mannschaft ankommt. Wenn die anderen 16 Feldspieler die Bestrafung gerecht und eher als Signal an den größeren Tei der Mannschaft empfinden, dass sie mit ihrer Disziplin auf dem richtigen Weg sind, dann kann das die Mannschaft auch noch mal wachrütteln und zusammenbringen (im besten Fall nordet das so zusammengeschweißte Kollektiv die Abtrünnigen danach ein und nimmt die reuigen Sünder wieder ins Kollektiv auf). Im schlechten Fall findet die halbe Mannschaft die Maßnahmen überzogen, dann führt die Bestrafung eher nicht zum gewünschten Ziel, sondern sorgt eher für längerfristige, mannschaftsinterne Probleme. Wie schon im Podcast letztens erwähnt. Solange die Mannschaft in ganz großen Teilen an Rangnicks Weg (Mentalität, Spiel gegen den Ball, Standards) glaubt, dann kann auch ohne spielkulturelle Highlights eine gute Saison rauskommen und die Bestrafung von Mukiele und Augustin positive Effekte auf das Team haben (ganz egal wie man die Pädagogik als Außenstehender finden mag). Wehe, wenn solche Letzte-Patronen-Maßnahmen und fehlende Ergebnisse den Glauben an Rangnicks Setzen auf Mentalität und Spiel gegen den Ball schwinden lassen. Dann kann da auch schnell mal richtig was kaputt gehen und auseinanderbrechen. Wie Blick auf Bestrafung und Glauben in den Weg des Trainers mannschaftsintern aussehen, können aber nur die Beteiligten wissen. Das wäre von außen zu viel Mutmaßung. Die Führungsspieler, die schon länger im Verein sind, wird Rangnick in jedem Fall hinter sich haben. Alles andere wird man sehen.

Randbemerkung 8: Wie schon gegen Salzburg auch diesmal wieder eine Partie mit geringen Passquoten (68%:75%), weil zwei Mannschaften aufeinandertrafen, die vor allem auf das Spiel gegen den Ball setzten. ‚Hauptsache schnell nach vorn‘ geht da weiter vor ‚wichtig ist, dass der Ball auch ankommt‘. Ist halt letztlich ne Philosophie-Frage, aber als Beobachter macht einen das schnelle Herschenken von Bällen, das den Eindruck eines abwechslungsreichen Spiels vermittelt, aber eigentlich halt eben nur ein Spiel mit häufigen Ballbesitzwechseln ist, manchmal wahnsinnig.

Randbemerkung 9: Damit einher geht dann eben auch (wenn man das Spiel gegen den Ball gut betreibt), dass es bei aller gefühlter Aktivität relativ wenig Torabschlüsse gibt. 8:9 Torschüsse in 90 Minuten sind schon sehr, sehr wenig. Und da wird schon alles gezählt, was nur irgendwie als Versuch Richtung gegnerischem Tor abgegeben (und bspw. abgeblockt) wird.

Randbemerkung 10: Nicht ganz zufällig, dass die sich nicht ganz unähnlichen Teams aus Frankfurt und Leipzig derzeit in der Bundesliga in Sachen verlorener Bälle (also alle Bälle, die man selbstverschuldet abgegeben hat und die einem nicht abgejagt wurden) zusammen mit Leverkusen ganz vorn steht. Ist halt ein Stil Fußball, der Ballverluste billigend in Kauf nimmt.

Randbemerkung 11: Auffällig bleibt beim Spielideewechsel unter Rangnick auch, dass die Zahl der erfolgreichen Dribblings bei RB Leipzig deutlich zurückgegangen ist.  Statt irgendwas bei elf pro Spiel sind es nur noch sechs pro Spiel (in Frankfurt waren es nur drei). Die Idee einen Gegner zu bespielen und aus dem Positionsspiel heraus, Lücken durch Dribblings zu reißen, wurde zugunsten des schnellen Passes in die Spitze aufgegeben.

Randbemerkung 12: Fünftes Spiel zwischen RB Leipzig und Eintracht Frankfurt. Fünftes Spiel ohne Sieg des Auswärtsteams. Eine Niederlage und zwei Unentschieden stehen derzeit in der RB-Bilanz in Frankfurt.  Zu Hause sind es zwei Siege.

Randbemerkung 13: In sechs der acht letzten Spiele lag RB Leipzig in Rückstand. In zwei Fälle gewann man noch (Köln im DFB-Pokal, Luhansk in der Europa-League-Quali). In zwei Fällen spielte man noch Unentschieden (Düsseldorf, Frankfurt). In nur zwei Fällen verlor man dann auch (Dortmund, Salzburg). Ja, es spricht weiter für die Mentalität (trotz der Mukiele-Augustin-Public-Pranger-Geschichte) der Mannschaft, dass man Spiele überdurchschnittlich häufig trotz Rückstand nicht verliert. Dass man überhaupt so häufig in Rückstand gerät, ist allerdings ein Problem, das man in den Griff kriegen muss, weil es nun mal in vielerlei Hinsicht (vor allem auch ein Team, das den Fokus auf Balleroberungen setzt) im Fußball erfolgsversprechender ist, aus einer Führung zu agieren..

Randbemerkung 14: Aktueller Stand in Sachen Standards nach vier Bundesligaspielen. 6:14 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. 0:1 Tore (oder 0:2 wenn man den von Sabitzer ins eigene Tor abgefälschten Freistoß in Dortmund mitzählen will). In Frankfurt waren es 3:1 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen für RB und 0:0 Tore. Nur mal so als Zahlenwerk, weil ja der Fokus diese Saison auch wieder vermehrt auf Standards gelegt werden sollte.

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Lichtblicke:

  • Peter Gulacsi: Viel bekam er nicht auf das Tor, aber wenn dann war es durchaus gefährlich. War mit seinen Paraden mitentscheidend dafür, dass RB Mitte der ersten Halbzeit im Spiel blieb und dass man kurz vor Schluss nicht noch verlor. Sicherer Rückhalt des Teams.
  • Willi Orban: Lassen wir die Geschwindigkeitsprobleme mal außen vor (die auch in Frankfurt in einer Situation zum Tragen kamen, als er auf die Außenbahn rücken musste), war das ein Spiel, in dem Orbans Qualitäten am Mann gut zum Tragen kamen. Gute Zweikampfquote, viele gewonnene Kopfballduelle, viele Klärungen von gefährlichen Eintracht-Offensivaktionen. Ja, Orbans Geschwindigkeit ist immer mal ein Problem, aber als Turm in einer Abwehrschlacht ist der Kapitän mit seinem Stellungsspiel und seiner Zweikampfstärke immer noch eine Waffe.
  • Yussuf Poulsen: Stellvertretend für den Teamauftritt kriegt Poulsen das Fleißbienchen. Warum man Augustin am Donnerstag gegen Salzburg permanent hoch angespielt hat (wo er seine Stärken nicht hat) und nun Poulsen oft flach anspielte (wo er seine Stärken auch nicht zwingend hat), bleibt dabei ein kleines Rätsel. Aber in Sachen Fleiß ist Poulsen ein absolutes Vorbild und damit unter den neuen Rangnick-Mentalitäts-Anforderungen und dem Fokus auf das Spiel gegen den Ball sicherlich auch in den nächsten Spielen gesetzt. Ganz von außen betrachtet, scheint Poulsen auch teamintern als derjenige, der inzwischen am längsten dabei ist, mit seinen Worten und Taten ein stärkeres Gewicht zu kriegen.

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Tore: 1:0 Fernandes (26.), 1:1 Forsberg (54./ HE)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Laimer (90. Konaté), Orban, Upamecano, Saracchi (86. Halstenberg) – Demme, Kampl – Sabitzer, Forsberg (85. Ilsanker) – Poulsen, Werner; Bank: Mvogo, Bruma, Cunha, Majetschak; Nicht im Kader: Klostermann (verletzt), Mukiele, Augustin (beide suspendiert), Müller

Aufstellung Eintracht Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Ndicka – da Costa, de Guzman (73. Allan), Fernandes, Kostic – Gacinovic – Haller, Jovic (69. Rebic)

Schiedsrichter:  Felix Brych (Insgesamt durchaus eine souveräne Spielleitung. Rein aus Stadionsicht gab es ein paar Szenen, bei denen es eher mutig war, auf Weiterspielen zu entscheiden. Poulsen hatte da wenig Glück, mal einen Freistoß zu kriegen, wenn er bearbeitet wurde. Aber auch auf der anderen Seite gab es da zwei, drei Szenen, bei denen Weiterlaufen eher sehr großzügig erschien. Grundsätzlich aber mit einer Linie, die zum Spiel passte und mit der Brych gut durch die Partie kam, was sich auch darin demonstrierte, dass er erst in den letzten Minuten zweimal zu gelb greifen musste. Beim Handelfmeter lag der Schiedsrichter komplett richtig. Gacinovic vor seinem Treffer früh wegen Abseits zurückzupfeifen, nahm Brych die Möglichkeit, die Entscheidung vom Videoassistenten überprüfen zu lassen. Dass das Frankfurter Publikum Richtung Ende ob mancher Brych-Entscheidungen (gerade bei abgepfiffenen Aktionen von Rebic oder nach einem Werner-Faller nach Abraham-Armeinsatz) empört war, darf als fußballtypische Folklore durchgehen (und wurde von übertriebenen Empörtheitsreaktionen von Rebic und Abraham noch angeheizt). Dass schon früh bei einer Entscheidung über einen Einwurf ein lockeres „Fußballmafia DFB“ in den Raum geschmettert wurde, durfte zumindest ein wenig erheitern.)

Gelbe Karten: Abraham | Ilsanker (1.)

Zuschauer: 43.800 (davon 600 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, SGE-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 8 : 9
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 7 : 7
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 48,3% : 51,7%
  • Ballbesitz: 46,2% : 53,8%
  • Passquote: 67,5% : 74,9%
  • Laufstrecke: 111,7 km : 111,4 km
  • Sprints: 225 : 208
  • Intensive Läufe: 699 : 621
  • Fouls: 14 : 8
  • Ecken: 4 : 2
  • Abseits: 5 : 5
  • Meiste Torschüsse: Fernandes, Haller: je 2 – Werner: 4
  • Meiste Torschussvorlagen: Jovic: 2 – Forsberg – 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Hasebe: 80,0% – Orban: 70,4%
  • Meiste Ballkontakte: Hasebe: 68 – Demme: 91
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Fernandes: 86,4% – Forsberg: 92,0%
  • Größte Laufstrecke: Fernandes: 11,5 km – Demme: 11,8 km
  • Meiste Sprints: Gacinovic: 33 – Laimer: 29

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Augustin, Werner – je 2; Forsberg, Poulsen – je 1

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 2; Poulsen, Sabitzer, Demme, Laimer – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Kampl – 3; Saracchi, Forsberg, Mukiele, Ilsanker, Gulacsi, Poulsen – je 2; Demme, Werner, Upamecano, Sabitzer – je 1

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

4 Gedanken zu „Bundesliga: Eintracht Frankfurt vs. RB Leipzg 1:1“

  1. Es fällt mir schwer, das Spiel in den Saisonkontext einzuordnen. Sicher kann man von einem Fortschritt sprechen, wenn man das letzte Spiel gegen Salzburg als Grundlage nimmt. Allerdings stehen aktuell leistungsgerechte 5 Punkte aus 4 Spielen auf dem Konto. Macht knapp über 40 Punkte nach 34 Spielen. Es müssen ganz andere „Reaktionen“ oder Leistungssprünge her, um bei Europa am Ende ein Wort mitzureden. Wo diese herkommen sollen, erschließt sich mir aktuell nicht.

  2. Danke für den super Bericht!
    Mir machen zumindest die 20min nach der Halbzeit Hoffnung auf etwas Spielkultur: Überladung auf links, Durchbrüche durch kurze Kombinationen mit Forsberg-Demme-Kampl-Saracchi-Werner, Laimer gibt rechts Breite, Sabitzer und Poulsen besetzen die Mitte. Mit Halstenberg (statt Saracchi ) und Augustin (statt Werner) wäre das wohl noch effektiver. Das ist zwar etwas ausrechenbar (und funktioniert wohl so auch nur auf links, da man das auf rechts mit Poulsen und Sabitzer nicht so hinbekommen wird), aber bisher der einizige spielerische Lichtblick in den letzten Spielen.
    Aus meiner Sicht war es in der 1.HZ etwas fragwürdig, im zentral-defensiven Mittelfeld auf die beiden kleinen Spieler (Demme, Kampl) zu setzen. Obwohl doch klar gewesen sein müsste, dass viel über lange Bälle auf Heller und anschließende Kopfballablagen gehen wird. Das war ab und an recht riskant, wenn Orban oder Upamecano zum Kopfballduell auf Heller rausrückten und dann in deren Rücken eine Lücke aufging, in die Jovic starten konnte. Das war in der 1.HZ das große Problem, da man die langen Bälle von Trapp oder den IVs auf Heller nicht verhindern konnte. In der 2.HZ war es dann kein Problem mehr, als man höher (und mit 3 Spielern ganz vorn) gepresst hat und damit die präzisen langen Bälle verhindern konnte. Erst als man wieder etwas den Mut verloren hat und nicht mehr hoch pressen konnte/wollte, gabe das dann wieder Gefahr. Deswegen hat RR wohl dann auch Ilsanker und Konate beracht, um die hohen Bälle in den Griff zu bekommen.

  3. Das Spiel war spannend und ich hätte mie auch einen Sieg gewünscht. Aber das 1:1 und ein Punkt ist besser, als nichts Einiges ist verbesserungswürdig, doch da bin ich guter Dinge. Was die Fanbeteiligung der Leipziger betrifft, muss ich sagen, dass trotz Unwetterwarnung und vielleicht sogar Spielabsage viele da waren. Man muss sich schon überlegen, ob man due 500 km hin und zurück fährt bei diesen Wettervoraussagen. Deshalb zieh ich den Hut vor den Fans, die sich trotzdem auf den Weg machten.

  4. RB 11:
    Das finde ich auch sehr auffällig.
    Das war die große Stärke der vergangenen Spielzeiten von RBL sich aus diversen Spielsituationen zu befreien.
    Ja, der schnelle vertikale Pass ist so RB-DNA-Like, aber man braucht viele „Waffen“, um zu Punkten.
    Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Bruma so wenig Spielzeiten bekommt.

    Spannend ist, wie es in Zukunft aussehen wird. Sprich vorne lang zu Poulsen, der die Bälle festmacht oder eher flach zu Jika, der sie auch festmachen kann. Aber es umgedreht zu spielen, wie Du es sagst, ist dann kontraproduktuktiv.

    Sonst selbstredend eine treffende Analyse vom Spiel inkl. Lichtblicke (Gut, hätte da auch Forsberg gesehen)

    Bei Orban bin ich voll bei Dir. Er mag nicht der schnellste sein, aber sein Einfluß, wie man in der letzten Reihe steht und wie man sich zu verhalten hat, da muss der Kapitän gesetzt sein. Gilt für die nächsten Spiele, bis Upa wieder bei 100% ist.

    Brych hat das Spiel auch gut geleitet.
    Ich kann die Aufregung bei FRA beim Abseitstor nicht verstehen. Ja, der LR hat die Fahne zu schnell gehoben, aber als der Pfiff kam hat Pete keine Reaktion mehr gezeigt und der Ball ging in das leere Tor. Also was solls. Ob er Ball reingegangen wäre steht in den Sternen weil Gulacsi nicht mehr eingegriffen hat.

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