Los ziehen (nicht) für Anfänger

Nun, einen Trainer gibt es bei RB Leipzig nicht. Aber wir haben ja immerhin noch die Europa League, äh zumindest die Europa-League-Quali. Von der weiß zwar noch niemand, wie der Verein sie angesichts eines parallelen Trainingslagers angehen wird, aber was soll es.

Egal wie, die Auslosung der ersten Runde der Europa-League-Qualifikation, an der RB Leipzig teilnimmt, steht an. Am Mittwoch (20.06.2018) ab 12 Uhr sollen Lose gezogen werden (bzw. ab 14 Uhr für die zweite Runde). Es dürfte ein mathematisch hochkomplexes Verfahren werden, das zu durchdringen unter Umständen eine Tagesaufgabe sein könnte.

Nun, fangen wir einfach ganz vorn an. 48 Plätze sind für die Gruppenphase der Europa League zu vergeben. Davon sind 17 Plätze schon durch Fix-Starter (aus Deutschland sind das beispielsweise Frankfurt und Leverkusen) weg. Bleiben noch 31, die über Quali-Runden vergeben werden.

Von diesen 31 Plätzen gehen sechs Plätze an Mannschaften, die in den Champions-League-Playoffs (also den Spielen um den Einzug in die CL-Gruppenphase) verloren haben. Weitere vier Plätze gehen an vier Verlierer aus der dritten Runde der Champions-League-Quali (aus dem dortigen Platzierungsweg; also Mannschaften, die nicht Meister in ihren Ländern waren). Da waren es schon nur noch 21 noch zu vergebene Plätze.

Es wird aber noch komplizierter, denn auch für die eigentliche Europa-League-Qualifikation gibt es zwei Wege sich für die Gruppenphase zu qualifizieren, den Champions-Weg und den Haupt-Weg. Der Champions-Weg ist für die Verlierer der frühen Champions-League-Quali-Runden. Im Gegensatz zu den früheren Jahren dürfen alle Teams, die schon in den frühen Champions-League-Quali-Runden ausscheiden, in der Europa-League-Quali auf einem eigenen Weg weitermachen. Früher galt das erst ab der dritten CL-Quali-Runde. Auf diesem Weg spielen 35 in der Champions-League-Quali gescheiterte Klubs gleich acht weitere Teilnehmer an der Europa-League-Gruppenphase aus. Bleiben nur noch 13 zu vergebene Plätze.

Und um diese 13 verbliebenen Plätze balgt sich ein enormes Feld an Vereinen. 143 Vereine bewerben sich, einen dieser 13 Plätze zu belegen, darunter auch RB Leipzig. Acht aus 35 auf dem Champions-Weg, 13 aus 143 auf dem Haupt-Weg. Tja..

Los geht die Europa-League-Quali bereits mit einer Vorqualifikation am 28.06. und 05.07. Daran sind 14 Vereine beteiligt, die quasi erst mal sieben Vertreter ausspielen müssen, damit die folgenden Quali-Runden auch rechnerisch aufgehen und am Ende 13 Plätze für die Gruppenphase rauskommen (wir sprechen jetzt hier in der Folge nur noch über den Haupt-Weg der Europa-League-Quali, an dem auch Leipzig teilnimmt). Das werden jetzt nicht gerade All-Time-Classics. Da spielen dann Teams aus Gibraltar und dem Kosovo oder San Marino gegeneinander. Wohlgemerkt nicht die Meister der Länder.

Die sieben Sieger dieser Runde gehen dann in die zweite Runde, die die formal erste Europa-League-Qualifikationsrunde ist. An der nehmen dann insgesamt 94 Mannschaften teil (also stoßen 87 Mannschaften neu zum Wettbewerb hinzu), die entsprechend 47 Hin- und Rückspiele absolvieren. In dieser Runde beginnt es dann schon ein wenig namhafter zu werden. Da sind Mannschaften wie der FC Kopenhagen, Partizan Belgrad oder Maccabi Tel Aviv dabei. Die erste Europa-League-Qualirunde wird auch am morgigen Mittwoch ausgelost. Logischerweise noch vor der zweiten Quali-Runde.

An der zweiten Runde nimmt dann RB Leipzig teil. Zusammen mit 73 anderen Teams, also den 47 Gewinnern der ersten Qualirunde plus (inklusive RB) 27 weiteren, neu dazukommenden Mannschaften. Das Losverfahren ist dabei das bekannte, dass gesetzte Teams und ungesetzte Teams aufeinandertreffen. Im Gegensatz zu den Vorjahren zählen dabei aber nur die jeweiligen Klubkoeffizienten. In der Vergangenheit bestand der zu Teilen aus den Punkten des jeweiligen Landesverbandes (für RB vorteilhaft, weil man aus Deutschland kommt), ab dieser Saison zählen nur noch die Punkte, die die Vereine selbst in den letzten fünf Jahren in Europa einsammelten (bzw. alternativ der Koeffizient des Landesverbandes, wenn der höher ist). Durch die gute europäische Vorsaison hat RB aber sowieso bereits einige Punkte gesammelt (ein paar mehr als man durch den deutschen Koeffizienten hätte) und ist mindestens bis zur dritten Qualifikationsrunde gesetzt.

Aber zurück zur zweiten Qualifikationsrunde. RB Leipzig gehört in dieser also zu den gesetzten Teams. Entsprechend kann man nicht auf andere gesetzte Teams wie den FC Sevilla oder Besiktas Istanbul treffen. Der Witz ist, dass man nach der Auslosung auch noch nicht wissen wird, gegen wen man spielt, weil die vorherigen Qualirunden noch gar nicht gespielt wurden. Auf den Losen, die RB zieht, stehen entsprechend wahrscheinlich Partien aus der ersten Qualirunde, zum Beispiel ‚Gewinner der Partie AIK Solna gegen Honved Budapest‘ (das ist nur eine mögliche Beispielpaarung).

Ganz verrückt käme es, wenn man ein Los erwischt, auf dem als zweiter Gegner eine Partie aus der auch noch nicht gespielten Vorqualifikation steht, zum Beispiel: ‚Gewinnner der Partie AIK Solna gegen den Gewinner aus Europa FC gegen FC Pristina‘. Könnte also sein, dass nach der Auslosung am Mittwoch RB Leipzig drei Klubs als mögliche Gegner hat. (Was für Auswärtsfahrer zur Folge hat, dass es wahrscheinlich ist, dass man erst nach Austragung der ersten Quali-Runde am 16.07. wissen wird, wohin man eine oder zwei Wochen später in der zweiten Quali-Runde fahren darf.)

Im Topf der ungesetzten Teams der zweiten Qualirunde liegen mit Hapoel Haifa (Israel), AEK Lanarka (Zypern), Bialystok (Polen), Aberdeen (Schottland), Djurgardens IF (Schweden), Brest (Weißrussland) und Lilleström (Norwegen) aber auch sieben Lose, auf denen nur ein Name steht. Da würde die Sache sicherlich vereinfachen.

Machen wir es aber lieber noch eine Spur komplizierter. Denn dadurch, dass die erste Quali-Runde und auch die Vorquali zum Zeitpunkt der Auslosung der zweiten Runde noch gar nicht gespielt ist, ist ja die Setzliste völlig ungeklärt. Also, wie soll man herausfinden, wer ein ungesetztes und gesetztes Team ist, wenn noch nicht mal alle Teilnehmer geklärt sind und man entsprechend auch keine Rang- und Setzliste bilden kann? Die Lösung besteht darin, dass der Koeffizient an den Partien der ersten Quali-Runde hängt. Sprich, AIK Solna (gesetzt) und Honved Budapest (ungesetzt) gehen für die zweite Runde mit demselben Koeffizienten, nämlich dem von Solna in die Auslosung, egal ob die Schweden oder die Ungarn weiterkommen.

Entsprechend hängt es erstmal von der Auslosung der ersten Runde ab, welche Gegner überhaupt als Gegner von RB Leipzig theoretisch infrage kommen. Es scheiden alle Mannschaften aus, die vom Koeffizienten her in der zweiten Quali-Runde gesetzt werden plus deren jeweilige Konkurrenten aus der ersten Quali-Runde, selbst wenn deren UEFA-Koeffizient extrem niedrig ist. Sprich, sollte der SP Tre Fiore aus San Marino sich in Vor-Quali und erster Quali-Runde durchsetzen, wäre er in der zweiten Runde unter Umständen ein gesetztes Team, auch wenn der eigenen Koeffizient der schlechteste aller an der EL teilnehmenden Mannschaften ist, weil der Gegner aus der ersten Runde einen so guten Koeffizienten hatte. Alles klar?^^

Zweite Runde der Europa-League-Qualifikation. Das klingt nach Neftci Baku oder FK Ventspils oder Rabotnicki Skopje. Das ist an exotischen Losen oder unangenehmen Reisewegen auch alles möglich. Genausogut kann es aber auch bereits ein namhaftes Los wie die Glasgow Rangers werden, die nach ihrem Wiederaufstieg nach oben noch nicht so viele Punkte in Europa gesammelt haben, um schon gesetzt zu sein. Ein israelisches Team wie Beitar Jerusalem wäre sicher auch unangenehm. Genau wie eines der oben erwähnten Lose, auf denen nur ein Name steht.

Letztlich ist das Verfahren und wie es umgesetzt wird ordentlich kompliziert. Und die Liste der möglichen Gegner ist extrem umfangreich. Vielleicht ist es einfacher, sich die Auslosung (bei der vermutlich zur Vermeidung von regionalen Duellen (wie zwischen russischen und ukrainischen) noch ein paar Beschränkungen und Verkomplizierungen hinzu kommen) in Ruhe anzuschauen und dann schlicht zu schauen, was auf dem Los drausteht, das RB Leipzig zieht und ob es ein Name ist oder zwei Namen oder gar drei sind.

[Update: Vor der Auslosung werden die insgesamt 74 Mannschaften noch in je sieben Gruppen aufgeteilt. Nach welchen Kriterien die Mannschaften den Gruppen zugelost werden, bleibt unklar. Beschränkungen nach Landesverbandsfaktoren (keine Teams aus Landesverbänden gegeneinander usw.) dürften da eine Rolle spielen. Nach regionalen Gesichtspunkten sind die Gruppen aber nicht zusammengestellt. Mit welchen anderen Teams RB Leipzig zusammen in einer Gruppe ist und wer also überhaupt nur als Gegner in Frage kommt, steht schon vor der Auslosung fest und wird nach der Auslosung der ersten Runde ermittelt und bekanntgegeben.]

Fakt ist, dass die zweite Europa-League-Quali-Runde, an der dann RB Leipzig teilnimmt, am 26.07. und 02.08.2018 gespielt wird und dass die dritte Runde schon drei Tage vor dem Hinspiel dieser Runde, aber immerhin nach den Spielen der ersten Runde, ausgelost wird. Dann geht das ganze Prozedre also von vorn los und RB liegt noch mal im Lostopf, ohne dass man weiß, ob sich das Team von welchem Trainer auch immer überhaupt für die Runde qualifizieren wird.

Für die Europa League wird RB Leipzig genau wie letzte Saison für die Champions League wieder einen Kader melden müssen. Der Termin für die Meldung ist der 20. Juli. Abweichend von dieser Meldefrist kann man bis 24 Uhr des Tages vor dem Hinspiel noch zwei Spieler nachmelden, wenn diese denn eine Spielberechtigung für den nationalen Wettbewerb nachweisen können. Nicht unwichtig inmitten der Transferphase für eventuelle Neuverpflichtungen.

Dabei muss man auch wieder wie im Vorjahr die Erfordernisse bei der Kaderzusammensetzung beachten. Wie in der Champions League kann man auf einer B-Liste unbegrenzt Spieler melden, die Jahrgang 1997 (also 20 oder 21) oder jünger sind und seit ihrem 15. Geburtstag für mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre für den Verein gespielt haben. Also Nachwuchsspieler. Letzte Saison stand Lukas Klostermann für die Champions League noch auf dieser Liste. Das geht diese Saison nicht mehr, weil er zu alt ist. Aus dem eigentlichen Profikader wird man keine Spieler auf dieser Liste unterbringen können (wenn man Abouchabaka mal nicht zum Profikader zählt), weil keiner die erforderlichen Kriterien erfüllt.

Auf der A-Liste, also der eigentlichen Kaderliste, dürften 25 Spieler stehen. Mindestens zwei müssen Torhüter sein. Acht Plätze gehen an lokal ausgebildete Spieler. Vier davon müssen im deutschen Landesverband zwischen 15 und 21 für drei Jahre ausgebildet worden sein. Spieler wie Orban, Klostermann, Demme, Halstenberg, Kampl oder Werner erfüllen diese Regel. Vier weitere Spieler müssen zwischen 15 und 21 für drei Jahre im eigenen Verein ausgebildet worden sein. Da wird man wie letzte Saison wieder pro forma Nachwuchsspieler nominieren (oder die Plätze ganz freilassen und entsprechend weniger Spieler nominieren, das geht bei der UEFA auch).

Egal wie, die Plätze von vier von im eigenen Verein ausgebildeten Spielern (einen könnte Abouchabaka kriegen) gehen eher pro forma weg und nehmen den Profis Plätze weg. Zieht man die Torhüter noch mit ab, dann bleiben noch maximal 19 Plätze für RB-Feldspieler, die man für die jeweiligen Europa-League-Phasen melden kann. Falls man in die Gruppenphase der Europa League einzieht, wird da vermutlich wieder jemand hinten runter fallen. Gut ist, dass man für jede Quali-Runde und die Gruppenphase den Kader neu zusammenstellen kann.

Geld gibt es in der Europa League auch zu verdienen. Nicht richtig viel, aber ein paar Euro gibt es. Allein für die Teilnahme an der zweiten Quali-Runde gibt es 260.000 Euro. Für die dritte Runde gibt es noch mal 280.000. Für das Erreichen der Gruppenphase gibt es allein knapp 3 Millionen Euro plus 570.000 Euro für jeden Sieg bzw. 190.000 für jedes Unentschieden.

Gespielt werden müssen die Heimspiele übrigens alle im selben Stadion. Wechsel des  Stadions sind eigentlich nicht vorgesehen und wenn dann nur innerhalb der Grenzen des Landesverbandes, in dem man spielt. Nur falls jemand auf die Idee kommt, RB Leipzig spielt ein Europa-League-Quali-Spiel der Einfachheit halber gleich im Rahmen des Trainingslagers in Österreich.

Auf eine Auflistung der insgesamt 91 möglichen Gegner von RB Leipzig in der zweiten Runde der Europa-League-Qualifikation sei an dieser Stelle verzichtet. Das würde den sowieso schon etwas entrückten Rahmen deutlich sprengen. Wer sich selbst ein bisschen durcharbeiten will, findet bei der UEFA eine entsprechende, nach dem Einstieg in die jeweiligen Runde geordnete Liste. Als potenzielle Gegner kommen alle Mannschaften aus der ‚Preliminary round‘ plus alle Mannschaften aus der ersten und zweiten Quali-Runde mit einem schlechteren Koeffizienten als 5,0 in Frage. Wer die Hälfte der entsprechenden Teams zumindest schon mal gehört hat, kriegt einen kleinen Nerdpreis. (Recht angenehm übersichtlich zum Thema Europa League ist die entsprechende Wiki-Seite für die aktuelle Saison).

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Termine rund um die Europa League

  • 20.06.2018: Auslosung erste und zweite Runde Europa-League-Quali
  • 28.06./05.07.2018: Vorqualifikation Europa-League-Quali
  • 12.07./19.07.2018: erste Runde Europa-League-Quali
  • 23.07.2018: Auslosung dritte Runde Europa-League-Quali
  • 26.07./02.08.2018: zweite Runde Europa-League-Quali (Einstieg von RBL)
  • 06.08.2018: Auslosung Playoff-Spiele
  • 09.08./16.08.2018: dritte Runde Europa-League-Quali
  • 23.08./30.08.2018: Playoffs Europa-League-Quali
  • 31.08.2018: Auslosung Gruppenphase Europa-League-Quali
  • ab 20.09.2018: Gruppenphase Europa-League-Quali

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Ob Yussuf Poulsen auch künftig häufig für Langstreckenflüge eincheckt, entscheidet sich in der Europa-League-Qualifikation. | GEPA Pictures - Felix Roittner
GEPA Pictures – Felix Roittner

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2 Gedanken zu „Los ziehen (nicht) für Anfänger“

  1. Ü-ber-ra-gend!
    Einer Deiner Besten Blögge!
    Ich werde gleich ein paar mal F5 drücken, damit er „nach oben“ kommt. ;-)

    Gibt es für die Auslosung wirklich eine Übertragung?

    Und ich habe gerade mal mir die Wiki-Seite angeschaut, ein Wahnsinn, was da auf einen zukommen kann.

    1. Da selbst die Auslosung der Vor-Quali übertragen wurde, gehe ich mal davon aus, dass es auch von dieser Runde einen Stream auf der UEFA-Seite gibt. Nur mit der Uhrzeit bin ich unschlüssig. Könnte auch Nachmittag werden, wenn ich sehe, dass der Champions-Path für die Europa-League-Quali, der heute schon ausgelost wird, erst 16 Uhr dran ist.

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