Seltsames Team

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor dem Bundesliga-Spiel von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg (05.05.2018, 15.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Ralph Hasenhüttl und Dominik Kaiser.]

Zielgerade. Vorletzter Spieltag in der Bundesliga. Für RB Leipzig geht es darum, mindestens Platz 6 zu verteidigen, um sich die Chance zu wahren, in die Gruppenphase der Europa League einzuziehen. Von hinten muss man noch Teams wie Frankfurt, Mönchengladbach, Stuttgart oder Hertha fürchten. Nach vorn geht Richtung Hoffenheim und Leverkusen nicht mehr viel.

Theoretisch ist noch ein Saisonergebnis zwischen Platz 4 und 11 drin. Praktisch wird es am Ende vermutlich irgendwas zwischen Platz 6 und 8. Für Platz sechs dürfte man wohl noch mindestens vier Punkte brauchen. Ein Sieg gegen Wolfsburg wäre da sehr hilfreich. Da Hertha gegen Leipzig am kommenden Wochenende das einzige noch übrig gebliebene Duell zwischen Mannschaften auf den aktuellen Plätzen 6 bis 11 (also die Europa-League-Kandidaten) in dieser Saison ist, kann es bei null Punkten aus zwei Spielen für RB tatsächlich auch noch sehr weit runter gehen, weil sich die Konkurrenz nicht gegenseitig die Punkte klaut.

Die Probleme von RB Leipzig im Saisonendspurt sind trotz aller Frustration vergleichsweise gering, wenn man das mit dem VfL Wolfsburg vergleicht, die am Samstag bereits zum vierten Mal in Leipzig gastieren und derzeit mit zwei Siegen und einer Niederlage eine positive Bilanz in der Red Bull Arena aufweisen. Der letzte RB-Sieg in Leipzig gegen Wolfsburg war das 3:2 im DFB-Pokal noch unter Pacult im Juli 2011. Ist lange her.

Ein weiteres Erfolgserlebnis in Leipzig würde dem VfL Wolfsburg sehr gut tun. Denn die Mannschaft steckt nach der 1:3-Pleite gegen den HSV letzte Woche ganz tief im Abstiegsschlamassel. Nur noch zwei Punkte hat man auf die Hamburger Vorsprung. Nach oben wird es bei drei Punkten Rückstand auf Mainz und Freiburg schon schwer, den Relegationsrang 16 noch zu verlassen.

Alle Kräfte werden beim VfL nun gebündelt, um den drohenden Abstieg zu vermeiden. In Vorbereitung auf die Partie bei RB hat man sich zu einem Trainingslager in Thüringen versammelt. Mit Volkswagen-Vorstand Frank Witter hat man einen neuen Aufsichtsratschef beim VfL Wolfsburg eingesetzt, der sogleich damit angefangen hat, das Team auf die anstehenden Aufgaben einzuschwören. Mit Olaf Rebbe musste derweil der Sportdirektor gehen, der für die Krise im Verein (so wie viele andere vor ihm) direkt mitverantwortlich gemacht wurde. Beim VfL Wolfsburg herrscht mal wieder Auf- und Umbruchstimmung. Wenn da nicht der drohende Abstieg wäre.

Die sportliche Situation ist für Außenstehende eigentlich nicht zu verstehen. Noch vor drei Jahren war man so etwas wie der Bayern-Jäger und wurde Vize-Meister. Nun spielt man zum zweiten Mal in Folge mit einer teuren und qualitativ vergleichweise hochwertigen Mannschaft gegen den Abstieg. Letzte Saison rettete man sich in der Relegation. Für die aktuelle Spielzeit würde man ein solches Ergebnis wahrscheinlich derzeit sofort unterschreiben.

Vermutlich ein Teil der Entwicklung ist auch die extreme Unruhe auf dem Posten des Trainers. Seitdem Dieter Hecking vor gerade mal eineinhalb Jahren nach einer Niederlage gegen RB Leipzig gehen musste, ist Bruno Labbadia schon der vierte Übungsleiter, der sich darin versucht, das leckende VfL-Boot auf Kurs zu bringen. Im Vergleich mit Ismael, Jonker und Schmidt ist er derzeit der punktschlechteste der Übungsleiter.

Gravierender allerdings, dass die sportliche Leitung kaum ein Konzept zu haben scheint, welchen Typ Trainer man auf dem Chefsessel haben will. Viele Gemeinsamkeiten zwischen Ballbesitz-Jonker und Defensiv-Labbadia gibt es jedenfalls nicht. Eine nachhaltige Strategie, was für eine Spielphilosophie man sich für einen daraufhin ausgelegten Kader wünscht, kann man angesichts dessen jedenfalls nicht entdecken.

Nach dem 23. Spieltag und einer 1:2-Niederlage gegen Bayern war Martin Schmidt in Wolfsburg zurückgetreten, um den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. Man konnte das durchaus auch als Einschätzung interpretieren, dass der VfL genaugenommen untrainierbar ist. Fünf Punkte aus sechs Spielen in der Rückrunde und ein Pokal-Aus standen zu diesem Zeitpunkt auf dem 2018er Zettel von Schmidt und Wolfsburg.

Schmidt war als Trainer so etwas wie der Versuch, in die Mannschaft Mentalität und Zug hineinzubekommen und sie von der Motivationsseite her zusammenzuschweißen. Etwas, was der Schweizer in Mainz gerade in der letzten Abstiegskampfsaison mit viel Kampf um die zweiten Bälle gut hinbekommen hatte. Aber so richtig war der Kader darauf nicht eingestellt. Dass danach mit Labbadia noch mal einer kommt, der in dieser Saisonphase eher über Mentalität und ‚alles raushauen‘ arbeitet, statt dem Team einen aktiven Spielplan einzuimpfen, durfte etwas erstaunen, nachdem Schmidt genau mit dem Plan gescheitert war.

Entsprechend schaut man ein wenig verwundert auf den VfL Wolfsburg, der unter Labbadia sehr destruktiv und mit großem Defensivfokus auftritt. Das ging zwischendurch bei vier Spielen mit nur einem Gegentor auch ganz gut. Brach dann aber wieder in sich zusammen, als man in Mönchengladbach den defensiven Fokus mit einigen individuellen Fehlern komplett torpedierte. Ein bisschen hat man beim VfL gerade angesichts des Auftretens im jüngsten Spiel gegen den HSV den Eindruck, dass man versucht sich einfach über die Runden zu retten. Sprich, man versucht sich den Nichtabstieg nicht aktiv zu erspielen, sondern versucht, dem Abstieg durch reaktiven Fußball und das Hoffen auf eine noch schwächere Konkurrenz zu entgehen. Sechs Punkte in neun Spielen unter Labbadia weisen nicht darauf hin, dass das Konzept, den Abstiegskampf quasi auszusitzen, auch hinhaut.

Teil der Probleme beim VfL Wolfsburg ist natürlich auch die Kaderzusammenstellung. Mit Origi und Dimata hat man eigentlich zwei extrem talentierte Stürmer, aber der Abgang von Mario Gomez in der Sturmmitte hat trotzdem ein Vakuum hinterlassen, das niemand ausfüllen kann. Zehn Tore in 15 Rückrundenspielen sind der schlechteste Wert der Liga. Wobei auch hier gilt, dass das eng mit dem Problem einer fehlenden Spielidee zu tun hat. Zuzugucken, wie sich Dimata und Origi in der Sturmzentrale oft ohne Hilfe gegen zwei, drei Gegenspieler durchsetzen sollen, kann beim geneigten Fußballfan durchaus für körperliche Schmerzen sorgen.

Kadertechnisch ist Wolfsburg trotz des Gomez-Abgangs eigentlich auf allen Positionen sehr gut aufgestellt. Mit Casteels hat man einen Keeper, der im Kerngebiet des Torwartspiels, dem Halten von Torschüssen, zu den absolut besten Keepern der Liga gehört. Was angesichts von Platz 16, den sein Verein inne hat, ein wenig untergeht.

Mit Brooks, Tisserand, Knoche, Bruma und Uduokhai hat man fünf verschiedene Innenverteidiger mit teils gutem bis sehr gutem Bundesliga-Niveau. Die Außenverteidigerpositionen sind mit Verhaeg/ Jung rechts und William/ Itter links ein wenig Problempositionen, aber auch nicht schlecht besetzt, wenn nicht William gerade wieder einen sehr fehleranfälligen Tag erwischt hat.

Camacho, Guilavogui, Bazoer ist im zentral-defensiven Mittelfeld einfach sehr gut und hätte viel sportliche Perspektive, wenn die drei in Form sind und wissen, was sie zu machen haben. Sehr gute Mischung aus Physis und Spielübersicht. Im offensiveren Mittelfeld hat man mit Arnold, Malli, Didavi, Steffen, Blaszczykowski und einigen mehr eine gute Auswahl an Spielern für verschiedenste Positionen. Malli und Didavi zusammen spielen zu lassen, funktioniert aber nur selten und genausowenig, wie sie an der Außenlinie zu verstecken.

Im Sturm hat man schließlich neben Origi und Dimata mit Brekalo und Mehmedi auch noch Optionen, die nicht nur Qualität in der Mitte, sondern auch auf den Außenbahnen mitbringen (wobei Geschwindigkeit und Offensivstärke auf den Außenpositionen generell nicht unbedingt herausragende Kadermerkmale sind).

Es ist ein Kader, dem man vom Potenzial auf jeden Fall Platz 6 oder besser zutrauen würde, der aber im Saisonverlauf immer weiter in sich zusammengefallen ist. Eine Verfallsgeschichte, die von drei Trainern nicht aufgehalten wurde. Eine Verfallsgeschichte auch, die immer wieder von einigen Ausfällen und Verletzungen begünstigt wurde. Wenn Spieler wie vor allem Camacho oder auch Mehmedi längere Zeit ausfallen, dann tut das gerade in einer Phase weh, in der man Stabilität bräuchte.

Dass der Verein nicht allzu viel Stabilität hat, zeigt sich auch darin, dass er als einziges Team der Liga noch nicht nach Rückstand gewinnen konnte. Immerhin fünf Unentschieden holte man noch nach Rückstand. Immerhin nur 17mal lag man überhaupt in Rückstand, bei gleich neun Bundesligisten war das häufiger der Fall.

Auf der anderen Seite verspielt Wolfsburg so viele Führungen wie keine andere Mannschaft. In 14 Spielen lag man in Führung, nur fünfmal ging man dabei als Sieger vom Platz. In gleich neun dieser Spiele gab man noch Punkte ab. 64% aller Führungen hat Wolfsburg verspielt. Das ist noch mal deutlich mehr als beim 1. FC Köln, die 58% ihrer Führungen verspielten, während der Rest der Liga teils deutlich unter 50% liegt. Das alles verweist darauf, dass Wolfsburg als Team nicht funktioniert und bei Gegenwind auch gern mal auseinanderfällt. Im Abstiegskampf eher ungünstig.

Es ist ein seltsames Team, das der VfL Wolfsburg da hat. So viel ungenutztes Potenzial gibt es bei keiner anderen Mannschaft der Liga. Mit Spielern der Kategorie Malli, Didavi, Arnold, Mehmedi, Origi, Dimata in der Rückrunde das mit Abstand schlechteste Offensivteam der Liga zu sein, muss man auch erst mal hinkriegen, verweist aber auch auf die These von oben, dass der Mannschaft neben einigem anderen eine passende Spielstruktur fehlt, die aus den Einzelteilen irgendetwas bastelt, was auch zusammen funktioniert. Da diese Spielstruktur fehlt, muss der VfL in der aktuellen Verfassung darauf hoffen, dass irgendwer da vorn schon mal einen genialen Moment haben und man dann nicht absteigen wird.

Wie das aber so mit ungenutztem Potenzial ist, besteht auch immer die Möglichkeit, dass es sich dann doch mal überraschend auf dem Platz umsetzt. Solange Wolfsburg defensiv so stabil bleibt wie in der Vier-Spiele-Serie mit nur einem Gegentor (gegen Schalke, Hertha, Freiburg und Augsburg), braucht man offensiv auch nicht mehr allzu viel, um auch mal Punkte mitzunehmen. Zumal man mit RB Leipzig einen Gegner vor der Brust hat, der in den letzten fünf Bundesliga-Spielen im Schnitt drei Tore kassierte.

Aus RB-Sicht ist klar, dass man aus dieser Defensivkrise der letzten Wochen zwingend raus muss. Mit der Mischung aus individuellen Fehlern, schlechtem Umschaltverhalten und Pech gewinnt man auch in den letzten beiden Spielen nichts mehr. Nicht gerade entgegen kommt den RasenBallsportlern da, dass die Ausfallsorgen zuletzt immer größer wurden. Halstenberg und Sabitzer verletzt. Keita, Orban und Forsberg gesperrt. Für Laimer könnte die Partie gegen Wolfsburg noch zu früh kommen. Die Zahl der einsatzfähigen Feldspieler aus dem Profibereich würde sich so auf 14, 15 reduzieren. Das wäre dann auch mal die Chance für Nachwuchsspieler wie Niclas Stierlin, der zuletzt schon mit nach Mainz reiste (ohne im Kader zustehen) und sich dort erstaunlicherweise nach der Niederlage in erster Reihe den Frust der Fans anhörte, während sich andere Profis dahinter versteckten.

Große Chancen auf die Startelf hat allerdings wohl eher kein Nachwuchsspieler. Entsprechend wird sich die Startformation vermutlich aus den 14, 15 zur Verfügung stehenden Spielern zusammenpuzzeln. Da Schmitz in dieser Saison fast nie eine Option war, verbleiben sogar nur noch 13, 14 realistische Optionen. Fraglich dabei neben dem Fitnessstand bei Laimer nur, ob Bernardo wieder in die Mannschaft zurückkehrt, ob Kaiser eine Chance bekommt (was vor allem im 4-2-2-2 eine Option wäre) und ob Poulsen in den Sturm rückt oder doch eher Augustin.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Gulacsi – Ilsanker (Laimer), Konaté, Upamecano, Klostermann (Bernardo) – Kampl, Demme – Lookman (Kaiser), Bruma (Kaiser) – Augustin (Poulsen), Werner
  • VfL Wolfsburg: Casteels – William (Blaszczykowski), Knoche, Uduokhai (Brooks), Steffen (William) – Bazoer, Guilavogui – Didavi (Steffen), Arnold, Malli (Steffen) – Origi (Dimata)

Fazit: RB Leipzig braucht einen Sieg. Der VfL Wolfsburg braucht einen Sieg. Ein bisschen stehen die Vorzeigen so wie letzte Woche bei der Partie in Mainz, nur dass der allgemeine Zusammenhalt beim VfL bei weitem nicht so ausgeprägt ist wie beim FSV. Zwei Dinge dürften über den Ausgang der Partie entscheiden. Einerseits die Frage, inwieweit RB Leipzig die massiven Defensivprobleme der letzten Wochen in den Griff bekommt. Andererseits die Frage, ob Wolfsburg in Leipzig nicht nur Potenzial mitbringt, sondern die individuellen Qualitäten als Mannschaftsleistung nach drei Tagen im Trainingslager auch auf dem Platz zu sehen sind.

[Wer das Spiel von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg nicht vor Ort verfolgen kann und am 05.05.2018, ab 15.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live natürlich bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg

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Ralph Hasenhüttl. Foto: GEPA Pictures - Andreas Pranter.
Foto: GEPA Pictures – Andreas Pranter

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Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel von RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg. Mit Ralph Hasenhüttl und Dominik Kaiser.

14.00

Dominik Kaiser: „Wird ein besonderes Spiel. Letztes Heimspiel für RB für mich. Viele tolle Momente erlebt dort. Wichtiger noch, dass es für die Mannschaft ein sehr wichtiges Spiel ist. Meine Gefühle sind da zweitrangig. Wollen gewinnen, um eine gute Saison richtig gut zu beenden.

14.01

Ralph Hasenhüttl: Konrad Laimer wieder dabei. Noch unklar, ob es für Samstag reicht. „Belastung im Training bisher gut verkraftet.“ Orban, Forsberg, Keita gesperrt. Halstenberg, Sabitzer nicht dabei. „Reicht an Ausfällen.“

14.02

Hasenhüttl: „Spreche nach jedem Spiel zu meiner Mannschaft. Mal emotionaler, mal kürzer. Nach Mainz noch mal versucht, alle mitzunehmen. Nicht einfache Situation nach der Niederlage. Haben uns nicht gut gefühlt. Mussten schnell die Köpfe wieder hochnehmen, um gegen Wolfsburg wichtige Punkte zu holen. Mit den Worten einen richtigen Punkt getroffen. Jungs haben im Training eine Reaktion gezeigt. Das wollte ich sehen. Aber wichtig ist am Samstag. Gegner kämpft ums Überleben. Wir kämpfen um die Vorentscheidung im Kampf um einen internationalen Wettbewerb. Verabschieden uns von den Fans nach einem Jahr mit vielen Höhen und einigen nicht so schönen Momenten. Das hat uns zusammengeschweißt. Begleitung der Fans hat es uns leichter gemacht, durch manche Täler zu gehen. Müssen uns alles abverlangen, um uns ordentlich zu verabschieden. Will, dass wir dieses Jahr noch irgendwas zu feiern haben.“

Hasenhüttl: „Man hat in Mainz am Anfang gemerkt, dass der Gegner verunsichert ist. Chancen auf dem Silbertablett präsentiert. Haben wir nur nichts draus gemacht. Diese Unsicherheit muss man ausnutzen. Wissen, dass auch wir nicht bis zur letzten Rille mit Selbstvertrauen vollgestopft sind, aber Selbstvertrauen kann man sich in jedem Spiel holen, indem man Bälle gewinnt oder sich Chancen erarbeitet und mit Toren belohnt.“

14.07

Hasenhüttl: „Wir haben an vielen Dingen gearbeitet und vor allem die Arbeit gegen den Ball. An Basics geschraubt und Standards thematisiert. Wollen den Bock umstoßen und drei Punkte holen. Agieren phasenweise gut als Team, aber lassen nach Rückschlägen sehr schnell die Widerstandskraft vermissen. Man muss an den Plan glauben und ihn weiter verfolgen und die Mentalität mitbringen, um sich zu wehren. Zu Hause haben wir auch die Zuschauer im Rücken.“

Kaiser: „Haben uns zuletzt zu sehr von unserem Weg abbringen lassen. Haben jetzt zwei Möglichkeiten, es besser zu machen. Weiter dran glauben, dass wir eine richtig gute Truppe haben. Individuell und als Team gute Qualität. Mache mir keine Sorgen, dass wir das am Samstag nicht zeigen. Haben uns in der Mannschaft natürlich zusammengesetzt und besprochen. Kommt aber darauf an, was auf dem Platz ist. Hilft nicht, nur zu reden. In kniffligen Momenten muss man stabil bleiben. Müssen uns wehren. Haben noch zwei Möglichkeiten. Vor allem im Heimspiel müssen wir es besser machen.“

14.10

Hasenhüttl: „Flut der Gegentore muss man differenziert betrachten. Waren auch Standardgegentore dabei, aber das ist ja auch Ausdruck einer bestimmten Haltung. Anzahl der Torschüsse der Gegner ist deutlich nach oben gegangen. Hat was mit Rückwärtsbewegung zu tun und auch mit Bereitschaft und Mentalität, die Wege zuerst nach hinten zu tun. Nach hinten zu verteidigen, hat immer nur für eine gewisse Zeit funktioniert. Nach Gegentoren ist das immer weniger geworden. Gehört Wille dazu, den Weg noch mal zu machen, der extrem wehtut. In der Europa League fiel es uns leichter als in der Liga, außer es ging gegen die Bayern. Marseille-Rückspiel war ein Knackpunkt, bei dem was gestorben ist, in Sachen Bereitschaft, nach hinten zu verteidigen. Intensives Spiel verloren in Marseille. Mit dem Ausscheiden aus der Europa League ist mental ein kleiner Bruch entstanden. Mit einigen Spielern Einzelgespräche geführt Spieler haben eine gewisse Leere verspürt. Keine Erfolgserlebnisse gehabt, um die Leere zu vertreiben. Brauchen mal wieder einen Sieg. Brauchen am Samstag eine riesige Energieleistung. Dessen wird sich die Mannschaft stellen. Gemeinsam mit den Zuschauern bis zur letzten Minute versuchen, den Sieg zu landen.“ Will nicht sagen, mit wem die Einzelgespräche geführt wurden. Timo Werner war nicht dabei. „Werden keine weiße Flagge hissen, sondern mit dem Personal das Maximum rausholen. Maximum sind sechs Punkte und jetzt wollen wir erstmal das eine Spiel gewinnen.“

14.15

Hasenhüttl: Zwei Jugendspieler werden im Kader stehen. Wer es ist, ist noch nicht 100% klar. Wahrscheinlich Niclas Stierlin und Kilian Ludewig. „Möglich, dass einer davon spielen wird.“

„Europa League war was neues für uns. Timo Werner hat sein 50. Pflichtspiel. So viel hat er noch nie gehabt. Aber irgendwann muss man die Erfahrung machen. War wichtig für unsere Entwicklung und um international auf uns aufmerksam zu machen. Wenn wir es noch mal schaffen, uns international zu qualifizieren, dann kann man die Leistung nicht hoch genug einschätzen. Erkenntnis gewonnen, dass wir nicht immer alle drei Tage den Powerfußball spielen können, für den wir stehen. Auch wenn wir es wollen. Wichtiges Jahr für uns. Jetzt noch gut beenden.“

„In Deutschland nur eine Mannschaft, die breit genug aufgestellt ist für Doppelbelastung, das sind die Bayern. War lange möglich für uns auch trotz Doppelbelastung vorn in der Tabelle dabei zu sein. Das hätten uns nicht viele zugetraut. Haben es lange nicht schlecht gemacht. Gottseidank nicht so viele Verletzungen gehabt. Auch wegen Belastungsteuerung. Durch Rotation gehen allerdings Automatismen verloren. Die eierlegende Wollmilchsau haben wir diese Saison nicht gefunden, aber viele Erkenntnisse gesammelt.“

Zu Keita und Forsberg und Topspielern: Nicht überraschend, dass sie ihre letzte Saison nicht wiederholt haben. „Fluch der guten Tat. Zuerst ins Rampenlicht geschossen und dann dies bestätigen müssen. Muss man auch erstmal als Erfahrung machen.“ Verletzungen und Sperren trugen dazu bei, dass es wenig Rhythmus gab. „Ist erklärbar für die Jungs und uns Trainer. Um eine solche Saison zu spielen wie die letzte, muss alles perfekt laufen.“

14.21

Dominik Kaiser: „Wäre schlimm, wenn uns die Europa League nicht motivieren würde. Wer diese Chance nicht sieht und nicht alles reinpackt… Muss unsere Motivation sein, den Platz zu verteidigen. Auf uns schauen und es aus eigener Kraft erreichen. Jeder in der Mannschaft und jeder, der Samstag auf dem Platz steht, jagen diesem Ziel hinterher.“

Kaiser zu seiner und Coltortis Rolle in der Mannschaft: „Ich und Fabio Coltorti haben einiges mit dem Verein mitgemacht. Sind Ansprechpartner für die Jungs. Hatten aber beide noch nicht den Rhythmus mit Europapokal und Doppelbelastung. Deswegen funktioniert es auch nicht 100%, dass wir wissen sollen, wie es sich anfühlt, wenn man am Donnerstagabend in Marseille steht und zwei Tage später es im Training weiter geht. Trotzdem versuchen wir Ansprechpartner zu sein. Coltorti ist da auch ein Typ für, egal ob er spielt oder nicht.“

14.24

Hasenhüttl: „Wolfsburg hat mit neuen Trainer noch mal versucht, einen Akzent zu setzen. Teilweise gelungen, teilweise nicht. Stehen mit dem Rücken zur Wand, weil der HSV von hinten kommt. Werden in Leipzig alles reinpacken. Mannschaft hat bei den Grundordnungen viel probiert. Labbadia versucht alle Register zu spielen. Unklar, welche Taktik sie spielen. Aber auch nicht so entscheidend. Wir müssen unsere Tugenden einbringen. Wir müssen Akzente setzen. Wir können mit Mischung aus Offensivkraft, Tempo und Rückwärtsabsicherung spielen. Wird ein interessantes Spiel. Haben im Hinspiel ein sehr unterschiedliches Spiel gesehen. Müssen unsere Chancen konsequent nutzen. Das würde uns extrem helfen, den Willen des Gegners früh zu brechen.“

Hasenhüttl: Wichtiger als Motivationsmittel wie Videos sind die Inhalte, die in der Woche trainiert wurden.

14.27

Dominik Kaiser: Weiß noch nicht, wohin er wechselt. „Bin offen für alles. Hauptkriterium ist, auf dem Feld zu stehen. Das war mir diese Saison zu wenig. Habe ich mir nach der Vorbereitung mehr von erhofft. Das musste ich schlucken. Habe versucht, das beste draus zu machen. Will eine Mannschaft finden, der ich mit meinen Qualitäten auf dem Feld weiterhelfen kann.“ Ausland muss es nicht zwangsläufig sein, aber vorstellbar wäre es.

Hasenhüttl: Irgendwas mit Fortuna Düsseldorf noch. Schönes Stadion und Verein mit Wucht. Gutes geleistet. „Neuankömmling, der der Bundesliga gut tut.“

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