Bundesliga: 1.FSV Mainz 05 vs. RB Leipzig 2:3

27. Spieltag in der Bundesliga. Die Auswärtsfahrt zum 1.FSV Mainz 05 war für RB Leipzig dran. Die Gastgeber mitten im Abstiegskampf und ein Team, das nur wenig Ballbesitz im Mittelfeld hat. Entsprechend war ein unruhiges Spiel zu erwarten. Und genau das wurde es auch. Nicht unbedingt zu erwarten, war die Emotionalität, die aus dem unruhigen Spiel in der zweiten Halbzeit einen unglaublichen Fight mit unzähligen Karten machte. Das bessere Ende hatte dabei RB Leipzig auf seiner Seite.

In die Partie gegangen war RB Leipzig nicht mit der ganz großen Rotation. Mit Peter Gulacsi rückte der Stammkeeper zurück zwischen die Pfosten. Fabio Coltorti dafür wieder auf der Bank. Im Sturm kam erwartungsgemäß Yussuf Poulsen zu einem Startelfeinsatz. Oliver Burke blieb dafür auf der Bank, wo vorerst auch Timo Werner nach Verletzung Platz nahm. Unerwartet lediglich, dass Dayot Upamecano in der Innenverteidigung auflief und Marvin Compper gar nicht erst mit nach Mainz reiste. Schlichte Verschnaufpause ohne Verletzungshintergrund, so die offizielle Begründung.

Organisiert war RB Leipzig mal wieder im 4-2-2-2, nachdem man zuletzt in Bremen mit Fünferkette und gegen Darmstadt im 4-3-3 gestartet war. Keita und Forsberg gaben dabei hinter Sabitzer und Poulsen die Zehner.

Mainz wechselte nach der Niederlage in Ingolstadt intensiver durch. Hack ersetzte Bungert in der Innenverteidigung. Der agile Donati kam für den defensiveren Balogun als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Frei ersetzte den angeschlagenen Ramalho. Quaison sollte auf der linken Seite statt de Blasis wirbeln. Und Krkic ersetzte den gesperrten Latza. Das ganze ergab dann ein 4-2-3-1.

Eine Abtastphase gab es in der Partie nicht wirklich. Von Beginn an ging es schnell Richtung der jeweiligen Strafräume. Auf Mainzer Seiten sogar noch etwas schneller als auf RB-Seiten, wo man den Ball dann doch immer mal wieder über Innenverteidigung und Sechser zirkulieren ließ. Auf FSV-Seiten ging es oft einfach lang in Richtung Cordoba, über den dann Ballsicherungen und gefährliche Situationen geschaffen werden sollten.

Die zentrale Geschichte bei diesen langen Bällen war für große Teile der ersten Halbzeit das Duell mit Dayot Upamecano. Der agierte als rechter Innenverteidiger und wurde immer wieder vor allem in Duelle mit der Sturmmaschine Cordoba verwickelt. Das ist für jeden Defensivspieler eine Herausforderung. Für Upamecano war das an diesem Tag noch zu viel. Immer wieder ließ er seinen Gegenspieler durch falsche Entscheidungen im Zweikampf oder im Stellungsspiel entwischen.

Dazu traf er auch im Aufbauspiel immer wieder die falsche Entscheidung, mit dem Ball am Fuß ins Dribbling die rechte Seitenlinie hinunterzugehen. Worauf Cordoba nur wartete und ihn dort einklemmte und immer wieder in Bedrängnis und zu Ballverlusten brachte. Genau aus diesen Unsicherheiten auf der rechten Defensivseite resultierten diverse gefährliche Situationen für das RB-Gehäuse und Standards, die man gegen standardstarke Gastgeber eigentlich nicht haben wollte.

Da Upamecano zudem im Duell mit Cordoba am Rande eines Platzverweises wandelte, musste er nach bereits 40 Minuten wieder vom Feld. Unglücklicher Auftritt für den 18-Jährigen(!), aus dem er aber wieder lernen kann. Timo Werner kam für den Innenverteidiger in die Partie. Weswegen Ilsanker von der Sechs nach hinten und Keita von der Zehn auf die Sechs und Sabitzer aus dem Sturm auf die Zehn rutschten. Also alle jeweils einmal eine Position nach hinten, damit sich Werner ganz vorn einordnen konnte.

Das aus Leipziger Sicht gute an Upamcanos Auftritt in den ersten 40 Minuten und der defensiven Instabilität war, dass man trotzdem kein Tor kassierte. Krkic scheitert frei vor Gulacsi am Versuch, überhaupt das Tor zu treffen. Öztunali wird fünf Meter vor Gulacsi von einer Poulsen(!)-Grätsche am Torerfolg gehindert. Gbamin fand in Gulacsi selbst seinen Meister. Und das meiste andere scheiterte an einem Abwehrbein oder am nicht ankommenden letzten Pass.

Die vermeintliche Vorentscheidung. Timo Werner erzielt das 2:0 in Mainz. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Auf der anderen Seite hatte auch RB seine Möglichkeiten. Sabitzer und Keita versuchten es jeweils aus der Entfernung. Poulsen hat einmal ganz viel Platz vor sich, ist aber mit Ball nicht schnell genug, um seine gute Position auch bis zum Mainzer Kasten zu sichern und schließt dann aus etwas spitzem Winkel schwach ab.

Insgesamt fehlt RB in der ersten Halbzeit aber die Klarheit und Genauigkeit in den Offensivaktionen. Sodas das meiste irgendwo rund um den Mainzer Strafraum versandet. Der FSV kommt auf der anderen Seite mit dem unruhigen, schnell das Mittelfeld überbrückenden Spiel, das sie auch sonst präferieren, besser zurecht und ist das gefährlichere Team. Weil man es immer wieder schafft, den Ball am RB-Strafraum zu sichern und abzuschließen. Nur mit der Genauigkeit in den Abschlussaktionen hapert es ein wenig. Mit dem 0:0 ist RB Leipzig zur Pause ganz gut bedient, auch wenn es nicht völlig unverdient ist.

Die zweite Halbzeit beginnt dann noch spektakulärer als die erste. Keine drei Minuten nach der Pause darf RB Leipzig mal relativ ungestört um den Mainzer Strafraum herumspielen. In der Zentrale finden sie die Lücke nicht. Dafür bekommt Bernardo ein bisschen Raum, um zu flanken. Forsberg rettet die etwas zu lange Flanke artistisch mit der Hacke und spielt sie wieder in die Mitte direkt an den Fünfmeterraum. Wo Sabitzer viel zu frei steht und gar keine Mühe hat, den Ball mit dem Kopf über die Linie zu befördern.

Auf der anderen Seite sofort die Möglichkeit zum Ausgleich. Aber man verpasst es, einen Bell-Kopfball aus Nahdistanz über die Linie zu drücken. Wie die Sache mit der Effektivität geht, zeigte dann auf der anderen Seite Timo Werner, der eine Forsberg-Ecke am kurzen Pfosten perfekt einköpft. Ein Kopfballgegentor durch Werner nach Ecke. Ist vermutlich auch nicht das, was man sich als Trainer des Gegners vor einem Spiel als Szenario durch den Kopf gehen lässt. Aber in Mainz weiß man durch de Blasis ja, dass kleine Spieler auch gut im Kopfball sein können.

Mit diesem 2:0 schien der Widerstand des FSV Mainz 05 erstmal gebrochen. Der Gastgeber taumelte jetzt ordentlich. Man fiel aber nicht, weil RB Leipzig den entscheidenden Schlag nicht setzen wollte bzw. gute Balleroberungen gegen eine nun etwas wilde FSV-Defensive nicht gut genug ausspielte. Werner hatte nach einer Stunde noch die beste Gelegenheit, als er sich aber zu weit abdrängen ließ und aus schlechter Position nicht genau genug abschloss.

So richtig rechnete man nicht mehr damit, dass Mainz noch zurückkommen würde. Auch das Stadion war inzwischen relativ ruhig geworden. Bis zur 69. Minute hatte RB Leipzig alles komplett im Griff und köpfte hinten die hohen Bälle, die von allen Positionen Richtung Strafraum geschlagen wurden, relativ locker raus. Dann aber passte man einmal im Mittelfeld nicht auf, wo Gbamin zu viel Platz hat und den Ball rechts in den freien Raum und den Lauf von Donati legen kann. Der setzt sich gegen zwei Spieler durch und wird zu Fall gebracht oder fällt. Im Strafraum. Macht Elfmeter. Den Jairo verwandelt.

Nun wird das Spiel, das vorher schon unruhig und mit wenig Mittelfeldpassagen gespielt wurde, endgültig zu einer wilden Fahrt, bei der immer mehr Emotionen und Rudelbildungen ins Spiel kommen. Muto hatte bei diesem wilden Ritt den Ausgleich auf dem Kopf, traf aber mit dem Kopf nach Flanke nur den Außenpfosten.

Das Stadion tobte, die Mainzer warfen alles nach vorn. Und kassierten den nächsten Gegentreffer. Naby Keita schnappte sich einfach mal den Ball, marschierte über das ganze Spielfeld, bezog noch irgendwie eher verunglückt Poulsen in sein Spiel ein und versenkte den Ball dann trocken im Tor.

Wieder schien das Spiel entschieden, die ersten Mainzer Zuschauer entschieden sich für den Abmarsch. Aber die Rechnung wurde ohne die Mainzer gemacht, . Die sich doch noch mal ins Spiel brachten. Weil Muto in der Nachspielzeit dann doch noch eine von insgesamt acht Ecken einköpfte. Hektik, Trubel, Torwart Lössl noch am RB-Strafraum. Nur für den Ausgleich reichte es nicht mehr. Der über die 90 Minuten gesehen gar nicht unverdient gewesen, aber nach dem Verlauf der zweiten Halbzeit und schon zweimal toten Mainzern Wahnsinn gewesen wäre.

So wahnsinnig wie die zweite Halbzeit insgesamt, die mit zunehmender Spielzeit immer hitziger geführt wurde. Deftige Fouls, leichte Tätlichkeiten in Form von Schubserein, hier mal noch ein Tritt, da mal noch ein guter Körpereinsatz, Rudelbildungen, diverse Karten. Und als Höhepunkt das Frustfoul von Gbamin gegen Khedira kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, das ihn völlig zurecht mit glatt rot vom Platz beförderte (schon der siebte Mainzer Platzverweis diese Saison, das ist Ligarekord). Es war in diesem Spiel, das nicht unbedingt für Fußballästheten gemacht war,  auch jenseits von Toren und Sport alles an Fight und Emotionen drin, was ein Fußballspiel zu einem ziemlich großartigen und unvergesslichen Ereignis macht.

Bemerkenswert daran auch, dass es RB Leipzig in dieser Hitzigkeit und Emotionalität schaffte dagegenzuhalten. Man spielt nicht nur lieb Fußball, sondern reagiert auch mit Selbstvertrauen, wenn der Gegner über Emotionen kommen will. Gerade Spieler wie Sabitzer tun da sehr gut, der sich in solchen Situationen nichts gefallen lässt und immer da ist. Aber es auch immer wieder schafft, so runterzukühlen, dass er nicht in Gefahr gerät, selber vom Platz zu fliegen.

Fazit: Insgesamt ein nicht unverdienter Sieg für RB Leipzig. Auch wenn man insbesondere in der ersten Hälfte ein wenig Glück hatte, nicht in Rückstand zu geraten. In der zweiten Halbzeit war man dann das spielerisch reifere und effektivere Team und verdiente sich die drei Punkte mit viel Einsatz. Gegen abstiegskämpfende Mainzer den Fight so anzunehmen und gegenzuhalten, war essenziell, um am Ende auch erfolgreich zu sein. Ein wichtiger Erfolg und ein emotionaler Erfolg, der einige Nerven kostete und über den auch die Vereinsverantwortlichen vom Trainer bis zum Sportdirektor noch auf dem Spielfeld intensiv diskutierten.

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Randbemerkung 1: 24 Punkte holte RB Leipzig in den ersten zehn Spielen der Hinrunde. 16 Punkte sind es gegen dieselben zehn Gegner in der Rückrunde. Man ist punktetechnisch weiter im Rückstand in diesem Vergleich. Nach Darmstadt gibt es nun mit Mainz allerdings ein zweites Team, gegen das man zweimal in einer Saison gewinnen konnte. Gegen alle anderen Mannschaften bis auf Ingolstadt und Bayern gewann man jeweils einmal.

Randbemerkung 2: 15 Punkte Vorsprung auf Platz 5 und noch sieben Spieltage bis zum Saisonende. Es ist schon unwahrscheinlich, dass Köln und Hertha in den verbleibenden Spielen 15 Punkte (bei 21 möglichen) holen. Dass sie 15 Punkte auf RB aufholen, also Leipzig fast oder komplett ohne Punkte bleibt, ist allerdings fast unmöglich. Es geht ab spätestens jetzt für RB nur noch darum, mit Dortmund und Hoffenheim darum zu streiten, wer Vierter wird, also in die Champions-League-Qualifikation muss und wer sich die Plätze 2 und 3 sichert. Vier bzw. fünf Punkte Vorsprung hat RB auf Hoffenheim bzw. Dortmund. Das ist ein kleiner Vorteil, aber auch nicht mehr. Noch ein kleiner Vorteil, dass Hoffenheim und Dortmund noch gegeneinander spielen, sich in diesem Spiel also gegenseitig Punkte klauen. Im Extremfall, dass Dortmund und Hoffenheim alle anderen Spiele gewinnen, braucht Leipzig noch fünf Siege aus sieben Spielen, um Zweiter oder Dritter zu werden.

Randbemerkung 3: 24 Punkte hat RB Leipzig bereits in Auswärtsspielen geholt. Gleich siebenmal konnte man als Sieger den Platz verlassen. Wenn man bedenkt, dass es für RB in Auswärtsspielen aufgrund meist besonders motivierter Heimteams und vor allem besonders motivierter Heimfans nicht einfach ist, wird die Statistik noch beeindruckender.

Randbemerkung 4: Zu dieser Abgezocktheit passt auch, dass RB Leipzig weiterhin noch nicht verloren hat, wenn man mit einem Unentschieden in die Kabine ging. In elf von 27 Spielen stand es zur Pause Remis. Schon achtmal ging man anschließend als Sieger vom Platz. Dreimal blieb es beim Unentschieden. Eine ziemlich unglaubliche Bilanz, die dafür spricht, dass man gerade in engen Spielen, die richtigen Anpassungen findet, um die Partien noch auf die eigene Seite zu ziehen.

Randbemerkung 5: Apropos Abgezocktheit in engen Spielen. In Spielen, die mit maximal einem Tor Differenz enden, ist RB Leipzig weiter (zusammen mit Freiburg) Topteam der Liga. Erst drei von 15 engen Spielen verlor man, achtmal gewann man knapp. Macht 1,87 Punkte pro (wenn man eng formal über die Tordifferenz definiert) engem Spiel. Also gerade dann, wenn die Dinge umkämpft sind, findet RB Wege die Partien auf die eigene Seite zu ziehen. Mainz in der Statistik übrigens Letzter. Schon achtmal verlor man knapp. In 15 engen Spielen holte man im Schnitt nur 0,73 Punkte.

Randbemerkung 6: Die Zahl der Woche beim FSV Mainz hieß Null. So viele Punkte und Tore habe RB Leipzig bisher in der Bundesliga in Mainz geholt, stichelte man vor dem Spiel via Facebook. Nach dem Spiel steht die Zahl Drei. Punkte und Tore, die RB im Schnitt in der Bundesliga in Mainz holt. Klingt doch gleich viel besser..

Randbemerkung 7: Laut war es in Mainz. Schon deutlich vor dem Spiel. Aus den Lautsprecherboxen ergoss sich eher (also zumindest von der Lautstärke her) Diskogefühl über das Stadion. Da war man dann besonders froh, dass das Spiel losging und man seine Ohren etwas entspannen konnte. Wobei das relativ war, denn in Mainz kann es durchaus auch ohne Stadionmusik gut laut zugehen. Ist jetzt kein Schmuckkästchen das Stadion auf der grünen Wiese, aber die Menschen da drin können es in einen hübschen, lauten und emotionalen Ort verwandeln. Selbst wenn ’nur‘ reichlich 26.000 Leute drin sind, statt 34.000, die reinpassen würden. Aber zuschauertechnisch ist man in Mainz diese Saison nicht wirklich verwöhnt und muss einige Einbußen hinnehmen im Vergleich zur Vorsaison.

Randbemerkung 8: Ungewöhnlich, aber in Mainz traditionell, dass der Gästeblock wie bei Heimspielen bei der Mannschaftsaufstellung die Nachnamen der eigenen Spieler rufen darf. Das ist so ungewöhnlich, dass der Gästeblock ein wenig brauchte, um das zu realisieren und aus der Lethargie vor dem Spiel gerissen zu werden..

Randbemerkung 9: Apropos andere Fußballstadien, andere Sitten. Auch noch nie erlebt, dass man am Einlass seine Kopfhörer abgeben muss. Weil man, so die Begründung, damit ja schließlich jemanden erwürgen könnte. Mit der Begründung hätte man mir aber auch noch so einiges anderes abnehmen können von Gürtel bis Schnürsenkel. Also falls ich denn gestern in Würgelust gewesen wäre. War ich ausnahmsweise aber mal nicht. Nächstes Mal wieder..

Lichtblicke:

  • Naby Keita: Selbst wenn er keinen Pass an den Mann gebracht hätte, müsste er schon allein wegen der Szene vor dem 3:1, als er ganz Mainz maradonesk im Alleingang auseinander nahm, hier auftauchen. War dazu aber auch viel am Ball und sehr passsicher und auf Zehn und Sechs und Acht gleichermaßen mit Qualität. Viele Ballgewinne. Vier Torschussvorbereitungen. Die Ruhe, mit der er am Ball agiert, ist überragend. Wahnsinn, ihm beim Kicken zuzugucken. Selbst (oder vielleicht auch gerade) wenn um ihn herum alle wild durcheinanderrennen und -grätschen.
  • Willi Orban: Gerade in der ersten Halbzeit mit einem unsicheren Upamecano neben sich unheimlich wichtig als Kopf der Abwehr, der immer wieder Lücken schließt und gefährliche Aktionen stoppt. Strahlt beim Spiel von hinten heraus immer viel Sicherheit aus. Auch in Mainz. Ist kein Naturereignise wie Upamecano, dem aufgrund seiner Physis manches in den Schoß fällt. Aber Orban erledigt seinen Job extrem unaufgeregt und das macht ihn so wertvoll.
  • Yussuf Poulsen: Trotz Schwächen beim Torabschluss mit enorm wichtiger Rolle in der Sturmspitze. Was er in seinem ersten Einsatz von Beginn an seit acht Wochen wieder an Bällen in direkten Zweikämpfen sicherte, war phänomenal. Zusammen mit Diego Demme (den man hier genauso hätte nennen können) führte er die meisten Zweikämpfe (30) aller RB-Spieler. 50% gewonnene Duelle sind für die Rolle, die Poulsen spielt, enorm gut (Cordoba mit einer ähnlichen Rolle und sogar 40 Zweikämpfen gewann nur 35%). Und es war sehr wichtig, wieder so einen Spieler vorne drin zu haben, bei dem die Bälle nicht so schnell wieder weg sind, wie man sie nach vorn gespielt hat.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des 27.Spieltags beim FSV Mainz 05 bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 0:1 Sabitzer (48.), 0:2 Werner (52.), 1:2 Jairo (69./ FE), 1:3 Keita (81.), 2:3 Muto (90.+1)

Rote Karte: Gbamin (89./ grobes Foulspiel)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo, Upamecano (40. Werner), Orban, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Keita (85. Kaiser), Forsberg (76. Khedira) – Sabitzer, Poulsen; Bank: Coltorti, Schmitz, Burke, Selke

Aufstellung 1.FSV Mainz 05: Lössl – Donati, Bell, Hack, Brosinski – Frei, Gbamin – Öztunali, Krkic (67. Muto), Quaison (55. Jairo) – Cordoba (88. de Blasis)

Schiedsrichter: Tobias Stieler (Was für ein Spiel. Gerade für den Schiedsrichter, der es von Beginn an mit Unruhe und vielen Zweikämpfen und viel Physis zu tun hatte, zu der später noch die ganzen Emotionen und Aufgeregtheiten dazu kamen. Aus Stadionsicht war die Schiedsrichterleistung absolut in Ordnung. Stieler hatte eine klare Linie, die er durchzog. Er versuchte die Mannschaften erst kommunikativ, später teils unter Einsatz seines Körpers (de Blasis) einzufangen und zeigte ihnen diverse Kartons. Als es gar nicht mehr anders ging, zog er konsequent rot. Der Elfmeter war aus Stadionsicht absolut ok und die RB-Spieler beschwerten sich auch nicht wirklich. Gelb gegen Bernardo erschloss sich nicht. Gelb gegen Sabitzer, nachdem er umgeschubst wurde, schien der unter Schiedsrichtern verbreiteten ‚Ah, es gab Aufregung, zeige ich mal beiden gelb, um die Spieler runterzuholen‘-Logik zu folgen. Lustig die Szene als Stieler noch in der ersten Halbzeit bei einem der vielen Zweikämpfe, nach denen sich beide Spieler beklagten, fast schon resignierend seine Hände zu einem ‚Was erwartet ihr denn jetzt von mir?‘ erhob und einfach weiterspielen ließ. Aus Schiedsrichtersicht war dieses Spiel und die darin enthaltenen Emotionen Wahnsinn. Nicht nur, aber auch angesichts dessen hat Stieler einen prima Job gemacht. Als er abpfeifen durfte, wird er vermutlich auch froh gewesen sein.)

Gelbe Karten: Brosinski, Jairo, Cordoba, Frei, de Blasis, Donati – Ilsanker (6.), Bernardo (3.), Sabitzer (3.), Upamecano (2.)

Zuschauer: 26.379 (davon 700 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, M05-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 18 : 15
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 13 : 10
  • Schüsse auf das Tor: 3 : 7
  • gewonnene Zweikämpfe: 43,6% : 56,4%
  • Ballbesitz: 44,9% : 55,1%
  • Passquote: 68,9% : 76,7%
  • Laufstrecke: 110,8 km : 112,5 km
  • Sprints: 210 : 192
  • Intensive Läufe: 612 : 610
  • Fouls: 15 : 19
  • Ecken: 8 : 3
  • Abseits: 3 : 2
  • Meiste Torschüsse: Gbamin: 6 – Sabitzer: 6
  • Meiste Torschussvorlagen: Öztunali: 8 – Forsberg: 5
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Frei: 58,8% – Bernardo: 68,2%
  • Meiste Ballkontakte: Brosinski: 58 – Demme: 83
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Gbamin: 82,6% – Keita: 88,6%
  • Größte Laufstrecke: Öztunali: 11,5 km – Demme: 11,6 km
  • Meiste Sprints: Öztunali: 28 – Sabitzer: 27

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner – 15; Forsberg – 8; Keita – 7; Sabitzer – 6; Orban – 3; Selke, Compper – je 2; Kaiser, Burke, Poulsen – je 1; Eigentore: Baumgartlinger, Kolasinac, Vallejo, Maroh

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 15; Keita – 8; Werner – 7; Sabitzer – 4; Poulsen, Demme, Halstenberg – je 3; Burke – 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke, Ilsanker – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 12; Sabitzer – 11; Orban – 9; Ilsanker, Forsberg – 7; Keita – 6; Compper, Poulsen – je 5; Halstenberg – 4; Bernardo, Gulacsi – 3; Werner, Kaiser, Schmitz, Burke – je 2; Selke – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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16 Gedanken zu „Bundesliga: 1.FSV Mainz 05 vs. RB Leipzig 2:3“

  1. Wurde ich eigentlich durch meine rot-weiße Brille in meiner Sichtweise dahingehend beeinträchtigt, wenn ich finde, dass am Schluss Mainz mit nur einmal glatt-rot noch gut davongekommen ist? Ich fand einige merklich überhitzte Aktionen Minimum gelb-rot würdig. (Mal ganz davon abgesehen, dass es wahrscheinlich für den Frieden im Stadion besser war, dass es keine weiteren Platzverweise gab)

  2. Passender Bericht, wie immer, danke.

    Mein Nachtrag: Wenn man als Schiedsrichter keine klare Linie fährt, anfangs viel durchgehen lässt und dann noch 1-2 Fehlentscheidungen einbaut, braucht man sich nicht wundern, dass am Ende die Karten per Blumenstrauß verteilt werden. Für mich war der Mann klar mitverantwortlich für diverse Agressionen!

  3. Ich finde auch, dass Stieler bei den gelben Karten (zunächst) sehr RB-lastig war. Auch wenn diese größtenteils berechtigt waren, so hätten aus meiner Sicht auf Mainzer Seite Donati und Cordoba (1. HZ Tätlichkeit gegen Demme) schon viel eher die gelbe Karte sehen müssen, was dann am Ende bei Beiden, rein hypothetisch, Gelb-Rot ergeben wäre.

  4. „Stieler hatte eine klare Linie, die er durchzog. … aber auch angesichts dessen hat Stieler einen prima Job gemacht.“
    Also diese Meinung dürftest du in Leipzig ziemlich exklusiv haben.
    Und ein Strafstoß ist automatisch gerechtfertigt, wenn sich kein Spieler beschwert?
    Na klasse…

    1. Es geht nicht darum, ob der Strafstoß dann gerechtfertigt ist. Aber fehlende Proteste sind meist ein gutes Indiz, dass da auch nicht nichts war.

      @ausLE Wie gesagt, reine Stadionsicht. Ich habe von dem Bild keinerlei TV-Bilder gesehen. Und der Elfmeter war ganz am anderen Ende des Spielfelds. Da resultiert die Einschätzung vor allem aus Bewegungsabläufen der beteiligten Spieler.

    2. Ich denke auch in Mainz kann man unglücklich sein mit der Leistung des Mannes, nicht nur in Leipzig. Es ist bei einem Spiel mit soviel Pfeffer sicher nicht immer leicht, aber ich fand er hätte früher mit Karten anfangen müssen, dann wären es am Ende vielleicht sogar weniger gewesen.

    3. Ich kann die Schiedsrichtereinschätzung aus dem Spielbericht vollends teilen. Klar, wenn ein Schiedsrichter durch so viele Aktionen auffällt, ist es oft kein gutes Zeichen. Doch aus Stadionsicht und ohne Zeitlupen schien es, dass er die Aufgaben, die im die Spieler gestellt haben angenommen und gut gemeistert hat.

  5. Mhm, Du sagst also auch, daß der Elfmeter ok war. Wie ein Großteil der Medien bzw Fans. Ich glaube aber, wenn Timo Werner den Elfmeter so! bekommen hätte, dann hätten wir den nächste Schwalbentsunami. Für mich trifft Donati eher Demme als umgedreht.

    Ansonsten sehr gute Analyse und etwas Neid nicht mit in Mainz gewesen zu sein. 3 Tore vor dem Gästeblock – und was für welche. Forsberg wie Zlatan I., Keita wie Keita. Da war alles dabei, was den Fußball eben so ausmacht.

    Dein ! bei „18jähriger Upamecano“ gefällt mir. Das es gegen Cordoba nicht leicht wird, war mir vorher klar. Aber gut, er wird daraus lernen und die Verantwortlichen ihn wieder aufbauen. Mich wundert es nur, daß er mehr auswärts als zu Hause spielt. Gerade bei den jungen Spielern ist es doch besser im Wohnzimmer aufzulaufen als in der Fremde.

    Von der Randbemerkung 8 habe ich noch nix gehört. Das ist aber mal eine schöne faire Geste von Mainz. Könnte doch auch was für Tim Thoelke sein? Ich würde es befürworden.

    Deine Lichtblicke sind gut, dennoch vermisse ich da Marcel Sabitzer. Ohne ihn hätten wir gestern nicht gewonnen (und damit meine ich nicht sein Tor) Ich möchte kein Gegenspieler von ihm sein (trifft auch auf Demme zu) sein Einsatz, seine Mentalität, einfach 1a. Ich glaube es stand 2:0 als Poulsen den Deckel drauf machen wollte, aber Sabitzer und Werner übersah und den Ball weit neben das Tor setze und Sabitzer fuchsteufelswild artikullierte, das er und Werner besser standen.

  6. https://www.youtube.com/watch?v=Na4sFotUnus

    bei 0:35 geht es los und auch in Zeitlupe, ich bleibe dabei, Donati tritt Demme zuerst, so das Demme gar keine Möglichkeit hat und ihn anschliesend zu Fall bringt. Und das alles in Bruchteil von Sekunden. Keine leichte Aufgabe für Stieler.
    Da ich tonlos auf Arbeit den Clip schaue, habe ich keine Ahnung, was der Reporter sagt. Aber das Ding ist ein guter Beweis, daß selbst der Vidoebeweis nicht so einfach werden wird.

    1. Schwierig. Aus Schiedsrichtersicht und Normalgeschwindigkeit sieht es ganz sicher so aus, als zöge Demme im Vorbeigehen Donati das Bein weg. Ob ein Videoschiedsrichter die Entscheidung kassiert hätte, ist tatsächlich eine interessante Frage. Dazu muss er sich ja auch zu 100% sicher sein, dass die falsche Entscheidung getroffen wurde.

  7. Ich habe mir die Wiederholung auch zehn mal angeschaut und ich verstehe nicht ganz warum Donati fällt. Für mich gab es kein relvante Berührung seitens Demme am Fuß. Für mich eher eine Schwalbe. Wundere mich, dass alle anderen es so anscheinend klar gesehen haben .

  8. Ich würde sagen, Demme lässt das Bein stehen (mit dem er Donati rasiert), zwar nicht absichtlich, aber aus Trägheit. Er konnte dem Richtungswechsel Donatis nicht folgen. Vermutlich muss das laut Regeln geahndet werden (ähnlich wie wenn ein Spieler – auch trägheitsbedingt – mit seinem Körper den Laufweg des Gegners blockiert).

  9. Ganz gut gefallen hat mir übrigens auch Bernardo, er war um Welten besser als in der ersten Hälfte gegen Darmstadt. Nicht so gut fand ich Halstenberg, kaum Impulse nach vorne und das 2:3 geht auf seine Kappe. Ich habe es ja schon an anderer Stelle vorgeschlagen, man könnte mal Bernardo links und Schmitz rechts in der Viererkette spielen lassen. Vielleicht liest der Trainer hier ja mit 😉 !

    Der Elfmeter schien im Live-Bild bei Sky zunächst berechtigt, in der Wiederholung (Sky und Sportschau) kamen mir aber sehr starke Zweifel, ich sage mal zu 80% kein Elfmeter, aber wie hier schon gesagt, sehr schwer für den Schiedsrichter zu erkennen.

    Und noch ein letztes Anliegen: Könnte nicht Gulacsi mal seine langen Abschläge einschränken? Selbst mit Poulsen im Spiel sind diese Bälle letztendlich fast alle beim Gegner. Es muss doch auch noch andere Wege der Spieleröffnung geben, insbesondere wenn man bedenkt wie ballsicher viele Spieler von RB sind.

  10. Ich muss hier ausLE recht geben. Für mich trefft Donati eher Demme als umgekehrt. Stiehler will ich gar keinen Vorwurf machen. Im Stadion geht das alles so schnell, aber ich wundere mich, wieso alle Reporter sich einig sind. Ich der Zeitlupe von Bild ist Demme doch Meilen weg, als Donati fällt. In der Perspektive aus der Sportschau könnte man denken, Demme trifft den linken Fuß von Donati, aber wie gesagt, Beitrag von oben zeigt, dass Demme gar nicht an den linken Fuß kommt. Und auch da hat ausLE recht, hätte Werner diesen Elfer bekommen, es gäbe wieder einen Shitsorm gegen ihn.
    Ansonsten wieder ein toller Bericht.
    Auch was du zu Yussi geschrieben hast. Man hat wider gesehen wie wichtig er für die Mannschaft ist, auch wenn er es verpasst, Tore zu schießen. So lange dafür Werner, Forsberg, Keita, .. zuschlagen.

  11. Keita jetzt schon irgendwie Weltklasse (der liebe Guido von der LVZ irrt bei seiner Einschätzung – geht so – definitiv), da kann ich mit den anderen Ausleihen seitens RB ganz gut leben…
    Mit Poulsen läuft es wieder besser, ein Knipser ist er nicht, das 3. Tor ist aber auch perfekt vorbereitet.
    Sabi ein Kämpfer vor dem Herrn, Ilse macht endlich mal das wichtige taktische Foul – die 2. HZ gefiel selbst mir, die erste vergessen wir mal lieber.
    Randbemerkung 8: Sollten wir kopieren!
    Und zuletzt aber wichtig: Der Stieler hat wirklich einen guten Job gemacht!

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