Testspiel: RB Leipzig vs. FC St. Gallen 3:1

Drittes Testspiel des Winters. Erstes Testspiel im Trainingslager in Belek. Nach zwei eher wenig aussagekräftigen Spielen gegen unterklassige Gegner, wartete mit dem FC St. Gallen erstmals ein Team, das in etwa auf Augenhöhe mit RB Leipzig agieren kann. Wenn man davon ausgeht, dass ein Schweizer Mittelklasse-Erstligist ungefähr gutes bis sehr gutes deutsches Zweitliganiveau bedeutet.

Es war für RB Leipzig bereits der dritte Test gegen den FC St. Gallen. Vor vier bzw. drei Jahren spielte man auch schon am Rande des Trainingslagers in der Türkei gegen die Schweizer, einmal unter Pacult gegen eine Art U21, einmal unter Zorniger gegen die Profis, beide Male gewann man 2:0.  Echtes Traditionstestspiel also..

Unter Ralf Rangnick hieß es diesmal 3:1. Was insgesamt völlig in Ordnung ging und bei etwas mehr Genauigkeit oder Übersicht im gegnerischen Strafraum auch hätte noch höher ausgehen können.

Danach sah es in der ersten Halbzeit noch gar nicht unbedingt aus, denn chancentechnisch agierten beide Mannschaften hier auf Augenhöhe. In der Anfangsviertelstunde war RB Leipzig dabei das deutlich dominierende Team und überraschte die Schweizer mit intensivem Pressing. Poulsen und Selke, die als Doppelspitze aufliefen, ließen aber die daraus resultierenden Chancen liegen.

Danach wurde es ausgeglichen. Der FC St. Gallen ließ hinten nicht mehr viel zu und hatte vorn nach 16 Minuten sogar eine ganz dicke Chance zur Führung. Coltorti parierte aber hervorragend. Die Führung fiel dann nach einer halben Stunde, als Coltorti nach einer Unaufmerksamkeit in der RB-Verteidigung im Strafraum zu spät kam und einen Elfmeter verursachte. Den Danijel Aleksic sicher verwandelte.

Dass RB Leipzig mit einem Rückstand in die Pause ging, lag auch daran, dass Yussuf Poulsen fünf Minuten vor der Halbzeit den Ball freistehend über das Tor jagte. Zu diesem Zeitpunkt waren der Stürmer und sein Kollege Selke schon deutlich genervt, denn der eingesetzte Linienrichter hatte seine Fahne in den 40 Minuten zuvor mit sehr viel Freude wegen Abseits fast schon im Minutentakt gehoben und dabei nicht immer richtig gelegen. Schien manchmal so, als würde der Unparteiische an der Linie Abseits nicht im Moment der Ballabgabe, sondern im Moment der Ballannahme der Stürmer bewerten. Sprich, der Mann an der Linie war schlicht überfordert von den Pässen der Leipziger in die Tiefe. Änderte sich in der zweiten Halbzeit, weil die Schweizer dann auf dieser Seite des Spielfelds keine Pässe mehr in die Tiefe spielten und der andere Linienrichter mehr auf Ballhöhe agierte.

Doch nicht nur der Linienrichter nervte die Stürmer. Auch die Abwehr der Schweizer tat das ihrige, um die Leipziger Angreifer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Vor allem ein Martin Angha, letzte Saison noch bei 1860 München als Rechtsverteidiger durchgefallen, machte als Kapitän und Innenverteidiger der Schweizer eine sehr gute Figur.

Dass die Schweizer offensiv einige Male ganz gut in Position kamen, lag sicherlich auch ein wenig an der RB-Formation, die in einem 4-4-2 mit Raute sehr offensiv daherkam. Stefan Ilsanker spielte den alleinigen Sechser. Dominik Kaiser und Emil Forsberg agierten davor, wobei Kaiser noch mehr Aufgaben im Spielaufbau hatte als ein Forsberg. Und Bruno gab mit einiger Dynamik den Zehner. Viel Offensivpower also auf dem Platz, die ein wenig zulasten der Balance zu gehen schien.

Das änderte sich in der zweiten Halbzeit, in der RB Leipzig mit komplett neuer Mannschaft auflief und St. Gallen sechsmal gewechselt hatte (nur ein Spieler spielte 90 Minuten durch). Direkt nach der Pause überrannte man die Schweizer förmlich. Angeführt wurde man dabei vom agilen, manchmal aber etwas die Übersicht verlierenden Nils Quaschner. Gerade im Vergleich zu Selke und Poulsen war Quaschner als alleiniger Stürmer aber ein ständiger Unruheherd, der immer wieder die Seiten wechselte oder durch die Mitte kam und nie zu stellen war. Ein Tor war ihm trotzdem nicht vergönnt.

Die schossen schließlich Zsolt Kalmár per Elfmeter, nachdem er vorher in einen zu kurzen Rückpass der Schweizer gespritzt und von vom Keeper zu Fall gebracht worden war. Georg Teigl vollendete kurz darauf eine Kombination über rechts. Und Rani Khedira sorgte kurz vor dem Ende nach Jung-Zuspiel von links noch für den Endstand. Wobei die RasenBallsportler zwischendurch noch einige Chancen mehr hatten, das Ergebnis noch weiter auszubauen.

Von der Formation her spielte RB Leipzig nun im 4-2-3-1. Was für wesentlich mehr Stabilität sorgte. Aber auch deswegen für mehr Stabilität sorgte, weil der Leistungsabfall des zweiten Schweizer Anzugs deutlicher war als beim Leipziger zweiten Anzug. Was für die Kadertiefe beim Zweitligisten spricht.

Interessant an der Formation der zweiten Halbzeit, dass Diego Demme auf der Zehn agierte. Also auf einer Position, auf der man ihn vielleicht nicht unbedingt erwarten sollte, weil das kreative Agieren auf engstem Raum an der Schnittstelle nicht unbedingt zu Demmes Stärken gehören. Demme brachte aber sehr viel Power im Spiel gegen den Ball ein und beschäftige intensiv die gegnerische Innenverteidigung, die er immer wieder anlief und unter Druck setzte.

Interessant dabei auch der Vergleich mit einem Quaschner, der angesichts eines Balljägers Zornigerscher Prägung neben ihm beim Anlaufen der Gegenspieler fast schon zu traben schien und immer wieder Demme an sich vorbeisprinten sah (ähnliches sah man in der ersten Halbzeit mal beim Duo Forsberg/ Halstenberg auf der linken Seite). Das wirkte in Sachen Raumaufteilung zwischen den beiden vordersten RB-Akteuren nicht immer ganz ausgewogen, aber doch recht aufschlussreich in Bezug darauf, wo Demmes Stärken liegen. Vielleicht ja auch künftig immer mal eine interessante Variante mit ihm auf der Zehn, wenn man dort mal viel Power im Spiel gegen den Ball braucht.

Zum Einsatz kamen gegen St. Gallen auch die drei mitgereisten Nachwuchsspieler Gino Fechner, Vitaly Janelt und Idrissa Touré. Die sich völlig ohne Anpassungsprobleme in die Mannschaft integrierten und auf keinen Fall nach unten abfielen.

Am einfachsten hatte es dabei Gino Fechner, der in der Innenverteidigung kaum etwas zu tun hatte. Interessant aber, dass Fechner quasi für Willi Orban in die Partie kam. Die rechte Innenverteidigerposition ist nach dem Sebastian-Abgang jene, für die noch ein Backup gesucht wird. Ilsanker spielte es gegen Bischofswerda (eine Variante, die immer geht und schon bekannt ist), Fechner nun gegen St. Gallen. Es gibt wohl keinen schnelleren Weg in den RB-Kader als über die rechte Innenverteidigerposition. Inwieweit ein Fechner dafür bereit wäre, konnte dieses Testspiel nicht beantworten.

Vitaly Janelt spielte derweil im zentralen Mittelfeld an der Seite des diesmal recht agilen Rani Khedira vor und machte seine Sache ordentlich, wenn auch meist unauffällig. Idrissa Touré spielte die rechte Position in der offensiven Dreierkette hinter Quaschner und hinterließ als dynamischer Akteur mit einigen technischen Qualitäten, aber auch Stärken in der Balleroberung einen sehr guten Eindruck. Touré kommt eigentlich aus dem Sturm, wurde in der U19 aber Richtung Sechs und Acht verschoben und spielte dort auch schon (testweise) Innenverteidiger. Nun also bei den Profis die offensive Außenposition. Flexibel scheint er ja zu sein, der erst 17jährige Touré. Mal sehen, auf welcher Position er sich in den nächsten Jahren einpendelt.

Ansonsten bleibt von dem Testspiel nicht viel, außer dass so etwas wie die A-Elf von RB Leipzig in der ersten Halbzeit (unterstützt auch vom Linienrichter, aber nur an ihm lag es auch nicht) wesentlich schlechter aussah als die B-Elf in der zweiten Halbzeit, die in der Vorwärtsbewegung mehr Agilität und mehr Lösungen mitzubringen schien. Was auch an der deutlich gesunkenen Qualität und Eingespieltheit auf der Gegenseite gelegen haben mag.

Fazit: Ein gutes Testspiel gegen einen höherklassigen Gegner als zuletzt, das RB Leipzig vor allem in der zweiten Halbzeit deutlich dominierte und am Ende völlig verdient gewann. Nur ein Testspiel, klar. Aber eben auch eins gegen einen Schweizer Erstligisten, der zum selben Zeitpunkt wie RB in die Rückrunde starten wird (am ersten Februarwochenende) und damit am selben Punkt in der Vorbereitung steht.

Randbemerkung 1: Nicht schlecht, was RB Leipzig auf die Beine stellte, um auch den Zuhausgebliebenen einen Blick auf das Trainingsspielgeschehen zu ermöglichen. Beim letzten Mal im Sommer noch von einer pöbelnden Online-Menge eher zum Livestream-Glück gezwungen, wobei in der Kürze der Zeit nicht alles 100% funktionierte, fuhr man diesmal das Komplettpaket auf. Sprich: HD-Bild, reporterfreie Tonspur, Zeitlupen, verschiedene Kameraperspektiven, hübsche und übersichtliche Spielstands- und Spielzeitgrafiken, 2 Minuten nach dem Abpfiff ein Zusammenschnitt der wichtigsten Szenen. Wow, da blieb selbst für notorische Online-Nörgler wenig Luft zum grummeln.

Randbemerkung 2: Idrissa Touré und Gino Fechner waren die Spieler Nummer 47 und 48, die in Testspielen der Profis in dieser Saison schon eingesetzt wurden (siehe Liste unten). Mal sehen, ob sie öfter wiederkommen als die Bechers, Baryllas und Beiersdorfers dieser RB-Welt..

Randbemerkung 3: Unter den Besuchern des Spiels neben einer Hand voll Fans nebst Fanbetreuer auch die U19- und die U23-Mannschaft von RB Leipzig. Kleiner Betriebsausflug also, bei dem die Nachwuchsspieler davon träumen durften, auch mal an der Stelle von Fechner, Touré oder Janelt mit ins Trainingslager der Profis reisen und sich bei einem Testspiel präsentieren zu dürfen.

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Tore: 0:1 Aleksic (30./ FE), 1:1 Kalmár (48./ FE), 2:1 Teigl (50.), 3:1 Khedira (89.)

Aufstellung 1.Hälfte: Coltorti – Klostermann, Orban, Nukan, Halstenberg – Ilsanker – Kaiser, Forsberg – Bruno – Poulsen, Selke

Aufstellung 2.Hälfte: Gulacsi – Teigl, Fechner, Compper, Jung – Janelt, Khedira – Touré, Demme, Kalmár – Quaschner

Nicht dabei: Boyd (verletzt), Sabitzer, Hierländer (beide angeschlagen), Bellot, Strauß, Gipson (alle am Vortag bei der U23 im Einsatz)

Zuschauer: 100 in Belek

Links: RBL-Bericht [broken Link], FCSG-Bericht [broken Link]
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Bisherige Testspiele 2015/2016

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Testspieltorschützen 2015/2016

Forsberg, Selke – je 6; Quaschner, Kalmár – je 5; Dzalto – 4; Hierländer, Poulsen, Teigl, Khedira – je 3; Endres, Strauß, Demme, Sabitzer – je 2; Wagner, Kaiser, Reddemann, Palacios Martinez, Mauer, Sebastian, Ilsanker, Bruno, Compper, Halstenberg – je 1

Testspieleinsatzzeiten

  • Demme: 723 Minuten
  • Kaiser: 681 Minuten
  • Khedira: 673 Minuten
  • Teigl: 647 Minuten
  • Hierländer: 598 Minuten
  • Jung: 594 Minuten
  • Orban: 573 Minuten
  • Quaschner: 572 Minuten
  • Bruno: 546 Minuten
  • Sebastian: 517 Minuten
  • Gulacsi: 495 Minuten
  • Gipson: 444 Minuten
  • Strauß: 400 Minuten
  • Bellot: 386 Minuten
  • Mauer: 376 Minuten
  • Klostermann: 370 Minuten
  • Selke: 370 Minuten
  • Kalmár: 363 Minuten
  • Compper: 339 Minuten
  • Forsberg: 334 Minuten
  • Ilsanker: 324 Minuten
  • Coltorti: 315 Minuten
  • Sabitzer: 281 Minuten
  • Poulsen: 270 Minuten
  • Reddemann: 246 Minuten
  • Halstenberg: 240 Minuten
  • Nukan: 225 Minuten
  • Sorge: 180 Minuten
  • Palacios: 165 Minuten
  • Franke: 158 Minuten
  • Skopintsev: 158 Minuten
  • Wagner: 145 Minuten
  • Rabiega: 138 Minuten
  • Suczuz: 135 Minuten
  • Endres: 116 Minuten
  • Dzalto: 90 Minuten
  • Ernst: 90 Minuten
  • Placheta: 90 Minuten
  • Barylla: 87 Minuten
  • Janelt: 75 Minuten
  • Vogel: 64 Minuten
  • Diawusie: 55 Minuten
  • Siebeck: 54 Minuten
  • Becher: 46 Minuten
  • Fechner: 45 Minuten
  • Toure: 45 Minuten
  • Heine: 19 Minuten
  • Beiersdorf: 17 Minuten

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. FC St. Gallen 3:1“

  1. Hallo, im Artikel hast Du bissel den Überblick verloren, was die Tore und den Spielstand betrifft.
    Zur Halbzeit stand es 0:1.
    RB ist also nicht in Führung gegangen
    oder hat den Ausgleich bekommen…..

  2. Naja, das mit dem Überblick war nicht so schwer, nur habe ich dem Spielstand offenbar keine große Bedeutung zugemessen. 😉 Danke für den Hinweis, hab es mal korrigiert.

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