Transfers: Bruno, Hoheneder, Nattermann, Fechner, Wojtkowski, Thomalla

Die Transferbewegungen rund um RB Leipzig sind in diesem Sommer durchaus beachtlich. Und ein Ende noch lange nicht in Sicht, wenn man allein die noch ungeklärte Zukunft diverser verliehener Spieler, aber auch die eigenen Begehrlichkeiten in Bezug auf Neuzugänge sieht.

Geklärt ist seit gestern die Zukunft von Massimo Bruno, der zuletzt mit dem spanischen Erstligisten FC Villareal geflirtet hatte und bei dem unklar war, ob er sich einen Wechsel in die zweite deutsche Bundesliga vorstellen kann. Rein vertragsfaktisch war die Frage eigentlich gar keine Frage, denn der Belgier wurde vor einem Jahr für geschätzte 5 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtet und dann für ein Jahr nach Salzburg weiterverliehen. Dieses Leihjahr lief nun ab, sodass sich sein Vertrag in Leipzig bis 2019 schlicht automatisch anschloss.

Trotzdem hat sich Bruno offensichtlich in Spanien umgeschaut und hatten die Verantwortlichen beim FC Villareal Hoffnungen, einen Wechsel zumindest auf Leihbasis hinzubekommen. Doch am Ende ließ sich Massimo Bruno überzeugen, dass er in Leipzig doch ganz gut aufgehoben ist. Was auch wieder mal ein Indiz dafür ist, dass Ralf Rangnick eine gewisse Überzeugungskraft gegenüber Spielern hat, die an ihren konkreten sportlichen Perspektiven zweifeln.

Bei Bruno hat der Sportdirektor und Trainer vermutlich sehr deutlich gemacht, dass er in dem 21jährigen seinen Wunschzehner sieht. Ihn also in eine Position stecken will, die bei RB Leipzig nicht gerade üppig besetzt ist und auf der in der vergangenen Saison die absolute Topklasse gefehlt hat. Es ist dies wohl auch die Position, auf der sich ein Massimo Bruno am stärksten sieht und die er am liebsten ausfüllt. In Salzburg konnte er die Position nicht immer bekleiden, weil sie im dortigen System nicht immer vorgesehen war, sodass sich Bruno auf der Außenbahn, auf der er gleichwohl auch spielen kann, aufrieb und nicht mehr in die direkte Torvorbereitung kam.

Als zentraler Vorbereiter machte Bruno in Salzburg seine stärksten Spiele und schaffte am Ende einer gebrauchten Saison trotzdem etwa eine Torbeteiligung alle 100 Einsatzminuten. Das lässt sich von der österreichischen Liga natürlich nicht Eins zu Eins auf deutsche Zweitligaverhältnisse übertragen. Dass er sich im Nachbarland schon gegen tiefstehende Gegner mühen musste, ist aber sicherlich kein Nachteil.

Nach einer grausamen Rückrunde in Salzburg, die auch von Verletzungen und von sehr wenig Spielzeit geprägt war, will Bruno, der noch vor einem Jahr als eines der großen Talente Belgiens galt, jetzt also wieder durchstarten. Kann für RB Leipzig nur gut sein, falls Bruno auf konstant hohes Niveau kommt. Seine Stärken liegen dabei sicherlich im Lösen von Eins-gegen-Eins-Situationen und in seinen Vorbereiter-Qualitäten, aber auch in seiner direkten Torgefahr.

Eine schöne Analyse von abseits.at zeigt auf der anderen Seite, dass Massimo Bruno Probleme in der Arbeit gegen den Ball hat. Etwas, wo man natürlich gleich aufhorcht, wenn man bedenkt, dass in Leipzig auch unter Ralf Rangnick sehr viel Wert gelegt werden wird, Bälle im Gegenpressing und durch Aktivität im Spiel gegen den Ball zu gewinnen. Sollte Bruno diesbezüglich tatsächlich tieferliegende Probleme haben, wird ihn in nach seinem Wechsel erst mal eine Lernphase erwarten.

Massimo Bruno besetzt in Leipzig eine offene Kaderstelle und bringt zumindest vom Potenzial her alles mit, um sich hier durchzusetzen und eine prägende Figur in der Liga zu werden. Die Frage wird sein, inwiefern der 21jährige den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen kann. Dass Ralf Rangnick viel Vertrauen in das Talent steckt, kann da sicherlich helfen. Eine ausgemachte Sache ist es allerdings nicht, dass sich Bruno gegen die robusten Zweitligaverteidigungen dauerhaft durchsetzen kann.

Mit Gino Fechner und Kamil Wojtkowski ergänzen zwei Nachwuchsspieler den Profikader von RB Leipzig, die kurzfristig nicht unbedingt für den Zweitligabetrieb vorgesehen sind, sondern über das Training mit den Profis und Spiele mit der U19 erst mal in den Verein hineinwachsen sollen. Angesichts ihrer 17 Jahre muss man auch nicht so tun, als wüsste man viel über ihre Stärken oder ihr Potenzial. Beides wird man erst in mittlerer Zukunft auch durch eigenen Augenschein beurteilen können.

Mit dem U18-Nationalspieler Gino Fechner kommt nach Lukas Klostermann vor einem Jahr der zweite Spieler vom VfL Bochum nach Leipzig. Schon vor ein paar Wochen hatte sich Gino Fechner und sein Vater für den Wechsel nach Leipzig entschieden und dies auch offen kommuniziert. Vor allem die Verknüpfung von Schule und sportlicher Ausbildung hatte es dem Erziehungsberechtigten laut Reviersport angetan. Am Ende einigten sich dann auch die Vereine. Gino Fechner wird als Mittelfeldspieler gehandelt. Wobei das in dem Alter auch noch alles und nichts heißen kann.

Kamil Wojtkowski seinerseits kommt von Pogon Szczecin und feierte im vergangenen Herbst gerade mal 16jährig sein Debüt in der ersten polnischen Liga. Wojtkowski ist wie Fechner im Mittelfeld zu Hause, allerdings mit etwas offensiverer Ausrichtung. Aber auch hier gilt, dass das in dem Alter wohl noch nicht ganz viel zu sagen hat. Letztlich bleiben Fechner und Wojtkowski zwei Talente in noch sehr jungem Alter, bei denen man einfach abwarten muss, wie sie sich mit welchen Qualitäten auf welcher Position irgendwann mal beweisen können.

Auch noch irgendwie als Talent durch geht Denis Thomalla, der den umgekehrten Weg von Kamil Wojtkowski geht und zum polnischen Meister Lech Poznan wechselt. Mit seinen 22 Jahren ist der Offensivspieler in jedem Fall in einem Alter, in dem er noch einige Entwicklungsschritte gehen kann. Den letzten hatte er in Österreich beim SV Ried gemacht, wohin ihn RB Leipzig am Anfang der zurückliegenden Saison mit Ablauf der Transferperiode Ende August verliehen hatte. In Ried spielte er im Gegensatz zu den 12 Monaten zuvor in Leipzig eine tragende Rolle und traf in 29 Ligaspielen 10mal, nachdem er in Leipzig in 21 Partien nur dreimal (davon einmal in der zweiten Liga) getroffen hatte.

Denis Thomalla bringt sicherlich vieles mit, was ein guter Offensivspieler braucht, weil er eine gute Technik hat und auch im Spiel gegen den Ball viele Qualitäten besitzt. In Leipzig konnte er dies zum Ende seiner Zeit auf der Acht und nicht auf der gewohnten Sturmposition unter Beweis stellen. Typisch für Thomalla in seinen Leipziger Tagen aber auch ein gewisses Phlegma, das immer wieder durchbrach und das den vielleicht letzten, dauerhaften Schritt in die Formation von Alexander Zorniger verhinderte. Passend dazu, dass Thomalla einst bekundete, dass er ein Spieler sei, der auch immer mal einen Arschtritt brauche.

Der Schritt nach Polen und in die Qualifikationsrunde zur Champions League ist für Thomalla sportlich sicherlich eine Herausforderung. Aber auch ein Schritt, an dem er wachsen und sich in den drei Vertragsjahren interessant machen kann für Vereine aller Art. Von ganz weit weg betrachtet, scheint Thomalla schon das Jahr in Ried in Sachen Erwachsenwerden geholfen zu haben. Der nun dauerhafte Wechsel weg von RB Leipzig könnte diesen Schritt beschleunigen und zur weiteren (positiv gemeint) Erdung des noch in Leipzig von der Nationalelf träumenden Thomalla beitragen.

Mit Tom Nattermann verließ ein weiterer Spieler RB Leipzig, der vor nicht allzu langer Zeit noch als großes Talent galt, den Verein und sucht sein Glück bei Drittligist Erzgebirge Aue. Nattermann wird auf ewig mit der Leipziger Vereinsgeschichte verknüpft sein, weil er der erste Spieler aus dem eigenen Nachwuchs war, der einen Profivertrag unterschreiben durfte. Und damit gewissermaßen das Aushängeschild der Ausbildung von RB sein sollte. Drei Jahre später muss man festhalten, dass Nattermann tatsächlich ein Prototyp ist. Allerdings dahingehend, dass er stellvertretend dafür steht, dass es bisher noch keine Durchlässigkeit von Nachwuchs zu Profis gibt.

Tom Nattermann hatte bei seinem Wechsel nach Aue via BILD geklagt, dass er nie eine wirkliche Chance im Profiteam von RB Leipzig bekommen habe. Das ist sicherlich ein Teil der Geschichte. Verletzungen und der Abgang des ihn verpflichtenden Trainers gehören genauso dazu wie eine gewisse Schwierigkeit, sich den Gegebenheiten des Zornigerischen Balljagdfußballs anzupassen. Und sagen wir so, Tom Nattermann wird wohl nur eine vernünftige Karriere vor sich haben, wenn er die Gründe für die Nichtberücksichtigung seiner Person im Profibereich in Pflichtspielen auch bei sich sucht.

Der erst 22jährige Nattermann hat in den letzten drei Jahren bewiesen, dass er ein guter Vollstrecker vor dem gegnerischen Tor ist. Zumindest in niedrigen Ligen, denn in den letzten drei Jahren spielte Nattermann zwei Spielzeiten lang in der Landesliga und eine Spielzeit in der fünftklassigen Oberliga, weil die U23 des Vereins eben noch relativ weit unten herumdümpelte. Die 26 Treffer in 29 Spielen, die er in der zurückliegenden Saison zum Regionalliga-Aufstieg beisteuerte, sind aber durchaus bemerkenswert und ließen Aue beherzt zugreifen.

Als klassischer Torjäger kann Nattermann auch in Aue funktionieren, wenn man einen entsprechenden Platz für ihn vorgesehen hat. Auch wenn der Schritt aus der maximal semiprofessionellen Oberliga in die robuste dritte Liga ein riesiger ist. Vor allem stellt sich aber für Nattermann die Frage, inwieweit er sich auch noch mal zu einem kompletteren Stürmer mit vielseitigen Qualitäten entwickeln kann. Der Schritt nach Aue ist diesbezüglich und sowieso als Karriereschritt der absolut richtige.

Bliebe noch Niklas Hoheneder, den es nach einigen Drittligagerüchten (Kiel, Dresden) nun zum Bundesligaabsteiger SC Paderborn verschlägt. Viel besser hätte es für den 28jährigen Innenverteidiger nicht laufen können. Wenn man mal die Option weglässt, dass er in Leipzig geblieben wäre. Warum man in den letzten Monaten nach dem Zorniger-Abgang so wenig auf den Österreicher gesetzt und lieber bunt Rodnei, Compper und Klostermann durcheinandergewürfelt und an die Seite des meist gesetzten Tim Sebastian gestellt hat, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen von RB Leipzig.

Hoheneder ist nach Frahn und Heidinger fast schon der letzte aus der Generation der Spieler, die 2012/2013 den bitteren Nichtaufstieg aus der Regionalliga erleben mussten und später als verschworenes Team zwei Aufstiege in Folge feierten, der RB Leipzig verlassen muss (lediglich Sebastian und Bellot sind noch übrig). 86 Spiele in Liga und DFB-Pokal hat er in den letzten dreieinhalb Jahren im RB-Dress bestritten. Anfangs unter Pacult noch eher schwer in Tritt kommend, war er unter Zorniger oft gesetzt und wurde zu einer wichtigen Stütze des Teams.

Bei seiner Vorgängerstation Karlsruhe noch als sehr fehleranfällig kritisiert, präsentierte sich Hoheneder in seinen besten Tagen in Leipzig als zweikampfstark, annehmbar schnell, einsatzwillig, kopfballstark und manchmal sogar torgefährlich. Eine Gesamtpaket, das man dem oft schlaksig wirkenden Hoheneder gar nicht zugetraut hätte. In Erinnerung bleibt sicherlich sein Jubel nach dem 2:1 gegen Wolfsburg II 2012 am vorletzten Spieltag, als der Aufstieg kurz greifbar schien.

In Erinnerung bleibt aber auch sein ungebremster Horrorsturz auf den Kopf aus dem Spiel gegen Aue am Anfang dieser Saison. Ein Sturz, den nur ein Sportler wohl ohne bleibende, schwere Schäden überstehen konnte, der ihm aber Probleme mit der Muskelbeherrschung einbrachte und ihn dadurch auch fast die komplette Zweitligahinrunde kostete. Umso emotionaler als er im vergangenen Dezember in Fürth den Siegtreffer erzielte.

So richtig in die Spur kam Hoheneder sportlich in der Folge aber nicht mehr. Auch weil man nach dem Trainerwechsel nicht mehr wirklich Verwendung zu haben schien. Dass er seine nächste Zweitligachance nun in Paderborn bekommt, ist für ihn sicherlich eine schöne Geschichte. Vernünftiges Umfeld, vernünftige Mannschaft. Vermutlich wird er in Sachen Trainingsbedingungen und Infrastruktur einige Abstriche machen müssen, aber das wird er wohl gerne in Kauf nehmen für die sportliche Chance. Möge der sympathische Hoheneder, der als Typ eine Lücke in Leipzig hinterlässt, sie nutzen.

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