Testspiel: RB Leipzig vs. Queens Park Rangers 2:0

Da war er schon der letzte Akt in der Vorbereitung auf die wartende Zweitligasaison. In dem sich RB Leipzig insgesamt recht gut präsentierte und den Aufsteiger in die englische Premier League Queens Park Rangers verdient mit 2:0 besiegte. Während man in der ersten Hälfte noch ein überschaubares Spielniveau beäugen durfte, zog in Hälfte 2 das Tempo deutlich an und entsprechend konnten sich die RasenBallsportler dann auch einige Chancen erarbeiten.

Wenn man davon ausgeht, dass das letzte Testspiel vor dem Ligastart als Generalprobe genutzt wird, dann sollte man in einem solchen Spiel auch einige Antworten finden. Eine dieser Antworten dürfte darin bestehen, dass Alexander Zorniger mit ziemlicher Sicherheit mit einem 4-3-1-2-System in das Spiel gegen Aalen am kommenden Wochenende gehen wird, in dem Dominik Kaiser auf der Zehn gesetzt wäre. Auch gegen Queens Park Rangers zeigte sich wieder, wie gut ein Kaiser dort sowohl im Pressing, als auch als ballsicherer Spieler zwischen des Gegners Ketten tut.

Mit der Entscheidung für ein 4-3-1-2 ist auch logisch verbunden, sich im Sturm zwischen Frahn und Boyd entscheiden zu müssen. Yussuf Poulsen ist als komplettester und aktuell auch bester aller Stürmer über jeden Zweifel erhaben, sodass nur noch eine Position frei bleibt. Gegen die QPR durften sich Frahn und Boyd jeweils eine Halbzeit lang zeigen.

Ersterer blieb in einer Halbzeit ohne größere Chancen weitgehend ohne auffällige Aktionen. Boyd war da in der zweiten Halbzeit schon auffälliger und bereitete das 1:0 mit einem großartigen Ball in die Tiefe sehr gut vor. Allerdings griff Zorniger auch immer wieder in sein Stellungsspiel bei der Arbeit gegen den Ball ein und sowieso stellt sich die Frage, für wie viele Minuten die Kraft eines Boyd im Fall der Falle reichen würde. Ziemlich offener Konkurrenzkampf, zumal wenn man bedenkt, dass Frahn der Kapitän ist.

Eine leicht überraschende Antwort bestand auch darin, dass Stefan Hierländer als einziger Feldspieler neben Prevljak nicht eingewechselt wurde und entsprechend aktuell offenbar deutlich hintenan steht im Kampf um einen Platz auf der Achterposition. Überraschend ist das vor allem im Zusammenhang damit, dass der erst 18jährige John-Patrick Strauß 74 Minuten lang auf der Acht spielen durfte und dann sogar von Sebastian Heidinger abgelöst wurde, der diese Position unter Zorniger noch nie inne hatte.

Zumal man sich auch vor Augen halten muss, dass im Mittelfeld mit Kimmich (U19-EM), Demme (Viruserkrankung) und Fandrich (Knie) gleich drei Spieler fehlten, die als Konkurrenten für Hierländer noch dazu kommen. Keine optimale Situation sicherlich im Moment für den 23jährigen Neuzugang aus Österreich.

Angesichts der Ausfälle stellte sich das Mittelfeld quasi von selbst auf. Rani Khedira auf der Sechs mit einer ordentlichen Leistung. Falls Diego Demme bis nächste Woche vollständig gesundet ist, könnte er Khedira trotzdem wieder verdrängen. Im Team bleiben dürfte aber in jedem Fall Denis Thomalla, der sich in der Vorbereitung einen Platz auf der linken Acht erkämpft hat und nach einem leichten Rückfall in alte Zeiten in der ersten Halbzeit gegen QPR in der zweiten Halbzeit zeigte, warum er sich die Chance auf einen Zweitliga-Starteinsatz redlich verdient hat.

Ähnlich verhielt es sich bei John-Patrick Strauß, der in der Vorbereitung zwischen Innenverteidigung und Acht alles mal gespielt hat und nun offenbar durchaus auch Chancen hat, gegen Aalen mit von der Partie zu sein. Allerdings wäre es auch möglich, dass Demme statt auf die Sechs auf Strauß‘ Achterposition rutscht. Trotzdem beachtlich, was Strauß bei seinen ersten Gehversuchen im Profibereich leistet, auch wenn man gegen QPR in manchen Situationen durchaus noch die (natürlich) fehlende Abgeklärtheit gemerkt hat.

Eine erstaunliche Antwort bestand auch darin, dass Sebastian Heidinger, der in der letzten Saison noch deutlich der beste Außenverteidiger bei RB Leipzig war, im letzten Test am Anfang nur auf der Bank saß und später auch nicht auf der Außenverteidigerposition eingesetzt wurde, sondern wie bereits erwähnt auf der Acht. Kann man durchaus als Signal werten, dass er auch nächste Woche nicht in die Verteidigungskette zurückkehrt. Bleibt es so, dann gibt es in der hinteren Kette (Teigl, Hoheneder, Sebastian, Jung) sicherlich keinen Wechsel mehr.

Im letzten Testspiel wurde das spektakulärste Treiben in der ersten Hälfte vom Wettergott geliefert, der ungefähr ab der 30. Minute sintflutartige Regenfälle über den Sportplatz schickte und dafür sorgte, dass es unter dem Dach der Haupttribüne kuschelig wurde. Auf dem Rasen hatte RB Leipzig das Geschehen abgesehen von ein, zwei leichten defensiven Unkonzentriertheiten in der Anfangsphase im Griff. Ohne, dass aus der Dominanz offensive Gefahr entstanden wäre.

Das Tempo in den Ballstafetten war in dieser Phase des Spiels zu gering, um den Gegner entscheidend zu verwirren. Dazu kamen einige Ungenauigkeiten und Flankenversuche, mit denen die hochgewachsene Abwehr der Gäste kaum Probleme hatte. Richtig gefährlich wurde es eigentlich nur, als Thomalla kurz vor der Pause einen direkten Freistoß an die Latte setzte.

Nach der Pause zeigte RB Leipzig dann viel von dem, was sie in der Rückrunde der vergangenen Saison stark machte. Nämlich relativ konsequentes Pressing, dem sich der Gegner nur selten und wenn dann zu ungenau entziehen konnte. Was dazu führte, dass die Londoner Gäste kaum noch vor das RB-Tor kamen und RB Leipzig auf der anderen Seite immer mal wieder nach Ballgewinnen offene Räume vorfand. Zweimal nutzte dies Yussuf Poulsen eiskalt aus und übernahm damit die Führung in der RB-Testspieltorjägerliste. Eine eigentlich weitgehend sinnfreie Liste, die aber nun zufällig auch tatsächlich anzeigt, wer aktuell die Nummer 1 im Sturm ist.

Wenn man bedenkt, dass RB Leipzig in den vier Testspielen zuvor gleich neun Gegentreffer kassierte, dann darf man die Partie gegen die Queens Park Rangers und das viel bessere Funktionieren des Pressings als Methode der Defensivarbeit durchaus als enormen Fortschritt begreifen bzw. als Rückkehr der Selbstsicherheit, dass man diese Fähigkeiten in den letzten Wochen nicht verloren hat.

Wobei sich natürlich auch die Frage stellt, inwiefern das angesichts des Gegners überhaupt aussagekräftig ist. Denn in Sachen Pressingresistenz, sprich technisch sauberem Verarbeiten des Balles im Mittelfeld, waren die Queens Park Rangers sicherlich nicht das Vorzeigeteam schlechthin. Inwieweit dies das typische Zweitligateam besser kann, wird man in den nächsten Wochen sehen können. Auch gegen die Gäste aus London zeigten sich an der einen oder anderen Stelle defensive Lücken, die nutzbar gewesen wären.

Insgesamt war die Partie aber ein gelungener Schlusspunkt unter die Testspiele, weil man den englischen Erstligisten 90 Minuten lang dominierte und in der zweiten Halbzeit die wohl im Gesamtzusammenspiel der Mannschaft beste Leistung in der Vorbereitungszeit zeigte. Sprich, man sich pünktlich zum Saisonstart langsam in Richtung des Niveaus bewegt, auf das man kommen will.

Etwas irritierend vielleicht, dass gegen die Queens Park Rangers mit Khedira nur ein Neuzugang von Beginn an spielte. Und der seinen Platz wohl auch vor allem der Abwesenheit von Demme und Kimmich verdankte. Aber letztlich ist dies bei RB Leipzig ja nichts neues, dass Neuzugänge (fast) immer erst mal ein paar spieltaktische Anpassungswochen oder -monate brauchen. Trotzdem bleibt der Fakt, dass man mit einer fast unveränderten Kaderbesetzung in die zweite Liga geht. Weshalb es durchaus erstaunen darf, dass RB Leipzig vielerorts fast schon wie selbstverständlich als Aufstiegsfavorit durchgeht.

Fazit: Mal abgesehen von den Wetterkapriolen ein guter und erfolgreicher letzter Test vor dem Zweitligastart. Dazu ein bisschen Umlandpflege im nur eine Autostunde entfernten Gera. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung. Und jetzt darf es dann auch langsam wieder ernst werden.

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Tore: 1:0 Poulsen (62.), 2:0 Poulsen (72.)

Aufstellung: Bellot – Teigl, Hoheneder (85. Willers), Sebastian, Jung – Strauß (74. Heidinger), Khedira, Thomalla – Kaiser (85. Palacios Martinez) – Poulsen (80. Morys), Frahn (46. Boyd)

Zuschauer: 2.948 (in Gera)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], QPR-Bericht

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2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Queens Park Rangers 2:0“

  1. Ich finde es richtig, dass Zorniger manchen Spielern gestern mal einen kleinen Denkzettel verpasst hat. Die Leistung in der 1. Halbzeit gegen Getafe war wirklich dürftig. Dennoch vermute ich, dass beispielsweise Heidinger genau wie Frahn mit einem kleinen Bonus in die Saison geht und gegen Aalen von Anfang an spielt. Für das Mittelfeld bleibt zu hoffen, dass Kimmich am Montag mit Deutschland verliert und somit rechtzeitig für den Liga-Auftakt zur Verfügung steht.

  2. Ich gönne Kimmich den Titel, der war im letzten Spiel der Auswahl richtig Klasse. Da müssen eben die anderen die A…backen zusammen kneifen.

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