Neue Vereine, neue Wege

RB Leipzig ist genau der Klub, den die Fußballverbände für ihre Ostpolitik verdienen; also für eine Politik, die es nie gab. (FAZ, 13.05.2014)

Red Bull ist letztlich die Konsequenz daraus, dass es im ostdeutschen und speziell im Leipziger Fußball keinen nachhaltigen Aufschwung gab. Es ist letztlich die Folge der wirtschaftlichen Überlegenheit der alteingesessenen Bundesligavereine. Und letztlich ist das Gejammer, dass nun plötzlich vielleicht Vereine verdrängt werden könnten, die vorher noch selbst die Verdränger waren, weil nun ein Fisch kommt, der wirtschaftlich eventuell Augenhöhe herstellen kann, ziemlich verlogen. Wären die ostdeutschen Clubs (neben gerade in Leipzig vielen anderen Faktoren) nach der Wende nicht von den damals dicken Fischen verdrängt worden, wir würden heut und hier nicht über Red Bull reden. That’s for sure. (rotebrauseblogger, 28.03.2012)

Es ist natürlich immer ein bisschen simpel, ein Problem zu konstatieren und dann gleich mit ausgestrecktem Finger auf jemanden zu zeigen, dem man das Problem anhängen kann. Wenn man über den Ostfußball nach der Wende spricht, ist dies auch so. Klar kann man auf die nackten Zahlen verweisen und aufzählen, wie viele alteingesessene Clubs aus dem Gebiet der alten DDR (die hier als gemeinsamer wirtschaftlich-historischer Rahmen für die Vereine gesehen wir) im Mittelmaß versunken sind und dann auf irgendeinen Verband zeigen, der daran Schuld gewesen sein soll.

Fakt ist, dass die Vereine aus den ’neuen‘ Bundesländern – abgesehen von der Saison, in der man in die Bundesligen integriert wurde – nie mehr als zusammen fünf Erst- und Zweitligisten in einer Saison stellten. Fakt ist auch, dass gerade infrastrukturell viele alteingesessene Vereine in den 90ern und den frühen 00ern in Rückstand gerieten. Union meisterte die Hürde mit Hilfe der Zuschauer, bei Dynamo dagegen knabbert man immer noch am Stadion.

Fakt ist, dass gerade jene Vereine, die als die ranghöchsten Vertreter der DDR in die Bundesliga kamen, heute im Mittelmaß versunken sind. Die fünf Vereine, die in der letzten DDR-Oberliga-Saison auf den Plätzen 1-5 (Dresden, Rostock, Chemnitz, Erfurt, Halle) einkamen, spielen heute dritte Liga. Die Plätze 6 und 7 (Jena, Lok Leipzig) spielen Regionalliga. Und über manch anderen Club (Brandenburg, Eisenhüttenstadt, FC Sachsen, Frankfurt (O)) wird nicht mal mehr aus historischem Interesse geredet.

Wenn man diese Daten ernst nimmt, dass gerade die Clubs scheiterten, die eigentlich sportlich und von ihrem Unterstützerumfeld her die besten Chancen gehabt haben müssten, sich in einer der beiden Bundesligen durchzusetzen, dann kann daraus nur folgern, dass es Bedingungen gegeben haben muss, die dauerhaften Erfolg quasi verunmöglichten. Wobei man hier zuerst an die Glücksritter denken muss, die aus der damaligen westdeutschen zweiten Managerreihe in den Osten kamen und dort den Clubs die goldene Zukunft versprachen und sie meist eher in die Probleme hineinritten, als zu helfen.

Damit verbunden sicherlich auch, dass die Clubs fast ausschließlich mit dem sportlich-wirtschaftlichen Überlebenskampf beschäftigt waren und in diesem Kampf kein Platz blieb bzw. keinerlei Rücklagen vorhanden waren, um das Vereinsumfeld und die Infrastruktur in Bezug auf das Stadion und die Nachwuchsarbeit auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu bringen. Wobei diese Erklärung spätestens bei Hansa Rostock scheitert, die zwischen 1995 und 2005, also in einer Zeit, in der Professionalisierung und Kommerzialisierung deutlich anzogen, durchgängig in der ersten Liga spielten und entsprechend von den wachsenden Einnahmen und der größer werdenden Schere nach unten eigentlich hätten profitieren müssen. Und inzwischen mit erheblichen finanziellen Problemen doch in der dritten Liga spielen.

Mal ganz von der Ursachenforschung abgesehen, ist es ein Fakt, dass es nach der Wende und in den letzten reichlich 20 Jahren verpasst wurde, den ’neuen‘ Vereinen Hilfe zur Selbsthilfe derart mitzugeben, dass die Vereine zu dauerhaft tragfähigen Profifußball-Entitäten werden konnten. Und zumindest direkt nach der Wende kann man dem DFB eine ähnliche Naivität wie den Ostclubs unterstellen, denn zu glauben, dass man mal eben acht Vereine mit in die Bundesligen aufnimmt und sich der Rest schon selbst zum Guten wenden wird, lässt sich angesichts der enormen Herausforderungen, die die Clubs in wirtschaftlich zusammenbrechenden Gegenden meistern mussten, nur mit Naivität erklären.

Sei diese Ursachenforschung wie sie sei. Fakt ist letztlich, dass jene drei Vereine aus ehemaligen DDR-Städten, die nächstes Jahr an der zweiten Bundesliga teilnehmen werden (einen Erstligisten gibt es seit 2009 nicht mehr), entweder zur Wendesaison 1990/1991 noch zweitklassig spielten (Aue, Union) oder noch lange nicht gegründet waren (RB Leipzig). Allein dies ist nach 23 Jahren deutsch-deutschem Fußball ein Fakt, den man (wenn man nicht gerade einem der Vereine anhängt) nicht betrauern, den man aber zur Kenntnis nehmen muss und über dessen Gründe man nach Herzenslust streiten darf.

Mit 2+6, also zwei Bundesligisten und sechs Zweitligisten waren die neuen Länder 1991 angetreten. 23 Jahre später wird man mit 0+3 in die neue Saison gehen. Im Schnitt waren es seit 1991 jährlich ein Bundesligist und drei Zweitligisten (dem Bevölkerungsschnitt würden etwa 6 Teams entsprechen). Selbst dieser maue Schnitt wird also in der kommenden Saison noch mal unterschritten. Für die historischen Tiefstände mit je einem Erst- und Zweitligisten in den Jahren 1998/1999 und 2008/2009 reicht es zwar nicht, dafür sind alle Vereine (abgesehen von den mittel- bis langfristigen Perspektiven von RB Leipzig) von einer dauerhaften Erstligazeit oder gar von europäischen Wettbewerben seit ewigen Zeiten und auf absehbare Zukunft komplett abgeschnitten.

Der Fußball in den neuen Ländern gehört seit mehr als 20 Jahren nicht zur Landesspitze. Abgesehen von ein paar Pokalüberraschungen (Union, Cottbus) haben die Vereine keine entsprechenden Fähigkeiten und Potenziale, weil ihnen einfach die entsprechende wirtschaftliche Basis fehlt, sich im Verdrängungswettbewerb Profifußball dauerhaft gute Plätze zu sichern. Da kann man vielleicht mal ein paar Jahre oberhalb oder am oberen Limit der Möglichkeiten spielen (Cottbus, Aue), aber auf Dauer fehlt eben doch die Substanz. Selbst in Dresden, wo es eine Fußballverrücktheit, wie kaum irgendwo im Land gibt (was natürlich auch nicht immer gut ist, wenn dadurch dauerhaft Unruhe im Verein herrscht).

Klar, es gibt keine Anrechte auf Profifußball, die auf geographischen Kriterien beruhen. Deswegen darf man auch nicht jammern, dass der wirtschaftliche Background bei den meisten Vereinen zu der Lage geführt hat, in der die Vereine eben stecken. Denkt man an das Saarland oder an Schleswig-Holstein, sieht es schließlich auch nicht anders aus. Auf der anderen Seite sollte aber auch niemand jammern, wenn sich in diesen fußballerischen Entwicklungsregionen eben neue Strukturen und Konstruktionen finden, mit denen die vorhandenen Löcher zur Fußballspitze gestopft werden sollen.

Es gab mehr als 20 Jahre lang offenbar keinen Weg, regionale Förderung bestehender Strukturen zu betreiben? Dann sucht sich das Leben jetzt eben seinen eigenen Weg, lokale Fußballstrukturen aufzubauen. Vielleicht nicht in der Art und Weise wie es denkbar und vielleicht von der Mehrheit auch wünschenswert gewesen wäre. Aber so ist das mit Wegen, manchmal entstehen sie genau da, wo sie der Landschaftsplaner nie hingesetzt hätte. Und trotzdem werden sie von denen, die sie lokal begehen müssen, gerne angenommen. Vielleicht weil sie kürzer sind, vielleicht weil sie schöner sind. Aber die Diskussion dieser Gründe führt an dieser Stelle viel zu weit.

  • Bundesliga
    • Hansa Rostock 1991/1992, 1995-2005, 2007/2008
    • Dynamo Dresden 1991-1995
    • VfB Leipzig: 1993/1994
    • Energie Cottbus: 2000-2003, 2006-2009
  • 2. Bundesliga
    • Chemnitzer FC 1991-1996, 1999-2001
    • FC Carl Zeiss Jena 1991-1994, 1995-1998, 2006-2008
    • VfB Leipzig 1991-1993, 1994-1998
    • Hallescher FC 1991/1992
    • FC Rot-Weiß Erfurt 1991/1992, 2004/2005
    • Stahl Brandenburg 1991/1992
    • Hansa Rostock: 1992-1995, 2005-2007, 2008-2010, 2011/2012
    • FSV Zwickau: 1995-1998
    • FC Energie Cottbus: 1997-2000, 2003-2006, 2009-2014
    • Union Berlin: 2001-2004, 2009-
    • SV Babelsberg 03: 2001/2002
    • Erzgebirge Aue: 2003-2008, 2010-
    • Dynamo Dresden: 2004-2006, 2011-2014
    • RB Leipzig: 2014-
  • Nach Jahren (vor dem Schrägstrich Erstligavereine, dahinter Zweitligavereine)
    • 1991/1992: Hansa Rostock, Dynamo Dresden/ Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig, Hallescher FC, FC Rot-Weiß Erfurt, Stahl Brandenburg
    • 1992/1993: Dynamo Dresden/ Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig, Hansa Rostock
    • 1993/1994: Dynamo Dresden, VfB Leipzig/ Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, Hansa Rostock
    • 1994/1995: Dynamo Dresden/ Chemnitzer FC, VfB Leipzig, Hansa Rostock
    • 1995/1996: Hansa Rostock/ Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig, FSV Zwickau
    • 1996/1997: Hansa Rostock/ FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig, FSV Zwickau
    • 1997/1998: Hansa Rostock/ FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig, FSV Zwickau, FC Energie Cottbus
    • 1998/1999: Hansa Rostock/ FC Energie Cottbus
    • 1999/2000: Hansa Rostock/ Chemnitzer FC, FC Energie Cottbus
    • 2000/2001: Hansa Rostock, Energie Cottbus/ Chemnitzer FC
    • 2001/2002: Hansa Rostock, Energie Cottbus/ Union Berlin, SV Babelsberg 03
    • 2002/2003: Hansa Rostock, Energie Cottbus/ Union Berlin
    • 2003/2004: Hansa Rostock/ FC Energie Cottbus, Union Berlin, Erzgebirge Aue
    • 2004/2005: Hansa Rostock/ FC Rot-Weiß Erfurt, FC Energie Cottbus, Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden
    • 2005/2006: / Hansa Rostock, FC Energie Cottbus, Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden
    • 2006/2007: Energie Cottbus/ FC Carl Zeiss Jena, Hansa Rostock, Erzgebirge Aue
    • 2007/2008: Hansa Rostock, Energie Cottbus/ FC Carl Zeiss Jena, Erzgebirge Aue
    • 2008/2009: Energie Cottbus/ Hansa Rostock
    • 2009/2010: / Hansa Rostock, FC Energie Cottbus, Union Berlin
    • 2010/2011: / FC Energie Cottbus, Union Berlin, Erzgebirge Aue
    • 2011/2012: / Hansa Rostock, FC Energie Cottbus, Union Berlin, Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden
    • 2012/2013: / FC Energie Cottbus, Union Berlin, Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden
    • 2013/2014: / FC Energie Cottbus, Union Berlin, Erzgebirge Aue, Dynamo Dresden
    • 2014/2015: / Union Berlin, Erzgebirge Aue, RB Leipzig

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6 Gedanken zu „Neue Vereine, neue Wege“

  1. Der Westen, damals noch in Gestalt des DFB, hat den Osten sowohl finanziell als auch vor allem talentebezogen von Anfang an regelrecht ausbluten lassen … werde nie vergessen wie Calmund mal erzählte daß er am ersten Tag der möglichen Wechselfrist um 00.01 Uhr bei Ulf Kirsten vor der Haustür stand (und anschließend gleich zu Andreas Thom weiterzog) … die ostdeutschen Toptalente wurden reihenweise abgeworben, dazu zu lächerlichen Preisen weit unter Marktniveau … noch heute schwärmt ein Jürgen Klopp davon daß er aus dem Osten solch top ausgebildeten Talente „geliefert“ bekommt (Löwe, Schmelzer, Bittencourt) die schon eine gewisse Qualität aufweisen würden … toll, sagt sich der Ossi, haben wir gern gemacht, aber was ist da nun für uns drin??

    Stattdessen wird Ostdeutschland mit Länderspielen gegen Malta und Liechtenstein abgespeist, bloß ja keine hochkarätigen Gegner, um Gottes Willen, der Ostdeutsche rennt schon hin, egal wer kommt, er verzehrt sich ja schließlich für nur ein wenig größeres Fußball-Flair, da reichen die paar Knochen die wir da ab und an hinwerfen und die 3.Spielklasse wird ja sowieso so langsam zur Ostliga, da haben die dann immer tolle Traditionsderbys womit die Probleme schön verschleiert werden können.

    Allein dafür muß man RB dankbar sein, daß hier auf langfristige Sicht den eigenen Talenten sowohl sportliche als auch finanzielle Anreize gegeben werden eben NICHT in den Westen wechseln zu müssen … wäre doch schön gewesen mal einem Rene Adler, einem Tobias Werner, Tony Jantschke, Nils Petersen, Toni Kroos oder Maximilian Arnold diese Perspektive bieten zu können … dank RB wird es hoffentlich bald möglich sein!

  2. Ja, ich kann deine Zustandsbeschreibung ja unterschreiben; die können vermutlich alle unterschreiben. Nur kann ich eben nicht nonchalant sagen: Tja, weil ihr es eben nicht hinbekommen habt, den Osten sinnvoll zu integrieren, gehen wir halt neue Wege, nämlich den RedBull-Weg, auch wenn er so nie von den Landschaftsplanern des DFB und der DFL gewollt war.
    Wie so oft heiligt auch hier der Zweck eben nicht die Mittel. Und ich würde vermuten, dass die Mehrheit der Fans der anderen Ost-Mannschaften kein Interesse daran haben, mit ihrer Historie als argumentatives Feigenblatt für eine wie auch immer geartet Berechtigung eines RedBull-Wegs im Osten zu dienen.

  3. @Wuppertaler: Mir geht es dabei nicht darum, irgendwas zu legitimieren. Mein Fan- und Fußballerleben in Bezug auf RB Leipzig legitimiert sich sowieso qua meiner Existenz. Im konkreten Fall ist es tatsächlich eine Beschreibung. Man muss das nicht gut finden, man kann sich auch davon distanzieren, man kann aber nicht negieren, dass bestimmte historische Prozesse zum jetzigen Zustand geführt haben. Und die versuche ich zu beschreiben. Alles andere darf jeder selbst mit sich ausmachen.

    1. Vielen Dank für diesen Artikel. Was war das damals, 1991, für ein Aufschrei, als es hieß, daß nur 2 Mannschaften aus dem Osten in der Ersten sowie 6 in der Zweiten Bundesliga spielen dürfen! Nur 8 unter den besten 36 in Deutschland! Und wie glücklich würden sich die meisten Fußballfans zwischen Ostsee und Erzgebirge fühlen, gäbe es immer noch so viele Profimannschaften aus dem NOFV! Die Gründe dafür, daß es künftig lediglich 3 Zweitligisten gibt, mögen vielfältig sein, sicher zum Teil auch „hausgemacht“. Ich halte auch nicht viel davon, dem DFB, Rainer Calmund oder Rolf-Jürgen Otto die Schuld für die schwierige Situation vieler ostdeutscher Klubs zu geben. Aber es ist ein Fakt, daß gerade in den letzten 10 Jahren mit der zunehmenden Vermarktung der Bundesliga (Fernsehrechte, Championsleague-Gelder usw.) die Verhältnisse im Profifußball relativ zementiert sind. Das spüren nicht nur die Vereine im Osten, sondern auch einige Traditionsklubs aus dem Westen. Sicher, es gelingt immer wieder einigen Mannschaften, sich durch Geschick, eine gute Vereinspolitik und hervorragende Trainer (und Manager) mit vergleichsweise geringen Summen (neu) in der Liga zu etablieren. Der FCA oder Mainz 05 sind gute Beispiele hierfür. Aber selbst diese Summen sind für keinen Verein im Osten aktuell oder auf mittelfristige Sicht realistisch!
      Und nun, Wuppertaler, geschieht das Unglaubliche: Red Bull investiert in Leipzig. Der Zweck heiligt die Mittel? Welche Mittel? Ich möchte nicht zum xten Male die Legitimität des Vorgehens von Red Bull diskutieren, das wurde (auch von Dir) schon erschöpfend im Forum und dem Rotebrauseblog diskutiert. Aber jenseits der Frage, ob die Lizenz berechtigt ist oder nicht und ob es moralisch verwerflich ist, mit dem Sponsoring Geld zu verdienen, frage ich mich, was ist so schlimm? Es entsteht eine Fußball- und Fankultur in Leipzig, die sich sicher in einigen Dingen von den Traditionalisten unterscheidet. Na und? Wem schadet RB? Den anderen Ostvereinen? Wohl kaum, auf lange Sicht dürften sie sogar
      eher profitieren, beispielsweise durch ausgebildete Spieler, die den Sprung nicht schaffen. Und im Sponsorenpool der Hallenser, Auer oder Dresdner wird RB auch nicht wildern. Zugegeben, RB wird Talente aus eben diesen Teams verpflichten. So what? Gehen die eben nicht nach Berlin, Bremen oder Dortmund.
      Ich erwarte nicht, daß die Mehrheit der Fans als „argumentatives Feigenblatt“ herhält oder Verständnis für den RB-Weg äußert. Denn Verständnis hätten sie ganz bestimmt auch nicht, wenn Lipsia Eutritzsch (gegründet 1893) durch gute Jugendarbeit, kluge Personalpolitik, externe Geldgeber und als e. V. entsprechend den gültigen Regularien von der Bezirksliga Leipzig innerhalb von 15 Jahren in die Bundesliga aufsteigen würde.
      Aber Du hast es eigentlich selbst gesagt: dieser (RB-)Weg war möglicherweise von den Landschaftsplanern des DFB und der DFL nicht geplant. Aber er ist nur die konsequente Fortsetzung der zunehmenden Vermarktung des Fußballs und der Bundesliga unter Berücksichtigung der besonderen Situation des Vereinsfußballs im Osten Deutschlands.
      Ich freue mich einfach darauf, in Zukunft Spiele und Spieler der 1. und 2. Liga zu sehen, ohne nach Berlin, Wolfsburg oder Stuttgart fahren zu müssen.

  4. @Wuppertaler, wenn man einerseits die Probleme im Osten als gegeben annimmt ist es doch völlig legitim zu sagen: Gut – es hat auf dem alten Weg nicht geklappt. Der historisch einmalige Verlauf einer Wiedervereinigung eines Landes hat nach 25 Jahren im Ergebnis dazu geführt, dass die neu hinzugekommene „Hälfte“ völlig ausgeschlossen ist aus dem Geschehen. Man muss gar nicht versuchen mit dem Finger auf irgendwem in den westlichen Bundesländern zu deuten. Vielleicht ist es ja wirklich einfach nur ein unglücklicher Umstand, der aus dem Verfall der DDR und dem gleichzeitigen Erfolg der BRD nun einmal historisch erwachsen ist. Gleiches gilt ja auch für die Wirtschaftskraft und die relevanten Unternehmen. Man muss gar niemandem konkret dafür eine Schuld geben.
    ABER: wenn man all das einfach akzeptiert, dann gibt es aber auch keine wirklichen Gründe sich aufzuregen wenn jemand – in diesem Falle das Management von RBL – unter enger und buchstabengetreuer Befolgung des BGB bzw. der geltenden Verbandsregeln einen Verein gründet, der Dank seines Investors in der Lage ist sich trotz der widrigen Umstände im regionalen Umfeld mit eigenen Finanzmitteln durchzusetzen. Letztlich gewinnt die Mannschaft auf dem Platz regelkonform ihre Spiele, die Betreuer und Trainer leisten eine exzellente Arbeit.

    Im Ergebnis hat RBL also ein paar Gegengewichte in die Waagschale des deutschen Fussballs geworfen. Den Menschen und der Region tut es gut und wenn man ein richtiger Optimist sein will könnte es über 5-10 Jahre sogar im Umkehrschluss dazu führen, dass die Attraktivität des Standorts so gesteigert wird, dass Menschen und Unternehmen in Leipzig Ihr Lager aufschlagen.
    Damit hätte dann ein Fussballverein auf völlig legalem Wege – und ohne das Geld des Steuerzahlers in Anspruch zu nehmen – einen signifikanten Beitrag zur Veränderung der Verhältnisse geschaffen. Weitgehend ohne Politiker, ohne Vereinsmeierei…

    Das mag alles wie Träumerei klingen. Ich begnüge mich auch schon damit wenn in Leipzig zukünftig wieder hochklassiger Fussball zu sehen ist. Alles andere ist dann nur die Sahne oben drauf

  5. Ich bin vor kurzer Zeit rein zufällig auf den rotebrauseblogger aufmerksam geworden.
    Mein Dank an den Betreiber dieses Blog. Die Beiträge sind sehr interessant und vorallen gut recherchiert. Die Diskussionsbeiträge erfüllen eine Diskussionskultur, wie ich sie mir vorstelle.
    Gerade im Fall Red Bull und Leipzig ist hier im Gegensatz zu anderen Foren eine sachliche Diskussion möglich. Verkürzt kann man sagen, hier werden die beiden Seiten der Medaille betrachtet und es ist klar, dass es zu unterschiedlichen Auffassungen kommen muss, vorallen auch unter Beachtung zwischen Ost und West.
    Als ehemaliger aktiver Spieler bei Chemie von 1949 bis 1954 und dann beim SC Lok bis 1963, der nicht im Zusammenhang mit den heutigen 1.FC Lok zu sehen ist und dann ab 1963 wieder beim „Rest von Leipzig“, also wieder Chemie , denke ich schon über den Leipziger Fußball mitreden zu können. 1976 zog ich mich zurück, war nur noch gelegentlich bei Chemie. Grund war die systematische Vernichtung des Vereins durch die damaligen Funktionäre im Auftrag der SED zu Gunsten des sogenannten Leistungszentrums SC Leipzig, der dann 1966 als FC Lok fungierte. Schon daraus ist ersichtlich, dass man in Leipzig keine Traditionsvereine hat, sowohl in Leutzsch (Chemie) und auch nicht in Probstheida (Lok).
    Ab dem Jahr 1990 war/ist der Fußball in Leutzsch und Probstheida nur als chaotisch zu bezeichnen.
    An diesem Zustand kann man den DFB nicht unbedingt die alleinige Schuld geben. Was ich bemängle ist die Tatsache, dass der DFB zugelassen hat, zwielichtige Möchtegerne aus dem Westen, teilweise mit krimineller Energie ausgestattet, ihr verderbliches Spielchen zu treiben. Hier wurde die Unkenntnis der Ostdeutschen über den Profifußball schamlos ausgenutzt.
    Nun kommt mit Red Bull endlich ein Partner nach Leipzig, der in den 5 Jahren seines Arrangement bewiesen hat,dass man wirtschaftlich und vorallen sportlich durchaus im Osten etwas aufbauen kann, dass nur Vorteile für alle Beteiligten bringt.
    Nun werden die Moralapostel und Traditionalisten munter und verdammen Red Bull.
    Red Bull macht doch nichts anders,wie andere Vereine auch, nur ehrlicher.
    Fußball ist in diesem Gesellschaftssystem ein Wirtschaftsfaktor und knallhartes Geschäft. Wer da nicht mithalten kann bleibt eben auf der Strecke, manche nennen es Kapitalismus, Andere freier Wettbewerb.
    Gerade steht der HSV, nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich am Abgrund. Sein Gönner Kühne ist bereit als Retter einzuspringen und das mit erheblichen finanziellen Aufwand. Aber er stellt dazu Bedingungen, also wenn nicht nach seinen Noten gesungen wird, gibt es die Kohle nicht.
    Wie werden wohl die Mitglieder entscheiden?
    Jeder Sponsor eines Vereins denkt an den Profit und desto so höher sein finanzieller Beitrag, desto mehr will er an den Entscheidungen beteiligt werden und fordert sie ein, dabei sind doch die einfachen Mitglieder bestenfalls Makulatur.
    Wenn im Streit letztendlich bei RB nur noch das Vereinslogo stört, alles andere gesetzeskonform ist, dieses mehrfach von sachkundigen Juristen bestätigt wird, ist doch die medienwirksame Auseinandersetzung wiederum nur Spiegelbild dieses Gesellschaftssystems. Es werden wieder von diesen „Scheingefecht“ Profiteure hervorgehen, vermutlich auch Red Bull. Man kann es auch als verdientes Schmerzensgeld für die Mannschaft bezeichnen, denn die Auswärtsspiele in der zweiten Liga werden für die Mannschaft bestimmt nicht leichter als vorher. Das ganze nennt man dann Fankultur der Traditionsvereine, siehe zum Beispiel Rostock oder Dresden im Osten.
    Schlimm wäre es auch, wenn Red Bull dafür benutzt wird endlich europäisches Recht durchzusetzen, von denen dann andere Vereine auch richtigerweise profitieren können, aber der „schwarze Peter“ an Red Bull hängen bleibt und die Herren der DFL und DFB als Saubermänner ihre Unzulänglichkeiten kaschieren können.

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