Von Hosen und anderen Absurditäten – Eine Chronologie

Drüben in den Presseupdates bekam die Geschichte rund um vergessene Turnhosen, öffentliche Entschuldigungen und selbstbewusste U17-Spieler, also jene Geschichte, die es unter die Titel „Hosengate“ (created by @martinfilax) wohl in jeden satirischen oder weniger satirischen Saisonrückblick schaffen wird, ja schon einigen Raum und wurde ausgiebig kommentiert. Hier und heute dann der (hoffentlich) finale Abschluss (wenn sich die HFC-Führung nicht noch zu einer eigenen Entschuldigung hinreißen lässt) der Geschichte in Form einer Chronologie.

31.01.2014: Der HFC-Fanszene e.V. schreibt der Vereinsführung des HFC einen Brief, in dem man „klar und deutlich: NEIN“ sagt zu einem Testspiel zwischen der U16 von RB Leipzig und der U17 des HFC am 09.02.2014 und sich eine Rückmeldung des Vereins bis zum 05.02.2014 ausbittet. RB Leipzig stehe dafür, mit Geld den umliegenden Vereinen die Talente abspenstig zu machen. Eine Bilanz, wie viele Spieler bisher vom HFC zu RB oder zurück wechselten, präsentiert der e.V. nicht. Fakt ist, dass die U17 des HFC mit zwei ehemaligen RB-Spielern angetreten wäre..

06.02.2014: Da man offenbar von Vereinsseite keine (positive) Rückmeldung bekam, veröffentlicht der HFC-Fanszene e.V. das Schreiben vom 31.01.2014 auf seiner Homepage und lässt die Medienvertreter davon wissen.

07.02.2014: HFC-Präsident Michael Schädlich macht via Mitteldeutscher Zeitung klar, dass er nicht daran denke, das Testspiel abzusagen, weil es im Nachwuchsbereich vor allem anderen um die Entwicklung der Spieler gehe und es für diese dazugehöre, gegen starke Gegner zu testen. Sport geht vor, so könnte man die Wortmeldung zusammenfassen.

09.02.2014: Das Testspiel zwischen der U16 von RB Leipzig und der U17 des HFC findet vor knapp 100 Zuschauern am Cottaweg, dem Trainingsgelände von RB Leipzig statt. Aufgrund der Verkettung verschiedener, unglücklicher Umstände reist der HFC-Nachwuchs ohne kurze Sporthosen an. Auf dem kurzen Dienstweg organisiert man sich von den Gastgebern Ersatzsporthosen, natürlich mit RB-Emblem, sodass das Spiel wie geplant stattfindet.

10.02.2014: Der Trainer der HFC-U17 Gilbert Hernandez muss sich im Auftrag des HFC-Präsidiums via Vereinshomepage [broken Link] bei Präsidium, Verein, Fans uns Sponsoren entschuldigen, weil er seine Jungs in den falschen Hosen aufs Feld geschickt hat. „Ich habe in diesem Punkt egoistisch gehandelt, ohne dabei an den Verein, seine Mitglieder, Sponsoren und Anhänger zu denken. Dies tut mir wirklich sehr leid.“ Die öffentliche Demütigung seitens des Präsidiums findet ihren Höhepunkt in dem Nachsatz, dass man die Entschuldigung „zur Kenntnis“ nehme, sich aber trotzdem „weitere, vereinsinterne Restriktionen“ vorbehalte. Erst seinen Jugendtrainer für ein im Sinne des Sports völlig normales Vorgehen vorführen und dann die angeforderte(!) Entschuldigung nicht mal annehmen. Ein unfassbarer Vorgang.

11.02.2014: Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, dass das HFC-Präsidium dem U17-Coach vorwerfe, dass der mit den falschen Hosen die Sponsorenverträge verletzt habe. Was natürlich eine absurde Version ist, denn in der angeforderten Entschuldigung vom Vortag war davon gar nicht die Rede, aber explizit von einer Entschuldigung bei den Fans. An der Interpretation, es ging bei all dem tatsächlich ausschließlich darum, dass der HFC-Nachwuchs in den Hosen des ungeliebten Nachbarn RB auflief, führt weiter kein Weg vorbei.

11.02.2014: Bezeichnend für die Verhältnisse in Halle verkündet nicht der HFC selbst, sondern der HFC-Fanszene e.V. auf seiner Homepage, dass der HFC künftig im Nachwuchsbereich keine Testspiele mehr mit RB anstrebe (nebenbei zweifelt man am sportlichen Wert des Spiels der eigenen U17 gegen RB, weil bei RB nur die U16 antrat – das Spiel ging übrigens 1:1 aus..). Ein Dementi des HFC blieb aus, sodass man davon ausgehen kann, dass Präsident Schädlich von seiner Position am 07.02. (sportliche Entwicklung des Nachwuchses geht vor) binnen vier Tagen komplett abgerückt und bei einem ‚die sportliche Entwicklung des Nachwuchses hat gegenüber dem Einfluss des HFC-Fanszene e.V. zurückzustehen‘ gelandet ist.

16.02.2014: Das wahrscheinlich einzige, positive Highlight in der ganzen ‚Affäre‘ setzt zum Abschluss die U17 des HFC, die sich mit einem Foto [broken Link] auf dem HFC-Fanblog [broken Link] deutlich gegen das eigene Präsidium und die Fanszene und hinter den eigenen Trainer und den Sport stellt. Auf dem Bild treten alle Spieler in Unterhosen an und tragen die Symbole von allerlei möglichen Vereinen in ihren Händen. Über dem Bild steht die deutliche Inschrift: „Mist, schon wieder die Hosen vergessen. NA UND!?! Wir respektieren jeden Verein des DFB als sportlichen Gegner. Gewinnen, im Sport durch Leidenschaft und im Leben durch Toleranz. Wir sind ein Team und klären Probleme intern.“ Sprich, wie ihr von der Vereinsführung mit unserem Trainer öffentlich umgesprungen seid, geht gar nicht. Und neben Leidenschaft steht der Sport für Respekt und Toleranz. Gegenüber allen sportlichen Konkurrenten. Tja, man kann mit maximal 17 Jahren offensichtlich weiser sein, als so mancher, der schon seit Ewigkeiten erwachsen ist.

Insgesamt bleibt eine Geschichte, die man nur als absurdes Theater bezeichnen kann und bei der vor allem die HFC-Führung ein mehr als schlechtes Bild abgab. Mit dem Testspielverzicht (so er auch umgesetzt wird) schneidet sich der Verein zudem selbst ins Bein, weil man Jugendlichen und deren Eltern, die vielleicht vom Profifußball träumen, signalisiert, dass im Fall der Fälle nicht rein sportliche Erwägungen im Mittelpunkt der Entscheidungen stehen, sondern man sich von Teilen der Fanszene, die im Normalfall nicht bei Nachwuchspartien zu finden sind, vor sich her treiben lässt. Könnte die Nachwuchsarbeit im Verein nicht unbedingt vereinfachen, denn gerade die aktiven Nachwuchsfußballer können mit den Befindlichkeiten von Teilen der Fans gegenüber RB (zumindest wenn sie Boykott-Folgen haben) wenig anfangen.

PS.: Ausführlichere Beschreibungen und Kommentare unter dem Schlagwort „Hosengate“ in den Presseupdates.

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4 Gedanken zu „Von Hosen und anderen Absurditäten – Eine Chronologie“

  1. In diesen Tagen wirft man RBL immer wieder vor, dass man praktisch kein Mitglied werden könne und so auch kein Stimmrecht im Verein erhalte. Der HFC-Fanszene e.V. hat hiermit den Beweis gebracht, dass es auch ohne Demokratie geht. Danke.

    Größter Respekt für diesen Schritt der U17!

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