Heuschrecke

Alle Fankurven von Hamburg bis München werden sehr deutlich machen, was sie von einem roten Bullen halten, der in Wahrheit eine Heuschrecke ist. (Christoph Ruf in einem Blogbeitrag für das Neue Deutschland [broken Link])

Lange nichts mehr für die Blog-Beschimpfungsrubrik namens Brachialrhetorik geschrieben. Dank Christoph Ruf soll das heute mal wieder anders werden, denn dieser legt publikumsgerecht den Begriff ‚Heuschrecken‘ als Bezeichung für RB Leipzig auf. Publikumsgerecht, weil man in einem Medium wie dem Neuen Deutschland mit einem solchen Begriff quasi gemeinschaftliches Bescheidwissen signalisiert, sich quasi begrifflich mit dem Rezipienten gemein macht. Unter gänzlich kritischer Attitüde versteht sich.

Es gab vor einigen Jahren ausgelöst vom damaligen SPD-Vorsitzenden Müntefering die Heuschreckendebatte, in der es um das Wirtschaftsgebahren von Investoren ging. Eine ziemlich populistische Veranstaltung, in der vor allem böse ausländische Firmen dafür verantwortlich gemacht wurden, über die gute alte, heimische Wirtschaft herzufallen, sie abzufressen und dann fallen zu lassen.

Nicht ganz zu Unrecht warf ihm Professor Wolffensohn, der an der Universität der Bundeswehr in München Geschichte lehrt, daraufhin in einem Beitrag zum Tag der Befreiung vor, dass Müntefering 60 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus eine ähnliche Sprache benutze, da mit dem Wort Heuschrecke in dem entsprechenden Bezug immer auch die Konnotation ‚Plage‘ und die Ausrottung dieser Plage drinstecke.

Egal wie man die damalige Debatte bewerten mag, wer nach dieser Debatte immer noch das Wort ‚Heuschrecke‘ benutzt, tut dies zumindest nicht gedankenlos – erst recht nicht, wenn man ein Publizist wie Christoph Ruf ist. Was es dann eben auch nicht besser, sondern eher schlimmer macht.

Man sollte jedenfalls gute Gründe haben, eine Organisation, ein Unternehmen oder einen Verein als Heuschrecke, also als ein nicht menschliches Wesen, das ohne Rücksicht auf Verluste unsere schöne Wiese abfrisst, zu bezeichnen und so dem entsprechend projektiv veranlagten Mitmenschen zum Fraß vorzuwerfen.

Letztlich macht Christoph Ruf nichts anderes als mit der Metapher zu behaupten, dass es eine schöne, schützenswerte, einheimische Wiese gibt, die von einem gefräßigen Insekt verunstaltet und zerstört wird. Letztlich wird hier also so etwas wie der urwüchsig-ursprüngliche und schützenswerte Fußball von einem Insekt bedroht, dem man sich gemeinschaftlich zu widersetzen hat. Das ist noch kein Aufruf zur Gewalt, aber es ist in seiner Insekten-Plage-Beseitigungs-Rhetorik auch nicht extrem weit weg davon, zumal vor dem Hintergrund eine (Fußball-Volks-)Gemeinschaft zu behaupten, die von Hamburg bis nach München reichen und sich in der Ablehnung des bösen Insekts einig sein soll.

Bliebe jenseits dieser eher unangenehmen Metaphorik noch die Frage, was genau eigentlich die Heuschrecke Red Bull (abseits des in Leipzig vorhandenen Fußballinteresses) abgrast, um ohne Rücksicht auf Verluste (Achtung, Skandal!) Profit mitzunehmen. Die großartige Leipziger Fußballinfrastruktur mit Nachwuchsleistungszentren und allem denkbaren Drumherum, die es an jeder Ecke gab? Städtische Zuschüsse in rauen Mengen?

Wohl eher nicht. Abgesehen von einem fertigen Stadion, für das RB Leipzig normal und mit den Ligen steigend Miete zahlt und das RB eventuell gern perspektivisch vom jetzigen Besitzer Michael Kölmel kaufen und um ein paar Tausen Plätze erweitern möchte, für das man also marktüblich Geld bezahlt, gab es in Leipzig keine Infrastruktur, die den Ansprüchen des Profifußballs genügten. Genau diese wird gerade erst geschaffen.

Wenn das das moderne Heuschreckendasein wäre, sich auf der saftigen Wiese eine hübsche Scholle zu bauen, auf der das Gras noch besser wächst, um sich davon ernähren zu können, dann wäre man wohl näher an dem dran, was RB Leipzig ist. Und dass sich ein Unternehmen, das Geld in den Fußball steckt, wiederum auf irgendeiner Ebene (im konkreten Fall indirekt über Dosen oder direkt über Vereinseinnahmen) in irgendeiner Art und Weise einen positiven wirtschaftlichen Effekt wünscht, ist in einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung der Normalzustand. Bei allen Fußballvereinen, in denen es halbwegs erfolgsorientiert zugeht.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Red Bull einen anderen Weg geht, um sein Geld im Profifußball zu versenken anzulegen und die Organisationsstruktur Verein nicht als Sponsor, sondern als Macher bzw. Quasi-Eigentümer finanziert. Das wäre letztlich nur aus vereinsrechtlicher und allgemeingesellschaftlicher (demokratietheoretischer) Perspektive interessant. In Sachen Wirtschaftsgebaren und Gewinnabsichten unterscheiden sich die Heuschrecke Red Bull nicht von den anderen Wiesenbewohnern wie Telekom, Evonik, Gazprom, Wiesenhof und wie sie nicht alle heißen.

Aber letztlich geht es wohl auch nicht um den nüchternen Blick, sondern um die Aktivierung von Emotion per Bild von den im gemeinsamen Feind vereinten Fankurven, denen man mit der ‚Heuschrecke‘ noch die passend-projektive Begrifflichkeit zur Feindabwehr mit auf den Weg geben kann. Ist doch immer gut zu wissen, wo die Gefahr sitzt, damit man „von Hamburg bis München“ wenigstens in der Ablehnung des äußeren Feindes, der einem im seinem Wesen in so vielem so ähnlich ist, eine identitäre Gemeinsamkeit hat.

Fazit: Die Heuschrecke ist letztlich die intellektuelle Version des Ungeziefers und nichtsdestotrotz schwingt darin der Bedeutungsanteil einer vernichtenswerte Plage mit. Behauptet wird mit dem Bild auch, dass es so etwas wie einen schützenswerten Naturzustand der Wiese Profifußball gibt, der von der Heuschrecke Red Bull/ RB Leipzig bedroht wird. Dass alles, was von der menschlich-kapitalistischen Moderne berührt wird, also de facto alles, in letzter Konsequenz Kultur und nicht bloße Natur ist und ein wünschenswerter Zustand der Welt nicht im Blick zurück, sondern maximal im Blick nach vorn zu finden ist, wird dabei offensichtlich leichthin vergessen. Aber das macht vermutlich nichts, denn Fußball ist Emotion und Tradition. Und Emotion und Tradition haben offenbar immer recht.

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33 Gedanken zu „Heuschrecke“

  1. also ich muß ja schon sagen – ich war schockiert! Dieser Christoph Ruf, 41, lebt als frei(willlig)er Journalist – freiwillig wohl eher nicht….solch eine schlecht recherchierter, vor reiner Polemik nur so strotzender, ohne irgendwelche Beweise seiner These Umtrunksjornalistik zum besten gebender Müll…also wie gesagt – ich denke mal er ist nicht ganz freiwillig freier Journalist – bei solchen journalistischen Bauchlandungen kein Wunder. Also ich würde dem guten Herrn mal raten bevor er wieder so einen Schund auf die Welt loslässt auch mal Fakten ranzuholen die seine Thesen bestätigen – ah stimmt ja – die gibts nicht…naja – aber immerhin für einen kurzen Aufreger hats gesorgt, allerdings auch nur da es hier bei dir aufgegriffen wurde, sonst wäre ein weiterer geistiger Erguß an mir vorbeigegangen – hätte mich sozusagen nicht einmal peripher tangiert…ups tuts ja auch 😉

    1. Die Ironie der Story ist ja eigentlich, dass ein freier Journalist, (heuschreckenartig ?) die Böser-Dosenmatti-macht-den-Fussball-kaputt-Keule schwingt, um was zu erreichen? Richtig. Wahrgenommen werden, interessant werden, Artikel/sich verkaufen, GELD damit verdienen. IMHO.

  2. da passenja die gestrigen, beim Länderspiel auf den Färorinseln skandierten Scheiß-Red-Bull-Rufe zum Thema..
    Haste aber wieder schön in Worte gekleidet!

  3. Fein geschrieben, @rotebrauseblogger.

    Interessant ist auch zu erwähnen, dass C. Ruf die Motivation der Stadiongänger von RB „endlich wieder passabler Fußball in LEJ, endlich ohne Angst, ohne Randale und ohne politisches Zwangsbekenntnis“ als ungültig oder mindergültig abqualifiziert.

    Herr Ruf weiß natürlich besser, was der Mensch wirklich will und was er tun soll. Denn den freien Willen hat der RB-Stadiongänger mit der Titelbrause weggeschwemmt oder zumindest nachhaltig benebelt (weswegen der beschriebenen Motivation natürlich keine Bedeutung zukommt). Und außerdem hätte der am wahrem Fußball interessierte Leipziger ja nur etwas länger aushalten und zu Lok gehen müssen und alles wäre gut geworden.

  4. Herr Ruf, Sie haben in Ihrem Aufruf zur Gewalt etwas vergessen:
    Ratten.
    Und wie man sie beseitigt.
    Unglaublich, was man sich heutzutage in diesem Land als freier Journalist alles erlauben darf, ohne dafür angezeigt zu werden!

  5. Ich war so frei, und habe deinen Artikel dort mal als Kommentar hinterlassen.
    Vielleicht liest er es ja..

  6. Wem nützt die Anti-Red Bull Stimmungsmache?
    Welche Mitbewerber hat Red Bull am Markt?
    Wäre die Anti-Stimmung ebenfalls vorhanden, wenn Red Bull „nur“ Sponsor wäre?
    Wer schürt die Ängste und warum, welche Motive hat derjenige?

    Jeder hat seine Antworten.

  7. Na gut, nun darf man auch das Medium, in dem er den Rotz veröffentlicht hat, nicht vergessen. Die Neue Deutschland ist nun zum einen nicht das unbelastetste Blatt Deutschlands – ich darf an die Parteivergangenheit und an die immer noch aktuelle Eigentümer-Struktur erinnern -, zum anderen sind weder Ton noch Klientel der ND sonderlich auf Objektivität bedacht.
    Mir ist in letzter Zeit irgendwie auch der breite Diskurs zum Non-Profit-Dasein von 99% der Fußballlandschaft, den die ND vorher hätte anstoßen können, damit dieser Blogbeitrag von Ruf gepasst hätte, aufgefallen.
    Ergo wollte der Herr Ruf vlt. noch seine Lebensmittel für’s Wochenende bezahlen und brauchte eben dringend die Platzierung bei der ND. Da kann man eben auch nicht sanft loslegen.
    Blogger, du weißt doch am ehesten, ob der Kasper bei PKs zugegen ist und wie er sich dort benimmt. Heuschrecken-Kritik olé olé.

    1. Hallo Matthias, was soll dein Vorwurf an das ND. Das ND ist eines der wenigen Zeitungen in dieser Gesellschaft die Zustände auf den Punkt bringt, gerade weil sie diese Vergangenheit hat und links geblieben ist. Nicht wie diese Nachwendeblätter LVZ u.a., die eigentlich nur Müll schreiben (die Sportseite mal ausgenommen).In einem gebe ich dir, als Leser des ND recht, die Sportseite ist sagen wir mal verbesserungswürdig.
      Das C.Ruf einen unqualifizierten Beitrag geschrieben hat der Meinung schließe ich mich an.
      Das er die „Schrecklichkeit“ des überbordenden Fußballkommerz nun gerade an RB festmacht halte ich für einen Witz. Wir wissen doch alle das Red Bull genau wie adidas u.a. mit Sport das große Geld verdienen will. Deshalb investiert man in lohnende „Projekte“. Nur frage ich mich, warum soll ich darüber erschrecken ? Wir leben nun mal in diesem System. Ich war früher Lok Fan, wenn alle sagen, wir mal etwa 10T bei Lok geblieben wären, hätte das den Leipziger Fußball weitergebracht? Ich glaube nein, dann doch lieber mit dem soliden Projekt von RB. Fußball entwickeln vom Kinderbereich an bis zur soliden 1.Mannschaft (übr. Ähnlichkeiten zum DDR Sportsystem sind nicht zu verkennen) und „zahme“ Zuschauer + Fans, damit man mit den Kindern und Enkeln unbesorgt zum Heimspiel gehen kann, sind mir lieber als Fankrawalle und rechter Mob wie bei Lok.

  8. Die von ihm genannte „Traditionsvereine“ wie Stahl, Chemie, Lokomotive.. ist doch nichts anderes, als von einem Kombinat/ einer D. Reichsbahn gegründete Werksmannschaft. Also so was wie RB Leipzig heute. Damit sollte RB Leipzig heute also ziemlich DIE REINSTE NATURBELASSENE URSPRUNGLICHE FORM VON DER „TRADITION“ sein. Was das auch sein mag. 😉

  9. Jeder blamiert sich eben so gut er kann… Die knapp 11.000 (die knapp 12.000 waren) hätten also einfach weiter zu Lok gehen müssen. Sicher….

  10. Die Einleitung finde ich doch ein wenig bizarr. Müntefering zielte mit seiner Heuschreckendiskussion auf anonymisierte hedge-fonds die mit kurzfristigen und extremen Renditeerwartungen funktionierende Firmen übernehmen, ausschlachten und wieder abstossen. Die Metapher „Heuschrecke“ hielt ich wie viele Bürger in Deutschland für durchaus angemessen. Dass Prof. Wolffensohn daraus eine Antisemitismusdebatte anstossen wollte, lief ins Leere. So äusserte Paul Spiegel, seinerzeit Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, dass solch ein „Nazivergleich“ absurd sei.

    Der Artikel im „Neuen Deutschland“ ist weder überraschend, noch besonders erwähnenswert.

  11. Es wundert mich schon, mit welcher Hartnäckigkeit die Anhänger der „Traditionsvereine“ sich das aufgeteilte Revier Profifußball erhalten wollen.
    Vor allem, weil doch einige Traditionsvereine selbst im Glashaus sitzen. Ich denke hier vor allem an Bayer Leverkusen, die ja schon mehrfach mit dem Brustbanner WERKSELF aufgelaufen sind. Jeder der sich etwas intensiver mit der Pharmaindustrie befasst hat und evtl. einige Einblicke hinter die Kulissen erhascht hat, weiß was ich meine. Im GEGENSATZ dazu verkauft RedBull ein Getränk, was schließlich jeder FREIWILLIG kauft und konsumiert.

  12. Wenn ich das richtig verstanden habe, ziehst Du in Deiner Kritik an der Verwendung des Wortes Heuschrecke eine Parallele zwischen der jüdischen Bevölkerung Europas und Investoren. Diese Analogie ist ihrerseits schon ein wenig polemisch. Die Bekämpfung münteferischer Heuschrecken (ich finde, wie Schweppermann, das Bild im Grunde nicht so schlecht: es beschreibt ganz gut die Hedgefond-Kultur, massenweise einzufallen und nach dem Abzug nichts weiter als verbrannte Erde zu hinterlassen) wäre eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte, ich sehe da keine Parallele zu Vernichtungslager; und die 50+1-Regel ist mit Sicherheit kein Nürnberger Rassegesetz.

    1. Ein Ungeziefer-Vergleich oder ein Ratten-Vergleich (oft über „Rattenball“ zu lesen) hat ja in Deutschland eine bisschen längere und nicht besonders schöne TRADITION. Deswegen ist nicht zu wundern, dass es Menschen gibt, die das nicht so toll finden.

  13. Nun, ich habe den Artikel gar nicht erst gelesen. Was wohl nicht das schlechteste war 😉 mit bestimmten Medien umzugehen.

  14. Süß. Ihr seht wirklich keinen Unterschied zwischen dem Sponsoring von Evonik und Telekom und was weiß ich wem und einem Verein als reinem Marketingprodukt eines Unternehmens? Im übrigen nennt niemand Bayer Leverkusen einen Traditionsverein.

    Hoffentlich versackt ihr noch möglich lange in der dritten Liga. Die Wettbewerbsverzerrung durch VW, Bayer und SAP, die derzeit in der Bundesliga herrscht, reicht mir schon vollkommen. 🙂

  15. @all Danke für die vielen Rückmeldungen. Sehr schöne Sache. Wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte, dann dass man zukünftig – selbst wenn man eine Meinungsäußerung wie die von Christoph Ruf unsinnig oder kritisierenswert findet – den Respekt nicht verliert. Christoph Ruf hat eine Meinung und die kann man kritisieren, aber einige Begriffe schießen dann in meiner Wahrnehmung ein wenig über das Ziel hinaus, genauso wie Fans bestimmter anderer Clubs als Honks zu bezeichnen (ein Kommentar, den ich genau deswegen nicht freigegeben habe).

    @Fred @Schweppermann: Ich sehe den Begriff ‚Heuschrecke’ mit seiner projektiven Idee, den Verursacher gesellschaftlicher Probleme gleichzeitig zu personalisieren und mit negativer Absicht zu entmenschlichen als in der Tradition der Sprache des dritten Reichs stehend, ja. Und das Bild der Heuschrecke beinhaltet eben auch die implizite Vernichtungsdrohung, auch wenn es konkret nicht um die physische Vernichtung, sondern nur um die Aktivierung gemeinschaftlichen Bescheidwissens geht. Und das galt zu Münteferings Zeiten ganz genauso. Wenn es polemisch sein soll, den Umgang mit Sprache, die im konkreten Fall wohl kaum ohne Absicht genutzt wurde, zu kritisieren, dann sei es eben so.

    Ob jetzt Paul Spiegel den Vergleich absurd fand oder nicht, tut dabei wenig zur Sache. Ignatz Bubis hätte ihn vermutlich nicht absurd gefunden. Aber auch das hätte für sich genommen wenig aussgesagt. Denn bei Müntefering – und deswegen ist die Einleitung gar nicht bizarr – ging es bei der ‚Heuschrecke’ genau um die Aktivierung gesellschaftlicher Empörung gegen einige wenige, die Dingbarmachung Verantwortlicher für gesellschaftliche Krisen nach dem Motto ‚Haltet den Dieb’. Gar nicht erstaunlicherweise kurz vor den Bundestagswahlen 2005, als man SPDseits die Niederlage schon ahnte und noch mal auf die Karte des gelebten Ressentiments setzte. Wer bietet sich da besser an als vornehmlich ausländische Firmen, denen es nur ums Geld geht. Im Gegensatz zu deutschen Vorzeigefirmen wie VW, die ihre Mitarbeiter durch gegenseitige Kontrolle zur autoritären Werksfamilie zusammenschließen und dabei natürlich keine Renditeerwartung haben und wenn doch, dann natürlich die guten sind, weil irgendwie Hände im Spiel sind. Der gute, weil arbeitende gegen den schlechten, weil nicht arbeitenden Kapitalismus? Ah ja..

    Ich bin nicht blauäugig, was die Geschäftspraktiken kleinerer und größerer Firmen betrifft, behaupte nur, dass der Unterschied zwischen Malermeister Müller, der seine Arbeitskräfte auspresst/ auspressen muss und einem Hedge-Fond, der auf seinem Gebiet, aus Geld mehr Geld zu machen versucht, marginal und keiner im Wesen ist. Letztlich spielen alle auf derselben Wiese, der guten alten kapitalistischen. Da kann man gerne die Spielregeln ändern, aber nicht plötzlich einen Teil der Wiese als Übel bezeichnen, während der andere Teil wohlschmeckend sein soll. Das erinnert an die alte Ostgeschichte nach Tschernobyl, als man in der DDR fröhlich ganz gesunde Pilze aß, während man ein paar Kilometer weiter nur noch ausgewählte Lebensmittel zu sich nahm..

    @Sir Henry: Den Aspekt, dass man doch einfach hätte zu Lok gehen sollen, fand ich auch erstaunlich. Mal einfach mit einem Absatz 20 Jahre Fußballentwicklung in Leipzig seit der Wende hinweggewischt. Ihr hättet doch können, müssen, sollen. Vielleicht hätten wir aber doch zum FC Sachsen gehen sollen? Oder zum VfB? Und wären wir dann noch richtige Fans gewesen, wenn wir einfach die Farben von grün-weiß zu blau-gelb und zurück, je nachdem, wo gerade die Insolvenz ausgerufen wurde, gewechselt hätten? Man weiß es nicht..

    1. hinzukommt auch noch das ein Großteil der heutigen Fans und Stadiongänger nicht von den alten Vereinen kommen – vielen gehts auch wie mir – bevor RBL kam hat Leipziger Fußball absolut nicht interessiert – vor RB Leipzig gab es bei mir eigentlich nur meinem Kindheits oder Jugendclub FC Erzgebirge Aue.

      Ich denke das ist auch ein gutes und sehr wichtiges Argument gegen gewisse Heuschreckentheorien 🙂

  16. „Man sollte jedenfalls gute Gründe haben, eine Organisation, ein Unternehmen oder einen Verein als Heuschrecke, also als ein nicht menschliches Wesen, das ohne Rücksicht auf Verluste unsere schöne Wiese abfrisst, zu bezeichnen und so dem entsprechend projektiv veranlagten Mitmenschen zum Fraß vorzuwerfen.“

    Ja sowas möchte man nicht lesen,doch Rasenballsport ist nun mal eine Heuschrecke,da sie mit ihren Werbemios.im klammen Fussballlosten alles und jeden aufkaufen,auch ist ein beleg dafür,dass wenn es nicht läuft man wieder schnell weg ist.oder wie war das mit RB Ghana?

    Bitte das nächste mal besser mit dem Thema auseinander setzen…

    „as ist noch kein Aufruf zur Gewalt, aber es ist in seiner Insekten-Plage-Beseitigungs-Rhetorik auch nicht extrem weit weg davon, zumal vor dem Hintergrund eine (Fußball-Volks-)Gemeinschaft zu behaupten, die von Hamburg bis nach München reichen und sich in der Ablehnung des bösen Insekts einig sein soll.“

    Wie dreist bist du denn ? Nur weil du es nicht entkräften kannst,da der Autor die Wahrheit schreibt,drängst du jetzt selbst einen ND Autor in die Gewalt Ecke.
    Man bist du peinlich…

    1. Wie deine Überschrift schon sagt – selten so ein Mist gelesen…über welche „Wahrheit“ sprichst du denn? Ist mir auhc irgendwie entgangen das RBL den halben Osten lehr fegt und das Ghana nach einem Kurzen Ausflug dicht gemacht wird… Oh man da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln…recherchiere bitte selber erstmal richtig bevor du deine Thesen an die Kirche zu Wittenberg hängst…

  17. Jetzt schaltet mal einen Gang zurück. Christoph Ruf ist preisgekrönter Sport- und Politik-Journalist. Gebt seinen Namen mal bei einem Online-Buch-Shop ein; vielleicht beginnt dann so etwas wie ein Prozess des Nachdenkens. Christoph Ruf hat übrigens auch diesen Artikel über ein Spiel im Leipziger Zentralstadion gegen Holstein Kiel geschrieben:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/drittligist-rb-leipzig-party-beim-retortenclub-a-920334.html

    Aber was eifernde Verachtung und Uninformiertheit anbelangt, sind hier einige auf dem besten Weg, Traditionsverein-Fan-Niveau zu erreichen ;-).

    1. Gerade von einem preisgeköhnten Journalisten sollte man dann doch aber erwarten können, dass er als Grundlage eines Kommentars einigermaßen ordentlich recherchiert. Aber der vorletzte Absatz und die Aussage, man hätte ja nur einen längeren Atem haben müssen im Kampf gegen die Rechts-Unterwanderung der Lok-Fanszene, dann wäre im Leipziger Fußball ja viel möglich gewesen, zeigt deutlich, wie „gut“ Herr Ruf sich mit Geschichte und Problemen im Leipziger Fußball auseinandergesetzt hat. Will man es freundlich ausdrücken, dann hat er es „oberflächlich“ getan. Ich will es aber nicht freundlich ausdrücken, deshalb sage ich, er hat sich damit schlichtweg überhaupt nicht ernsthaft beschäftigt.

  18. Der Mann schreibt für die schlimmen. schlimmen Schundmedien „Süddeutsche Zeitung“, „Spiegel-Online“ und die „Frankfurter Rundschau“. Und er schreibt wohl auch Blog-Beiträge. Also noch einmal ganz langsam: Es gibt journalistische Beiträge und es gibt Blog-Beiträge. Diese Formen der Veröffentlichung liegen meilenweit in Stil und potenziell möglichem Umfang an Meinungsäußerungen auseinander. Macht sicher kein Spaß, es so differenziert zu betrachten. Viel schöner ist es doch, sich mal wieder böse verfolgt und benachteiligt zu fühlen.

  19. @Alex Ich erkenne Christoph Rufs Qualitäten durchaus an und fühle mich ehrlich gesagt gar nicht verfolgt (war vielleicht aber auch nicht gegen mich gerichtet, der Vorwurf). Und ich kann auch zwischen Tageszeitung und Blog unterscheiden. Und ich fand Rufs Auftritt gestern im Sportradio360 z.B., wo er darlegte, was er an RB Leipzig rational nachvollziehbar, aber emotional falsch findet, völlig vernünftig. Ich finde, er hat mit mancher Beobachtung, die er in der Kürze der Zeit, die er kürzlich hier in Leipzig war, sammelte, Unrecht und ich finde, dass er mit seiner Heuschrecke metaphorisch-rhetorisch komplett daneben gegriffen hat. Nicht mehr, nicht weniger. Und preisgekrönt hin oder her.

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