Sinnlose Vergnüglichkeit

Es gibt so Dinge, die gingen bisher komplett an mir vorbei. Der Tag, an dem der Spieltag herauskommt zum Beispiel. In der Regionalliga war er halt irgendwann da und das war auch ok so. Eher zufällig bekam ich letztens bezüglich der Bundesliga mit, dass man die Bekanntgabe des Spielplans auch live im Netz übertragen und dementsprechend auch verfolgen kann. Ich habe mich ein wenig gefragt, was denn wohl die Motive sein könnten, sich das als Zuschauer anzutun, aber vermutlich würde ich letztlich auch zur Zielgruppe gehören, die sich so etwas anguckt (natürlich nicht, ohne mich drüben bei Twitter ordentlich ironisch distanziert zu zeigen..).

Aktuell bin ich aber voll auf die dritte Liga fokussiert und da es in dieser dann wohl doch noch nicht so viele Leute wie mich gibt, verzichtet man hier auf die Liveübertragung und bringt den Spielplan eben irgendwann heraus. Und dieses irgendwann soll heute sein. Wobei die Betonung auf  dem Wort ’soll‘ liegt, denn wenn im unterklassigen Fußball auf etwas Verlass ist, dann darauf, dass man sich besser nicht auf Termine verlässt.

Sollte trotzdem heute der Spielplan präsentiert werden, dann mit der Unbekannten MSV Duisburg, die erst einmal mit in die Spieltagsplanung aufgenommen wird und erst später – für den Fall, dass der DFB dem MSV die Lizenz für die dritte Liga verweigert (bis spätestens 05.07.) – einfach wieder gestrichen wird, sodass das Team, das ein Spiel gegen den MSV bestreiten müsste, dann eben einfach ein freies Wochenende hätte. Aber wie man aus Duisburg hört, ist man dort ganz optimistisch, dass man die wirtschaftlichen Vorgaben des DFB erfüllen kann. Was nicht nur für die Liga, sondern im speziellen für den MSV sehr wünschenswert wäre.

Interessant ist aber trotzdem weiterhin die Frage, was einen Spielplan eigentlich so interessant macht. Letztlich spielt jeder 38 Spiele (oder ohne MSV eben eventuell 36), in denen jeder gegen jeden antritt. Und letztlich ist es doch egal, wann man wie gegen wen spielt. Soweit zumindest die Basisannahme. In der Praxis könnte man aber natürlich Unmengen an mit hobbypsychologischen Annahmen gespickten Theorien entwickeln, welche Konstellation warum zu einem guten oder schlechten Saisonergebnis führen könnte.

Wirft man einen Blick auf die Zahlen aus drei Jahren eingleisiger dritter Liga, hat man zumindest ein, zwei mehr oder minder belastbare Argumente zur Hand, dass der Spielplan doch einen kleinen Einfluss auf das Endergebnis haben könnte. Denn die Mannschaften, die am ersten Spieltag zu Hause antraten, schnitten nach 38 Spieltagen im Schnitt um etwa 2,5 Plätze besser ab, als jene Mannschaften, die am ersten Spieltag auswärts antreten mussten (im Schnitt Platz 9,28 vs. Platz 11,72). In nur einer der fünf Spielzeiten schnitten die 10 Auswärtsteams des ersten Spieltags am Ende im Schnitt besser ab als die 10 Heimteams des ersten Spieltags.

Mehr noch fällt auf, dass die Mannschaften, die am Ende sportlich die letzten drei Plätze belegten (was in Liga 3 angesichts von Lizenzentzügen und Insolvenzen nicht immer gleichbedeutend ist mit den Absteigern), am ersten Spieltag überdurchschnittlich oft auswärts antraten. Von 15 Teams, die in fünf Jahren seit 2008 am Ende auf einem der letzten drei Plätze einkamen,  mussten gleich 11 im ersten Spiel auswärts antreten.  Von diesen 11 verloren gleich acht ihre Auftaktbegegnung, zwei spielten Unentschieden und nur ein Team gewann.

Auf der anderen Seite spielte der Spielplan für die späteren Aufsteiger bzw. für denjenigen der den Relegationsplatz belegte, keine entscheidende Rolle. Denn von den 15 Teams, die letztlich auf den ersten drei Plätzen einkamen, spielten acht zuerst zu Hause und sieben auswärts. Zwar gingen von den sieben Startauswärtspartien vier verloren, aber das tat dem sportlichen Endergebnis nicht weh.

Sicherlich wieder mal nur Zahlen auf empirisch zweifelhafter Basis, aber der Fakt, dass die Heimteams am ersten Spieltag in der Endabrechnung insgesamt deutlich besser als die Auswärtsteams abschnitten, hat eine recht vernünftige Datenbasis. Wie man an den Ergebnissen der späteren Aufsteiger sieht, kann es aber auch egal sein, wo man zuerst spielt, wenn man eben die sportliche Klasse hat, sich in der späteren Saison durchzusetzen. Für Mannschaften, für die es sportlich schwierig ist, kann es aber offenbar ein Nachteil sein, gleich am Anfang ein Auswärtsspiel zu kriegen und mit null Punkten dazustehen.

Nimmt man die RB-Auftaktbilanzen der letzten vier Jahre, dann ist es eigentlich egal, wo man zuerst spielte und was dabei herauskam. In der ersten Saison stand in der Oberliga bei der U23 von Carl Zeiss Jena zum Auftakt ein 1:1 und am Ende ein souveräner Aufstieg. In der zweiten Saison, dann schon in der Regionalliga stand wieder ein 1:1 im Heimspiel gegen Türkiyemspor Berlin auf der Anzeigetafel und die Saison endete in einem deutlich verpassten Aufstieg. In der Saison Nummer drei kämpfte man sich in letzter Minute zu einem 1:0 in Meppen und verpasste am Ende eher knapp den Aufstieg. Und im letzten Jahr war es dann wieder das gewohnte 1:1 gegen Union Berlin II und am Ende eine deutliche Meisterschaft und ein nicht ganz so sicherer Aufstieg via Relegation.

Dem Gesetz der Serie nach würde nun zum Auftakt wieder ein Auswärtsspiel warten. Und wenn ich die Informationen aus dem Verein richtig verstanden habe, dann wünscht man sich ein eben solches. Ob man dies auch dem DFB mitgeteilt hat, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Hintergrund ist, dass am 07.07. noch Bruce Sprinsteen in der Red Bull Arena zu Gast ist und der durch Depeche Mode schon überstrapazierte Rasen dann vermutlich völlig hinüber ist und noch mal in Ordnung gebracht werden müsste (was im Übrigen schon der zweite Rasentausch in diesem Jahr wäre). Wofür man im Idealfall ein paar Tage mehr hätte als bis zum 19., 20. oder 21.07. (wobei man ja das Testspiel gegen Werder am 23. in jedem Fall in der Red Bull Arena austragen will).

Mache nun jeder das Beste aus all diesen Informationen, die spätestens zum Anpfiff des ersten Spieltages sowieso alle wieder vergessen sind. Mir persönlich ist es tatsächlich egal, wie der Spielplan aussieht. Nur für die Wintermonate würde ich mir Auswärtsspiele bei Vereinen wünschen, die eine Rasenheizung nicht nur besitzen, sondern diese auch benutzen. Wobei sich da dann in Erinnerung des diesjährigen Winters wieder die Frage stellt, was eigentlich die Wintermonate sind. Für das erste Spiel habe ich allerdings keine Präferenzen außer eine Fortsetzung der Ungeschlagen-Serie.

Fazit: Ein Spielplan ist ein Spielplan ist ein Spielplan. Also irgendwie viel Diskussionsstoff um fast nichts. Trotzdem ist er der nächste Schritt in der Vorfreude auf die neue Saison. Und wenn er denn irgendwann (heute oder an einem anderen Tag) feststeht, werde ich ihn hier unter dem Artikel  einpflegen und im Netz werden dann schon die besten Theorien kursieren, warum wer Vorteile ob des Spielplans hat und wer nicht. Ein herrlich sinnloses Diskussionsvergnügen..

PS: Als Anhang noch die Daten:

  • Durchschnittsendplatzierung, wenn das erste Spiel ein Heimspiel war: 9,28
  • Durchschnittsendplatzierung, wenn das erste Spiel ein Auswärtsspiel war: 11,72
  • Auftaktspiel, wenn man am Ende unter den ersten drei stand:
    • zu Hause: 8, davon 5 Siege, 2 Unentschieden, 1 Niederlage
    • auswärts: 7; davon 1 Sieg, 2 Unentschieden, vier Niederlagen
  • Auftaktspiel, wenn man am Ende unter den letzten drei stand
    • zu Hause: 4; davon 1 Sieg, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen
    • auswärts: 11; davon1 Sieg, 2 Unentschieden, 8 Niederlagen

Update-PS: Die BILD meldet, dass das Eröffnungsspiel am Freitag, den 19.07. Hallescher FC gegen RB Leipzig lauten würde. Was ein ordentlicher Knaller wäre. Und auch ein kleiner Affront gegen alle, die sowieso finden, dass RB zu viel Rampenlicht kriegt. Sicherheitstechnisch jedenfalls eher suboptimal ein solch aufgeladenes Spiel mit den diversen HFC-Fanfreundschaften zu einem derart exklusiven und bundesweit beachteten Ereignis zu machen.

Update-PS 2: Und es wurde tatsächlich der HFC. Beim MDR, der das Spiel am 19.07., ab 20.30 Uhr live übertragen wird, werden ein paar Sektkorken knallen, ob der zu erwartenden Einschaltquoten. Sportlich ist es für RB eine lösbare Aufgabe gegen ein Team, das angesichts vieler Neuzugänge sicherlich noch nicht perfekt eingespielt sein wird. Nach dem HFC folgen in den nächsten Spielen Münster (H), Burghausen (A), Duisburg (H) und Erfurt (H). Die ersten drei Heimspiele sind der angenehme Beweis, dass man in einer attraktiven Liga gelandet ist (letztes Jahr hießen die ersten drei Gegner noch Union II, Halberstadt und Meuselwitz..). Den kompletten Spielplan hat der DFB als pdf-Datei.

Flattr this!

4 Gedanken zu „Sinnlose Vergnüglichkeit“

  1. Interessant ist die Bekanntgabe des Spielplan eventuell ja dahingehend, dass „traditionell“ das „Eröffnungsspiel“ live im TV übertragen wird. RB zum Beispiel mit Heimspiel gegen Erfurt wäre ein Knüller, der zu 99% den Weg in die Fernsehgeräte finden würde. In dem Fall wäre die Fertigstellung der Stadionarbeiten durch RB sicherlich geringer einzuschätzen als die bundesweite Präsenz im TV, schließlich hat sich Ulli Wolter schon ein zweites Loch in den A… gefreut, weil RB durch die DFB-Auslosungspanne mehrfach erwähnt werden musste.

    Auch nicht ganz uninteressant wären Konstellationen wie in der Regionalliga der vergangenen Saison, wo es (wenn der Vorsprung von RB nicht so groß gewesen wäre) doch hätte haarig werden können, wenn man in den letzten 4 Spielen 3x gegen die ersten 3 antreten muss.

    Finde ja den Rotebrauseblog genial und halte ihn für Pflichtlektüre eines jeden RB-Fans 😉 In einem Punkt jedoch bin ich anderer Meinung und das aus total egoistischen Gründen: ich würde es begrüßen, wenn Duisburg nicht in Liga 3 startet, denn aufgrund der kurzen Vorbereitungsphase von RB wären 2 Spiele weniger sicherlich nicht abträglich. Hochwertig ist die 3. Liga allemal

    1. „…denn aufgrund der kurzen Vorbereitungsphase von RB wären 2 Spiele weniger sicherlich nicht abträglich. …“

      Durch das fehlende Team hätte aber immer eine Mannschaft einen Spieltag 7 Tage mehr Erholung in den Beinen. Das kann in manchen Situationen zum Nachteil sein. Man stelle sich vor, es geht um mehr, und der Gegner ist ausgeruhter…

  2. Sollte die Auslosung tatsächlich hervorbringen, dass wir auswärts starten müssen, dann werde ich ab sofort jeden Morgen zuerst mit dem rechten Fuß aus dem Bett steigen, denn: Aberglauben > empirische Daten 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.