Relegationswatch Teil 5: Regionalliga Nordost und Schluss

In vier Teilen haben wir uns an dieser Stelle in der Relegationswatch-Serie durch die vier Regionalligen abseits des Nordostens bewegt. Immer auf der Suche nach den ernsthaften Anwärtern auf einen Relegationsplatz. Und damit auf der Suche nach einem möglichen Gegner von RB Leipzig im Kampf um den Aufstieg. Im heutigen letzten Teil soll es noch mal in aller gebotener Kürze um die Situation im eigenen Regionalligahaus gehen, um anschließend einen kleinen Überblick über den engeren Kreis der wahrscheinlichen Aufstiegskandidaten zu geben.

Zur Situation in der Regionalliga Nordost wurde hier im Blog bereits verschiedentlich Stellung bezogen. Zuletzt in der Vorausschau auf die Rückrunde der Regionalliga rund um RB Leipzig. An der dortigen Einschätzung, dass es außer RB Leipzig eigentlich keinen ernsthaften Konkurrenten geben kann, hat sich nichts geändert. Auch die nicht vollständig überzeugenden Eindrücke aus dem Sieg gegen die TSG Neustrelitz haben die Einschätzung eher noch verstärkt, da es nun bereits neun Punkte Vorsprung auf Platz 2 sind.

Als einziger Kandidat neben RB Leipzig, der sich noch klitzekleine Hoffnungen auf den Platz an der Tabellenspitze machen darf, ist genaugenommen Carl Zeiss Jena übrig geblieben. Nichts gegen den Rest der Liga, aber dass eines der anderen Teams in der Lage sein wird, eine derart bombastische Rückrunde zu spielen, dass man 12 Punkte oder mehr auf RB Leipzig aufholen kann, ist absolut unwahrscheinlich. Wenn der Tabellenführer beispielsweise FSV Zwickau hieße und völlig überraschend ganz oben stünde, dann könnte man sich sicherlich fragen, ob da nicht noch ein Einbruch zu erwarten sei. Aber nicht bei RB Leipzig. Dazu ist die Mannschaft individuell zu ausgeglichen besetzt und spieltaktisch zu gefestigt.

Grundsätzlich gilt auch für Jena, dass der Abstand eigentlich schon zu groß ist. Allerdings hat das Team aufgrund des zumindest nicht schlecht besetzten Kaders und eines sehr akribisch und taktisch hochwertig arbeitenden Trainers Petrik Sander auch ein sehr viel höheres Potenzial als die anderen Verfolgerteams. Eine überragende Erfolgsserie in der Rückrunde könnte hier zumindest noch einmal Druck auf RB Leipzig bewirken. Allerdings wird man dafür wirklich eine überragende Runde spielen müssen, denn das RB Leipzig den Vorsprung von selbst wegschmeißt, ist nicht zu erwarten. Wenn Jena allerdings gut durch März und April kommt und in dieser Zeit den Vorsprung eventuell auf sechs Punkten reduzieren kann, dann könnte es angesichts des schweren RB-Restprogramms am Ende der Saison (Zwickau, Jena, Berliner AK) auch noch mal eng werden.

Aber ganz ernst kann man das zum aktuellen Zeitpunkt nicht nehmen und deswegen darf RB Leipzig genau wie im Norden Holstein Kiel als einziger ernster Meister- und damit Relegationskandidat durchgehen. Quasi die berühmte Bank beim Wetten..

In den anderen Ligen, das habe ich in der Relegationswatch-Serie versucht aufzuzeigen, geht es nicht ganz so eindeutig zu. Dennoch sind die Chancen einiger Vereine aus den jeweiligen Spitzengruppen doch höher einzuschätzen als die Chancen anderer. Sodass es im Westen wohl Victoria Köln und die Sportfreunde Lotte unter sich ausmachen werden. Wobei man Fortuna Köln als Mitbewerber nicht ganz vergessen sollte, die erst nach meiner Analyse am letzten Tag der Transferperiode noch die beiden Regensburger bzw. Ingolstädter Zweitligaspieler Thiemo-Jérôme Kialka bzw. Tobias Fink unter Vertrag nahmen und so den eigenen Kader noch mal ordentlich pimpten. Neu hinzu kommen auch die Probleme bei den Sportfreunden Lotte, die mit der Insolvenz gleich zweier ihrer Hauptsponsorn zu kämpfen haben. Man wird abwarten müssen, ob die finanziellen Auswirkungen auch auf die sportliche Leistungen durchschlagen werden. Aktuell tun sie dies jedenfalls noch nicht.

Im Südwesten läuft die Konstellation dagegen darauf hinaus, dass Hessen Kassel, die SV Elversberg und Eintracht Trier die zwei zur Verfügung stehenden Relegationsplätze unter sich ausmachen werden. Dass sowohl Kassel als auch Trier ihre jeweiligen Auftaktpartien in die Rückrunde verloren (Trier gar mit 1:6 bei Eintracht Frankfurt II), lässt die Chancen vom deutlichen Spitzenreiter Elversberg erheblich steigen. Und auch Hoffenheim II und Waldhof Mannheim sind wieder mitten drin im Rennen, allerdings aus meiner Sicht über die gesamte Saison gesehen weiterhin nicht die Relegationsplatzfavoriten.

In der Regionalliga Bayern hingegen ist die Situation komplett unübersichtlich. Keiner weiß, welcher der Vereine überhaupt aufsteigen will und welcher der Vereine letztlich dann auch eine Drittligalizenz und somit die Teilnahmeberechtigung für die Teilnahme an der Relegation erhalten würde. Weswegen aus diesem Grund gleich sieben Vereine mit ähnlichen Chancen im sportlichen Lostopf sind. Und zwar die u23 Teams des FC Bayern, vom TSV 1860 und vom 1.FC Nürnberg sowie die vier bisher nur regional bekannten Vereine FV Illertissen (Der aktuelle Spitzenreiter hat erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben, keine Drittligalizenz beantragen zu wollen. Ob diese nur ein Druckmittel gegenüber der Stadt ist, dass die die Stadionsanierung vorantreiben, wird man abwarten müssen.) TSV Buchbach, SV Seligenporten und SV Heimstetten. [Update 27.02.2013: Inzwischen haben die drei Spitzenreiter Illertissen, Seligenporten und Buchbach erklärt, nicht in die dritte Liga aufsteigen zu wollen. Weswegen ’nur‘ noch vier potenzielle Aufstiegskandidaten übrig bleiben.] [Update 03.03.2013: Auch Heimstetten hat darauf verzichtet, einen Lizenzantrag einzureichen. An der Relegation teilnehmen kann also nur das rangbeste U23-Team und dieses auch nur dann, wenn es in der Endabrechnung mindestens 4. wird.] Was dann alles zusammen folgende Gruppe macht:

  • Regionalliga Nord: Holstein Kiel
  • Regionalliga Nordost: RB Leipzig
  • Regionalliga West: Sportfreunde Lotte, Viktoria Köln, (Fortuna Köln)
  • Regionalliga Südwest (zwei Relegationsplätze): SV Elversberg, Hessen Kassel, Eintracht Trier
  • Regionalliga Bayern: FC Bayern München II, 1.FC Nürnberg II, TSV 1860 München II

Müsste ich tippen, dann würde ich Kiel, Leipzig, die Sportfreunde Lotte, die SV Elversberg, Eintracht Trier und 1860 München II als Relegationsteilnehmer benennen. Aber ja, es ist Fußball und es läuft selten genau so, wie man es erwarten würde.

Relativ sicher ist, dass Holstein Kiel und RB Leipzig sportlich ziemlich auf Augenhöhe agieren dürften, mit kleinem Abstand die Westteams und noch einmal mit kleinem Abstand die Südwest-Teams folgen und die Bayern-Regionalligisten hinter all dem etwas abfallen. Und der entsprechende bayerische Relegationsteilnehmer demnach auch das leichtests Los im Topf sein dürfte.

Die besondere Arithmetik der Auslosung der Relegationspartien, die irgendwann gen Saisonende stattfinden wird, macht dabei für RB Leipzig ein Aufeinandertreffen mit einem Südwest-Vertreter zu einer vergleichsweise wahrscheinlichen Angelegenheit, wie ein Kommentar hier im Blog interessanterweise darstellte. Denn da die Südwest-Mannschaften von vornherein in der Relegation nicht gegeneinander antreten können, kommen in zwei der drei Relegationsaufeinandertreffen (Hin- und Rückspiel, der Gewinner steigt auf) Südwestmannschaften vor. Wenn man also mal die Mannschaften in Südwestteams (A) und Nichtsüdwestteams (B) aufteilt, dann erhält man drei mögliche Relegationspaarungen: A-B, A-B und B-B.

Für RB Leipzig heißt das, dass sie nur auf vier der sechs Relegationsplätze B gelost werden können. Und zwei dieser Plätze (also 50%) würden mit einem Spiel gegen ein Südwestteam enden. Bleiben noch 50% Chancen auf ein Spiel gegen einen Nichtsüdwestvertreter. Da hier drei Gegner (Nord, West, Bayern) theoretisch möglich wären, ist die Wahrscheinlichkeit auf eines dieser Teams zu treffen, jeweils 16,7%. Um das mal zu übersetzen: Die Wahrscheinlichkeit, in den Südwesten zu müssen, beträgt ordentliche 50%. Die Wahrscheinlichkeit, noch mal in den hohen Norden nach Kiel zu müssen oder mal in den Westen zu fahren oder nach Bayern zu dürfen, allerdings nur jeweils 16,7%. Für die, die wie ich einen ziemlich großen Respekt vor Holstein Kiel haben, sind das schon mal ganz gute Nachrichten.

Das ist natürlich letztlich nur eine mathematische Spielerei, aber eine, die aufgrund ihres etwas unintuitiven Ergebnisses ja eventuell ganz interessant ist. Fakt bleibt, dass ein Aufeinandertreffen von Holstein Kiel und RB Leipzig wohl schon deswegen der worst Case wäre, weil dann eines der zwei besten Teams der Regionalligen, die beide schon jetzt auf absolutem Drittliganiveau arbeiten und agieren, nach einer ligatechnisch überzeugenden Saison auf der Strecke bleiben würde. Ein absolutes Unding als Folge einer Regionalligareform, die nur den selbsternannten Amateurliglern aus Bayern so richtig gefällt.

Reisetechnisch am interessantesten wäre aus dem Pool der Kandidaten sicherlich die Stadt Köln. Am praktischsten wäre die ziemlich schnelle Anreise via Autobahn nach Kassel. Und sportlich wäre wohl der Bayernkandidat am wünschenswerten (wo allerdings das Problem besteht, dass die Gästesektoren bei weitem nicht die RB-Reisewilligen fassen könnte). Es darf sich nun jeder selbst überlegen, was er oder sie präferieren würde. Ich für meinen Teil wünsche mir sportlich alles außer Kiel, könnte aber auch auf die Extremtouren nach Elversberg oder Trier (jeweils deutlich über 500 km), die dazu ja auch noch möglicherweise an einem Mittwoch stattfinden, verzichten. Aber da hat wohl jeder so seine Präferenzen.

Gespielt wird die Relegation im Übrigen am 29.05., also nur drei oder vier Tage nach dem letzten Regionalliga-Spieltag und wieder nur vier Tage später am 02.06.2013. Nur falls sich schon mal jemand Termine in seinem Kalender freiblocken will..

Fazit: Also mir hat der Relegationswatch-Ausflug der letzten Wochen durch die Regionalligen Spaß gemacht. Auch weil mir jetzt ein wenig klarer ist, was der Optionsrahmen bei einer möglichen Meisterschaft von RB Leipzig wäre. Damit ist das Thema Relegation hier im Blog auch erst mal weitestgehend Geschichte. Eine Geschichte, die erst wieder angegangen wird, wenn denn dann tatsächlich irgenwann die Qualifikation dafür geschafft wurde. Bis dahin volle Konzentration auf diese Saison und zunächst einmal also auf das nun folgende Spiel gegen Rathenow. Aber ein bisschen träumen von großen Relegationsheldentaten ist im Hinterkopf natürlich erlaubt.

[Update 05.03.2012: Die Auslosung der Relegationspartien soll laut LVZ am 12.05.2013, also zweieinhalb Wochen vor Start der Relegation während des Spiels RB Leipzig gegen FSV Zwickau stattfinden und vom MDR live übertragen werden.]

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Die Relegationswatchteile im Überblick (in Reihenfolge des Erscheinens)

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8 Gedanken zu „Relegationswatch Teil 5: Regionalliga Nordost und Schluss“

  1. Laut dfb.de und dem dortigen Rahmenterminplan ist das Relegations-Rückspiel am 02.06.
    Ich hoffe das bleibt so, aber warten wir ab.

  2. Ah ja, im Rahmenterminkalender des NOFV ist nur das Wochenende als Relegationstermin eingetragen.

  3. Der 01.06. wär auch echt unwahrscheinlich – da findet das DFB-Pokal Finale statt.

    ..und schön dass mein Kommentar so nützlich war 🙂

  4. Mein Forumsbeitrag am 18.7.12:

    „Wenn ich mich also auf die jeweiligen Mannschaften festlegen müsste, tippe ich mal ganz defensiv auf: Bayern II, Kassel, Trier, Lotte, Kiel“

    Da bin ich ja noch gut im Rennen :-). Wobei Elversberg natürlich in einer sehr guten Situation ist. Im Süden wäre ich mir nicht so sicher, dass 1860 II (aka U21) wirklich den Aufstieg anstrebt. Gerüchtehalber gingen die ja mit einem Minietat (500.000) in die Saison, der in der 3. Liga gerademal die Reisekosten decken würde und als Zweite Mannschaft bekommt man ja nichts aus dem TV Pot der 3. Liga.

  5. @roger: Ja, danke für den Gedankenanstoß.

    @Felix: Danke.

    @Rumpel: Zumindest reichen sie ja laut heutiger Meldung offenbar den Lizenzantrag ein. Von daher scheinen sie zumindest nicht uninteressiert zu sein. Und wenn ihr Investor nicht die Lust verliert, macht die Investition ja auch durchaus Sinn. Ob es überhaupt sportlich reicht, wenn die Bayern jetzt noch mal intensiv eine Chance auf den Aufstieg wittern, ist eine ganz andere Frage.

    1. Ging mir im Laufe dieser Relegationswatch-Serie einige Male so. Sowohl, was Transfers (West), Spielergebnisse (Südwest) und die Lizensierung (Bayern) anging.

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