Wegweisender Startpunkt

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht zur Partie RB Leipzig gegen die TSG Neustrelitz (15.02.2013, 19.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Alexander Zorniger und Bastian Schulz.]

Nun geht es dann doch endlich los mit der Rückrunde der Regionalligasaison 2012/2013. Was man angesichts des Schnees draußen gar nicht glauben möchte. Aber dank heimischer Red Bull Arena eben glücklicherweise so ist. Wäre man ein weiteres Wochenende davon abhängig, dass irgendwo ein städtisches Stadion spielfertig hergerichtet wird, dann könnte man den Spieltag schon wieder knicken. Und man muss nicht sehr prophetisch unterwegs sein, um festzustellen, dass von den restlichen Partien des Spieltages einige durchaus ausfallen könnten. Was dann RB Leipzig unter Umständen (wenn Jena und/ oder Zwickau nicht spielen können) die Möglichkeit böte, mit drei Punkten gleich mal wieder die Distanz zur Konkurrenz zu erhöhen.

In Neustrelitz führte der Winter zu der skurrilen Situation, dass der Verein am vergangenen Wochenende nicht nur den Punktspielstart, sondern auch das Ersatztestspiel absagen musste und stattdessen ganz ohne Ball ein wenig durch den Wald joggte. Schwerlich vorstellbar, dass sie aktuell Trainingsbedingungen haben, die auch nur ansatzweise der gut gepflegten und in Bezug auf den Rasen auch gut gewärmten Red Bull Arena entsprechen. Vielleicht sollten sie einfach einen Tag eher nach Leipzig kommen und noch eine Trainingseinheit am Cottaweg, auf dem Trainingsgelände der RasenBallsportler mitnehmen.. Fakt ist jedenfalls, dass man sich sicherlich besser direkt auf ein Spiel beim Tabellenführer vorbereiten könnte, als es in Neustrelitz möglich war.

Trotzdem wird sich zum Rückrundenstart gleich ein Team in Leipzig vorstellen, das von seiner Qualität her zum oberen Mittelfeld gehört. Eine Mannschaft, die in Sachen Robustheit vielleicht ganz gut mit dem FSV Zwickau vergleichbar ist. Wie unangenehm das Team zu bespielen ist, hat RB Leipzig jedenfalls in der Hinrunde am 2.Spieltag erfahren, als man nur mit viel, viel Mühe und dank eines völlig schmerzfrei durch die Gegend und damit direkt ins Fanherz hechtenden Fabio Coltorti drei sehr wichtige Punkte ergattern konnte und sich gleichzeitig den ersten Saisonsieg und etwas Ruhe im leicht unruhig werdenden Umfeld sicherte.

Neben der robusten Spielweise fielen bei den Neustrelitzern vor allem die namhaften Offensivoptionen auf. Junior Torunarigha, Velimir Jovanovic, Salvatore Rogoli und Aymen Ben-Hatira (Bruder von Hertas Änis Ben-Hatira) haben aus unterschiedlichen Gründen Klang und mehr oder minder Klasse (wenn man es in Toren rechnet, dann eher weniger, denn bis auf den Standardschützen Rogoli gingen bisher alle leer aus). In dieser Tradition war es fast nicht mehr erstaunlich, dass sich die TSG in der Winterpause die Dienste eines weiteren Stürmers mit sehr viel Klang sicherte und den Bruder des Hannoveraner Stürmerstars Mame Biran Diouf nach Neustrelitz lotste. Wo Mame Mbar Diouf dann beim Spiel bei RB Leipzig auch gleich den im Hinspiel sehr auffälligen, bullig-schnellen Junior Torunarigha ersetzen könnte, der wegen einer Muskelverletzung pausieren muss. Auch das für RB Leipzig sicherlich kein Nachteil in diesem Spiel. Zumal Diouf nach einiger Zeit in Norwegen zuletzt vereinslos war.

Das Spiel in Neustrelitz war für RB Leipzig übrigens damals das erste, das man nach dem nicht ganz gelungenen Versuch im 4-4-2 mit Doppelsechs mit einem 4-3-1-2 begann. Beziehungsweise spielte man damals genaugenommen noch ein 4-1-3-2, also ein sehr, sehr offensives System, bei dem die beiden äußeren Mittelfeldspieler sehr weit nach vorne verschoben agierten und bei gegnerischem Ballbesitz und Spielverlagerung auf die Seiten jeweils den Weg zurück in ein 4-3-1-2 machen sollten.

Ich erinnere mich sehr gut, wie überfordert das Team davon mindestens 45 Minuten lang war. Ich erinnere mich an einen Timo Röttger, der weitgehend aussichtslos auf seiner Seite den Bällen hinterherhechtete und –hechelte. Ich erinnere mich an viele Bälle, die genau aus diesem Grund immer wieder schnell über die Außenbahnen gespielt wurden. Ruft man sich die Bilder von damals in Erinnerung, dann sind die Entwicklungen bei RB Leipzig innerhalb der taktischen Anforderungen des gewählten Spielsystems und auch die gemachten Feinjustierungen ein Quantensprung. Damals war es vogelwild, was zu einem offenen Schlagabtausch führte, heute ist RB zu einiger taktischer Disziplin in der Lage.

Das Spiel am Freitag wird sicherlich ein ganz anderes als im letzten Sommer. Der Gegner wird wesentlich abwartender auf seine Chance lauern, die RasenBallsportler werden auch dank eines deutlich verbesserten Pressings wesentlich sicherer stehen und nicht permanent in Sprintduelle in der Viererabwehrkette geraten. Trotzdem kann die ganze Angelegenheit auch zu einem Geduldsspiel werden. Dafür steht schon allein die Abwehrstärke des Gegners (erwähnte ich schon die Robustheit?), dank der Neustrelitz in der aktuellen Saison bisher nur einmal mit mehr als einem Tor verloren hat. Und das war das letzte Spiel vor dem Winter gegen Meuselwitz. Nur 13 Gegentore sind ein Topwert in der Regionalliga Nordost.

Dass die Probleme in Neustrelitz ausgerechnet am anderen Ende des Feldes, in der Offensive liegen, glaubt man angesichts der Offensivbesetzung erst mal gar nicht, ist aber bei nur 13 eigenen Treffern offensichtlich. Es scheint, dass aus der Art und Weise, wie in Neustrelitz Fußball gearbeitet gespielt wird, wenig gutes für die Angriffsreihe resultiert. Und doch sollte man nicht den Fehler machen, die individuell durchaus vorhandene Klasse der Spieler zu ignorieren.

Bei bisher lediglich 13 absolvierten Spielen reichen die 16 Punkte, die auf dem Konto der TSG Neustrelitz stehen, bisher zu Platz 10. Damit steht man nur einen Platz vor den Teams, die aktuell im Abstiegskampf stecken. Allerdings hat man auch zwei Spiele weniger und fünf Punkte mehr als Energie Cottbus II auf dem ersten Abstiegsplatz. Und es gilt weiterhin die Aussage aus der Hinrunde, dass die TSG unter normalen Umständen mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird. Ganz im Gegenteil sollten sie mit ihren Kadermöglichkeiten als Aufsteiger im oberen Tabellenmittelfeld eintrudeln. Sich also aus meiner Sicht definitiv vor Mannschaften wie Rathenow oder Auerbach und hinter den fünf, sechs Topteams platzieren (wo man nach dem 10. Spieltag auch bereits stand, bevor man sich drei Niederlagen am Stück leistete).

Dazu muss aber eine bessere Offensiv-Defensiv-Balance ins Team. Man kann offensiv nicht nur mit Power, Standards (Einwürfe, Freistöße) und Einzelspielern bestehen, ein bisschen mehr an Idee täte da nicht schlecht. Dass diese Idee nun ausgerechnet zum Rückrundenauftakt gegen RB aus der dunklen Ecke springt, ist unwahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich. In den Vorbereitungsspielen übte man sich jedenfalls im Toreschießen und schenkte unter anderem Hannover 96 II vier Treffer ein. Gegen Kiel holte aber wiederum die Defensive zumindest 45 Minuten lang ein ordentliches 0:0 heraus, bevor komplettes Durchwechseln noch zu einer 0:3-Niederlage führte.

Es ist nach der Winterpause immer ein bisschen wie am Saisonanfang. Man weiß nicht genau, wo der Gegner gerade steht. So ist es auch bei der TSG Neustrelitz. Schwächer geworden sind sie wohl aber vermutlich nicht, sondern als Neuling, der sich in der Winterpause noch mal verstärkte und auch den langzeitverletzten, zentralen Mittelfeldmann Kai Hempel (Ex-FC-Sachsen), der dem Spiel noch einmal einen Schub in Sachen Stabilität geben könnte, endgültig zurückgewann, sicher wieder ein Stück gewachsen. Ob das reicht, um gegen RB zu bestehen, darf man bezweifeln. Andererseits sind sie auch definitiv nicht chancenlos, wenn sie die RasenBallsportler effektiv vom eigenen Tor weghalten können. Wobei nicht chancenlos einen überraschenden Punktgewinn meinen würde. Dass die TSG drei Punkte aus der Red Bull Arena mitnehmen könnte, halte ich für ausgeschlossen.

Auf Seiten von RB Leipzig ist das größte Problem vor dem Flutlichspiel bei wahrscheinlich frostigen Temperaturen die Qual der Kaderwahl. Die interessanteste Frage dürfte darin bestehen, ob sich im letzten Test gegen Hannover 96 II (5:1) noch einmal der eine oder andere aus dem Team gespielt hat. Wobei es angesichts der Alternativen bis runter zur Nummer 20 auch relativ egal ist, wen man letztlich aufs Feld wirft. Ich würde allerdings der Einfachheit halber davon ausgehen, dass dieselben 11 Spieler auflaufen, die auch letzte Woche testweise aufliefen. Also Coltorti – Müller, Hoheneder, Sebastian, Judt – Röttger, Karikari, Schulz – Rockenbach – Kammlott, Frahn. Am ehesten könnten wohl noch Clemens Fandrich und Umut Kocin als Kandidaten für die Startelf gelten, wo sie im Fall der Fälle Schulz oder Judt ersetzen würden. Ziemlich sicher darf man jedenfalls den in der Vorbereitung meist überzeugenden Carsten Kammlott im Team und an der Seite von Daniel Frahn erwarten. Und das hätte vor ein paar Wochen so wohl kaum jemand gedacht.

Fazit: Mit der TSG Neustrelitz kommt ein robustes Regionalliga-Team leicht über dem Niveau des Ligaschnitts nach Leipzig. Und mit robusten Mannschaften haben sich die RasenBallsportler bisher nicht ganz so leicht getan. Trotzdem hängt es letztlich nur an ihnen selbst, ob sie drei Punkte mitnehmen oder nicht. Gehen sie mit 100% Konzentration an die Sache heran, wird der Gast keine Chance haben, weil ihm dann doch insgesamt die spieltaktischen und individuellen Möglichkeiten fehlen. Gegen einen nicht einfach zu bespielenden und ohne großen Druck anreisenden Gegner bietet sich RB Leipzig die Chance, gleich im ersten Spiel der Saison und eine reichliche Woche vor dem Derby gegen Lok ein Zeichen zu setzen, dass sich in dieser Liga niemand mehr Gedanken um den Meistertitel machen muss, weil der nur nach Leipzig gehen kann. Und diese Chance sollte man sich unter Flutlicht vor vermutlich 6.000 bis 7.000 Zuschauern nicht entgehen lassen.

Auf geht’s in die Rückrunde, die in Richtung Relegation ein Steigerungslauf mit unbekanntem, aber hoffentlich positiven Ausgang wird. Neustrelitz ist der Auftakt in eine 15wöchige, spannende Fußballreise mit im Idealfall 20 Pflichtspielen, was ein Sachsenpokalfinale und eine Relegation beinhalten würde. Verlockende Aussichten, doch den Grundstein wird muss RB Leipzig am Freitag, ab 19.30 Uhr gegen den Tabellenzehnten der Regionalliga Nordost, die TSG Neustrelitz legen. Willkommen zurück im Wohnzimmer allerseits.

(Wer das Spiel von RB Leipzig gegen die TSG Neustrelitz nicht vor Ort verfolgen kann und trotzdem dabei sein will, nutze am 15.02.2012, ab 19.30 Uhr die üblichen Kanäle, also Liveticker [broken Link] und Fanradio.)

———————————————————————————–

Bisherige Duelle RB Leipzig gegen TSG Neustrelitz

———————————————————————————–

Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel RB Leipzig gegen die TSG Neustrelitz mit Alexander Zorniger und Bastian Schulz

13.35

Bleibt zum Schluss noch die Statistik. In drei Rückrundenauftaktspielen in den letzten drei Jahren gab es drei Siege bei 16:2 Toren. Macht statistisch gesehen ungefähr einen 5:1-Sieg gegen Neustrelitz. Na da kann ja nichts mehr schief gehen. Wünsche noch zwei schöne Tage und dass die Zeit bis Freitag Abend schnell vergeht.

13.33

Das war es schon von der Pressekonferenz. Zwischen den Zeilen klang durch, dass wohl Schulz und auch Kammlott am Freitag ziemlich sicher starten werden. Viele Überraschungen sind kadertechnisch demnach nicht zu erwarten..

13.30

Schulz über Zorniger: “Akribischer Arbeiter. Wissen, was wir an ihm haben und er weiß, was er an uns hat. Bis jetzt passt alles.” Manchmal sei der Kopf bei allem Input etwas leer, aber es sei wichtig, immer wieder die Basics eingetrichtert zu kriegen.

13.28

Zorniger: Neustrelitz hat bisher fast nur auf Kunstrasen getestet. “Haben unheimlich viel Offensivpotenzial” und unangenehme Spieler mit viel Zweikampfhärte. Haben in der Offensive viel Tempo. Die Viererkette sollte Sprintduelle vermeiden. Deswegen muss bei Ballverlust sauber gegen den Ballearbeitet werden.

13.26

Zorniger: “Bastian investiert unheimlich viel und stellt trotzdem keine Ansprüche. haben 25 Spieler und wenn sich jemand verletzt, wird ein anderer Spieler die Aufgaben übernehmen. Wir brauchen wirklich alle Spieler, um am Ende unsere Ziele zu erreichen.” Erklärt noch mal sein Theorem, dass alle Spieler für ihn Stammspieler sind. Weil jeder wichtig ist und jeder immer zu 100% da sein muss, um sofort gebracht werden zu können.

Nach dem letzten Spiel gegen Hannover II sei das Zweikampfverhalten Thema gewesen. Schulz habe diese Qualität, aber andere auch. Generell gefallen Zorniger an Schulz dessen Qualitäten als Balleroberer und dass er immer wieder in die Lücken geht und Torgefahr ausstrahlt. Findet es toll, wenn Spieler Herausforderungen annehmen und sich bei  viel Konkurrenz durchsetzen.

13.21

Schulz: “Arbeiten jedenTag hart für den Erfolg. Sind ein eingeschworener Haufen. Trainer und Mannschaft haben schnell zueinander gefunden.”

Zorniger: “In der Vorbereitungsphase hatten die Gegner viel Qualität und da hat die Mannschaft Siegeswillen gezeigt.” Erinnert sich noch mal ans Hinspiel in Neustrelitz, als das Spiel auf der Kippe stand und man auch hätte in Rückstand geraten oder verlieren können. Die bisherige Ungeschlagenserie in der Saison in Tests und Pflichtspielen zeige den Siegeswillen der Mannschaft. An eine solche Serie könne sich Zorniger aus eigener Erfahrung nicht erinnern. “Jede Mannschaft ist schlagbar, das müssen wir immer im Kopf behalten.”

13.16

Jetzt geht es los. Zuerst Bastian Schulz:

Vorbereitung war lang. Hat man als Fußballer nicht so gern. Es wurde gut gut gearbeit. “Sind froh,dass es losgeh und gut auf Neustrelitz vorbereitet.”

Zorniger: “Fand es gar nicht so lang die Vorbereitung. Sind physisch und psychisch auf einem guten Niveau. Liefering und Verl waren schlecht, gegen die SchweizerMannschaften war es gut. Mir hat es meistens Spaß gemacht.” Es sei für die Spieler in den letzten Wochen nicht einfach gewesen mit den vielen Einheiten.

13.11

Und es bleibt auch noch Zeit für einen (existenziellen) Hinweis in eigener Sache:

Für jede(n) Unterstützer(in) dieses Blogs und jeden Unterstützungsbetrag (startend bei 20 Euro pro Jahr) bin ich sehr dankbar.

13.09

Auch spannend die Ansetzung des Nachholespiels beim Berliner AK durch den NOFV. Der hat sich für den 20.03., 15.30 Uhr entschieden. Klingt erst mal nicht ungewöhnlich, aber der Teufel liegt im Detail, denn der 20. ist ein Mittwoch.. Vielleicht hat man sich beim Verband ja überlegt, dass man auch Familien mit Kindern die Anreise und die altersgerecht zeitige Rückreise ermöglichen will. Um fair zu bleiben, es ist in der weiteren Saison nicht ganz einfach Termine zu finden, da es keine freien Wochenenden mehr gibt und der BAK offenbar kein Flutlich hat. Macht halt das beste draus..

13.04

Bleibt zuerst die frische Verletzung von Sebastian Heidinger zu erwähnen, der die nächsten drei Wochen ausfallen wird. Ist insgesamt bisher nicht die Saison von Heidinger, der es nach seiner Rückkehr schwer haben wird, wieder ins Team zu kommen. In der Hinrunde die unberechtigte rote Karte in Plauen, jetzt die Verletzung. Perfekt geht anders. Gute Besserung von dieser Stelle aus..

13.01

Hallo allerseits. Viertelstunde noch, dann sind Alexander Zorniger und Bastian Schulz da. Bleibt noch ein bisschen Zeit, die aktuellen News abzuklappern..

Flattr this!

Ein Gedanke zu „Wegweisender Startpunkt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.