Relegationswatch Teil 1: Regionalliga Nord

Drei Wochen noch bis regulär die Rückrunde der Regionalliga im Nordosten beginnen soll. Mal sehen, was der Winter dann so von dieser Idee halten wird. Glücklicherweise gibt es bis zum zweiten Märzwochenende nur ein Auswärtsspiel für RB Leipzig, nämlich das Spiel bei Union Berlin II (das heute für den 10.02.2013 angesetzt wurde), sodass dank Red Bull Arena kaum Spielausfälle zu erwarten sind.

In der Regionalliga Nordost werden die Rollen dann klar verteilt sein. RB Leipzig geht dank einigem Vorsprung in der Tabelle als absoluter Topfavorit in die Rückrunde, in der vor allem Jena mit langsam eingespielter und stabilerer Mannschaft noch mal zum Konkurrenten werden könnte. Beim FSV Zwickau, die mit zwei Siegen in Nachholespielen an Jena vorbeiziehen könnten, muss man mal abwarten. Als Aufsteiger dürfen sie ihre Durststrecke noch vor sich haben. Auf jeden Fall sollte es unwahrscheinlich sein, dass das Team an den Platz an der Sonne rücken kann.

Von immer größerem Interesse dürfte in der Rückrunde auch der Blick auf die anderen Staffeln und damit auf mögliche Relegationsgegner werden. Laut offizieller Vereinslinie ist das Schielen auf die Relegation ja verpönt, aber da ich hier ja ein bisschen Narrenfreiheit genieße, muss ich mich natürlich nicht darum scheren. Weswegen ich heute eine kleine, in unregelmäßigen Abständen erscheinende Serie beginne, in der die vier anderen Regionalligastaffeln und mögliche Relegationsgegner unter die Lupe genommen werden sollen. Beginnen wir heute einfach mal im Norden, in dem noch so einige Teams unterwegs sind, die man als Anhänger des einzig wahren RasenBallsports ja schon aus der vergangenen Spielzeit kennt.

  • Regionalliga Nord
  • Holstein Kiel (19): 45 Punkte, +36 Tore
  • Hannover 96 II (19): 42 Punkte, +27 Tore
  • TSV Havelse (18): 35 Punkte, +15 Tore
  • VfL Wolfsburg II (19): 33 Punkte, +17 Tore
  • Werder Bremen II (18): 30 Punkte, +15 Tore

(In Klammern vermerkt sind jeweils die Anzahl der bisher absolvierten Spiele.)

Im Norden ist die Lage vergleichsweise klar und läuft aktuell alles auf einen Zweikampf hinaus. Ganz vorne steht Holstein Kiel, die zu Beginn der Saison auch aufgrund von Verletzungen einige Probleme hatten, aber Richtung Ende der Hinrunde insbesondere mit einem Sieg beim direkten Konkurrenten in Hannover die Big Points setzte. Nach acht Spieltagen lag Kiel noch mit sechs Punkten Rückstand auf Hannover II und bereits je zwei Unentschieden und Niederlagen auf Platz 3. 19:11 Treffer erzielte und kassierte man bis dahin. In den folgenden 11 Spielen verbuchte man dann allerdings unfassbare 10 Siege, ergo 31 Punkte bei einem Torverhältnis von 36:8 Toren (fast 3,5 Tore pro Spiel!). Mehr muss man eigentlich nicht sagen zur Klasse des Teams.

Das ohnehin schon starke Team wurde im Sommer noch einmal merklich verstärkt, ohne dass zentrale Leistungsträger abgegeben worden wären. Vor allem Schied und Johansen gaben der Offensive neue Durchschlagskraft und erzielten zusammen mit der alten und aktuellen Stammsturmkraft Marc Heider 28 der insgesamt 55 Tore in 19 Spielen. Was den besten Torschnitt aller fünf Regionalligen ergibt. Mit Manuel Hartmann kam zudem ein Zweitligaspieler für die Innenverteidigung. Um nur einige Namen zu nennen.

Holstein Kiel ist noch breiter aufgestellt als in der Vorsaison und geht diesen Weg auch in der Winterpause konsequent weiter, wenn man die Verpflichtung eines dänischen Innenverteidigers als Indiz nimmt. Über welche Möglichkeiten Coach Thorsten Gutzeit, der offenbar ein sehr flexibles 4-2-3-1 mit Tendenz zum 4-4-2 präferiert, verfügt, zeigt sich auch in der Tatsache, dass die letztjährige Stammoffensivkraft Fiete Sykore in der aktuellen Spielzeit bisher nur auf 11 Einwechslungen kommt. Ohne Qualitätsverlust für die Mannschaft wohlgemerkt.

Holstein Kiel dürfte einer der ganz großen Aufstiegsfavoriten sein. Als Team über Jahre gewachsen und in Sachen Spieltaktik schon im letzten Jahr absolut überzeugend. Wenn man in Kiel die Gewohnheit ablegt, in den entscheidenden Momenten eher daneben zu liegen, führt kein Weg an ihnen vorbei. Sportlich wäre Kiel ein sehr schweres und undankbares Los für die Aufstiegsspiele, vielleicht das schwerste, das man ziehen könnte.

Hinter Kiel tummeln sich im Norden die zweiten Mannschaften. Beginnt man unten, dann ist Werder Bremen II genaugenommen praktisch schon aus dem Rennen. Trotz des einen Spiels Rückstands wären es im Optimalfall noch 12 Punkte Rückstand auf Kiel. Das ist nicht machbar und dürfte beim Drittligaabsteiger doch ein wenig als Enttäuschung durchgehen, denn eigentlich wollte man mit den jungen Talenten ganz oben angreifen. Aber der Umbruch im Kader im Sommer war wohl doch zu zehrend, denn die drei meisteingesetzten Spieler Wegner (Halle), Johannes Wurtz (Saarbrücken) und Onel Hernández (Bielefeld) bringen zwar schon einige Dritt- und Viertligaerfahrung mit, kamen aber eben auch erst neu vor der Saison. Während bekanntere Werdertalente wie Kroos, Hartherz, Trybull oder Füllkrug irgendwo zwischen Profis und Zweitmannschaft stehen und dementsprechend bei der U23 teilweise auch weniger Einsätze absolvieren. Viel Talent im Team, aber noch zu wenig Konstanz.

In Wolfsburg II dürfte man auch leicht enttäuscht sein über Tabellenplatz 4 und einen schon abhakbaren Aufstieg. Auch hier dürften die wenn Umbrüche im Sommer ihren Gutteil beitragen. Mit Kreuels, Czichos und vor allem dem letztjährigen Toptorschützen Fomitschow (17 Treffer!) gab man einiges an Klasse an höherklassige Vereine ab. Zwar holte man sich mit Boskovic einen erfahrenen und hochklassigen Stürmer aus Jena, aber insgesamt scheint das Team nicht auf dem Niveau des Vorjahres.

Nicht ganz irrelevant dürften auch die Vorgänge bei den Profis für den Saisonverlauf gewesen sein. Köstners Einspringen bei den Profis nach dem Magath-Abgang und seine baldige Rückkehr zur U23 nach der Hecking-Verpflichtung dürften nicht gerade zur Ruhe rund um das Nachwuchsteam beitragen. Und gerade Ruhe dürfte bei den jungen Talenten eine nicht unerhebliche Rolle spielen

Der TSV Havelse setzt seine gute Arbeit aus der vergangenen Saison fort und steht sogar noch vor den höher gehandelten Nachwuchsteams aus Bremen und Wolfsburf. Allerdings dürfte für einen Angriff auf die Spitze weder ausreichende Qualität noch Konstanz vorhanden sein. Vor der Saison verlor man unter anderem die absolute Stammkraft Ali Moslehe nach Magdeburg und verstärkte sich vor allem mit Nachwuchsleuten, die bei größeren Clubs den Durchbruch nicht schafften. Havelse trägt das Los vieler kleiner Vereine, die in ihrem sportlichen Wirken an die Grenzen kommen. Bei allem Respekt vor André Breitenreiters sehr guter Arbeit, in Havelse ist auf Platz 3 keine Luft mehr nach oben.

Bleibt also nur noch Hannover 96 II, die bereits letzte Saison unter Valérien Ismaël andeuteten, dass sie mehr wollen als ewig Regionalliga spielen und in der aktuellen Spielzeit vieles richtig machen. Mit Lars Fuchs und vor allem dem aus Lübeck gekommenen Kadah hat man ein erfahrenes Topduo im Sturm, das zusammen auf stolze 28 Tore kommt. Ansonsten besteht der Kader aus der typischen Ansammlung hoffnungsvoller Talente, wie sie den Topvereinen nun mal eigen ist. Inklusive beispielsweise des 20jährigen Willi Evseev, der bereits ein leihweises Jahr in der österreichischen Bundesliga hinter sich hat.

Es ist beileibe nicht so, dass Hannover 96 eine Übermannschaft hat. Ganz im Gegenteil wirkt bspw. der Werder-Kader aus der Ferne durchaus talentierter. Aber offenbar hat Ismaël mit seinem seit Amtsantritt vor einem reichlichen Jahr propagierten, leistungsorientierten Denken Schwung in das Nachwuchsteam gebracht. Dabei spielt es aber ganz sicher auch eine Rolle, im Gegensatz beispielsweise zum Werder-Nachwuchs die bereits erwähnten, erfahrenen Führungsspieler im Kader zu haben, die den Talenten auch in schwierigen Spielen den Weg weisen. Hätte man nicht kurz vor der Winterpause noch das Topspiel auch wegen einer roten Karte beim Stande von 0:2 unglücklich mit 2:3 verloren, stünden die 96er sogar noch besser in der Tabelle und im Vergleich mit den fast schon übermächtigen Kielern.

Fazit: Aus der Ferne ist es schwer einzuschätzen, aber letztlich dürfte es für Hannover II wohl nicht reichen, noch mal Kiel nachhaltig zu gefährden. Zu stark besetzt und zu gut in ihrer Spielanlage sind die Störche. Sollte die Verletzungsfalle nicht noch mal zuschlagen oder im ganz hohen Norden der Schlendrian einziehen, dann wird Kiel in dieser eher durchschnittlichen bis schwachen Liga (womit sie gut mit der Nordost-Staffel von RB Leipzig vergleichbar ist), in der man nicht oft und nicht gegen viele Teams Punkte liegen lassen kann, nicht mehr ins stolpern kommen. Womit man den ersten möglichen Relegationsgegner für RB Leipzig mit Holstein Kiel schon mal einloggen kann. Ganz ehrlich? Dem objektiven Fußballanhänger mag ja bei den fußballerischen Taten der Störche das Herz aufgehen, ich könnte auf ein Relegationsspiel in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein aber sehr gut verzichten. Nächstes Jahr in der dritten Liga würde auch noch reichen mit einem Wiedersehen..

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Die Relegationswatchteile im Überblick (in Reihenfolge des Erscheinens)

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4 Gedanken zu „Relegationswatch Teil 1: Regionalliga Nord“

  1. Guter Artikel erstmal 😉

    denke auch dass es im Norden die Kieler werden machen, es fehlt einfach an nennenswerter Konkurrenz. Sicher wäre Kiel in der Reli ein harter Brocken, aber: WIR SIND RB LEIPZIG! WIR MÜSSEN UNS VOR KEINEM VIERTLIGISTEN IN DIESER REPUBLIK VERSTECKEN! AUF IN DIE 3. LIGA!!!

  2. Mit deinem Fazit stimme ich zu hundert Prozent überein…. Kiel muss nun wirklich nicht sein! Gleiches gilt für Victoria oder Fortuna Köln, auch die halte ich für bärenstark!! Illertissen oder Elversberg wären doch „gute“ Lose…

  3. @Bulle Na klar, müssen wir uns nicht verstecken. Auch gegen Kiel wären wir nicht chancenlos. 😉 Trotzdem darf man feststellen, dass Kiel wohl die Mannschaft mit dem größten Potenzial im Lostopf wäre, was die Lotterie Relegation noch einmal zu einer Lotterie mit geringeren, aber weiterhin guten Chancen machen würde. Kiel ist einfach unbequem zu bespielen, da darf man gerne die letztjährigen Bundesligisten, die im Pokal die Segel strichen, befragen.

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