Regionalliga: Hannover 96 II vs. RB Leipzig 0:2

Es gibt auch diese Tage. Also diese, an denen so ziemlich alles positiv läuft. Gestern ging es schon damit los, dass BILD morgens vermeldete, dass RB Leipzig seine Drittligalizenz für die kommende Spielzeit komplett ohne Auflagen erhalten habe. Was nicht die Diskussionen um RB Leipzig selbst, aber eben die Diskussionen um die Vereinbarkeit der RB-Vereinssatzung mit den DFB-Statuten beenden sollte.

Weiter ging es mit der Nachricht, dass Timo Röttger nur fünf Wochen nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder in der Startelf stünde. Dank Carbonschutz wurden damit die eher weniger gelungenen Experimente für die rechte Außenbahn der letzten Wochen glücklicherweise beendet. Es ist schon erstaunlich, dass ein so gut besetzter Kader wie der von RB Leipzig den Ausfall eines Spielers nicht verkraften konnte. Keiner ist wohl wie Röttger in der Lage, die wegen des flügellastigen 4-4-2 zwangsläufig entstehenden Eins-gegen-Zwei-Situationen immer wieder in Gefahr für das gegnerische Tor umzuwandeln und so die Nachteile des Spielsystems wettzumachen. Mal ganz davon abgesehen, dass das eingespielte rechte Duo Müller/ Röttger wohl sowieso jedem Drittligisten, aber auch mindestens der Hälfte der Zweitligisten sehr gut zu Gesicht stehen würde.

Bloß nicht noch mal das Schlüsselbein - Hoffnungsträger Timo Röttger im Zweikampf | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Und erwähnt muss natürlich auch der sehr günstige Spielverlauf werden. Die erste Großchance der U23 von Hannover 96 nach 7 Minuten abgewehrt, ging RB Leipzig bereits nach 13 Minuten durch einen Foulelfmeter in Führung. Eine Szene, die noch durch eine rote Karte für den zum Profikader gehörenden Leon Andreasen gekrönt wurde. Dabei wurde wieder mal deutlich, dass die Regel ‚Verhinderung einer klaren Torchance per Foulspiel durch den letzen Mann führt zum Platzverweis‘ ziemlich extrem ist, denn das Zupfen und Ziehen des Verteidigers war ein harmloses Foul und dass Hannover deswegen nun fast 80 Minuten zu Zehnt spielen musste eine ganz schön übertriebene Strafe.

Dem aus meiner Sicht immer etwas zu Unrecht in der Kritik stehenden und auf links als Rockenbach-Ersatz offenbar ganz gut mit Tomasz Wisio interagierenden Sebastian Heidinger war es dann vorbehalten, Teil einer Szene zu werden, die ich so im Fußball auch noch nicht gesehen hatte. Heidinger war wunderschön von links in den Strafraum gezogen und hatte dort ebenso schön vollendet. Allerdings ertönte kurz zuvor ein Pfiff des Schiedsrichters, von dem keiner wusste warum. Abseits war es nicht, Foul auch nicht. Und weil nichts war und der Linienrichter auch nichts anzeigte, ging es mit Schiedsrichterball und ohne Tor weiter.

Die irre Erklärung des Schiedsrichters nach dem Spiel bestand laut Stefan Kutschke darin, dass sein Signalgeber am Arm (den normalerweise der Linienrichter bei Vergehen auf dem Platz auslösen kann) vibriert und er ohne Rückversicherung (Blickkontakt zur Linie) gepfiffen habe. Das Signal sei durch einen anwesenden Zuschauer ausgelöst worden und habe sich auch später noch bemerkbar gemacht, sodass der Schiedsrichter es kurzerhand abgeschaltet habe. Sollte die Story stimmen und nicht nur eine Story zum Selbstschutz gewesen sein, dann ist es eine ziemlich verrückte Story, die doch an dem System der Funkübertragung von Linien- zum Hauptschiedsrichter zweifeln lässt. Man stelle sich vor, jemand sei in der Lage, sich solch einen „Spaß“ in einer spielentscheidenden Szene zu erlauben..

Glück für RB Leipzig, dass es in einem Spiel passierte, in dem die Szene nicht entscheidend wurde. Denn auch gegen spielerisch starke Hannoveraner brannte bei 11 gegen 10 nie etwas an. Zwar gab es auch nicht mehr viele Möglichkeiten, dem zweiten Tor noch ein drittes oder viertes beizufügen, aber im Gegenzug ließ man auch nicht mehr arg viel zu.

Es ist ein bisschen komisch, aber mir persönlich geht es so, dass es viel mehr noch als am Mittwoch-Meuselwitz-Abend nach diesem souveränen Sieg so langsam zu sacken beginnt, dass RB den Aufstieg nicht mehr aus eigener Kraft schaffen kann und auf Ausrutscher des HFC hoffen muss. Wobei deren Restprogramm im Gegensatz zu dem der RasenBallsportler frei von größeren Stolpersteinen ist. In Halberstadt im Nachholer am Mittwoch und dann noch Plauen und St.Pauli II zu Hause und Cottbus II und Meuselwitz auswärts. Da ist nicht mehr so richtig viel Punktverlustpotenzial dabei, wohingegen schon allein der Auftritt von RB in Kiel nächste Woche ein echter Hammer ist.

Fazit: Ein etwas unerwartet souveräner 2:0-Sieg bei der Reserve von Hannover 96, die zuvor fünf Heimsiege in Folge gefeiert hatten. Einziger Wermutstropfen die fünfte gelbe Karte für Fabian Franke, der ausgerechnet in Kiel fehlen wird. Das Comeback von Röttger schien (erst recht zusammen mit dem Sieg) im Team und vor allem auch im Umfeld neue Aufbruchstimmung produziert zu haben. Vielleicht ist es ja für ein Happy End doch noch nicht zu spät. Die spektakuläre Auswärtsfahrt nach Kiel nächsten Samstag wird ersten Aufschluss geben (es gibt noch Zugtickets [broken Link]!).

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Tore: 0:1 Frahn (13./ Foulelfmeter), 0:2 Kutschke (45.)

Rot: Andreasen (12./ Notbremse)

Aufstellung: Borel – Müller, Hoheneder, Franke, Wisio – Röttger (64. Wallner), Rost (78. Lagerblom), Geißler (58. Schulz), Heidinger – Kutschke, Frahn

Zuschauer: 450 (davon 150 Leipziger)

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht, MDR-Bericht [broken Link], H96-Bericht [broken Link]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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