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Bilanz: RB Leipzig in der Saison 2015/2016

Nach den ersten 19 Saisonspielen ist RB Leipzig natürlich noch mal viel mehr als vor der Saison der klare Aufstiegsfavorit. Man hat eine junge Mannschaft, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist und von der man eher erwarten darf, dass sie sich noch weiterentwickelt. Ein Selke, ein Sabitzer, ein Forsberg, ein Bruno, ein Poulsen, ein Orban, ein Halstenberg und wie sie alle heißen, sind in ihren Leistungen noch nicht ausgereizt. Was dann aber eben auch heißt, dass man das Leistungsniveau der bisherigen 19 Spiele als Basis oder Mindestzielvorgabe für die verbleibenden Spiele ansehen darf. (…) Die besonderen Auswärtsaufgaben der Rückrunde in den großen Zweitligastadien und auch der Druck der Favoritenrolle in einer ausgeglichenen Liga, in der die meisten Mannschaften gut verteidigen können, sind vielleicht die größten Hindernisse für RB Leipzig auf dem Weg Richtung Bundesliga. Bisher hat man die Hindernisse gut aus dem Weg geräumt und sich nicht beirren lassen von Rückschlägen. Macht man in der Rückrunde so weiter, dann wird man das sportliche Ziel auch erreichen. (Zwischenbilanz: RB Leipzig in der Saison 2015/2016)

Die Perspektiven von RB Leipzig waren in der Winterpause bei acht Punkten Vorsprung auf Platz 3 und zwölf auf Platz 4 klar. Bundesligaaufstieg sowieso. Meisterschaft als naheliegendes Ziel. Doch so einfach wie man dachte, wurde es dann am Ende doch nicht.

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Was von Spieltag 34 bleibt

Und da ging sie dann doch dahin, die Saison 2015/2016, die auf den ersten beiden Plätzen jene Teams sah, die man auch am Anfang der Saison da erwartet hatte. Fußballerisch war es nicht unbedingt eine sehr spektakuläre Saison. Wie schon letztes Jahr viel laufen, kratzen, beißen und wenig überraschendes.

Selbst Freiburg verordnete sich nach der Winterpause eine darmstadteske Zweitligataktikspritze und setzte fortan vermehrt auf lange Bälle, weil man bemerkt hatte, dass man mit Zerspielen nicht ganz so hohe Erfolgsaussichten hat. Das und viele Standardtore, zusammen mit einer hervorragend besetzten Offensive sorgten am Ende für den sicheren Aufstieg.

Fußballerisch am interessantesten ging es vielleicht in Bochum zu, wo Gertjan Verbeek von seiner Idee, mit Ballbesitz und vielen Läufen im Hochgeschwindigkeitsbereich (quasi spielerisch geradlinig) die Konkurrenz nass zu machen, auch dann nicht abrückte, wenn er damit offensichtlich ins offene Messer rannte. Das war in vielerlei Hinsicht unterhaltsam, aber am Ende auch nicht so erfolgreich, wie man beim VfL lange insgeheim gehofft hatte. Der Unterschied zu den Spitzenteams bestand tatsächlich darin, dass man viele Torschüsse zuließ und diesbezüglich auf Augenhöhe mit Paderborn, Frankfurt und Duisburg, also nicht gut war.

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Bayernjäger, Bayernjäger. Hey, hey. (Oder so.)

Nach Aufstiegen von RB Leipzig wiederholt sich das Spielchen regelmäßig, dass der bundesweite Journalismus seine ‚Was mit der … (hier die jeweilige Liga einsetzen) oder dem deutschen Fußball nun passiert‘-Texte aus der Schublade holt.

In der Vergangenheit war der Unterton eher düster und es drohte der Untergang der Fußballkultur und der alteingesessenen Clubs. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga hat sich, abgesehen von den üblichen Verdächtigen von Christoph Ruf bis 11 Freunde, vor allem bei der bundesweit publizierenden Presse der Wind ziemlich gedreht.

Exemplarisch dafür die Welt, die vor drei Jahren, vor dem Aufstieg Leipzigs in die dritte Liga in einer kritischen Auseinandersetzung mit den RB-Vereinsstrukturen noch im düsteren Ton davon sprach, dass „der deutsche Fußball auch Rasenballsport Leipzig verkraften müssen wird“. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga titelte nun das selbe Blatt und derselbe Journalist vergleichsweise euphorisch, dass „RB Leipzig eine große Chance für die Bundesliga ist“.

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Montäglicher Reisemeister

Zweimal wird in dieser Saison noch eines dieser Montagspiele ausgetragen. Spiele, die die einen furchtbar schlimm finden, weil es ihnen dann nicht möglich ist, mit ihrem Team zu reisen und die die anderen gar nicht so schlimm finden, weil sie eh nur vom Fernseher aus zuschauen oder sich darüber freuen, dass ihr Verein mal eine mediale Sonderbehandlung bekommt, die man sonst als Zweitligist im frei empfangbaren Fernsehen nie bekommt.

Man kann über die Montagsspiele sicherlich mit verschiedenen Argumenten streiten. Wobei der Streit auch etwas albern ist, wenn man bedenkt, dass inzwischen quasi an jedem Wochentag von irgendjemandem ein Fußballspiel bestritten (und vor allem via TV geschaut) wird. Das nun ausgerechnet an Montagsspielen festzumachen, wird dann schon reichlich schwierig. Wobei natürlich Zweitligisten im Normalfall eher seltener Wochentermine abbekommen.

Lässt man mal die Montagsspiele, die in englischen Wochen an Donnerstagen stattfanden, außer acht (weil diese Spiele nicht so besonders sind, weil auch die anderen Spiele des jeweiligen Spieltags in der englischen Woche unter der Woche stattfinden und somit für Gästefans eher schwer erreichbar sind), dann wird die zweite Liga diese Saison am Ende 27 Montagsspiele bestritten haben.

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Zwischen guter Balance und geringer Effizienz

Nehmen wird der Einfachheit halber und alle Eventualitäten einrechnend mal an, dass die ersten fünf Teams der zweiten Liga noch Aufstiegschancen haben. Zumindest aber sind Freiburg, Leipzig, Nürnberg, St. Pauli und Bochum die Teams, die ein Stück über dem Rest der Liga agieren.

Nimmt man mal nur die Spiele, die diese fünf Mannschaften gegeneinander absolviert haben, dann sind 16 von 20 Begegnungen bereits absolviert. Leipzig gegen Bochum, Nürnberg gegen St. Pauli, Freiburg gegen St. Pauli und St. Pauli gegen Bochum fehlen noch in der Reihe. Vor allem St. Pauli hat also noch einige Spiele gegen Konkurrenten an der Tabellenspitze zu absolvieren.

Nimmt man die bisherige Bilanz als Basis, dann bedeutet das für St. Pauli nur gutes, denn in bisher fünf Spielen gegen Topteams holte man im Schnitt zwei Punkte, was mehr ist als jedes andere Topteam in den direkten Duellen holte. Bochum hat auch bereits überdurchschnittliche 11 Punkte aus sechs Spielen geholt, während Freiburg und Leipzig überraschend mit lediglich sieben Punkten aus sieben Spielen bisher die Schlusslichter in den internen Duellen sind.

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Was von Spieltag 26 bleibt

Viel mehr Fahrt kann das Aufstiegsrennen auch nicht mehr aufnehmen. Der Dreikampf zwischen den drei Topteams, die sich kaum eine Blöße geben, spitzt sich zu und würde bei einem Nürnberger Sieg am kommenden Wochenende gegen Leipzig extrem spitz werden.

Es gab in den letzten 20 Spielzeiten seit Einführung der Dreipunktregel erst ein Jahr, in dem der Drittplatzierte mehr Punkte hatte als Nürnberg in dieser Saison (50) und die ersten Drei zusammen mehr Punkte als in dieser Spielzeit. Dass mal ein oder zwei Teams dominieren, ist schon eher bekannt.

2011/2012 hatte sogar noch der Fünfte 50 Punkte wie diese Saison Nürnberg. Der Dritte stand damals bei 52 Punkten. Erstaunlicherweise reichten Düsseldorf dann am Ende doch schnöde 62 Punkte und zehn Punkte aus den letzten acht Spielen, um Platz 3 zu belegen. Dass man mit so einer Zahl in dieser Saison auch davon kommt, darf man zumindest leise anzweifeln. Angesichts der Stabilität der drei Topteams im bisherigen Rückrundenverlauf sind auch irgendwas ab 65 Punkte aufwärts für den Relegationsplatz denkbar.

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24.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Die Rangnick-Effenberg-Kontroverse schlug in den letzten Tagen ihre typischen, öffentlichkeitswirksamen Wellen. Dazu muss man im Detail gar nicht mehr viel sagen. Es ist sicherlich etwas ungünstig, nach einem glücklich gewonnenen Spiel den Spielstil des Gegners kritisch zu würdigen (mit Betonung auf kritisch), aber faktisch steckte in Rangnicks Äußerungen auch nichts extremes, sondern eher eine Beschreibung dessen, was er auf dem Spielfeld wahrgenommen hatte.

Erwartbar trotzdem, dass man daraus ein paar Schlagzeilen bastelt und dann noch mal das übliche Spielchen von ‚der hat das dazu gesagt, der findet den arrogant, der ist ganz empört‘ spielt, um die Story so lange auszupressen und mit O-Tönen aufzuheizen, bis sie dann wirklich nicht mehr interessiert oder beim nächsten Streit als Referenz (’schon vor zwei Jahren waren Rangnick und Effenberg aneinandergeraten, als…) genutzt wird. So eine Story auszupressen macht aus Mediensicht natürlich Sinn. Zumal wenn mit Rangnick und Effenberg zwei Schwergewichte mit öffentlicher Relevanz und Klickträchtigkeit im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen.

Inhaltlich war eigentlich mit den Einlassungen von Rangnick (Paderborn mit Spielsystem wie vor 30 Jahren, „Anti-Fußball“, „Manndeckung“) und dem entgegnenden Effenberg-Verweis auf zentrale Spieldaten (mehr Chancen gebhabt, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr gelaufen) fast alles gesagt. Tobias Escher schafft es bei spielverlagerung.de trotzdem noch was schlaues zum Thema beizutragen und Rangnicks Äußerungen einzuordnen und darauf zu verweisen, dass Manndeckung nicht 30 Jahre lang her ist und Mannorientierungen in mancherlei Hinsicht auch abseits von Spielen des SC Paderborn gegen RB Leipzig eine nicht unwesentliche Rolle im modernen Fußball spielen.

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23.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

In Abwandlung einer alten Weisheit, die in der Berichterstattung über den (vor allem amerikanischen) Sport nach Lust und Laune hin- und hergereicht wird, könnte man von der zweiten Bundesliga behaupten, dass man zu Hause Spiele gewinnt, aber auswärts Meisterschaften. Zumindest legen das die Daten der letzten 20 Spielzeiten nahe.

In 12 der letzten 20 Spielzeiten seit Einführung der Dreipunktregel wurde die beste Auswärtsmannschaft am Ende auch Zweitligameister, während dies nur achtmal dem besten Heimteam der Saison gelang. Wobei in fünf Fällen das beste Auswärtsteam auch gleichzeitig das beste Heimteam war. Heißt, dass der Meister nur dreimal gleichzeitig bestes Heimteam und nicht bestes Auswärtsteam war und andersherum der Meister siebenmal bestes Auswärtsteam, aber nicht bestes Heimteam.

Mehr noch, nur zweimal stieg das beste Auswärtsteam der Saison am Ende der Zweitligaspielzeit nicht auf, während das beste Heimteam der Saison in sieben von 20 Fällen den Aufstieg verpasste. Aus Sicht von RB Leipzig beruhigende Zahlen, wenn man ihren Sechspunktevorsprung in der Auswärtstabelle bedenkt.

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Was von Spieltag 22 bleibt

Der 22.Spieltag war einer der Unentschieden. Gleich sechsmal teilten sich die Mannschaften die Punkte. Macht entsprechend gleich zwölf Mannschaften, die nicht so richtig vom Fleck weggekommen sind. Was die Sieger des Spieltags (Leipzig, Freiburg und Frankfurt) gleich noch mal viel strahlender erscheinen lässt bzw. deren Siege noch wichtiger macht.

Wegen der vielen Unentschieden wurde auch die Chance verpasst, die Tabellenkonstellationen noch klarer zu gestalten. Nürnberg hätte mit einem Sieg gestern vier Punkte zwischen sich und die Verfolger hinter den Aufstiegsrängen legen können. Durch das zweite Unentschieden in Folge gegen einen starken Schiedsrichter Düsseldorf bleibt man aber im Pulk, der schon wieder ein Schneckenrennen um den Aufstieg bzw. aktuell um den Relegationsplatz veranstaltet.

Mit Schneckenrennen ist die Veranstaltung im Tabellenkeller vielleicht sogar noch ein wenig unzureichend beschrieben. Auch wenn Düsseldorf es verpasste, auf acht Punkte von den letzten drei Teams wegzuziehen, bleibt doch aktuell ein Trio, das den Abstiegsrelegationsplatz untereinander auszuspielen scheint. Wie schneckig das Schneckenrennen dabei ist, zeigt sich schon darin, dass noch nie seit Einführung der Dreipunkteregel ein 16. nach dem 22. Zweitligaspieltag weniger Punkte hatte als der SC Paderborn in dieser Saison.

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22.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

„Bundesliga“, „ganz großes Kino“, „etwas Besseres habe ich hier in den letzten zwei Jahren nicht gesehen“. Fast schon elogenhaft ging es nach dem 1:0 von St. Pauli gegen RB Leipzig am letzten Wochenende aus den Mündern von Lienen und Meggle zu. Und wenn man dem im neuen Job zu Hause angekommenen Lienen vor der Partie beim Runterrattern des RB-Kaders zuhörte, dann konnte man glauben, dass er sich selbst gegen die Leipziger U19-Spieler noch als krasser Außenseiter gesehen hätte.

Macht aus Sicht eines Coaches durchaus Sinn, wenn man den Gegner als herausragend stilisiert und die eigene Mannschaft dadurch in die drucklose Underdog-Position schiebt. Dirk Schuster hat es ja letzte (und vorletzte) Saison ähnlich gehalten und bis runter zu Aalen praktisch jeden Gegner zu einem fast schon übermächtigen gemacht, gegen den nur einen Punkt zu holen, schon ein Erfolg wäre im Kampf gegen den Abstieg, in dem man sich ungefähr bis kurz vor dem 34.Spieltag befand. Jeder Sieg muss dann entsprechend eine überragende Leistung gewesen sein.

Ist halt alles irgendwie auch eine Frage von Psychologie und es lebt sich leichter, wenn man jeden Sieg nicht nur als Selbstverständlichkeit abhaken, sondern als besonderes Ereignis ausschlachten und fürs eigene Selbstvertrauen nutzen kann. Erstaunlich bleibt es trotzdem, welche Potenz man gerade RB Leipzig (um zum RasenBallsport zurückzukommen) immer wieder zuschreibt. Erinnert ein bisschen an antisemitische Projektionen, bei denen den Juden ein übermenschliches Maß an Leistungskraft und Einfluss auf den Lauf der Dinge der Welt zugeschrieben wurde und wird (siehe dazu die Anmerkung in den Kommentaren).

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