L’État c’est moi!

Wenn es nach mir geht, bleibt Emil Forsberg. Und in den letzten sechs Jahren ging es im Verein nach mir. Also wird er nächstes Jahr hier spielen. (Ralf Rangnick nach dem Spiel gegen Wolfsburg, MDR)

Nein, es geht hier nicht um Emil Forsberg. Ob er bleibt oder nicht ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine allzu relevante Frage. Und ob Sportdirektor Ralf Rangnick auch diesen Sommer mit einer harten Linie durch die Transferperiode kommt, wird man sehen.

Interessanter da schon die nicht neue, weil schon mal so geäußerte Selbstsicht des Identischseins von Entscheidungen des Vereins mit Entscheidungen Rangnicks. Was dem absolutistischen „L’État c’est moi!“ aka „Der Staat, das bin ich!“ ziemlich stark ähnelt.

Vielleicht beschreibt es ganz gut, wie RB Leipzig vor allem im sportlichen Bereich (aber zu Teilen auch darüber hinaus) aufgestellt ist. Viel mehr noch beschreibt es wahrscheinlich ganz gut, warum Ralf Rangnick sich in seiner Position bei RB Leipzig nun schon seit fast sechs Jahren hält und so wohl fühlt. Seine längste Station war bis dahin jene bei der TSG Hoffenheim, wo er immerhin viereinhalb Jahre lang als Trainer plus x die Geschicke leitete.

Wenn Sportdirektor Ralf Rangnick und der Verein RB Leipzig quasi in Eins fallen, dann hat das erst mal Vorteile für die strategische Ausrichtung des Vereins (zumindest solange der absolutistische Entscheider auch Kompetenz mitbringt). So konnte Rangnick über sechs Jahre seinen Ideen entsprechend Positionen besetzen und den Verein auf das Ziel eines mit Talenten gespickten Balleroberungs- und Umschaltfußballs hin umkrempeln (auch wenn das zuletzt zwangsläufig etwas aufgeweicht wurde, bleibt das ja weiterhin das zentrale Merkmal).

In dieser Rolle als Entscheider der Richtung des Vereins hat Ralf Rangnick tatsächlich einen sehr guten Job gemacht. Mit seinem Blick für Details und seinem Versuch, alle denkbaren Bereiche dem Erfolg unterzuordnen, ist er auf dem Sportdirektoren-Posten sehr viel besser aufgehoben als auf dem Trainerposten, wo das strategische Element sich auch immer ein Stück der Alltagsarbeit unterzuordnen hat.

Dass das absolutistische Führen eines Vereins auch an seine Grenzen kommt, konnte man in Hoffenheim gut sehen. Zumindest wenn der Abgang des Entscheiders ein Kompetenz-Vakuum hinterlässt, das zu füllen erst mal eine ganze Weile braucht. Wie in Hoffenheim mit verschiedensten Personalien und Ideen erst mal erfolglos herumgedoktert wurde, bis man unter Nagelsmann wieder zu einem stabilen Zustand fand, war durchaus bemerkenswert.

Die Frage wäre, was ein Abgang von Ralf Rangnick in Leipzig an Vakuum hinterlassen würde. Der Trend im Profifußball geht ja ein wenig dahin, sich mehr Kompetenz in die Führungsstrukturen zu holen, wenn man bspw. an Dortmund mit Sammer und Kehl denkt. In Leipzig gibt es gut aufgestellte, sportliche Strukturen, aber auf Entscheidungsebene dann eben doch praktisch nur Rangnick. Wenn man an die Abgänge der Spors, Aehligs und Dietrichs allein in dieser Saison denkt, dann muss man das nicht überinterpretieren, dann ist das aber durchaus auch ein Zeichen dafür, dass manch einer dann doch den nächsten Schritt in Posten mit mehr Verantwortlichkeit machen will.

Ein Vorteil dessen, dass Ralf Rangnick in Leipzig ausschließlich Sportdirektor und kein Trainer ist,  besteht auch darin, dass er sich entsprechend zwangsläufig auf den Trainerposten jemanden holen muss, der per se eine starke Rolle als prägende Kraft des Vereins im sportlichen Bereich spielt. Dieser Trainer wird immer einer sein müssen, der spieltaktisch mit Ralf Rangnick auf ähnlicher Wellenlänge liegt und es wird wohl immer auch einer sein, der sich bei seinem Jobstart von seiner Rolle unter Rangnick Lerneffekte verspricht (nächster Schritt und so). Aber dieser Trainer wird auch immer eigene Entscheidungen im Alltag treffen und somit automatisch eine kleines Korrektiv zum Staate Rangnick, quasi ein Staat im Staate sein.

Entsprechend sind die absolutistischen Strukturen im sportlichen Bereich bei RB Leipzig auch etwas gesünder als sie das einst in Hoffenheim waren (in Leipzig hatte man mit Pacult plus x ja auch mal einen Trainer, der quasi über dem Sportdirektor stand, so wie es einst bei Rangnick in Hoffenheim war). Zumal hier der Vorteil besteht, dass sich Mateschitz aus dem Tagesgeschäft raushält solange es läuft und nicht plötzlich einen Stammspieler verkauft sehen will, weil ein paar Millionen der Darlehen zurückgezahlt werden müssten.

Trotzdem ist das ‚in diesem Verein geht es seit sechs Jahren nach mir‘ in seiner Deutlichkeit durchaus vielsagend. Und es lässt halt die Frage offen, nach welcher sportlichen Kompetenz es geht und wie viel „L’État c’est moi!“ dann noch gelebt wird, wenn Rangnick mal irgendwann nicht mehr Sportdirektor bei RB Leipzig sein will oder sein darf.

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Ralf Rangnick kann durchaus mit anderen jubeln und arbeiten. Entscheider auf Augenhöhe gibt es neben ihm bei RB Leipzig aber nicht. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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