Champions League: Besiktas Istanbul vs. RB Leipzig 2:0

Zweiter Spieltag in der Champions League. RB Leipzig reist mit großen Hoffnungen zum Spiel bei Besiktas Istanbul. Zurück kommt man mit null Punkten. Weil man in der Defensive nicht entscheidend zupackt und offensiv aus einer Vielzahl an Chancen nichts macht.

In die Partie gegangen war RB Leipzig mit nur einer Veränderung im Vergleich zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Lukas Klostermann musste auf die Bank. Dafür kam Stefan Ilsanker als Rechtsverteidiger in die Partie. Ein Wechsel für mehr Sicherheit in der Defensive und für mehr Stabilität gegen die Flügelbesetzung bei Besiktas. Von der Idee her absolut nachvollziehbar.

Auf Besiktas-Seite lief man mit der erwarteten Formation auf, die am Wochenende noch im Derby bei Fenerbahce verloren hatte. Viele Wechsel nimmt das Team von Senol Günes auch in den englischen Wochen nicht vor. Von daher war das so zu erwarten.

RB Leipzig im klassischen 4-2-2-2 unterwegs. Mit gegen den Ball auch oft sehr tiefen Außenspielern Forsberg und Sabitzer. Besiktas spielte das normale 4-2-3-1. Allerdings vor allem in der ersten Halbzeit mit einer anderen Aggressivität vor allem im Gegenpressing, als man es vielleicht vermutet hätte.

Vor allem in den ersten 20 Minuten kam RB Leipzig dadurch überhaupt nicht ins Spiel. Es agierte eigentlich nur Besiktas. Wenn RB den Ball mal hatte, dann reichte es aufgrund des Drucks des Gegners meist nur zu langen Bällen, die eher was von Befreiungsschlägen denn von Spielaufbau hatten. Entsprechend kamen die Bälle auch immer gleich wieder postwendend zurück.

Bemerkenswert in dieser Phase auch die schlechte Zweikampfführung bei RB Leipzig, die immer wieder zu Freistößen für Besiktas und vor allem auch zu frühen gelben Karten gegen Orban und Keita führten. Da verhielt man sich das eine oder andere Mal nicht klug genug. War das letzte Mal in der Form vor über einem Jahr beim ersten Heimspiel gegen Dortmund aufgefallen, als der BVB das ungestüme Zweikampfverhalten gern annahm, um daraus viele Standards in Strafraumnähe zu ziehen.

Folgerichtig, dass in dieser frühen Druckphase bereits das 1:0 fiel. Stefan Ilsanker war von seiner Rechtsverteidigerposition ein Stück nach vorn und eingerückt. Deswegen musste Orban bei einem Pass in diesen Raum auf der rechten Abwehrseite Ilsankers Position übernehmen und gegen Tosun verteidigen. Da er zu diesem Zeitpunkt schon gelb hat, muss er den türkischen Stürmer in den Strafraum ziehen lassen, während Ilsanker in dieser Zeit in die Orban-Position läuft, aber Babel in seinem Rücken aus den Augen verliert. Von er Sechser-Position kommt auch keine Hilfe, die an der Stelle wohl hätte kommen müssen. Rückpass von Tosun auf den Babel. Abschluss. Tor.

Viel Hadern mit dem 0:2 von RB Leipzig bei Besiktas Istanbul. | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Es dauerte rund 20 Minuten, bis sich RB Leipzig anfing, in die Partie hineinzukämpfen. Bzw. hineinzuspielen, denn zu diesem Zeitpunkt hatte man die ersten Ballstafetten. Die hatten zwar vorerst nur selten Tiefgang, aber sie führten dazu, dass die Mannschaft mal durchschnaufen und in der Partie ankommen konnte. Vor allem mit Fernschüssen versucht man, den Keeper der Gastgeber zu überwinden. Gerade mal einmal kommt man innerhalb des Strafraums zum Abschluss.

Zudem versuchte man es wie schon in manchen Spielen zuletzt in der Bundesliga verstärkt über den Flügel und mit Flanken. Ein Mittel, das auch nicht wirklich Erfolg verspricht, weil dazu der Strafraum einfach zu schlecht und zu klein besetzt ist. Wenn man flankt und der einzige, der in der Mitte steht, ist Forsberg (oder alternativ Keita), dann kann man wahrscheinlich 200 Flanken in den Sechzehner kicken, ohne dass das einen Effekt hat. Und selbst wenn in solchen Situationen Spieler nachrücken und einlaufen würden, wären sie wohl überwiegend eher ungeeignete Zielspieler. Aber in solchen Situationen variabel zu werden und vielleicht auch mal den Rückraum zu suchen, also seine Optionen zu streuen, wäre sicherlich schon mal ein Anfang.

Der nächste Nackenschlag, nachdem man sich mühsam in die Partie gekämpft hatte, kommt dann nach einer halben Stunde. Ausgerechnet Stürmer Timo Werner meldet sich mit Kreislaufproblemen ab. Ralph Hasenhüttl bringt Lukas Klostermann ins Spiel, schickt dafür Ilsanker auf die Sechs, Keita auf die rechte Zehn und Sabitzer in den Sturm (wobei gerade die taktischen Rollen der Offensivspieler eher sehr wild waren und man bei Keita manchmal dachte, dass man es bei ihm einfach aufgegeben hat und er offensiv frei dort spielen kann, wo er will).

Verändern tut sich das Spiel dadurch vorerst nicht. RB Leipzig versucht das Spiel zu machen oder weiter in das Spiel hineinzufinden. Das Tor macht aber kurz vor der Pause erneut Besiktas. Halstenberg greift links außen Quaresma nicht an. Der flankt per Außenrist butterweich in die Mitte. Dort geht Ilsanker dem Ball nicht entgegen, sondern will warten, bis die Kugel zu seinem Kopf kommt. Da hat er aber nicht mit dem starken Talisca gerechnet, der von hinter Ilsanker in die Flanke spritzt und aus Nahdistanz wuchtig einköpft. Eine komplette Kopie des 1:0 von Besiktas beim FC Porto. Und völlig unnötig, denn selbst wenn man die Flanke nicht verteidigt kriegt, ist Ilsanker eigentlich in der deutlich besseren Position zum Ball und muss ihn in jedem Fall einfach rausköpfen.

Viel schlechter als die erste Halbzeit lief, hätte es für RB gar nicht laufen können. Furchtbar schlechte 20 Minuten, in denen man überhaupt keinen Zugriff auf irgendwas hatte. Dann fing man sich wenigstens ein bisschen, aber spielerisch war es im Offensivdrittel immer noch komplett ungefährlich und ohne Zug zum Tor. Dazu war man fahrlässig im Zweikampfverhalten und musste die Nackenschläge der Werner-Verletzung und des 0:2 verkraften. Selbst wenn man Dinge wie Lehrgeld oder Atmosphäre mit einrechnet, war die erste Hälfte eigentlich auf allen Ebenen eine gründlich missratene.

Zur Halbzeit kam dann Kevin Kampl für den gelb-rot-gefährdeten Willi Orban. Was dann dazu führte, dass Stefan Ilsanker in die Innenverteidigung weiterzog und Kevin Kampl von der Sechs aus das Spiel machte. Ein Wechsel, der sich insgesamt in der zweiten Halbzeit sehr auszahlte, weil RB nun einen Spieler mit viel Dynamik und Ballsicherheit hatte, der von der Sechs aus die Fäden zog und seine Mitspieler einsetzte. Verstärkt wird die Dynamik im Spiel später noch als Bruma nach einer knappen Stunde für Naby Keita kommt und seine Qualität im Dribbling einbringen kann. Auch Forsberg entwickelt sich nach der Pause zu einem unermüdlichen Antreiber.

Wenn es an dieser guten bis sehr guten zweiten Hälfte, in der man den Gegner aus dem Ballbesitz komplett dominierte, etwas auszusetzen gibt, dann war es die Chancenverwertung. Dass RB Leipzig ohne ein eigenes Tor aus der Partie geht, ist nicht wirklich zu fassen. Forsberg beginnt den Reigen direkt nach der Pause mit einem starken Abschluss aus 25 Metern. Sabitzer legt kurz darauf mit einem Schuss aufs kurze Eck nach. Später kratzt Fabri einen Schuss ebenfalls von Sabitzer ganz stark aus seiner Sicht rechts unten aus der Ecke. Kurz darauf zielt Bruma dann knapp neben den Besiktas-Kasten. Und zwischendurch tritt Upamecano nach Ecke noch in bester Position über den Ball.

Das alles in gerade mal 15 Minuten nach der Pause. Bis das Flutlicht zumindest teilweise ausfällt. Reichlich zehn Minuten braucht es, bis wieder Licht ist und man weiterkicken kann. RB Leipzig weiter dominant, von Besiktas ist in der zweiten Hälfte gar nichts mehr zu sehen. Kurz nach dem Flutlichtausfall versucht man sich nochmal zu etwas aggressiverem Anlaufen durchzuringen, um kurz darauf doch wieder in tiefes Verteidigen zu verfallen.

Die ganz großen RB-Chancen nach einigen kleineren Versuchen werden dann noch mal in den letzten zehn Minuten herausgespielt. Augustin mit guter Bewegung knapp links am Tor vorbei. Sabitzer, der aus vier Metern den Ball an die Latte haut und auch die Option gehabt hätte, Mitspieler anzuspielen. Halstenberg, der aus Nahdistanz freistehend über den Besiktas-Kasten schießt. Augustin, der da zu genau hingeschaut hat und dasselbe Kunststück noch freistehender und noch näher am Tor stehend schafft.

Zwischendurch hatte Besiktas in der 88. Minute dann auch noch mal einen Konter setzen können. Bezeichnenderweise war es Innenverteidiger Tosic, der dank etwas arg nachlässigen RB-Defensivverhaltens allein vor Gulacsi stand, aber den Ball nicht im Tor unterbrachte.

Und so gewann Besiktas eine Partie 2:0, in der RB ab der 20. Minute das dominante und in der zweiten Halbzeit auch das deutlich bessere und gefährlichere Team war. Mit Chancen für zwei Spiele schoss man nicht mal ein Tor und verpasste es somit, einen miesen Spielverlauf mit einigen Nackenschlägen doch noch in ein Positiverlebnis zu drehen. Möglich gewesen wäre es bei besserer Chancenverwertung in jedem Fall.

Fazit: Schon wieder Lehrgeld gezahlt. Gegen eine abgezockte Mannschaft von Besiktas Istanbul verliert RB Leipzig, weil man in den ersten 20 Minuten gar nicht auf dem Platz  ist und das 0:1 kassiert und dann kurz vor der Pause beim 0:2 pennt. Mut machen dürften die zweiten 45 Minuten, in denen die RasenBallsportler gegen den Rückstand und das Publikum anrannten und ankämpften und auch in weiten Teilen ansehnlich anspielten. Nur vor dem gegnerischen Tor klappte auch nach der Pause überhaupt nichts. Sodass beim Schlusspfiff das effektivere Team jubeln durfte.

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Randbemerkung 1: ‚Lehrgeld gezahlt.‘ ‚Von der Atmosphäre beeindrucken lassen.‘ Auch diesmal waren die Umstände rund um das Spiel im Nachklapp als Erklärung für die Niederlage wie schon gegen Monaco wieder Thema. Ist sicher nicht falsch und alles irgendwie nachvollziehbar, dass man sich da vor der Pause hat beeindrucken lassen. Aber irgendwie ist der Geist der Vorsaison, als man mit einer Mischung aus Naivität und Angriffslust die Bundesliga erstürmte, so ein bisschen verloren gegangen und einer gewissen Vorsicht und einem gewissen Staunen über die Fußballwelt, in der man unterwegs ist, gewichen. Was irgendwie seltsam ist. Nach den Erfahrungen der Vorjahre hätte man in der ersten Bundesliga-Saison vielleicht erwarten können, dass man sich in den großen Auswärtsstadien immer mal schwer tut, gegen das Publikum anzuspielen. Am Ende war man aber das zweitbeste Auswärtsteam der Liga. Dass der Eroberer- und ‚mir doch egal‘-Geist inzwischen bei eigentlich gleicher Gemengelage (Champions League als neuer, zu erobernder Wettbewerb) eher verschüttet ist, bleibt ein merkwürdiges Phänomen. Dass Hasenhüttl nach dem Spiel erklärte, dass er in der Halbzeit erst mal laut wurde und meinte, dass er gesehen habe, auf wen er sich in solchen Situationen verlassen könne, zeigt, dass der Coach mit dieser Veränderung auch nicht zufrieden ist.

Randbemerkung 2: Durch den überraschenden Auswärtssieg des FC Porto beim AS Monaco steht RB Leipzig vor dem Heimspiel gegen die Portugiesen Mitte Oktober in der Champions League schon ordentlich unter Ergebnisdruck. Bei keinem Ergebnis wäre man aus dem Kampf um die Plätze 1 oder 2 und schon gar nicht 3 raus. Bei einer Niederlage wäre man nach drei Spielen und zwei Heimspielen aber schon ordentlich hinter den besten Teams hinterher. Verlieren sollte also in jedem Fall verboten sein.

Randbemerkung 3: 14:1 Torschüsse für RB Leipzig in der zweiten Halbzeit. 14! Zu 1! Aber kein Tor. Damit ist die Geschichte der Partie nach der Pause schon erzählt. Es fehlt in der Offensive die Durchschlagskraft. Erst recht, wenn dann einer wie Timo Werner früh aus der Partie geht. 20:8 Torschüsse waren es insgesamt, aber nur sieben der 20 RB-Torschüsse wurden von innerhalb des Strafraums, also aus einer Entfernung, wo der Torerfolg normalerweise wahrscheinlicher wird, abgegeben. Auch darin drückt sich ein Problem dieser Saison aus, dass man aus dem Ballbesitz heraus seltener in klare Torabschlusssituationen kommt. Letzte Saison gab man bei leicht anderer Spielweise mehr als 70% aller Torschüsse von innerhalb des Strafraums ab. Diese Saison sind es bisher in der Bundesliga 62%. Gegen Besiktas Istanbul waren es gerade mal 35%. Heißt, dass man mit seinem Spiel zu wenig in den Strafraum durchdringt und entsprechend die schwereren Abschlüsse aus der Entfernung nehmen muss.

Randbemerkung 4: 76% angekommene Pässe bei RB Leipzig vor der Pause. 85% nach der Pause. Interessant wäre noch eine Statistik der ersten 20 Minuten. Da dürfte die Passquote deutlich unter 70% gelegen haben. Auf jeden Fall in einem Bereich, wie er einem (inzwischen) auf Ballbesitz ausgelegten Team wie RB nicht gut tut. Als Pressing-, Umschalt-, Konterteam sind Passquoten von unter 70% normal und Teil der Spielphilosophie. Wenn du wie RB derzeit vor allem über Dominanz und Kontrolle kommen willst (ohne Geschwindigkeit und Gegenpressing zu vernachlässigen), dann klappt das ohne Passsicherheit überhaupt nicht.

Randbemerkung 5: Echter Traditionsfußball, den RB Leipzig da gestern vollzog. Noch nie gewann ein deutsches Team sein erstes Champions-League-Auswärtsspiel. Und so blieb es dann auch gestern. ‚Da simmer dabei, dat ist prima.‘ Oder so.

Randbemerkung 6: Interessant war lange Zeit, was sich bei RB Leipzig so an der Seitenlinie abspielte. Keita bettelte um Gelb-Rot und sollte eigentlich schon Mitte der ersten Hälfte runter. Die Tafel mit seiner Nummer wurde schon in die Luft gehoben, als Timo Werner heftig Einspruch erhob bei Ralph Hasenhüttl und darauf aufmerksam machte, dass er auch Wechselbedarf hat. Kreislaufprobleme. Woraufhin Hasenhüttl dann halt Werner rausnahm und Keita weiter auf dem Platz um den Platzverweis betteln ließ. In der Halbzeit dann entschied sich Ralph Hasenhüttl dafür, Kampl ins Spiel zu bringen. Für Keita? Denkste. Der durfte weiterspielen Beim Stande von 0:2 wollte Hasenhüttl zu diesem Zeitpunkt Risiko und All in gehen. Und als dann schon niemand mehr damit rechnete, dass Keita per Wechsel das Spielfeld verlassen könnte, war es dann nach einer knappen Stunde doch noch der Fall, dass das Spiel für ihn beendet war und Bruma für ihn kam.

Randbemerkung 7: Dass Naby Keita den Platz noch nach Wechsel verlassen konnte, durfte man durchaus als kleines Wunder empfinden. Nach drei Fouls (darunter ein taktisches, das allein schon für gelb gereicht hätte) sah Keita gelb. Nach gerade mal 15 Minuten. Kurz darauf ein heftiges Einsteigen im Mittelfeld, das sicher auch gelb verdient hätte. Und kurze Zeit später noch mal mit dem Arm im Gesicht des Gegenspielers. Keita hatte in diesem Spiel wie in mancher Partie in der Vorsaison auch drei Leben. Das geht halt nicht immer gut, zumal man das Gefühl hat, dass in der Bundesliga inzwischen genauer hingeschaut wird, was Keita so treibt. Und sowieso: Wenn du binnen der ersten 15 Minuten schon drei Fouls gesammelt hast, dann muss irgendwas falsch gelaufen sein. Das ist einfach viel zu viel. Mal völlig abgesehen davon, dass Keitas Auftritt auch sonst meist überschaubar war.

Randbemerkung 8: Zum ersten Mal seit Ende März 2014 nicht im Stadion bei einem RB-Pflichtspiel. Ein bisschen hat das Herz schon geblutet, als das eine oder andere Foto von RB-Fans vor Ort bei Twitter durchtickerte. Letztlich gab die aktuelle Situation in der Türkei mit präsidialem Ausnahmezustand und unberechenbarer Justiz den entscheidenden Ausschlag. Mag sein, dass das ein bisschen übervorsichtig war, weil die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet irgendeinen popeligen Blogger zu nerven, auch wenn der vielleicht mal irgendwann über Islam, Erdogan oder irgendwas geschrieben haben sollte, ziemlich gering ist. Aber vor allem die Unberechenbarkeit des türkischen Sicherheitsapparats, wenn denn mal was passiert und die Hilflosigkeit deutscher Behörden, deutschen Staatsbürgern in türkischen Gefängnissen entscheidend zu helfen (was sich ja auch in entsprechenden Hinweisen des Auswärtigen Amtes manifestiert), waren mir persönlich too much. Von daher fiel die Reise nach Istanbul dann eben leider aus.

Randbemerkung 9: Letztlich reisten rund 250 Fans vornehmlich individuell (weil die offizielle Fanreise komplett floppte, auch weil sie mit 600 Euro schlicht mindestens doppelt so teuer war wie selbstorganisierte Ausflüge) nach Istanbul. Und machten dort positive Erfahrung mit einem Stadtteil, der den Fußball lebt, aber in dem Gastfreundschaft durchaus eine Rolle spielt. Letztlich wäre die Gruppe der RB-Fans in Istanbul vielleicht auch noch ein wenig größer gewesen, wenn man vereinsseits früher und offener (Reisehinweise gab es erst sehr kurz vor dem Spiel) mit Befürchtungen und Unsicherheiten bezüglich eines Türkei-Ausflugs umgegangen wäre und das Angebot einer organisierten und abgesicherten Gruppenreise attraktiver gewesen wäre. Man wird dann in Porto und Monaco sehen, wie das tatsächliche Reisepotenzial der RB-Anhänger in Europa so ist.

Randbemerkung 10: #FreeDeniz.

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Lichtblicke:

  • Stefan Ilsanker: Vielleicht bezeichnend für diese Partie in Istanbul, dass Ilsanker an beiden Gegentoren (und vor allem am zweiten) entscheidend beteiligt war, aber eigentlich trotzdem ein gutes Spiel machte. Wechselte von rechts hinten auf die Sechs und später in die Innenverteidigung und spielte eine typisch unaufgeregte aufmerksame (umso wunderlicher das passive Verhalten vor dem 0:2) Partie, bei der er in vielen Situationen klärend eingriff und dazu beitrug, dass RB im Laufe der Partie stabiler wurde.
  • Bruma: Machte nach seiner Einwechslung mit viel Ballsicherheit und guten Dribblings viel Wirbel. Guter Abschluss direkt nach seiner Einwechslung. Guter Blick für die Mitspieler. Den Portugiesen und seine Stärken im Eins gegen Eins in die Mannschaft von RB sinnvoll einzubinden, wäre für die Entwicklung des Teams gerade im Ballbesitz durchaus nicht unwichtig.
  • Emil Forsberg: Im Laufe des Spiels immer präsenter. Sehr guter Vorbereiter, auch immer mal wieder gute Szenen im Eins gegen Eins. Standards ausbaufähig, Torschuss ausbaufähig. Ansonsten findet Forsberg so langsam wieder in den Spielrhythmus und knüpft an seine zentrale Rolle als Spielgestalter in der Vorsaison an.

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Tore: 1:0 Babel (11.), 2:0 Talisca (43.)

Vorkommnis: Flutlichtausfall zwischen 60. und 71. Minute

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Ilsanker, Orban (46. Kampl), Upamecano, Halstenberg – Demme, Keita (Bruma) – Sabitzer, Forsberg – Augustin, Werner (Klostermann); Bank: Mvogo, Bernardo, Laimer, Poulsen; Nicht im Kader: Schmitz, Kaiser, Compper, Kühn, Abouchabaka, Konaté

Aufstellung Besiktas Istanbul: Fabri – Medel (60. Uysal), Pepe, Tosic, Caner – Hutchinson, Özyakup – Quaresma, Talisca (71. Arslan), Babel – Tosun (80. Negredo)

Schiedsrichter: Sergei Karasev (War in Sachen Kartenverteilung in der ersten Halbzeit recht großzügig. Nicht nur gegen Keita, bei dem es gleich zwei Möglichkeiten gab, ihn mit Gelb-Rot vom Platz zu stellen. Ansonsten pfiff Karasev souverän und nachvollziehbar und hatte die Dinge komplett im Griff. Auch den teilweisen Ausfall des Flutlichts brachte er in aller Ruhe über die Bühne.)

Gelbe Karten: Caner, Fabri – Orban (1.), Keita (1.)

Zuschauer: 41.000 (davon 300 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, MDR-Bericht, BJK-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 8 : 20
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 5 : 7
  • Schüsse auf das Tor: 4 : 3
  • gewonnene Zweikämpfe: 57,0% : 43,0%
  • Ballbesitz: 44,0% : 56,0%
  • Passquote: 70,0% : 81,0%
  • Laufstrecke: 101,0 km : 105,4 km
  • Fouls: 7 : 17
  • Ecken: 3 : 6
  • Abseits: 3 : 3
  • Meiste Torschüsse: Tosun: 3 – Sabitzer: 5
  • Meiste Torschussvorlagen: Babel: 2 – Forsberg: 4
  • Meiste Ballkontakte: Özyakup: 66 – Demme: 109

Statistiken von kicker.de, whoscored.com, sofascore.com, uefa.com

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Saisontorschützen: Forsberg – 1

Saisonvorlagengeber: Poulsen – 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme, Halstenberg – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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6 Gedanken zu „Champions League: Besiktas Istanbul vs. RB Leipzig 2:0“

  1. Lichtblick absolut Sabitzer ,zwar glücklos aber mental immer 200% dabei und man hat auch gesehen es geht auch ohne Werner.Keita.Poulsen

  2. Sehr sehr schade. So eine Altstarstruppe! Der schon nach 20 Minuten die Puste ausgeht. Kampl für Keita hätte ich mir viel eher gewünscht. Letzterer ist in seiner jetzigen Verfassung, die seine mentale „Spezifik“ nicht überdeckt, kein Verlust, sondern eher eine Schwächung und Verunsicherung der gesamten Mannschaft.
    Nebenbei1: Küppers Hansi diesmal völlig ausgewechselt zum Frankfurtspiel, diesmal pro RB. War angenehm.
    Nebenbei2: Die LVZ-Artikel und ihr Autor sind immer schwerer zu ertragen. Nicht nur stilistisch, auch zunehmend inhaltlich für meinen Geschmack völlig daneben.

  3. Zu Randbemerkung 4: Passquote nach 20 Minuten lag bei 59%. Also noch tiefer, als du erwartet hast. (Kann man bei Whoscored.com nachschlagen, solche minutenspezifischen Daten. Einfach den Regler einstellen.)

    1. Der Schieberegler war mir bisher entgangen. Danke, das war ein sehr hilfreicher Hinweis.

  4. Naby ist schon in Liverpool. Emil mit den besten Eckstößen dieser Welt. Der Beskitas TW hat gezeigt, wie man einen Vollspannschuß aus Nahdistanz in die kurze TW-Ecke hält. Sabi ein Kämpfer. Lukas logischerweise noch nicht wieder der alte Lukas. Die Chancenverwertung geht in Richtung #taLEntfrei. Viel Lehrgeld, aber nicht für umsonst.

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