„Politik gehört nicht ins Stadion“ als Antwort auf eine Frage, die sich gar nicht stellt

Immer wieder erregt das Thema Politik im Fußball die Gemüter. Politik gehört unbedingt dazu und wir bräuchten noch viel mehr Politisierung im Fußball hieß es kürzlich in einem Interview mit den St.-Pauli-Machern Lienen und Rettig. Fußball sollte ein Raum sein, in dem die Menschen vom Alltag und von Politik auch ein Stückweit abschalten können, so die Gegenposition, wie sie ein DFL-Geschäftsführer Seifert unter anderem vertritt.

Es gehört zu dieser Diskussion dazu, dass man sich dabei meist am Schlagsatz „Politik gehört nicht ins Stadion“ abarbeitet. Wobei häufig unklar bleibt, was da so alles unter Politik fällt und was nicht. Und Allsätze sowieso eine schlechte Diskussionsgrundlage sind.

Fakt ist, dass der Wunsch, sich in einem Stadion nicht mit Dingen jenseits des Fußballspiels auseinandersetzen zu müssen, zumindest nachvollziehbar ist. Der Anspruch, dass auch noch der letzte Lebensbereich von Menschen politisiert zu sein habe bzw. von ihnen selbst mitpolitisiert werden muss, ist ein seltsamer in einer Welt, in der sowieso schon der Anspruch besteht, sich mit Haut und Haar den Sphären von Kapitalismus und Gesellschaft zu verschreiben. Das Bedürfnis, sich dem zu entziehen und sich dem puren Träumen von Erfolgen und Glück zu widmen, per se als falsch zu diskreditieren, hilft nicht so richtig weiter.

Fakt ist aber auch, dass das Fußballstadion als öffentlicher Raum, an dem verschiedenste gesellschaftliche Gruppen zusammenkommen, und der Sport allgemein per se auch politisierte Räume bzw. die beteiligten Akteure auch politische Akteure sind. Weil dort gesellschaftliche Werte jenseits des Funktionierens der Wirtschaftseinheit Fußballverein bzw. Fußballorganisation gelebt und vermittelt werden. Und weil sie Teil zumindest von Stadtgesellschaft sind. Der Satz „Politik gehört nicht ins Stadion“ ist für sich genommen sinnlos, weil man nichts ausschließen kann, was per se drin ist.

Entsprechend sinnentleert ist auch der Satz von Oliver Mintzlaff. Der RB-Geschäftsführer erklärte zuletzt, dass man „Banner mit politischen Aussagen im Stadion nicht genehmigen [werde], dafür sind ein Stadion und Fußballspiel nicht gedacht“. Hintergrund war die Kritik von den Red Aces, dass politische Spruchbänder bei RB Leipzig teilweise nicht genehmigt werden.

Im ganz konkreten Fall scheint es wie so oft eher die Frage zu sein, wo für die beteiligten Akteure die Grenzen dessen liegen, was in einem akzeptablen Rahmen politisch ist und was nicht. Denn RB Leipzig ist in der Praxis mitnichten der Verein, der Banner mit politischen Inhalten grundsätzlich nicht genehmigt. Das Genehmigungsverfahren mag an manchen Stellen etwas wahllos und schwerlich nachvollziehbar sein, aber grundsätzliche Auseinandersetzungen mit Diskriminierung oder auch einst Soli-Banner bspw. mit einem Fußballfan, der in Schweden von Nazis angegriffen wurden, fanden bisher sehr wohl ihren Platz in der Kurve. Wenn man Antidiskriminierungsarbeit nicht per se als unpolitisch einstufen will, dann kann man den Mintzlaff-Satz, dass politische Banner nicht ins Stadion gehören, schon mal gleich wieder vergessen.

Denn natürlich gehören Themen, die sich mit Problemen rund um den Fußball beschäftigen in ein Stadion. Das demonstriert sich, wenn Oliver Mintzlaff himself beim FC St. Pauli ein „Kein Fußball den Faschisten“-Shirt mit Regenbogen-Ärmeln präsentiert. Das demonstriert sich, wenn RB Leipzig einen Inklusionstag organisiert. Und das demonstriert sich, wenn RB-Fans bspw. ein „Zigeuner ist kein Fangesang“-Banner zeigen (und Leverkusen-Fans darauf mit Zigeuner-Gesängen reagieren) oder Kritik daran üben, dass der Salzburger Munas Dabbur nicht mit ins Trainingslager nach Dubai durfte, weil er israelischer Staatsbürger ist. Das alles gehört notwendig in ein Fußballstadion. Genauso wie die Pfiffe von St.-Pauli-Fans bei einer Würdigung von Ex-DFB-Präsident Mayer-Vorfelder in Leipzig nach dessen Tod wegen seiner politischen Vergangenheit zu tolerierender Teil einer Auseinandersetzung mit fußballbezogenen Themen sind.

Nach Herzenslust kann man natürlich darüber streiten, wo die Grenzen dieser Auseinandersetzung um gesellschaftliche Themen im Rahmen eines Fußballspiels liegen. Bei RB Leipzig war die Position in der Vergangenheit zumeist, alles was sich nicht konkret an spezielle politische Akteure richtet und alles, was einen direkten Bezug zu allgemeiner oder konkreter (Anti-)Diskriminierung im Fußball hat, eher zuzulassen. Wobei hinter allem auch das grundsätzliche Bedürfnis steht, nicht zu viel davon haben zu müssen und dabei möglichst keine brüchige oder Dissonanzen aufzeigende Außendarstellung (zwischen Verein und Fans oder Fans und Fans) zu riskieren.

Gegen Diskriminierung wegen Herkunft, Geschlecht oder was auch immer zu sein, ist bisher eine Schnittmenge gewesen zwischen Verein und dessen Rolle als gesellschaftlicher Akteur und den Teilen der Fanszene, für die Banner und Aussagen und Positionierungen aller Art wichtig sind. Weswegen man sich dort auf mancherlei, aber bei weitem auch nicht allen Wegen durchaus treffen konnte.

Darüber hinaus wird es dann schon schwieriger. Denn mit dem Interesse, auch Dinge vor allem lokaler Politik thematisieren zu wollen, stehen Gruppen wie die Red Aces in der Red Bull Arena eher allein da. Und haben dabei auch nicht den Rückhalt des Vereins. Was gewisserweise auch nachvollziehbar ist. Denn egal ob es um Legida, Westwerk oder Hundekot in der Südvorstadt gehen würde. Das Stadion zu einem Debattenraum zu gestalten, der über die eigenen, fußballbezogenen Problematiken hinaus Positionen austauscht, ist letztlich schwerlich machbar. Wenn man nicht ein vergleichsweise homogener Klub ist oder tatsächlich ein Hier und Dort und Hin und Her von Bannern als zielführende Option begreift.

Der Vereinsfußball ist in gewisser Art nur begrenzt in der Lage alltagspolitische Dinge zu seinen eigenen Themen zu machen, bei denen er sich klar positioniert. Ein bisschen ähnelt sich dies mit Kirchenkreisen, die zumeist auch eher als Akteure auftreten, die klarmachen, für was für Werte sie stehen, aber dann jedem selbst überlassen, wo sie diese Werte am besten vertreten sehen.

In der Auseinandersetzung mit Pegida und damit, dass dort auch Teile der eigenen Anhängerschaft unterwegs waren, ging Dynamo Dresden entsprechend einst einen eher zurückhaltenden Weg. „Wir müssen uns als Sportverein politisch neutral verhalten. Aber wir müssen auch unsere Werte hochhalten. Und das bedeutet, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für Vielfalt auszusprechen.“ Wobei die politische Neutralität entsprechend nur eine Neutralität in Sachen von konkreten politischen Organisationen ist. Das Einsetzen für grundsätzliche, unveräußerbare Inidividualrechte ist natürlich letztlich auch politisches Agieren und essenzieller Bestandteil von Vereinsarbeit.

Trotzdem bleibt der Punkt, dass es für viele Vereine gar nicht wirklich möglich ist, in bestimmten Konflikten gerade zwischen Organisationen oder Parteien als stellungnehmender Akteur über die eigenen Basisbanalitäten hinaus aufzutreten bzw. Debatten über Fanbannner austragen zu lassen. Weil seine Grundlagen dazu im Normalfall gar nicht homogen genug sind. Und auch gar nicht sein müssen. Weil ein Fußballverein in seinem Umfeld eine extreme Bandbreite von demokratisch legitimierten stadt- und gesellschaftspolitischen Positionen vereint, die gar nicht alle darstellbar und manche vermutlich unvereinbar miteinander sind. Entsprechend ist auch das Bedürfnis eines Vereins wie RB Leipzig, sich einer generellen Politisierung und vor allem einer konkreten Auseinandersetzung mit politischen Gruppen oder Entscheidungen zu entziehen, durchaus nachvollziehbar.

Dass man dies unter dem Label ‚keine politischen Banner‘ verkauft, ist dabei halt aber irreführend. Ob bewusst oder unbewusst irreführend sei mal dahingestellt. Der Effekt ist aber ein gewisses Stellen an den Pranger von Fangruppen wie den Red Aces, die dafür stehen, dass sie sich gern ein mehr an Politik wünschen und eine gewisse Isolierung von deren Position im Umfeld von RB Leipzig.

Es werde „vom Großteil der Fans geteilt und geschätzt“, dass man im Stadion politische Banner nicht haben wolle, teilte Mintzlaff noch mit, ganz so als ob Mehrheiten im Fußballstadion per se die Entscheidungsgrundlage von RB Leipzig wären. Gerade im Umgang mit Legida war es in der Vergangenheit der Verein, der vorpreschte, weil man nicht wollte, dass prominente Rollen im Fanumfeld, mit dieser Demonstrationsorganisation in Verbindung gebracht werden können, während mehrheitliche Entscheidungen im Fanumfeld noch gar nicht getroffen waren und vielleicht gar nicht im Sinne des Vereinsinteresses gelöst worden wären.

Sowieso zeigt sich vor allem in der Praxis und jenseits von Absichtserklärungen auf Bannern oder an gut gemeinten Aktionstagen, wie man sich Themen annimmt und ob sie für die eigene Praxis eine Rolle spielen. Als Peter Pacult als RB-Trainer einst nach einem Spiel bei der zweiten Mannschaft des FC St. Pauli zu einer homophoben Beleidigung griff, lag RB Leipzig mit der ‚aber die haben angefangen‘-Reaktion mal komplett daneben, weil man die Chance verpasst hat, auch in der Praxis zu zeigen, was die Ablehnung von Diskriminierung meint (etwas was damals im Übrigen auch in der Fanszene, soweit ich mich erinnere, keinerlei Reaktion hervorrief). In der jüngeren Vergangenheit war man diesbezüglich eigentlich meist recht vernünftig unterwegs wie die Unterstützung verschiedenster sozialer Initiativen, die auch von Fanseiten eingebracht wurden, zeigt.

Letztlich ist es gerade bei RB Leipzig noch mal im besonderen Maße der Fall, dass man sich die Organisationshoheit bei der Austragung von Fußballspielen nicht nehmen lassen will und entsprechend eher peinlich darauf achtet, dass Dinge nicht jenseits ihrer Gnade passieren. Der Umgang mit dem neuen Fanzine „Seelenbinder“, der laut Red Aces nur im Stadion verteilt werden dürfte, wenn die Inhalte mit einer Woche Vorlauf dem Verein vorliegen, zeigt dies relativ deutlich. Ein Umgang, der organsatorisch vermutlich gar nicht leistbar ist und inhaltlich von großem, vermutlich in der jüngeren Vergangenheit noch mal gewachsenem Misstrauen und einer sehr niedrigen, inhaltlichen Toleranzschwelle spricht.

Das Vorgehen des Vereins, möglichst um alle Vorgänge und Dinge zu wissen, steht natürlich auch diametral den Ansprüchen von Gruppen wie den Red Aces, „selbstbestimmte und unabhängige Strukturen im Stadion aufzubauen“, entgegen. Wobei die Frage ist, inwieweit deas Stadion der Ort ist, an dem sich so etwas wie Selbtsbestimmung tatsächlich überhaupt leben lassen sollte. Bzw. woher der Anspruch kommt, Selbstbestimmung im Stadion zu fordern.

Am Ende ist Fußball immer noch Fußball und das zentrale Motiv für die Zuschauer ist, die eigene Mannschaft zu bejubeln und Erfolge zu feiern und Misserfolge zu betrauern. Drumherum mag es unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen von Bier trinken über Fahnen schwenken bis hin zu Selbstbestimmtheit und Positionierung in gesellschaftlichen Debatten geben. Vermittelt wird das am Ende dann eben über die Instanz Verein, die den Rahmen setzt. Und in Leipzig gern einen etwas engeren Rahmen hätte. Was Gruppen nicht daran hindert, zu gesellschaftlichen Akteuren zu werden. Denn die Wege, sich auszudrücken und Meinungen zu veröffentlichen und sich dabei auch in (den nicht leichten) Konflikt mit dem Verein zu begeben, stehen natürlich weiterhin jedem frei. Nur halt nicht zwangsläufig im Stadion.

Dabei gibt es dann eben auch unter den Fans völlig unterschiedliche Ansprüche und Vorstellungen. Die einen sind mit der auf Information setzenden Vereinskommunikation absolut zufrieden und finden auch, dass die Organisationsmacht, die RB Leipzig ausübt, absolut richtig eingesetzt ist. Kann dann schon mal passieren, dass die Priorität von Anhängern darin besteht, beim Verein einzufordern, dass er Mainzer Gästefans doch möglichs hart rannehmen möge, weil die ein Werbebanner zerstört hatten, statt sich darüber zu beklagen, dass die eigenen Fanklub-Banner ihre angestammten Plätze im Blickwinkel der Fernsehkameras verlieren.

Auf der anderen Seite gibt es dann aber auch die Fangruppen, die sich vom Verein vor allem Interaktion und Verlässlichkeit anstelle von Information und Vaterautorität wünschen. Ein Konflikt, der in Leipzig dann eben auch dazu führte, dass die Gruppen mit Fokus auf Selbstbestimmung sich aus den Fanverbandsstrukturen herausgenommen und eine neue Heimat beim Fanprojekt gefunden haben. Was letztlich, wenn man Ausdifferenzierung nicht per se als schlimm empfindet, auch nicht schlimm ist, dass unterschiedliche Interessenslagen sich unterschiedliche Interessensvertretungen suchen. Zumal der Fanverband mit seinem Kreisen um Strukturen und den Versuch ein e.V. zu werden, derzeit ein wenig handlungsunfähig geworden scheint.

Wie schwierig es ist, Fußball und Politik zu trennen, aber auch wie schwierig es ist, politische Debatten rund um einen Fußballklub zu führen, zeigte sich jüngst auch in einem Interview, das Dietrich Mateschitz in Österreich gab. Als Hauptfinanzier von RB Leipzig werden die Worte des Red-Bull-Chefs per se auch mit dem Fußballverein assoziiert. Ob man das nun will oder nicht.

Mateschitz jedenfalls ist eine, das machte das Interview noch mal deutlich, höchst widersprüchliche Persönlichkeit. Einer, der sich als „Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist“ beschreibt. Einer, der daran glaubt, dass „erst durch die Maximierung all dessen, was geistreich, gut, schöpferisch und sinnvoll ist, der Gewinn kommt“ und entsprechend als Unternehmer auch immer wieder Projekte angeschoben hat, die nicht von vornherein Geld abgeworfen haben, sondern erstmal für sich gut und qualitativ hochwertig sein sollten. Also auch einer, der jenseits von Zeitgeist Menschen und ihren beruflichen Ideen Räume baut.

Dabei ist er aber auch fast schon hochgradig allergisch gegen Organisationsformen aller Art, die er auf staatlicher oder Mitarbeiterebene als störend empfindet. Nicht zuletzt demonstrierte sich das, als er Servus TV mal eben schließen wollte, weil dort die Idee eines Betriebsrats diskutiert wurde. Erst als die Mitarbeiter mehrheitlich erklärten, dass dies gar nicht ihr Wunsch sei, sondern der nur von draußen hereingetragen wurde, nahm der die Schließungsidee zurück. Die Dinge, die man im Hause Red Bull tut, brauchen keine formalen Mitbestimmungs- und Einspruchsstrukturen, weil die Mitarbeiter alle Freiheiten haben, sich in ihrem Berufsfeld auszutoben und Ideen zu entwickeln. Und somit ihr Glück gefunden haben. So offenbar die Logik, die ja so ungefähr auch bei RB Leipzig ihre Anwendung findet. ‚Dinge gut umsetzen, über die sich Mitarbeiter und Zielgruppe freuen dürfen‘, so die scheinbare Logik, die ja letztlich auch ein Oliver Mintzlaff vertritt, wenn er in der Vergangenheit sinngemäß immer wieder betonte, dass man Dinge im Sinne der Zukunftsfähigkeit des Vereins entscheide und das dann auch im Interesse der Fans sein sollte, weil sportlicher Erfolg die Konsequenz ist.

Das Mateschitzsche Selbstbild als Selfmade-Arbeiter im Dienste qualitativ hochwertiger Projekte nimmt nicht dann einen seltsamen Turn,  wenn er eher differenziert und nicht ablehnend über Trump urteilt, über Vermögen spricht oder die Flüchtlingspolitik Österreichs als misslungen empfindet. Seltsam wird es, wenn er die „sogenannte intellektuelle Elite, bei der man bei bestem Willen weder einen wesentlichen wirtschaftspolitischen noch einen kulturpolitischen Beitrag für unser Land erkennen kann“, anprangert, reichlich populistische Beispiele wählt, um Doppelmoral anzuprangern (Grüne, die sich mit der Limousine chauffieren lassen, um die letzten Meter für das Bild mit dem Rad zu fahren; Flüchtlingshelfer, die Flüchtlinge in ihrem Garten wohnen lassen sollten) oder gegen das „Meinungsdiktat“ wettert. In Österreich, also einem Land, das nun, öffentlich-rechtlicher Rundfunk hin oder her, wirklich nicht dafür bekannt ist, nur aus einem linken Blätterwald zu bestehen.

Es wird dem Interview in seiner Vielschichtigkeit bei weitem nicht gerecht, wenn man einfach nur das Schlagwort „Rechtspopulist“ drüberbügeln würde. Weil vieles davon schlicht Teil einer Auseinandersetzung in einer demokratischen Kultur ist bzw. sein sollte (genauso wie die Kritik der Red Aces daran beispielsweise zu dieser Auseinandersetzung gehört). Aber das Berufen auf „Nonkonformismus“, um damit mal eben auf hohem Stammtischniveau gegen die da oben und die Presse zu sein, ganz so als wären diese Sphären inhaltliche Monolithen, die der Wahrheit entgegenstünden, ist dann halt eben doch im Tonfall diese Spur drüber, bei der man zuerst an den berühmten Aluhut denkt. Weil der Begriff „Meinungsdiktatur“ ja auch impliziert, dass da irgendjemand aus irgendeinem Grund die Diktatur betreibt. Was im Zeitalter von Facebook und Co, wo die Ordnungs- bzw. Einordnungsfunktion von Medien ziemlich deutlich mit einem Wust von Meinung und Glauben und ‚alternativen‘ Sichtweisen verschwimmt, durchaus skurril ist.

Passend zu der Logik der Annahme, dass Medien sich nicht mehr der Wahrheit, sondern einer Meinungsdiktatur verschreiben würden, will Mateschitz künftig mit „Quo vadis veritas“ (Wohin gehst du, Wahrheit?) eine Stiftung betreiben, die ausschließlich der Recherche und dem Sammeln von Fakten, auf dessen Basis dann Debatten geführt werden können, verschrieben sein soll. Jedes gut finanzierte Medienprojekt, das Journalisten die Möglichkeit gibt, jenseits des klickorientierten Tagesgeschäfts Recherchearbeit zu betreiben, sollte natürlich willkommen sein. Weswegen die Vorverurteilungen des Projekts und das sofortige Bescheidwissen, dass da ein neues Breitbart heranwächst, auch extrem seltsam und projektiv-willkürlich daherkommen. Trotzdem ist natürlich die Frage, wohin ein solches Projekt will, wie die FAZ in einem sehr klugen Kommentar darlegt und ob es am Ende tatsächlich um Fakten oder eher um Interpretationen geht.

Wenn sich ein Finanzier eines Fußballklubs zu tagespolitischen Dingen äußert, dann hat das natürlich mit dem Fußballklub und dessen eigener Verortung in einer Stadtgesellschaft erst mal nicht direkt etwas zu tun. Die unmittelbare Nähe von Mateschitz zu RB Leipzig macht dessen Äußerungen aber auch gewissermaßen zu einem Teil der Leipziger RB-Welt und somit auch zu einem Teil der Auseinandersetzungen unter RB-Fans. Dafür war das Banner beim Schalke-Spiel, mit dem Mateschitz von den Red Aces quasi Doppelmoral vorgeworfen worden war (Pluralismus propagieren, aber einen Verein ohne Pluralismus betreiben) nur sichtbarster Ausdruck. Auch jenseits dessen gerieten Anhänger in die Position, sich für Mateschitzsche Positionen rechtfertigen bzw. sich von ihnen distanzieren zu müssen. Je nach Sichtweise halt.

Dass demnächst in der Red Bull Arena auf der einen Seite ein „Rechtspopulist Mateschitz“-Banner hochgehalten wird und auf der anderen Seite ein „Mut zur Wahrheit“ auftaucht, ist nicht zu befürchten, dem steht schon die Genehmigungspraxis im Stadion entgegen. Trotzdem wurde die ‚Auseinandersetzung‘ mit Mateschitz‘ Thesen kurzzeitig zum ziemlich festen Bestandteil rund um den RasenBallsport. Man wird dieses Politik-Thema einfach nicht los..

Wobei die Mateschitz-Geschichte auch nur eine Randgeschichte ist, deren interessanter Kern darin besteht, wie sich im Red-Bull-Chef Kosmopolitismus, Individualismus und Nonkonformismus mit regionalem Kulturalismus und Elitenfeindlichkeit mischt. Was aber vor allem für jene interessant ist, die mal eine Biografie über ihn schreiben wollen.

Abgesehen davon wird der Geldgeber kaum eine entscheidende Rolle dabei spielen können, wie sich RB Leipzig in einer Stadtgesellschaft verortet und wie sich Fankultur um den Verein herum entwickelt. Weil dazu jenseits des Funktionierens als Spaßgeber und wirtschaftliche Fußballorganisation viel zu viel lokale und sportpolitische Eigenlogik im Spiel ist.

Hinsichtlich dieser Eigenlogik wird RB Leipzig auch weiterhin im Konflikt zwischen Eigenanspruch/ -interesse und Fans, die einerseits Banner gar nicht wollen und Fans, die noch mehr wollen, leben müssen. In dieser Vermittlung ein ‚Politik gehört nicht ins Stadion‘ herauszuposaunen, ist dabei nicht nur nicht hilfreich, sondern widerspricht auch recht fundamental der eigenen, bisherigen Vereinspraxis. Und ist damit für nichts gut, außer vielleicht dass Leute auf diese Schlagwörterei anspringen und sich gegen die „Ultras“ mit ihren Bannern positionieren. Womit nun wirklich niemandem geholfen ist, wenn man denn nicht eine inhaltsleere Spaltung befördern will.

RB Leipzig war bisher ein sportpolitischer Player mit Fokus auf Antidiskriminierung und wird es auch künftig sein. Auf das, was man diesbezüglich öffentlichkeitswirksam propagiert, darf man den Verein ruhig festnageln (vor allem auch, falls mal wieder ein Pacult um die Ecke springt). Nur wo die Grenzen bei dieser öffentlichen Positionierung seitens Verein und Fans liegen, wird wohl immer wieder neu ausgehandelt werden.  Dass das nicht immer zur Zufriedenheit aller gelöst wird, liegt dann wohl in der Natur der Sache.

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'Unpolitische' Choreographie gegen Homophobie einst bei einem Spiel gegen den Halleschen FC. | © GEPA pictures/ Sven Sonntag
GEPA pictures/ Sven Sonntag

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20 Gedanken zu „„Politik gehört nicht ins Stadion“ als Antwort auf eine Frage, die sich gar nicht stellt“

  1. Lese seit vielen Jahren mit viel Interesse deinen Blog.
    Dieser Beitrag war nun aber der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
    Wollte ich schon seit geraumer Zeit tun. Gelber Spenden-Button. 10 Euro.
    Respekt!
    Auch wenn Differenzierung schwierig, zeitaufreibend und selten sexy ist. Nur sie bringt unsere Zivilisation weiter. Danke!

  2. Servus ,

    ich bin jemand, der grundsätzlich nichts von Politik in Stadien hält.

    Natürlich hast du Recht wenn du sagst, der Verein betreibt diese ja selbst (Anti-Diskriminierung etc) und es werden auch politische Banner zugelassen, wenn Sie allgemein gültige politische Themen betreffen.

    Hier ist aber bei mir schon so ein Punkt erlangt den ich völlig daneben finde.

    Vorab (und das ist wichtig!!!): ich möchte die politischen Aussagen nicht bewerten (weder positiv noch negativ) , sondern vielmehr den „Background“ darlegen, was mich daran stört.

    Das Problem an dieses allgemein gültigen Aussagen ist, dass diese rein aus „political correctness“ propagiert werden. Der Verein als solches ist zwar eine juristische Person aber in seiner Gesamtführung sicherlich keine homogene Person sondern auch in der Führungsebene werden sicherlich verschiedene Meinungen (insgeheim) vertreten.

    Dieses geschlossene nach Außen kommunizieren ist in den meisten Fällen bei allen Vereinen einfach der Tatsache geschuldet, dass es eben von allen so erwartet wird. Alle bezeichnet hier nicht nur die Fans sondern auch andere Verantwortliche, Nicht-Fans und natürlich auch die Politik.

    Würde es einen Hitler II geben und auf einmal wieder alle Juden verfolgt werden .. dann würdest du von den gleichen Vereinen auf einmal ein „juden sind scheisse“ transparent sehen.(oder t-shirt)

    Kannst du bei ziemlich allen „Traditionsvereinen“ ausmachen.. man stellte sich früher hinter Hitler. War gegen die Juden (der VfB Stuttgart z.b. hatte extra ne Strophe im Vereinslied gegen Juden und für Deutschland) und zeigte auch sonst eben alles, was damals so „chic“ war.

    Heutzutage ist es nicht ganz so „chic“ stolz auf sein Land zu sein (nochmals: nicht bewertend!) und daher findest du Bezüge zu Deutschland deutlich seltener.

    Die Asylpolitik ist z.b. so ein gespaltenes Thema (da findest du wahrscheinlich nahezu 50% so und 50% so meinungen) ohne klare Linie und entsprechend nimmt sich auch hier kein Verein dem Ganzen so wirklich an.(Aus „Angst“ sich politisch unkorrekt zu verhalten). Ähnlich das Türkei Thema (mit Hitler II … äh Erdogan) wo man auf Vereinsseite vielmehr machen könnte (so man es wollte).

    Genau dies ist wahrscheinlich aber auch das, was Mateschitz so als „Meinungsdiktatur“ empfindet. Heutzutage darfst du öffentlich nur die eine Meinung vertreten. Alles was nicht in diese Richtung schwimmt wird sofort angegriffen, verunglimpft und sonst wie diskreditiert. Bestes Beispiel ist unser De Maizière jetzt erst aktuell der sich hier ein wenig dagegen gestellt hat. Das zurückrudern div. Leute kam recht schnell. Die Kritik natürlich auch.

    Nochmals: ich bewerte all die Meinungen nicht, sondern stelle hier nur fest wie mit Meinungen umgegangen wird. Letztendlich sind eben alle politischen Aussagen nur Meinungen. Ein Unternehmen kann es sich meist nicht leisten gegen diesen Strom zu schwimmen… und so sind Unternehmen (ja. Fussballvereine sind auch nur Unternehmen) eben dazu „gezwungen“ mit aktuell als „chic“ geltenden Aussagen im Strom mitzuschwimmen.

    Dies ist dann für mich der eine Punkt, warum ich keine Politik im Stadion will: Sie ist nie ernst gemeint, sondern lediglich ein Mittel zum Zweck.

    Der 2. Punkt betrifft die Fans: Ich finde es ein Unding, dass sich die heutige Zeit zu einer extrem egozentrischen Zeit geworden ist. Jeder meint, dass der Quatsch den er verzapft jeden interessieren muss.
    Man postet sein Essen im Facebook. Lebt seine Beziehungskrisen in FB aus … und muss jedem im Stadion (und der Welt draußen am TV) seine Meinung via Banner sagen.

    Wie konnte man je zulassen, dass es so weit kommt? Der eine findet XY doof .. der nächste YZ. Ja und? muss ich das jedem unbedingt zeigen?
    Natürlich kommen jetzt wieder Argumente wie „aber gegen Rassismus muss man ein Zeichen setzen“.. muss dass der Karl Otto von nebenan? Interessiert auch nur EINEN was Karl Otto oder der Kevin oder der Hans (oder wegen mir auch Achmed) da draussen denkt?
    Gibt es nur einen Fall weniger deswegen? Nein! Hier kann jeder für sich individuell handeln aber nen Plakat hochhalten hat noch keinem geholfen.

    Für mich spricht nichts dagegen einen verstorbenen Fan eine Ehre zu erweisen o.ä. … aber egozentrisch seine Meinung rausschreien muss nicht sein.

    Dabei ist es mir völlig wurscht ob diese Meinung vermeintlich richtig ist oder nicht. Ich will weder ein Banner „pro Nazi“ noch eins mit „anti Nazi“.

    Kommt doch auch keiner auf die Idee Fotos seines Essens im Stadion hochzuhalten, nur damit jeder weiß was man gegessen hat.

    Soweit meine 2 Punkte warum ich das nicht mag / will.

    1. Ich kann die beiden Punkte gut nachvollziehen und finde mich darin wieder…auch wenn es dir wahrscheinlich egal ist, was ich denke 😉
      Gruß Christoph 🙂

  3. Ganz starker Artikel. Grossartig differenziert in der Aussage. Prinzipiell sollte Kultur (in allen ihren Facetten, zu denen auch Sport gehört) sich als Meinungsbilder und damit Zukunftsgestalter verstehen. Und die Macher, zu denen auch Mateschitz gehört, sind gebildet genug, um sich dessen bewusst zu sein. Darauf muss man vertrauen. Worauf sollte man denn sonst vertrauen?

    1. Dort können sie auch gern auf ewig sitzen bleiben 👍🏼

  4. Für mich ein nicht so ganz treffsicherer Beitrag.
    Es geht nicht darum, Politik aus dem Stadion fern zu halten. Bei jeder Menschenansammlung, auch nicht beim Geburtstag von Oma, kann Politik raus gehalten werden. Aber ich gehe weder mit einem Transparent zum Geburtstag, noch zum Skispringen oder Handball. Warum also dann beim Fußball politische Transparente hochgehalten werden müssen, die noch dazu auch scheinbar! für mich sprechen, weil ich im selben Block stehe, das kann mir keiner so wirklich erklären.
    Klar kann und sollte man sich (auch im Stadion) für ein respektvolles Miteinander aussprechen können und das auch mit Transparenten zeigen. Aber politische Statements? Nein! Warum auch?! Es gibt genug andere Möglichkeiten, die auch den Red Aces zur Verfügung stehen, um seine Meinung zum Ausdruck zu bringen.
    Das Stadion ist kein Ort für eine Demo. Also weg mit Transparenten mit politischen Forderungen!

  5. Bamfico: Mir sind Meinungen nicht zwingend egal. Es geht nur darum, dass man seine Meinung in der Öffentlichkeit eines Stadions in Form von Transparenten oder ähnliches unbedingt hochhalten muss.

    Wie wäre es denn wenn in Zukunft jeder, der der Meinung ist „Eure Meinung ist mir (hier) scheißegal“ auf ein Transparent schreibt und das die ganze Zeit hochhält. Würde das Sinn machen?

    Im Stadion geht es eben NICHT darum Zeichen setzen zu müssen in Form von Bannern o.ä. sondern um den Zeitvertreib.

    Historisch haben irgendwann mal irgendwelche Leute gemerkt: „Oh wir bekommen Aufmerksamkeit wenn wir das machen“. Das Resultat ist das sich zwischenzeitlich jeder Fussballverein (Profi) bzw. dessen Fans genötigt fühlt irgend nen Wisch in die Kamera zu halten.
    Das ist wie mit der Werbung im Internet. Das fing alles mal Harmlos an mit 1 oder max 2 Bannern. Heute gibts mehr als nur eine Seite wo du vor Werbung gar nicht mehr den Inhalt siehst.

    1. „Im Stadion geht es eben NICHT darum Zeichen setzen zu müssen in Form von Bannern o.ä. sondern um den Zeitvertreib.“

      Also hauptsächlich geht es natürlich um Werbung für Rote Brause.

    1. @Platzbrüller: gehört sie eben nicht! ist doch nur wieder ein Beispiel dafür das andere die gegebene Bühne für irgendwas politisches Benutzen. Im Umkehrschluss dann daraus zu schließen „Wir müssen uns auch positionieren“ halte ich hier für völlig falsch. es erzeugt außerdem eine spirale, die nur schwer zu durchbrechen ist.

      Jede politische Äußerung hat grundsätzlich das (Konflikt)potential eine Gegenäußerung zu provozieren.

      Man sollte auch nicht vergessen, dass GERADE der Leipziger Fußball durch zuviel Politik kaputtgegangen ist.

      Nicht, dass dies jetzt bei RB zu erwarten wäre .. aber … warum schon wieder damit anfangen?

      Das Stadion ist per se kein guter Ort um politische Meinungen jedweder Art zu artikulieren was schon aufgrund der Art (Banner, Shirt, Gesänge) so ist.
      Sind wir doch mal ehrlich: ein Banner „Alle Menschen sind toll“ wird keinen Fremdenhasser zum Umdenken bewegen … genauso wie ein „Ausländer raus“ tolerante Menschen dazu bewegt die Meinung anzunehmen.
      Insofern ist jedwede „Kommunikation“ in dieser Richtung für die Katz und sorgt nur für Gegenaktionen die dann wiederum mehr oder weniger schön für alle Beteiligten sind.

      Dann doch lieber ein schöner neutraler Platz in dem man statt der Gegensätze die Schnittmengen (Der Verein) auslebt.

      Ich bin auch der festen Überzeugung, dass man durch die Gemeinschaft (Fangemeinschaft) (vermeintliche) „Irrläufer“ besser einfängt als durch Abgrenzung. Ein Fremdenhasser der sich in einer Gemeinschaft bewegt(und dazugehört) die offen ist, wird entsprechende Erfahrungen sammeln die Ihn deutlich besser zur Umkehr bewegen als ein hochgehaltenes Banner.

  6. Es ändert nichts daran dass Fußball beiderseits als Bühne für eigene Interessen genutzt wird. Das hat aber nichts mit Fußball zu tun. Gäbe es Kinosääle mit 50.000 Plätzen würden dort die gleichen Idioten auftauchen und sich produzieren. Beim Fußball gehts aber nur um 2 Teams und um das Spiel, kapieren nur einige Selbstdarsteller eben nicht.

  7. @Matthias: das sind gute Hoffnungen.

    Ich bin auch gegen Politik im Stadion wenn sich bspw der Obm oder ein sonstiger Parteiheini hinstellt und sich über rb Öffentlichkeit holt.

    Aber mit solcher Politik haben die Kurven ja wenig zu tun.

    Fußball als Massenphänomen wird immer auch Rattenfänger anlocken. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass dabei fremdenfeindliche Strömungen sehr sehr erfolgreich waren und immer noch sind. Wenn diese dann an die Oberfläche kommen ist das Kind schon im Brunnen und die Arbeit so etwas wieder auszutreiben extrem schwer. Wie ich schon bei einem früheren Blog des rbb erwähnte bin ich durchaus nicht immer einverstanden mit jedem Banner auch der Aces, aber genau das macht doch die Vielschichtigkeit in Deutschland und unserer Kurve aus. Aushalten und Diskutieren und auch Verstehen oder Widerlegen sind das Maß der Dinge. Ich bin froh, dass es Leute gibt die sich extrem mit diesen Themen auseinandersetzen und das auch öffentlich machen. Ich hab dafür keine Zeit im Alltag. Und ich möchte nicht trotz der gemeinsamen Liebe zum Rasenball neben einem Rassisten in der Kurve stehen.

    @beback: bisschen viel Verallgemeinerung und bisschen wenig Inhalt. Ich warte nur noch auf das Gutmensch Ding.

    Love 😉

  8. @Platzbrüller:

    ehrlich gesagt finde ich diese extrem gegenwärtige Politik die ganze Zeit extrem ermüdend. Egal was du machst oder wo du bist, ständig wird alle politisiert. Dies dann auch noch in „der schönsten Nebensache der Welt“ reinzubringen halte ich für einen großen Fehler.
    Durch die Omnipräsenz politischer Diskussionen, Plakate, Banner, TV Sendungen etc werde nicht nur ich sondern auch viele andere quasi „abgestumpft“. Man reagiert nicht mal mehr in Kontexten in denen man es vlt müsste und schon gar nicht in Kontexten in denen man es nicht muss (Stadion).

    Damit erreichst du quasi das Gegenteil von dem, was du meinst erreichen zu wollen. Anstatt mehr Aufmerksamkeit oder mehr Aktionen für/gegen Politik X erreichst du einfach nur ein Augenverdrehen.. + „nicht schon wieder“-Gedanke.

    Dazu (und da wiederhol ich mich jetzt) ist ein Banner im Stadion ganz sicher NICHT dazu geeignet etwas zu verändern.
    Und etwas gesagt zu haben nur damit man was gesagt hat .. ist … naja.

    Ich pers. bin weder so ein glühender Verehrer von Links, Grün oder Rechts sondern habe durchaus eine sehr differenzierte Betrachtungsweise und Meinung. Für mich ist linksradikalismus oder „grün“radikalismus genauso schlimm wie rechtsradikalismus.
    Für mich ist ein „Nazis raus“ sehr ähnlich dem „Ausländer raus“. Nazi ist genauso undifferenziert wie Ausländer. Beides bezeichnet eine grob zusammengefasste Gruppe ohne individuelle Sicht auf den Einzelnen. Daher ist beides schon per se nicht geeignet um eine sinnvolle Diskussion zu führen.

    Ist auch so ein Problem der heutigen Gesellschaft. Während man eine differenzierte Sicht auf Ausländer fordert (Einzelfälle, arme Flüchtlinge, etc) verschwurbelt man kurzerhand jeden, der eine andere Meinung hat direkt zu einem Nazi und ist damit EXAKT so. Ich spreche bei solchen Leuten gern von „Links-Nazis“ oder „Grünen-Nazis“ weil sich die Methoden nicht von Nazis unterscheiden sondern nur die Zielpersonen.

    Wie stellt man also jetzt eine differenzierte Meinung vernünftig in einem Stadion dar.. zugegeben das Stadion ist groß die Tapete könnte also vom Platz her sowohl lang als auch hoch sein .. aber mal ehrlich .. DEN Roman liest dann wirklich keiner mehr.

    Von daher: solange man eh nichts vernünftig darstellen kann … und solange eh ständig und überall Politik ein Thema ist .. solange brauch ich den Scheiss (sorry .. ist jetzt etwas undifferenziert) nicht im Stadion .. egal was der andere mein für ne Meinung zu haben.

  9. @Matthias: ich finde das eher beängstigend. Wir sind im Grunde ziemlich dicht beieinander glaube ich. Nur halt in dem Punkt nicht.

    Ich versuche nochmal ein Beispiel:
    An dem „Zigeunertranspi“ wird es vielleicht deutlich. Das ist in meinen Augen kein politisches Statement sondern eine grundsätzliche Feststellung die Normalität sein muss. Durch die Reaktion wird es ein zweites Mal legitimiert weil es einen Missstand aufdeckt.

    Und nein ich bin nicht zart besaitet und zu empfindlich. Gegen Schmähungen etc. ist im Fußball nichts einzuwenden wenn ein paar einfache Normen eingehalten werden.

    @beback: Recht haste..

    Früher oder später sprechen wir uns wieder und hoffentlich waren dann meine Befürchtungen unbegründet.

    Viel Spaß wünsch ich uns in Berlin!

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