Bundesliga: RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim 2:1

Zweiter gegen Dritter. Spitzenspiel des 18.Spieltags der Bundesliga. In dem es so eng zuging, wie man es vor der Partie erwarten konnte. Am Ende hatte RB Leipzig verdient das bessere Ende für sich. Das 2:1 entsprach spätestens nach dem Wagner-Platzverweis den Kräfteverhältnissen auf dem Platz, war aber ein hartes Stück Arbeit gegen oft ballsichere Gäste.

Ins Spiel gegangen war RB Leipzig mit derselben Formation wie in der Vorwoche gegen Eintracht Frankfurt. Also wieder mit Keita auf der Zehn, nur diesmal auf der rechten Seite, sodass Sabitzer nach links rutschte. Dominik Kaiser blieb entsprechend nur ein Platz auf der Bank statt des erhofften Platzes in der Startelf. Das ganze wie üblich im 4-2-2-2.

Auf Hoffenheimer Seite kehrte Pavel Kaderabek nach Verletzung wieder auf der rechten Seite in die Startelf zurück. Zudem ersetzte der letztwöchige Torschütze Andrej Kramaric im Sturm Mark Uth. Änderte nichts an der erwarteten Dreierkette in der Defensive. Und an einer Art 3-3-2-2. Wenn man es denn von der Formation her so in Zahlen ausdrücken möchte.

Die erste Viertelstunde gehörte weitgehend RB Leipzig. Mit relativ viel Ruhe bespielte man die Gäste und schaffte es immer mal wieder den Ball im vorderen Drittel zu platzieren und auch zu behaupten. Naby Keita hatte bereits nach vier Minuten die große Chance zur Führung. Timo Werner hatte sich nach langem Diagonal-Ball von Compper rechts gut gegen Hübner durchgesetzt und im Strafraum die Übersicht behalten, auf Keita zurückzulegen. Doch der schoss knapp am linken Pfosten vorbei.

Am Ende dieses ersten Spielabschnitts war es dann noch Willi Orban, der den Torschrei schon auf den Lippen hatte. Doch Oliver Baumann im TSG-Tor lenkte den Kopfball nach einer Ecke noch mit einer Weltklasse-Parade um den Pfosten.

Danach folgte die kalte Dusche. Schon in den ersten 15 Minuten hatte die TSG immer mal angedeutet, dass sie was mit dem Ball anfangen kann, wenn man ihn denn mal hat und sich gegen das Gegenpressing durchspielen kann. Nach 18 Minuten machten sie das dann in einer atemberaubenden Perfektion. Balleroberung im(!) eigenen Strafraum bei einer eigentlich aussichtsreichen RB-Gelegenheit und dann bricht man eine Gegenpressingwelle nach der anderen und kombiniert sich mit einigen Diagonalbällen (Demirbay!) quer über das ganze Spielfeld. Amiri muss den Ball am Ende dieses Angriffs nur noch über die Linie drücken. In der Entstehung ein Tor des Monats.

Danach brauchte RB erst einmal ein paar Minuten, um sich davon zu erholen. Hoffenheim verteidigte die Dinge gut und stellte mit Kramaric und Wagner vor allem auch die Spieleröffnung aus der Innenverteidigung heraus gut zu. Und hatte ein paar aussichtsreiche Situationen im Umkehrspiel. Aus denen sie bis auf ein paar herausgeholte Ecken und Standards im gesamten Spielverlauf zu wenig machten. Ein Kopfball nach Ecke Mitte der ersten Halbzeit sollte die letzte Aktion bleiben, bei der Peter Gulacsi parieren musste.

Poulsens vergebene Chance nach 25 Minuten, bei der vorher allerdings auf Foul entschieden worden war, war dann so etwas wie der Neustart des Spiels aus RB-Sicht. Ohne dass es leicht gewesen wäre, bespielte man nun die Gäste wieder besser. Werner wurde nach einer halben Stunde aus ungünstiger Position von halblinks noch abgeblockt.

Starkes Spiel gegen starken Gegner. Marcel Sabitzer schießt gegen Hoffenheim für RB Leipzig den Siegtreffer zum 2:1. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Acht Minuten später war es dann soweit. Wieder war es Werner. Diesmal kam er aber völlig frei kurz vor Baumann zum Abschluss. Und schiebt den Ball locker ein. Zuvor hatte das aggressive RB-Gegenpressing zum Erfolg geführt. Poulsen verhindert so das Herausschlagen des Balles. Sabitzer spielt den Ball tief, wo dann nach etwas Hin und Her Keita schneller ist als alle anderen und Werner den Ball in den Lauf schiebt.  Für den diese Aufgaben in dieser Saison fast schon Pflichtaufgaben sind.

Mit dem 1:1 ging es dann auch in die Pause. Das war durchaus auch insgesamt in Ordnung, selbst wenn die klareren Möglichkeiten auf RB-Seiten lagen. Aber Hoffenheim machte das gute, hatte eine reife Spielanlage und immer wieder eine ganz gute Ballsicherheit im Mittelfeld, mit der man RB ins leere Laufen ließ. Interessant aber vor allem, wie man es schaffte, den RB-Spielaufbau zu beschäftigen. Wagner und Kramaric dabei in der Rolle, dafür zu sorgen, dass der Ball möglichst früh zu den RB-Außenverteidigern gespielt wird. Wo man dann Halstenberg und Bernardo mit Kadarabek und Zuber immer schnell unter Druck setzte. Vor allem Bernardo war da manchmal ein bisschen zu bemitleiden, weil er dann mit dem Ball oft allein gelassen wurde und gar keine Chancen hatte, sinnvoll weiterzuspielen. Da stimmte in beiden Richtungen des Spielfelds die Abstimmung mit Keita nicht immer.

In der zweiten Halbzeit arbeitete man sich erstmal eine Viertelstunde lang aneinander oder am Schiedsrichter ab. Ohne größere Ausschläge in irgendeine Richtung. Wobei Hoffenheim nun in der Offensivbewegung kaum noch stattfand. Die vielleicht entscheidende Szene dann nach einer Stunde. Wagner springt mit völlig übertriebenen Einsatz an der Mittellinie in einen Zweikampf mit Ilsanker. Und sieht dafür mal eben glatt rot.

Das veränderte die ganze Statik des Spiels komplett. Denn nun fehlte in der vorderen Linie ein Anläufer, der dafür sorgt, dass der Ball nicht so einfach in die TSG-Hälfte läuft. Sodass sich für Orban, Compper und Demme nun immer wieder die Chance ergab, den Ball relativ direkt zu offensiveren Mitspielern zu befördern.

Entsprechend spielte sich das Geschehen nun fast komplett in der Hälfte der Hoffenheimer ab. Werner hatte nach 67 Minuten bereits die Chance aus wieder leicht spitzem Winkel von halbrechts die Führung zu erzielen, scheiterte aber an Baumann. Poulsen ging es aus noch besserer, weil zentralerer Position kurz danach genauso.

Zehn Minuten später war es dann soweit. Vielleicht ganz passend zu einem umkämpften und intensiven, spielerisch aber nicht immer herausragenden Spiel, dass es von einem abgefälschten Schuss entschieden wurde. Marcel Sabitzer hatte sich den Ball in der TSG-Hälfte geschnappt und sich gegen den nächsten Versuch des Durchsteckens und Durchspielens und für die brachiale Variante entschieden, weil er nicht angegriffen wird. Der erst zur Halbzeit für den verletzten Vogt eingewechselte Fabian Schär war der Unglücksrabe, der den Ball abfälschte.

Der Rest des Spiels war dann aus RB-Sicht noch mal zittern. Weil man offensiv die vorhandenen Räume oft nicht mehr gut ausspielte und zudem auf Kriegsfuß mit dem Abseits stand. Und weil man es nun auch etwas wild spielte. Sodass man bei Ballverlusten in der Hoffenheimer Hälfte defensiv dann trotz Überzahl immer mal in potenziell gefährliche Umkehrsituationen geriet.

Viel sprang dabei am Ende aber nicht raus. Uth kam nach Wirrwarr am RB-Strafraum noch mal in gute Position, wurde aber beim Abschluss entscheidend gestört. Auf der anderen Seite hatte Werner noch eine Riesenchance, das Ergebnis auf 3:1 zu stellen.

Am Ende blieb es beim verdienten 2:1. Auch wenn es ein hartes Stück Arbeit war, entsprach der Sieg deutlich den Chancenanteilen. Dabei tat sich RB Leipzig über die gesamte Spielzeit auch deswegen so schwer, weil man sich im Spiel mit dem Ball in der Vorwärtsbewegung auch immer mal wieder eher schmerzhafte Ballverluste oder laxe Zuspiele rund um die Mittellinie leistete.

Was aber in diesem Spiel aus RB-Sicht bis auf den Konter zum 0:1 extrem gut funktionierte, war das Gegenpressing und die defensive Absicherung. Ralph Hasenhüttl bekannte nach der Partie, dass man unter der Woche sehr am Spiel gegen den Ball gearbeitet hatte. Gegen die Ballsicherheit der Hoffenheimer wollte man in Ballnähe immer ein dichtes Netz an eigenen Spielern haben. Entsprechend war Leipzig nach Ballverlusten extrem präsent und schaffte es so fast durchgängig zu verhindern, dass die TSG aus dem Ballgewinn gefährliche Situationen kreieren kann. Letztlich war das Spiel gegen den Ball wohl der entscheidende Faktor gegen ein sehr ballsicheres Team, um sich in dem Spiel ein Übergewicht und einen Sieg zu erkämpfen.

Fazit: Es war ein intensives und umkämpftes Topspiel, das RB Leipzig mit viel Aufwand insgesamt verdient gewann, auch wenn man sich bis zum Schlusspfiff der drei Punkte nie sicher sein konnte. Der Platzverweis für Sandro Wagner war zumindest dahingehend entscheidend, dass er das Anlaufen der Hoffenheimer entscheidend veränderte und damit die erste Sicherungslinie wegbrach und sich die Balance des Spiels veränderte. Dass RB dann den Sieg durch ein abgefälschtes Tor sicherte, wurde allseits als erzwungenes Glück beschrieben. Das trifft es tatsächlich ganz gut.

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Randbemerkung 1: Je nach Ausgang der Spiele von Dortmund und Hertha heute zwischen neun und elf Punkten Vorsprung auf Platz 4 und 13 Punkte Vorsprung auf Platz 7. Man kann Ralph Hasenhüttl verstehen, dass er auf entsprechende Fragen, nach neu zu definierenden Saisonzielen, zurückhaltend reagiert. Nur kann man sich nach 18 Spielen auch nicht mehr vor dem Fakt verschließen, dass in jedem Fall Europa, aber eher noch der Vorsprung zu Platz 4 zum Referenzpunkt für die Restsaison wird. Dortmund ist in jedem Fall ein Team, das aufgrund der im Vergleich zu RB wesentlich höheren Qualität auch eigentlich noch vor Leipzig gehört. Ansonsten liegen Teams auf den Plätzen 3 bis 7, vor denen sich RB nicht (mehr) verstecken muss. Und Leverkusen ist auf  Platz 8 mit 18(!) Punkten Rückstand (oder bei einem Sieg heute Freiburg mit 16 Punkten) bei allem Respekt schon etwas arg weit weg.

Randbemerkung 2: Jogi Löw erstmals bei einem RB-Spiel. Der Bundestrainer dabei mit der Chance, auf beiden Seiten verschiedene Spieler hinsichtlich ihrer Nationalmannschaftschancen abzuklopfen. Baumann, Süle, Rudy, Orban oder vielleicht sogar Halstenberg kann man da nennen. Aber vor dem Spiel drehte sich natürlich viel um das Auftreten der beiden besten deutschen Stürmer (wenn man nach geschossenen Toren geht) Sandro Wagner und Timo Werner. Wagner dabei dank Platzverweis nicht mit dem glücklichsten Auftritt. Werner auf der anderen Seite zeigte erneut, dass er als ins Kombinationsspiel eingebundener Stürmer noch Luft nach oben hat, dass er aber mit seiner Geschwindigkeit, seinen Fähigkeiten in Eins-gegen-Eins-Situationen, Gegenspieler stehen zu lassen und auch seiner Abschlussqualität überragend ist. Ob Löw den 20-Jährigen schon kurzfristig als in seine Spielidee passend ansieht, ist nicht überliefert. Perspektivisch dürfte es schwer fallen, an ihm vorbeizukommen, wenn denn Werner weiter seinen Weg geht.

Randbemerkung 3: Bemerkenswert die Reaktion des Leipziger Publikums auf die Verletzung von Kevin Vogt. Der TSG-Verteidiger war nach einem Zusammenprall mit Keeper Baumann liegengeblieben. Die ersten Reaktionen waren die typischen Pfiffe, wenn ein Spieler liegenbleibt, weil man Zeitspiel oder Schauspielerei vermutet. Die relativ schnell verstummten, als klar wurde, dass da durchaus ein ernsthafter Verletzungshintergrund besteht. Die eher gespenstische Stille wurde dann von Applaus aus dem ganzen Stadion beendet, als Vogt dann nach längerer Behandlung wieder stand und das Spielfeld relativ selbstständig verlassen konnte. Schönes Gespür für die Situation. Sehr angenehme Reaktion.

Randbemerkung 4: Bemerkenswert auch die Reaktion von Sandro Wagner nach dem Foul gegen Ilsanker, für das er die rote Karte sah. Der erste Weg führte ihn zu Ilsanker selbst, um sich bei dem zu entschuldigen und zu gucken, ob alles ok ist. Danach lamentierte er nicht über die rote Karte, sondern ging noch mal zu Ilsanker, um ihm die Situation zu erklären und sich mit ihm zu versöhnen. Und auch bei Schiedsrichter Stark entschuldigte er sich noch für die Aktion. Er habe das Foul nicht absichtlich begangen und sei selber „erschrocken“ gewesen.  „Echt fies“ habe es ausgesehen, konstatierte er nach dem Spiel. Kein Suchen der Schuld bei anderen, keine Klage. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Randbemerkung 5: Keine 40.000 Zuschauer beim Spiel des Zweiten gegen den Dritten. Im Gästeblock blieben irgendwas um die 1.000 bis 1.500 Plätze frei. Was dann noch weitere 1.500 freie Plätze im Oberrang des eigentlichen Gästeblocks, der für die Heimanhänger freigegeben wurde, bedeuteten. Erstaunlich, dass der Heimbereich nicht ganz ausverkauft war. Erstaunlich deswegen, weil die Partie im Heimbereich eigentlich schon länger ausverkauft war. Nachdem Hoffenheim die Hälfte des Kontingents wegen mangelnder Auslastung zurückgab, hätte man vermuten können, dass sich die frischen Tickets im Laufe der Woche vor dem Spiel noch relativ schnell verkaufen würden. Taten sie aber nicht. Und das trotz Aktionen in der Stadt, bei denen man Ermäßigungen auf Tickets gewinnen konnte. Durchaus bemerkenswert, dass das Stadion gegen Hoffenheim in der aktuellen sportlichen Lage auch auf RB-Seite nicht ganz voll wurde. Stünde da ein 57.000er-Stadion, wären mal eben 17.000 Plätze frei geblieben. Das ist natürlich ein bisschen auch eine Milchmädchen-Rechnung, weil die Anzahl der Dauerkarten bei einer 57.000er-Arena auch wäre, aber für die Analyse der Zuschauerauslastung am Ende der Saison kann man das durchaus im Hinterkopf behalten.

Randbemerkung 6: Papadopoulos weg, Boyd weg, Kalmár (sehr wahrscheinlich) weg. Der Kader von RB Leipzig wurde im Winter noch mal ausgedünnt. Was dann auch nicht uninteressante Folgen für die Ersatzbank hat. Denn es bleiben nur noch 19 Feldspieler bei den Profis übrig. Wobei Klostermann noch länger verletzt ist und Gipson im Vergleich zu Schmitz wenig Chancen auf einen Bankplatz hat. Bleiben noch 17 Feldspieler. Heißt momentan, dass wenn zwei Spieler ausfallen (diesmal der kranke Burke und der gesperrte Forsberg), dann ein Platz für einen Nachwuchsspieler frei wird. Kamil Wojtkowski spülte es deswegen diesmal auf die Bank. Schon im letzten Winter hatte man den Kader ausgedünnt statt zu verstärken, damit Nachwuchskicker mal eher eine Chance bekommen, bei den Profis reinzuschnuppern. Viel raus kam damals nicht dabei bis auf einen Kurzeinsatz von Idrissa Touré, der inzwischen zu Schalkes U23 abgeschoben wurde. Mal sehen, was in dieser Saison dabei raus kommt. Oder ob bis Dienstag und zum Ende der Transferperiode der Profikader noch mal gestärkt wird. Gerade der Kalmár-Abgang böte eigentlich den Anlass, die entsprechende Position nachzubesetzen. Außer man vertraut tatsächlich nachhaltig beispielsweise einem Wojtkowski. Wäre dann zur Abwechslung ja auch mal eine positive Nachricht aus dem Nachwuchsbereich.

Randbemerkung 7: „Reisefreiheit für Dabbur. Gegen jeden Antisemitismus.“ Hieß es auf einem Banner im RB-Fanblock. Hintergrund ist, dass Red Bull Salzburg ohne seinen Spieler Munas Dabbur ins Trainingslager nach Dubai reiste. Dabbur hatte kein Visum erhalten, weil er israelischer Staatsangehöriger ist. Hinderte Red Bull Salzburg nicht daran, trotzdem in die Emirate zu fliegen. Und Dabbur einfach mit dem Zweitligisten FC Liefering nach Spanien zu schicken. Ohne, dass sich der Klub öffentlich mit besonders scharfen Stimmen gegenüber der Visaverweigerung hervortat. Klar, es ist schwer kurzfristig ein Trainingslager umzuplanen und die organisierten Dinge über den Haufen zu schmeißen. Trotzdem ist ein Unding, ein Mitglied des Teams zurückzulassen, weil der Staat, in den man reist, Menschen aufgrund der Herkunft (aus jüdischem Feindesland) nicht einreisen lässt. Was sowieso schon den Widersinn aufzeigt, was für Gastgeber man sich für ein Trainingslager wählt. Aber das Wetter ist dort so schön. Und die Bedingungen sind so perfekt. Und es hat uns immer Glück gebracht. Und alles was vor Ort doof ist, wäre ja auch doof, wenn man nicht da wäre. So hört man es aus den verschiedenen Klubs, die in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Katar fliegen. Na, dann ist ja gut. Oder eben nicht. Bleibt zu hoffen, dass man da im Hause Red Bull mal zum Umdenken kommt. Mit Omer Damari hat Leipzig da ja einst beim Trainingslager in Katar auch schon Erfahrungen gehabt, als es mit dem Visum etwas länger dauerte. Damals dürften die guten Beziehungen zum Gastgeber von der Aspire Academy und deren guten Beziehungen zu den staatlichen Entscheidern visatechnisch Vorteile gehabt haben. Bei Dabbur hatte Salzburg in Dubai das Glück nun nicht. Spätestens jetzt wäre dann der Zeitpunkt, nicht ganz so perfekte Bedingungen über Diskriminierung zu stellen.

Randbemerkung 8: Apropos Diskriminierung. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27.01. nahm RB Leipzig gestern auch an der „Nie wieder!“-Aktion teil. Ein Zeichen sollte damit gesetzt werden „für die Würde jedes Menschen, für eine Kultur des Verstehens und gegen Rassismus, Diskriminierung und Sexismus im Sport und in unserer Gesellschaft“. Sehe darin jeder selbst nach eigenem Gutdünken einen Zusammenhang zu Dabbur oder nicht.

Randbemerkung 9: Thema vor dem Spiel gestern war auch der Online-Reiseführer „Barrierefrei ins Stadion„. Dabei geht es um einen einfachen Zugang zu Informationen, was die Barrierefreiheit der Bundesligastadien angeht. Dort gibt es Kontaktmöglichkeiten zu den Behindertenfanbeauftragten, die Anzahl und Lage der Plätze in den Stadien, Ticketinformationen oder Anfahrtswege. Um auf dieses Angebot aufmerksam zu machen, hatten vor dem Spiel die „Aktion Mensch“, die Bundesligastiftung und RB eine Pressekonferenz organisiert. Zudem bestand für die Presse die Möglichkeit, Fans mit Behinderung beim Gang in das Stadion zu begleiten und sich mit dem Thema Barrierefreiheit vertraut zu machen. In der Halbzeitpause wurden dann noch die Deaf Bulls vorgestellt. Dabei handelt es sich um den ersten offiziellen RB-Fanclub gehörloser Fans. Für sie gibt es im Oberrang des Sektors A die Möglichkeit, sich bspw. die Stadionmoderation von einer Gebärdendolmetscherin simultan übersetzen zu lassen. Menschen mit Sehbehinderung haben zudem die Möglichkeit, per Blinden-Reportage im Stadion an den Spielen teilzuhaben.

Lichtblicke:

  • Marcel Sabitzer: Präsent, zweikampfstark, immer anspielbar, laufstark, viel investiert, immer wieder mit guten Ideen. Dazu (mit Glück) den Treffer zum 2:1 gemacht und beim 1:0 an der Entstehung beteiligt. Starke Partie des Österreichers mit und gegen den Ball. Auch schon in der Phase in der ersten Halbzeit, in der es eigentlich nicht so gut lief.
  • Diego Demme: Immer und immer wieder der Motor im Team. Bekannt hoher Laufaufwand. Viele Ballgewinne im Mittelfeld. Zentrale Anspielstation. Gute Passquote, ordentliche Zweikampfbilanz. Nur das noch fehlende Tor im Männerbereich fehlt weiter. Diesmal zielte er bei einem Schuss aus spitzem Winkel knapp drüber.
  • Willi Orban: Bei allen kleinen Defiziten in der Sprintgeschwindigkeit weiterhin der beste Zweikämpfer in der Abwehr. Seine Antizipation ist hervorragend und führt zu vielen Balleroberungen. Am Ball sicher und abgeklärt und immer wieder mit hervorragenden, flachen Pässen an den gegnerischen Strafraum. Defensiv und offensiv enorm kopfballstark. Nur eine Weltklasse-Parade von Baumann verhinderte den nächsten Orban-Treffer nach Standard.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des 18.Spieltags gegen die TSG 1899 Hoffenheim bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 0:1 Amiri (18.), 1:1 Werner (38.), 2:1 Sabitzer (77.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Demme, Ilsanker – Keita (90. Kaiser), Sabitzer – Werner (90.+3 Khedira), Poulsen (73. Selke); Bank: Müller, Schmitz, Upamecano, Wojtkowski; Nicht im Kader: Klostermann (verletzt), Forsberg (gesperrt), Burke (krank), Coltorti, Gipson

Aufstellung TSG 1899 Hoffenheim: Baumann – Süle, Vogt (46. Schär), Hübner – Kaderabek, Rudy, Zuber – Amiri (76. Szalai), Demirbay – Karamaric (63. Uth), Wagner

Rote Karte: Wagner (60./ grobes Foul)

Schiedsrichter:  Wolfgang Stark (Der erwartete, kleinliche Spielleiter, der damit eher weniger zu einem intensiven, aber nie harten Spiel passte. Manche Zweikampfbewertung wirkte eher zweifelhaft. Vorteil wurde gelegentlich unterschiedlich ausgelegt. Rot wirkte aus Stadionsicht angesichts eines bis dahin nie brutalen Spiels etwas zu heftig. Da es ein Tritt oberhalb des Knöchels mit hoher Intensität war, ist die Karte aber auch völlig vertretbar gewesen. Protestierte ja auch niemand. Sicherlich kein einfaches, weil sehr zweikampfintensives Spiel für den Schiedsrichter. Seine Art und Weise generell Spiele zu pfeifen, stand ihm aber bei der Partie auch ein wenig im Weg. Entsprechend wirkte es nicht so souverän, wie man es vielleicht von einem erfahrenen Referee erwarten würde.)

Gelbe Karten: Poulsen (3.), Selke (3.), Compper (4.) – Amiri, Szalai, Hübner

Zuschauer: 39.633 (davon 1.200 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, TSG-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 14 : 5
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 11 : 2
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 51,6% : 48,4%
  • Ballbesitz: 58,1% : 41,9%
  • Passquote: 81,7% : 67,2%
  • Laufstrecke: 115,3 km : 111,5 km
  • Sprints: 226 : 188
  • Intensive Läufe: 726 : 638
  • Fouls: 17 : 16
  • Ecken: 7 : 4
  • Abseits: 6 : 1
  • Meiste Torschüsse: Werner: 6 – Hübner, Demirbay, Amiri, Rudy, Zuber: je 1
  • Meiste Torschussvorlagen: Keita: 5 – Demirbay: 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Orban: 70,0% – Wagner: 70,0%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 109 – Demirbay: 69
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Compper: 92,4% – Vogt, Schär, Kadarabek: je 81,8%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,0 km – Demirbay: 11,5 km
  • Meiste Sprints: Werner: 32 – Demirbay: 27

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner – 11; Forsberg, Sabitzer – 5; Keita – 4; Selke, Orban – je 2; Kaiser, Burke, Poulsen, Compper – je 1; Eigentore: Baumgartlinger, Kolasinac, Vallejo

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 9; Werner, Keita – je 5; Sabitzer – 4; Demme – 3; Poulsen, Burke, Halstenberg – je 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 10; Sabitzer – 9; Forsberg – je 7; Orban – 6; Ilsanker, Poulsen – je 5; Keita, Halstenberg – je 4; Compper, Gulacsi – je 3; Kaiser – 2; Bernardo, Werner, Selke – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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6 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim 2:1“

  1. Nach so einem Spiel, dann am Sonntag Mittag Deine Analyse zu lesen – wunderbar!

    Ein Fehler ist aber da drin. Nicht Bernado hatte gelb bekommen, sondern Compper, der jetzt wie Orban auch bei 4 gelben Karten steht.
    Panikbutton ich hör Dich trapsen 😉

    Ich habe mir nochmals die Wiederholung gegönnt und muss Nagelsmann tlw. Recht geben, denn Keita ging schon sehr grenzwertig zu einer gelben Karte zu Werke, zumindest hätte er sich nicht beschweren können.
    Stark hatte es nicht einfach und mMn hat er es gut gemacht über 90 Minuten, auch wenn man hier und da über die Zweikampfwertung streiten kann. Auch die 3 Handspiele waren keine (gut, bei dem Schußversuch von Sabitzer in der 1. Hz. kann man den Elfer geben) Auf was ich aber hinaus will, die klare Linie fehlt. Also in der Buli.
    Wenn ich mir den Pfiff von letzter Woche gegen Selke oder gestern gegen Poulsen anschaue und dazu den Zweikampf von Raphael beim Spiel #B04BMG dann komme ich ins grübeln.
    Oder sagt man dazu „geschickt verhalten“???

    Tja, Kader und niemand mehr holen lt. RR. Im Grunde ist man nun durch. Sprich mit der sorgenfreien Saison. Du schreibst es richtig. Nach den 3 Abgängen spült es nun die Nachwuchsbullen zumindest in den Kader. Gibt man Ihnen nun ein paar Minuten oder steckt man sich nun andere (offizielle!!) Ziele. (Selbst Wagner will mit der TSG und den 31 Punkten nach Europa) Oder müsste man nun doch noch jemand holen, der Platz 2-3 „mit absichert“??

    Lichtblicke und Randbemerkungen wie immer TOP!!
    Eine hätte ich noch:
    In Minue 12 beim Foul von Compper an der Eckfahne vor dem Gästeblock ist deutlich zu hören wie die Hoffenheimer „Alle Bullen sind Schweine“ singen – ich konnte nicht mehr vor Lachen 🙂

    Ach ja, hast Du eine Statistik parat, wie der Ballbesitz vor der Roten Karte war? Gefühlt war doch RBL mehr im Ballbesitz als die TSG?

  2. Mich ärgert das hier immer steht es gäbe 2 Kommentare und dann ist nur einer da..! Weiss nicht ob dieses Pingback immer gezählt wird oder so, kann man da was machen? 😛

    Ansonsten schönes Spiel, RB zieht grad gut die roten Karten. Ich hoffe sie könnens gegen gute Gegner dann auch mal ohne. Krass welche Chancen man noch hat liegen lassen, dem Demme gönn ich langsam sein(e) Tor(e) :-). Ansonsten bemerkenswert die Zweikampfquote der Abwehr, teilweise 100%, sowie die Passquote überragend. Bald ist ja auch Forsberg wieder da. Find es krass, dass der Kader nicht noch weiter verstärkt werden soll, ist er doch grad recht dünn besetzt mit den ganzen Abgängen. Aber vill. will man eher die Sommertransferperiode gut ausnutzen.

  3. Zu Randbemerkung 1:

    Referenzpunkt Platz 4 klingt durchaus vernünftig. Andererseits scheint man ja mittlerweile bei den Dortmundern das Saisonziel auf Platz 3 korrigiert zu haben und somit nicht mehr daran glaubt, dass man an Leipzig vorbeizieht. Das hieße für RB, dass es gern auch am Saisonende Platz 2 oder 1 sein darf. Kann aber auch sein, dass man das aus Dortmunder Sicht nochmal vom Ausgang des nächsten Spiels abhängig macht bzw. die Zielstellung anschließend doch nochmal anpasst.

  4. @ausLE Nein, eine Statistik habe ich diesbezüglich nicht. Aber ich vermute auch, dass RB schon vor der roten Karten mehr Ballbesitz hatte. Angesichts von insgesamt 59:41 liegt das auch nahe. RB müsste in der letzten halben Stunde schon 77% Ballbesitz gehabt haben, damit er im Rest des Spiels bei 50:50 gelegen hätte.

    @Frosti: Ja, das liegt am Pingback und lässt sich leider nicht ändern, weil es vom System her so vorgegeben ist.

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