Testspiel: RB Leipzig vs. Glasgow Rangers 4:0

Drittes und schon letztes Testspiel in dieser kurzen Winterpause. Das obligatorische und eigentlich immer ganz charmante Auftakt-Testspiel am Cottaweg gegen irgendeinen lokalen Viert- bis Sechstligisten fiel leider dem engen Zeitplan zum Opfer. Dafür kamen nun zum Ende der Vorbereitung die Rangers aus Schottland zu Besuch. Und erwiesen sich als nette Gäste. 4:0 hieß es am Ende im letzten Test vor der Bundesliga für RB Leipzig. Ein Resultat, das angesichts des Spiels eher noch zu niedrig als zu hoch ausfiel.

Das mochte ein bisschen erstaunen. Schließlich spielte man gegen den Zweiten der schottischen Liga. Da war etwas mehr Gegenwehr schon erwartet worden. Aber das, was man dann letztlich sah, war durchaus überschaubar. In der ersten Hälfte präsentierten sich die Rangers im Mittelfeld noch ganz passabel und spielten sich ein paar Mal gut vom Gegnerdruck frei. Aber spätestens beim letzten Pass in die Spitze war es dann mau. Und in der zweiten Halbzeit war es auch defensiv sehr überschaubar. Wenn RB Leipzig mal mit Tempo kam, war die schottische Abwehr dann doch sehr schnell sehr überfordert.

Auf Seiten von RB Leipzig konnte man eigentlich annehmen, dass dieses letzte Testspiel schon ein wenig dazu genutzt wird, die Formation für das Spiel gegen Frankfurt zu testen. Allerdings hatte Ralph Hasenhüttl schon vor dem Spiel angekündigt, dass man doch noch mal einiges probieren werde. Und so kam es dann auch. Insgesamt kamen 22 Spieler zum Einsatz. Für so ein letztes Testspiel vor dem Rückrundenstart (nennen wir ihn einfach mal so, auch wenn das Frankfurt-Spiel genaugenommen noch zur Hinrunde zählt) ziemlich viele Akteure.

Dabei gab es mehrere Erstaunlichkeiten. Das fing schon auf der Torwartposition an. Dort spielte Peter Gulacsi als etatmäßige Nummer 1 nicht etwa durch, sondern wechselte sich zur Pause mit Marius Müller ab. Das heißt vermutlich nicht, dass Gulacsi für das Spiel gegen Frankfurt in Frage steht. Aber es ist vielleicht trotzdem doch ein kleiner Fingerzeig darauf, dass man bei RB schon auch versucht, den Konkurrenzkampf im Tor hochzuhalten bzw. höher zu halten als noch im letzten Sommer.

Auch die Formation der ersten Halbzeit durfte durchaus ein wenig überraschen. Oliver Burke und Davie Selke bekamen dort ihre Chance, sich für einen Pflichtspieleinsatz zu empfehlen. Forsberg (der ja die nächsten drei Spiele gesperrt fehlt) und auch Poulsen saßen dafür erstmal auf der Bank. Gerade bei Poulsen war das ein wenig überraschend.

Selke zeigte sich enorm bemüht, aber auch glücklos bei zwei Schusschancen. Bei anderen Situationen und Zuspielen im Strafraum kam er einen Schritt zu spät, sodass er torlos blieb. Oliver Burke zeigte derweil seine Qualitäten, wenn man ihm den Ball in Situationen in den Fuß spielt, in denen er ein wenig Raum vor sich hat. Dann ist er mit Physis und Geschwindigkeit eine absolute Rakete, wie er auch beim 2:0 zeigte. Ansonsten fehlt ihm weiterhin manchmal ein wenig das Gefühl, wann er wo zu stehen hat. Aber seine Perspektiven auf Einsatzzeit und mehr Einsatzzeit als in der Hinrunde sind weiterhin sehr gut. Wenn der Schritt in die Startelf auch weiterhin nicht ganz nah sein mag, wenn denn alle fit und einsatzfähig sind.

Von allen 22 RB-Spielern auf dem Feld spielte lediglich Marvin Compper durch. Dies darf man wohl vor allem als Fingerzeig verstehen, dass er nach seiner Verletzungszeit noch mal eine gute Portion Spielpraxis brauchte. Insgesamt machte er ein gutes Spiel, sodass die Innenverteidigung Compper-Orban für die Partie gegen Frankfurt gesetzt sein dürfte.

Das gilt trotz des Debüts von Dayot Upamecano. Der 18-Jährige bekam zwei Tage nach seinem Wechsel gleich seine ersten Einsatzminuten in der Innenverteidigung. Darin zeigte er viel von den Qualitäten, die er in Sachen Physis, Ruhe am Ball und Zweikampfverhalten schon mitbringt. Aber die Abstimmung mit Compper war naturgemäß noch deutlich ausbaufähig. Vom Stellungsspiel mal ganz abgesehen. Man durfte aber schon erahnen, was aus Upamecano mal für ein phantastischer Innenverteidiger wird, wenn er denn erstmal in das Team gewachsen ist. Wahnsinnsperspektive, die der Franzose da mitbringt.

Wermutstropfen in der Partie war die Auswechslung von Naby Keita kurz vor Schluss. Der war erst zur Pause in das Spiel gekommen und ging acht Minuten vor dem Ende. Wegen Rücken- oder Hüftproblemen. Muss nicht unbedingt heißen, dass er für das Frankfurt-Spiel ausfällt, zumal es als Vorsichtsmaßnahme deklariert wurde. Dass Keita nach seiner Behandlung in Konstanz in den letzten Tagen aber nach nicht mal einer Halbzeit wieder mit Problemen kämpfte, darf zumindest ein wenig beunruhigen. Wäre für die Saison nicht unbedingt das Ideale, wenn Keita wie in der Vorbereitung immer weiter Probleme mit sich rumschleppen würde. Auch gegen die Rangers ragte er in der reichlichen halben Stunde Einsatzzeit mit seiner Ballsicherheit und seiner Dynamik wieder heraus, sodass man ihn gern konstant auf dem Feld sehen würde.

Positiv auffällig weiterhin auch Timo Werner, der offensiv machen konnte, was er wollte. Ein Tor und zwei Vorlagen sprangen dabei dann heraus. Marcel Sabitzer spielte auch eine herausragende Partie, solange er mitwirken durfte. Ballsicher, präsent und defensiv sehr aktiv. Dazu ein Traumpass zum 1:0. Kein Vergleich zum kranken Sabitzer, wie er sich noch im Test gegen Ajax Amsterdam über den Platz schleppte.

Insgesamt war es ein sehr überzeugendes Testspiel von RB Leipzig gegen etwas zu schwache Gäste. In der ersten Halbzeit fehlte manchmal noch der direkte Weg zum Tor. Bzw. fehlte der letzte genaue Pass. Trotzdem machte man zwei blitzsaubere Tore. In der zweiten Halbzeit gab es dann noch mehr als in der ersten Halbzeit diverse Torgelegenheiten. Mehr als zwei weiter Treffer (beide durch Poulsen) sprangen aber nicht heraus. In der zweiten Halbzeit waren die Rangers mit ihrer Defensive und ihrem Spiel aus der Defensive aber auch nicht mehr konkurrenzfähig. Solange sie dies in der ersten Hälfte waren, zeigten sie auch immer wieder die Probleme auf, wenn RB nicht im ersten Anlauf im Mittelfeld den Zugriff findet. Aber am Strafraum verteidigte Leipzig meist sicher, sodass die einzig wirklich gefährliche Situation für das RB-Tor erst kurz vor dem Schlusspfiff zu verzeichnen war.

Aus dem Nachwuchs von RB Leipzig bekamen Dominik Franke und Kamil Wojtkowski (beide 18) auch gegen die Rangers eine Chance. Damit sind die zwei die einzigen, die auf dem Platz standen und nicht zum Profikader gehören. Schön für sie. Ob das nur eine Episode bleibt oder mehr daraus wird, ist aber nicht zu beantworten. Im Sommer bekamen auch Dadashov, Janelt oder Beiersdorf Einsatzzeiten. Längerfristig Bestand hatte das nicht.

Systemtechnisch hat sich bei RB Leipzig wenig bis nichts geändert. Es bleibt beim 4-2-2-2. Mit Anpassungen, die sich durch den Gegner oder das eingesetzte Personal begründen. Besetzungstechnisch dürften dabei viele Positionen Richtung Frankfurt-Spiel schon vergeben sein. Mal von möglichen Verletzungen abgesehen, sollten Gulacsi, Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg, Demme, Keita, Sabitzer, Werner und Poulsen gesetzt sein. Bleibt noch eine Position und da würde die Frage nach Stand der Dinge wohl Ilsanker auf der Sechs und Keita auf der Zehn oder Keita auf der Sechs und Burke oder Kaiser auf der Zehn heißen. Wenn Keita ausfällt, bliebe nur noch die Frage Kaiser oder Burke übrig..

Fazit: Ein guter letzter Test vor der Bundesliga von RB Leipzig. Vor allem wenn man es im Vergleich zum 1:5 gegen Ajax Amsterdam vor kurzem sieht. Viel Bedeutung sollte man dem aber nicht zumessen. Dazu waren die Gäste über 90 Minuten gesehen zu schwach. Dass viele RB-Spieler Einsatzzeit bekamen und gleich 16 Spieler mindestens 40 Minuten spielten, kann man auch als Versuch interpretieren, die Rotation im Team etwas größer anzudenken als noch in der Hinrunde. Vielleicht war es zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung aber auch nicht sonderlich aussagekräftig.

Randbemerkung 1: Schnee hat man rund um die Red Bull Arena in der jüngeren Vergangenheit praktisch nie gehabt. Der Wahnsinnswinter vor vier Jahren, als in der Regionalliga wochenlang fast alle Spiele ausfielen und auch das RB-Spiel gegen Lok dem Schnee zum Opfer fiel, war die letzte große Winterausnahme. Gegen die Rangers gab es für das Stadion wieder mal einen kleinen Wintertestlauf. Insgesamt schneite es aber wohl zu spät und war es tagsüber zu warm, um schon vor dem Anpfiff zu einem Problem zu werden. Für den Platz ist Schnee sowieso kein Problem. Der Knackpunkt waren schon immer die offenen Treppenzugänge, die schnell mal zu einer extremen Eisfläche werden können. Und zumindest nach der Partie gegen die Rangers durchaus ordentlich gefährlich glatt waren. Problematisch nicht nur die Treppen zum, sondern auch im Stadion, wenn Schnee bei Frost hineingetragen wird und dort dann am Beton friert und zu Eis wird. Das war gegen die Rangers überhaupt kein Problem. Spiegelglatte Treppen vor allem beim Zugang zum Stadion könnten aber auch in der Zukunft der Red Bull Arena immer mal wieder zu einem Problem werden, dessen man sich im Zuge eines Umbaus vielleicht auf irgendeine Art und Weise annimmt. Wenn man nicht nur darauf hoffen will, dass es einfach nur ganz selten krasse Wintereinbrüche (bzw. gleichzeitig Frost und Niederschlag) gibt.

Randbemerkung 2: Irgendwann hatte man vor dem Spiel so langsam das Gefühl, dass es vor allem um anreisende und singende Schotten und nicht um das Match selbst geht. Was dann in Livebildern vom Fanmarsch der Rangers-Fans zum Stadion gipfelte. Bis zu 8.000 Gästefans waren von den Rangers selbst angekündigt worden. Eine Zahl, die in Deutschland begeistert aufgenommen wurde. Am Ende waren irgendwas zwischen 4.000 und 5.000 Rangers-Fans im Stadion. Immer noch eine krasse Zahl für ein schlichtes Testspiel im Januar. Aber für die Rangers-Fans war es nach Insolvenz und Wiederaufstieg so etwas wie ein vorgezogenes Europapokal-Spiel. Und nach Deutschland fahren und dort viel Bier übers Wochenende trinken, war wohl für viele auch kein schlechter Plan. Ungewöhnlich deshalb die Atmosphäre für ein Testspiel, auch wenn die Rangers-Fans im Laufe des Spiels immer leiser wurden.

Randbemerkung 3: Mit nationalen Testgegnern auf hohem Niveau hat es RB Leipzig weiterhin schwer. Da will nicht jeder sportliche Leiter eine Diskussion mit Teilen der eigenen Fans heraufbeschwören, ob man denn gegen RB Leipzig testen darf oder nicht. International hat man diese Berührungsängste in der Vergangenheit selten gehabt. Auch bei den Rangers gab es diesbezüglich nichts zu hören. Ganz im Gegenteil, mit „new friends“ bezeichneten die Rangers die Leipziger auf dem offiziellen Twitteraccount. Ist ja für RB auch mal ne hübsche Abwechslung zu den meist eher distanzierten Social-Media-Strategien hiesiger Bundesligisten in Bezug auf den RasenBallsport.

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Tore: 1:0 Werner (21.), 2:0 Burke (43.), 3:0 Poulsen (63.), 4:0 Poulsen (80.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulácsi (46. Müller) – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Demme (51. Khedira) – Sabitzer (46. Kaiser), Burke (46. Keita) – Werner, Selke (46. Poulsen)

Aufstellung RB Leipzig ab der 62. Minute: Müller – Schmitz, Upamecano, Compper, Halstenberg (76. Franke) – Keita (83. Gipson), Khedira – Kaiser, Forsberg – Werner (76. Wojtkowski), Poulsen

Aufstellung Rangers: Foderingham (46. Gilks) – Tavernier (46. Hyndman), Hill (68. Forrester), Kiernan, Wilson, Toral, Miller (68. O’Halloran), McKay (46. Waghorn), Windass (46. Hodson), Halliday, Holt (68. Senderos)

Zuschauer: 18.780 (davon 4.500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht

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Bisherige Testspiele 2016/2017

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Testspieltorschützen 2016/2017

Selke – 9; Werner – 7; Poulsen – 5; Boyd – 3; Compper, Keita, Bruno, Kaiser, Burke – je 2; Beiersdorf, Klostermann, Dadashov, Sabitzer, Nukan, Halstenberg, Khedira, Palacios, Forsberg, Kalmár – je 1; Eigentore – 2

Testspieleinsatzzeiten

  • Schmitz – 661 Minuten
  • Kaiser – 611 Minuten
  • Orban – 605 Minuten
  • Khedira – 526 Minuten
  • Poulsen – 511 Minuten
  • Demme – 493 Minuten
  • Werner – 482 Minuten
  • Halstenberg – 464 Minuten
  • Keita – 458 Minuten
  • Ilsanker – 430 Minuten
  • Müller – 405 Minuten
  • Compper – 403 Minuten
  • Forsberg – 382 Minuten
  • Boyd – 379 Minuten
  • Gipson – 366 Minuten
  • Gulacsi – 360 Minuten
  • Nukan – 358 Minuten
  • Kalmár – 349 Minuten
  • Sabitzer – 341 Minuten
  • Selke – 315 Minuten
  • Coltorti – 315 Minuten
  • Reddemann – 315 Minuten
  • Bruno – 306 Minuten
  • Diawusie – 194 Minuten
  • Bernardo – 184 Minuten
  • Janelt – 180 Minuten
  • Beiersdorf – 180 Minuten
  • Burke – 157 Minuten
  • Klostermann – 135 Minuten
  • Jung – 135 Minuten
  • Fechner – 135 Minuten
  • Grauschopf – 133 Minuten
  • Franke – 123 Minuten
  • Strauß – 90 Minuten
  • Palacios – 90 Minuten
  • Wojtkowski – 83 Minuten
  • Dadashov – 45 Minuten
  • Chabot – 45 Minuten
  • Siebeck – 45 Minuten
  • Martinovic – 45 Minuten
  • Upamecano – 29 Minuten
  • Papadopoulos – 12 Minuten

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Timo Werner präsentierte sich gegen die Rangers aus Glasgow in prächtiger Form. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Glasgow Rangers 4:0“

  1. Da ja die Lichtblicke diesmal fehlen, waren für mich die besten Leute auf dem Platz: Werner, Ilsanker, Bernardo. Letzterer ist mir neulich mal im Supermarkt begegnet. So ein schmaler Jüngling! Da ist es schon erstaunlich, wie robust und konstant er spielt.

  2. Wie immer hervorzuheben Diego „Kämpfer .“ Demme , selbst im Testspiel äußerst engagiert bei der Sache .
    Upa in der letzten Szene mit grossen Stellungsfehler, aber ich denke das wird noch .
    Zu Oliver Burke treffend analysiert, leider Selke wirkt leider Plan und ziellos etwas verloren auf dem Platz.

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