Dekret des Zentralkomitees der RB-Einheitsfanclubs

Das Zentralkomitee der Einheitsfanclubs von RB Leipzig ist das wichtigste Fangremium. Bei aller Einigkeit unterscheidet uns nichts. Aus Anlass des zurückliegenden Auswärtsspiels beim 1.FC Köln möchten wir als Fans von RB Leipzig erklären, was diesen, unseren Club besonders macht.

Tradition

Traditionsverein ist ein Kampfbegriff, der oft treffend benutzt wird. Das haben wir zutiefst verinnerlicht. Unsere Tradition ist der Kommerz und unser Gründungsdatum ist uns völlig egal. Immerhin ist die Quersumme 11. Tradition ist für uns ein Synonym für „Zukünftig wird alles besser“. Schon Dietrich Mateschitz prägte den Satz, dass wir in 500 Jahren immer noch 100 Jahre jünger sind als unsere Konkurrenten. Oder so ähnlich. In diesem Geist steht RB Leipzig als Erbe einer Vereinstradition, die immer jung und seiner Zeit weit voraus sein wird.

Tradition, das sind die Werte, die dieser Club hochhält: Jugend, Jugend, Jugend – und ein Schluck aus der Dose. Es sind die Geschichten um Marketingerfolge, Daueraufstiege und Rekordtransfers. Eine Vereinszukunft kann man sich träumen, die Erfolge nicht. Deshalb wird jeder Fußballfan RB Leipzig kennenlernen und deshalb werden wir in 500 Jahren Rekordmeister sein.

Fans

Wir sind ausschließlich Erfolgsfans und finden es prima, immer nur aufzusteigen und aufzusteigen. Deswegen fordern wir die Erfindung neuer Ligen, um weiter aufsteigen zu können. Von unseren Erfolgsfans leben wir. Und wir schließen die Misserfolgsfans rigoros aus, weil sie so schrecklich fatalistisch und destruktiv sind. Wir fahren nach München und nie nach Aue – und spielen jedem Club das Stadion leer. Wir spielen nur Lieder von anderen und wollen nichts aus Leipzig singen, nicht nur weil es die Stadt der Prinzen ist. Wir gehören RB Leipzig und setzen dessen Belange um. Die Trikots unseres Clubs sind zwar aktuell rot und weiß, aber wir wünschen uns jedes Jahr neue Farben, die vom Sponsor ausgesucht und vom Designer möglichst wahllos zusammengemixt werden.

Mitglieder

Der RasenBallsport Leipzig e.V. ist mit weniger als 20 stimmberechtigten Mitgliedern der kleinste Großverein Deutschlands. Die Mitgliedschaft ist eine Auszeichnung für besonders erfolgsorientierte Fans und wird nur gegen die Einzahlung eines höheren Lottogewinns ausgesprochen. Mitglied bei RB Leipzig zu sein, heißt wirklich: auf Mitgliederversammlungen Powerpointpräsentationen über die goldene Zukunft gucken, Champagner trinken und anschließend im Konferenzsessel wegschlummern – ohne dabei den bezahlten Profis auf allen Ebenen ihre Arbeit, die sie als Red Bullianer leisten, schwer zu machen.

Heimat

RB Leipzig ist ein Fußballunternehmen, das seinen Standort am liebsten im Zehnjahresrhythmus wechselt. Auch Mecklenburg-Vorpommern hat sich mal einen Bundesligisten verdient. Weil Leipzig eine Metropole mit ein paar annehmbaren Attraktionen ist, ist es auch egal, ob jeder was mit RB Leipzig anfangen kann oder der Verein mal ein paar Jahre weg ist. RB Leipzig hat seine Heimat überall dort, wo Menschen aufsteigen wollen. Wir hassen Karneval und Spaß, ziehen beim CSD Fresse, überlassen die Menschen in der Region ihrem Schicksal und interessieren uns kein bisschen für städtische Belange. Jugendspieler müssen aus mindestens 200 km Entfernung kommen. Spieler aus dem Ausland werden präferiert. Unser Nachwuchsleistungszentrum ist voll von familienbefreiten Jungs, die nicht mal wissen, in welcher Stadt sie sich gerade befinden.

Cottaweg

RB ist unnahbar. Aus Prinzip. Die vorübergehende Heimat, der Cottaweg, ist ein eingezäunter Hochsicherheitstrakt, in den man nicht hinein und aus dem man auch nicht wieder heraus kommt. Fans und Bürger dürfen sich über Dokumentationen auf Sky gegen Zahlung von Zusatzgebühren darin umgucken. Öffentliche Trainingseinheiten halten wir für überflüssigen Firlefanz von überflüssigen Traditionsteams. Unsere Spieler sind unser Kapital und deswegen vor dem Zugriff schwitziger Fanhände oder vor den Fragen schmieriger Presseheinis zu schützen. Jugendspieler werden streng separiert von allen anderen im Keller gehalten, sodass RB Leipzig das ist, was viele andere Vereine gerne wären: ein großes soziologisches Experiment.

Identität

RB Leipzig ist heimat- und charakterlos, ein beliebiger, austauschbarer Club, bis auf den großen Vorsitzenden Didi (wie wir vom Zentralkomitee ihn nennen dürfen, für alle anderen Mister Mateschitz). Weltkonzerne neben unserer Dose dulden wir nicht, eine feste Verbindung von Sponsoren zu Leipzig und (bäh) der Region lehnen wir vollumfänglich ab. Unsere Bullen reiten durch die Weltgeschichte und walzen alles nieder. Dafür werden sie in 500 Jahren berühmter sein als der dann schon lange tote Hennes XLVII. Weil Getränkehersteller ewig leben.

Marke

Wenn wir Begriffe wie „Marke“ oder „Unternehmen“ hören, leuchten unsere Augen und unsere Herzen beginnen zu hüpfen. Der einzige Grund, warum wir uns diesen langweiligen Fußballquatsch antun, ist das, was wir im Wappen tragen: die Dose. Der Dose gilt unsere Hingabe, unsere ganze Leidenschaft und selbst der arbeitsfreie Weihnachtsabend hat nur diesen einen Zweck. RB Leipzig verehrt seine Dose nicht, um damit den Fußball emotional aufzuladen oder den Club noch berühmter zu machen, als er sowieso schon ist und für immer sein wird. Die Dose ist es, die uns so stark macht.

Leere Stadien mit eingespielter Fanmusik sind keine Selbstverständlichkeit sondern harte Arbeit. Uns als Fans von RB Leipzig sind die Attraktivität der Liga und der sportliche Wettbewerb egal. Hauptsache wir stehen am Ende ganz oben. Dafür sind wir auch jederzeit bereit, Regeln zu brechen oder einfach neue zu erfinden.

Fußballvereine wachsen und schrumpfen.

Spieler kommen und gehen.

Unsere Dose bleibt für immer plus zehn Jahre.

Den Inhalten dieses Dekrets haben alle Fans von RB Leipzig ab sofort Folge zu leisten. Das Papier ist von allen Fanclubchefs binnen sieben Tagen ohne Rücksprache mit den Fanclubmitgliedern zu unterzeichnen und an das Zentralkomitee zurückzusenden. Ein Überschreiten der Frist hat einen sofortigen Ausschluss des Fanclubs und das Abschieben zu einem Traditionsclub oder in besonders schwerwiegenden Fällen zum 1.FC Köln zur Folge.

Zentralkomitee der Einheitsfanclubs von RB Leipzig im September 2016.

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Unsere Brüder im Herzen (die AG Fankultur des 1.FC Köln) haben kürzlich auch eine Erklärung veröffentlicht.

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26 Gedanken zu „Dekret des Zentralkomitees der RB-Einheitsfanclubs“

  1. Ist leider nicht so witzig wie Du wohl denkst.
    Keiner außerhalb der Einheitsfanclubs von RB Leipzig
    wird das als das sehen was Du beabsichtigst.
    Wird eher als Wahrheit, Selbstkritik und Erkenntnis
    gesehen werden.

    1. Damit kann Satire und damit kann ich leben. Der Blog ist reich an allerlei Anmerkungen in alle Richtungen rund um RB Leipzig. Da kann man schon gut rausfinden, wofür das alles steht und wofür nicht.

    2. @truckle: Du gehst bestimmt zum Lachen in den Keller. Das einzige, was man Matthias vorwerfen kann, ist, dass es trotz aller Mühe nicht gelungen ist , das Original an kabarettistischen Inhalt zu toppen. Aber das ist wohl auch nicht möglich. Für soviel Schwachsinn muss man wohl aus einer Karnevalsregion kommen.

    3. Sehe ich auch so, leider …

      Natürlich sehr gut geschrieben, aber nur intern lustig.

      Externe werden es meist nicht verstehen..

    4. Ich verstehen den Text schon genauso wie er gemeint ist. Allerdings entsprechen zumindest die Punkte Mitglieder und Heimat doch zu 90% der Realität!

      Red Bull hat sich für Leipzig entschieden, da Salzburg nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat und es in Deutschland keine andere größere Stadt gab die ins Beuteschema passte. Es wurden ja andere Standorte geprüft, aber in Leipzig passte halt am meisten. Es gibt das tolle Stadion, eine große Sehnsucht nach Profifußball und vor allem keine direkte Konkurrenz!
      Die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder ist auch nicht übertrieben, wobei ich das mit dem Champagner natürlich nicht beurteilen kann.

      Insgesamt ist der Text ganz nüchtern betrachtet näher an der Wahrheit, als das er sich irgendwelcher übertriebenen Klischees bedient.

      Was die anderen Punkte wie Fans oder Marke angehen, merkt man zwar was mit dem Text beabsichtigt ist, aber dafür ist er mir zu nah an der Realität.

      Unglaublich aber wahr, da sind einem ja schon fast die Ho$$enheimer lieber. Die stehen mittlerweile dazu was sie sind. Das macht den Verein nicht sympathischer und rechtfertigt ihn auch in keinster weise, allerdings stehen die zudem was sie sind!

    5. Wer nicht über sich selber und seine festgegangenen Ansichten lachen kann, findet das Dekret natürlich nicht lustig.
      Hey, es ist doch nur Fussball, oder habe ich etwas verpasst?

    6. Jetzt bitte nicht beleidigt sein, lieber Truckel, wir trinken auch Champagner statt Bier 🙂 Ach ja, Eintritt zahlen wir auch nicht.

  2. Man kann dies als Zäsur bezeichnen.
    Der Brauseblogger verlässt die Linie des von aussen blickenden und stürzt sich in die infanalische Schlacht ums Fansein! Herrrlich…

    Willkommen. Gerade wenn man Wahrheit und Wahnsinn kaum von einander unterscheiden kann, wird Satire gut…

  3. Irgendwie war bei dir auch schon mal mehr Langmut und Resilienz. Ich verbuche das mal als ungewollte Nebenwirkungen deiner täglichen Beschäftigung mit RBL und allem drum und dran. Sachliche Auseinandersetzung steht dir besser zu Gesicht als dieser etwas infantile Beitrag.

    1. @Wuppertaler: Vielleicht ging es ihm genau darum, Anderen den Spiegel vorzuhalten und deren infantile Beiträge zu entlarven, als das, was sie sind. Sieht halt jeder so durch seine Brille…

    2. Eher Nebenwirkungen aus der längjährigen Beschäftigung mit solchen Patienten…

    3. Habe gerade deinen Kommentar unter dem Bockcast gelesen: bestärkt meine Meinung von heute morgen, dass dies eher dein Stil ist als dein Satire-Versuch von heute morgen.

    4. Ach naja. Ist halt ne kleine Satire. Vielleicht gelungen, vielleicht nicht. Sicher eine Frage des Standpunkts. Aber eine kleine Überzeichnung des Klischeebilds, was sich im Abarbeiten an RB bei der AG Fankultur gezeichnet hat, war quasi naheliegend. Wird auch nicht stilbildend für den Blog hier, versprochen. 😉

  4. Großartig! Ich habe mich köstlich amüsiert. Das Dekret ist schon zu unserem Fanclubchef unterwegs, und wehe, er unterzeichnet es nicht.

  5. Pff, ich unterschreibe nicht. Mir fehlt da das Kleingedruckte.
    – darf Rasenballsport Freundschaftsspiele gegen Nicht-Kommerz-Mannschaften austragen?
    – ist es erlaubt, diverse Schädel wie Ziege, Zebra usw in den Innenraum abzulegen?
    – das Recht auf Fangehalt und Freikarten
    – das neue schwebende 100000-Mann-umfassende Dosen-Stadion am Ende der Stadt
    – das sonntägliche Dosengebet mit OM und RR und dem Singen aller Hymnen
    – neue Namensgebung (alle Vornamen beginnen mit R + Nachnamen mit B)

    1. Na spätestens nach diesem Dekret ist doch ein Fan-Vertrag mit Red Bull unausweichlich. Irgendwie muß endlich das wöchentliche Deputat an Red Bull her oder wofür singe ich mich im Stadion heißer.

  6. „Ist leider nicht so witzig wie Du wohl denkst.“
    – Man muss den Text nur laut lesen und von Zeit zu Zeit an passender Stelle ein karnevalistisches Tah-Tah ertönen lassen. Dann kringelt man sich 😉

    „Dafür werden sie in 500 Jahren berühmter sein als der dann schon lange tote Hennes XLVII.“
    – Ich hoffe, deine Zählung stimmt. Derzeit ist es wohl der VIII. Der Wikipedia-Eintrag zu Hennes liest sich übrigens wie Realsatire: https://de.wikipedia.org/wiki/Gei%C3%9Fbock_Hennes 😉

  7. Hut ab. Ich habe das mit Genuss gelesen. Sehr gut geschrieben. Ich als RB Fan habe schön gelacht, vor allem die Seitenhiebe.
    Schon klar was RedBull hier so beabsichtig aber scheiß drauf. Guter Fußball muss in die Region 25Jahre musste man warten.
    Ohne RedBull wäre hier immer noch nichts vorhanden.
    Und der Weg der BuLi ist klar – mehr und mehr hin zu einer ähnlichen Form wie in England. Das wird kommen wie das Amen in der Kirche. RedBull hatte mMn schon den richtigen Riecher gehabt.
    Egal ich fand’s amüsant.
    P.S.: ne Druckversion wäre gut 🙂

  8. Etwas ernster als Du, lieber „RBB“ kurz vor einer besonderen Ehrung, zu der ich Dir schon vorher anerkennend gratuliere, sollte man schon die Ursachen analysieren, warum man immer wieder, besonders in fremden Stadien und damit in meistens hitziger Atmosphäre, statt die überraschend guten Leistungen und Ergebnisse der “RaBa“ – Fußballer gewürdigt zu bekommen, primär von unangenehmen Begleiterscheinungen hören, schreiben und sprechen muss! Es gehört leider gegenwärtig einfach dazu, dass in den Berichterstattungen bei den Auswärtsspielen die Meldungen von Polizeischutz mit Pfefferspray- und Schlagstockeinsätzen, Sitzblockaden, organisierten Ultrafanprotesten, Reifenstecher, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Raubdelikte usw. fast mehr Aufmerksamkeit erhalten als die derzeitigen fast durchweg gelungenen Spielzüge der Leipziger Fußballer, die in dieser Art der Präsentation vor Beginn dieser Saison kaum zu erwarten waren!

    Speziell in Köln haben die eigenen „Krawallmacher“ die allgemeine Bewunderung des sportlichen Aufschwungs ihrer „Geißböcke“ mit fast unkontrollierbaren Aktionen, wo das Bewerfen des Leipziger Busses mit Eiern nur ein kleines Delikt war, gleich wieder beschädigt. So kann es doch in unseren Stadien und deren nähere Umgebung nicht weitergehen!

    Mit der brisanten „Dekret“ – Vorlage, bei der übrigens die AG des Kölner 1.FC unfreiwillig mitgeholfen haben dürfte….. das u.a. ein früher oft benötigtes Wort in der Überschrift hat, könnte allerdings der gut gemeinte und artfremde, aber zu diesem Zeitpunkt etwas ungünstige Satire-Versuch nicht unbedingt zu einer zukünftigen Beruhigung auf den Traversen beigetragen haben!

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