Kaiser macht den Unterschied

Von seiner Ankunft bei RB Leipzig im Sommer 2012 an war Dominik Kaiser entweder zentraler defensiver Mittelfeldspieler oder einer der Achter im 4-3-1-2 bis 4-3-3. Sechser hätte man als Position, von der aus Kaiser das Spiel lenken kann, lange für optimal gehalten. Achter ging, das zeigte insbesondere die Hinrunde der dritten Liga, auch ziemlich gut.

Seit dem Spiel in Duisburg ist Dominik Kaiser nun als mehr oder minder zentral-offensiver Spieler, quasi als freies Offensivradikal unterwegs. Man mag das ja angesichts des hohen Niveaus eines Dominik Kaisers, der von vielen Beobachtern in der vergangenen Saison als jenes Puzzlestück angesehen wurde, das vorher gefehlt hatte, nicht glauben, aber der Positionswechsel hat noch einmal dazu geführt, dass beim Mittelfeldmann ein weiterer Knopf aufgegangen ist.

Dominik Kaiser spielt die neue Rolle in einer Art und Weise, dass man sich fragt, warum er nicht schon früher auf dieser Position gelandet ist. Wobei in Bezug auf diese Frage Thiago Rockenbach für die vergangene Saison eine Antwort ist und für die aktuelle Saison sich das Trio Kimmich, Ernst, Kaiser im defensiveren Mittelfeld festgespielt hatte. Erst die Verpflichtung von Diego Demme führte vor dem Duisburg-Auwärtsspiel zu der Frage, wer aus dem Quartett Kimmich, Ernst, Kaiser, Demme auf die Bank müsse und zu der verblüffenden Antwort: niemand, weil Kaiser ja auch Zehner könne.

Letztlich bringt Kaiser auf der Zehn etwas in die Mannschaft, was bis dato in dem Drittligajahr fehlte, nämlich ein Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff, einer der dort auch einmal mit feiner Technik den Ball halten und eine Eins-gegen-Eins-Situation gewinnen kann, sodass das Team nachrückt und bei Ballverlust sofort zum Gegenpressing bereit ist. Taktisch versuchte RB Leipzig ähnliches, wenn man das 4-3-1-2 mit einem hängenden Stürmer (Thomalla, Frahn) spielte. Der Erfolg dieser Idee war jedoch in Bezug auf die spielerischen Folgen gering.

Weswegen das Mittel der Wahl bisher eigentlich oft entweder das schnelle Spiel in die Tiefe auf die Stürmer nach Balleroberung im Mittelfeld  oder der lange hohe Ball und die Eroberung des zweiten Balls war. Erstere Variante wurde von den Gegner inzwischen etwas neutralisiert, indem sich die Verteidiger nach Ballverlust sofort in die Tiefe fallen lassen und so auf den Geschwindigkeitsnachteil dadurch reagieren, dass sie zu tief stehen, um überlaufen werden zu können. Zweitere Variante ist gegen die robusten Kanten in den Drittligadefensiven insgesamt schwierig umzusetzen, selbst wenn sich bspw. ein Yussuf Poulsen in jeden Ball wirft.

Die Variante einer flexiblen und ballsicheren Zehn ist dementsprechend eine gute und in Bezug auf den sportlichen Erfolg in der Restsaison vielleicht nicht unwichtige taktische Idee, auf die die Gegner auch erst mal wieder adäquat reagieren und Gegenmittel finden müssen. Und falls sie ein passendes Gegenmittel finden, dann gehen an anderer Stelle wieder andere Lücken auf.

Was Kaiser über das spielerische Element auf der Zehn so überaus unangenehm für den Gegner macht, sind seine Fähigkeiten in der Balleroberung. Kaiser ist einer, der es aus der Mittelfeldzentrale gewohnt ist, permanent den Ball zu jagen und auch zu wissen, wie man ihn im besten Fall erobern kann (was ja nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch der Zweikampftechnik ist). Mit Kaiser auf der Zehn wachsen also nicht nur die Möglichkeiten, den Ball in des Gegners Hälfte zu behaupten, sondern auch, den Ball noch näher am Strafraum des Gegners zu erobern.

Abgesehen von den spieltaktischen Implikationen scheint die Zehn auch Dominik Kaisers Torgefahr zu Gute zu kommen. Zwei der vier RB-Tore schoss Kaiser in den letzten drei Spielen, in denen er auf der Zehn spielte, selbst. Eins bereitete er vor (Foul an ihm im Strafraum zum Elfmeter – Erfurt) und einmal war es der Passgeber zum Torvorbereiter (Duisburg). Sprich an allen vier RB-Toren war Kaiser seit seinem Wechsel auf die Zehn mehr oder minder direkt beteiligt.

Was seine sowieso schon gute Torquote in der aktuellen Saison noch mal deutlich verbessert. Insgesamt traf Kaiser 2013/2014 schon acht Mal. Damit ist er der zweitbeste Torjäger bei RB Leipzig hinter Daniel Frahn, der wegen zweier verwandelter Elfmeter noch vorn liegt, macht. Womit Kaiser auch der deutlich torgefährlichste zentrale Mittelfeldspieler der dritten Liga ist, wenn man von Vincenzo Marchese absieht, der zwar auch acht Tore schoss, aber sechsmal vom Elfmeterpunkt traf.

Letztlich weniger entscheidend als die Anzahl der Tore ist wohl die Wichtigkeit der Tore. 75% von Dominik Kaisers Toren sind Führungstreffer (insgesamt sind 58% aller RB-Tore Führungstreffer), was ein deutliches Zeichen ist, dass Kaiser vor allem auch in den wichtigen Momenten trifft. Die Tore in Darmstadt und gegen Wehen Wiesbaden waren gegen direkte Konkurrenten jeweils das einzige des Spiels. Und auch das Siegtor in Burghausen in letzter Sekunde war ein Matchwinner. Nur einmal spielte RB Leipzig noch Unentschieden (Unterhaching), wenn Dominik Kaiser zur Führung einschoss.

Lediglich ein Kaiser-Treffer führte zum Ausbau der eigenen Führung. Und auch das war mit dem 2:0 in Heidenheim kein 0815-Treffer. Weder in der grandiosen Ausführung, noch in der Spieldramaturgie. Und der letzte und achte Treffer war ein Anschlusstreffer und zwar der gegen Rostock (per direkt verwandeltem Freistoß).

Nicht nur, dass Kaiser prozentual deutlich häufiger als erwartbar Führungstreffer und damit wichtige Tore erzielt. Wenn Kaiser trifft, dann ist auch die RB-Siegbilanz mit sechs Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage deutlich überdurchschnittlich. Gewinnt RB Leipzig insgesamt 56% der Spiele (16 % Unentschieden, 28% Niederlagen), sind es bei Spielen mit Kaiser-Treffer 75% Siege (12,5% Unentschieden, 12,5% Niederlagen).

Kaiser auf die Zehn zu schieben, war ein sehr guter Schachzug, von dem wegen des Kreuzbandrisses von Henrik Ernst unklar ist, ob er dauerhaft weitergeführt wird. Im Sinne der spieltaktischen Flexibilität wäre es sicherlich wünschenswert und im Sinne des nicht geringen Einflusses Kaisers auf die Torgefahr von der Zehn aus, würde es auch Sinn machen. In jedem Fall spielt Kaiser, selbst gemessen an den hohen Ansprüchen, die man an seine Person immer hat, eine gute Runde und ist auch sehr gut aus der Winterpause gekommen. Könnte im Aufstiegsrennen letztlich den Unterschied machen.

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4 Gedanken zu „Kaiser macht den Unterschied“

  1. „….Erst die Verpflichtung von Diego Demme führte vor dem Duisburg-Auwärtsspiel zu der Frage, wer aus dem Quartett Kimmich, Ernst, Kaiser, Demme auf die Bank müsse und zu der verblüffenden Antwort: niemand, weil Kaiser ja auch Zehner könne…..“

    … nicht umsonst war A.Z. Jahrgangsbester… 😉

  2. Stellt sich natürlich die Frage: weshalb sind Spiele mit Kaiser-Treffern 17% mehr Siege? Weil er in der richtigen Position steht, weil er an solchen Tagen generell bessere Form hat als sonst? Oder weil die Mannschaft als ganzes an solchen Tagen so gut agiert, dass Kaiser eben auch zum Torabschluss kommt?

    Wenn man jetzt das Wiesbaden-Spiel nimmt könnte man sagen das Team (bzw. in diesem Falle Poulsen) hat Kaiser erst in die Lage versetzt sein Tor zu schiessen. Kaiser wiederum ist natürlich Teil des Teams, aber irgendein weiteres Rädchen muss sich richtig drehen, damit er auf der 10 optimal agieren kann.

    In jedem Falle gefällt mir, dass Zorniger nicht verlegen ist mit guten neuen Ideen das Team als ganzes weiter zu entwickeln. Wenn er so weiter macht wird er noch der „Bill Bellichik“ der 3. Liga, dem kein Personalausfall lange Kopfschmerzen zu bereiten scheint… 🙂

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