Leipziger Fußball 2012/2013

In guter alter Tradition ist die Zeit reif, so kurz vor dem Saisonstart, einen Rundumblick auf die vier ranghöchsten Leipziger Verein zu werfen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich dem Treiben außerhalb des RasenBallsports immer weniger Zeit und Aufmerksamkeit widme. Was auch damit zu tun haben könnte, dass die Geschwindigkeit, in der bei RB Leipzig Neuigkeiten und Veränderungen produziert werden, aufmerksamkeitstechnisch bereits (fast) alles abverlangt.

RB Leipzig: Wie immer der große Favorit

Same procedure as every year. RB Leipzig geht als der große Favorit in die Regionalliga-Saison. Aber im Gegensatz zu den beiden Vorjahren, als man Chemnitz und Halle/ Kiel als Konkurrenten erahnen konnte, wüsste man in diesem Jahr tatsächlich nicht, welches Team die Möglichkeiten haben sollte, sich dem Favoriten in den Weg zu stellen. Zumindest nicht in der regulären Saison. Wenn RB Leipzig die Relegation erreichen und dort bspw. Holstein Kiel (oder ähnliche Kaliber) zugelost bekommen sollte, sähe es allerdings schon wieder ganz anders aus.

Doch soweit sind wir noch lange nicht. Zuerst einmal zieht man wieder als Gejagter in die Regionalliga-Arena und versucht sich des Widerstands der Konkurrenz, der auch in diesem Jahr wieder (zumindest vom Willen her) groß sein wird, zu erwehren. Mit dabei werden vermutlich in der sonntäglichen Startelf gegen Union Berlin II mit Daniel Frahn und Tim Sebastian noch zwei Spieler aus dem Saisonauftakt 2010/2011 gegen Türkiyemspor Berlin und mit Daniel Frahn, Thiago Rockenbach, Sebastian Heidinger, Fabian Franke und Henrik Ernst gleich fünf Spieler vom letztjährigen Start beim SV Meppen sein. Womit man zumindest einen Stamm von Spielern hat, die sich inzwischen in dieser Liga und ihren Gegenwind-Bedingungen auskennen dürften. Das kann letztlich nur gut sein..

Ich hatte zum aktuellen Stand bei RB Leipzig bereits unter dem Titel „RB Leipzig und der wiederholte Aufstiegsanlauf“ alles aus meiner Sicht Benennenswerte benannt. Von daher spare ich mir an dieser Stelle die weitergehende Analyse und verweise darauf, dass vieles in der Vorbereitung in die richtige Richtung lief und sich nun im Alltag beweisen muss. Oder wie es Alexander Zorniger richtig im BILD-Interview heute sagt: „Nach der guten Vorbereitung mit den deutlichen Testergebnissen würde mich ein holpriger Start nicht wundern. Die Frage ist immer, wie wir als Team mit Widerständen zurecht kommen.“ So sieht es aus. Die aktuell heile Welt und ihre Stärke muss sich vor allem in schwierigen Situationen erst noch beweisen und die Mannschaft zeigen, dass sie an solchen Situationen wachsen, daraus lernen und sogar noch besser werden kann. Das System, das man sich gerade anlacht, ist eine schöne Sache. Wenn man es nicht (auch mal mit bissigem) Leben füllt, dann wird es aber auch nicht erfolgreich sein. Oder anders gesagt, ein bisschen fighting spirit darf noch dazukommen.

Fazit: Die Spielideen, Bedingungen und Möglichkeiten von RB Leipzig sind noch besser als sie es in den letzten zwei Jahren schon waren. Jetzt muss nur noch das Runde ins Eckige. Völlig egal wie, Hauptsache ausreichend oft..

Lok Leipzig: In die Regionalliga gestolpert und gekommen, um zu bleiben

Lok ist schon ein ziemliches Phänomen. Seitdem Trainer Rainer Lisiewicz vor reichlich drei Jahren den Verein verlassen musste und Lok den eh nicht geplanten, aber möglichen Aufstieg in die Regionalliga verpasste, kann ich mich nicht erinnern, dass rund um den Verein jemals über einen längeren Zeitraum so etwas wie Euphorie entstanden wäre. Egal ob sportlich oder abseits des Feldes, irgendwo brodelte es immer. (Was eine verdächtige Ähnlichkeit zum von Lok-(Fan-)Seite oftmals zum Anti-Prinzip erhobenen Konkurrenten RB Leipzig aufweist.) Und doch stolperte man mehr oder weniger aus eigener Kraft, aber auch aus fremder Schwäche Ende der letzten Saison als Sechster der Oberliga in die neue Regionalliga Nordost und feierte somit einen Aufstieg.

Und diesen Platz wird man freiwillig nicht wieder herausrücken. Ganz im Gegenteil heißt das Ziel nun Konsolidierung auf höherem Niveau als zuvor. Sprich, der Etat wird angehoben und mittelfristig höhere Ziele angestrebt als der aktuell ausgerufene Klassenerhalt. Das aktuelle Ziel scheint angesichts der Tatsache, dass man nur zwei Teams hinter sich lassen muss, nicht sonderlich anspruchsvoll. Und könnte es aber doch werden. Denn wie so oft bei Lok ist die entscheidende Frage, welche Eigendynamik die Saison haben wird. Es sind vielerlei Szenarien denkbar, die in Plätzen zwischen gutem Mittelfeld und Abstiegsrang enden.

Das erste große Fragezeichen steht hinter dem Kader. Denn man könnte vermuten, dass eine Mannschaft, die sich mit Ach und Krach in die Regionalliga geschoben hat, eine gewisse Auffrischung brauchen könnte. Hat sie auch gekriegt, allerdings vor allem mit Spielern, deren Erfahrungshorizont nicht über die Oberliga oder die Landesliga hinausweist. Bury, Grandner, Oechsner, Wendschuch und Rolleder sind die damit verbundenen Namen. Ausnahmen bilden nur Kevin Walthier und Fatih Alemdar, die letztes Jahr Regionalliga spielten. Wobei auch dies relativ ist, denn Walthier kam mit Nürnberg II gerade mal auf 12 Einsätze (sieben Einwechslungen) und Almedar bekam mit seinen letztjährigen vier Einsätzen für den FSV Frankfurt II noch nicht mal 90 Minuten zusammen. Sprich, alles in allem wurde der Kader zwar aufgefrischt, aber nicht unbedingt auf Regionalliganiveau. Bzw. mit Spielern, bei denen völlig unklar ist, wie sie sich in der Regionalliga schlagen werden und ob sie überhaupt die Qualität haben, sich dort zu behaupten.

Ein wenig erinnert die Situation an die des FC Sachsen in der Saison 2008/2009, als man auch kurz vor Schluss noch in die Regionalliga gerutscht war und seinen Kader mit Spielern aus der Region auf Oberliganiveau auffüllte und hoffte, sich zum Klassenerhalt zu kämpfen. Die Mannschaft war damals zwar willig, aber ihr fehlte in der ersten Halbserie (in der zweiten kam dann die Insolvenz) schlicht die Qualität, um in der Liga (die sicherlich stärker war als die heutige Regionalliga) zu bestehen. Die Folge waren einbrechende Zuschauerzahlen (was nicht nur mit dem Abgang der Ultras kurz zuvor zu tun hatte),sportliche Depression und eine Abwärtsspirale, die sich nicht so recht stoppen ließ. Zumindest als Drohkulisse steht dieses Szenario für Lok auch im Raum, denn ein bisschen habe ich das Gefühl, dass man die neue Liga und deren Qualität noch ein bisschen unterschätzt. Mir geht das vor allem in Bezug auf die Aufsteiger aus der Oberliga Nord ähnlich, aber ich kann auch nicht absteigen..

Zu den sowieso schon vorhandenen grundsätzlichen Kaderproblemen bei Lok kommen dann noch aktuelle Verletzungsprobleme. Saalbach, Brodkorb, Rolleder, Racko, um nur einige zu nennen, das Lazarett bei Lok ist kurz vor dem Saisonbeginn ziemlich gut gefüllt. Was bei sowieso schon fehlender Kaderqualität ein ziemliches Dilemma ist, von dem man gespannt sein darf, wie das die restlichen Spieler lösen.

Größter Trumpf von Lok scheint aktuell Trainer Marco Rose zu sein, der mit viel Engagement und Ehrgeiz seine Aufgabe bei seinem persönlichen Herzensclub und damit die Nachfolge des auch engagierten, aber auf komische Weise abgeschwirrten Willi Kronhardt antrat.Wobei hier auch einige Vorschusslorbeeren verteilt werden, denn ob Marco Rose ein guter Trainer ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Bisher war er jedenfalls noch nicht hauptverantwortlich für ein Männerteam verantwortlich. Sprich, ob er seine Ideen von Fußball umsetzen kann und ob diese dann die richtigen sind, wird sich erst in der Praxis zeigen. Mit offenem Ausgang. Nichtsdestotrotz scheint Rose mit seinem ganzen Auftreten und Anpacken eine gute Wahl gewesen zu sein, denn wenn Lok als finanzschwacher Verein etwas gebrauchen kann, dann ist es positive Aufbruchstimmung.

Die Vorbereitung jedenfalls konnte da nicht so recht mithalten. Viel positives gab es auf Resultatseite nicht zu vermelden. Das 2:2 zuletzt gegen die nicht in Stammbesetzung angetretene Mannschaft von Victoria Hamburg (selbst Regionalligaaufsteiger) jedenfalls dürfte eher ernüchternd gewesen sein. Auf der Habenseite steht aber immerhin das emotionale Erlebnis mal vor 5.000 Leuten gegen einen Club aus der Premier League (Fulham) gespielt zu haben. Allerdings auch chancenlos gewesen zu sein.

Es wird bei Lok viel vom Start abhängen. Das erste Spiel bei Hertha BSC II ist man de facto deutlich Außenseiter, während am zweiten Spieltag mit dem Spiel gegen Torgelow bereits eine Art Abstiegsendspiel wartet. Und am dritten Spieltag wartet RB Leipzig. Holt man in Berlin einen glücklichen Punkt und holt sich dann drei gegen Torgelow könnte die Saison sich in einen euphorischen Zustand eingrooven, in dem vieles gelingt. Verliert man allerdings in Berlin und verzittert sich gegen Torgelow, dann steht man schon früh mit dem Rücken zur Wand und man erinnert sich vielleicht doch noch mal an die Saison des FC Sachsen oben.

Ich jedenfalls bin hin- und hergerissen zwischen positiven und negativen Prognosen. Für beide Seiten gibt es gute Argumente und wohin das Pendel ausschlägt, weiß niemand zu sagen. Sowieso muss ich mich aber erst mal dran gewöhnen, dass Lok nun wieder in derselben Liga wie RB Leipzig agiert. Was den Lok-Anhängern natürlich allergrößte Genugtuung ist, hätte ich in höchstem Maße verzichtbar gefunden. Denn ich fand, dass die zwei Jahre ohne das Drehen umeinander und ewiggleiche Traditions-Kommerz-Diskurse beiden Vereinen in ihrem Blick nur auf sich selbst gut getan haben. Dass man jetzt tatsächlich wieder dieses ganze Derbygedöns um Wohnzimmer, Tradition und Kommerz mitmachen muss, tut schon weh. Andererseits kommt man dadurch auch wieder mal in die angenehme Verlegenheit, ein aufregend-kribbliges Spiel zusammen mit vermutlich 20.000 Zuschauern (plus/ minus x) anschauen zu können. Dass das dank Tausch des Heimrechts für das Spiel am 02.09. die Kassen von Lok nach allen Abzügen mit einer hübschen sechsstelligen Summe füllen dürfte, ist eine nicht unwesentliche Randbemerkung des Spiels. Dass bereits Freundschaftsschals im Druck sind, ist allerdings nur ein Gerücht.

Fazit: Lok steht vor einer ziemlich ungewissen Saison. Die Liga und ihre Stärke schwer einzuschätzen, der eigene Kader einer mit vielem, was funktionieren kann, aber nichts, was funktionieren muss, dazu ein Umfeld, das sich weiter an Steffen Kubald reibt und ihn nun schon zum zweiten Mal in einer Mitgliederversammlung abgewatscht hat (diesmal indem man ihn ohne Ersatzkandidaten bei der Vorstandswahl hat durchfallen lassen), ein Trainer, der vor allem auch wegen Kubald überhaupt bei Lok arbeitet, die Saison hat viele Potenziale in alle Richtungen und ich kann mich für keine Prognose entscheiden. Außer für zwei Lok-Derbyniederlagen..

BSG Chemie und SG Leipzig Leutzsch: Weiter oheneinander miteinander

Ja nun, bleiben noch die zwei Leutzscher Vereine. Beide letztlich nur noch Schatten einer Vergangenheit, auf die sie sich beide trotzdem immer wieder berufen. Zwei Vereine, die sich anfühlen als wären sie nicht mehr viel mehr als ein leichtes Jucken einer fast vergessenen Wunde und die trotzdem so tun als wären sie eine richtige Wunde, die man immer noch jedem zeigen müsste. Dabei guckt kaum noch jemand hin. Außer natürlich die beiden Vereine treffen direkt aufeinander, dann reicht der öffentliche Reflex noch zu einem verständnislosen Kopfschütteln über das, was da scheinbar als Erbschafts- und Nachbarschaftsstreit tobt.

Dabei ist nach einem Jahr dualer Existenz zumindest klar, dass die Tatsache, dass Chemie und SG Leipzig Leutzsch lieber jeweils ihr eigenes Ding machen als zusammenzugehen, absolut nachvollziehbar und den Umständen entsprechend sogar vernünftig ist. Denn beide Lager sind sich in ihrer Rhetorik, in ihren jeweiligen Fanlagern und in ihrem Selbstverständnis derartig fremd, dass sie bis auf Farben, Stadion und Geschichte so ziemlich nichts bis gar nichts teilen. Und deswegen solange den dualen Weg gehen, bis einer der beiden Vereine in guter alter Leipziger Tradition aus wirtschaftlichen Gründen das Zeitliche segnet.

Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass das die SG Leipzig Leutzsch treffen könnte wesentlich größer ist als beim Nachbarn BSG Chemie. Denn beim besten Willen kann man sich nicht vorstellen, dass ein Verein, der hauptsächlich von städtischen Betriebskostengeldern und verschiedenen Einnahmen durch den Untermieter Chemie (Miete, Catering) lebt und darüber hinaus eine schwerlich nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlage hat, mittelfristig überleben kann. Irgendwas um die 400 Zuschauer sind die normalen Zahlen bei Heimspielen, wenn ich das richtig sehe. Auf dieser überschaubaren Menge an Fans und Interessierten einen tragfähigen Verein mit Perspektive nach oben bauen zu wollen, scheint mir eine arg anspruchsvolle Geschichte zu sein. Und da rede ich noch nicht mal von den im letzten halben Jahr medial kolportierten, aber auch immer von der SG Leipzig Leutzsch dementierten, akuten Finanzproblemen [broken Link] oder dem Streit um Sand [broken Link], der nur dem Beschummeln bei den Betriebskosten dienen soll oder eben nicht (je nach Sichtweise).

Sportlich konnte die SG Leipzig Leutzsch letztes Jahr als neuer Verein in der Landesliga durchaus überzeugen und belegte in der Endabrechnung einen recht guten sechsten Platz. Zudem wurde erst kürzlich Andy Müller von den Trainern der Liga zum besten Spieler der vergangenen Sachsenliga-Saison gewählt. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass das Ende de Fahnenstange erreicht ist. Der Nachwuchs als vielzitiertes, wichigstes Vereinsprojekt stagniert, für Spielerverpflichtungen fehlt das Geld. Der endgültige Kader wird zwar vereinsseitig erst zum Punktspielstart bekanntgegeben, aber es ist nicht davon auszugehen, dass es viele Überraschungen geben wird. Auch wenn in der Vorbereitungs bspw. der nicht gänzlich unbekannte und früher als großes Leipziger Talent gehandelte Timo Breitkopf mittestete. Der Kader der SG Leipzig Leutzsch ist insgesamt nicht schlecht besetzt, für viel mehr als Sachsenliga-Sechster wird es aber auch nächstes Jahr nicht reichen.

Das gilt ganz ähnlich für die BSG Chemie Leipzig, die aber aufgrund eines deutlich höheren und agileren Fanaufkommens mittelfristig die besseren Perspektiven haben dürfte. Was nichts daran ändert, dass man wohl finanziell aktuell nichts zuzusetzen hat und die Nachwuchsarbeit bzw. der fehlende eigene Nachwuchs, den man mit Spielgemeinschaften mit der TuS Leutzsch auffangen will, der aber gleichzeitig auch immer ein Zeichen von Unattraktivität in der öffentlichen (Eltern- und Kind-)Wahrnehmung ist, den mittelfristigen Aufbau sportlicher Perspektiven sehr schwierig macht.

Am Aufbau sportlicher Perspektiven versucht sich derzeit Chemie-Ikone Steffen Hammermüller. Mit eigenwillig unmoderner Rhetorik, wie er erst kürzlich via LVZ zeigte. Kampf, Athletik, Charakter werden da als Mannschaftsleitlinien ausgerufen. Woraus die taktische Marschroute gleich logisch folgt: „Die erste heißt Tore verhindern und die zweite Tore schießen.“ Sehr modern klingt es nicht, aber vielleicht ist man in der Landesliga ja damit sogar überdurchschnittlich erfolgreich. Zumindest würde ich in der BSG Chemie trotz fehlender größerer Neuzugänge einen kleinen Geheimfavoriten auf den einzigen Aufstiegsplatz sehen. Denn wenn sich der Verein in ein wenig euphorische Stimmung hineinspielt, ist auch dank einer nicht extrem starken Konkurrenz (bspw. RB Leipzig II und VfL Hohenstein-Ernstthal) nach Platz 7 im Vorjahr diemsal durchaus der ganz große Wurf drin. Ob der dann auch sportlich-wirtschaftlich organisierbar wäre, ist eine ganz andere Frage.

Fazit: Die BSG Chemie Leipzig und die SG Leipzig Leutzsch können nicht ohneeinander, weil sie nur gemeinsam den Alfred-Kunze-Sportpark bewirtschaften können (vom Instandsetzen oder Renovieren reden wir lieber gar nicht erst). Miteinander können sie aber auch nicht, was sich nicht zuletzt immer wieder irgendwo im Netz zeigt, wenn im Namen der jeweiligen Vereine, aber ohne deren jeweils offiziellen Vertreter, die diskursiven Wellen hochschlagen. Sportlich sind die Perpektiven für beide Mannschaften mittelfristig angesichts der Rahmenbedingungen nicht sonderlich rosig. Fantechnisch hat nur die BSG Chemie eine halbwegs akzeptable Basis (auch wenn sich weiter die Frage stellt, wie lange sich das perpetuieren lässt, wenn man sportlich stagniert). Es besteht weiter die Gefahr, dass der Fußball in Leutzsch zukünftig ohne Bedeutung sein wird, auch weil Ideen vom Stadtteilverein a la St. Pauli in einem nicht gerade hippen und lebenden Quartier wie dem Stadtteil Leutzsch ganz grundsätzlich ins Leere laufen.  Ich jedenfalls bin insgesamt eher pessimistisch für die grün-weiße Zukunft, auch wenn ich der BSG durchaus eine Überraschung zutraue.

Fazit

Es ist nicht nur die aktuelle Regionalliga-Situation schuld, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit derzeit fast vollständig auf Lok und RB konzentriert. Der Leutzscher Sechstliga-Fußball ist noch viel mehr als vor einem Jahr nur für eine sehr kleine Menge von Fußballanhänger von speziellem Interesse, auch weil die zwei Ligen Rückstand auf Lok weder kurz- noch mittelfristig und wohl auch nicht langfristig aufgeholt werden können (außer Lok leistet sich irgendwann einmal eine Insolvenz). RB hat bei all dem natürlich Glück, dass sie sich mit den Mühen der Ebene (Geld, ehrenamtliches Personal, am liebsten super Spieler für fast keinen Lohn) nicht rumschlagen müssen, sondern Spielern und Vereinsmitarbeitern mit vollen Händen eine berufliche Perspektive bieten können. Aber trotz aller unterschiedlicher Voraussetzungen und Perspektiven eint doch alle Spieler, dass sie auf grünem Rasen großes Vergnügen daran haben, einen Ball in ein Tor zu befördern. Was wieder für viele großartige Geschichten sorgen wird. Mit Verlierern und Gewinnern, sich erfüllenden und platzenden Träumen. Mal gucken, wer davon was abkriegt. Ich wünsche jedenfalls allseits viel Spaß.

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16 Gedanken zu „Leipziger Fußball 2012/2013“

  1. “ Dass das dank Tausch des Heimrechts für das Spiel am 02.09. die Kassen von Lok nach allen Abzügen mit einer hübschen sechsstelligen Summe füllen dürfte, ist eine nicht unwesentliche Randbemerkung des Spiels.“
    Beim letzten Aufeinandertreffen beider Vereine hatte RB (und damals auch der FCS) zuerst Heimrecht. Normalerweise hätte der Verband deshalb der vor der Spielplanfestsetzung vorgetragenen Bitte auf das Hinspiel mit Heimrecht eingehen müssen. Von daher empfinde ich den Heimrechttausch eher als sportliche Fairness, denn noble Geste 😉
    Beim Leutzscher Kindergarten fällt mir die mediale Beherrschung seitens der BSG auf. Offenbar muss man Vorwürfe nur oft genug wiederholen, anstatt zu beweisen. Nebenbei kann man so von der eigenen Unfähigkeit ablenken. So wurde kaum darüber berichtet das mit dem Weggang von Krause ein imho grösserer Batzen Kohle fehlen dürfte als bei SGLL durch Barthelmes. Der größte Lacher waren die 3 Punkte Abzug wegen der fehlenden Jugend, angesichts der Tatsache das die BSG ja ursprünglich gerade für diesen Zweck gegründet wurde.

  2. „Beim Leutzscher Kindergarten fällt mir die mediale Beherrschung seitens der BSG auf.“

    Beherrschung klingt mir zu verschwörungstheoretisch, aber es ist natürlich eine Tatsache, dass bei der LVZ(-Online) und bei der L-IZ (BILD interessiert das Thema nicht) Leute schreiben, die eher der BSG als der SGLL zuneigen. Warum auch immer.

  3. Dann streiche ich Beherrschung gegen Überlegenheit. Nur um das verschwörungstheoretische rauszunehmen 🙂 Es liegt auch nicht an der Zahl der Schreiber, sondern daran das keine selbstkritische Hinterfragung des eigenen Vereins vorgenommen wird.

  4. Also für mich ist das wichtigste, dass es beim Regionalliga Derby (in beiden Spielen) friedlich bleibt. Ich hab nichts gegen Schmähgesänge und verbale Konfrontationen (das macht ja Fussball und vor allem Derbys aus). Aber bitte ohne Gewalt im und um das Stadion.

    Ansonsten wünsche ich mir (abgesehen von 2 Derbysiegen) das RB nicht nur erster wird sondern auch die Relegation für sich entscheidet.
    Ich wünsche mir das LOK die Klasse (am besten vorzeitig) sichern kann.
    Und zu guter letzt wünsche ich mir das die BSG und die SGLL sich endlich besinnen und sich wieder zusammen tun. Nur so haben die Leutscher eine Chance wieder höherklassigen Fussball zu spielen.

    Zum Glück gibts die nächsten Tage viele Sternschnuppen zu bewundern so das meine Wünsche ja vielleicht sogar in Erfüllung gehen.

    Auf eine erfolgreiche Saison aller Leipziger Vereine, das der SC Freiburg nichts mit dem Abstieg zu tun hat und das alle Spiele friedlich bleiben.

    Und natürlich wünsche ich mir auch das du weiter so schön deinen Blog pflegst 😉

    Gruss
    Jack

  5. Sehr spannend zu lesen, hier und da darf man auch schmunzeln und die ganze Situation treffend analysiert. Ausgezeichnet!

    Einziges Manko…
    Roter Stern Leipzig bleibt schmerzlich vermisst! 🙁
    Deine Worte zu diesem etwas anderen Verein hätten mich auch noch interessiert. Weniger Zuschauer als SG Leipzig Leutzsch hat der, mit Pauken und Trompeten, aus der Bezirksliga geflogene Club auch nicht, dafür das „lebende Quartier“ im Rücken, welches in Leutzsch wohl nie mehr entstehen wird. Oder unterwandern die Hausbesetzer Leutzsch, falls Connewitz weiter gentrifiziert wird? 🙂

    Bitte um Update 😉

    1. ps
      Wishlist:

      RBL = Aufstieg
      FCL = Abstieg
      BSG = Aufstieg
      SGL = Auflösung
      RSL = Aufstieg

  6. @JackdR: Na, da hoffe ich für Dich, dass sich Dir keine Wolken in den Blick schieben..

    @Nachtschwester: Ach ja, die Sterne. Dazu fällt mir – zumindest sportlich – gar nichts mehr ein. Zumal es ja auch kein Verein ist, dessen Existenz von sportlichem Wachstum oder Erfolg abhängt bzw. seine Existenz ausschließlich darauf begründet (was nicht negativ gemeint, sondern nur festgestellt ist).
    Das mit dem lebenden Quartier sehe ich ähnlich. Die Sterne haben tatsächlich als einziger Club in Leipzig (wobei RB da eh in einer anderen Liga spielt) so etwas wie ein Viertel und dessen Lebenskultur hinter sich. Also genau das, was in Leutzsch zwar gesucht und versucht wird, aber zumindest geographisch nicht zu kriegen ist. Eigentlich müsste man die BSG Chemie und die Sterne kreuzen, im Leipziger Süden unterbringen und man hätte vermutlich einen Verein nach Art von Union oder St. Pauli. Fußball plus subkulturelle Soziokultur plus x. Der Stern allein hat keinen Fußball (sorry) und die Chemiker haben kein direktes Umfeld, nur jede Woche Fahrten ins nichts, mal zu Hause, mal auswärts. Kann natürlich tatsächlich mal anders werden. Die Gentrifizierung in Leipzigs Westen schiebt jedenfalls immer weiter die Schwarz-Straße runter Richtung Leutzsch (in ganz langsamen Schritten selbstverständlich)..

  7. Ja, mag sein, ich rolle hier noch mal ein leidiges Thema auf, aber zunächst sei gesagt:
    Ich mag deine sachliche Art, die Fussballgeschehnisse auf den Punkt zu bringen, besonders diesen Artikel über den Zustand der Leipziger Vereine. Zugegeben habe ich wie die Nachtschwester den Roten Stern vermisst, tatsächlich ein Verein, der fanseitig großes Sympathiepotential hat!
    Was mich trifft ist deine entgeisterte Haltung gegenüber Grün-Weiß als einstiger BSG-Anhänger. Ich frage mich, wie Leidenschaft wirklich so verloren gehen oder eben Enttäuschung zur Abwanderung führen kann, weshalb Ultras sich dem geliebten Verein abwenden (ist das typisch für Leipzig?) oder andererseits lieber über die moderne „Antitradition“ wettern?
    Du schreibst nach meiner Auffassung sehr offenherzig, was meinem Empfinden entspricht: Fair Play unter Fans. Ich bin sehr gespannt auf die Derbys zwischen Lok und RBL in dieser Saison, aber ich bin skeptisch darüber, dass es versöhnliche Gesten von Fans der Lok-Seite geben wird, was mich als Ur-Leipziger eher traurig stimmt: Wir haben (ja!) Fußballtradition in Leipzig, aber muss das denn bedeuten, dass sich noch mehr Vereine hassen?! Ähnliche Rivalitäten gab es schon zwischen Blau-Gelb und Grün-Weiß, da Lok zu Ostzeiten als Elitemannschaft gepuscht wurde. Beide Teams hatten ihre erfolgreichen Zeiten, aber kann man als Leipziger nicht einfach nur stolz darauf sein? Muss man deswegen ständig alte Dispute ausfechten und bzgl. RBL ein neues Gefecht à la Traditionsgelaber auspacken? RBL als junger Verein kann logischerweise kaum von Tradition sprechen (ich höre schon die leidigen „Kommerz-Argumente“), aber selbst die „Tradition“ vereint auch nicht Lok mit Chemie oder SGL.
    Ja ist es wirklich der Erfolg der Mannschaften, der diesen abgrundtiefen Hass zwischen den Fans der Leipziger Vereine fördert? Das macht mich wirklich traurig! Ich habe es jedenfalls noch nie verstanden, weshalb sich Fans gerade im Fussball so hassen müssen. Mir persönlich geht so manches Utra-Verhalten gegen jegliches Solidaritäts- und Toleranzgefühl.
    Schließlich spielen 11 gegen 11 mit einem Ball, nichts gegen Euphorie und Leidenschaft!

  8. Schön, dass du noch einige Worte zu Roter Stern Leipzig niederschreiben konntest, geh da auch vollends mit, bis auf eine Zeile… na Du weißt schon welche 😉
    Ich hab sie sehr attraktiven Fußball spielen sehen, nicht nur in den Aufstiegs Jahren ’09 und ’11 selbst in der sportlich desaströsen letzten Spielzeit. Das 4:4 gegen Taucha in selbiger Saison war eines der spannendsten und leidenschaftlichsten Spiele, die ich jemals sehen durfte. Aber du hast vollkommen recht, dafür hat sich dieser Verein nicht gegründet hier ging es von anfang an um mehr, z.b. dass sich Frauen beim Fußball wohl fühlen.
    Mach weiter so und schau doch mal wieder in Dölitz vorbei.

  9. @Lausi Ich bin mir da noch unschlüssig. Ich glaube, dass Lok und RB zukünftig einfach in derart unterschiedlichen Sphären wildern, dass sie sich gar nicht so sehr umeinander drehen. Ich hatte in den letzten zwei Jahren ein wenig das Gefühl, dass aus Hass eher so ein Egal-Gefühl wurde. Und erwarte eigentlich, dass das mittelfristig ähnlich sein wird. In dieser Saison könnte das Thema allerdings noch mal hochkochen. Mal gucken.

    @Nachtschwester Mal sehen, ich fühle mich aktuell mit dem was ich an Fußball sehe mehr als gut (manchmal schon zu gut) ausgelastet. Ich hab es ja im Gegensatz zu allen Vorhaben letztes Jahr nicht mal zu den Lok-Frauen geschafft. Mal gucken, ob irgendwann Zeit für Dölitz ist..

  10. Zwei Einsprüche:

    Mag sein, dass Leutzsch nicht hip ist, gleichwohl Union auch nicht von der Zugehörigkeit zu einem ach so tollen Kiez zehrt, sondern allein von seiner Geschichte. Und die liest sich nun einmal genauso wie jene der BSG Chemie.

    Ich bin erstaunt ob deines Optimismus angesichts der sportlichen Perspektive der BSG Chemie: Gröbel und Schammer scheinen mir doch harte Verluste zu sein.

  11. Mit Union hast Du sicher Recht. Andererseits ist Berlin auch von einer anderen Größe, sodass das Potenzial da ein erheblich anderes ist. Und über meinen Optimismus bin ich auch verwundert, zumal mir Hammermüller aus der Außenperspektive nicht als Optimaltrainer erscheint. Andererseits sehe ich nicht die Überkonkurrenz, sodass ein bisschen Euphorie auch ein entscheidender Faktor sein könnte. Die Niederlage von RB II gestern zeigt jedenfalls schon mal, dass die sicherlich nicht durch die Liga marschieren werden.

  12. Erst mal einen schönen Tag oder Abend.

    Bei RB und Lok würde ich die Einschätzung Teilen.Wenn Lok die Leistung wie gegen Herta 2 regelmässig abruft und die verletzten zurückkommen wird Lok (hoffentlich) nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Bei der BSG liegst du voll daneben ,wie das heutige Spiel gezeigt hat.Die werden absteigen wenn da kein wirklicher Leistungssprung kommt ,meinte jedenfalls mein Freund mit dem ich gerade geschrieben habe, er war bei dem Spiel und hat auch einen ganz guten Fussball Sachverstand.Und die Einschätzung das aus der BSG ein Kultverein wie Union werden könnte, ist eine Utopie. Da ist einfach in den letzten Jahren zu viel kapput gegangen ,viele Fans sind sich einfach nicht mehr grün.Ich denke eher das würd in Leutzsch ein Böse ende nehmen. Das BPS ist schon etwas marode.Aber das AKS ist ja fast einen wirkliche Bruchbude,wenn da in den nächsten 10 jahren nichts gemacht wird ,naja ihr wisst auf was ich meine .Woher soll das Geld kommen um es instand zu setzten? Allerdings wenn die beide Vereine wieder zusammen kommen,sehe ich eine Chance das Grün Weiss wieder auf die Beine kommt. Weil, es gibt viele kleine und auch mittler Unternehmen die Finanzel einen gemeinsamen Verein unterstützen würden.Zb der FCS hatte nie solche probleme wie Lok seine Spieler bei einem Unternehmen unterzubringen.Man hatte viel besser Kontakte zu den Unternehmen in Leipzig, besser gesagt ein Grossteil von den Chefs sind einfach Grünweiss.

    Ps: Sorry für meine Rechtschreibung aber bin eben erst aus Berlin zurück, einer ist gefahren die anderen haben bisschen Getankt.^^

    1. Kein Problem die Rechtschreibung. Bin ja kein Deutschlehrer. Danke für den netten Beitrag. Bei der VSG ärgere ich mich auch schon mit der Einschätzung. Man will ja dann am Ende der Saison nicht mehr lesen, wie man derart weit daneben liegen konnte. 😉

  13. Ich würde nicht sagen, dass ein cooler Kiez unbedingt „hip“ sein muss. Ganz im Gegenteil. Besser ist es wenn sich eine üppige, raue Subkultur entwickelt, wie eben in Connewitz. Leider wird daraus dann irgendwann oft dieses „hip“ die Mieten steigen, „komische“ Leute siedeln sich an und und und. Auch würde ich widersprechen, dass Union „allein von seiner Geschichte zehrt“. Wenn das so wäre, hätten sie nie im Leben den Sprung zu einem (finanziell) gesunden Verein, mit außergewöhnlicher Fannähe und sportlichen Erfolg (Etablierung 2. Liga) geschaft. Da kommt mir dann schon eher der BFC in den Sinn.

  14. @Nachtschwester: Die Geschichte spielt bei Union eine große Rolle, wie kann man sonst erklären, dass ein Hauptsponsor wegen der Stasi-Vergangenheit des Chefs rausgekickt wurde? Das ist nur ein Beispiel. Klar, Union ist kommerziell erfolgreich, aber es verkauft sich eben auch maßgeblich über seine Identität als Underdog-Verein, der früher nur geprügelt wurde und auch nach der Wende laaaaange nicht auf die Beine kam.

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