Stefan Kutschke: Ein gar nicht schläfriger Riese

Die These der gestrigen Frahn-Analyse war ja, dass bei RB Leipzig nichts mehr geht, wenn Frahn nicht trifft. Das hatte ein, zwei irritierte Reaktionen zur Folge, dass es doch klar sei, dass RB Leipzig nicht so viele Punkte einfahre, wenn Frahn nicht treffe, weil es in der Natur der Sache liegt, dass wenn man keine Tore schießt, dann auch nicht gewinnen kann. Das ist sicherlich richtig. Allerdings gibt es in der Frahn-Statistik den letztlich viel interessanteren Punkt, dass seine Mannschaftskameraden sehr viel häufiger dann treffen, wenn Frahn auch trifft, als dann, wenn es nötig wäre, nämlich wenn er nicht trifft.

Vielleicht wird der Punkt deutlicher, wenn man einen Blick auf den zweiten Toptorschützen Stefan Kutschke wirft. Um die Statistik tatsächlich mit der von Daniel Frahn halbwegs vergleichbar zu machen, seien nur die Spiele betrachtet, in denen Stefan Kutschke in der Startformation stand. Davon gab es insgesamt 16 Partien, in denen Kutschke 10 mal aus dem Spiel heraus traf. Zieht man bei Daniel Frahn die sechs Elfmeter ab, dann hat Stefan Kutschke mit 0,63 Treffern pro Einsatz die bessere Quote der beiden Stürmer. Daniel Frahn käme so nur auf 0,55 Treffer pro Spiel (mit Elfmetern 0,74 pro Spiel).

Seine 10 in der Startelf erzielten Treffer schoss Stefan Kutschke in insgesamt 6 Partien. Am imposantesten sicher der Dreierpack in Lübeck, am wichtigsten wohl der Doppelpack beim FC St. Pauli II (interessanterweise schoss Kutschke 8 der 10 Treffer in Auswärtsspielen). In den sechs Spielen, in denen Kutschke traf, gewann RB Leipzig gleich sechs mal bei einer Torquote von 20:3. Was selbst die Quote von Daniel Frahn (leicht) in den Schatten stellt, wenn man den Schnitt pro Spiel betrachtet:

  • Mit Kutschke-Toren: 6 Spiele, 6 Siege, 0 Unentschieden, 0 Niederlagen, 20:3 Tore
  • Mit Frahn Toren: 17 Spiele, 15 Siege, 2 Unentschieden, 0 Niederlagen, 52:14 Tore
  • Mit Kutschke-Toren: 3,00 Punkte pro Spiel, 3,33:0,50 Tore
  • Mit Frahn-Toren: 2,76 Punkte pro Spiel, 3,06:0,82 Tore

Für die Spiele, in denen Kutschke und Frahn als Startelf-Spieler nicht trafen, fällt auf, dass RB Leipzig ohne Kutschke-Tore etwas besser klar kommt, als ohne Frahn-Tore. In den 10 Spielen mit einem torlosen Kutschke in der Startelf holte RB immerhin noch 2 Punkte pro Spiel, bei fehlenden Frahn-Toren nur 1,50:

  • Ohne Kutschke-Tore: 10 Spiele, 6 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, 18:12 Tore
  • Ohne Frahn-Tore: 14 Spiele, 14 Spiele, 6 Siege, 3 Unentschieden, 5 Niederlagen, 14:12 Tore
  • Ohne Kutschke-Tore: 2,0 Punkte pro Spiel, 1,80:1,20 Tore
  • Ohne Frahn-Tore: 1,50 Punkte, 1,00:0,86 Tore

Wenn Stefan Kutschke traf, dann trafen neben ihm in sechs Spielen noch sechs Spieler für 10 weitere Treffer ins Tor:

  • Frahn – 4
  • Rockenbach – 2
  • Rosin – 1
  • Röttger – 1
  • Franke – 1
  • Heidinger – 1

Aber im Gegensatz zu Daniel Frahn waren die anderen RasenBallsportler auch normal erfolgreich, wenn Kutschke nicht traf. Insgesamt sieben Spieler trafen in insgesamt 10 Spielen 18 mal ins Netz, allen voran natürlich Daniel Frahn:

  • Frahn – 9
  • Röttger – 2
  • Geißler – 2
  • Sebastian – 1
  • Lagerblom – 1
  • Hoffmann – 1
  • Rockenbach – 1

Standen Daniel Frahn und Stefan Kutschke zusammen in der Startelf, dann erzielten sie zusammen in 16 Spielen 23 Treffer und erkämpften 38 Punkte. Stand Stefan Kutschke nicht mit in der Startelf, sondern Carsten Kammlott oder Roman Wallner, dann reichte dies für 19 Stürmertore in 15 Partien und für 30 weitere Punkte. Was bedeutet, dass es letztlich keinen wirklichen Unterschied zwischen dem Duo Frahn/ Kutschke und dem Duo Frahn plus x gab.

Stefan Kutschke wie man ihn kennt: Immer mit mindestens 100% unterwegs | © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Vergleicht man abschließend Daniel Frahn und Stefan Kutschke in Bezug darauf, wie ihre Mannschaftskollegen an ihrer Seite jeweils trafen, wenn sie selbst Tore schossen oder auch nicht, dann fällt deutlich auf, dass bei RB Leipzig niemand einsprang, wenn Daniel Frahn nicht traf, aber es für das Toreschießverhalten der Mannschaft eher egal ist, ob Kutschke ins Schwarze trifft oder eben nicht:

  • Mit Kutschke-Toren: 6 Spieler treffen in 6 Spielen insgesamt 10 mal
  • Ohne Kutschke-Tore: 7 Spieler treffen in 10 Spielen insgesamt 18 mal
  • Mit Kutschke-Toren: 1,67 Tore pro Spiel, 1,00 Nicht-Kutschke-Spieler treffen pro Spiel, 0,28 Tore pro Spieler pro Spiel
  • Ohne Kutschke-Tore: 1,80 Tore pro Spiel, 0,70 Nicht-Kutschke-Spieler treffen pro Spiel, 0,26 Tore pro Spieler pro Spiel
  • Mit Frahn-Toren: 12 Spieler treffen in 17 Spielen insgesamt 29 mal
  • Ohne Frahn-Tore: 6 Spieler treffen in 14 Spielen insgesamt 14 mal
  • Mit Frahn Toren: 1,71 Tore pro Spiel, 0,71 Nicht-Frahn-Spieler treffen pro Spiel, 0,14 Tore pro Spieler pro Spiel
  • Ohne Frahn-Tore: 1,00 Tore pro Spiel, 0,43 Nicht-Frahn-Spieler treffen pro Spiel, 0,17 Tore pro Spieler pro Spiel

Anders gesagt: Trifft Kutschke nicht, dann macht das für die Kollegen in ihrer Treffsicherheit keinen Unterschied. Trifft Frahn nicht, dann trifft auch (fast) niemand anders mehr. Bis eben auf Stefan Kutschke, dem es für das eigene Toreschießen (wie gestern gezeigt) egal ist, ob Frahn trifft oder nicht.

Was dann eben zu der interessanten Frage führt, warum dem so ist. Kriegt die Mannschaft vielleicht das Flattern, wenn Daniel Frahn nicht seine Tore einbringt? Ist das Spiel zu sehr darauf zugeschnitten, dass Daniel Frahn die Bälle vorne versenkt (wobei das nicht erkären würde, warum so viele RasenBallsportler in der Lage sind Tore zu schießen, wenn Daniel Frahn eh schon getroffen hat)? Verlässt sich die Mannschaft zu sehr darauf, dass Frahn schon irgendwann vorne treffen wird? Oder trifft Frahn eventuell überwiegend dann, wenn es eher leicht fällt zu treffen? Wer weiß..

Fazit: Natürlich hat RB Leipzig in Spielen, in denen die Stürmer treffen bessere Statistiken als in Spielen, in denen sie nicht treffen. Alles andere verstieße auch gegen die Logik. Trotzdem gibt es zwischen den zwei sehr guten Stürmern Kutschke und Frahn eine interessante Differenz in Bezug auf die Tatsache, dass eine Frahn-Torflaute von den Kollegen nicht aufgefangen werden kann, eine Kutschke-Torflaute aber schon. Und nun mache da jemand mal was draus..

PS.: Wurde eigentlich schon mal ein Sturm-Duo Kutschke/ Wallner in Betracht gezogen?

[Update 09.05.2012: Dass Stefan Kutschke ein guter Stürmer sein muss, zeigt sich auch im Interesse von Zweitligist Energie Cottbus an ihm und dem vermuteten Interesse von Erstligist VfL Wolfsburg. Von beidem berichtet die Lausitzer Rundschau.]

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „Stefan Kutschke: Ein gar nicht schläfriger Riese“

  1. Ein Sturm-Duo Kutschke/Wallner fände ich schon interessant. Hatte auch schon ein paar mal überlegt wie die beiden wohl harmonieren würden. Aber PP hat sich mit der Binde für Frahn festgelegt, dass Frahn immer spielt. Schade. Die andere Kombo wäre auch mal sehr interessant. Aber ob Frahn sich so ohne zu murren auf die Bank setzt?

  2. Zumindest würde er wohl nicht längerfristig ohne Murren auf der Bank sitzen. Und Pacult und Frahn haben sich offenbar in einer Art einander verschrieben, die es unmöglich erscheinen lässt, dass Frahn mal eine Stammelfauszeit bekommt. Und nicht zuletzt ist Frahn ja auch ein sehr, sehr guter Torjäger.

  3. Vielleicht sieht man das Duo Kutschke/Wallner mal bei einem Testspiel. Frahn müsste zu dieser Zeit nur irgendwie im Urlaub sein, damit er sich keine Gedanken machen muss 😉

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