11Freunde und das Leipziger Fußballelexier

Das selbsternannte Magazin für Fußballkultur 11Freunde fährt in Person von Frank Willmann zum Leipziger Stadtteil-Sechstliga-Duell zwischen BSG Chemie Leipzig und SG Leipzig-Leutzsch. So weit, so gut und unspektakulär, aber wenn man schon zum auserkorenen Rat der Kulturwächter gehört, muss man dann auch noch ein paar Halb-Weisheiten über Fußball-Leipzig in einen Artikel [broken Link] packen. Ein bissel Historie hier: Lok und der Europacup, Chemie und der Rest von Leipzig. Ein bissel Gegenwart dort: Lok rechts, Roter Stern links, FC Sachsen pleite und in zwei gespalten, RB Leipzig eine „Retortenbude“. Weil, so will es das Magazin für fußballkulturelle Grundsatzentscheidungen:

RB Leipzig ist für all jene Leipziger, denen der Fußball Lebenselixier ist, keine Beachtung wert.

Oh man, wie mir dieses Bescheidwissen auf den berühmten und zur Weihnachtszeit erlaubten Sack geht. Hier die wahren, guten Fußballanhänger, die Lok, Chemie oder RSL folgen, dort die Konsumentenfans ohne fußballkulturell vertretbare Bindung, die sich von RB Leipzig einfangen lassen. Geschrieben von einem Autor, der es für das wahrhafte Lebenselexier hält, zu einem Stadtteilduell zweier Sechstligisten zu fahren und hinterher festzustellen, dass dort „nur 2690 Zuschauer beiden Vereinen beim Kicken zuschauen“ wollten. Mal abgesehen davon, dass die Zuschauerzahl ziemlich beeindruckend ist, darf auch ein Herr Willmann gern zur Kenntnis nehmen, dass man sich  ein Viertliga-Duell gegen Germania Halberstadt nicht anschaut, weil es der Fußball-Event-Himmel auf Erden ist oder man damit ewige Dauerkarten für mögliche, zukünftige Bundesligaspiele in Leipzig gewinnt, sondern weil man Bock hat auf Fußball, weil man Bock hat auf RB Leipzig und weil man keinen Bock hat, auf irgendwelche platten Vorhaltungen kulturerfahrener Fußballredakteure einer total hippen und angesagten Zeitschrift für die Pseudo-Fußball-Subkultur, deren Lebenselexier es ist, sich selbst und die eigene Weltsicht abzufeiern. Ihr wollt entscheiden, wer zur 11 der Freunde gehören darf? Na dann, schönes Leben noch.

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29 Gedanken zu „11Freunde und das Leipziger Fußballelexier“

  1. Durchatmen! (Bitte.)
    Lasst euch nicht anpinkeln, schon gar nicht von solch einem schwachen 11Freunde-Stück. Ich selber schätze dieses Magazin wirklich sehr, aber der Beitrag, auf den Du dich hier beziehst, ist so … attributlos, dass man ihn noch nicht einmal ignorieren sollte.

    Du weißt, dass ich dem Projekt „Red Bull“ eher skeptisch gegenüber stehe; nichtsdestotrotz ärgere ich mich immer über diesen Versuch der Eroberung der Deutungshoheit qua Vereinszugehörigkeit. Vielleicht erlebt mein Sohn ja irgend wann einmal eine Zeit, in der man sich rivalisierend neckt und diese Tage, an denen man sich permanent angemaßt hat, die Definitionsgewalt an sich zu reißen, einer fast vergessenen Vergangenheit angehören.

  2. Wow, selten einen so wütenden Beitrag hier gelesen. Aber Polemik muss auch mal sein. 😀

    Ich kann deinen Zorn verstehen, sehe es aber nicht ganz so eng. Dass RB bei 11Freunde nicht so wahnsinnig gut wegkommt, ist ja zunächst bekannt. Ich würde allerdings die Betonung tatsächlich auf das Wort „Lebenselixier“ lenken, in Verbindung mit den Möglichkeiten der Partizipation bei RB. Lebenselixier ist der Fußball nicht, wenn man selbst zu einem Oberligaspiel gegen Pößneck nach Markranstädt fährt, sich in Stötteritz den SSV gegen Lok II anschaut oder Stunden damit verbringt, DDR-Oberligastatistiken bei Wikipedia zu studieren.

    Ich mache es mal kurz: Für wen Fußball Lebenselixier ist, der möchte seinen Verein mitgestalten, mitbestimmen. Der kann nicht ohne. Bei RB ist das quasi unmöglich. Man kann supporten, auswärts mitfahren, auf Weihnachtsfeiern gehen, beim Livetickern relativ nah am Geschehen dran sein, viele Stunden Fleiß in Choreos investieren – aber man begleitet den Verein doch irgendwie nur. Die Richtung geben andere vor. Der immense Zuwachs der Zuschauerzahlen und die Entwicklung bei der Stimmung sind ein toller Aspekt, aber nicht wirklich richtungsweisend.

    Von daher mag die Formulierung der 11Freunde vielleicht ein wenig, naja, ignorant gegenüber den RB-Fans sein, für die das Fandasein nicht auf 90 Minuten aller zwei Wochen beschränkt ist, aber im Kern ist es doch irgendwo gar nicht so verkehrt.

    1. Da haben die teilweise sogar den Beitrag schuldenden Mitgestalter in Leutzsch (PARTIZIPIERER?) zumindest in in den letzten Jahren ganz schönen Mist gebaut.
      Wenn die deutsche Wirtschaft von ebensolchen Amateuren gelenkt würde, müsste der Rettungsschirm vermutlich auch über unser Land gebreitet werden.
      Profifussball und amateurhafte Strukturen – das haben die Leipziger „Traditionsclubs“ lange genug vorgelebt – der daraus entstandene derzeitige Zustand muss nicht kommentiert werden.
      Ich würde mir nicht anmaßen , mitgestalten zu wollen, ich will einfach spannenden und schönen Fußball, der auch noch bezahlt ist, konsumieren.

  3. @Rene: Ich halte es für falsch zu behaupten, dass derjenige für den „Fußball Lebenselixier ist, seinen Verein mitgestalten, mitbestimmen möchte.“ Derjenige für den Fußball Lebenselexier ist, der möchte nicht unbedingt im Verein mitbestimmen, der möchte zunächst einmal seiner Leidenschaft für den Fußball nachgehen und von seinen Lieblingen so viel wie möglich mitbekommen. Lebenselexier ist eben nicht gleich Partizipation, zumindest nicht im viel zu engen Sinne der Vereinsmitgliedschaft. Sich den Fußball zu erwählen, heißt zunächst einmal sein eigenes Leben nach seinen Vorstellungen zu gestalten und das bedeutet meinetwegen, so wie hier, drüber zu bloggen oder sich in Statistiken zu wälzen oder, so wie anderso, eine Fangruppierung zu haben, innerhalb derer man Choreos bastelt, Auswärtsfahrten plant oder was weiß ich für Energien verbraucht oder, auch möglich, das schlichte von Woche zu Woche mitfiebern mit dem Verein der Träume. Fußball zum Lebenselexier zu machen, ist zuerst einmal etwas zutiefst subjetives und kommt ohne konkret vorgezeichnete Mitbestimmungs-Beziehung zum Verein aus. Über Lebenselexiere zu urteilen heißt in dem Sinne, über ganz subjektive Wahrnehmungswelten zu urteilen. Und da hört es bei mir ein wenig auf.

    Und ja @Helge, Du hast Recht. Durchatmen. (Danke.)

  4. Schöner Beitrag, schöne Kommentare, schöne Diskussion.

    Ich muss @René zustimmen, ich glaube, das ist der angepissteste Beitrag, den ich hier jemals gelesen habe. Das tut dem Blog jedenfalls gut.

    Die Schule des Skeptizismus wird hier großgeschrieben, vom Autor wie den Kommentierenden. Dagegen ist nichts einzuwenden, im Gegenteil.

    Ich möchte dennoch etwas Positives über die hier kritisierte Kolumne (ja, es ist eine Kolumne, ergo eine markierte Meinungsäußerung und eben keine recherchierte 11-Freunde-Geschichte) mitgeben. Sprachlich ist sie brillant formuliert, Willmann ist ein ausgewiesener Kenner des ostdeutschen Fußballs, Oberflächlichkeit kann man ihm nicht vorwerfen. Natürlich hat er eine ganz spezifische Perspektive, eben seine persönliche.

    Willmann schafft es, mit einer kritischen Distanz, ja, vielleicht auch leicht spöttelnd über den Leipziger Fußball zu schreiben (theoretisch kann sich angesichts seiner Worte doch jede der Leipziger Fußball-Parteien angepisst fühlen, oder?) und zugleich eine scharfe Analyse (@rotebrauseblogger, ich bleibe dabei) abzuliefern. Was ist inhaltlich zu beanstanden, abgesehen von der Geringschätzung der beachtlichen Zuschauerzahl oder eben der stark subjektiven Sicht, die in der Lebenselexier-Formulierung mitschwingt? Das ist alles diskutabel, und wir diskutieren hier darüber. Selbstironie hat noch niemanden geschadet, wird sie auch uns nicht.

    Auch die Überschrift – sie soll die zentrale Botschaft transportieren! – ist ja wohl vielmehr eine Reminiszenz an Leipzig statt eines verständnislosen Kopfschüttelns. Die Stadt hat Fußballenthusiasten was zu bieten. Warum reisen denn diese selbsternannten Fußballkulturwächter (huh, ich suche Nähe zum @rotebrauseblogger) nach Leipzig und tun sich ein Sechstliga-Spiel an? Womöglich kommen beide Vereine nicht ganz so gut weg, ähnlich wie RB.

    Ich fand den Text prägnant und pointiert. Und das ist ja schon mal was.

  5. Imho berichtet die 11 Freunde über das RB-Fussball Projekt schon seit den Anfängen (Salzburg) und das im stets gleichem Tenor. Insofern ist der Seitenhieb nicht verwunderlich und hat Kontinuität – warum man deshalb so abgeht, erschliesst sich mir nicht. Du würdest wahrscheinlich eine Herztablette brauchen, wenn es RBL jemals so weit in höhere Gefilden schafft das ein Spiel im 11Freunde Ticker gewürdigt wird 😀

  6. Ach schade, dass ihr Provinzeier euch immer so schnell durch irgendwelche Hauptstädter provoziert fühlt. Dass man außerhalb der Ulbricht-Stadt RB nicht mag, dürfte doch auf der Hand liegen. Dieser Verein ist so eine Mischung aus Hoffenheim, Gummibären, Jürgen Hart und Erfolg. Also abstossend.

  7. Hätte mich mal interessiert, was passiert wäre, wenn man den Satz über RB rausgelassen hätte. Dort in den Kommentaren geht es einmal um den BFC (kurz) und dann über RB (sehr lang).

    Würde mich nicht wundern, wenn der Satz im Nachhinein eingefügt wurde. Verkauft sich halt alles besser, wenn man noch irgendwie RB – möglichst mit einer konformen Wertung – reinbringt. Dann gibt es wenigstens was zu diskutieren.

    Mir fehlt wahrscheinlich der Sachverstand, um aus der Kolumne die Genialität – wie der Chemieblogger – zu erkennen. Ich find es einfach ein geballertes Feuerwerk an Stereotypen. Für das was er geschrieben hat, hätte er auch den ersten Advent bei der Familie bleiben können. Das wusste man alles, wenn man sich für den Leipziger Fussball interessiert auch schon vorher.

  8. Würde man sich kritisch mit dem Konstrukt „RedBull-Fußball“ auseinandersetzen, hätte ich keine Probleme. Mir wird aber zu oft auf *die Leute* gezielt, die zu RB gehen. Was hat man denen bisher nicht alles unterstellt, welche Abwertung mussten sie sich bisher gefallen lassen. Ich möchte das alles nicht wieder hochziehen. Es betrübt mich einfach, dass aus der spielerischen Konkurrenz, die dem Sport als SPIEL zugrunde liegen sollte, immer wieder der Fehlglaube erwächst, der „Andere“ sei gerechtfertigterweise Subjekt der Herabwürdigung. Wie klein sind wir denn, dass es uns nur diese verletzende Abgrenzung klar macht, wer wir selbst sind? Weshalb braucht es diese kleinen Schläge, die immer nur Menschen gelten? Wann hört das auf?

    Ich will Anhänger *meines* Sports, will Fan *meiner* Mannschaft sein. Nicht aber Gegner des Gegenübers werden, oder sogar dessen „Feind“.

  9. Also das 11 Freunde Schmuddelheftchen hatte ich mal kurz in der Hand, da es aber optisch daherkam wie eine Gartenfreunde Beilage anno 1974, habe ich zu einem Fussballelexier gegriffen, welches strahlend daneben lag. Den Kicker. Wahrlich eine gute Geile Emotionen!
    Fussballelexier ala Bildheftchenqualität. Ich hatte vor längerer Zeit mal ein Elf Freundeheftchen in der Hand. Da es aber daherkam, wie ein gratis Gartenratgeber anno 1974, sah ich keinen seriösen Grund mich damit weiter zu beschäftigen und griff zur deutlich peppigeren Variante, dem Kicker. Eine gute Entscheidung wie ich nun vermute, deswegen kann ich über das Fussballschmuddelheftchen auch nicht viel sagen. Über den Grundton aber schon. Leipziger Fussball ist lebendiger, bunter und anspruchsvoller, als in den letzten 20 Jahren. Jawohl. Dank professioneller Strukturen. Nie gab es bessere Vorraussetzungen für Fussball in Leipzig.
    Diese Entwicklung kann man gar nicht gut heisssen, vorallem wenn man sich in die Ab- und Tiefgründe des ostdeutschen, speziell Leipziger Fussballs verwoben hat und merkt, ich habe die Abzweigung mit der Sackgasse gewählt. Eine Akzeptanz von RB und ein respektvoller Umgang mit dem Leipziger Fussball, so wie er eben gerade ist, würde zum inhaltlichen Untergang der 11 Freunde Kultur führen. Drum bin ich sehr froh über die Abneigung, da ich uns in ein paar Jahren auf dem Kicker Cover und auf keinen Fall auf dem 11 Feunde cover sehen will. Dies würde wohl bedeuten RB I gegen BSG II im Kunzepark. Nein danke für solche Lorbeeren! ;-)) Ich bin immer wieder beeindruckt wie dumm und oberflächlich doch die Kritiker sind- Fussballelexier nur in der Landesliga 😀
    Danke, ich weiss es besser. Mein Elexier und das meiner Kinder ist ein Bezirksligaverein in Leipzig, ein noch Regionalligaverein in Leipzig, Camp Nou in dem ich schon 3x war, sowie das Old Trafford. Nein nicht Leutzsch! Fussball in Leipzig begann für mich 2008! Elf Freunde, sorry euer Bericht ist peinlich, arrogant, unangemessen u n d vorallem dumm!
    Danke euch dafür;-)

  10. Papperlapapp! Ein toller Artikel. Nun weiß ich, was ich machen soll, wenn ich in Leipzig zum Fußball gehen möchte. Das geht nicht einfach so, sondern muss voll-krass-korrekt sein. Erst mal muss ich meine Weltbetrachtung analysieren und einen passenden Verein finden. Dazu gibt es sogar 4 Möglichkeiten. a) Nazi, b) Links-Chaot, c) Ultra-Hools d) Unterschicht-Mob. Naja…. vielleicht „d“, oder doch „a“? Dann gibt es zwar ein müde o:o Kick, dazu aber eine lustige Randale nach dem Spiel. Und ganz wichtig – gehe nie zum RB. Die sind die schlimmsten. Mein Leipzig lob ich mir! Liebe Grüße. Wladimir 🙂 P.S. Lieber rotebrauseblogger. Der 11Freunde Artikel ist soooo dämlich, der kann nicht ernst gemeint sein. Wenn doch, dann lieber darüber lachen, als ärgern.

  11. @Leipzscher:
    Was war 2008?
    11 Freunde beschäftigt sich mit „Fußballkultur“, erzählt die Geschichten abseits des Platzes, porträtiert Vereine und Fans, während der Kicker Tabellen aufstellt und taktische Aufstellungen und Spielverläufe runterbetet. Wer letzteres als besser befindet, dem war wohl schon zu Schulzeiten im Matheunterricht die Sachaufgabe zu schöngeistig.

    1. Also 2008 habe ich das erste mal von einem Plan gehört, den sich wohl Beckenbauer und Mateschitz ausgeheckt hätten, in Leipzig mainstream Fussball zu etablieren. Mit dem völlig widersinnigen Plan, ein großes Stadion mit Championsleaque Fussball und einer Leipziger Mannschaft zu bestücken.
      Ich dachte die haben entweder überhaupt keine Ahnung von Fussball im allgemeinen und Leipziger Fussball im speziellen, oder es sind die einzigen die eine Ahnung haben, wie Profifussball funktioniert. Als 2008 wieder das Leiden des FCS begann, wusste ich, es kann nur letzteres sein!
      P.S. Lassen wir mal den armen Kicker aus dem Spiel 😉

  12. Wenn man nicht drauf steht sich von rechts oder von links mit politischen Parolen zublasen zu lassen sitzt man bei RB schon ganz gut. Die Klientel die sich beim „Rest von Leipzig“ einfindet muß ich jedenfalls nicht in der Red Bull Arena sehen finde es aber auch höchst anständig dass sich andere Vereine dieser Gestalten annehmen. Ziemlich gut finde ich auch dass ich keine „Landschaftsgestaltungsfachzeitschrift“ ala 11F brauche um mir meine Fußballwelt erklären oder schönreden zu lassen. Die Dauernörgelei die dort stattzufinden scheint bestärkt mich jedenfalls in meiner Meinung die richtige Wahl getroffen zu haben.

    11F habe ich vor ein paar Jahren zuletzt erworben, dann hat mich allerdings ein guter Grund die Finger davon nehmen lassen, das Ding ist einfach zu kommerziell!

    Verrückt wie das Leben manchmal spielt!

  13. 11Freunde und kicker miteinander zu vergleichen, ist schon ziemlich schräg. Wenn ich was über Fankultur, Geschichten mit Randbezug zum Fußball und sonstigen Anekdoten und mehrseitigen Hintergrundberichten zum runden Leder lesen will, kaufe ich mir nicht den kicker. Wenn ich möglichst aktuell einen Überblick über die wichtigsten Fußball-Ligen bekommen will, inklusive Ergebnisse, Tabelle, Spieleinschätzungen, Personalien, Transfers kaufe ich mir nicht das Monatsheft 11Freunde.

    Ich persönlich mache beides, wobei mir der Internetauftritt des kicker genügt.

  14. Ach ja, ich komme noch nicht ganz dahinter, ob hinter der Überschrift dieses Artikels
    a) ein Rechtschreibfehler
    b) ein mir nicht ersichtliches Wortspiel
    c) ein Test, ob man den Rechtschreibfehler aufgrund der Fähigkeiten des Gehirns automatisch „überliest“
    d) ein Test, ob man Überschriften überhaupt liest

    stecken soll. 🙂

  15. @Interpreter: Vermutlich war es in Bezug auf die 11Freunde der berühmte Tropfen..

    @chemieblogger: Mir ist immer noch nicht klar, was Du an dem 11Freunde-Text prägnant und pointiert findest. Ich weiß, dass Du Dich an der medialen Frage, warum denn die beiden grün-weißen nicht zusammen kommen, störst, weil Du weißt, dass es dafür gute Gründe gibt (inhaltlich und fankulturell). Dass der 11Freunde-Text diesen Dissenz zumindest andeutet, mag ein Grund zur Freude sein, ein großer Sieg des poiniterten Recherche-Journalimus ist es nun auch nicht. Ansonsten ist es ein wenig Leipziger Basisfußballwissen plus ein paar Klischees, die eher etwas über die Denke des Autors als über den Gegenstand aussagen und ein noch nicht mal sprachlich sonderlich gelungener Bericht vom Sechstligaduell. Also alles in allem nicht gerade viel..

    @René: oder e) ein Test, ob es LeserInnen gibt, die dermaßen unhöflich sind, dass sie öffentlich Rechtschreibfehler thematisieren. Nun ja, ich ändere das dann wohl mal..

  16. Am Anfang zur Sache, am Ende ein wenig abseits davon, aber immer zu Frank Willmann:

    Ich kann gut verstehen, dass Du dich über den Artikel von Willmann derart erregst. In erster Linie deswegen weil mir das auch schon passiert ist. Und zwar darüber: [broken Link]

    Willmann ist so etwas wie der Nahost-Experte der 11Freunde, der über diese Promotion so außer sich geraten scheint, dass er seither nur noch apodiktische Statements in die Welt rotzt. Mit anderen Worten: Er benimmt sich wie ein Halbstarker und so schreibt er leider auch. Aber wie Chemieblogger exemplarisch beweist, hat diese Form des Journalismus durchaus ihre Enthusiasten. Jedenfalls solange die Aussage des Textes die richtige, also eigene, Meinung spiegelt. Das ist ja auch nicht ungeschickt gemacht: Willmann weiß von wem er gemocht und gelesen werden möchte und erweist seiner Peergroup einen Freundschaftsdienst. Ey Mann, cooles Statement über diese Kapitalistensäcke! Ob es was zur Sache tut oder nicht spielt da eine erschütternd marginale Rolle.
    Das oben verlinkte Interview zum Niedergang des Ostfußballs nach der Wende hat mich deswegen so genervt, weil es eine einzige larmoyante Suada ist, die heute, zwanzig Jahre später, alles aber auch alles besser weiß. Eine Orgie des Konjunktivs. Nur eines weiß Willmann nicht, jedenfalls will er es uns nicht sagen: was genau stattdessen hätte geschehen sollen.
    Überdies enthält das Interview den Satz: „Es gab keinen Klub in der ehemaligen DDR, der nicht von der Regierung gesteuert war, die Vereine waren quasi gleichgeschaltet, da gab es kein freies Denken und Handeln.“ Das ist, mit Verlaub, blanker Unsinn. Der DTSB und der DFV hätte die Vereine gerne gleichgeschaltet, wohl wahr. Gelungen ist das nie. Oder wie erklärt sich der Jena-Fan Willmann den plötzlichen Aufstieg seines Vereins in den sechziger Jahren zum führenden DDR-Fußballklub. Weil im Politbüro Anhänger des FCC saßen? Mitnichten, sondern weil man mit Georg Buschner einen jungen und fast schon pathologisch ehrgeizigen Fußballlehrer zum Trainer machte, der alles was er an sportwissenschaftlicher Methodik gelernt hatte in seine Trainingspläne einarbeitete. Und weil mit den Zeiss-Werken ein mächtiger Trägerbetrieb im Hintergrunde agierte, der über schier unendliche materielle Ressourcen verfügte (jedenfalls für DDR-Verhältnisse) und diese auch dafür einsetzte, die Spielerwünsche seines Trainers zu erfüllen. Sehr zum Verdruss der Oberen in Berlin. Von wegen kein freies Handeln.

    1. Es scheint hier wie eine Oase des freien, fussballerischen und enthusiastischen Denkens und Handelns. Sehr stark!

  17. „Nahost-Experte der 11 Freunde“ – das gefällt mir.

    Ich möchte noch einmal einwenden, dass der Text als Kolumne gekennzeichnet ist, wonach also laut Wikipedia von einem „kurzen Meinungsbeitrag als journalistische Kleinform“ auszugehen ist. Ergo geht es weniger um Fakten, sondern eher um deren Bewertung.

    Der Text ist von vorne bis hinten voll mit ironischen Anspielungen. Muss das jetzt im Einzelnen interpretiert werden?

    Wer ein bissel gegen die DDR und ihre Dachdeckerdiktatur stänkern wollte, oder zufällig im Leipziger Arbeiterbezirk Leutzsch aufwuchs, trabte zur BSG Chemie Leipzig.

    Dieser Satz etwa hat Vieles zu bieten. Zunächst, etwas ganz Banales, die Aussage, dass die DDR-BSG-Chemie als Hort oppositioneller Umtriebe gilt. Hier steht nicht, dass alle Chemie-Fans Staatsfeinde waren. Wohl aber, dass selbige, oder auch nur jene, die sich für solche hielten (oder auch einfach nur zufällig in Leutzsch aufwuchsen …), gerne zur BSG Chemie gingen. Hier liegen doch viele feine Differenzierungen. Der Satz bietet aber noch mehr: Der Verweis auf das zufällige Aufwachsen dekonstruiert den Mythos doch zugleich. Hier steht drin, dass es eben so einfach nicht ist mit den Klischees.

    Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Willmann gibt Bekanntes wieder, aber nicht ohne die Relfexionsebene zu vernachlässigen. Allein schon der ironische Unterton, der in jedem Satz zu finden ist, bietet doch genug Anlasse, nicht alles ernst zu nehmen, was der Kolumnist da niedergeschrieben hat. Eben in der Vieldeutigkeit liegt die sprachliche Brillanz. Mir scheint es, dass du, @rotebrauseblogger, diese ganzen Details überliest, was ich aber nicht glauben mag. Wahrscheinlich willst du dich in deinem Zorn gar nicht erst darauf einlassen. Das würde sich aber lohnen.

  18. Ich werde dieses grandiose Stück Literatur entsprechend würdigen und es auf der Toilette seiner wahren Bestimmung zukommen lassen.

  19. @Bastian: Ach, mein Zorn war schon mit dem Schreiben des Artikels wieder halbwegs verraucht. Ich habe den Artikel vor allem auch aufgrund Deines Lobes des Stils mehrmals gelesen und auch nach mehrmaligem Lesen habe ich die besondere Finesse des Textes nicht erkannt. Das gilt für Dein Beispiel genauso. Aber vielleicht bin ich auf dem Auge auch gerade blind.

  20. So ein überflüssiger 11 Freunde Artikel! Schade um die Zeit.
    Grüße von einem RSL Fan, der auch zu RBL geht!
    Und zwar in Block B.

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