Psychologisches Vorweichenstellen

Dass der Eindruck der bisherigen Saison (es ist vieles besser als letztes Jahr) sich in den Zahlen nicht unbedingt wiederfindet, ist ja inzwischen in Bezug auf RB Leipzig bereits Allgemeinwissen. Auch nach Spieltag 9 gilt, dass RB nur ein Punkt mehr auf dem Konto hat, als vor einem Jahr. Dafür hat der beste Konkurrent (dies Jahr Halle) satte fünf Punkte weniger als der letztjährige Tabellenführer Chemnitzer FC. Macht summa summarum die zweite Tabellenführung für RB Leipzig in über einem Jahr Regionalliga. Und bringt den Verein in die ungewohnte Situation am morgigen Freitag abend unter Flutlicht gegen St. Pauli II drei Punkte vorlegen und die Konkurrenz unter Druck setzen zu können. Völlig neue psychologische Aspekte.

Guckt man auf die bisherigen Spiele, dann fällt auf, dass von neun Gegnern gegen die RB Leipzig bisher spielen durfte, gleich sechs aktuell in der unteren Tabellenhälfte stehen (Platz 10 oder schlechter). Andersherum gesagt erzielte man in drei Partien gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte insgesamt 4 Punkte bei 4:4 Toren. In den sechs Spielen gegen die untere Tabellenhälfte waren es hingegen mal eben lockere 16 Punkte und 15:3 Tore. Durchaus eindrückliche Zahlen. Jeder darf selbst entscheiden, ob er St. Pauli II aufgrund von Platz 8 zur oberen Tabellenhälfte oder dem Gefühl nach eher zur unteren Tabellenhälfte zählen mag.

Die Statistik ist natürlich Nonsens, denn genaugenommen könnte man auch sagen, dass die sechs Teams deswegen unten stehen, weil sie bereits gegen RB Leipzig spielen mussten und ihnen ein Spiel fehlt, in dem sie realistische Chancen auf Punkte gehabt hätten. Wie auch immer fallen zwei Sachen auf: Dass es in diesem Jahr offenbar tatsächlich keinen Übergegner a la Chemnitz für RB gibt. Und dass mit Hannover II, Kiel, Wolfsburg II und Halle vier der nächsten acht Gegner aus dem oberen Drittel der Tabelle kommen, also die Weichen für den weiteren Saisonverlauf erst in der Endphase der Hinrunde gestellt werden. Für ein entspannteres Herumhantieren an den Weichen empfiehlt sich ein Sieg gegen St. Pauli II natürlich sehr. Ich würde die Wahrscheinlichkeit für einen solchen auch als sehr hoch einschätzen. Und sowieso: Flutlichtspiel, juchuh. Und Dienstag gleich noch eins hinterher. Schöne Fußballtage sind das.

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2 Gedanken zu „Psychologisches Vorweichenstellen“

  1. Gratulation – wieder kein Heimsieg und wenn man nicht gerade interessiert ist an RBL, kriegt man von den Spielen absolut null mit: Kein sichtbares Marketing, keine Plakate, kein Event, kein irgendwas.

    Mich würde mal interessieren: Wenn man, wo auch immer in Leipzig, fragen würde: RB Leipzig, wer oder was ist das und wo stehen die (in der Tabelle), wie würde die Antwort lauten?

    Die nächste Frage: Wenn man mit diesem Kader derartige Probleme hat (und dennoch aufsteigen sollte), was wird in Liga 3 werden?
    Holt sich Dietrich aus Ösiland dann Ronaldo, Messi, Rooney&Co, um die Relegation zu Liga 2 zu packen? Wenn ja: Wie viele Dosen RedBull müssen getrunken werden und wird bald RedBull auch an Aldi-Kassen erhältlich sein? (Ich hoffe nicht!)

  2. Sehr exakte Einschätzung, wie immer vom Blogger.
    Was allerdings dieser völlig blödsinnige Komment soll, kann wohl nur der Verfasser dieses Elaborats beantworten. Alleine in meinem Kollegenkreis gibt es von den Leuten, die sich für Fußball interessieren, keinen, der nicht über RBL weitgehend informiert ist. Aber vielleicht kennt 16_LE nur die falschen Leute oder hat eine Brille mit den Vereinsfarben der bis dato in Leipzig seit dem Untergang der DDR nicht unbedingt erfolgreichen Vereine.

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