RasenBallsport Leipzig vs. Chemnitzer FC 1:0

Ein Spielbericht zu diesem Sachsenpokal-Finale zu schreiben, ist fast ein Unding. Genaugnommen müsste man sich wohl die 90 Minuten noch mal als TV-Konserve angucken, um zu erfassen, was da fußballerisch los war. Ein typisches Pokalspiel eben, bei dem man 90 Minuten mitfiebert und dabei ein bisschen die taktisch-individuellen Details verpasst. Macht ja vielleicht auch nichts.

Man kann es mal zuvorderst ganz nüchtern betrachten. Drei Duelle gab es zwischen RasenBallsport Leipzig und dem Chemnitzer FC in dieser Saison. 1:1, 0:1 und 1:0 gingen sie aus. Schon die nackten Zahlen lassen erahnen, auf welch ausgeglichenem Niveau sich die beiden Mannschaften begegneten. Chemnitz zwar in den zwei Spielen, die ich gesehen habe, jeweils mit der technisch feineren Klinge, aber die RasenBallsportler mit der Robustheit, die sie zu zeigen in der Lage sind, immer auf Augenhöhe. RasenBallsport Leipzig hat gegen die Torfabrik Chemnitz in drei Spielen nur 2 Tore gefangen. Schon deswegen kann in den direkten Duellen nicht alles falsch gewesen sein.

Was die Zahlen nicht verraten, ist die tiefe Emotionalität, die die drei Duelle beiderseits begleitetet. Das gestrige Sachsenpokal-Finale war auch in dieser Hinsicht noch einmal die Zuspitzung dessen, was sich schon in der Regionalliga-Saison zeigte. Dass sich beide Teams, trotz nie vorhandener tabellarischer Nachbarschaft sich letztlich doch immer umeinander drehten. Für den Chemnitzer FC ist die Regionalliga-Meisterschaft auch immer ein Sieg über den großen Favoriten gewesen, andersherum war der sportliche Durchschnitt bei RasenBallsport in der Regionalliga immer mit der Schmach des Unterliegens gegen den Chemnitzer FC verbunden. Beides ist eigentlich höchst irrational, lagen doch zwischen dem CFC und RasenBallsport noch zwei andere Teams, die beide über die Saison gesehen defacto die besseren Aufstiegschancen hatten als RB.

Sei es drum, das gestrige Sachsenpokal-Finale war der Gipfelpunkt der Duelle zwischen beiden Teams und entsprechend der Leidenschaft, mit denen beide die Sträuße miteinander im letzten Jahr ausfochten kein hochklassiges Fußballspiel, aber eben ein hochemotionaler Pokalknüller. Ein Spiel, ein Sieger. Kein zweiter Platz, auch wenn die Siegerehrung nach dem Spiel etwas anderes weismachen wollte. Das Spiel ging nach Leipzig, nicht weil sich die bessere Mannschaft durchgesetzt hätte, sondern die, die auf diesen Sieg den entscheidenden Tick mehr Bock hatte und 90 Minuten lang eine Spur mehr investierte als die bereits aufgestiegenen Gäste. Letzteres (der Aufstieg des CFC) wurde während und nach dem Spiel auch immer wieder von der Gästekurve (als eine Art ‚ist doch egal, wenn wir verlieren‘) ins Spiel gebracht, wodurch sich noch einmal bestätigte, dass der CFC vor diesem Spiel eher auf die Vergangenheit blickte (DFB-Pokal-Erfolge, Aufstieg) als mit absoluter Euphorie auf dieses eine und entscheidende Pokalduell. Was vielleicht in letzter Konsequenz den Unterschied machte zwischen zwei Teams auf Augenhöhe.

Wie gesagt, es war kein überragendes Spiel, aber es war ein beidseitig leidenschaftliches, intensives und verbissenes Spiel. Die RasenBallsportler waren wie schon beim Heimspiel letzten November taktisch sehr gut eingestellt und schafften es zu großen Teilen der Spielzeit, den Gegner mit allem was laufen konnte sowohl über die Außen als auch über die Mitte zuzustellen. Den Laufaufwand, der da betrieben wurde, insbesondere von den beiden Stürmern Frahn und Kutschke, kann man als Außenstehender gar nicht richtig bemessen. Bezeichnend vielleicht, dass Daniel Frahn in Hälfte eins für einige Sekunden den Linksverteidiger(!) gab. Ausgehend von diesem Laufpensum und dem permanenten Stören, sobald es in die Nähe des Leipziger Strafraums ging, gab es sogar diverse Szenen, in denen der Ball bei RasenBallsport flüssig und zielstrebig Richtung Spitze lief. Dass der letzte Pass aber auch oft nicht ankam, sei zumindest erwähnt.

Die Story des Spiels war sicherlich Ingo Hertzsch, der sein letztes Spiel als Profi absolvierte und als Rechtsverteidiger meine persönliche Angstposition besetzte. Dank der Unterstützung seiner Nebenleute kam seine fehlende Schnelligkeit aber nicht negativ zum Tragen und sein Stellungsspiel war für diese 90 Minuten zumindest akzeptabel. Groß wurde die Story dadurch, dass ausgerechnet er als derjenige, der seine Karriere in Chemnitz startete und sie nun im administrativen Bereich bei RB fortsetzt, das Siegtor köpfte. Einen derartigen Jubelberg an Spielern habe ich bei den sonst eher zurückhaltenden Tor-Jublern von RasenBallsport Leipzig auch noch nicht gesehen. Ein großartiger Moment, eine geile Story und ein absolut würdiges Ende einer großen Fußballerkarriere. Ingo Hertzsch, letztes Jahr offizieller, dieses Jahr inoffizieller Teamleader, Sympathieträger und angenehmer Spielertyp und -charakter. Als Mann der ersten RasenBallsport-Stunde wird er wohl immer ein heimeliges Plätzchen in den Herzen jener vorfinden, die auch seit Anbeginn als Anhänger dabei sind. Würde mich nicht wundern, wenn Hertzsch in den nächsten Jahren auf der einen oder anderen Zaunfahne wieder auftaucht. Wie sagte es der verletzte Kapitän Tim Sebastian so schön in der Halbzeitpause (sinngemäß zitiert): Dass Ingo das Tor köpft, passt wie die Faust aufs Auge.

Die erste Halbzeit zwischen RasenBallsport Leipzig und dem Chemnitzer FC jedenfalls war ein zutiefst ausgeglichenes Spiel, das – so ich mich recht erinnere – nach 20 Minuten etwas einschlief, ohne je langweilig zu werden. Das 1:0 war sicherlich nicht völlig unverdient, aber es war nun auch nicht unbedingt so, dass eine der beiden Mannschaften die Nase in Hälfte 1 optisch weit vorn hatte. Beim Boxen wäre das wohl als Unentschieden-Runde durchgegangen. Im Fußball stand es nach suboptimalem Abwehrverhalten der Chemnitzer Hintermannschaft eben 1:0 für die RasenBallsportler.

Und dieses 1:0 verteidigte RasenBallsport Leipzig in der zweiten Halbzeit mit allen zur Verfügung stehenden legalen und illegalen Mitteln. Man hätte weniger zittern müssen, hätte man das 2:0 nachgelegt. Thiago Rockenbach hatte die Riesenchance dazu, allein vor dem Tor. Und auch die eine oder andere Überzahlsituation hätte man genaugenommen konsequenter und genauer ausspielen müssen. So musste man die zweite Hälfte durchzittern und mit zunehmender Spieldauer wurde es für den Schiedsrichter dank diverser Nicklichkeiten und kleiner Fouls nicht leichter. Der Schiedsrichter hat sicherlich nicht unterirdisch gepfiffen und nimmt man seine Entscheidungen im Spiel im Schnitt lag er wohl bei beiden Teams gleichermaßen mal richtig und mal falsch. Dass ihm das Spiel gegen Ende fast noch aus den Händen glitt, lag wohl weniger an ihm, sondern viel mehr am leidenschaftlichen Kampf um den richtigen Spielausgang auf dem Rasen. Die RasenBallsportler jedenfalls waren an den extremen Rudelbildungen und Schubsereien und dem Platzverweis für Kutschke (der mit seinen Aktionen immer am Rande der gelben Karte und in der Konsequenz des Platzverweises agiert) definitiv nicht schuldlos. Dass der Schiedsrichter gleich zwei Chemnitzern das vorsätzliche und durchaus heftige Umstoßen des Gegners durchgehen und die rote Karte stecken ließ, sei aber auch vermerkt. Letztlich war das wohl so etwas wie Fingerspitzengefühl, denn bei dem Platzsturm durch die Kader beider Teams mitten im Spiel, der von Ordnern (!) geschlichtet werden musste, hätte man im Extremfall vor lauter roten Karten wohl auch nicht mehr recht gewusst, wen man noch auf dem Platz lassen sollte. Der Schieri jedenfalls wird drei Kreuze gemacht haben, als er das Spiel abpfeifen durfte. Und letztlich kam das unfreundschaftliche Knäuel aus Leipzigern und Chemnitzern vor allem den RasenBallsportlern zu Gute, für die in diesem Fall die Uhr tickte. Muss man ja auch mal erwähnen.

Wie schon im Spiel gegen Wilhelmshaven trug der Schieri (gerechtfertigt oder ungerechtfertigt sei dahingestellt) zur Emotionalisierung des sowieso schon gut anwesenden Publikums bei, das die RasenBallsportler vom Unparteiischen ungerecht behandelt gesehen haben wollte. Was wiederum zu einer großartigen Pokalatmosphäre auf den Rängen beitrug. Die waren mit reichlich 13.000 Zuschauern ähnlich gut besetzt wie beim letzten Aufeinandertreffen in der Red Bull Arena. Allerdings war der Anteil der RasenBallsport-Unterstützer diesmal wesentlich höher (ca. 10.000). Genauso wie der Beitrag der RB-Fans zur Stimmung. Im November noch hoffnungslos dem stimmgewaltigen Gästeanhang unterlegen, war das Gesangsduell zwar noch lange nicht ausgeglichen, aber die RB-Kurve zumindest schon mal wahrnehmbar und ein Faktor. Wie das zukünftig mit der Stimmung funktionieren könnte, zeigte sich im späteren Teil der zweiten Hälfte, als zuerst das Stadion beim bei mir nicht sonderlich gelittenen ‚Steht auf, wenn ihr Leipziger seid‘ zu weitesten Teilen mitmachte, um dann noch eins drauf zu setzen und einen ‚RBL‘-Wechselgesang zwischen den Blöcken A und B zu intonieren, bei dem sich kaum Zuschauer ausnahmen. Das klang von Block C aus verdammt, verdammt geil. Und zeigt auch wieder mal, was da an fußballkulturellem Potenzial schlummert und erweckt werden will. Kriegt man Block A mit ins Boot wird die Red Bull Arena tatsächlich zur heimischen Stimmungsfestung. Dürfte wohl aber auch erst ab 8.000 Zuschauern ansatzweise so klappen wie gestern.

Überhaupt war dieses gestrige Sachsenpokal-Finale ein eindrucksvolles Statement für fußballbezogene Leidenschaft und Emotion. Auf dem Rasen UND auf den Rängen. Ausgerechnet bei einem Kunstprodukt, wie es Ede Geyer, der zwar in seiner Karriere durch Erfolg, aber auch nicht unbedingt und immer durch Schläue aufgefallen ist, erst gestern via Sport BILD nannte. Das gestrige Spiel war auch eine Absage an den Mythos, der nach dem Einstieg von Red Bull vor zwei Jahren von anderen Leipziger Vereinen immer gepflegt wurde, dass RB erst ab Liga 2 funktionieren werde. Sicherlich zieht es viele Leipziger möchtegernmäßig in die Bundesliga (mir persönlich ist es als Thema eher egal), aber gestern zeigte sich wieder einmal, dass die Zuschauer derzeit nicht wegen der Bundesliga in die Red Bull Arena strömen, sondern weil sie hier und heute Bock haben auf Fußball. Selbst Viertligafußball. Auch wenn das Duell mit Chemnitz von seinem Niveau und seinem Umfeld in allen drei Spielen sicherlich mindestens Drittligacharakter hatte.

Überhaupt werde ich die Duelle mit Chemnitz im nächsten Jahr vermissen. Und das liegt nicht daran, dass die Chemnitzer Fans via Zaunfahne eine besondere Verbindung des CFC mit Chelsea, also dem eigentümergeführten Kommerzfußball demonstrierten. Durch die besondere, sportliche Situation in dieser Saison hat sich zwischen beiden Teams eine Rivalität entwickelt, die fast schon Derbycharakter hat. Welcher sich in den Spielen nur allzu manifest sportlich auslebte. Was den Spielen ein Würze gab, die das nicht immer hohe, spielerische Niveau in den Duellen locker kompensierte. Mir persönlich wird der Chemnitzer FC schon deswegen als Ligarivale fehlen, weil mir ihr Dortmundeskes Gehabe um ihre sportlichen Leistungen ein wenig auf den Magen schlug und man sich dann schon ein wenig danach sehnt, dass die Chemnitzer im direkten Duell ihre Grenzen erkennen müssen. Was sie aufgrund ihrer sportlichen Stärke nicht in jedem Fall tun würden. Aber darum geht es ja nicht, sondern um den Reiz des Underdoggefühlbesiegens. Dass der Chemnitzer FC mit seiner drei Jahre lang gewachsenen Mannschaft und einem Etat, der selbst nach Bekunden der Vereinsführung über Regionalliga-Niveau lag, weswegen der Aufstieg eine wirtschaftliche Notwendigkeit war, die ganze Zeit so tut, als hätte man mit einer Mannschaft a la dem Rest von Leipzig 1964 die Meisterschaft geholt, ist ähnlich schräg wie das Getue der Dortmunder Vereinsführung, bei dem man immer glauben könnte, dass sie den Etat des SC Freiburg noch weit unterbieten würden. Sei es drum, es tat gut gestern und für diesen einen Tag zu sehen, dass man dem Chemnitzer Gute-Laune-Spiel auch mal diverse Sandkörnchen ins Getriebe werfen kann. Außenstehende mögen das aufgrund der unterschiedlichen Selbstverständnisse der beiden Vereine als normal betrachten, aber was ist im Fußball schon normal, wenn ein Team (CFC) einen Lauf hat und das andere (RBL) eine durchwachsene Saison hinter sich. Mir persönlich tut die Niederlage der Chemnitzer gut und vermutlich mache ich jetzt auch meinen Frieden damit, dass sie aufgestiegen sind und kann ihnen viel mehr noch als vorher alles Gute wünschen für die dritte Liga. Das nennt man dann wohl die Gönnerhaftigkeit auf Pokalgewinnerseite. Aber noch einmal ernst dazu gesagt: dass die Chemnitzer bereits vor der Saison, den Aufstieg als Ziel ausgaben und das trotz der RB-Konkurrenz (keine Angst vor großen Namen), finde ich immer noch bemerkenswert und schon dafür haben sie bei mir einen kleinen Stein im Brett.

Fazit: Ein großartiger Pokalabend im perfekten Ambiente der Leipziger WM-Arena mit geiler Fußballatmosphäre. Schön, dass der Saisonabschluss derart gelungen ist. Schön vor allem für alle, für die es der letzte Auftritt im RB-Trikot war. Und nun dürfen wir uns alle schon mal den 11.06. merken, denn da wird die erste Runde des nächstjährigen DFB-Pokals in der ARD ausgelost. Von Paderborn bis Bayern ist vieles möglich..

Randbemerkung 1: Schön, dass Block C mal wieder auf war. Schade, dass er durch diverse Zaunabsperrungen nur arg partiell besetzbar war. Schade, dass der Block wohl auf längere Zeit, aufgrund dessen, dass er frühestens ab 10.000 Zuschauern relevant wird, wieder geschlossen bleiben wird. Ich finde es schön auf der Seite. Man hat aus irgendeinem Grunde einen besseren Überblick über das Stadion. Liegt vielleicht daran, dass man direkt in die VIP-Boxen gucken kann. Und gestern sehen durfte, dass sogar der Oberrang für Zuschauer geöffnet wurde. Schlecht an Block C gestern zumindest, dass man diesem Teil des Stadions keinen Lautsprecherton gestatten wollte. Schräg, wenn einem bei der Wahrnehmung beispielsweise der Teamvorstellung der Stadionsprecher fehlt. Glücklicherweise wurde das in der Halbzeitpause behoben.

Randbemerkung 2: Dass Sven Neuhaus mit einigen Paraden den Sieg festgehalten hat, ist ein schöne Geschichte, von der er sich letztlich nichts kaufen kann. Erst vor einigen Tagen bei RasenBallsport Leipzig ausgemustert, hatte er vor dem Spiel noch im Affekt via BILD geätzt, dass RB der größte Fehler seiner Karriere gewesen sei. Davon sah man im Spiel jedenfalls nicht. Hören zumindest konnte man den Zuspruch der Fans, der sich auch in einem Banner an die Vereinsführung äußerte, in dem unter anderem die Personalentscheidung Anti-Neuhaus kritisiert wurde. Ich persönlich gestehe Peter Pacult zu, dass er seinen Kader plant, wie er es für richtig hält, denke aber, dass sich in der Personalie Neuhaus zeigt, was der negative Effekt dessen ist, wenn jemand die sportlichen Entscheidungen trifft, der (noch) gar nicht vor Ort ist. Einen Spieler zu kicken, der beim Publikum beliebt ist und sich als Spieler permanent professionell verhalten hat, nur weil der ein intelligenter Mitbürger ist und von Zeit zu Zeit mal einen wohltemperierten Satz fahren lässt, ist ziemlich unklug. Macht man eigentlich nur, wenn man die Stimmungen und Meinungen im Vereinsumfeld nicht realistisch einschätzen kann.

Randbemerkung 3: Während Blöcke B (Heim) und D (Gast) bei der Siegerehrung die jeweils anderen Teams auspfiffen, zeigte sich Block A sportlich und zollte dem Verlierer aus Chemnitz durch Beifall, den Respekt, den sie aufgrund ihrer Saisonleistungen in jedem Fall verdienten. Sehr schöne Geste.

Randbemerkung 4: Bitte, bitte, bei der nächsten, solchen Gelegenheit nicht gleich wieder direkt nach dem Spiel vier Minuten lang laut Musik machen (oder war das die Idee des Sächsischen Fußballverbandes). ‚Fight for your right to party‘ mag ja ein Knaller sein und man kann den Refrain auch mitgrölen, aber man braucht ihn eigentlich nicht direkt nach Schlusspfiff, wenn man erst mal Beifall spenden, ole rufen oder ‚Oh wie ist das schön‘ singen würde wollen..

Lichtblicke:

  • Das Publikum: da ist noch viel Luft nach oben und manchmal merkt man, dass es in diesem Stadion mit diesem Team keine oder erst eine kurze Geschichte gibt und die Zuschauer auch noch keine vertrauten, gemeinsamen Gepflogenheiten entwickelt haben. Aber gestern klang es auf beiden Seiten der Fußballgucker, also auch auf Seiten der RasenBallsport-Anhänger absolut nach Fußball.
  • Das Team: Viel wurde vor dem Spiel über demotivierte RasenBallsportler, die über nicht verlängerte Verträge sauer wären, spekuliert. Ich habe keinen dieser Spezies gesehen. Genaugenommen dürften sowieso nur Nico Frommer ein wenig und Sven Neuhaus sehr doll enttäuscht gewesen sein über ihren erzwungenen Abgang. Für die anderen ist schon seit Wochen klar, wohin die Reise geht. Ich jedenfalls habe ein sehr homogenes Team gesehen, das zusammen die entscheidenden zusätzlichen Meter gemacht hat, um den Pokal nach Leipzig zu holen.

Schattenblicke:

  • Och nö.

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Tore: 1:0 Hertzsch (39.)

Gelb-Rot: Kutschke (90.)

Aufstellung: Neuhaus – Hertzsch, Kläsener, Franke, Müller – Laas, Geißler – Schinke, Rockenbach – Frahn, Kutschke

Zuschauer: 13978

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], CFC-Bericht

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22 Gedanken zu „RasenBallsport Leipzig vs. Chemnitzer FC 1:0“

  1. Erstmal Glückwunsch zum Sieg, RB mit leichten Vorteilen – wer in der Partie das erste Tor schiesst gewinnt. Stinksauer bin ich ob der Randbemerkung 1: es nützt nichts wenn man Block C als Alibi aufmacht, in jeder Ankündigung (vor allem auch bei arena-ticket) aber steht das nur A,B und D offen sind. Die Quittung gab es dafür mit einem zusammengepressten A und menschenleeren C. Da kommt man wrsl dann auch auf Rechnungen wie 10000 für RB, der Rest für den CFC. Da haut man sich doch selbst die Taschen voll, ein ganzer Haufen im A Block waren frustrierte Eventis die auch für den CFC gejubelt hätten – keine Allesfahrer sondern Allesklatscher. Trotzdem fällt der quantitative Sprung auf RB Seite (auch Fanblock) auf, wie schnell diese aber wieder bei Mißerfolg verschwinden dürfte jedem klar sein.

  2. Block C war auch bis einen Tag vor dem Spiel nicht eingeplant und wurde als offener Block meines Wissens nur 24 Stunden vor dem Spiel über die Vereins-Homepage kommuniziert: „Da die Haupttribüne voll besetzt sein wird, werden weitere Plätze im südlichen Teil von Sektor C (Gegengerade) vorgehalten. Karten gibt es ab Stadionöffnung an einer separaten Kasse an der Festwiese links vom Glockenturm.“ Also sowieso kein Vorverkauf. Ist natürlich blöd einen Block kurzfristig zum Spieltag zu öffnen, von dem kaum einer was weiß und auf den es am Stadion auch keinen Hinweis gibt (oder gab es Karten für Block C auch an der Hauptkasse?).

    Dass die Quantität der Fußballanhänger extrem erfolgsabhängig ist, sieht man bei jedem Verein. Dass war früher beim FC Sachsen nicht anders, wenn ich an die 10.000 Zuschauer mal in einem Spiel gegen Cottbus II, in dem es um die Aufstiegschance ging und die sonst 2.000 Besucher (oder gar weniger?) bei den damaligen Oberliga-Spielen denke. Vom CFC mit seinen in der Hinrunde knapp 3.000 Zuschauern und den 12.000 beim Aufstiegsspiel mal ganz zu schweigen. So ists im Fußball. Gegen Wilhelmshaven nächstes Jahr kommen dann wieder 3.500 und es wird trotzdem schön.

  3. Der Rotebrauseblogger hat es immer noch nicht begriffen. Die, die zu RB gehen, sind keine Fans sondern nur Konsumenten und willenlose Sklaven die fremdgesteuert und -finanziert sind. Die, die zu den anderen (überwiegend ostdeutschen) Robin-Hood-Vereinen traben sind kompromißlose Fans mit Herzblut, Herzblut und noch mehr Herzblut!!!!

    Das kann doch wirklich nicht so schwer sein, oder?

    (Achtung: Ironie im Beitrag enthalten!)

  4. Och Funki: Draußen ist Sonne und Feiertag, der Sachsenpokal ist gewonnen. Zeit für Besinnlichkeit und Entspannung. Zumal hier niemand vorbeigekommen ist und gestänkert hat. Der intepreter hat zurecht die Frage in den Raum geworfen, inwiefern die 10.000 Leipziger von gestern im nächsten Jahr auch wiederkommen, ohne Sklaven und Herzblut ins Spiel zu bringen oder einander gegenüber zu stellen. Ich habe die Anmerkung zurückgegeben, dass sich da RB wohl kaum von anderen Vereinen unterscheiden wird. Ich persönlich glaube, dass der interpreter dadurch, dass er auch offenbar das eine oder andere RB-Spiel besucht hat, einen relativ guten, recht entspannten Blick auf die sportliche und fantechnische Entwicklung bei RB hat. Von daher ist es doch eigentlich ziemlich überflüssig ihn hier auf die komischen ‚Konsumenten vs. echte Fans Dichotomien‘ zu reduzieren. Womit wir wieder bei Sonne und entspannter Grundstimmung wären..

  5. Och Röti, würde sich nur jeder, interpreter inkl., an deine wohlgemeinten Ratschläge halten wäre die Welt doch viel, viel schöner!

    Was daran neutral sein soll „Da haut man sich doch selbst die Taschen voll, ein ganzer Haufen im A Block waren frustrierte Eventis die auch für den CFC gejubelt hätten“ leuchtet mir bei deiner gewohnten Schwallkette aber nicht ein!

  6. Drei Anmerkungen zu deinem Artikel meinerseits:

    1. Applaus für die Chemnitzer gab es sehr wohl auch aus dem Fanblock der Leipziger. 😉

    2. Es heißt nicht „Steht auf, wenn ihr Leipziger seid“, sondern „Steht auf, wenn ihr für Leipzig seid“. Ein kleiner, aber nicht ganz unwesentlicher Unterschied.

    3. Ich werde den CFC ebenfalls vermissen. Die engen direkten Duelle auf Augenhöhe, die Tatsache, dass die drei Spiele von insgesamt knapp 40 000 Menschen gesehen wurden und die besondere Konstellation, dass nicht RB, sondern der CFC den Aufstieg feiern darf, haben der Partie über den Saisonverlauf mehr und mehr Reiz verschafft. Ich denke, aus RB-Sicht hat das Spiel gegen die Chemnitzer viel mehr etwas Derbyartiges, was man unbedingt gewinnen möchte, als beispielsweise die Duelle gegen Lok oder Sachsen, bei denen man die andere Leipziger Mannschaft gar nicht unbedingt verlieren sehen möchte, weil man selbst mehr oder weniger große Sympathien hegt. Im Idealfall hält der CFC die Klasse und RB steigt auf und man sieht sich dann in der dritten Liga wieder.

  7. @René: zu 2.: das folgte ein wenig der alten Gewohnheit. War mir nach dem Schreiben auch schon aufgefallen. Dachte aber, dass es da sicher einen richtigstellenden Kommentar zu gibt. 😉

    @Funke-F1: ich schrieb bewusst nicht ’neutral‘, sondern ‚entspannt‘. Und wie Du von “Da haut man sich doch selbst die Taschen voll, ein ganzer Haufen im A Block waren frustrierte Eventis die auch für den CFC gejubelt hätten” auf Deine ironischen Anmerkungen von ‚Konsumenten vs. wahre Fans‘ kommst, weiß ich grad auch nicht. Ersteres ist eine These vom interpreter, die man albern finden kann, die sich wohl aber kaum be- oder wiederlegen lassen wird, zweiteres hast ausschließlich Du irgendwo hineininterpretiert. Wenn Du einfach geschrieben hättest, dass Du die Auseinanderdifferenzierungen der Zuschauer in Block A albern findest, dann gut. Du hast da aber einen Zungenschlag reininterpretiert, den ich eher deplatziert oder besser gesagt unentspannt finde.

  8. Keine Ahnung was du in meinen Beitrag reininterpretierst aber

    „Ich bin nur für das verantwortlich was ich schreibe, nicht für das was du verstehst!“

    Danke, bitte.

  9. Da hier ein Satz von mir so zerpflückt wird kurz zur Erläuterung: Ich sass im Sektor A kurz vorm CFC Block. Akustisch hat man den RB Block kaum verstanden, ein „Steht auf… “ habe ich z.B. nicht mitbekommen. In diesem Bereich schätze ich das Verhältnis Leipzig:Neutral:Chemnitz auf 50:30:20 ein, Richtung B Block wird das Verhältnis freilich mehr zugunsten von RB sein. Viele der neutralen sind dann im Verlauf des Spieles zu RB Fans mutiert, die hätten aber auch hämisch bei einem Chemnitzer Sieg über gut bezahlte RB Fussballer hergezogen. Schade das der CFC kein Tor geschossen hat, dann hätte man beim Jubel durchzählen können.
    Deshalb bezweifel ich auch die 10000 – das ein grosser Teil für RB war ist trotzdem unstreitig. Sagen wir um die 8000 und gut ist 😉

  10. Bin ich eigentlich der Einzige der hier ein wesentliches Problem von RB gesehen hat? Das Toreschiessen. Da läuft ein Rockenbach ein ums andere Mal gefährlich in den Strafraum des Gegners und weiß dann letztendlich nicht mehr weiter und vergibt gute Torchancen. Das das Tor auch wieder aus einer Standartsituation raus passiert ist meines Erachtens ebenfalls symptomatisch. Hier fehlt meiner Meinung nach einer der den Riecher hat ein Tor zu machen.
    Ich habe jedenfalls gestern mehr als einmal Chancen gesehen die man in ein Tor umwandeln muss. Wenn das nicht abgestellt wird nächstes Jahr, dann wird es wieder ziemlich schwer.

  11. RB Glückwunsch zum Pokalsieg auch wen ich alles andere als glücklich bin!

    Schattenblicke; Kann jemand den Stadionsprecher vom Stadion fernhalten( ich will nicht erschlagen sagen), der Mann ist nicht zu ertragen!

    Rotebrausemann: Glückwunsch!

    1. „Schattenblicke; Kann jemand den Stadionsprecher vom Stadion fernhalten( ich will nicht erschlagen sagen), der Mann ist nicht zu ertragen!“
      … aber er gibt sich doch solche Mühe 😉

  12. @Hagalaz: Immerhin hatte man die Chancen. Das ist doch auch schon mal was. Den Saisonverlauf im ganzen gesehen, fand ich nicht, dass das Probelm bei RB die Chancenverwertung ist, da hat man gerade Richtung Ende der Saison relativ viel richtig gemacht (Frahn und Kutschke). Insgesamt bleibt eher das Herausspielen von Chancen ein Problem. Auch vorgestern gab es in Hälfte zwei einige Kontersituationen, die einfach nicht gut ausgespielt wurden.

    @Tom Read und claudiob: Man könnte aber auch sagen, dass das auch ein schwerer Job ist. Oder, dass RB ein junger Verein ist, der auch auf der Position wachsen und Erfahrungen sammeln und man dem jungen Mann Zeit geben muss. Oder so. Optimal ist es sicherlich nicht. Kann ja aber noch werden. Besser zumindest.

  13. Ich wollte noch kurz einen Hinweis zum Platzverweis von Kutschke mitteilen, der evtl. nicht so offensichtlich erschien, aber meiner Meinung nach „kurios erwähnenswert“ ist 😉

    Eigentlich wollte TO Kutschke eine Minute vor der gelb-roten Karte nach einem Foul von Stefan und einer unmissverständlichen Geste des Schiris, dass er bei der nächsten Aktion „vom Platz fliegen würde“ vom Platz nehmen und dafür Rosin einwechseln. Jedoch schaffte es der 4. Offzielle an der Seitenlinie nicht „auf die Schnelle“ die Auswechselanzeige korrekt einzustellen.
    Daher, um das Spiel nicht weiter zu verzögern, bis der 4. die Anzeige im Griff hatte, liess der Schiri das Spiel weiterlaufen bzw. gab den Freistoss für Chemnitz frei, der im direkten Gegenzug zu der „Rangelei“ zwischen Pentke und Kutschke führte.

  14. @interpreter sorry, es fiel ein Abseits Tor für den CFC und da der Chemnitzer Anhang lauthals jubelten kann man von ausgehen das es die im Block A auch gesehen haben aber ich hab nicht einen gesehen der da hochgesprungen ist geschweige den gejubelt hätte. Ausser du vieleicht 😀 und beim Aufstehen beim „Steht auf usw. hat sich zu99% der Block A miterhoben. grüsse ^^ und verdreht mal hier keine Tatsachen…Ps.: Beweis gibs beim MDR da ist das ganze Spiel online.

  15. @ Fussballguger: Ich habe jetzt keine Lust die Videos vom mdr durchzuscrollen, denn gleich kommt richtiger Fussball 😉 Da ich aber die Kameraführung von Spielen im ZS kenne (*) bezweifel ich jetzt mal das man in Spielszenen mehr als die ersten 3 Reihen Zuschauer sieht. Vorschlag: gib mir doch einfach die Minuten wo man Sektor A jeweils in der Totalen sieht.
    Meinst du eigentlich das abgepfiffene Handspiel in den ersten Minuten? Genau da konnte man die halbhochgerissenen Arme in meinem Bereich sehen, da der Linienrichter aber sofort den Wimpel oben hatte war das Thema durch.
    Wie der rotebrauseblogger im Beitrag #4 richtig vermutete habe ich schon diverse Spiele im ZS gesehen, auch von RB und es fällt euch (Funke und dir) doch kein Zacken aus der Krone zuzugeben, dass vielleicht „nur“ ca. 7000 – 8000 für RB waren. Das sind immer noch mehr Fans und Interessierte als beim letzten Derby FCS vs. Lok, die zu einem Verein gehalten haben.
    *) Ist eigentlich das ZS das einzige Stadion bei dem die Kamera in Richtung Trainerbänke gerichter ist?

  16. @interpreter: Keine Ahnung, ob es das einzige Stadion ist, aber diese Kameraführung gibt es in der Form auch erst seit RB und auch erst seit dieser Saison. Warum man sich dafür entschieden hat, weiß ich nicht. Die Führungskamera steht jedenfalls im Block C, direkt hinter den Zuschauerreihen, weswegen gegen den CFC auch nur der kleine Bereich im Süden von Sektor C geöffnet wurde. Ich vermute, dass wenn man aufgrund der Ligenzugehörigkeit und den damit verbundenen Zuschauerzahlen wieder permanent mit offenem Sektor C agiert, die Kameraposition auch wieder auf die andere Seite in Block A hinter die Trainerbänke wechseln wird.

  17. @rotebrauseblogger: Ich ziehe meine Frage zurück: Ernst Happel Stadion 😉 Block C wurde auch schon zu FCS Zeiten Richtung A umgezogen wurde, an die Kameraführug kann ich mich jetzt aber nicht erinnern.

  18. Letztes Jahr bei den Derbys mit RB-Beteiligung war die Kameraperspektive jedenfalls noch die von hinter den Trainerbänken.. Und dass der FC Sachsen seine Zuschauer in den A-Block gesetzt hätte und nicht in den C-Block ist mir in den Jahren seit 2004 (und viel länger gibt es das Stadion ja noch nicht) nicht erinnerlich. In der letzten (Insolvenz-)Regionalligasaison jedenfalls saß ich auch – wenn ich denn saß – im Block C und A war zu. In Block A gab es glaube ich mal eine Zeit lang eine Art Kinder- und Familienbereich, der aber meines Erinnerns nach eher weniger genutzt wurde.

    1. Kann durchaus sein das ich hier etwas verwechsel. Ich hätte gedacht das es schon vorher die Kamera aus Block C gab.

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