Identitätsstiftendes

Mitglied zu werden ist bekanntermaßen bei RasenBallsport Leipzig für Normalsterbliche nicht möglich. Schaut man auf andere Vereine fällt auf, dass dort Mitglieder nur zu einem geringen Anteil auch Interesse an der Mitbestimmung im Verein haben (wenn man die Teilnahme an Mitgliederversammlungen als Indiz nehmen mag). Der Mitgliedsausweis hat oft vor allem eine identitätsstiftende Funktion oder verschafft die Möglichkeit, bevorzugt auf Karten zugreifen zu können.

Was also, wenn man bei RasenBallsport Leipzig einen Ersatz für die Vereinsmitgliedschaft, schaffen würde, eine Art Supporter-Ausweis anstatt eines Mitgliedsausweises? Das böte vor allem auch dem Geradenpublikum die Möglichkeit, seine Verbundenheit mit dem Verein auszudrücken, ohne in einen Fanclub eintreten zu müssen, der ja zumindest in seiner offiziellen Form diverse Vorzüge in der Kommunikation mit dem Verein bietet. Ein Supporter-Ausweis wäre ein kleiner, aber feiner identitätsstiftender Baustein mit dem sich öffentlich arbeiten ließe (unser Verein hat … offizielle Supporter – könnte man auch schön mit einem Counter online visualisieren).

Und da RasenBallsport Leipzig offensichtlich für seinen Etat nicht mit Mitgliedseinnahmen plant, könnte man den jährlichen Supporterbeitrag (50 Euro) auch anderweitig verwenden. Ein paar Vorschläge:

  • Eine jährliche Supporterparty mit Mannschaft, Betreuern, Vereinsrest, viel Musik und guter Unterhaltung – Stichwort Event-Fans.
  • Ein jährlicher Scheck für eine soziale Einrichtung nach Wahl (bspw. von den Supportern gewählt) – Stichwort karitative Zwecke und nachhaltige Verankerung des Vereins in der Stadt Leipzig.
  • Die Gründung einer Stiftung, mit der nach DFB-Vorbild eine Art Leipziger Fußball-Museum aufgebaut wird; die Supporter-Beiträge stellen dabei quasi das Stiftungskapital – Stichwort RasenBallsport und die Verankerung im Leipziger Fußball.
  • Die Finanzierung einer der RBL-Nachwuchsmannschaften; Ausrüstung, Spielbetrieb, Trainingslager, Teambuildingausflüge – Stichwort Förderung der sportlichen Arbeit von RasenBallsport Leipzig.

Oder so ähnlich. Der Ideen sind da sicherlich keine Grenzen gesetzt. Dazu könnte man noch ein eigenes Supporter-Online-Portal (Achtung Web 2.0!) aufbauen, spielbezogene Aktionen starten, Gewinne ausloben oder Umfragen zu Verbesserungsmöglichkeiten starten. Sprich, Supporterausweis und daraus resultierender sehr weit gefasster Supporter-Klub könnten das Zusammenwachsen von Verein und Zuschauern unterstützen oder beschleunigen. Gewinner wären sowohl interessierte Anhänger als auch der Verein selbst. Alle glücklich, alles gut. Bei Aufgreifen der Idee hätte ich gerne eine Ehren-Supporterschaft auf Lebenszeit..

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14 Gedanken zu „Identitätsstiftendes“

  1. Diese Art Ausweis wird es zukünftig auch geben. Ist alles schon in Planung.

    Dies betrifft die Mitglieder der OFCs, also der Offiziellen Fanclubs vom RBL.

    In Salzburg ist dies bereits im Einsatz.

  2. Naja, aber es geht mir ja eben genau nicht um Fanclub-Mtiglieder, sondern um das etwas breiter gefächerte Publikum ohne Fanclub-Ambitionen, aber Identifikations-Bedürfnis.

  3. Kein Beitrag über den Leipziger Fußball ohne Seitenhieb auf „andere Vereine“.

    Richtig ist, dass zu vielen Mitgliederversammlungen von Fußballvereinen nur Bruchteile der tatsächlichen Mitglieder erscheinen. Richtig ist aber auch, dass sie zumindestens die Wahl haben, mitzuentscheiden oder nicht. Und gerade, wenn wichtige Entscheidung anstehen, wird es voll im Saal. Übertragen auf eine Demokratie: Die Mitglieder haben zumindestens das Wahlrecht – passiv und aktiv. Bei RasenBallsport hingegen herrscht die Diktatur. Diese Form der Machtausübung noch schönzureden und mit einem Supporter-Kärtchen bunt anzumalen sowie zu betonen, dass die Demokraten ja auch nicht zur Wahl gehen, entbehrt nicht einer großen Portion Zynismus. Hoffentlich macht kein Demokrat je den Fehler und gibt den Zynikern auch noch die Deutungshoheit über ein „Leipziger Fußballmuseum“.

  4. @Alex: Seitenhieb auf andere Vereine? Wenn ich behaupte, dass die Mitgliedschaft bei einem Profifußballverein zum größeren Teil nicht aus Gründen der Mitbestimmung passiert, sondern um seine Unterstützung für (s)einen Verein auszudrücken und sich eine bessere Position beim Erwerb von Karten zu sichern, ist das ein Seitenhieb? Ich würde es als empirische Beschreibung bezeichnen, die man sicher auch diskutieren kann. Naja..
    Und die Idee einer Stiftung(!) für ein Leipziger Fußballmuseum ist nun eben nicht gleichbedeutend damit, die Deutungshoheit über die Geschichte zu beanspruchen.
    Und zum Thema Fußballvereine und Mitbestimmung haben wir wohl grundsätzlich unterschiedliche Ansichten. Ich für meinen Teil würde auch nicht bei Apple mitbestimmen wollen, nur weil ich Apple geil finde (wenn ich das denn tun würde). Dass andere den Anspruch haben, ihren Fußballverein in seinem Tun zu gestalten und nicht nur zu begleiten und zu konsumieren, ist absolut legitim. Dass ich auf die nur formale Möglichkeit der Mitbestimmung bei einem Profifußballverein (ergo einer Firma) auch gern verzichten kann, sei wiederum mir unbenommen.

  5. Stiftungen sind vielleicht per Definition, aber doch de facto Interessensvertretungen. Ein neutrales und nicht RB-finanziertes Leipziger Fußballmuseum würde die Geschichte von Fortuna Leipzig – inklusive der Meisterschaftsspiele gegen den FC Bayern München in den Dreißigern – mehr Raum einräumen, als RB-Spielen gegen den ZFC Meuselwitz im Jahre 2010.

    Wenn es sich bei der Beschreibung der wahren Beweggründe für den Eintritt in einen Fußballverein um eine empirische Studie und nicht eine bloße Vermutung handelt, entschuldige ich mich natürlich bei dir. Wo ist diese Studie denn abzurufen?

  6. Och Alex, eine empirische Beschreibung ist doch nicht gleich eine Studie. Ich mache eine Alltagsbeobachtung, nämlich dass vor allem Profivereine weitaus mehr Mitglieder haben als Mitbestimmwollende. Daraus schließe ich, dass es andere Motive geben muss als das Mitbestimmen. Diese vermute ich in Identitätsfunktion und Kartenkauf. Man könnte anzweifeln, dass die Ausgangsbeobachtung falsch ist (was ich mutig finden würde) und man könnte (wenn man die Beobachtung akzeptiert, wie Du es weiter oben tatest) anzweifeln, dass meine anschließenden Vermutungen stimmen (dann müsste man aber zumindest andere Hypothesen liefern, was denn sonst alternative Motive des Vereinseintritts wären).
    Nimm meine Beschreibung des Zusammenhangs von Mitgliedszahlen und Mitgliederversammlungsbesuchern als empirische Beschreibung und den Rest zu den Motiven als Vermutungen und dann vergiss das mit der von mir nie genannten, empirischen Studie.
    Die Entschuldigung nehme ich trotzdem an. 😉

    PS: Hinsichtlich der Stiftung. Unabhängigkeit hängt u.U. nicht nur von der Finanzierung sondern insbesondere von der personellen Besetzung ab. Und: die Geschichte von Fortuna Leipzig in den Dreißigern wäre sicher ein interessantes Kapitel (ich weiß dazu jedenfalls nichts), wann die Meisterschaftsspiele gegen die Bayern in den Dreißigern stattgefunden haben sollen, musst Du aber noch mal erklären.

  7. So ähnlich stelle ich mir das auch vor. Mitglieder wird es bei RB Leipzig wohl nie geben – aber was spricht gegen einen „Supporter-Ausweis“?

    Meiner Meinung nach seitens des Vereins nur die Überlegung, dass man die Leute lieber in einem Fanclub hätte.

  8. Wobei diese Überlegung ein wenig schräg wäre bei einem Verein, der sich als selbst so sehender Familien-Verein ja vor allem auch an fanclubferne Schichten wendet.

  9. Der Verweis auf Vereine mit Mitgliedern und speziell der Hinweis darauf „dass dort Mitglieder nur zu einem geringen Anteil auch Interesse an der Mitbestimmung im Verein haben“ im Zusammenhang mit dem „Supportergedöns“ erinnert mich doch sehr an „Der Fuchs und die Trauben“ 🙂

  10. @Tom Read: Lass mich so sagen: Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich diese Interpretation nicht nachvollziehen kann. Andererseits soll es tatsächlich Menschen geben, die nicht ausschließlich und permanent Trauben essen wollen..

  11. „Ich mache eine Alltagsbeobachtung, nämlich dass vor allem Profivereine weitaus mehr Mitglieder haben als Mitbestimmwollende. Daraus schließe ich, dass es andere Motive geben muss als das Mitbestimmen.“

    Diese Beobachtung setzt gleichzeitig voraus, dass immer die gleichen Mitglieder zu MVs gehen und es – über empirische Betrachtungszeiträume hinweg – keine Durchmischung gibt. Aber lassen wir das.

    Und ich bleibe dabei – Mitgliederversammlungen sind ein sinnvolles Korrektiv für Vorstände und Aufsichtsräte von Fußballvereinen. Die legendären MVs bei Bayern München („Ihr seid doch für die Scheiß-Stimmung verantwortlich“) und dem HSV (mit eigener Fanabteilung) sind für mich Sinnbilder einer lebendigen Vereinskultur.

    „wann die Meisterschaftsspiele gegen die Bayern in den Dreißigern stattgefunden haben sollen, musst Du aber noch mal erklären.“

    Mit den Dreißigern habe ich falsch gelegen. Das Spiel war am 16. Mai 1926 und endete 2:0 für Fortuna. Im Viertelfinale verlor Fortuna dann gegen den HSV. Alles nachzulesen in den Fußball-Chroniken von Jens Fuge oder hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Fu%C3%9Fballmeisterschaft_1925/26.

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