Halbzeit in den englischen Wochen

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht zur Partie von RB Leipzig beim FC Augsburg (19.09.2017, 20.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz ein Tag vor dem Spiel. Mit Ralph Hasenhüttl.]

Weiter geht es im engen Spielrhythmus. Teil 4 von 7 in den ersten drei englischen Wochen der Saison von RB Leipzig, die bis zur Winterpause fast nur aus englischen Wochen besteht. Quasi Halbzeit dieses ersten Abschnitts zwischen zwei Länderspielpausen.

Für RB Leipzig steht die Reise zum FC Augsburg an. Nach zwei Unentschieden in Champions League und Bundesliga, mit denen man in Leipzig nicht so richtig zufrieden war. Weil man hätte besser spielen und dadurch beide Spiele gewinnen können.

Ein ganz kleines bisschen ist die Partie in Augsburg für RB schon wegweisend, auch wenn das am fünften Spieltag immer noch alles recht vorläufig ist. Aber zwischen sieben und zehn Punkten ist nach fünf Spielen alles drin. Punktetechnisch umfasst das also alle Optionen von durchwachsen bis sehr gut.

Der FC Augsburg ist derweil überraschenderweise wie RB Leipzig mit sieben Punkten aus vier Spielen in die Saison gestartet. Das hatten dem Team nicht viele Beobachter vor der Saison zugetraut. Vielmehr wurde Augsburg immer wieder als Mannschaft genannt, die zum engeren Kreis der Abstiegskandidaten gehört. Mit Siegen gegen Köln und in Frankfurt hat man allerdings gegen vielleicht ja auch direkte Konkurrenten schon mal Ausrufezeichen gesetzt. Dass man überhaupt schon eine Niederlage auf dem Konto hat, liegt an einem eher unglücklichen 0:1 zum Auftakt der Saison in Hamburg.

Dass man Augsburg diese Saison nicht so richtig auf dem Zettel hatte, liegt auch daran, dass der Verein ein wenig einen Umbruch versuchte und ein paar Stützen der Mannschaft abgab. Halil Altintop, Paul Verhaegh und Raul Bobadilla verließen aus der Ü30er-Fraktion den Verein. Zudem verließ Dominik Kohr den Klub, weil Bayer Leverkusen eine Rückkauf-Option zog.

Auf Zugangsseite verzeichnete man diverse Spieler, die nach Leihen nach Augsburg zurückkehrten. Spieler wie Erik Thommy oder Daniel Opare, von denen man eigentlich nicht erwartete, dass sie sofort helfen können (wobei man sich da zumindest bei Opare offenbar täuschte). Per se wichtiger Neuzugang war dagegen Marcel Heller, der mit seiner Schnelligkeit auf der Außenbahn perfekt in die Mannschaft passt. Michael Gregoritsch kam vom HSV für vergleichsweise viel Geld. Sergio Cordova grub man in Venezuela aus. Und Rani Khedira kam aus Leipzig und vergrößerte die Ex-RB-Fraktion in Augsburg in der Hoffnung, dass er dort mehr Spielzeit bekommt. Eine Rechnung, die bisher zumindest teilweise aufgeht.

Schwer würde es Augsburg auch haben, so dachte man zumindest, weil man über einen sehr großen Kader verfügt. Da das Thema Dreifachbelastung in Augsburg aber keins ist, hätte man annehmen dürfen, dass Unzufriedenheit ein ständiger Begleiter wird. War es zu Beginn der Saison auch schon, als Khedira oder Heller nach Bankplätzen ihre Ansprüche auf Spielzeit anmeldeten. Aber zu Leistungseinbußen führt es bisher nicht.

Allein mit den Spielern, die diese Saison noch nicht mal auf dem Platz standen, könnte man fast einen Spieltagskader füllen. Knapp 30 Feldspieler tummeln sich im Augsburger Kader und hoffen auf Einsatzzeiten. Bei RB Leipzig lautet die Formel 20 Feldspieler plus drei Nachwuchsspieler im Profikader. Und selbst da stellt sich trotz Dreifachbelastung ja schon das Problem, dass nicht alle Spieler gleichermaßen in den Genuss von Einsatzzeiten kommen werden. Wird sicherlich über die Saison nicht einfach für Coach Manuel Baum diese Gemengelage in Augsburg zu moderieren.

Interessant auch die Planung der Torwartposition. Dort hat sich Augsburg mit Fabian Giefer noch einen weiteren Keeper geholt. Nun hat man mit Hitz, der entgegen der Erwartungen doch blieb, Luthe und Giefer ein Trio, von dem jeder ganz gut in einem Bundesliga-Tor stehen könnte und auch in einem Alter ist, wo man sich eigentlich nicht mehr hinten anstellen will. Auch das dürfte einen erhöhten Moderationsaufwand mit sich bringen.

Personell hat Manuel Baum die Qual der Wahl. Spieltaktisch hat er sich mit seinem Team schon gut in die Saison gefunden. Dafür mitverantwortlich auch Alfred Finnbogason. Mit dem Til-Schweiger-Double isländischen Stürmer hat man den Torjäger zurück, den man letzte Saison so lange verletzungsbedingt so schmerzhaft vermisste. Sechs Tore erzielte er in den letzten sieben Bundesliga-Spielen saisonübergreifend. Ein Dreierpack war es im letzten Heimspiel gegen Köln. Finnbogasons Wege in die Tiefe sind sehr gut. Aber er wird von seinen Kollegen auch gut eingebunden.

Spieltaktisch ist man im Offensivspiel sehr auf Finnbogason zugeschnitten. Entweder über lange Bälle auf die Spitze, die der dann ablegen soll. Oder aber über Anspiele auf die schnellen Außenpositionen, die dann den zentralen Stürmer bedienen sollen. Heller kann da rechts sehr viel Betrieb machen. Schmid, Caiuby oder Cordova können auch auf den Außenbahnen unterwegs sein. Unterstützung gibt es vor allem von Philipp Max auf der linken Seite, der zuletzt Konstantinos Stafylidis ersetzte, der wegen eines möglichen, aber später geplatzten Wechsels zum HSV hinten dran war. Opare war als Framberger-Ersatz rechts dagegen vornehmlich mit Offensivaufgaben betraut.

Gegen den Ball spielt der FC Augsburg die Dinge inzwischen sehr flexibel. In Frankfurt trat man am Samstag im Gegensatz zu den Spielen davor mit einer Fünferkette auf, in der Khedira das Mittelglied spielte (was er gar nicht schlecht machte), aber auch immer wieder nach vorn raustrat, wenn es das mannorientierte Verteidigen erforderte. Davor agierten mit Heller, Koo, Baier und Schmid vier Akteure, die flexibel in Ballnähe anliefen und den Gegner unter Druck setzten. Viel fiel den Frankfurtern gegen dieses flexible Bollwerk lange nicht ein. Die Art der Augsburger Spielorganisation führt auch dazu, dass man viele Sprints und Laufwege im hohen Geschwindigkeitsbereich macht, aber nicht ganz so viel Gesamtlaufstrecke zurücklegt.

Augsburg ist mit seiner ganzen Spielanlage ein klassisches Umschaltteam, das in seiner Verteidigung aber wesentlich flexibler aufgestellt ist als manch andere Mannschaft mit ähnlichem Fokus. Und Augsburg schafft es, aus diesem Spiel heraus, viele Chancen zu erspielen. Nur sechs Teams schließen häufiger ab als der FC Augsburg. Nur bei Borussia Mönchengladbach ist der Anteil der Schüsse, die von innerhalb des Strafraums abgegeben werden, noch höher als beim FC Augsburg.

Sprich, die Augsburger haben unterdurchschnittlich häufig den Ball und spielen im Ballbesitz schnell nach vorn. Was gewisse Abstriche bei der Passquote (drittschlechtestes Team der Liga) mit sich bringt. Aber wenn sie dann mal durchkommen (was gar nicht mal selten der Fall ist), dann schließen sie auch aus eher tornahen Positionen ab. Nicht überraschend dabei, dass sich der Ball beim FC Augsburg eher selten im Mitteldrittel aufhält, sondern eher direkt und gern auch per langem Ball in die Spitze gespielt wird.

Trotz flexibler Verteidigung sind die Augsburger aber defensiv nicht unanfällig. Zwar hat man erst vier Tore kassiert. Nur vier Mannschaften haben allerdings mehr Torschüsse zugelassen als der FCA. Es spricht aber auch für die zentrale Verteidigung um Martin Hinteregger, dass man dabei kaum Großchancen zulässt.

Auf RB Leipzig wartet so ein wenig eine ähnliche Aufgabe wie schon in der Rückrunde der letzten Saison, als man sich in Augsburg vom FCA mit 2:2 trennte. Ballbesitz gegen einen Gegner, der versucht gut zu verteidigen und dann auf den Außenbahnen und im Sturm die Waffen hat, Ballgewinne für gut ausgespielte Konter zu nutzen. Wobei der Kader der Gastgeber auf den offensiven Positionen inzwischen (durch Neuzugänge und durch Spieler, die nach Verletzungen zurückkehrten) noch besser auf eine solche Spielweise zugeschnitten ist.

Bei der nicht unwichtigen Auswärtsaufgabe beim FC Augsburg wird auf Seiten von RB Leipzig sicher wieder auf der einen oder anderen Position rotiert. Timo Werner bietet sich dafür an, weil der nun schon seit Saisonbeginn inklusive Nationalmannschaft durchspielt und auch gegen Mönchengladbach zuletzt wieder Topsprinter im Team war. Gegen die zu erwartende Fünferkette der Gastgeber sind vielleicht sowieso andere Qualitäten in vorderster Linie gefragt. Möglich, dass da auch ein Marcel Sabitzer als zweiter Stürmer in Frage kommt. Möglich auch, dass ein Emil Forsberg vor den kommenden Aufgaben noch mal eine Pause bekommt. Auch ein Upamecano wäre nach drei Spielen am Stück vielleicht mal dran mit einer Pause vor den letzten drei Spielen der ersten drei englischen Wochen.

Mögliche Aufstellungen:

  • FC Augsburg: Hitz – Opare (Framberger), Gouweleeuw, Khedira, Hinteregger, Max (Stafylidis) – Heller, Koo, Baier, Schmid (Max, Caiuby) – Finnbogason
  • RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Orban, Compper (Upamecano), Halstenberg – Demme, Laimer (Ilsanker) – Sabitzer (Kampl), Forsberg (Bruma) – Poulsen, Augustin (Sabitzer)

Fazit: Wichtiges Spiel für RB Leipzig inmitten der englischen Wochen, um in der Bundesliga nicht ins Mittelfeld der Tabelle zu rutschen. Auch nicht unwichtig, sich angesichts der vor allem nach der Länderspielpause wartenden Aufgaben (in Dortmund, in München) ein kleines Punktepolster anzulegen. In Augsburg wartet auf RB allerdings eine unangenehme Aufgabe gegen eine Mannschaft, die ihr Umkehrspiel in dieser Saison noch mal deutlich zielstrebiger und zielführender ausspielt als noch in der Vorsaison.

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[Wer das Spiel von RB Leipzig beim FC Augsburg nicht vor Ort verfolgen kann und am 19.09.2017, ab 20.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. FC Augsburg

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Nächste Aufgabe für Ralph Hasenhüttl mit RB Leipzig: der FC Augsburg. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz ein Tag vor dem Spiel von RB Leipzig beim FC Augsburg mit Ralph Hasenhüttl.

11.20

So. Geht schon wieder weiter. Morgen also nach Augsburg. Da warten Rani Khedira und Georg Teigl. Zumindest Khedira könnte auflaufen. Teigl dagegen dürfte eher nicht spielen, auch weil er zuletzt Rücken hatte.

11.23

Ein bisschen ist das wohl dieser Bundesliga-Alltag, von dem man immer so viel hört. Dienstag-Abend nach Augsburg mitten in drei englischen Wochen. Da ist der Begriff Alltag schon nicht ganz falsch.

11.28

Medieninteresse heute eher so auf Drittliga-Niveau und nicht auf Monaco-Niveau. Aber auch diese Wellen im öffentlichen Medieninteresse kennt man ja schon aus der Vergangenheit.

11.29

Wird interessant, wer dann morgen ran darf. Weiterhin wahrscheinlich, dass vor allem Werner und Upamecano ihre Erholungspausen kriegen. Mal sehen, ob Hasenhüttl sich da schon ein bisschen in die Karten gucken lässt.

11.36

Ralph Hasenhüttl: Naby Keita fehlt natürlich. „Ein paar Spieler haben ein bisschen viel gespielt zuletzt. Deswegen Wechsel. Upamecano wahrscheinlich nicht dabei. Vielleicht Klostermann auch nicht.“ Belastungssteuerung. „Wichtig, frische Kräfte zu bringen.“

„Gelernt, dass wir uns verabschieden müssen, immer mit der selben Truppe zu spielen.“ Gegen Gladbach hat es gut funktioniert, durchzuwechseln. „Fähigkeit, Spiele auf unsere Seite zu ziehen, hat zuletzt gefehlt. Gegen Monaco und Mönchengladbach wäre es möglich gewesen. Viel gut gemacht, aber nicht alles.“ Fehler vor Gegentoren abstellen, um sich nicht selbst um den Erfolg zu bringen.

„Gute Stimmung im Augsburger Stadion. FCA wird alles versuchen, was mitzunehmen.“ Schon letzte Saison schwer. „Wird wieder eine Mammutaufgabe. Sind gegen Gladbach wieder viel gelaufen, auch wegen schlechtem Ballbesitz in der zweiten Halbzeit. Müssen in Augsburg bis zum Schluss voll da sein.“

11.40

Hasenüttl: Weiß noch nicht, ob Werner spielt. „Ist fit und hat eine überragende Form. Lässt man nicht gern draußen so einen Spieler..“ Will auch auf Werner hören. Man muss auch gucken, wie hoch die Verletzungswahrscheinlichkeit nach hoher Belastung in den letzten Wochen ist.

Kein Sonntag durch die englischen Wochen gehabt. Jeweils früh im Trainingszentrum. Viel Videostudium. Keine Enheit zur direkten Vorbereitung. Heute Flug nach Augsburg.

„Schade, dass Keita gegen Augsburg nicht dabei ist. Brauchen da spielerische Lösungen. Augsburg wird auf Konter lauern.“ Ist aber gegen die meisten Gegner so, dass man aus dem Ballbesitz Lösungen finden muss. „Machen wir in letzter Zeit sehr gut. Zwei überragende Tore gegen Mönchengladbach. Da ist Keita ein belebendes Element. Macht Fehler, aber geht auch viel Risiko.“

11.42

Hasenhüttl: „Konrad Laimer zuletzt sehr gut.“ Kampl auch als Keita-Alternative gegen Augsburg.

„Keita saugt oft Bälle von oben herunter. Macht er überragend.“ Gegen Gladbach Kramer zu treffen, war keine Absicht. „Rote Karte kann man geben, das war ok. Glaube, Strafe wird sich in Grenzen halten.“ „Muss nicht mit ihm sprechen über das Foul.“

Khedira in Augsburg sehr ordentlich. „Spieler mit Charakter und Hingabe. War mir klar, dass er in Augsburg gut aufgehoben ist.“

11.46

Hasenhüttl zum Casteels-Foul: „Gehörte früher zur Torwart-Schule, dass man beim Rauskommen das Knie anzieht. Habe als Stürmer in solchen Situationen frühzeitig abgedreht.“ Gibt auch Situationen umgekehrt, wo der Stürmer im Kampf um den Ball mit dem Bein voran unglücklich mit dem Keeper zusammenprallt. „Casteels hat ihn nicht kommen sehen“, deswegen war es unglücklich und heftiger Zusammenprall.

Zur Frage der Transparenz der Gehälter: „Interessiert mich auch nicht, was ihr verdient oder meine Spieler verdienen.“ Weiß nicht, warum Spielergehälter interessant sein sollten. Ist Privatsache.

„Wir wollen, dass unser Spiel immer aktiv und lebendig ist. Schließt aber nicht aus, dass man Ergebnisse verwalten und souverän über die Zeit bringen kann. Wenn man Zugriff auf das Spiel hat, ist es ökonomischer als hinterherzulaufen.“

11.47

Hasenhüttl: Orban, Sabitzer und Halstenberg sind komplett fit und können gegen Augsburg dabei sein.

11.48

Das war es bereits von hier. Bei Timo Werner tut sich Hasenhüttl offenbar schwer ihn draußen zu lassen. Upamecano wird ziemlich sicher nicht dabei sein. Klostermann auch nicht. Den ganz großen Qualitätsverlust werden die Wechsel nicht mit sich bringen. Nicht unwahrscheinlich, wenn man Hasenhüttl zuhört, dass Kampl neben Demme auf der Sechs beginnt, um die spielerische Qualität in der Zentrale gegen ein tief stehendes Team zu erhöhen.

11.49

Ansonsten will Ralph Hasenhüttl nicht wissen, was ich (und die anderen Journalisten im Raum) verdiene. Schade eigentlich.^^

11.50

In diesem Sinne viel Spaß morgen mit dem Spiel. Man liest sich.

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