Bundesliga: RB Leipzig vs. 1.FC Köln 3:1

22. Spieltag. Zweiter gegen Siebter. RB Leipzig gegen den 1.FC Köln. Ein direktes Duell im Kampf um die Plätze, die für einen Start in einem europäischem Wettbewerb berechtigen. Entsprechend für beide Mannschaften die Chance, einen großen Schritt in der Tabelle zu machen. Diese Chance nutzte dann RB Leipzig. Vor allem eine hervorragende erste Halbzeit mit vielen Chancen führte zum verdienten 3:1-Erfolg.

In die Partie gegangen war Leipzig wieder mit Willi Orban, der nach seiner Gelbsperre zurück in die Mannschaft kehrte. Oliver Burke blieb dafür draußen. Da er sowieso verletzt war, blieb ihm nicht mal ein Platz im Kader. Davie Selke sah das Spiel lange Zeit erneut nur von der Bank.

Organisiert war RB Leipzig erstmals in dieser Saison in einem 4-3-3 alias 4-1-2-2-1. Mit Ilsanker auf der Sechs, Keita und Demme als Achtern, Sabitzer und Forsberg auf den Zehner-Positionen und Werner als Stürmer. Ralph Hasenhüttl begründete dies nach der Partie damit, dass man nach den Erfahrungen des Hinspiels verhindert wollte, dass Dominique Heintz (im Spielaufbau das linke Glied einer Dreierkette) lange Bälle hinter die RB-Verteidigung spielen kann. Entsprechend wollte man im Anlaufen diesmal mit drei offensiven Akteuren agieren und nicht nur mit zweien. Gut getimte, lange Bälle von Heintz sah man jedenfalls tatsächlich im Spielverlauf nicht. Von daher ging die Maßnahme in Bezug auf die Heintz-Absicht auf.

Köln auf der anderen Seite musste Frederik Sörensen in der Abwehr ersetzen. Dominic Maroh kam für ihn ins Team. Zudem spielte Christian Clemens auf der rechten Seite. Milos Jojic, letzte Woche noch als Zehner auf dem Feld, saß deswegen nur auf der Bank. Organisiert war Köln im Spiel gegen den Ball eher in einem 4-4-2, in das Rausch links immer mal zurückfiel, um ein 5-3-2 daraus zu machen. Im Spiel mit dem Ball setzte man derweil (zumindest in der ersten Halbzeit) auf eine Dreierkette mit Maroh, Subotic und Heintz.

Man kann sich in der Vorbereitung eines Spieltags Stunde um Stunde Gedanken machen über taktische Feinheiten. Und dann spielst du vier Minuten und alles ist über den Haufen geworfen, weil du nach einer Fehlerkette in Rückstand gerätst. In dem Fall war es FC-Keeper Thomas Kessler, der in einer eigentlich harmlosen Situation bei leichtem (aber am Ende mitentscheidenden) Druck durch den anlaufenden Sabitzer einen viel zu kurz geratenen Befreiungsschlag auspackt. Der landet genau auf dem Kopf von Werner. Von dort landet der Ball bei Forsberg an der Strafraumkante. Maroh guckt freundlich zu, wie sich der Schwede den Ball auf den linken Fuß liegt und ihn im langen Eck versenkt.

Das ist stilbildend für den Rest der ersten Halbzeit. Köln mit einigen Ansätzen mit Platz auf den Außenbahnen. Aber ohne die Qualität, daraus bis auf einen Fernschuss tatsächlich Gefahr zu entwickeln. Auf der anderen Seite brennt es vor dem Kölner Tor immer wieder lichterloh. Latte Halstenberg, Kessler gegen Werner auf der Linie, Sabitzer knapp drüber und knapp vorbei und noch mal drüber, Werner knapp drüber, Werner erneut an Kessler scheiternd. Mit einer Mischung aus Tempo, sehr gutem Gegenpressing ließ man dem Gast absolut keine Chance.

Nur bei der Chancenverwertung sündigte man enorm. Denn trotzdem man gute Chancen für vier, fünf weitere Tore hatte, wollte der Ball einfach nicht über die Linie. Da musste dann nach einer reichlichen halben Stunde wieder der Gast helfen. Nach einer überschaubar gefährlichen Keita-Hereingabe säbelt Subotic über den Ball, der dann dem etwas verdutzten Maroh gegen das Bein und von dort ins Tor springt. Maroh darf mit seiner Beteiligung an beiden Gegentoren, einem Fast-Platzverweis und ein, zwei anderen Situationen, in denen er bei RB-Angriffen nicht so richtig konsequent aussieht, durchaus als Pechvogel der ersten Halbzeit gelten. Und blieb entsprechend nach der Pause auch draußen.

Emil Forsberg brachte RB Leipzig gegen den 1.FC Köln früh auf die Siegerstraße. | GEPA Pictures - Kerstin Kummer

Die erste Halbzeit war bis zum 2:0 bis auf die Chancenverwertung aus RB-Sicht eine perfekte. In Sachen Balleroberung, Defensivabsicherung und Erarbeiten von Torgelegenheiten passte fast alles. Besiegt war der 1.FC Köln aber noch lange nicht. Auch in der schlechten ersten Halbzeit zerrte der Gast immer wieder an den Ketten, wurde man aber von der konsequenten Balljagd der Leipziger immer wieder eingefangen, bevor es brenzlig wurde.

Das Bild sollte sich in der zweiten Halbzeit für 20 Minuten komplett wandeln. Die Vorteile, die das 4-3-3 in der ersten Halbzeit im Anlaufen hatte, verkehrten sich nun in spieltaktische Nachteile. Denn das System führte vor allem auf den Außenbahnen zu viel Luft und vielen Eins-gegen-Eins- (oder gar Zwei-gegen-Eins-)Duellen, die auf die Außenverteidiger zukamen. Gerade Demme war von der Acht aus immer bemüht, mit nach außen zu eilen, aber die etwas stärker auf die Außenbahnen festgelegten Zehner aus dem 4-2-2-2 fehlten den Außenverteidigern dann doch einige Male in der Defensivarbeit.

Zoller war zudem zur Pause gekommen, sodass Köln nun in einem ‚echten‘ 4-4-2 mit Clemens und Zoller auf den Außenbahnen und Olkowski und Rausch dahinter agierte. Die vier bekamen entsprechend immer wieder die Chance, in relativer Ruhe mit dem Ball umzugehen und sich zu überlegen, wo sie ihn hinspielen wollen.

Modeste verpasste sein obligatorisches Tor kurz nach der Pause noch gleich zweimal. Offensivkollege Osako machte es nach 54 Minuten besser. Natürlich über den Flügel und den starken Olkowski landete der Ball am Fünfmeterraum, wo ihn der Japaner dann über die Linie drückte. Durchaus verdient in dieser Phase des Spiels.

RB lauerte derweil auf den Konter zum dritten Tor, ließ allerdings die gute Defensivabsicherung der ersten Halbzeit vermissen. Wodurch das Spiel ein wenig zum wilden Harakiri-Spiel wurde. Vorn hatte man immer das Gefühl, dass mal ein Ball durchrutschen kann, aber es fehlte die Präzision. Und hinten wackelte das Verteidigungsgebilde bedenklich vor sich hin.

Vor allem eben, weil in der Verteidigungsarbeit die Breite fehlte und gerade Clemens und Olkowski zu zweit auf der rechten Seite zu viel Räume hatten. Sah offenbar auch Ralph Hasenhüttl so, der nach dem Spiel erklärte, dass man versucht hatte, die Defensivprobleme innerhalb des 4-3-3 zu lösen. Da dies nicht gelang, stellte der Coach schließlich nach 65 Minuten mit der Einwechslung von Rani Khedira auf eine Fünferkette und ein 5-3-2 um. Ilsanker ging in der Abwehrkette in die Mitte. Khedira ging auf die Sechs. Und nach Forsbergs Auswechslung lief man vorn nur noch zu zweit an. Was aber auch ok war, weil Köln ja von hinten heraus nur noch mit zwei Innenverteidigern spielte und nicht mehr mit Dreierkette.

Nur Zufall allerdings, dass die Systemumstellung praktisch sofort mit dem 3:1 belohnt wurde. Mitten in das kippende Spiel hinein spielte RB Leipzig den durchaus nicht unwichtigen Konter. Orban spielt perfekt hinten raus. Sabitzer lässt abklatschen. Keita schickt, na klar, Werner tief, der sich mit Subotic duelliert und aus sehr spitzem Winkel das 3:1 macht. Wobei es weder für Kessler noch für Subotic spricht, dass Werner von maximal zwei Metern vor der Grundlinine zwischen beiden hindurch ins lange Eck schießt. Da darf der Ball im Normalfall nicht mehr hindurchpassen.

Mit dem Tor und der Umstellung auf Fünferkette und stabiles Verteidigen auf der ganzen Breite des Spielfelds und nicht nur in der Zentrale war aus dem Spiel die Luft heraus. Kölns gefährliches Spiel über die Außenpositionen war sofort Geschichte, vielleicht auch, weil ihnen durch das Gegentor der letzte Mut auf das Wenden des Spiels genommen wurde. Und RB Leipzig kontrollierte nun wieder Ball, Spielfeld und Gegner und hatte noch ein paar gute Ansätze für weitere Konterchancen. Bis auf eine Gelegenheit für Sabitzer nach Standard, dem auch im vierten guten Anlauf kein Tor glücken wollte, sprang dabei aber nicht mehr so richtig viel Torgefahr heraus.

Fazit: 45 Minuten lang war es eine überragende Vorstellung von RB Leipzig, der nur die Krönung in Form der Treffer Nummer 3, 4 oder gar 5 fehlte. Nach der Pause fand man 20 Minuten lang keine Lösung, um im 4-3-3 auch die Außenbahnen gut zu verteidigen, sodass die Begegnung zu kippen drohte. Mit dem Konter zum 3:1 und der Umstellung auf eine Fünferkette war die Partie aber entschieden, sodass Leipzig die letzten 25 Minuten eher locker und entspannt und zum verdienten Sieg runterspielte.

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Randbemerkung 1: Spenden sammeln für den Handballclub Leipzig. Die Bundesliga-Frauen sind extrem klamm und schieben einen riesigen Schuldenberg vor sich her. Einige Spielerinnen haben den Verein schon verlassen, nun geht es darum, den Klub am Leben zu erhalten. RB Leipzig hilft dabei nicht direkt mit Geld, aber auf verschiedenen Aktionswegen. Am Rande des Spiels gegen Köln wurde entsprechend bei den Zuschauern Geld gesammelt (ordentliche 20.000 Euro kamen zusammen). Zudem stehen Trikots aus dem Spiel in Mönchengladbach zur Versteigerung. Auch Ralf Rangnick rief vor dem Spiel gegen Köln noch mal zum Spenden auf und ging mit gutem Beispiel voran. Die Sportstadt Leipzig soll bunt bleiben und entsprechend der HCL weiter Teil davon, so seine Aussage dazu. Das ist natürlich nicht falsch und ehrenwert, allerdings stellt sich dabei auch ganz generell die Frage nach der Zukunft des HCL. Frauenhandball war hierzlande lange die Nummer 1 der Stadt, weil an anderen Stellen bei den populären Mannschaftssportarten ordentlich geschludert und in der Versenkung gespielt wurde. Mit den Erstligisten RB und SC DHfK wird die Luft für viele kleinere Teams der Stadt knapper, weil sich die Aufmerksamkeit auf die Leuchttürme konzentriert. Der HCL hat dadurch unter anderem einiges im Zuschauerschnitt verloren. Gemeinsame Ticketaktionen mit RB brachten nicht übermäßig viel. Letztlich wird es wohl in Bezug auf die Handballerinnen darum gehen, sie mit ihrer guten Nachwuchsarbeit als mehr oder minder normalen Bundesligisten mit dezimiertem Etat zu etablieren. Dazu muss allerdings erstmal der Schuldenberg weg. Und dann muss man sich wohl klar sein, dass der HCL kein Team mehr sein wird, das konstant Meisterschafts- oder Top3-Anwärter sein kann. Wenn sich dieser Realitätssinn auch in der wirtschaftlichen Herangehensweise niederschlägt und man das Team in der Stadt nicht vergisst, wenn die ersten Geldsorgen behoben sind, sollte man die Handballerinnen wieder auf einen stabilen Kurs bringen können. Wer dabei helfen will, kann dies weiter tun. Infos dazu gibt es auf der RB-Website.

Randbemerkung 2: 65 Minuten bekam Emil Forsberg diesmal nur. Sein sehr langsames Verlassen des Platzes war wohl nicht nur dem Zeitspiel geschuldet, sondern auch leiser Unzufriedenheit über den Zeitpunkt des Abgangs. Ralph Hasenhüttl bekannte nach dem Spiel, dass ihm der Wechsel nicht leichtgefallen war. Letztlich musste wegen der Systemumstellung auf eine Fünferkette einer der Offensivspieler runter. Dann traf es halt Forsberg, der mit dem Ball gar nicht viel falsch gemacht hatte. Den Spieler aus dem Spiel zu nehmen, der nun schon 17 direkte Torbeteiligungen auf dem Konto hat und das in einem Spiel, in dem er gar nicht mal schlecht war, das klingt durchaus mutig. War aber richtig, weil Sabitzer und Werner in vorderster Linie die wesentlich besseren Anläufer und Spieler gegen den Ball sind und zeigt nur einmal mehr, dass das Funktionieren von Mannschaft und System wichtiger ist als individuelle Klasse. Forsberg wird es verkraften und im nächsten Spiel dann wieder von Beginn an zeigen dürfen, warum es mit ihm im Normalfall besser ist als ohne ihn.

Randbemerkung 3: Unseren wöchentlichen Timo Werner gib uns heute. Oder vielleicht doch nicht. Weil es schon geradezu albern ist, unter welcher Beobachtung der Stürmer steht. Da steht ihm in Mönchengladbach einer mit 75 kg und Stollenschuh voll auf dem Fuß und diskutiert wird von manchem, warum er sich fallen ließ (wobei es nicht mal Werner ist, der danach theatralisch rumpost, sondern Auf-dem-Fuß-Steher Jantschke). Da kreuzt ihm gegen Köln bei vermutlich über 30 km/h Vollsprint jemand in die Hacken und Leute, die es selbst unter größten Anstrengungen nicht über 10 km/h schaffen würden, wissen genau Bescheid, dass der Fall danach zu spektakulär ist. Pfff. (Ja, Schalke war blöd, aber sogar die Schwalbe hatte verschiedenste Dimensionen, die in der Debatte danach bei manchem einfach mal unter den Tisch fielen. Hauptsache einfach..)

Randbemerkung 4: Keine 40.000 Zuschauer in der Red Bull Arena. Da fehlten nicht nur im Gästeblock (wo zentrale Fangruppen die Partie boykottierten) rund 1.500 Leute zum ausverkauft, sondern ebensoviele auch im Heimbereich. Erstaunlich bei einem Spiel des Zweiten gegen den Siebten. Zumal der Siebte der 1.FC Köln ist. Bisher waren nur die Partien gegen Augsburg und Hoffenheim nicht ausverkauft gewesen. Köln hätte man nicht unbedingt in die Kategorie dieser Teams eingeordnet. Dass die Tickets nicht ganz weggingen, könnte auch daran liegen, dass auf Tageskarten (wenn ich mich recht erinnere) ein mittlerer Topspielzuschlag erhoben wurde, sodass Tickets fünf bis zehn Euro teurer waren als normal. Aber auch hier gilt wie schon beim Hoffenheim-Spiel, dass es durchaus ein interessanter Fingerzeig ist, dass das Spiel trotz Tabellenplatz nicht ausverkauft war. Auch an dieser Stelle noch mal die (Milchmädchen-)Rechnung, dass in einem auf 57.000 Plätze ausgebauten Stadion fast 20.000 Plätze freigeblieben wären..

Randbemerkung 5: Mal abgesehen von Zahlen war es ein angenehmer Februar-Tag mit vernünftigen Temperaturen und einem wohlgestimmten Publikum, dessen gute Laune und Hörbarkeit vom Spielverlauf und von meist schweigsamen Gästeanhängern begünstigt wurde.

Randbemerkung 6: Nach dem Sieg gegen den 1.FC Köln sind es für RB Leipzig bereits 15 Punkte Vorsprung auf Platz 7, also auf den ersten Platz, der nicht sicher zur Teilnahme am Europacup berechtigt (wobei Platz 6 auch erstmal nur die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation bedeuten kann, wenn der DFB-Pokalsieger nicht einen der ersten sechs Plätze in der Bundesliga belegt; falls der DFB-Pokalsieger bspw. Dortmund heißt und sich schon über die Bundesliga für Europa qualifiziert hat, dann rutscht der Europa-League-Qualifikationsplatz weiter auf Platz 7 und Platz 6 startet direkt in der Gruppenphase). 15 Punkte Vorsprung und nur noch 12 Spiele bis zum Saisonende. Nach menschlichem Ermessen reichen drei weitere Siege aka neun Punkte für Europa. Prüfe jedeR selbst, wie mutig man in Bezug auf mögliche Endplatzierungen in der Bundesliga zu diesem Zeitpunkt der Saison sein darf. Einigen kann man sich wohl darauf, dass die drei Punkte gegen Köln ein enorm großer Schritt Richtung Europa waren.

Randbemerkung 7:Im Vergleich zur Hinrunde ist man durch den Sieg gegen den 1.FC Köln nun bei plusminus Null. Zwei Siege, drei Unentschieden waren es zu Saisonbeginn in den ersten fünf Spielen. Drei Siege, zwei Niederlagen sind es in den ersten fünf Spielen der Rückrunde. Macht beides neun Punkte. Es folgten den ersten neun Punkten nach fünf Spielen in der Hinrunde übrigens acht Siege am Stück. Wollte es nur mal erwähnt haben, dass die Latte aus der Hinrunde extrem hoch liegt.

Randbemerkung 8: Wieder mal ein frühes Tor. Neun Tore hat RB Leipzig in der ersten  Viertelstunde schon geschossen (wobei man in den letzten neun Spielen gerade mal zwei frühe Tore geschossen hat). Acht Tore davon hat man im Saisonverlauf bereits in den ersten sechs Minuten einer Partie geschossen (fünfmal in Heimspielen, dreimal in Auswärtsspielen). Das ist mit Abstand Topwert in der Bundesliga. Sechs Siege und zwei Unentschieden sprangen aus diesen Spielen heraus. Die beiden Unentschieden resultieren allerdings aus der Frühphase der Saison (4. und 5. Spieltag gegen Mönchengladbach und in Köln). In den letzten sechs Spielen mit sehr frühen Führungen standen am Ende entsprechend immer Siege. Es gehört natürlich ein wenig zum Prinzip von RB Leipzigs Spielweise, dass man den Gegner gerade am Anfang versucht, mit Tempo zu überrollen. Dass sich das dann so stark in den Statistiken niederschlägt, ist allerdings trotzdem erstaunlich.

Randbemerkung 9: Drei Gegentore nach Ecken in den letzten zwei Spielen. Bestes Gegenmittel gegen Standardgegentore? Einfach keine Standards zulassen. Genau null Ecken hatte der 1.FC Köln und auch sonst keine gefährlichen Standardsituationen in Tornähe. Der Test, inwieweit RB aus den letzten zwei Spielen und vielen Problemen bei Standards gelernt hat, steht also noch aus..

Randbemerkung 10: Im Heimblock eine Solidarisierung per Banner mit Everton Luiz, der vergangene Woche in der serbischen Liga bei einem Auswärtsspiel mit Partizan Belgrad dauernd rassistisch angegangen wurde („We are all Luiz. Love football, hate racism.“ lautete das Banner). Dazu gab es ein Banner mit „Bleiberecht für Luan und alle anderen!“. Das sich auf den aktuellen Leipziger Fall eines 18-Jährigen Kosovaren bezieht, dessen Asylantrag (bzw. der seiner Familie) abgelehnt wurde und der abgeschoben werden soll. Nach aktuellem Stand gibt es eine weitere Duldung von einem Monat und eine Härtefallprüfung. Wer sich eingehender mit dem Fall beschäftigen will, dem wird im Netz an vielen Stellen geholfen.

Lichtblicke:

  • Timo Werner: Als alleinige Spitze, die er 65 Minuten lang war, fast noch wirkungsvoller als als Teil einer Doppelspitze wie bisher in der sonstigen Spielzeit und vor allem sehr vielseitig. Ein Tor, eine Torvorlage. Viel gegen den Ball gearbeitet. Viele Bälle gesichert. Hat auch als Kombinationsspieler im Saisonverlauf unheimlich viel dazugelernt. Veredelt das RB-Spiel in der Offensive auf fast schon unheimlich perfekte Art und Weise. Zurecht bei seiner Auswechslung mit Standing Ovations verabschiedet.
  • Naby Keita: Als Achter diesmal wieder in einer etwas tieferen und auf ihn zugeschnittenen Rolle. Am Ball mit überragender Ruhe und Technik. Seine Bewegungen sind gleichermaßen leichtfüßig wie beeindruckend. Bereitete viele Offensivaktionen und zwei Tore direkt vor. Und hätte bei etwas genauerem finalen Pass noch zwei, drei Großchancen mehr herausspielen können.
  • Marvin Compper: Weiterhin ist es so, dass RB Leipzig mit Compper im Team fast nicht verliert. Nur in Dortmund setzte es mit ihm auf dem Feld eine Niederlage. Gegen Köln war Compper eine Bank in der Innenverteidigung. Sichere Zweikampfführung und gutes Passspiel. Immer wieder auch gut nach vorn verteidigend und Gegenspieler so schon bei der Ballannahme effektiv störend.

Fanarena-Spieltagsspieler:

RB-Spieler des 22.Spieltags gegen den 1.FC Köln bei fan-arena.com

(Quelle: iPhone und Android App FanArena für RB Leipzig Fans – www.fan-arena.com)

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Tore: 1:0 Forsberg (5.), 2:0 Maroh (34./ET), 2:1 Osako (53.), 3:1 Werner (65.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker – Demme, Keita (86. Kaiser) – Sabitzer, Forsberg (65. Khedira) – Werner (84. Selke); Bank: Müller, Palacios, Upamecano, Bernardo; Nicht im Kader: Klostermann, Burke, Poulsen (alle verletzt), Coltorti, Gipson

Aufstellung 1.FC Köln: Kessler – Olkowski, Subotic, Maroh (46. Zoller), Heintz – Clemens, Höger (76. Jojic), Hector, Rausch – Osako, Modeste

Schiedsrichter:  Marco Fritz (Zwei, drei kleinere Zweikampf- oder Abseitsentscheidungen mit Diskussionsbedarf, ansonsten ein sicherer Spielleiter, der mit der Partie wenig Probleme hatte und gelbe Karten im nachvollziehbaren Rahmen verteilte. In der ersten Halbzeit Maroh nicht wegen Notbremse die rote Karte zu zeigen, war sehr im Grenzbereich des Ermessensspielraums. Gegenüber Hasenhüttl hat Fritz erklärt, dass Werner noch keine Kontrolle über den Ball hatte und deswegen keine klare Torchance vorlag, die Maroh vereitelt hätte. Somit gelb statt rot. Das ist zumindest mutig interpretiert. Denn die Frage wäre ja vornehmlich, ob Werner den Ball hätte gut erlaufen können. Wenn man diese Frage genauso mit ja beantwortet wie jene, ob Maroh Werner entscheidend getroffen hat, dann wäre rot eigentlich die logische Konsequenz gewesen. Dann wäre die Frage, ob Werner bereits den Ball kontrollierte, eher irrelevant. Soll heißen: Es gibt Argumente, die für gelb sprechen, wie jenes, dass nicht sicher ist, dass Werner vor Keeper Kessler an den Ball gekommen wäre und diesen auch kontrolliert bekommen hätte. Aber die Szene war angesichts von Werners Geschwindigkeit näher an rot als an gelb.)

Gelbe Karten: Ilsanker (4.) – Maroh, Rausch, Höger, Hector

Zuschauer: 39.335 (davon 3.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht, Effzeh-Bericht, Kicker-Bericht; Pressekonferenz-Ticker

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  • Torschüsse: 13 : 5
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 11 : 2
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 1
  • gewonnene Zweikämpfe: 52,2% : 47,8%
  • Ballbesitz: 51,6% : 48,4%
  • Passquote: 71,7% : 71,5%
  • Laufstrecke: 114,6 km : 108,8 km
  • Sprints: 192 : 177
  • Intensive Läufe: 599 : 567
  • Fouls: 14 : 10
  • Ecken: 3 : 0
  • Abseits: 3 : 1
  • Meiste Torschüsse: Sabitzer, Werner: je 4 – Osako: 2
  • Meiste Torschussvorlagen: Keita: 4 – Olkowski, Clemens: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Compper: 76,9% – Zoller: 72,7%
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 104 – Olkowski: 87
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Khedira: 85,7% – Maroh: 85,2%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 12,4 km – Hector: 11,5 km
  • Meiste Sprints: Werner: 34 – Clemens: 34

Statistiken von bundesliga.de, bild.de, FourFourTwo

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Saisontorschützen: Werner – 13; Forsberg – 7; Sabitzer – 5; Keita – 4; Selke, Orban – je 2; Kaiser, Burke, Poulsen, Compper – je 1; Eigentore: Baumgartlinger, Kolasinac, Vallejo, Maroh

Saisonvorlagengeber: Forsberg – 10; Werner, Keita – je 7; Sabitzer – 4; Demme – 3; Poulsen, Burke, Halstenberg – je 2; Schmitz, Orban, Compper, Selke – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): , Sabitzer – 11; Demme – 10; Orban – 8; Forsberg – 7; Keita – 6; Ilsanker, Poulsen – je 5; Compper, Halstenberg – je 4; Gulacsi – je 3; Kaiser – 2; Bernardo, Werner, Selke, Burke, Schmitz – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Kerstin Kummer

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10 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. 1.FC Köln 3:1“

  1. Schöner Bericht wie immer! Im Fernsehen hörte es sich so an, als ob es Pfiffe gegen die Auswechslung Forsbergs gab oder kamen die aus dem Kölner Bereich ob des langsamen Abgangs?

    Mein Highlight war, als sich Keita per Hinterkopf den Ball selbst vorlegte und den Verteidiger damit auf dem falschen Fuß erwischte. Viele fragen sich ja, was dieses Leipzig so stark macht. Die individuelle Stärke erscheint im Bundesligavergleich nicht übermächtig. Die Spielanlage kommt für den Gegner auch nicht mehr überraschend. Aber mMn ist es diese enorme Schnelligkeit in Gedanken/Intuition und Handlung welche häufig spielentscheidend ist.

    1. Die Pfiffe bei Forsberg kamen aus dem Gästeblock wegen des langsamen Verlassens des Platzes. Hört sich im Fernsehen tatsächlich seltsam an. Im Stadion wirkte der Applaus deutlich präsenter.

  2. Der Systemwechsel und die Einwechslung von Rani Khedira für Emil Forsberg haben den Köllner Angriffselan gestoppt und die Deckung wirkte wieder stabil. Rani hat ein Lob verdient.

  3. Sonntag und Dein Blog am Mittag, Wunderbar!

    Beim scrollen war ich gespannt, wer in den Lichblicken auftaucht. Klar, da legst Du Spieler fest, aber diesmal hätte ich eine Außnahme gemacht und Hasenhüttl dort belegt.
    So sehr er sich gegen den HSV verzockt hat, so stark war die Reaktion gestern in der Drangphase der Kölner als auch er umstellte. Ich musste 2x auf die Anzeigetafel schauen, um a die Zeit und b den Namen zu lesen. Aber ich bin ja nicht der Taktikfuchs sondern Ralph Hasenhüttl.

    Gespannt war ich auch, wie sie diesmal Ecken verteidigen und zack, gar keine bekommen 😉

    Randbemerkung 3
    Es ist wirklich verrückt, wie medial da mit Timo Werner umgegangen wird. Und da hast Du noch nicht mal beim Schreiben des Bloges den DoPa gesehen. Irre. Da bin ich auf heute Abend gespannt, wenn Guido Schäfer und Ralph Hasenhüttl bei Sky90 sind.

    Fritz
    aus Stadionsicht war es rot für Maroh, aber in der Wiederholung bin ich auch eher für gelb. Ebenso der Zweikampf Orban/Osako in der 1. Hz. Da kann man auch Elfmeter pfeiffen. Auf der anderen Seite war Werner mehr im Nichtabseits beim Pass von Keita.

    Was generell aufgefallen ist. 1. Aktion von Selke – im Abseits stehen, die Abschläge von Pete – 3x in der 2. Halbzeit direkt zu Kessler.

    @Pekka
    Hier die Aktion von Keita:
    https://twitter.com/crankRBL/status/835599176461398016
    Da ging ein Raunen durch das Stadion und Höger fand es nicht lustig 😉

  4. Rani Khedira hätte aus meiner Sicht auch einen Lichtblick verdient. Durch die Umstellung auf 5er Kette war er gut im Spiel als zusätzlicher Staubsauger davor.
    Bei der Torübersicht fehlt noch das gestrige Eigentor von Maroh.

  5. Dass die Partie nicht ganz ausverkauft war, könnte mMn durchaus mit der Regelung zusammenhängen, dass für Spiele mit Topzuschlag nur 2 Karten pro Person erworben werden können.

    Eine ganze Reihe von Bekannten, die sonst immer mit der Familie ins Stadion gehen, verzichtet bei solchen Spielen dann gern mal ganz und greift auf Sky zurück…

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