Druck in zwei unterschiedlichen Varianten

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig beim TSV 1860 München (27.09.2015, 13.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick und Diego Demme.]

Der neunte Spieltag ist sicherlich nicht derjenige, nach dem die Messen in der zweiten Liga gelesen sind. Trotzdem gibt es schon langsam ein sich abzeichnendes Tabellenbild, das den Druck auf die beteiligten Teams in Abhängigkeit vom jeweiligen Saisonziel so langsam erhöht.

Bei RB Leipzig geht es nach zwei 1:1-Unentschieden und lediglich sechs Punkten in vier Spielen ohne Niederlage darum, den verbesserten Leistungen auch mal ein entsprechendes Resultat folgen zu lassen. Bei vier Punkten Rückstand auf Platz 3 und derzeit Platz 6 in der Tabelle steht man bei aller Ausgeglichenheit in der zweiten Liga, die immer auch dazu führt, dass man mit zwei, drei Siegen am Stück jederzeit wieder oben rankommen kann, schon ein wenig unter Druck, einen Dreier mitzunehmen und den Abstand nach oben nicht zu groß werden zu lassen bzw. den Rückstand auf Bochum nach deren Niederlage gegen Kaiserslautern zu verringern.

Das ist aber vergleichsweise anspornender Druck im Vergleich zu dem, was der TSV 1860 München gerade zu schultern hat. Vier Punkte und gerade mal vier Törchen (sogar noch eins weniger als der MSV Duisburg) hat man in München aktuell auf dem eigenen Konto. Die Katastrophensaison im vergangenen Jahr mit verhindertem Abstieg in der letzten Minute der Relegation, nachdem man als selbsternannter Meisterschaftsanwärter gestartet war, wird ergebnistechnisch noch mal getoppt durch die derzeitige Spielzeit.

Entsprechend mies ist die Stimmung rund um 1860 schon wieder. Vor allem in der Vereinsführung scheint man bereits ernsthaft über einen neuen Trainer nachzudenken, wenn die Gerüchte um Peter Neururer und Jos Luhukay (der aber schon abgesagt haben soll) stimmen. Seit Werner Lorant 2001 den Verein verließ, hat man schon 13 Trainer verbrannt und ist nun also dabei auch an Nummer 14 zu sägen. Seit dem Einstieg von Investor Ismaik im Sommer 2011 mussten bisher fünf Trainer den Verein verlassen.

In den letzten 14 Jahren seit Lorant war es lediglich Reiner Maurer vergönnt, den Verein länger (einmal über zwei Jahre, einmal mehr als ein Jahr) zu trainieren. Bleiben 11,5 Jahre übrig für die anderen 12 Trainer. Das ist in seiner Art und Weise zumindest konsequent inkonstant. Wenn auch in vielerlei Hinsicht wenig zielführend.

Zielführend auch nicht das in diesem Jahr im Sommer schon wieder ausgetragene Theater in der Vereinsführung. Ob man mit Trainer Fröhling weiterarbeiten wolle oder nicht, war lange unklar. Sportchef Poschner stattete ihn dann mit einem neuen Vertrag bis 2016 aus, just nachdem das Präsidium zurückgetreten war (und in einer der letzten Amtshandlungen dem Vertrag zugestimmt haben soll), von dem es zuvor hieß, dass dieses eine externe Lösung präferiere. Felix Magath wurde in dem Zusammenhang immer mal wieder als neuer starker Mann des Vereins ins Spiel gebracht.

Glücklich wurde Gerhard Poschner in München trotz Vertrag für seinen Trainer nicht mehr. Sowieso schon in der Kritik wegen einiger Transfers aus dem Vorjahr, die nicht den erhofften Effekt hatten (wie auch, wenn sie für die Spielidee von Ricarcdo Moniz geholt wurden und nach dessen Entlassung eine Abkehr vom Ballbesitzfußball stattfand..), stellte man ihm quasi vereinsinterne Aufpasser an die Seite, wegen denen dann geplante Transfers scheiterten oder gescheitert sein sollen.

Völlig absurd die Aktion Mitte Juli seitens des damaligen Präsidenten, auf der Mitgliederversammlung bekannt zu geben, dass man sich lieber von Poschner getrennt hätte, aber doch noch weiter auf Probe zusammen arbeiten werde, weil man ja schließlich mitten in der Transferperiode und der Kaderplanung sei. Verrückt, es ist Mitte Juli, die Saison beginnt in zwei Wochen und das Präsidium demontiert den Sportchef, der aber noch die Kaderplanung zu Ende bringen soll.

Ende Juli, also nach Saisonbeginn hatte das Theater ein Ende und Gerhard Poschner kündigte seinen Vertrag fristlos. Eine nachvollziehbare Entscheidung nach einem Sommer voller verrückter Geschichten. Und das wo man schon ein Jahr zuvor unter Moniz dachte, in Sachen Verrücktheit alles gesehen zu haben.

Der aktuelle Stand der Dinge ist auch ein gutes Stück das Ergebnis des Sommertheaters und einer entsprechend ziemlich uninspirierten Transferpolitik. Mit Julian Weigl verlor man (wie schon in den letzten Jahren immer wieder mal) eines der aus dem eigenen Nachwuchs kommenden Juwele an Dortmund. Wo er seitdem für Furore sorgt. Inzwischen könnte 1860 mit Bundesligaspielern, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen, eine Top-Bundesligamannschaft aufstellen. Weigl ist da nur ein Puzzlestück.

Verloren hat man mit Bobby Wood, mit dem das Tischtuch schon lange zerschnitten war, auch einen Stürmer, der in der zweiten Liga sicherlich nicht zu den schlechten gehört und einiges Potenzial mitbringt. Wie er ausgeliehen letzte Saison in Aue und aktuell in Berlin zeigt. Zudem schickte man die erst vor einem Jahr gekommene Spanier-Fraktion Sanchez, Bedia und Rodri dem Vereinsmotto der Konstanz in Sachen Inkonstanz folgend wieder weg.

So weit, so vielleicht nachvollziehbar, wenn man denn auf der Zugangsseite auf Spieler zugegriffen hätte, bei denen man das Gefühl hat, man verfolge damit einen nachhaltigen Plan. Ein 29jähriger Rodnei, der letzte Rückrunde in Leipzig kickte, ist sicherlich ein robuster und guter Innenverteidiger und wird gegen RB wohl erstmals in der Startelf stehen, klingt aber trotzdem eher nach einer ‚war halt auf dem Markt‘-Verpflichtung.

Romuald Lacazette ist schwer einschätzbar, weil er bisher nur verletzt war. Allerdings sagten Poschners Worte aus dem Sommer, als der Franzose zur Probe vorspielte, auch alles: „Romuald Lacazette wurde uns empfohlen. Wir haben jetzt keine großen Erwartungen, was Lacazette betrifft. Wir schauen ihn uns an, da können wir nichts verlieren.“

Stefan Mugosa hatte letzte Rückrunde verliehen nach Aue eine halbwegs akzeptable Zeit, zeigt nun aber auch eher wieder, warum der Durchbruch in Kaiserslautern bei ihm zuvor ausgeblieben war. Dafür dass 1860 für Mugosa laut transfermarkt.de noch mal 400.000 Euro gezahlt hat, hat man in Kaiserslautern in irgendeiner Kirche vermutlich ein Dankes-Licht aufgestellt.

Auch die Idee hinter der Verpflichtung von Michael Liendl kurz vor Schließung des Transferfensters erschließt sich nicht so wirklich. Fröhling pflegt eher ein 4-4-2-System mit Fokus auf den Außenbahnen. Für Liendl muss man das System erst mal so abstimmen, dass er als Zehner einen Platz darin hat. Auf der Außenbahn würde ein Liendl wohl eher versauern. Nach einem Einsatz in der Startelf landete Liendl dann auch wieder auf der Bank und schiebt dort seitdem Frust, weil selbst er nicht so richtig weiß, warum man ihn, einen 29jährigen, erfahrenen Zweitliga- und meist Stammspieler geholt hat, aber nicht spielen lässt.

Lediglich ein Milos Degenek (21) schlug transfertechnisch bisher ein und spielt auf der Sechs eine stabile Saison. Jener Spieler also, von dem man nach seinem Wechsel von der zweiten Mannschaft ds VfB Stuttgart vielleicht erst mal eine gewisse Anpassungszeit erwartet hatte.

Der Rahmen ist also, dass man in München nach einem chaotischen Sommer und entsprechend chaotischer Kaderplanung mit einem in der Breite eher schwächer gewordenen Kader in die Saison startete. Und das vor dem Hintergrund, dass in Vereinsführung oder beim Investor Ismaik (bzw. seinem Mann in der Geschäftsführung Noor Basha) immer mal jemand schnell nervös wird und von einem Tag auf den anderen eine neue Idee hat. Und vor dem zusätzlichen Hintergrund, dass auch das Fanumfeld unruhig ist, zusammenschrumpfte und immer mal wieder die Vereinsinsolvenz, den Neustart in der Regionalliga und den Umzug zurück ins Grünwalder Stadion präferieren.

Klingt nach einem grandios miesen Setting. Angesichts dessen war es gar nicht so schlecht, wie 1860 in die Saison startete. Die Mannschaft wirkte im Vergleich zur letzten Saison durchaus als Einheit (vielleicht ja auch eine Folge des Chaos im Umfeld, dass die Fußballer sich als Gruppe gegen dieses schützen) und spielte einen recht kompakten, gut organiserten Fußball.

Am zweiten Spieltag gegen Freiburg gleichwertig, aber verloren. Am dritten Spieltag in Nürnberg das bessere Team gewesen, aber nur Untentschieden gespielt. Gegen Union am vierten Spieltag in Überzahl einen Elfmeter verschossen, der wohl den Sieg gebracht hätte. Auch beim knappen 0:1 in Bochum ein paar Komplimente eingeheimst. Nicht schlecht gespielt, aber nach fünf Spielen standen nur zwei Punkte und 2:5 Tore auf dem Konto.

Seitdem passt man sich Tabellen- und Punktestand auch spielerisch immer weiter an, auch wenn Torsten Fröhling seinen Jungs immer weiter den Rücken stärkt. Nach dem überschaubar ansehnlichen 1:1 in Sandhausen redete er das Heimteam so lange stark, dass man hinterher glaubte, 1860 hätte als absoluter Außenseiter einen unerwarteten Punkt geklaut. Viel besser war es ein paar Tage zuvor beim 1:1 gegen Kaiserslautern spielerisch auch nicht. Und beim 0:3 in Düsseldorf vorher war man chancenlos.

Der Trend ist in München leistungstechnisch negativ, auch wenn man zuletzt zwei Punkte holte und damit seit zwei Spielen unbesiegt ist. Und genau dieser Trend ist es, der Sorge bereiten dürfte. Als neben Duisburg einziges Team der Liga, das noch sieglos ist, kann man sich ganz schnell im Abstiegskampf einrichten, wenn man nicht bald die Kurve kriegt. Und nicht jedes Jahr wird man so viel Glück haben wie in der vergangenen Saison in der Relegation gegen Kiel als man praktisch schon abgestiegen noch mit viel Brechstange den Klassenerhalt schaffte.

Ausgerechnet gegen RB Leipzig die Trendwende schaffen zu wollen, ist natürlich auch undankbar, wenn man gerade nicht mit 100% Selbstvertrauen durch die Welt streift. Zumal mit Kai Bülow einer der etatmäßigen Innenverteidiger ausfällt und die Abwehr entsprechend auch nicht ganz eingespielt ist. Dafür könnte Rubin Okotie wieder in den Sturm zurückkehren. Allerdings ist der Österreicher seit Anfang Februar ohne Tor und ein bisschen einer der Inbegriffe der aktuellen Krise. Aber auch trotzdem ein Spieler, der viel Torabschlussqualität mitbringt, wenn mal der Knoten platzt.

Zu allem anderen Übel kommen mit Stephan Hain, der Anfang der Saison gut drauf war als zweiter Stürmer, Janik Bandowski, Dominik Stahl, Valdet Rama oder Guillermo Vallori auch noch diverse, teils länger verletzte Spieler dazu, die dem Kader und der Mannschaft mehr Substanz geben würden. Und trotzdem hofft der verbliebene, sicherlich nicht untalentierte Rest trotzig auf einen Sieg gegen Leipzig.

Der Rest besteht im Tor aus Vitus Eicher, der eine ordentliche, aber keine herausragende Saison spielt und in den letzten beiden Spielen jeweils bei den Gegentoren nicht gut aussah. In der Innenverteidigung läuft neben Rodnei oder dem zurückrückenden Degenek Kapitän Chrisopher Schindler auf. Ein robuster Typ.

Links hinten spielt Matthias Wittek, der im Gegensatz zu rechts hinten Gary Kagelmacher in beiden Richtungen des Spielfelds eine solide Figur macht. Kagelmacher wurde letztes Jahr von Poulsen ein Knoten in die Beine gespielt. Von seiner Form her könnte das Kagelmacher dieses Jahr auch wieder passieren, wenn auch vielleicht nicht Poulsen das Gegenüber ist, sondern eher ein Forsberg.

Die Doppelsechs spielen Daniel Adlung, der für die ihm angedachte Führungsrolle in dieser Saison noch vergleichsweise unauffällig auftritt und Milos Degenek. Ersterer mit offensiverem Fokus, zweiterer mit vor allem defensiven Fokus, auch wenn er gegen Kaiserslautern den Führungstreffer erzielte.

Auf den Außenbahnen sind Marius Wolf (der im Sommer mal zu RB gerüchtelt wurde) und Daylon Claasen derzeit gesetzt, weil die Alternativen entweder verletzt oder noch nicht so weit sind. Im Sturm müsste Korbinian Vollman als zweiter Stürmer nach guter Vorstellung und Tor in Sandhausen eigentlich auch gesetzt sein. Und Stefan Mugosa und Rubin Okotie duellieren sich dann um den letzten Platz. Was für Liendl, der noch am ehesten für Vollmann ins Team rücken dürfte, wieder nur die Bank bedeuten würde.

Am Ende der englischen Woche sind natürlich auch noch Überraschungen bei der Aufstellung denkbar. Da 1860 allerdings seit Dienstag Zeit hatte zu regenerieren und sich auf das Spiel gegen Leipzig vorzubereiten, hat man da vielleicht nicht ganz so viel Not wie RB Leipzig, die zwei Tage weniger Zeit zum regenerieren hatten. Sicherlich kein Vorteil für den Gast, auch wenn es über die gesamte Woche gesehen für 1860 drei Spiele in neun Tagen und für RB drei Spiele in zehn Tagen sind. Also die Belastung doch irgendwie auch gleichverteilt ist.

Eine Rolle könnte da eher noch spielen, dass Leipzig viel Zeit auf Reisen verplemperte, weil man letzte Woche nach Heidenheim musste und jetzt ins auch nicht wirklich nahe München muss, während für 1860 lediglich der Ausflug nach Sandhausen auf dem Programm stand. Auch über 300 km, aber bei weitem nicht vergleichbar, was RB Leipzig in Reisen statt in Trainieren und Regenerieren steckte.

Wer sich bei RB Leipzig bis Sonntag trotzdem in eine Verfassung gebracht hat, um in München Punkte erkämpfen zu können, ist aktuell schwer absehbar. Gut vorstellbar, dass Yussuf Poulsen nach seiner Erkältung unter der Woche direkt in die Startelf rückt und an den Ort zurückkehrt, wo er letzte Saison eine erste Duftmarke setzte. Massimo Bruno würde in dem Fall wohl am ehesten wackeln. Alles andere wäre an dieser Stelle pure Spekulation.

Mögliche Aufstellungen:

  • TSV 1860 München: Eicher – Kagelmacher, Schindler, Rodnei, Wittek – Claasen, Degenek, Adlung, Wolf – Vollmann, Okotie (Mugosa)
  • RB Leipzig: Coltorti – Teigl, Orban, Klostermann (Ilsanker), Halstenberg – Kaiser (Ilsanker), Demme – Poulsen (Bruno), Sabitzer, Forsberg – Selke

Auch wenn die letzten Absätze sicherlich eher negativ klingen, darf man 1860 München definitiv auch nicht schlechter machen als sie sind. Es ist eine gut organisierte Mannschaft, gegen die man sich Chancen auch erst mal erarbeiten muss und deren Hauptproblem bisher war, dass man aus der Kompaktheit und dem Umkehrspiel in die Spitze heraus nicht effektiv war und zu viele Chancen liegen gelassen hat. Hätten sie einen Stürmer oder ein Offensivzusammenspiel, der oder das ihnen ihre Kompaktheit und ihre Ballgewinne veredelt, würden sie mit 10 bis 12 Punkten auch im Pulk der Zweitligamittelfeldclubs stecken, die ebenso auf Defensive und Umkehrspiel setzen und sich in vielen Dingen vom sportlichen Auftreten der Löwen nicht wesentlich unterscheiden.

Fazit: Es ist für RB Leipzig die Rückkehr an den Ort, wo man vor einem Jahr im ersten Auswärtsspiel der zweiten Liga den ersten Dreier und das erste Zweitligator feierte. Damals war es ein rundum gelungener und von 2.000 mitgereisten Anhängern gefeierter Auftritt. Die Zeiten haben sich geändert und 1860 München ist nicht mehr das Ballbesitzteam von damals, das vom RB-Pressing aufgefressen wurde, sondern ein klassisches 4-4-2-Umschaltspiel-Team, das im Abstiegskampf steckt. Von der aktuellen Form beider Teams und von der Situation in der Tabelle her gedacht, können für RB Leipzig nur drei Punkte das Ziel sein. Falls sich die Gastgeber in die Partie gebissen bekommen, wartet auf dem Weg dahin trotzdem ein hartes Stück Arbeit.

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München nicht vor Ort verfolgen kann und am 27.09.2015, ab 13.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. TSV 1860 München

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Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München. Mit Ralf Rangnick und Diego Demme.

11.48

Weiter geht es mit der englischen Woche, die bisher mit zwei Unentschieden aus Sicht von RB Leipzig eher überschaubar erfolgreich war. Der Druck erhöht sich dadurch langsam, aber sicher, sodass in München wieder mal drei Punkte ganz oben auf der Zielliste stehen. Holt man die nicht, verabschiedet man sich weiter ins Niemandsland der Tabelle.

11.51

Enormen Druck hat man natürlich auch in München. Offensiv schwach, wenige Punkte, wieder direkt im Abstiegskampf. Die neue Saison beginnt noch schlimmer als die letzte. Sodass es auch langsam für Coach Fröhling eng wird, der gegen Leipzig wohl ein Erfolgserlebnis braucht, um seinen Job vorerst zu sichern. Zuletzt gerüchtelte es schon durch den Pressewald, dass 1860 mit neuen Trainern im Gespräch sei. Unter anderem fiel der Name Neururer.

11.53

Irgendwas um die 2000 Anhänger werden RB Leipzig nach München begleiten. Für viele sicherlich auch die Möglichkeit, die Fahrt mit einem Besuch des Oktoberfestes zu verbinden. Und sowieso scheint die Allianz Arena zu München in Leipzig noch mal eine besondere Zugkraft zu haben, wenn man die Reisezahlen mit anderen Auswärtsspielen vergleicht.

11.55

Vor einem reichlichen Jahr reiste RB Leipzig als Aufsteiger zu ambitionierten Löwen und demontierte sie im ersten Auswärtsspiel als Zweitligist nach allen Regeln der Kunst. Insbesondere Yussuf Poulsen zeigte dort eine großartige Leistung und beeindruckte Presse und Zuschauer. Wäre jetzt ja eine gute Gelegenheit für den nach Krankheit vielleicht zurückkehrenden Poulsen, eine Neuauflage der damaligen Leistung auszupacken.

11.58

Der in den letzten Spielen überragend aufspielende Diego Demme wird hier heute neben Ralf Rangnick zu Gast sein. In der Vergangenheit war er nicht gerade als Plauderer bekannt. Mal sehen, ob er angesichts seiner aktuell sehr guten sportlichen Situation in Erzähllaune ist.

12.15

Diego Demme: „Nach dem Spiel ist man ein bisschen angeschlagen. Müssen zusehen, dass die Baustellen gepflegt werden, wir regenerieren und wir bis Sonntag wieder fit sind.“ „Haben die ersten 20 Minuten gegen Freiburg verschlafen uns dann reingebissen. Spielerisch gut. Wollten drei Punkte, aber gegen Freiburg kann man auch mit einem 1:1 leben.“

„1860 steht unten drin, werden aber alles versuchen uns zu schlagen. Wird nicht einfach. Müssen uns trauen, zu spielen und dann bin ich zuversichtlich, dass wir sie schlagen.“

„‚Schwer zu sagen, warum wir uns nicht getraut haben. Müssen uns einfach von Anfang trauen und alles reinlegen und müssen in München die gute Leistung von Anfang an zeigen.“

„Schlag ans Sprunggelenk bekommen. Wade hat zugemacht, deswegen nach 60 Minuten Krämpfe bekommen. Muss regeneriern und will bis Sonntag fit werden.“

„Betreiben jedes Spiel hohen Aufwand. Erspielen uns viele Möglichkeiten und müssen aber im letzten Drittel zielstrebiger sein. Manchmal ist draufschießen auch eine gute Möglichkeit, auch wenn es natürlich auch schön ist, immer den besser postierten zu suchen.“

„Vor dem ersten Meisterschaftsspiel hatte ich einen Pressschlag mit Benjamin Bellot. Dann war körperlich nicht alles in Ordnung und ich musste auf der Bank sitzen. Dann muss man weiterarbeiten und jetzt habe ich meine Chance bekommen.“

„Haben uns im Vergleich zum Vorjahr spielerisch entwickelt. Haben mehr Facetten im Spiel. Müssen es auf den Platz bringen, um in München zu gewinnen.“

„Jeder Leistungssportler muss so motiviert sein, dass er bei Rückschlägen nicht aufgibt. Trainier hat viel mit mir geredet und gesagt, dass ich dranbleiben soll.“

„Wer die Tore macht, ist mir eigentlich egal. Klar freue ich mich, wenn ich es schieße, aber wenn es andere schießen, freue ich mich genauso.“

„Kann niemand vorhersagen, wie sich die Mannschaft entwickelt. Man sieht in den letzten Spielen die Entwicklung. Jetzt müssen wir uns belohnen.“

12.45

Ralf Rangnick: „Saßen vor ein paar Stunden erst hier. Deswegen fällt mir auch nicht viel neues ein. Müssen nachher im Training erst mal sehen, was los ist. Müssen den Jungs alle Möglichkeiten geben, sich gut zu erholen.“ Die, die gespielt haben bis Sonntag wohl mit eher wenig Trainig. „Auf der einen oder anderen Position könnten frische Spieler kommen.“ Man werde bis Sonntag sehen, wer fit ist oder bei wem die englische Woche in den Gliedern hängt. Gebe dafür medizinische Werte, aber auch „persönliches Gefühl/ Bauchgefühl“ des Trainers.

„Momentan greifen die grundlegende Dinge zu gut ineinander, um die komplette Mannschaft auszutauschen.“ Wenn dann in München also nur punktuelle Wechsel.

„Mussten gestern viel für das Spiel tun. Sind auf den stärksten Gegner der letzten dreieinhalb Jahre getroffen. Von den Einhzelspielern und von der Mannschaftsstärke her.“ „War gut, in der Halbzeitansprach nachjustieren zu können. Dann haben wir mit dem Herz in der Hand und nicht in der Hosentasche gespielt und konnten einen starken Gegner hinten festnageln. Spricht für die Mannschaft, dass wir taktisch und körplerlich auf den zweiten Treffer spielen konnten. Müssen jetzt mal ergebnistechnisch in einen Lauf kommen und das bekommen, was wir einbringen.“ „Unterm Strich war es gestern das richtige Ergebnis. Haben nichts geschenkt bekommen.“ „Treffen am Sonntag nicht auf einen Gegner, der mit einem Unentschieden zufrieden ist. Die müssen gewinnen. Diese Situation müssen wir nutzen.“

„Unser Anspruch ist, jeden Spieler im Kader Feedback zu geben und ihnen zu sagen, was sie gut machen und woran sie arbeiten müssen. Gucke mir deswegen auch so gut es geht die U23-Spiele anzuschauen.“ Wo ja die Spieler auflaufen, die bei den Profis gerade nicht so viel Spielzeit bekommen.
„Yussuf Poulsen hatte dieses Jahr nicht dieselbe Vorbereitungszeit wie alle anderen. Kam erst spät zur Mannschaft. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass er erstmal braucht. Hätte ihn gestern gern dabei gehabt. Leider ging das nicht wegen Erkrankung. Müssen sehen, ob es für Sonntag reicht. Gehe aber davon aus, dass es dafür reicht zu den 16 Feldspielern zu gehören, die mit nach München fahren.“

„Braucht Trainer, die zur richtigen Zeit die richtigen Worte findet.“ Könne mal laut oder leise sein. „Mannschaft hat gestern gespürt, dass ihnen ein Gegner mit Qualität gegenübersteht. Haben ihnen in der Halbzeit zwei Szenen aus der ersten Hälfte gezeigt und gesagt, dass wir all in gehen müssen. Haben wir gemacht und deswegen war es ein anderes Bild.“ Ging bei den Szenen offenbar darum, der Mannschaft zu zeigen, dass zu viele Räume zwischen den Mannschaftsteilen sind und man nicht halbherzig anlaufen könne, während die Verteidigung zu tief steht. „Spielt sich viel zwischen den beiden Ohren ab. Jungs hatten das Gefühl, keinen Zugriff zu kriegen, deswegen haben sie sich nicht so getraut.“ „Gegner sind gegen uns noch mal besonders motiviert. Bisher hatten die Gegner gegen uns auch nichts zu verlieren. Müssen 20, 30% besser sein als der Gegner. Am Sonntag hat der Gegner sehr wohl was zu verlieren. Deswegen wird es ein anderes Spiel.“

12.46

Rangnick: „Hadere nicht mit der Chancenverwertung. Wenn wir uns darauf einlassen, wird es nicht besser. Spielen Chancen heraus. Müssen aber Dinge noch perfektionieren. In Spielformen dafür sorgen, dass die Mannschaft Sicherheit gewinnt. Mit einem Davie Selke in der Form von gestern hätten wir das Spiel in Heidenheim schon zur Halbzeit gewonnen.“

„Hatte gestern in der zweiten Halbzeit keine Sorge mehr um die Abwehr. Wenn du auf einen Topgegner triffst, dann kannst du das nicht komplett ausschließen, aber in der zweiten Halbzeit keine großen Bedenken, dass noch ein Tor gegen uns fällt.“ Man müsse weiter arbeiten und das Glück auch mal in der 88. Minute erzwingen. „Würden uns auch wünschen ein, zwei Punkte mehr zu haben.“ Aber abgerechnet werde zum Schluss und Zwischenzeugnisse gebe es zur Winterpause. „Jungs sind hochmotiviert und ziehen alle mit. Keine Grüppchenbildung, alle haben Spaß miteinander. Müssen die Ergebnisse von Heidenheim und Freiburg in der Kritik an der Mannschaft nicht in den Vordergrund rücken.“

„Nach acht Spielen gibt es keine Garantien, dass man als Erster auch am Ende Erster wird.“ Hoffenheim-Verweise, wo man in der zweiten Liga auch schlecht gestartet sei. Fühle sich nicht gut an, nach dem Spiel in Heidenheim-Spiel zwei Punkte zu wenig haben („Hatten richtig Frust“). „Ist aber wichtig für uns Ruhe zu bewahren und uns auf uns als lernendes System zu konzentrieren. Müssen mit allen Mitteln die Jungs individuell und als Gruppe besser machen.“

Jeder Spieler im Kader hätte es verdient, mal bei einem Zweitligaspiel dabei zu sein. Gehe für Sonntag aber vor allem um Fitness-Fragen „Werden das hoffentlich richtig und gut bewerten. Sind oft enge Entscheidungen. Bei Nils Quaschner hätte ich keine Bedenken, ihn von Anfang zu bringen. Aber da sind auch noch andere Spieler.“ Lobt noch Marcel Sabitzer, der schon in den ersten 20 Minuten gegengehalten habe.

Fordert noch ein, dass man bei Fouls nicht krampfhaft versucht auf den Beinen zu bleiben, sondern dann auch mal fällt, um den Pfiff zu kriegen.
„Letzten beiden Spiele von 1860 komplett am TV gesehen. Die Erkenntnisse geben wir dann an die Mannschaft weiter. Wahrscheinlich keine ausführliche Video-Nachbesprechung des Freiburg-Spiels. Das wird zu lang. Die Jungs sollen sich ausruhen.“

12.52

Das war es von hier. Ralf Rangick geht erstaunlicherweise davon aus, dass es in München ein anderes Spiel für RB werde, weil der Gastgeber zu drei Punkten verdammt sei. Man könnte vermuten, dass das an ihrer Spielweise und am Herangehen ans Spiel nicht viel ändern wird, aber gut, man wird sehen.

Diego Demme geht es offenbar gerade gut. Macht ja auch Sinn angesichts dessen, dass er gerade so etwas wie der wichtigste Spieler bei RB Leipzig ist. Hoffen wir für ihn, dass sich diese Form ein bisschen erhält.

Ich meinerseits wünsche ein schönes Wochenende allerseits. Morgen wie gesagt der Vorbericht hier an dieser Stelle über dem PK-Ticker. Und am Sonntag dann das Spiel in München, bei dem hoffentlich mal wieder drei Punkte rausspringen.

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Ein Gedanke zu „Druck in zwei unterschiedlichen Varianten“

  1. Eine PK vor der Vorschau, kommt nicht so häufig vor. Danke für das Tickern!
    An DD sieht man sehr gut, wie schnell es gehen kann. In seinen Fall nach oben!
    Klasse Auftritte von ihm seit dem Unionspiel.

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