Fragmentarisches zum Zeitgeschehen

Antirassistische Spruchbänder im Stadion unerwünscht.

So titelte die Leipziger Internetzeitung am vergangenen Freitag über einem Text, der inzwischen hinter einer Bezahlschranke verschwunden ist. Und bezog sich dabei anlassgemäß auf das Verbot eines Banners mit der Aufschrift „Ligaspiel und Legida – der Montag ist zum Kotzen da“ durch RB Leipzig. Ein Banner, das RB-Fans beim Heimspiel gegen Fürth im Stadion zeigen wollten und deshalb vorher beim Verein angemeldet hatten.

Die Logik hinter dem zugespitzten Titel ist (außer Reichweite und Klicks), Legida und Rassismus in eins zu setzen, Banner gegen Legida als antirassistische Banner zu kategorisieren und eine Nichtgenehmigung solcher Banner entsprechend als Unerwünschtheit antirassistischer Spruchbänder im Stadion zu interpretieren.

Für die Diskussionsgrundlage nicht irrelevant ist die Tatsache, dass es kein grundsätzliches Verbot antirassistischer Banner in der Red Bull Arena gibt. Sowohl die „Rasenball gegen Rassismus“-Fahne als auch eine „Refugees welcome“-Fahne waren zuletzt und schon länger natürlicher Teil der Block-Beflaggung im Fansektor.

Der Sachstand legt also nahe, dass die Entscheidung gegen das oben genannte Anti-Legida-Banner vereinsseitig keine gegen antirassistische Positionierungen war, sondern damit noch andere Begründungen verbunden sein müssen. Offiziellerseits heißt es, dass man wegen der „Fäkalsprache“ keine Genehmigung ausgesprochen habe: „Wenn ein Fan ein Plakat ‚RBL-Fans gegen Rassismus‘ im Stadion zeigen wollte, dann haben wir das selbstverständlich genehmigt“. (Welt)

Die RB-Fangruppierung Red Aces ihrerseits hatte bereits Anfang des Jahres beklagt, dass Spruchbänder gegen Legida im Speziellen und Rassismus im Allgemeinen zum letzten Heimspiel vor der Winterpause nicht genehmigt worden seien, weil der Verein keine Politik im Stadion haben wolle. Auch damals hatte man trotzdem ein Banner präsentiert und wurde gegen Legida Stellung bezogen.

Wenn man die Sachlage (es gibt kein generelles Verbot antirassistischer Bekenntnisse, aber offenbar eine recht enge Auslegung, was darüber hinausgehend als politische Stellungnahme gilt) soweit klar hat, dann kann man anfangen zu diskutieren. Und sicherlich gibt es gute Argumente in allerlei Richtungen.

Die übliche Genehmigungspraxis soll dabei hier erstmal nicht Kern der folgenden Gedanken sein. Dass Banner in Stadien angemeldet werden müssen, ist nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Und macht für die Vereine sicherlich dahingehend Sinn, dass sie letztlich als Veranstalter auch die Verantwortung tragen, welche Inhalte dort präsentiert werden. Wenn man die Praxis in manch anderem Stadion, wo dann mal eben Beleidigungen des Gegners in Großformat zum Anstoß präsentiert werden können (aus RB-Sicht darf man da vielleicht auf die „Bullenseuche“ in Karlsruhe, das „alle Bullen sind scheiße“ in Braunschweig oder die „Fußballmörder“ in Heidenheim verweisen), dann macht es noch viel mehr Sinn, dass Vereine vorher wissen wollen (bzw. wissen wollen müssten), welche Großformate ihnen an die Zäune gehängt werden.

Auf der anderen Seite bleibt dabei natürlich immer noch ein gewisser Spielraum für Fanaktionen, bei denen via Tapeten jenseits der Genehmigungen Inhalte im Stadion präsentiert werden. Eine Ebene, die man durchaus auch etwas lockerer sehen darf und dann eben im Einzelfall inhaltlich bewerten muss. Wenn in Aue ein Mateschitz-Nazi-Vergleich im Fanblock präsentiert wird, dann ist das inhaltlich albern und in vielerlei Hinsicht dumm und daneben, aber es ist halt eben auch eine Meinungsäußerung. Der man im Fall der Fälle ein juristisches Nachspiel verpassen kann oder eben auch nicht, wenn es eben durch das Recht auf Meinungsäußerung abgedeckt ist. Die aber eben jenseits der offiziellen Teilhabe des Vereins vonstatten geht und damit auch nicht per se für den Verein spricht. Eine Banneraktion wie die „Bullenseuche“ in Karlsruhe dagegen ist ohne Verein (und sei es, weil er seine Pflichten als Veranstalter verletzt hat) letztlich nicht denkbar. Wodurch er direkt in die Verantwortung rückt und für diese Botschaft gerade stehen muss.

Lange Rede, kurze These. Es sollte einen Unterschied machen, was ein Verein offiziell genehmigt und mitträgt und was er nicht mitträgt und weil es extrem gegen seine Grundsätze verstößt verfolgt und was er nicht genehmigen und mittragen möchte, aber im Nachgang auch nicht weiter verfolgt, weil die Botschaft vielleicht den falschen Ton hatte oder eine konkrete politische Gruppierung traf, aber grundsätzlich durchaus mit den Leitlinien des Vereins im Einklang stand.

Keine Ahnung, ob es eine derartige Differenzierung bei RB Leipzig gibt. Die bisherige Praxis im Umgang mit Bannern legt dies zumindest nahe. Eine Praxis, die offenbar darauf abzielt, eine Positionierung für Individualrechte und gegen Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Präferenzen (oder was auch immer an sozialen und biografischen Zufälligkeiten) grundsätzlich zuzulassen, aber eine Bezugnahme auf tagesaktuelle politische Bewegungen oder Gruppen abzulehnen.

Das mag natürlich als eine arg künstliche Trennung daherkommen, weil es in der Praxis nicht immer trennbar ist. Aus Vereinssicht macht diese Trennung aber durchaus Sinn. Bei Legida mögen die Dinge noch relativ klar auf der Hand liegen. Bei anderen Gruppen oder Einzelpersonen aus dem politischen Spektrum wird es dann schon schwieriger und es wird dann noch viel stärker zu einer Frage des Standpunkts, wie man sich dazu positioniert und wie zweifelhaft man die entsprechenden Inhalte findet.

Als Verein kann man es in letzter Konsequenz kaum leisten, die Auseinandersetzung um die Legitimität politischer Gruppen oder Ansichten selbst zu führen. Weil das Feld in dem man agiert durchaus komplex ist. Als Vereinsführung ist man in Bezug auf die eigene Handlungsfähigkeit eine relativ homogene Gruppe, die als städtischer Player im ständigen Austausch mit Funktionsträgern verschiedenster politischer Coleur interagieren muss. In Bezug auf die Fanschar ist man dagegen ein extrem heterogener Haufen mit unterschiedlichsten Blickwinkeln darauf, was in der Gesellschaft gut oder falsch läuft. In diesem Spannungsfeld im Stadion eine Praxis zu fahren, inhaltlich gegen politische Gruppierungen zu schießen, ist ein schwieriges Unterfangen.

In letzter Konsequenz bleibt einem Verein (wenn es nicht gerade ein städtischer Zweit-, Dritt- oder Viertverein mit homogenerer Zusammensetzung und Stoßrichtung im Umfeld ist) kaum eine andere Möglichkeit als in der sozialen Praxis jenseits des sportlichen Profialltags das zu leben, was sein eigentlicher Zweck ist. Ohne Ansehen der Person und dessen Herkunft und sozialen Eigenschaften den Zugang zu Sport, Spiel und Vergesellschaftung zu ermöglichen.

In diesem Sinne macht RB Leipzig viel richtig und einiges falsch bzw. hat in der Vergangenheit einiges richtig und einiges falsch gemacht. Aktionen wie die Flüchtlingsunterstützung durch demonstrative Sach- oder Geldspenden und die Organisation des Besuchs von RB-Spielen oder die Unterstützung von Integration durch die Initiative „Willkommen im Fußball“, bei der Flüchtlingen der Zugang zu Vereinen und zum Sport ermöglicht werden soll oder die „Show racism the red card“-Geschichten, bei der man Schulklassen unterstützt durch Spieler und Vereinsverantwortliche das Thema Rassismus näher bringt oder diverse andere Aktionen, mal mit öffentlichkeitswirksamer Begleitung und mal nicht, stehen da sicherlich auf der Habenseite. Eine Habenseite, die man aber auch nicht extrem bejubeln muss, weil sie einfach normaler Ausdruck einer Organisation sein sollte, die innerhalb einer Stadtgesellschaft agiert und entsprechend auch Verantwortung in der sozialen Praxis übernimmt.

Auf der anderen Seite steht bspw. eine Ordnerschaft im Stadion, die ob ihres Auftretens immer mal wieder schlechte Presse bekommt. Zuletzt, weil sie im Juli einen Besucher eines Freundschaftsspiels daran hindern wollte, mit einem Shirt gegen Homophobie das Stadion zu besuchen, wie die Leipziger Zeitung berichtete. Auf der anderen Seite steht auch die Geschichte um Peter Pacult vor reichlich drei Jahren, der sich beim Auswärtsspiel bei der U23 des FC St. Pauli einen homophoben Ausrutscher erlaubte, auf den der Verein kommunikativ katastrophal und mit zweifelhafter Vorbildwirkung sinngemäß mit einem ‚aber die haben angefangen‘ reagierte (etwas was unter den heutigen Verantwortlichen vielleicht bzw. hoffentlich in der Form nicht mehr möglich wäre). Nicht zu vergessen die auch für den kommenden Winter wieder getroffene Entscheidung, das RB-Trainingslager in Qatar abzuhalten, eine Entscheidung, die dem Eintreten für Individual- und Universalrechte relativ deutlich widerspricht.

Man könnte in dem Zusammenhang also schon trefflich darüber streiten, ob die soziale Praxis bei RB Leipzig in der Form wie sie gelebt wird Sinn macht. Da darf sich gern jeder bzw. jede selbst zu befragen, ob ’sein‘ bzw. ‚ihr‘ Verein hier dauerhaft in einer Art agiert, die man sich wünscht oder die angemessen wäre für einen Leuchtturm-Sportverein mit einer gewissen gesellschaftlichen Vorbildwirkung.

Der darüber hinaus gehende Wunsch, der Verein RB Leipzig möge sich von konkreten politischen Gruppen auch im öffentlich-kommunikativen Auftreten stärker abgrenzen und sich damit an die Seite entsprechender eigener Fangruppen wie der Red Aces stellen, mag nachvollziehbar sein. Zumal wenn man das Argument bedenkt, dass es natürlich Sinn macht, Gruppen in den eigenen Fanreihen zu stärken, die sich der Unterstützung von Individuen und deren Rechten verschrieben haben. Weil eine Unterstützung dieser Gruppen und das Einräumen von Freiheiten für deren Aktivitäten auch eine gewisse Sensibilisierung gegenüber bzw. Verunmöglichung von Entwicklungen im Fanblock hin zu politisch unliebsamen, weil dem grundlegenden Gleichheitsgedanken beim Ausüben von Sport und beim Leben in der Gesellschaft widersprechenden Gruppenbildungen bedeuten würde. Sprich, dies durchaus im Sinne des Vereins sein dürfte.

Der Spagat bleibt aber schwierig, weil der erste Zweck des Vereins die soziale Praxis ist und nicht die Bildung einer politischen Gruppe. Sprich Abgrenzung von gesellschaftlichen Erscheinungen vor allem über Tun und Interaktion und nicht über Proklamation und Ablehnung politischer Zusammenschlüsse geschieht.

Erschwert wird das alles dadurch, dass das Niveau politischer Debatten in diesem Land generell eher unterirdisch ist und man in Bezug auf den Austausch von Argumenten manchmal das Gefühl hat, wieder in den 90ern angekommen zu sein. Wobei im Gegensatz zu den 90ern, als alle größeren Medien bis hin zum Spiegel mit ‚Das Boot ist voll‘-Metaphern Flüchtlinge fast ausschließlich als Problemfälle thematisierten, inzwischen in Deutschland im öffentlichen Diskurs eher der Antirassismus gemeinsame Geschäftsgrundlage ist. Nur das Versagen des Staates und seiner Institutionen bei Angriffen auf seinen ureigensten Geschäftsbereich wie die Unterbringung und den Schutz von Flüchtlingen scheint sich nicht verändert zu haben.

Es bleibt trotz veränderter Stimmungslage im öffentlichen Diskurs trotzdem eine bemerkenswerte Bekenntnishuberei, bei der eine offene Debatte auch über Einwanderungsthemen jenseits von rassistischen Vorurteilen und antirassistischen Phrasen oder merkwürdigen kulturellen Zuschreibungen kaum möglich ist. Vielleicht ganz bezeichnend in dem Zusammenhang auch eine Geschichte aus der Welt von Red Bull.

Im neuen Imbiss im Trainingszentrum am Cottaweg verkauft man „Afro Coffee“.  Eine Art Red-Bull-Ableger, der sich dem Verkauf fair gehandelter Kaffee- und Teeprodukte aus Afrika verschrieben hat. Auf der entsprechenden Website heißt es dann zum Einstieg, dass Afro Coffee der Ort sei, „wo jeder frei nach seinem inneren Trommelrhythmus tanzen kann“. Auch in dem Fall klingeln die 90er (als man in Provinzstädten die Einheimischen dadurch zu überzeugen versuchte, dass Ausländer doch nicht doof, sondern irgendwie auch ganz schnuffig seien, indem man sie auf kulturelle Zuschreibungen festlegte bzw. eher schon festnagelte und trommeln oder typisches Essen kochen ließ, anstatt sie als Menschen anzuerkennen, die im besten Fall aus ihrem kulturellen Gefängnis raus und nicht noch den Schlüssel dazu weggeworfen sehen wollen) durch und wollen ihren positiven Rassismus zurück.

Es ist jenseits der sozialen Praxis des Helfens Benachteiligter und Unterstützens von Menschen und ihrer Rechte im hiesigen Bekenntnisdschungel (und Rassismus, Antirassismus und Flüchtlinge ist ja nur eines von vielen möglichen Themen und halt das aktuell prägendste) durchaus schwierig zu agieren. Schon für Einzelpersonen, aber erst recht für einen Verein wie es RB Leipzig einer ist. Sich in dieser Situation auf die soziale Praxis mit ihren gesellschaftspolitischen Implikationen zu beschränken und sich den öffentlichen Pro-oder-Contra-Bekenntnissen gegen politische Gruppen entziehen zu wollen, ist grundsätzlich nachvollziehbar.

Fakt ist aber auch, dass damit und mit der Außenwirkung von Bannerverboten auch negative Nebeneffekte verbunden sein können, weil eventuell ein falsches, weil defensives Signal an die eigene Fanszene aber auch nach außen gesetzt wird und man die impliziten Grenzen, um die ein Verein wie RB Leipzig natürlich auch gegenüber politischen Gruppen wissen muss, um nicht anschlussfähig zu werden für Inhalte, die man nicht mittragen will, nicht mehr erkennen kann. Dass es auf die Ankündigung, Flüchtlinge zum Heimspiel gegen Paderborn einzuladen, auch einige ablehnende, im Ton unfreundliche Kommentare seitens RB-Anhängern in den Online-Welten gab, verweist darauf, dass manch einer vielleicht noch mehr Abgrenzung vorgelebt braucht. Wie weit ein Verein in seiner öffentlichen Abgrenzung gehen muss, ist aber trotzdem eine schwierige Frage und vermutlich auch stark davon abhängig, auf welche konkreten (Fehl-)Entwicklungen im Fanlager man reagieren müsste und davon, wer diese Frage beantwortet.

Am Ende bleibt mit RB Leipzig ein Verein, der in seiner sozialen, innerstädtischen Praxis einige Dinge richtig macht und ganz gewiss antirassistische Bekenntnisse nicht per se für unerwünscht hält. Aber es bleibt auch ein Verein RB Leipzig, der Bekenntnisebenen jenseits des Sports und jenseits gesellschaftlicher Grundstandards gern aus dem Stadion heraushalten würde. Dafür gibt es mindestens ebenso gute und eben durch die Vereinspraxis abseits des Stadions gedeckte Gründe wie für die Forderung, der Verein möge mehr an konkretem Bekenntnis zulassen und im Sinne der mittelfristigen Entwicklung im Vereinsumfeld den entsprechenden Fangruppen den Rücken stärken.

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17 Gedanken zu „Fragmentarisches zum Zeitgeschehen“

  1. servus mathias,

    schöner artikel.

    meine pers. meinung ist, dass man soweit wie möglich jede politik aus verein und stadion fern halten solle. Dafür möge man mich jetzt steinigen, aber ich finde einfach, dass so etwas nicht dahin gehört. Dies gilt auch für Banner von Fans m.E.

    Man muss nicht immer irgendwas hochhalten oder demonstrativ machen nur um anderen irgendwas zu beweisen.

    der verein lebt anti-rassismus schon vor, ohne ein riesiges trara zu machen. in dem man mit vielen menschen unters. herkunft in einem kader spielt.

    ich vergleich das mal etwas: hab ich z.b. eine afrikanische frau und nen südamerikanischen schwiegersohn muss ich doch nicht mit einem t-shirt rumlaufen auf dem „scheiss nazis“ steht (oder wegen mir auch refugees welcome). ich lebe dann anderen quasi schon vor.

    auf der anderen seite kann ich auch ne deutsche frau haben, mit „Ausländern“ oder Flüchtlingen normal umgehen ohne ein t-shirt (mit entsprechenden sprüchen) rumrennen und bin deswegen doch nicht ein rassist.

    dieses permanente „flagge zeigen“ geht mir gehörig auf die nerven.

    Wichtig für mich ist, was man tut und nicht was man sagt. dazu muss ich nicht jedem meine meinung sagen, ob er will oder nicht. soll ein jeder denken was er mag.. solange er passend handelt sehe ich keinen grund für sinnloses „flagge zeigen“.

  2. Ich kann dem Beitrag von Matthias von 14:41 Uhr nur uneingeschränkt zustimmen. Wer sich politisch engagieren möchte kann das gerne tun, auf Demos, in Parteien oder auf etlichen anderen Wegen. Politik gehört in keinster Weise in und um den Fußball.

  3. Politik gehört nicht ins Stadion wenn Frau Merkel oder so sich im Rampenlicht sehen wollen, stimmt. Aber antirassistische und antifaschistische Statements sehr wohl weil das jawohl nichts mit Politik zu tun hat sondern mit gesundem Menschenverstand!

    1. Was ist mit antikommunistischen, antikapitalistischen oder gegen den Krieg geäußerte Statements?

  4. Was gerade passiert, geht weit über die Politik hinaus. Die Welt ändert sich und unser Land, unsere Gesellschaft werden sich ändern, ob man es will oder nicht. Diese Ereignisse wird man auch nicht aus der „heilen“ Fußballwelt heraushalten können. Man stelle sich vor, wir feiern im Stadion ein Fußballfest und draußen sterben die Menschen auf ihrem Weg nach Deutschland. Den im Mittelmeer ertrunkenen kleinen Jungen hat jeder gesehen.
    Deshalb ist es eine riesen Aktion, die aus der Mitte von rb-fans.de startete, dass zum nächsten Heimspiel alle Flüchtlinge der Stadt eingeladen sind. Banner mit politischen Bekenntnissen in Fäkalsprache braucht hingegen niemand.

  5. @herr Müller: die Welt da draußen hat sich nie geändert. Es gab schon immer Flüchtlinge, es gab schon immer leidende Personen. Was sich geändert hat ist das Verständnis der Menschen die heute mehr denn je meinen zu allem und jedem ihren Senf abgeben zu müssen.

    Eine Aktion wie Flüchtlinge zum Fußball einzuladen ist sicher positiv und super. Das ist auch nicht was ich anprangere.

    Ich prangere dieses ständige hochhalten von Bannern oder tragen von Shirts mit aussagen an. DAS hat im Fußball nichts zu suchen. Sozial schwachen ( egal ob Flüchtling oder deutscher) einen Besuch im Stadion zu ermöglichen dagegen immer gern!

    Nur überleg doch mal ob die Menschen die eh schon genug mitmachen dann auch noch mit Bannern an alles erinnert werden wollen. Ich glaube nein! Ich glaube die wollen eine normale Welt in einem normalen Leben.

    Und in so fern unterstütze ich jede Art von Hilfe aber bin strikt gegen Banner im Stadion!

  6. @Matthias: Da sind wir unterschiedlicher Meinung. Ich denke, dass sich die Welt ständig ändert, mal schneller, mal langsamer, mal hier und mal dort. Diesmal sind wir durch die Kriegsflüchtlinge, die in Massen zu uns kommen, direkt betroffen. Und das geht auch am Fußball nicht vorbei. Ich hatte mich ja gegen Banner mit politischen Bekenntnissen in Fäkalsprache – wie sie beim letzten Heimspiel in Sektor B gezeigt wurden – ausgesprochen. Und sicher möchte auch ich nicht ständig genötigt werden, mich zu irgendetwas zu bekennen. Wenn wir aber nächsten Freitag Flüchtlinge bei uns im Stadion haben, dann können wir sie doch mit einem Banner herzlich willkommen heißen. Und das ist m.E. keine Politik, sondern ein Zeichen, dass wir gute Gastgeber sind 🙂

  7. „Eine Praxis, die offenbar darauf abzielt, eine Positionierung für Individualrechte und gegen Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Präferenzen (oder was auch immer an sozialen und biografischen Zufälligkeiten) grundsätzlich zuzulassen, aber eine Bezugnahme auf tagesaktuelle politische Bewegungen oder Gruppen abzulehnen.“

    Das Kernproblem einer solchen Haltung ist, dass es eine Brutstaedte des klassichen Rechtskonservativismus („Ich bin kein Rassist, aber […]“) ist. Rassismus ist nun einmal ein Problem das man leicht abstrakt ablehnen kann, aber wenn es konkret und tagesaktuell wird leichter ist zu uebersehen („auf dem rechten Auge blind“).

    Insgesamt halte ich das als Teil des Marketings sinnvoll, da man ja keinen zahlenden Kunden vor den Kopf stossen will, aber im Sinne eines gemeinnuetzigen Vereins fragwuerdig. Es erinnert an die Argumentation seitens der Fans in den 90ern, dass Nazis in der Kurve willkommen sind solange sie ihre Politik vor der Tuer lassen. (Tagesaktuelle) Politik ist ueberall wo Menschen sind und damit natuerlich auch im Stadion. Die Idee die Welt da draussen im Stadion auszublenden ist illusorisch – wenn man den Kopf in den Sand steckt fuehrt das nur zu dazu, dass die Rechten wieder erstarken in Kurven, denn ‚wir sind nicht so schlimm‘ ist ja deren Kernaussage. Erst wenn man dann glaubt, dass der Wolf im Schafspelz ein Schaf ist, geht es dann in Phase zwei. So funktioniert jede Extremistengruppe – von ISIS bis NPD.

    Die Debatte muss jeder Verein immer und jederzeit fuehren (als Bayern-fan moechte ich nur an die Trainigslager vs Menschenrechte debatte erinnern) und man sollte sich von kurzfristigen Aktionen (zum Beispiel einmaligen Spenden fuer Fluechtlinge) nicht blenden lassen.

  8. @Ben:

    man spricht immer nur von Rechts. Meiner Meinung nach ist Extremismus egal ob links oder rechts falsch. Auch wenn jetzt das Geschrei wieder groß ist, wenn ich sowas schreibe.. aber: als Pegida (bzw. deren ableger) demonstrierte waren es zu einem sehr großen teil (siehe polizei berichte) nicht die (als rechts verschriehenen) pegida anhänger die gewalttätig waren (sowohl gegenüber anderen als auch der polizei).

    auch halte ich es für vermessen zu glauben, dass banner und permanenter protest etwas gegen „rechtes“ gedankengut zu tun vermögen. genauso wenig wie ich glaube das „rechte“ banner etwas gegen „linke“ einstellung zu tun vermag.

    diese art der meinungsbekundung hat noch nie zu einem umdenken (egal ob l. oder r.) geführt sondern nur zu (sinnlosen) scharmützeln.

    klar bei den beteiligten überwiegt das (vermeintlich) „gute gefühl“ etwas getan zu haben. aber mal ehrlich .. effektiv gebracht hat es eher nichts.

    in einer gesellschaft MUSS es auch ruhepole geben. situationen in denen man nicht links oder rechts denkt. wo man abschalten kann. auch um etwas objektivität in diese sache zu bekommen. und das könnte der fußball sein… wenn nicht ständig ein jeder meinen würde auch noch dort unruhe stiften zu wollen.

  9. Was hat Politik bei einer Veranstaltung zu suchen die sich 90 Minuten oder auch mal ein wenig länger um ein Spiel zweier Fußballmannschaften gegeneinander dreht? Richtig, nichts!

  10. Also mal ganz grundsätzlich. Diskriminierungsfreier Zugang zur Gesellschaft ist ganz natürliche Grundlage der Existenz eines Vereins und gehört damit als (sport)politische Dimension, die eher allgemeinen Menschenverstand ausdrückt, auch ins Stadion. Das kann nicht in Frage stehen und steht auch gar nicht in Frage (der „Kampf gegen Rassismus“ steht so übrigens auch wortwörtlich in der RB-Vereinssatzung). Die Frage ist, was das am Ende bedeutet und ob ein Bekenntnis zum diskriminierungsfreien Zugang zur Gesellschaft über die soziale Verankerung in der Stadt und entsprechende Aktionen oder über demonstrative Geschichten wie die öffentlichkeitswirksame Einladung von Flüchtlingen ins Stadion hinausgehen und sich auch gegen Organisationen wenden sollte, die in der politischen Praxis eher für Diskriminierung und Vorurteile als dagegen stehen.

    Das ist sicherlich auch immer eine Frage der aktuellen Problemlagen. Habe ich in meinem Verein und im Umfeld ein Problem mit in Bezug auf Geschlecht oder Herkunft oder sexueller Orientierung diskriminierenden Gruppierungen muss man sicherlich offensiver darauf reagieren als wenn man diese Probleme nicht hat. Andererseits gibt es auch Problemlagen jenseits des Vereins in der Stadt des Vereins, die Problemlagen sind, gegen die sich der Verein satzungsgemäß stellt bzw. um die er sich kümmert. Die Unterstützung von Flüchtlingen in einer Zeit, in der die Kommunen davon offenbar überfordert sind, gehört hier dazu. Und die Frage ist halt, ob da noch mehr dazu gehört.

    Ich sehe da weiterhin nicht, dass das Auftreten für Weltoffenheit, Individualrechte und gegen Diskriminierung eine „Brutstaedte des klassischen Rechtskonservativismus“ sein sollte, nur weil man sich keine Fahnen gegen welche politische Bewegung auch immer an den Zaun hängen will bzw. an den Zaun gehangen bekommen will. Aber ich sehe sehr wohl, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die sehr wohl ihren Widerhall in Fußballstadien und in der Vereinspolitik haben dürfen bzw. haben müssen.

  11. Ich kann dir da nur teilweise zustimmen, m.M.n. kann und soll sich der Verein positionieren! Die Betonung liegt hier aber auf außerhalb der Spielzeit, dort gerne und so oft er mag und will! Wie kommt man überhaupt darauf bei einer „Unterhaltungssendung“ wie einem Fußballspiel politische Parolen zu plärren oder dort gemalte Banner zu zeigen. Das ist für mich eine Fehlentwicklung im Fußball die vor langer Zeit ihren Lauf nahm.

  12. diese „gesellschaftlichen“ debatten sind aber all zu oft immer wieder auftauchendes.

    jedes mal wenn einer seine meinung kundtut, meinen 100 andere das auch zu müssen. ich sehe keinen sinn darin. weder im stadion noch sonstwo (ausserhalb einer demo o.ä.).

    einer hängt ne reichskriegsflagge zum fenster raus und 100 andere meinen daraufhin ein „gegen nazis“ rauszuhängen.
    einer hängt „ich find flüchtlinge doof“ hin und 100 andere müssen dann ganz dringend „refugees welcome“ raushängen.

    uns so kann man das mit jeder aussage machen (bzw wird auch gemacht).

    ich bin absolut der meinung, dass eine gesellschaft grundwerte und richtlinien (gesetze) haben soll die ein vernünftiges miteinander regeln. dazu gehört auch der umgang mit schwulen, lesben, asylsuchenden, einwanderern, links/rechts radikalen, wasweissichnochalles. (reihenfolge und aufzählung völlig wertfrei! .. muss man ja immer rechtfertigender weise dazu schreiben heutzutage)

    diese werte und regeln müssen natürlich gelebt werden. hier aber ganz eindeutig die betonung auf „gelebt“! ein „fuck nazi“ t-shirt bedeutet noch lange nicht, dass man die richtige werte vertritt oder richtig handelt. auch ein simples schild mit „refugees welcome“ hilft dabei nicht.

    wichtig sind reelle aktionen! wegen mir in dem man flüchtlinge mit zum fussball nimmt. in dem man sie entsprechend behandelt und ihnen hiflt und sie nicht ausgrenzt.

    das alles findet aber (bis auf das zum spiel mitnehmen) ausserhalb des stadions statt. auch braucht es da keine flagge.
    da sagt die geste mehr als 1000 worte. darum geht es doch.

    und deswegen bin ich der meinung sollte man solche aussagen in stadien verbieten und unterlassen. sie bringen nichts, sie helfen nichts.

  13. Da scheint aber jemand ganz schön angepieselt von wegen der Political Correctness 😉 Kann ich aber nachvollziehen Matthias.

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