Aufstiegsfragen

In den letzten Wochen ging es rund um RB Leipzig in der Öffentlichkeit immer lustig hin und her. Eine Niederlage war gleichbedeutend mit dem Ende aller Aufstiegsmöglichkeiten, bei einem Sieg, selbst bei einem noch so glücklichen, ging es im Raketenstart Richtung Bundesliga.

Vor zwei Wochen hieß es hier im Blog nach dem Sieg gegen Nürnberg, dass man sich gern nach den Spielen gegen Kaiserslautern und Darmstadt, also gegen engere Aufstiegskandidaten unterhalten könne, wie es denn für RB Leipzig für den Rest der Saison aussieht. Nach vier Punkten aus den letzten zwei Spiele ist also jetzt der Zeitpunkt gekommen.

Vorneweg sollte man als Fakt erstmal festhalten, dass man nach 30 Spieltagen den gleichen Rückstand auf Platz 3 hat wie nach 20 Spieltagen als Achim Beierlorzer von Alexander Zorniger übernahm und Platz 3 weiterhin an den Karlsruher SC geht. Sprich, die Ausgangsposition hat sich in den letzten 10 Spielen weder verändert noch verbessert.

Vier Spiele vor Ende der Saison kann man für RB Leipzig festhalten, dass man Ingolstadt nicht mehr einholen wird und auch Kaiserslautern mit ziemlicher Sicherheit weg ist. Dass man sich in der Pfalz sieben Punkte Vorsprung bei nur noch 12 zu vergebenen Spielen noch mal nehmen lässt, ist mehr als unwahrscheinlich. Das heißt nicht, dass sie sicher Zweiter werden, aber das heißt, dass zumindest RB Leipzig nicht mehr an ihnen vorbeiziehen wird.

Bliebe theoretisch noch die Möglichkeit des Relegationsplatzes für RB Leipzig. Für den man zwei Teams überholen muss. Außer Darmstadt und Karlsruhe kommt da keiner mehr in Frage. Dass Darmstadt in den letzten Spielen noch Punkte lässt, zumal man auch noch gegen Kaiserslautern und Karlsruhe ran muss, ist durchaus denkbar. Maximal acht von 12 Punkten dürften sie holen, wenn RB Leipzig ohne aufs Torverhältnis zu schauen an ihnen vorbei ziehen will. Nicht unwahrscheinlich, dass Darmstadt ihren Teil der Aufgabe erfüllt.

Karlsruhe hat derzeit fünf Punkte und sieben Tore Vorsprung auf RB Leipzig. Mit acht Punkten (also zwei Siegen und zwei Unentschieden oder drei Siegen) wäre Karlsruhe ganz sicher am Ende der Saison vor RB Leipzig. Mit sieben Punkten (also zwei Siegen und einem Unentschieden) müsste im Fall der Fälle das Torverhältnis entscheiden. Und bei sechs Punkten für den KSC hätte RB Leipzig die Chance, sie aus eigener Kraft zu überholen.

Acht Punkte sind dem KSC natürlich zuzutrauen. Wobei sie im Saisonverlauf immer wieder mal Phasen hatten, in denen sie wenig erfolgreich waren. Zudem gab es in den letzten zwei Spielen in Sandhausen und gegen Fürth, also gegen eher durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Teams der Liga zwar vier Punkte, aber zwei eher überschaubar gute Auftritte, mit denen man ganz sicher nicht ungeschoren durch die Restsaison käme.

Fakt ist aus RB-Sicht, dass man selbst vier Siege aus den letzten vier Spielen braucht, um überhaupt die theoretische Chance auf Platz 3 am Leben zu halten (weswegen Braunschweig hier in der Betrachtung außen vor bleibt, da sie bei vier RB-Siegen sowieso keine Chance mehr auf Platz 3 hätten). Bedenkt man, dass der Zähler für die längste RB-Siegesserie in dieser Saison bei 2 steht, hat man eine ungefähre Idee, was man noch leisten müsste.

In bisher 19 Jahren eingleisiger zweiter Liga unter der Dreipunktregel gelang es nur fünf Mannschaften, in den letzten vier Spielen noch von einem Platz außerhalb des Toptrios unter die ersten Drei zu stoßen. Seit Einführung der Relegation in der Saison 2008/2009 gelang das noch keinem Team.

Insgesamt 52 der Mannschaften, die letztlich aufstiegen oder den Relegationsplatz belegten, gehörten schon nach 30 Spielen zu den Top 3 (seit Einführung der Relegation standen die 18 Teams auf den ersten drei Plätzen schon nach 30 Spielen fest). Vier von den fünf Mannschaften, die noch nach oben springen konnten, wurden am Ende Dritter. Lediglich einer Mannschaft gelang es in den letzten 19 Jahren sogar noch von unterhalb des dritten Platzes Zweiter zu werden.

Freiburg holte 1997/1998 als Vierter mit vier Siegen aus den letzten vier Spielen sieben Punkte auf den Zweiten Nürberg auf. Allerdings ist dies schwer vergleichbar, da damals drei Teams aufstiegen und Nürnberg als Dritter auch aufstieg, sodass man Platz 2 sicher nicht mehr mit ganz großem Aufwand verteidigte (Aufstieg schon am vorletzten Spieltag).

Am ehesten vergleichbar mit der aktuellen Situation jene von Mainz 2003/2004, die vier Spieltage vor Schluss sechs Punkte hinter dem Dritten Cottbus auf Platz 6 lagen und am Ende mit 10 Punkten aus den letzten vier Spielen punktgleich mit Cottbus noch Dritter wurden. Die 54 Punkte, die Mainz damals zu Platz 3 reichten, waren allerdings die geringste Anzahl an Punkten, die ein Drittplatzierter in den letzten 19 Spielzeiten je am Ende hatte.

Im Schnitt brauchte man für Platz 3 ungefähr 59,8 Punkte. Irgendwas um die 59 Punkte wird man auch in dieser Saison benötigen. Was auch nur noch mal darauf hinweist, dass unter 12 Punkten aus vier Spielen für RB Leipzig sowieso nichts mehr gehen wird Richtung Platz 3.

Eine sicherlich nicht völlig aussichtslose Aufgabe, aber auch eine sehr schwere. Zumal wenn man bedenkt, dass RB Leipzig 2015 erst einmal mit mehr als einem Tor Differenz gewonnen hat (so selten wie kein anderes vor ihnen platziertes Team) und von den drei 2:1-Siegen aus den letzten vier Spielen zwei sehr glücklich zustande kamen. Sprich, für RB Leipzig gab es bisher kaum Aufgaben, die als Selbstläufer funktioniert hätten. Und es wäre merkwürdig, wenn man annehmen würde, dass dies auf der Saisonzielgerade anders werden würde.

Klar kann man nach dem Coltorti-Tor gegen Darmstadt auf die Phrase zurückgreifen, dass man aufsteigt, wenn man solche Spiele gewinnt. Auf der anderen Seite steigt am Ende auch nur der auf, der überhaupt in Schlagdistanz war, als er soche Spiele gewann.

Das Coltorti-Tor mag noch mal einen Schub geben und falls man am Ende Richtung Relegation durchstartet, wird dieser Moment natürlich nachträglich zusätzlich mystifiziert werden. Realistisch betrachtet, war das 2:1 gegen Darmstadt ein herausragender Saisonmoment, der für sich genommen schon so viel Strahlkraft hat, dass es des statistisch gesehen weiterhin enorm unwahrscheinlichen Kletterns auf den Relegationsplatz auch nicht bedarf, um diese Strahlkraft dauerhaft werden zu lassen.

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Restprogramm

  • FC Ingolstadt
    • 1. FC Nürnberg (H)
    • VfL Bochum (A)
    • RB Leipzig (H)
    • 1. FC Kaiserslautern (A)
  • 1. FC Kaiserslautern
    • SV Darmstadt 98 (A)
    • FC St. Pauli (H)
    • Erzgebirge Aue (A)
    • FC Ingolstadt (H)
  • Karlsruher SC
    • Erzgebirge Aue (A)
    • SV Darmstadt 98 (H)
    • Eintracht Braunschweig (A)
    • TSV 1860 München (H)
  • SV Darmstadt 98
    • 1. FC Kaiserslautern (H)
    • Karlsruher SC (A)
    • Greuther Fürth (A)
    • FC St. Pauli (H)
  • RB Leipzig
    • FC St. Pauli (A)
    • SV Sandhausen (H)
    • FC Ingolstadt (A)
    • Greuther Fürth (H)
  • Eintracht Braunschweig
    • FSV Frankfurt (H)
    • 1. FC Nürnberg (A)
    • Karlsruher SC (H)
    • Union Berlin (A)

Mannschaften, die in der zweiten Liga erst nach dem 30. Spieltag noch unter die ersten Drei stießen.

  • Köln 2007/2008: Nach 30 Spielen ein Punkt hinter Mainz Vierter, nach 34 Spielen zwei Punkte vor Mainz Dritter (neun Punkte aus den letzten vier Spielen)
  • Mainz 2003/2004: Nach 30 Spielen sechs Punkte hinter Cottbus Sechster, nach 34 Spielen punktgleich Dritter (zehn Punkte aus den letzten vier Spielen)
  • Bochum 2001/2002: Nach 30 Spielen vier Punkte hinter Mainz (Zweiter) Fünfter, nach 34 Spielen ein Punkt vor Mainz Dritter (10 Punkte aus den letzten vier Spielen)
  • Ulm 1998/1999: Nach 30 Spielen punktgleich mit Karlsruhe Vierter, nach 34 Spielen zwei Punkte vor Karlsruhe Dritter (sieben Punkte aus den letzten vier Spielen)
  • Freiburg 1997/1998: Nach 30 Spielen zwei Punkte hinter Gütersloh und sieben Punkte hinter Nürnberg Vierter, nach 34 Spielen sechs Punkte vor Gütersloh und zwei Punkte vor Nürnberg Zweiter (zwölf Punkte aus den letzten vier Spielen)

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3 Gedanken zu „Aufstiegsfragen“

  1. moin!

    am ende wird es wohl so sein, wie schon von dir vorher vermutet und es wird nicht reichen. trotz allem ist die leistung der manschaft in den letzten spielen nochmal gestiegen und auch die moral wirkt noch besser als vor so manch anderem spiel.

    interessant ist es allemal, dass man noch theoretisch über einen aufstieg nachdenken kann.. das hätte noch vor 4 spielen glaub ich keiner gedacht. zu schlecht die bilanz.

    nehmen wir es einfach wie es kommt. die erste 2. liga saison ist so oder so erfolgreich.. mit vieeeeeeeeeel theorie wird sie vlt. auch noch „episch“ .. aber ist das nicht das schöne am fußball? 🙂

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