2.Bundesliga: RB Leipzig vs. Karlsruher SC 3:1

Das Spiel zwischen RB Leipzig und dem Karlsruher SC war als echtes Spitzenspiel erwartet und angekündigt worden. Befriedigt hat die Partie diese Erwartungshaltung nur phasenweise, denn insgesamt waren die Gastgeber zu überlegen, um aus der Auseinandersetzung eine auf Augenhöhe werden zu lassen. Sodass das 3:1 für RB Leipzig gegen nicht mal schlechte Karlsruher letztlich auch in der Höhe verdient war.

Ins Spiel gegangen waren die Gastgeber mal wieder mit Dominik Kaiser, der auf die Zehn zurückkehrte. Es war somit auch die Rückkehr zum 4-3-1-2, das man über weite Teile des Jahres 2014 gespielt und nur zuletzt für ein 4-3-3 aufgegeben hatte. Mit Dominik Kaiser kehrten etwas mehr Ballsicherheit im Angriffsdrittel und eine sehr gute Option im Spiel gegen den Ball auf den Platz zurück. Matthias Morys musste dafür weichen und sah sich das Spiel eine Stunde lang von der Bank aus an.

Die ersten 20 Minuten gehörten überraschend deutlich RB Leipzig. Im Gegensatz zur Partie bei Union Berlin kontrollierte man dabei nicht nur das Spiel mit dem Ball, sondern auch jenes gegen den Ball. Getreu der eigenen Vorgabe, den spielerischen Qualitäten der Karlsruher keinen Raum zu lassen, agierte man aggressiv und konnte so auch viele hohe Ballgewinne verbuchen, die zum Spiel in die Tiefe genutzt wurden.

Poulsen zeigte sich hier mal wieder auffällig und konnte sich immer wieder im Strafraum in Szene setzen. Pech für ihn, dass die Mitspieler zwei seiner Eingaben nicht verwerten konnten und einmal die Pfeife des Schiedsrichters bei einem möglichen Elfmeterpiff (zurecht) stumm blieb. Insgesamt spielte RB Leipzig die Partie aber sehr clever und gleichzeitig engagiert und kontrolliert, ohne dem ganzen die fällige Belohnungskrone in Form eines Tors aufzusetzen.

Nach einer guten halben Stunde dann die kalte Dusche für RB Leipzig, als der KSC nach einem Konter mit der ersten Chance in Führung ging und das Spiel auf den Kopf stellte. Der im Gegensatz zum völlig untertauchenden Manuel Torres sehr auffällige Reinhold Yabo hatte sich gegen Tim Sebastian durchgesetzt und bediente in der Mitte Ilijan Mizanski, der den Ball gegen den von hinten heranrauschenden Anthony Jung behaupten und Benjamin Bellot durch die Beine schieben konnte.

Da kann auch KSC-Keeper Orlishausen nur staunend hinterhergucken - Yussuf Poulsen erzielt nach unwiderstehlichem Antritt den 2:1-Führungstreffer | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Ein Tor, das in der Form sicherlich nicht fallen sollte, nicht fallen muss. Der Hauptanteil lag in der Szene wohl bei Tim Sebastian, der gegen Yabo den Weg zur Mitte freimacht. Danach haben Jung und Bellot einfach auch Pech. Ein Tor jedenfalls, das die spannende Frage aufwarf, wie die RasenBallsportler denn auf den neuerlichen Rückstand im zweiten Spiel hintereinander, nachdem man eigentlich die bessere Mannschaft war, reagieren würden.

Auch wenn man sich leicht schüttelte, reagierte man jedenfalls nicht geschockt. Der Ausgleich fiel dann aber doch etwas glücklich, wenn man denn direkt verwandelte Freistöße ganz generell als glückliche, weil nicht herausgespielte Tore bezeichnen will. Letztlich hatte es aber weniger mit Glück als mit ganz viel Können zu tun, dass Dominik Kaiser den Freistoß, den er selbst herausholte, aus 25 Metern perfekt im rechten Winkel versenkt. Phantastischer Treffer, der RB Leipzig gar nicht erst die Chance ließ, zu lange über den Rückstand nachzudenken oder ihn gar mit in die Halbzeit zu nehmen.

Einziger Aufreger der ersten Halbzeit noch eine etwas zu kurze Kopfballrückgabe von Tim Sebastian, der Benjamin Bellot etwas zu zögerlich entgegen geht, sodass Gaetan Krebs fast noch dazwischenspritzen kann. Letztlich hat Bellot den Ball aber, sodass die Zwischenüberschrift ‚Abgezockter KSC geht mit Führung in die Pause‘ ungeschrieben bleiben musste.

Die zweite Halbzeit ist dann die Kaiser-Poulsen-Umschaltspiel-Show. Deren erster Teil schon in der 48.Minute stattfindet. Khedira holt sich tief in der eigenen Hälfte den Ball. Teigl macht das Spiel mit einem Pass auf Kaiser schnell, der diese Möglichkeit, das Spiel mal mit Raum vor sich zu haben zu einem Traumpass auf den startenden Poulsen nutzt. Einmal noch den Torwart rechts überlaufen und ab mit dem Ball in die Kiste. Acht Sekunden hatte es gedauert von der Balleroberung bis zum Kullern über die Linie.

RB Leipzig überließ nun den Ball noch häufiger den Gästen, die sich aber weiter schwer taten gegen die aggressive RB-Verteidigung, und lauerte auf die nächste Situation. Die sich in der 58. Minute ergab, als Sebastian am eigenen Strafraum einen Ball rausköpft, den Dominik Kaiser noch in der eigenen Hälfte aufnimmt, wieder das Spiel und Platz vor sich hat, noch ein paar Meter läuft und dann den nächsten Traumpass auf den startenden (und vermutlich leicht im Abseits stehenden) Yussuf Poulsen spielt. Der überläuft den Torwart diesmal auf der anderen Seite und schiebt wieder ein. 10 Sekunden hatte es quer über den Platz diesmal gedauert.

Mit dem 3:1 nach zwei deckungsgleichen Toren war das Spiel letztlich gelaufen. Der Karlsruher SC mühte sich redlich um einen Treffer, war aber meist doch weit vom Erfolg entfernt. In Ansätzen sah das alles gar nicht schlecht aus, vor allem dann, wenn RB nicht früh Druck auf den Ball bekam, aber insgesamt blieb es Richtung Tor wenig durchschlagkräftig, weil von Micanski und Offensiv-Kollegen bis auf den bemühten Yamada und den schon genannten Yabo wenig zu sehen war.

Und so tickte die Uhr denn herunter. RB Leipzig lauerte weiter auf Möglichkeiten zum schnellen Umschalten, spielte die Situationen aber auch nicht mehr optimal zu Ende. Gäste-Coach Kauszinski sollte nach dem Spiel dann sagen, dass sein Team in allen Belangen unterlegen gewesen sei. Das stimmt wohl alles in allem und ist vor allem ein Kompliment für das sehr gute Arbeiten gegen den Ball auf Seiten von RB, durch das die so gefährliche, offensive Viererreihe des KSC mit Yamada, Yabo, Krebs und Torres kaum zur Geltung kam.

Fazit: Gegen den Karlsruher SC zeigte RB Leipzig eine sehr reife Leistung und gewann unerwartet souverän. Wenn man von diesem Spiel Aufschlüsse über den Leistungsstand von RB Leipzig erwartet hatte, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass der Neuling voll in der zweiten Liga angekommen ist und auch gegen ein besseres Team der Liga, das zudem gut in Form war, seinen vorwärtsverteidigenden Stil durchziehen kann. Auch wenn man bedenken muss, dass das Spiel nach dem 0:1 auch hätte zugunsten der Gäste kippen können. Wenn denn nicht Dominik Kaiser seinen Freistoßhammer (und später das Zauberpassfüßchen) ausgepackt hätte.

Randbemerkung 1: Mittwoch 17.30 Uhr fühlt sich als Anstoßzeit tatsächlich nicht wie zweite Liga an. Eher wie Regionalliga, Oberliga oder Freundschaftsspiel. Führte nicht nur zu weniger als 20.000 Besuchern, was letztlich viel zu wenig für eine sportlich so interessante Partie ist, sondern auch zu einer Tapete im RB-Block, auf der genau dieser Termin (vor allem bezüglich potenzieller Auswärtsfahrer) kritisiert wurde. Zurecht, denn dass man als KSC-Fan mal eben mitten unter der Woche mehr als 500 km für eine Reise nach Leipzig auf sich nehmen und dort am Nachmittag ankommen soll, ist schon eher schwierig. Und trifft natürlich irgendwann mal auch den reisefreudigen Teil der RB-Anhänger (bisher hatte man mit den Ansetzungen diesbezüglich Glück, spätenstens Mitte Dezember beim Aalen-Auswärtskick ist es mit diesem Glück vorbei).

Randbemerkung 2: Für Randbemerkung 1 ist es auch völlig unerheblich, dass sowieso nur wenige KSC-Fans nach Leipzig reisen wollten, sondern lieber via Boykott in Karlsruhe verblieben. Insgesamt vielleicht 100 Gäste-Fans hatten es letztlich in den Gästeblock und vereinzelt auch auf die Haupttribüne geschafft. Einfluss auf das Spielgeschehen hatten sie dabei genauso wenig wie die paar hundert Anhänger, die sich am Karlsruher Wildparkstadion zum gemeinsamem Boykottfußballgucken trafen..

Randbemerkung 3: Tom Nattermann statt Federico Palacios Martinez als zweiter Stürmer neben Morys auf der Bank. Das lässt natürlich allerlei Raum für Interpretationen..

Randbemerkung 4: Das schnellste Foul in der Geschichte des deutschen Fußballs. Oder so. Dauerte handgeschätzt eine Sekunde, bis Micanski Kimmich über den Haufen rannte. Anschließend nahm der Schiedsrichter beide Spieler ins Gebet. Keine Minute gespielt und der Spielleiter muss schon pädagogisch auf die Spieler einwirken. Auch eine Leistung. Micanski war bei seinem Foul übrigens auf dem Weg, die RB-Anstoßvariante mit dem schnellen, langen Pass in die Spitze zu unterbinden. Was ihm mit dem Foul letztlich ziemlich gut gelang. Könnte man als RB-Kontrahent auch als taktisches Mittel einsetzen, um nicht schon nach ein paar Sekunden ein Gegentor zu kassieren. Ob man als Schiedsrichter in der Situation nicht auch Vorteil laufen lassen kann, weil das Foul ja nicht in direkter Ballnähe geschah?

Lichtblicke:

  • Yussuf Poulsen: Manchmal scheint Poulsen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen. Wie er in Kopfballduellen in der Luft zu stehen scheint und so immer wieder Bälle erreicht, die bei RB kein anderer bekommen würde, ist phänomenal. Seine Schnelligkeit, seine Fähigkeiten auf dem Flügel und seine Torgefahr sowieso auch. Zwei Tore nach selbem Muster nach Zuspiel von Kaiser mit Umkurven des Torwarts. Wenn Yussuf Poulsen erst einmal Geschwindigkeit aufgenommen hat, ist er nicht mehr zu stoppen. Weiterhin auf direktem Erstligakurs. Aufpassen muss Poulsen mit seinem Lamentieren über vermeintlich falsche bzw. vermeintlich fälschlicherweise ausbleibende Schiedsrichterpfiffe. Klar, die Emotionalität gehört zu seinem Spiel, aber irgendwann sitzt er mal mit einer gelb-roten Karte in der Kabine und ärgert sich, dass er die Mannschaft geschwächt hat. Zudem merken sich Schiedsrichter mit der Zeit jene Spieler, die jede Entscheidung mit Worten und Gesten belegen. In die Herzen schließen sie sie dabei nicht unbedingt..
  • Dominik Kaiser: Der erste Startelfeinsatz seit mehr als einem Monat und dem Pokalspiel gegen Paderborn. Seitdem mit Verletzungen kämpfend. Gegen Karlsruhe meldete er sich auf der Zehn als großartiger Spieler gegen den Ball und als toller Vorlagengeber zurück. Zwei perfekt getimte Pässe auf den startenden Poulsen sicherten den Sieg, den Kaiser mit einem phantastischen Freistoßtreffer kurz vor der Pause selbst überhaupt erst möglich gemacht hatte. Nach dem durchwachsenen Saisonstart ist dies vielleicht der Moment, der als ‚Kaiser is back‘ bejubelt werden darf. Täte dem Spiel von RB Leipzig natürlich dauerhaft sehr gut.
  • Joshua Kimmich: Wieder mal eine sehr präsente Vorstellung des jungen Mittelfeldspielers. Beste Zweikampfquote aller RB-Spieler, dazu wichtige Anspielstation bei Ballbesitz. Spielübersicht besitzt er sowieso. Musste kurz vor Schluss angeschlagen runter. Einen Ausfall von Kimmich möchte man eigentlich aktuell auch nicht haben.

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Tore: 0:1 Micanski (33.), 1:1 Kaiser (37.), 2:1 Poulsen (48.), 3:1 Poulsen (58.)

Aufstellung RB Leipzig: Bellot – Teigl (70. Heidinger), Sebastian, Compper, Jung – Kimmich (77. Hierländer), Khedira, Demme – Kaiser – Frahn (59. Morys), Poulsen ; nicht eingewechselt: Dähne, Fandrich, Kalmár, Nattermann; nicht im Kader: Coltorti, Hoheneder, Franke, Klostermann, Ernst, Rebic, Boyd (alle verletzt bzw. nach Verletzungen noch keine Option für den Kader), Sumsualo, Strauß, Palacios Martinez

Aufstellung Karlsruher SC: Orlishausen – Klingmann, Gulde, Gordon, Kempe – Peitz – Torres (66. Valentini), Krebs (59. van der Biezen), Yabo, Yamada – Micanski (73. Nazarov)

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Wirkte in seinen Entscheidungen nicht immer souverän. Spätestens gegen Ende des Spiels bei Bewertungen von Körpereinsätzen etwas arg kleinlich. Mit seinen gelben Karten lag er insgesamt richtig. Dass es gleich acht Karten waren, verweist darauf, dass das Spiel (foul)intensiv war, wenngleich auch nie brutal. Aber gerade in Luftzweikämpfen ging es zeitweise ordentlich zur Sache, was es für den Schiedsrichter immer etwas schwer macht. Das Gespann (an der Linie ging es nicht immer überzeugend zu) übersah zudem die von den TV-Bildern nahe gelegte, knappe Abseitsstellung von Poulsen vor dem 3:1. Allerdings ist es angesichts der Geschwindigkeit von Poulsen für den Linienrichter auch enorm schwierig, den Moment des Abspiels und die gleichzeitige Position von Poulsen zu bestimmen. Von daher kein wirklicher Vorwurf für den Nichtpfiff.)

Gelbe Karten: Frahn (2. gelbe Karte), Sebastian (2.), Kaiser (1.), Poulsen (1.) – Torres, Kempe, van der Biezen, Valentini

Zuschauer: 18.235 (davon 100 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], KSC-Bericht, Kicker-Bericht, Pressekonferenz-Liveticker

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Torschüsse: 5 : 4

gewonnene Zweikämpfe: 46,1 : 53,9%

Fouls: 21 : 26

Ecken: 1 : 0

Abseits: 4 : 1

Ballbesitz: 45,8 : 54,2%

Laufstrecke: 118,3 : 112,0

Größte Laufstrecke: Demme: 11,9 km – Yamada: 11,5 km

Meiste Sprints: Poulsen: 32 – Yabo: 27

Höchstgeschwindigkeit: Poulsen: 33,3 km/h – Klingmann: 32,9 km/h

Beste Zweikampfquote: Kimmich: 70,0% – Gulde: 70,0%

Beste Passquote: Teigl: 76,2% – Krebs: 86,7%

Meiste Ballkontakte: Kimmich: 58 – Kempe: 74

Statistiken von bundesliga.de und sport1.de [broken Link]

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Saisontorschützen: Poulsen – 6, Frahn – 2, Kaiser, Thomalla, Morys – je 1 Treffer

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

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4 Gedanken zu „2.Bundesliga: RB Leipzig vs. Karlsruher SC 3:1“

  1. „Befriedigt hat die Partie diese Erwartungshaltung nur phasenweise, denn insgesamt waren die Gastgeber zu überlegen, um aus der Auseinandersetzung eine auf Augenhöhe werden zu lassen.“

    Das wird dir wohl noch öfter so gehen. Es ist halt nicht so spannend, immer nur erwartete Siege anzuschauen. Es ging mir früher, beim BundesLigaManager-Spielen , auch so; sobald man gecheatet hat, war der Reiz des Spieles verflogen 😉

    Ein wenig merkt man es Deinen Vorberichten in letzter Zeit auch an, dass du tendenziell die Gegner stärker einschätzt und gegen die unterstellte Überlegenheit von RB argumentierst. Wahrscheinlich wünschst du dir insgeheim, dass nicht alles so glatt läuft.

  2. Mit insgesamt 8 gelben Karten und 47 Fouls aber auch ein Spiel der derberen Sorte (zumindest was die Zahlen angeht). Ansonsten fand ich das Spiel überragend, vor allem das permanende Pressing auf den Ball war gestern sehr intensiv zu sehen. Die Jungs haben sich nach der unnötigen Niederlage in Berlin schnell aufgerappelt und die passende Antwort auf dem Platz gezeigt. Dafür Respekt!

  3. Ecken: 1 : 0 – war schon ein sehr merkwürdiger Moment, als in der 69. Minute (oder so) es dann wirklich zur ersten Ecke des Spiels kam. Das gibt es so bei Spielen von RB Leipzig eigentlich selten bis nie.

  4. @Thixo: Ich hatte ja auf ein 0:0 spekuliert und mich schon auf die Möglichkeit einer Randbemerkung gefreut..

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