Transfers: Klostermann, Prevljak, Thomalla, Willers, Strauß, Bruno

Was fehlt, ist noch eine Aufarbeitung all der Transfers, die über den Sommer noch nicht explizit besprochen wurden oder in den letzten Stunden vor Schließung des Transferfensters zu Beginn der Woche getätigt wurden. Der prominenteste (Nicht-)Neuzugang ist dabei Massimo Bruno gewesen. Zu dessen spezieller Verpflichtung (kaufen und nach Salzburg weiterverleihen) man eigentlich auch nicht mehr sagen muss, als an dieser Stelle schon im Zuge der ähnlich verlaufenen Sabitzer-Verpflichtung bzw. im Rahmen einer Auseinandersetzung rund um die Behauptung, Red Bull verschiebe Spieler gesagt wurde.

Will man sich dem Spieler Massimo Bruno widmen, dann findet man einen flexibel einsetzbaren Offensivmann vor, der technisch enorm beschlagen, schnell und dazu noch torgefährlich ist. In der belgischen Topklasse schoss der 20jährige letztes Jahr insgesamt 10 Tore in 36 Spielen und bereitete dazu noch acht weitere Treffer vor.

Bruno ist aufgrund seines Talents, das tatsächlich ziemlich atemberaubend ist, fester Bestandteil der belgischen Nachwuchsnationalmannschaften. Aktuell geht es für ihn darum, den nächsten Schritt im Männerbereich zu machen und sich dort weiterzuentwickeln. In Salzburg soll er in dem Zusammenhang Einsatzzeiten auch im europäischen Rahmen sammeln. Dass er mit seinem Team dabei in der Champions-League-Qualifikation gescheitert ist, mag ein Rückschlag sein, aber für einen Massimo Bruno sind Spiele in der Europa League und auch eine bittere Niederlage bei Malmö FF wohl trotzdem wichtige Lernbausteine.

Wenn sich Bruno normal entwickelt, dann hat er absolut jedes Potenzial, mal in der deutschen Bundesliga zu spielen. Worum es ja im Kern bei dem Deal ging, sich von RB Leipzig kaufen und nach Salzburg ausleihen zu lassen. Falls Leipzig in absehbarer Zukunft der Aufstieg gelingt, wird Bruno einer der ersten Neuzugänge im Kader sein und die Qualität im Team gleich mal ordentlich erhöhen.

Bliebe noch die Ablösediskussion. 9 Millionen standen erst im Raum. Was der teuerste Zweitliga-Transfer aller Zeiten gewesen wäre. Ralf Rangnick, der einst auch Carlos Eduardo für sieben Millionen Euro nach Hoffenheim lotste, gab allerdings nur fünf Millionen zu. Da man in Anderlecht beim abgebenden Verein mit der Ablöse sehr zufrieden war und der Wert von Bruno sowieso schon höher als fünf Millionen taxiert wurde, kann man davon ausgehen, dass die Summe durch leistungsbezogene Aufschläge noch deutlich steigen wird. Wenn die fünf Millionen denn überhaupt richtig sind.

Letztlich muss man über Bruno natürlich noch gar nicht richtig nachdenken, weil er nicht zum Leipziger Kader gehört und ob er das zukünftig tun wird, entscheidet sich nicht heute, sondern erst in irgendeiner Zukunft, die sich im Fußball eh nicht so richtig gut vorhersehen lässt. Falls er mal zum Leipziger Kader gehört, darf man sich schon mal auf viel Klasse freuen.

Lukas Klostermann: Der letzte richtige Transfer von RB Leipzig. Wobei richtig auch relativ ist, denn der 18jährige Außenverteidiger wird zuerst einmal vor allem in der A-Jugend eingesetzt werden und sich dort an die RB-Spielphilosophie gewöhnen. Was – man kennt das ja schon – mal schneller und mal langsamer geht.

Im Fall eines 18jährigen Nachwuchsnationalspielers weiß man zumindest schon mal, dass Talent mitkommt. Ob das dann auch zu einer guten Karriere im Männerbereich reicht, weiß man vorher nie, da es beim Schritt von der Jugend zu den Männern zu viele Unbekannte gibt, um ernsthaft Prognosen abgeben zu können.

Fakt ist, dass Klostermann von seiner Physis her schon recht weit ist, was sich auch in einer großen Grundschnelligkeit ausdrückt, eine der wichtigeren Eigenschaften, die man als moderner Außenverteidiger in einem System wie dem Zorniges braucht. Aber letztlich auch nicht alles.

Fraglich ist letztlich auch, inwieweit sich Klostemann mit dem Transfer einen Gefallen tut, denn in Bochum wäre der Weg in die Männermannschaft sicherlich etwas kürzer gewesen. Zumal er beim VfL in der vergangenen Saison mit lediglich 17 Jahren sein Zweitligadebüt feierte und in insgesamt 9 Einsätzen 337 Spielminuten sammelte. Hinter dem Cottbuser Robert Berger war Klostermann der zweitjüngste eingesetzte Spieler in der letzten Zweitligasaison.

Nicht jeder Zweitligaspieler, der mit 17 debütierte, hat eine ganz große Karriere hingelegt. Aber wenn man an Bittencourt, Goretzka oder die Bender-Zwillinge denkt, dann finden sich da durchaus auch Vorbilder mit Strahlkraft.

Inwieweit Michael Decker, der Berater von Klostermann bei der Karriereplanung eine Hilfe ist, wird man abwarten müssen. In Bochum war man über ihn nicht sonderlich amüsiert, ließ er den VfL doch mit kolportierten, übertriebenen Gehaltsforderungen auflaufen, um letztlich einen Wechsel zu RB Leipzig zu organiseren (auch Bundesligisten hatten ihr Interesse gezeigt). Was VfL-Coach Neururer zu dem Spruch verleitete, dass er Klostermann einen neuen Berater wünsche. (Ein interessantes Interview mit Decker, das ein anderes Bild von ihm zeichnet, gibt es bei Sport1.)

Nun ja, Neururers Spruch in allen Ehren. Vielleicht sah Klostermann in Leipzig ja aber aufgrund der Infrastruktur und Betreuung auch im Nachwuchsbereich einfach die besseeren Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Zumal Alexander Zorniger dafür bekannt ist, dass er Spieler relativ unabhängig vom Alter in die Mannschaft schmeißt.

Zudem ist die Außenverteidigerposition bei RB Leipzig nicht gerade üppig besetzt. Klar, an Georg Teigl ist aktuell vermutlich kein Vorbeikommen, aber dahinter kann es auch mal ganz schnell gehen mit Einsätzen. Zumal Klostermann alternativ auch auf der Innenverteidigerposition aushelfen könnte, wo aktuell nach den Ausfällen von Franke und Hoheneder und dem Abgang von Willers nur noch zwei gesunde Spieler zur Verfügung stehen (aber auch ein Rani Khedira, der neben der Sechs im Notfall als Innenverteidiger aushelfen könnte).

Letztlich hat Klostermann die Entscheidung getroffen, zu einem Verein zu wechseln, bei dem Konkurrenz immer ein essenzielles Thema sein wird. Diese Entscheidung hat er hoffentlich nach reiflicher Überlegung getroffen. Wenn dies so war, kann er bei Leipzig eine ganz hübsche Zukunft haben. Wenn nicht, dann kann man auch mal schnell durchs Rost fallen.

Aus RB-Sicht jedenfalls ein prima Transfer, weil man für BILD-geschätzte 300.000 Euro plus Nachschläge ein größeres Nachwuchstalent bekommt, dessen Entwicklung zu einer gewissen Nachhaltigkeit im sportlichen Auftreten von RB Leipzig beitragen kann. Ein klassischer Rangnick-Transfer und somit ein Spieler, wie es sie in Leipzig, Liefering und Salzburg inzwischen im Dutzend gibt. Jung, entwicklungsfähig, lern- und karrierewillig. In vier Jahren, wenn der Vertrag von Klostermann ausläuft, wird man wissen, wohin die Reise Klostermanns ungefähr gehen kann.

Mit John-Patrick Strauß soll hier noch ein Nachwuchsmann erwähnt werden, der sich in der Vorbereitung ganz nah an einen Platz im Zweitligakader herangepirscht hatte und der im letzten Testspiel vor Beginn der Zweitligasaison sogar noch in der Startelf stand. Wie Klostermann schnuppert auch John-Patrick Strauß an einer Profikarriere, ohne dass man jetzt schon wüsste, wo das hinführen kann. Wie Klostermann wird auch der 18jährige Strauß in der kommenden Spielzeit zwar zu den Profis gehören, aber hauptsächlich bei der A-Jugend auflaufen.

Seit 2012 spielte Strauß in der Nachwuchsabteilung von RB Leipzig, bevor er in diesem Sommer einen Profivertrag bekam. Dabei ist die Geschichte, wie Strauß in Leipzig landete, reichlich skurril. Denn eigentlich wollte er in Dresden anheuern, wo man aber keinen Platz in der Sportschule für ihn hatte. Auf dem Rückweg von Dresden, so will es die Legende, hielt man bei RB Leipzig an, durfte an einem Testspiel teilnehmen und landete schließlich in Leipzig im Internat und bei RB im Team. Sollte Strauß es mal in den Profifußball schaffen, werden ganze Generationen von Kommentatoren und Moderatoren diese Geschichte wohl wieder und wieder erzählen.

Bis dahin ist es aber noch ein Stück. Und bis dahin muss man auch erst einmal herausfinden, auf welcher Position Strauß denn mal wirklich zu Hause sein wird. In der Vorbereitung spielte er defensiv alles, was ging. Von der Acht über die Sechs bis hin zu Außen- und Innenverteidiger lag für den technisch und im Zweikampf sauber agierenden Strauß alles drin. Innenverteidiger kann man aber vielleicht als allererste Zukunftsoption eher ausschließen. Irgendwas Richtung Acht wäre wohl optimal.

Zwei Jahre hat John-Patrick Strauß nun erst mal Vertrag und kann in dieser Zeit zeigen, dass er erste Schritte in den Männerbereich hinein machen kann. Es dürften die klassischen Themen seiner Altersklasse für ihn anstehen. Robustheit entwickeln und die Körperbetontheit im Profibereich annehmen. Mit seinen 1,74 m hat Strauß da per se Nachteile, die er auf anderem Wege ausgleichen muss.

Auch mit einem Profivertrag ausgestattet wurde neben Strauß Smail Prevljak, der aber inzwischen zum FC Liefering in die zweite österreichische Liga ausgeliehen wurde. Für den 19jährigen Stürmer, der vor einem Jahr nach Leipzig kam, geht es darum, Spielpraxis zu sammeln. Da er nicht mehr in der A-Jugend antreten kann und wegen seiner Herkunft aus dem Nicht-EU-Ausland (Bosnien-Herzegowina) auch nicht für die RB-U23 oder für eine Leihe in die dritte Liga oder vierte Liga infrage kommt, blieb letztlich nur der Wechsel zum FC Liefering.

Prevljak, der Goalgetter der letztjährigen RB-U19 in der Regionalliga kam am ersten Spieltag der aktuellen Saison gegen Aalen zu seinem Debüt in der zweiten Bundesliga. Allerdings konnte er seine Chance laut Alexander Zorniger nicht nutzen, sodass er fortan hintenan stand. Und angesichts der starken Konkurrenz im Sturm mit Frahn, Poulsen, Rebic, Boyd und Morys auch künftig nur wenig Einsatzchancen gehabt hätte.

Letztlich macht die Leihe nach Liefering für den vor dem Tor ziemlich kaltschnäuzigen Prevljak, der aber nicht nur Tore schießen, sondern auch vorbereiten kann, absolut Sinn, da er sich nun im Männerbereich beweisen kann und man in einem Jahr vielleicht schon besser weiß, in welche Richtung Prevljaks Karriere künftig gehen wird.

Auch verliehen wird derweil Denis Thomalla, der vor einem Jahr aus Hoffenheim von der dortigen zweiten Mannschaft kam und sich seitdem schwer tat, sich bei RB Leipzig durchzusetzen. Als Stürmer gekommen, kam er auf 18 Drittligaeinsätze mit zwei Toren, tat sich aber insbesondere vor dem Tor ziemlich schwer.

In der aktuellen Spielzeit erkämpfte er sich in der Vorbereitung auf durchaus beeindruckende Art und Weise einen Platz im Mittelfeld auf der Acht, von wo aus er seine technischen Fähigkeiten, aber auch seine gute Arbeit gegen den Ball einbringen konnte. Im ersten Saisonspiel gegen Aalen verfiel er aber wieder ein wenig in alte Gewohnheiten und wirkte merkwürdig verhalten.

Zwei Kurzeinsätze und ein Tor bei 1860 München später hat man offenbar allseits eingesehen, dass Thomalla eine Luftveränderung mit hoffentlich vermehrten Spielzeiten gut täte, sodass er nun für ein Jahr beim SV Ried, akutell Vorletzter der österreichischen Topliga, spielt.

Denis Thomalla hat bei RB Leipzig noch Vertrag bis 2017, spielt also selbst nach dem Leihende nächstes Jahr theoretisch noch zwei weitere Jahre in Leipzig. Wird man abwarten müssen, inwieweit Thomalla tatsächlich noch mal den Durchbruch schafft. Wird sicher nich leicht, zumal als Typ, der – wie er selbst einmal bekundete – immer mal einen Tritt in den Hintern als Antrieb braucht.

Bliebe als Letzter noch Tobias Willers, von dem man sich leider endgültig verabschieden muss. Nach nur einem Jahr geht der 27jährige Innenverteidiger zurück zu seinem Ex-Trainer Maik Walpurgis, unter dem er schon in Lotte gespielt hatte und der seit einem Jahr beim Drittligisten VfL Osnabrück die Verantwortung trägt.

Damit wächst irgendwie zusammen, was auch zusammen gehört. Zwei emotionale Typen, die eine Mannschaft tragen können. Für RB Leipzig ist es irgendwie schade. Auch wenn Tobias Willers in dieser Saison nur neun DFB-Pokal-Minuten auf dem Platz stand und in der vergangenen Saison ’nur‘ 18 Drittligaspiele verbuchte, war er trotzdem immer ein positiver Typ und Antreiber für seine Kollegen. Einer, der unheimlich wichtig für das Teamgefüge war und den man auch erstmal wieder ersetzen muss. Vielleicht ein bisschen vergleichbar mit den Abgängen von Stefan Kutschke vor einem Jahr und von Bastian Schulz vor einem halben Jahr, die in je eigener Art immer mit der Mannschaft fieberten und auch von der Bank aus alles gaben, um zum Erfolg beizutragen.

Erstaunlich an dem Abgang von Tobias Willers ist tatsächlich, dass er überhaupt stattfindet. Denn eigentlich hatte RB Leipzig ja die Idee, mit der Verpflichtung von Marvin Compper die durch die Verletzung von Fabian Franke aufploppende Lücke in der Innenverteidigung zu schließen. Durch den Willers-Abgang ist man jetzt kadertechnisch wieder am selben Punkt mit drei Innenverteidigern und einem Franke, dessen Rückkehr nicht absehbar ist, den man vor kurzem noch als bedrohlich empfand.

Wie dem auch sei, für Tobias Willers ist der Schritt nach Osnabrück absolut logisch und nachvollziehbar, zumal er dort einen Dreijahresvertrag unterschreibt und somit auch eine mittelfristige Perspektive hat. Mit der Geschichte von RB Leipzig ist Tobias Willers trotzdem durch sein entscheidendes Eigentor im Relegationsrückspiel gegen Lotte fest verbunden. Den Gassenhauer „Ohne Willers wärn wir gar nicht hier“ kann man jedenfalls auch künftig bei passenden oder unpassenden Gelegenheiten immer mal wieder singen.

Bleibt nur zu hoffen, dass man künftig Begegnungen mit dem Fußballer Tobias Willers vermeiden kann. So angenehm es ist, ihn im eigenen Team zu haben, so unangenehm ist es, gegen ihn antreten zu müssen. Mal sehen, was künftige Zeiten diesbezüglich bringen. Bis dahin bleibt nur, Tobias Willers ein freundliches ‚Machs gut und viel Glück in Osnabrück!‘ hinterherzurufen.

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