Sommerpausenzwischenstand

Bei RB Leipzig ist transfertechnisch aktuell noch nicht viel los. Der bisher einzige offizielle Neuzugang Stefan Hierländer wird das Mittelfeld verstärken, ansonsten gibt es ein paar Spekulationen mit mehr oder minder großem Wahrscheinlichkeitswert. Das ist alles in allem noch nicht viel, aber bis zum Beginn des Österreich-Trainingslagers, also jenes Trainingslagers, bis zu dem laut Rangnick der Kader größtenteils stehen sollte, sind es ja auch noch etwa vier Wochen. Aktuell bleibt es jedenfalls bei den Gerüchten, die rechts in der Blogseitenleiste zu finden sind und im Groben bei den Gedankengängen, die in einer ersten Kaderschmiede vor einem Monat geäußert wurden.

Bei den anderen Zweitligavereinen ist man mit der Kaderzusammenstellung akutell in völlig unterschiedlichem Maße weit. Manch einer ist fast schon durch mit den Neuverpflichtungen, bei manch einem hat sich wie bei RB Leipzig noch fast gar nichts getan. Immerhin sind die Trainerposten inzwischen durchgängig besetzt, sodass die Verantwortlichen in den Vereinen die Planung ernsthaft voranbringen können. Diese Zeilen hier sollen vor der WM und eine reichliche Woche bevor vielerorts die Vorbereitung startet, einen Eindruck vom Stand der Planungen in den Vereinen geben.

Sehr unterschiedlich geht es bei den beiden Absteigern zu. Der 1.FC Nürnberg hat einen ziemlich radikalen Umbruch zu verkraften, von dem aktuell fast ausschließlich die Abgangsseite (wenn auch noch nicht fertig) umgesetzt wurde. Von den 11 meisteingesetzten Spielern der abgelaufenen Bundesligasaison sind sechs Spieler bereits weg, drei weitere Spieler werden wohl noch folgen. Übrig bleiben werden vom alten Nürnberger Kern wohl nur Raphael Schäfer und Javier Pinola.

Bedenkt man, dass mit Hiroshi Kiyotake wohl noch ein weiterer Millionentransfer vor der Tür steht, hat der Club zwar keine Spieler, aber Unmengen an Geld (durch Transfererlöse und eingesparte Gehälter), um einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen. Nicht vergessen sollte man auch, dass Nürnberg mit Mike Ott (mal bei RB Leipzig im Gespräch), Willi Evseev und Danny Blum bereits Zukunftspotenzial verpflichtet hat, mit Jan Polak ein altbekannter Routinier gekommen ist und bei Jakub Sylvestr ein Teil der Transfererlöse bereits in den letztjährigen Zweitligatorschützenkönig reinvestiert wurden.

Ganz so schlecht, wie man angesichts der öffentlichen Berichterstattung denken könnte, steht man in Nürnberg also nicht da, zumal man mit Wolfgang Wolf als sportlichem Leiter und Trainer Valerien Ismael inzwischen auch eine arbeitsfähige Führungsspitze hat. Ob dieser völlig neue 1.FC Nürnberg zum Schluss funktioniert, wird wohl auch davon abhängen, wie viel Qualität im Kader noch dazukommt.

In Braunschweig verliert man derweil nicht ganz so viele Spieler, aber die ohne Transfererlöse, weil es die Vertragssituation den Spielern eben erlaubt zu wechseln. Mit Ermin Bicakcic, Daniel Davari und Domi Kumbela gehen drei Stammspieler fast völlig ohne Gegenleistung. Und auch bei Karim Bellarabi ist der Leihvertrag abgelaufen. Eine Rückkehr nach Braunschweig ist aktuell nicht absehbar. Trotzdem muss man sich bei der Eintracht nicht sorgen. Im Kern steht der Kader und die sportliche Führungsspitze bleibt konstant. Noch ein, zwei Spieler mit Stammplatzpotenzial und Braunschweig geht gut vorbereitet in die neue Saison.

Wenig Umbruch gibt es auch in Fürth bis jetzt. Mit Stieber und Mavraj verlassen zwei Stützen den Verein. Bei Stürmer Azemi ist noch unklar, wie es weitergeht. Und bei Niclas Füllkrug endet ersteinmal der Leihvertrag. Mit Stiepermann, Mohr, Lam und Co holte man dafür guten bis sehr guten Ersatz und dürfte schon jetzt nicht mehr schlechter aufgestellt sein als in der Vorsaison. Auch der Wechsel in der sportlichen Leitung von Rouven Schröder (geht nach Bremen) zu Andreas Bornemann (kommt aus Kiel) ist schon durch, sodass man in Fürth in aller Ruhe arbeiten kann.

In Kaiserlautern steckt man im Gegensatz dazu noch mitten im Umbruch. Auch aus finanziellen Gründen will man künftig lieber auf Talente als auf große Namen setzen. Weswegen man die alte Riege um Bunjaku, Idrissou, Azaouagh und Simunek ziehen lässt. Auch Occéan und Alushi sollen unter anderem noch gehen. Das alles spült nur über die Lohnkosten Geld in die Kassen. Die geschätzt 3.000.000 Euro Transfererlöse, die aus Köln für Simon Zoller, der vor einem Jahr noch für 600.000 aus Onsabrück kam, tut den notorisch klammen Lauterern dagegen richtig gut. Gekommen ist bisher im Kern mit Markus Schupp ein neuer Sportdirektor, mit Philipp Hofmann ein hoffnungsvoller Stürmer und ansonsten einiges an Perspektivspielern. Wenn man kommende Saison oben mitspielen wird, braucht man wohl noch den einen oder anderen Neuzugang mit Qualität.

Ziemlich ruhig geht es beim Karlsruher SC zu. Trotz einer guten Aufsteigersaison verlor man bisher nur Ergänzungsspieler. Allerdings ist bisher bis auf die Aalener Traut und Valentini auch lediglich Potenzial verpflichtet worden.

Gar nicht ruhig geht es bei Fortuna Düsseldorf zu. Zum einen steht immer noch das Problem des Cheftrainers. Der eigentliche Coach Lorenz-Günther Köstner fiel infolge eines Zeckenbisses lange aus und bleibt noch eine unbestimmte Weile krank. Das blöde an der Situation ist, dass sowohl er als auch sein Vertreter Oliver Reck sich offenbar als künftiger Chefcoach sehen, während im Vereinsumfeld die Präferenzen wohl eher bei Reck liegen. Trotz dieser Probleme investiert man ordentlich in den Kader. Mit Lars Unnerstall, Lukas Schmitz und Routinier Sergio Pinto verpflichtete man schon einige Bundesligaerfahrung. Dazu holte man Toptorjäger Charlison Benschop nach Ende der Leihfrist fix. Die Abgangsseite ist derweil überschaubar. Giefer, Levels, Latka plus x. Für die neue Saison wird wohl die entscheidende Frage sein, ob man Ruhe in die Trainergeschichte kriegt. Kadertechnisch ist Potenzial für höheres auf jeden Fall da.

Bei 1860 herrscht nach guter alter Tradition viel Unruhe. Aktuell streitet man vor Gericht, ob der aktuelle Präsident Mayrhofer wirklich Präsident ist oder nicht. Nebenher versucht Neu-Sportdirekor Gerhard Poschner zusammen mit Neu-Coach und Offensivanhänger Ricardo Moniz (ehemals unter anderem Red Bull Salzburg) den Kader zusammenzustellen. Mit Bierofka und Lauth müssen zwei alte Gesichter des Clubs 1860 verlassen. Besonders weh dürfte aber nur der Verlust des erst im Winter gekommenen Osako tun. Auf Neuzugangsseite ruht der See noch relativ still. Aktuell steht Ilie Sanchez ganz oben auf der Wunschliste. Aber in den nächsten Wochen werden im gewohnt mitteilungsfreudigen Löwen-Umfeld wohl noch einige Namen über die Theke gehen.

Beim FC St. Pauli spielt man derweil normaler Zweitligaclub. Mit Bartels, Mohr und dem mit viel Emotionen ins Karriereende verabschiedeten Fabian Boll verlor man bisher gute Zweitligaqualität, mit Buballa und Görlitz holte man sich ebensolche von der Ligakonkurrenz für die Außenverteidigerpositionen. St. Pauli spielt aktuell die ruhige Karte. Mal sehen, was man in den nächsten Wochen noch an Geld in die Hand nimmt.

Schwer einzuschätzen ist aktuell Union Berlin. Man will einen Umbruch, man hat mit Norbert Düwel einen neuen Trainer, mit Neuverpflichtungen ist man aber noch nicht ganz so weit. Weswegen man auch nicht recht weiß, worauf es bei Union in den nächsten Monaten hinausläuft. Bisher jedenfalls ging schon ein Teil der Rund-um-die-30-Fraktion, anderen wurde der Abschied nahe gelegt. Gekommen ist ein österreichischer Erstligastammaußenverteidiger (Trimmel), ein Bundesligaersatzkeeper (Amsif) und ein Zweitligainnenverteidiger (Leistner). Mal sehen, wo es in den nächsten Wochen bei Union, wo abseits des Platzes offenbar diskutiert wird, wie hipster so ein Club sein darf, hin geht.

Recht weit ist man mit der Kaderplanung in Ingolstadt, wo man sich auf gewohnt hohem Niveau verstärkt. Mit Philipp Hofmann ging bisher lediglich ein wichtiger Spieler verloren. Mit dem WM-Fahrer Mathew Leckie (FSV Frankfurt), Benjamin Hübner (Aalen), Lukas Hinterseer (Wacker Innsbruck) und dem fix verpflichteten Danny da Costa hat man den Kader gut verstärkt. Nimmt man die Ruhe um die Mannschaft und die Qualität des Kaders als Maßstab, muss man das Team in der kommenden Saison für ganz oben auf der Rechnung haben.

Eher das Gegenteil würde man beim VfR Aalen konstatieren. Verloren hat man einige Stammspieler, gewonnen hat man Drittligaspieler und Zweitligaanschlusskader. So ist das eben der Normalfall bei Vereinen, in denen Geld nicht gerade gedruckt wird. Funktionieren die Neuzugänge, ist alles gut, wenn nicht, dann geht es schnell mal bergab.

Ähnlich, wenn auch auf wesentlich höherem Niveau sieht es in Sandhausen aus, die neben Drittligaspielern mit Kratz (Braunschweig), Pfertzel (Union) und Gartler (Sandhausen) auch einige bewiesene Qualität geholt haben und sich somit auf mittlerem Zweitliganiveau konsolidieren könnten.

Beim FSV Frankfurt versucht Benno Möhlmann einige Abgänge wie Leckie (Ingolstadt), Görlitz (St. Pauli) oder Rukavytsya (Leihende, Mainz) zu kompensieren. Mit Aoudia (Dresden), Schembri (Nikosia) oder Bitroff (Cottbus) ist man da auf einem ähnlich guten Weg wie Sandhausen.

In Aue muss Falko Götz Ersatz für die Offensivabgänge Kocer und Sylvestr finden. Was sowieso schwer, bisher aber noch nicht mal ansatzweise gelungen ist. Mit dem aktuellen Stand der Kaderplanung dürfte es angesichts des Zitterns um den Klassenverbleib in der vergangenen Saison auch künftig ziemlich schwer werden. Aber dank Sylvestr- und Kocer-Transfers dürfte man auch noch ein paar Euro in der Kasse haben für Neuzugänge.

In Bochum versucht man sich wieder in höhere Tabellengefilde zu bewegen. Und holte dafür als Königstransfer Offensivmann Stanislav Sestak zurück nach Bochum. Mit Gregoritsch, Perthel, Simunek und Terodde verpflichtete man zudem einige Zweitligaerfahrung. Inwiefern Peter Neururer noch in der Lage ist, dies zu einem funktionierenden Gebilde zusammenzufügen, wird man abwarten müssen.

Unaufgeregt und in aller Ruhe, aber auch mit Konsequenz und Schnelligkeit. In Heidenheim ging das mit der (prinzipiell fertigen) Kaderzusammenstellung bisher in eben typisch Heidenheimer Art. Und auch der Stadionausbau ist schon beschlossene Sache. Verpflichtet hat man einige der prägenden Spieler der vergangenen Drittligasaison (Janzer, Grimaldi, Zimmermann) und dazu ein paar gestandene oder talentierte Zweitligaspieler (Riese, Vitzthum, Kraus). Auch Morabit wurde fest vom VfL Bochum geholt. Es wurde mithin alles getan, um den nächsten Schritt der Konsolidierung in Liga 2 mit großen Erfolgsaussichten zu gehen.

In Darmstadt hat man sich nach dem Aufstieg erwartungsgemäß erst einmal von allen Ergänzungsspieler ohne Vertrag verabschiedet. Darunter auch von Elton da Costa, der die Lilien in der Nachspielzeit der Verlängerung in Bielefeld überhaupt erst in die zweite Liga geschossen hatte. Auf der Zugangsseite stehen aktuell allerdings lediglich zwei Keeper. Mit Christian Mathenia und Christian Wetklo interessanterweise zwei Mainzer. In Darmstadt liegt der große Teil der Arbeit (Stadion, Kader) also noch vor den entsprechenden Verantwortlichen. Wird sicherlich nicht leicht, die Qualität des Kaders entscheidend zu erhöhen.

Fazit: Ein buntes Durcheinander von Verpflichtungen. Die ganz großen Talente sind aktuell nicht darunter. Da könnte dann Richtung Ende der Transferperiode, wenn die Erstligisten noch mal Leihgeschäfte ins Auge fassen, einiges passieren. Bis dahin kann man sich in Bezug auf die jeweiligen Kaderplanungen nur einen kleinen Eindruck verschaffen. Aber um mehr geht es für den Augenblick ja sowieso nicht.

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2 Gedanken zu „Sommerpausenzwischenstand“

  1. Guter Überblick, danke.

    Allerdings, um später rechthaberisch zur „schon im Juni in einem Kommentar gesagt“, darfst du gern den Ambitionen-Satz bei Ingolstadt streichen. In schöner Regelmäßigkeit kann man sich darauf verlassen, dass die Damen und Herren nominell nett klingen, aber nichts aufs Feld bekommen. Die landen wieder in der Mitte, alles andere scheitert schon an den Allmachtsphantasien der Gremien und an der Zwickmühle des Hauptgeldgebers Audi, dem irgendwann wieder einfällt, dass er ja noch bei einem wichtigeren Verein einer der Hauptsponsoren ist.

    Ich hoffe darauf, am Spieltag in Ingobingo sein zu können, denn es wird ein Fest, wenn die 12- bis 15-jährigen ‚Ultras‘ der ‚Schanzer‘ Anti-RB Plakate hoch halten. Ein noch größeres Fest wäre es mir dann, wenn ebendiese am Ende feststellen müssen, dass der FCI einer Mannschaft mit Spielsystem und Taktik nicht entgegen zu setzen hatte :-). Kruzifix.

    1. Grundsätzlich würde ich dir bei Ingolstadt recht geben. Allerdings habe ich das Gefühl, dass da mit Hasenhüttl noch mal eine andere Ruhe und Kompetenz eingezogen ist, als man sie vor ihm hatte und man ingesamt auch versucht, mal jüngere Spieler einzubauen. Vielleicht hat man auch damit, wie schon so oft zuvor, keinen größeren Erfolg, aber vom Gefühl her könnte ich mir auch vorstellen, dass der Knoten mit lautem Knall platzt. Das von dir gemalte RB-Auswärtsspiel-Szenario nehme ich aber trotzdem gern. 😉

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