3.Liga: Holstein Kiel vs. RB Leipzig 0:2

Die Duelle zwischen Holstein Kiel und RB Leipzig waren auf die eine oder andere Art und Weise in der Vergangenheit immer besondere. Weswegen man auch für Duell Nummer 6, das erstmals nicht auf tabellarischer Augenhöhe stattfand, irgendeine besondere Story erwartet hatte. Wenn man eine solche sucht, dann bestand sie darin, dass die RasenBallsportler ihre Aufgabe mit zunehmender Spielzeit mit bemerkenswerter Abgeklärtheit erledigten und letztlich souverän und verdient drei Punkte mitnahmen.

Dabei hatte RB Leipzig nicht nur die spielerisch reifere Leistung auf seiner Seite, sondern auch das Glück jeweils zum richtigen Zeitpunkt das Tor zu machen und so den Gastgebern den kampfeswilligen Zahn zu ziehen. Das erste Tor fiel nach einer knappen Viertelstunde, in der nicht viel passierte und war ein wunderschönes Zusammenspiel zwischen Poulsen, Heidinger und Frahn. Ein blitzsauber herausgespieltes Tor, wie man es in der dritten Liga auch nicht jeden Tag sieht.

Das zweite Tor nach 10 Minuten in der zweiten Halbzeit war ein Fernschuss von Sebastian Heidinger nach Kieler Druckphase, der dank ordentlichem Rückenwind länger und länger wurde und sich so über dem überraschten Keeper Jakusch in die Maschen senkte. Wer dort einen Torwartfehler sehen mag, kann das tun. Letztlich war es eher eine Mischung aus Wetter und fehlendem Stören des Schützen beim Schuss.

Abgesehen von den Toren war das Spiel sicherlich nicht hochklassig, sondern der von vornherein erwartete Fight gegen körperlich robuste Gastgeber, die genau diese Physis in die Waagschale werfen wollten. Erstaunlicherweise konnten sie RB Leipzig damit aber nicht entscheidend beeindrucken, denn auch wenn gerade das RB-Mittelfeld wesentlich kleiner war als das Pendant des Gastgebers, warf man sich doch mit einer Energie in die Zweikämpfe und gewann auf die Art sehr viele, dass die Größenvorteile der Gastgeber nie wirklich zum tragen kamen. Und wenn das Mittelfeld dann doch mal Zweikämpfe verlor, spritzen die Innenverteidiger in die Bälle und bereinigte so alle Gefahrenherde.

Weswegen Gefahr für das RB-Tor eigentlich nur bei Standards drohte. So musste Benjamin Bellot in Hälfte 1 zweimal nach ruhenden Bällen in höchster Not auf der Linie klären und guckte zu Beginn von Hälfte 2 einen Kopfball des eingewechselten Manuel Schäfflers um den Pfosten. Das war es dann letztlich schon mit der offensiven Herrlichkeit der Hausherren.

Viele Zweikämpfe beim Spiel in Kiel, die meistens zugunsten von RB Leipzig ausgingen - Tim Sebastian behauptet den Ball | GEPA Pictures  - Roger Petzsche

Insbesondere nach dem 2:0 verwaltete RB Leipzig den Vorsprung mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit, dass man durchaus staunen durfte. War man es doch aus der bisherigen Saison eher gewohnt, dass auch sicher scheinende Spiele irgendwann noch mal spannend wurden. Nicht so in Kiel, wo man nach dem 2:0 konsequent im Pressing weiterarbeitete und dem Gastgeber keine Chance ließ, sich noch mal zum Tor zu spielen oder Selbstvertrauen zu erspielen.

Wenn man RB Leipzig in diesem Spiel einen Abzug in der B-Note geben will, dann dass man wie schon gegen Wehen Wiesbaden zu viele Konterchancen liegen ließ. Einerseits weil man im Abschluss am Kieler Keeper scheiterte oder weil man sich in Über- oder Gleichzahlsituationen im Gegner festdribbelte oder die falsche Passentscheidung traf.

Mit ein bisschen mehr Konsequenz und Genauigkeit im Konterspiel hätte man Holstein Kiel an diesem Tag mit einer wesentlich höheren Niederlage in die Kabine schicken können, als man es tat, denn die Räume, die sich gerade in der Schlussviertelstunde boten, als Kiel nicht mehr an eine Wende zu glauben schien, waren durchaus beachtlich. Andererseits konnte man auch da sehen, warum Kiel bisher so wenig Tore kassierte, denn oft schaffte man es in Kontersituationen schnell wieder hinter den Ball zu kommen und dann Situationen im Eins gegen Eins positiv zu lösen. Viele Torschüsse ließ die Verteidigung insgesamt und trotz des Rückstands nicht zu.

Interessant, dass Alexander Zorniger gegen Kiel dieselbe Mannschaft aufs Spielfeld schickte wie gegen Wehen Wiesbaden. Trotz der Tatsache, dass durch die Rückkehr von Willers und Franke die Chance bestanden hätte, Sebastian ins Mittelfeld zu schieben und dort mehr körperliche Präsenz einzubringen. Aber letztlich hätte er dort auch nicht mehr arbeiten können, als es die Demme, Kimmich und Co dann taten. Die Entscheidung, die Startformation nicht zu verändern, war sicherlich auch Anerkennung für die gute Leistung der 11 im Spiel gegen Wehen Wiesbaden zuvor und hatte erstaunlicherweise überhaupt keine negativen Auswirkungen.

Fazit: RB Leipzig verdiente sich das 2:0 in einem Spiel, das nicht unbedingt was für Fußballästheten war, mit einer tadellosen, kämpferischen Leistung gegen körperlich auf vielen Positionen überlegene Gastgeber. Dass man dazu die zwei Tore zur richtigen Zeit machte und bei den drei, vier Kieler Großchancen nicht den Ausgleich kassierte, geht als Glück des Tüchtigen durch. Die letzten 35 Minuten waren dann in einer Art und Weise defensiv abgeklärt und souverän, wie man es wohl sonst nur von Heidenheim kennt und vielleicht auch ein Zeichen, dass die Mannschaft einen weiteren, wichtigen Schritt in der Entwicklung gemacht hat. Sollte RB Leipzig tatsächlich zur aggressiven Balleroberung, dem schnellen Umkehrspiel und der sowieso stimmigen Teamchemie dauerhaft die Abgeklärtheit eines Spitzenteams hinzugewinnen, dann wird es schwer, das Team noch von Platz 2 zu verdrängen. Was im RB-Umfeld natürlich als gute Nachricht durchgehen würde.

Randbemerkung 1: Erstaunlich, dass diese Partie, in der durchaus robust gearbeitet wurde, mit nur einer gelben Karte über die Bühne ging. Die Daniel Frahn (berechtigt) für einen eher unglücklichen Zusammenprall sah. Spricht sehr für die immer souveräne und konsequente Spielleitung von Bundesligaschiedsrichter Christian Dingert.

Randbemerkung 2: Erstaunte Blicke im Gästeblock als fünf Minuten vor der Pause plötzlich Georg Teigl ausgewechselt wurde. Dem man bei jedem Schritt Richtung Trainerbank anmerkte, dass er ebenso komplett überrascht war. Und sich dann beim Trainer angekommen einen kleinen Disput leistete. Den man wohl als Enttäuschung und im Eifer des Gefechts abhaken kann. Trotzdem blieb es erstaunlich (Zorniger begründete den Wechsel mit Problemen bei der Verteidigung von Standards), ein solch deutliches Zeichen kurz vor der Halbzeit zu setzen und einen Spieler rauszunehmen, der insgesamt nicht schlecht spielte (zumindest nicht aus der Sicht von hinter dem Tor) und in seinen ersten zwei Spielen bei RB (Burghausen, Duisburg), wo er sehr viel unsicherer wirkte, spät bzw. gar nicht ausgewechselt wurde. Aber man lernt als Beobachter ja nie aus.

Randbemerkung 3: Fast schon erschrecken musste man, ob des Zustands von Holstein Kiel. Klar, sie haben sich mit viel Physis bestmöglich in das Spiel geworfen und daraus auch drei, vier gute Chancen generiert. Aber die LeserInnen, die Kiel noch aus den Duellen der Gutzeit- Ära kennen, werden sich an ein Team erinnern, das aus einer guten Gesamtorganisation heraus einen (vor allem im Umkehrspiel) ganz feinen Ball spielen konnten und dadurch gleichzeitig unangenehm und eine ansehnliche Fußballmannschaft waren. Von der Kaderbesetzung her hat sich seit diesen Tagen eigentlich nicht viel geändert. Die offensiv prägenden Spieler jener Tage (Heider, Sykora, Kazior) sind geblieben, qualitativ hochwertige dazugekommen. Aber von einer spielerischen Komponente war gegen RB Leipzig fast gar nichts mehr zu sehen. Alles was man sich erarbeitete, erarbeitete man sich durch Körpergröße. Spielerisch dagegen war das ganze so extrem überschaubar, dass man fast ein bisschen wehmütig wurde beim Gedanken an das Team, das RB Leipzig bspw. in derRed Bull Arena beim 5:1 vor drei Jahren erbarmungslos auskonterte. Falls Kiel in den letzten 12 Spielen tatsächlich ’nur‘ Physis (mit der sie sicherlich beeindrucken können) in die Waagschale zu werfen hat, werden sie es sehr schwer haben im Kampf um den Klassenerhalt.

Randbemerkung 4: Ein Spieltag, der für RB Leipzig bisher sehr gut lief. Der direkte Verfolger Darmstadt spielte in Chemnitz ’nur‘ Unentschieden, sodass man nun wieder fünf Punkte Vorsprung auf Platz 3 hat. Wehen Wiesbaden konnte auch nicht gewinnen, sodass Osnabrück aktuell mit 10 Punkten Rückstand Vierter ist. Nur Rostock könnte sich mit einem Sieg in Regensburg heute noch auf sieben Punkte an RB Leipzig ‚heran’schieben. Punkten die Hanseaten nicht dreifach, dann ist der Vorsprung von RB auf einen Nichtrelegationsplatz 12 Runden vor dem Schluss bereits mehr als ordentlich.

Lichtblicke: Eigentlich von der (Nicht-)Perspektive aus, die der Kieler Gästeblock bietet, nicht zu beurteilen. Deswegen sei nur der Keeper gesondert erwähnt.

  • Benjamin Bellot: Als Nummer 3 unter den Keepern war er letztlich nach den Verletzungen von Domaschke und Coltorti ins Tor gerutscht. Gegen Wehen Wiesbaden hielt er den Sieg bereits mit einer starken Parade zum Ende der Partie nach einem beschäftigungslosen Nachmittag fest. In Kiel zeigte er wieder, dass er da ist, wenn er gebraucht wird. Durch zwei starke Paraden in Halbzeit eins konnte RB die Führung mit in die Pause nehmen und auch ansonsten fing er weg, was er wegfangen musste und wirkte durchgehend sicher, auch wenn er zeitweise wenig zu tun hatte. Routinierter Auftritt , den man vielleicht so (noch) nicht erwarten musste. Lediglich am Anfang der Partie brachte er Sebastian mal mit einem Abstoß in Verlegenheit. Wenn Benjamin Bellot sich auf dem Niveau stabilisiert, dann muss einem um die Torwartposition trotz der Ausfälle nicht bange sein.

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Tore: 0:1 Frahn (12.), 0:2 Heidinger (55.)

Aufstellung: Bellot – Teigl (41. Franke), Hoheneder, Sebastian, Heidinger – Fandrich (84. Röttger), Demme, Kimmich – Kaiser – Poulsen, Frahn (58. Morys)

Zuschauer: 4.946 (davon 250 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, MDR-Bericht [broken Link], KSV-Bericht [broken Link], Kicker-Bericht

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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3 Gedanken zu „3.Liga: Holstein Kiel vs. RB Leipzig 0:2“

  1. Als TV-Zuschauer würde ich Heidi (1 Tor und 1 Vorlage, dazu hinten fast immer fehlerfrei) und unsere Innenverteidigung noch ergänzen. Hinten haben wir aus dem Spiel heraus kam was zugelassen und super abgeräumt. Fast schon ein wenig schade, dass Sebastian ab Minute 40 rechts hinten aushelfen musste. Denn in der IV gibt er derzeit ein hervorragendes Bild ab.

  2. Ich fand die Pressingarbeit von Demme im ganzen Spiel überragend. Wann immer der Ball auf seiner Nähe war, ging er in den Zweikampf oder ergänzte seinen Mitspieler im Pressing. Spitze auch wie er sofort nach seinem missglückten Torschuss kurz vor Ende aufspringt und den verlorenen Ball hinterher rennt und ihn vorm Kieler in Aus rettet.
    Sehr aktiv unser Neuzugang.

    Kurz noch zum Kader.
    Jung und Thomalla zu Hause gelassen, aber Kimi mitgenommen. Dieser gerade erst wieder im Training. Auch eine von außen nicht nachvollziehbare Entscheidung.

  3. Effektiv. Schöne Tore. Klasse Torhüter. Sehr guter Kampfgeist.

    Das war nicht der Angstgegner Kiel aus der Regionalliga. Was ist passiert mit den Störchen?

    Poulsen ins Muttiheft, ich muss meine Pässe verbessern!

    Schiedsrichter und NDR Kommentator haben mich positiv überrascht.

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