Mehr als nur Mentalität

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht zur Partie von RB Leipzig beim SV Darmstadt 98 (09.11.2013, 14.00 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Alexander Zorniger und Denis Thomalla.]

Bereits zum fünften Mal in dieser Spielzeit spielt RB Leipzig gegen ein Team, das vor dem Aufeinandertreffen auf einem der drei Topplätze liegt. Nach Preußen Münster (gut, am 2.Spieltag war das vielleicht noch nicht ganz so aussagekräftig), Wehen Wiesbaden, Holstein Kiel und Heidenheim geht es nun also zum SV Darmstadt 98. Die bisherige Bilanz in diesen Toppartien spricht bei zwei Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage (Wehen Wiesbaden) leicht für RB Leipzig.

Für den SV Darmstadt ist es erst das dritte Mal, das man auf ein aktuelles Topteam der Liga trifft. Zum dritten Mal hat man dabei Heimrecht. Bisher stehen eine Niederlage gegen Osnabrück und ein Sieg gegen Heidenheim in diesen Spielen zu Buche. Mit Darmstadt und Leipzig treffen also auch die beiden bisher einzigen Heidenheim-Bezwinger aufeinander.

Dass der SV Darmstadt am 16.Spieltag der Saison 2013/2014 zum Spitzenspiel Dritter gegen Zweiter lädt, konnte man noch vor ein paar Monaten nicht im Traum ahnen. Als 18. der Vorsaison war man eigentlich bereits in die Regionalliga abgestiegen, bis der DFB den Kickers Offenbach die Lizenz entzog und Darmstadt plötzlich doch drin bleiben durfte.

Zuvor war man im Abstiegsendspiel gegen die Stuttgarter Kickers, das man gewinnen musste, nicht über ein unglückliches 1:1 bei zwei Lattentreffern hinausgekommen. In die Winterpause zuvor war man noch als Tabellenletzter gegangen, hatte sich dann von Jürgen Seeberger getrennt und vielleicht die nachhaltig wichtigste Entscheidung getroffen, indem man Dirk Schuster verpflichtete.

Wenn man den Namen Dirk Schuster hört, dann denkt man an einen leidenschaftlichen, robusten bis grenzwertig harten Verteidiger, der aus seinem nicht extrem großen Talent ziemlich viel gemacht hat und insbesondere in seiner Zeit in Karlsruhe als Erstligaspieler zwischen 1991 und 1997 zu überzeugen wusste und sich auch international einen Namen machte.

Wenn man auf diese Analogien steht, dann ist der SV Darmstadt 98 im Jahre 2013 ziemlich viel von dem, was Dirk Schuster als Spieler war. Aggressiv, robust und in einem für den Gegner unangenehmen Sinne emotional. Man könnte sagen, dass Dirk Schuster dem Team seine Mentalität in überzeugender Art und Weise eingeimpft hat.

Doch bedauerlicherweise aus Sicht des Gegners ist es nicht nur die Mentalität, die den SV Darmstadt 98 und deren Trainer auszeichnet. Denn nicht nur bei RB Leipzig sitzt mit Alexander Zorniger ein Jahrgangsbester bei der Trainerausbildung auf dem Trainerstuhl. Auch Dirk Schuster war seinerzeit 2007 der Beste seines Jahrgangs, hat also als Trainer deutlich mehr Fähigkeiten, als sein Team überragend zu motivieren. Bedenkt man die Namen seiner indirekten Vorgänger in Darmstadt Labbadia und Runjaic könnte man sich auch bei Schuster eine erfolgreiche Trainerkarriere vorstellen.

Interessanterweise duellierten sich Alexander Zorniger und Dirk Schuster schon in der Saison 2011/2012 in der Regionalliga Süd, als Schuster letztlich mit den Stuttgarter Kickers aufstieg und Alexander Zorniger mit Sonnenhof Großaspach als Zweiter das Nachsehen hatte. Zwei Unentschieden stehen aus dieser Saison zwischen beiden Trainern zu Buche. In der Vorsaison hatte Schuster das Duell noch mit zwei Siegen für sich entschieden. Wäre dann wohl mal an der Zeit für Zorniger in diesem Duell aufzuholen..

Während die Trainer also nicht zum ersten Mal aufeinander treffen, haben RB Leipzig und der SV Darmstadt 98 erstmals das Vergnügen miteinander. Was angesichts der kurzen Leipziger Vereinsgeschichte nicht verwundern kann. Mit Benjamin Baier steht bei den Lilien allerdings ein Spieler im Kader, der auch schon bei RB Leipzig spielte (2010/2011 unter Tomas Oral), in dieser Saison aber nach langer Verletzungspause noch keine Spielminute als Spielmacher absolvierte, zuletzt aber immerhin schon wieder dreimal im Spieltagskader stand.

Und noch ein weiterer Bekannter wird RB Leipzig beim Ausflug nach Darmstadt begegnen. Vermutlich auch nur auf der Bank. Und ganz sicher ein Bekannter, an den man sich ungern erinnert. Denn mit Dennis Schmidt spielt inzwischen jener Spieler in Darmstadt, der in der vergangenen Saison im Relegationsrückspiel seine Sportfreunde Lotte in der regulären Spielzeit mit dem 2:0 noch in die Verlängerung schoss und den Aufstiegstraum der RasenBallsportler fast platzen ließ.

Im Mittelpunkt beim Aufeinandertreffen von Nummer zwei und drei der Tabelle stehen auf Darmstädter Seite aber andere. Ganz vorne zu nennen ist natürlich der überragende Scorer der dritten Liga Dominik Stroh-Engel, der in 14 Einsätzen bereits 14 mal traf und sechs Tore vorbereitete. Ein Viererpack und zwei Dreierpacks sind die eindrucksvollen Höhepunkte der sehr guten Gesamtbilanz. Wobei Stroh-Engel auch davon profitiert, dass er bereits sechs Elfmeter verwandeln durfte. Was bei sechs Versuchen und entsprechend 100%iger Quote trotzdem überragend ist.

Nimmt man nur die Treffer aus dem Spiel heraus, dann führt in der Torjägerliste allerdings der Duisburger Onuegbu mit neun Treffern vor Stroh-Engel (acht), Frahn, Grimaldi und Grüttner (je sieben). Allerdings sind die 20 Scorerpunkte des Dominik Stroh-Engel egal wie man es vor oder zurück relativiert mit Abstand Spitze in der dritten Liga.

Nimmt man die Körpergröße von Dominik Stroh-Engel (1,97 m), dann könnte man vermuten, dass er davon lebt, dass ihm die Bälle auf den Kopf geschossen werden. Allerdings erzielte er bisher lediglich drei Treffer mit dem Kopf und zeigte abgesehen davon vor allem auch seine Qualitäten mit dem Fuß. Sei es nach Flanken oder weil er es im Strafraum schafft, den Ball gut abzuschirmen und sich in Schussposition zu bringen.

Für Domik Stroh-Engel ist die aktuelle Saison mit 27 Jahren so etwas wie der große Durchbruch. Vor zwei Jahren machte er in Babelsberg mit 13 Toren auf sich aufmerksam. Ansonsten sind seine Torstatistiken in der bisherigen Karriere überschaubar. In der vergangenen Saison klappte es beispielsweise in Wehen Wiesbaden praktisch überhaupt nicht und er musste sich mit drei Toren in 34 Spielen begnügen. Was für den SV Darmstadt ein absoluter Glücksfall war, denn bei besseren Statistiken hätte man Stroh-Engel wohl nie und nimmer im Sommer verpflichten können. So bekam Dirk Schuster genau den gewünschten Typ Mittelstürmer, auf dessen Fehlen er schon kurz nach seinem Amtsantritt in Darmstadt Anfang 2013 hingewiesen hatte.

Dass Stroh-Engel glänzen kann, liegt auch daran, dass das Spiel des SV Darmstadt stark auf ihn zugeschnitten ist. Ballbesitz wird durch die Lilien vermehrt über die Außenpositionen vorgetragen, von wo aus man immer wieder versucht, Stroh-Engel einzusetzen, der dann irgendeinen Fuß oder Kopf in den Ball bringen soll. Nicht zu vergessen die Standards, bei denen Stroh-Engel auch oft gesucht wird.

Wichtiges Element im Spiel über die Flügel ist Linksaußen Marcel Heller, der mit viel Tempo und gekonnten Dribblings immer wieder Räume schafft und dann den Weg zum Stürmer sucht. Sehr agil ist auch die Sturmergänzung zu Dominik Stroh-Engel Marco Sailer, der auch eher in die Kategorie kompakter Dribbler gehört und um Stroh-Engel herum immer wieder in Eins-gegen-Eins-Situationen geht und so für Gefahr sorgt.

Neben den drei genannten wurden mit Milan Ivana, Sandro Sirigu und Jérôme Gondorf drei weitere Neuzugänge sofort zu Stammspielern. Was unheimlich für die gute Personalauswahl in der Sommerpause spricht, denn bis auf Danny Latza gab man vor der Saison keine ganz große Qualität ab, während die eigenen Verpflichtungen alle einschlugen. Interessanterweise standen viele der Neuverpflichtungen bei ihren alten (Drittliga-)Vereinen auf dem Abstellgleis. Nicht selbstverständlich, dass diese Konstellation dann beim neuen Verein funktioniert.

Ein bisschen ist das wie in amerikanischen Sport-Helden-Filmen, wenn vor der Saison eine Mannschaft mit Spielern zusammengestellt wird, auf die kaum noch jemand setzt und die alle ein wenig auf dem Abstellgleis scheinen und dann zusammen der Welt zeigen, was sie können und die Saison ihres Lebens spielen. Inklusive großartigem Happy End, Alkohol und Küssen für die Liebste. Ob die Zukunft für Darmstadt ähnlich herzerweichend-kitschig ist, wird sich zeigen.

Vielleicht spielt bei der funktionierenden Kaderzusammenstellung, die hauptsächlich verantwortlich ist für den überraschenden Höhenflug der Lilien, neben der zweifellos vorhandenen sportlichen Qualität Mentalität keine unwesentliche Rolle, denn verpflichtet wurden erfahrene Mitzwanziger, die in der Lage sind, sich in der dritten Liga auch mit dem gewissen Schuss Aggressivität und Robustheit durchzusetzen. Spannende Konstellation auf jeden Fall.

Besonders zu nennen aus dem Kader der Lilien wäre vielleicht noch der erstklassige Keeper Jan Zimmermann, der einst von Eintracht Frankfurt kam. Der in der Bayern-Jugend ausgebildete Michael Stegmayer ist Kapitän und Linksverteidiger. Und Hanno Behrens bildet zusammen mit Gondorf die stabile Doppelsechs.

Antreten können die Lilien sowohl im 4-2-3-1 oder im 4-4-2. Wobei letzteres gerade im Heimspiel und wenn Marco Sailer einsatzfähig ist, die wahrscheinlichere Variante ist. Das 4-4-2 wird teilweise recht aggressiv und auf Balleroberung orientiert gespielt. Und wenn man dann den Ball hat, geht es ohne Schnörkel und vor allem mit viel Geschwindigkeit über die Flügel gen gegnerischem Strafraum.

Allerdings ist Darmstadt auch in der Lage, das 4-4-2 recht tief verteidigend zu spielen. Was es unheimlich unangenehm macht, gegen sie vor allem nach einem Rückstand zu spielen. Das musste auch Tabellenführer Heidenheim Ende August erfahren, als sie in Darmstadt mit 0:1 verloren.

Die schnelle Spielweise des SV Darmstadt 98 führt unter anderem auch zu dem Funfact, dass es in den 15 bisherigen Partien bereits fünf Platzverweise gab. Allesamt für die jeweiligen Kontrahenten. Nutzen konnte man die Überzahl allerdings nur gegen Hansa Rostock, da dann allerdings mal eben zu sechs Toren. Zuletzt kassierte man jedoch in Überzahl beim Tabellenletzten Burghausen kurz vor Schluss noch den Treffer zur nicht unverdienten 1:2-Niederlage.

Dass der SV Darmstadt aktuell in der Tabelle so gut platziert ist, zeigt auch wieder einmal, wie eng es in der Liga zugeht. Bis zum achten Spieltag hatte man gerade mal 10 Punkte gesammelt und dümpelte im Mittelfeld der Tabelle herum. Vier Siege in Folge reichten anschließend schon, um sich an der Tabellenspitze festzusetzen. Seitdem stehen ein Sieg und zwei Niederlagen zu Buche. Macht in den letzten sieben Spielen immerhin 15 Punkte und damit zwei mehr als RB Leipzig in dieser Zeit verbuchen konnte.

Nicht nur deswegen erwarten nicht nur die Buchmacher ein völlig ausgeglichenes Spiel, für das man keinen Sieger vorherzusagen wagen könnte. Der Unentschieden-Tipp ist aus Sicht des Sportwetters wohl naheliegend.

Was für den Rationalisten naheliegend ist, ist es für den Sportler nicht unbedingt. Und so suchen auch die RasenBallsportler, genau wie die Gastgeber, im Topspiel ihre Siegchance. Wenn sie tatsächlich eine haben wollen, müssen sie in jedem Fall die robust-aggressive Art der Gastgeber, die von bis zu 10.000 Zuschauern (die unter anderem mit Dosenwerfen-Rabatt-Aktionen gelockt wurden) unterstützt werden könnten, annehmen. Zusätzlich wäre es gut, das schnelle Flügelspiel unter Kontrolle zu kriegen.

Dafür könnte es Sinn machen, wieder zu einem System zurückzukehren, das einem 4-3-2-1-Tannenbaum ähnelt, also mit einem Dreiersturm Poulsen, Frahn, Morys, in dem Morys und Poulsen als Außen permanent defensiv arbeiten und so den Außenverteidigern und den nach außen rückenden Mittelfeldspielern helfen müssen.

In jedem Fall bieten sich für RB Leipzig zwischen den nicht immer kompakten Viererketten der Darmstädter auch Räume zum Spielen. Selbst in den Spielen, die klar an Darmstadt gingen, kamen die Gegner immer wieder zu guten Möglichkeiten, die sie aber nicht nutzen konnten. Was im Gegensatz zum obigen Vorschlag wiederum eher für ein System mit hängender Spitze (Thomalla, Röttger, Fandrich) nach Art des 4-3-1-2 sprechen würde.

Entscheiden muss das wie immer Alexander Zorniger, der sich auch überlegen muss, ob Niklas Hoheneder nach abgesessener Gelbsperre wieder in die Innenverteidigung rückt. Was angesichts des kopfballstarken Stroh-Engel naheliegender wäre, als ein weiteres Mal auf Tobias Willers zu setzen. Zudem steht die Frage nach den Außenverteidigern. Gegen den schnellen Linksaußen Heller wäre eigentlich Heidinger mit seiner Schnelligkeit auf den ersten Metern die naheliegende Wahl. Was bedeuten würde, dass Christian Müller nach Rotsperre nur die Bank bleibt und sich Jung und Judt um den Linksverteidigerposten streiten. Möglich aber auch, dass Heidinger nach links rückt und Müller rechts hinten aufläuft.

Bliebe nur noch eine mögliche Veränderung im Team. Die im Fall der Fälle Henrik Ernst beträfe, für den Bastian Schulz mal wieder ins Team rücken könnte. Sollte aber eine eher unwahrscheinliche Variante sein. Aufstellungstechnisch läuft es dann im groben darauf hinaus:

  • SV Darmstadt 98: Zimmermann – Sirigu, Maas, Sulu, Stegmayer – Ivana, Gondorf, Behrens, Heller – Sailer, Stroh-Engel
  • RB Leipzig: Coltorti – Müller (Heidinger), Hoheneder, Franke, Heidinger (Jung) – Kimmich, Ernst (Schulz), Kaiser – Poulsen, Frahn, Morys (Thomalla)

Fazit: Das Spiel in Darmstadt wird für RB Leipzig eine echte Bewährungsprobe. Nicht zuletzt, weil der Gegner mit seiner Stammelf irgendwo zwischen Mitte 20 und knapp 30 unheimlich viel Erfahrung und trotzdem bestes Fußballalter mitbringt. Dazu die gute Mentalität der Lilien und eine zwar einfache, aber klare und schwer zu verteidigende Fußballphilosophie. Letztlich treffen die beiden offensivstärksten Mannschaften der dritten Liga aufeinander und es wird auch darauf ankommen, den Kontrahenten nicht durch Fehler zum Toreschießen einzuladen. Man darf sich jedenfalls auf ein spannendes Duell auf Augenhöhe freuen..

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim SV Darmstadt 98 nicht vor Ort verfolgen kann und am 09.11.2013, ab 14.00 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und das Fanradio. Oder greife auf den Livestream vom Hessischen Rundfunk zurück.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. SV Darmstadt 98

  • keine

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Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel RB Leipzig beim SV Darmstadt 98 mit Alexander Zorniger und Denis Thomalla.

14.23

Alles in allem ein entspannt-gelöster Coach, dem man die Vorfreude auf Darmstadt und den Respekt vor der Arbeit des Kollegen Schuster durchaus anmerkt. Wie gesagt, es wartet ein spannendes Spiel, auf das man sich allseits freuen darf. Viel Spaß bei dieser Vorfreude und eine schöne Restwoche wünsche ich von dieser Stelle.

14.22

Das war es von der Pressekonferenz. Morys also in Darmstadt nicht dabei. Da Zorniger von nur einem möglichen Wechsel spricht, kann man nun rätseln, wo das sein soll. Man liegt wohl allerdings nicht ganz absurd weit weg, wenn man vermutet, dass es gegenüber Dortmund einen Wechsel auf der Außenverteidiger-Position gibt und Judt aus dem Team und vermutlich Müller ins Team rutscht.

14.19

Jetzt Alexander Zorniger (im Anzug wegen der  Beerdigung von Siggi Schaal, Zeugwart der U19): “Freuen uns auf Darmstadt. Jungs strotzen vor Spielfreude. Jeder will dabei sein. Hatten in Heidenheim schon ein Highlight-Spiel und das ist jetzt wieder eins.” Dirk Schuster sei wie Walpurgis wenn es darum gehe, Feuer zu entfachen. Team habe viel Wucht und Erfahrung. “Haben die richtigen Spieler verpflichtet. Sind in der Lage mehr als die von Schuster genannten 42 Punkte zu holen. Gehen kontinuierlich durch die Runde. Haben die Chance bis zum Ende dabei zu bleiben.” Betont noch mal die Euphorie in Darmstadt am Böllernfalltor. “Freuen uns auf Darmstadt.”

“Matze Morys ist nach wie vor verletzt.” Muskelverletzung sei eigentlich ok, aber man habe ihn aus dem Training wieder raus nehmen müssen, weil die Wade zugemacht hat. “Da müssen wir erst mal abwarten.” “Wäre ein Spiel, was ihm entgegenkommt. Zu 99 Prozent wird das aber nichts.” Kader von letzte Woche habe das aber auch gut gemacht. “Warten jetzt bis Morys wieder zur Verfügung steht.” Ansonsten alle fit und einsatzbereit.

“Überlege mir einen Wechsel und das war es dann.” Die Innenverteidigung wird so spielen, wie gegen Dortmund, weil sie das dort gut gemacht habe. Hoheneder ist damit offenbar raus aus der Startelf.

Es stecke keine Philosophie dahinter, dass von Spiel zu Spiel Wechsel anstehen. Passiere halt. Oft auch wegen Verletzungen und Ausfällen. “Würde sehr, sehr gern immer die selbe Mannschaft auf dem Platz haben.” Gucke auch genau hin und lasse nicht jemanden drin, auch wenn er denkt, er habe eigentlich bessere Lösungen.

Thomalla habe sich ins Team gekämpft. Sei ein sehr guter Fußballer, habe sich aber zuletzt extrem weiterentwickelt. Vor zwei Jahren hätte Zorniger ihn noch nicht geholt, da habe er noch zu körperlos gespielt. Thomalla gehöre zu denen, die merken müssen, dass “Fußball schmerzen bereiten kann.” Zuletzt gegen Dortmund mit enormer Laufleistung. Thomalla bringe auch eine weitere Option im Kopfballspiel. “Im Moment eine gute Komplettlösung.”

Papadimitriou und Luge: Gehe nicht immer darum zu fragen, wer fehlt, weil jemanden zu bringen auch bedeutet, jemanden raus zu nehmen. Luge habe zuletzt nicht im Kader gestanden, weil man ihm ein “Zuckerli” geben wollte, sondern weil er es sich verdient hatte. Spieler sollen nicht darüber nachdenken, warum sie manchmal was nicht kriegen, sondern sollen trainieren.

“Luge ist auch für mich kein Ruhmesblatt.” Zorniger wollte Luge, weil er der Meinung war, dass er dem Team weiterhilft. Letztlich zähle aber nur Leistung und man werde nicht jemanden in den Kader nehmen, nur weil man ihn verpflichtet hat.

Man habe nicht vor Andre Luge anzugeben. “Im Moment kein Thema.” Jeder habe in sechs Einheiten pro Woche die Chance sich zu zeigen. “Andre kriegt unsere volle Unterstützung.”

Zu Darmstadt: “Müssen uns an ihrer Grundspielweise orientieren. Und die ist aggressiv und geht viel über zweite Bälle und Nachrücken.” Plus Standardsituationen.

Stroh-Engel vs. Frahn: Ersterer sei noch mal eine Ecke größer. Ist aber auch technisch gut. Frahn macht seit Jahren regelmäßig Tore. Allerdings in der Regionalliga. Die letzten Jahre geben Frahn aber die Sicherheit, dass er immer Tore mache. Zorniger kann beide nicht wirklich vergleichen, da er Stroh-Engel nicht so gut kenne.

Zorniger sei zu Darmstadt optimistisch gestimmt, weil er sieht wie die Mannschaft arbeitet und bereit ist, die Trainingsanweisungen umzusetzen. Im Moment stehe nicht die Konstanz im Mittelpunkt, sondern die Fokussierung auf jedes einzelne Spiel. Niveau in der Liga sei so eng, dass Kleinigkeiten entscheiden: “Wenn du 1:0 in Darmstadt hinten liegst, wird es schwierig.” Lobt die dritte Liga fürs professionelle Arbeiten und für viele interessante Trainer und Spieler.

Zorniger habe von Spielern, die von RB weggegangen sind, gehört, dass das Trainingsniveau woanders nicht so hoch ist. Spricht von jemandem, der bei anderen Drittligateams mittrainiert hat. Handelt sich dann wohl vermutlich um Hoffmann.

(Der MDR-Mann vermeldet, dass Tom Geißler bei der Wahl zum Tor des Monats der ARD nur 0,1 Prozent hinter Kießling liegt. Soll wohl ein kleiner Wahlaufruf sein..)

Laufleistung ist für Zorniger eine ganz essenzielle Größe. Henrik Ernst habe letzte Woche die Toplaufleistung abgeliefert. Thomalla und die anderen folgen knapp dahinter. RB sei letzte Woche ein Kilometer mehr gesprintet (gesprintet, nicht gelaufen!) als Dortmund.

Joshua Kimmich und seine U19-Nationalmannschaftsnominierung: Zorniger hat mit Sorg schon seit Anfang der Runde Kontakt. War klar, dass Kimmich eingeladen wird, sobald er wieder da ist. “Momentan in einer körperlich sehr guten Verfassung.” Wird auch bei Mitspielern wie Brandt und Gnabry eine “Duftmarke” setzen. Dass Kimmich in einem Interview sagte, er wolle eine Führungsrolle übernehmen, findet Zorniger beeindruckend, da Kimmich erst 18 ist. Kimmich wird die nächste Woche mit der Nationalmannschaft unterwegs sein und das Pokalspiel gegen Gelenau verpassen.

Im Sturm seine Morys, Poulsen, Frahn optimal besetzt, was Geschwindigkeit angeht. Thomalla sieht Zorniger auch als Außenstürmer oder als Frahn-Ersatz. Zuletzt hat man aber jemanden gebraucht, der vor den Sechsern im Zentrum als Anspielstation vor der gegnerischen Innenverteidigung zur Verfügung steht. “Hatten dadurch eine bessere Qualität.”  Sei auch für die seitlichen Sechser entspannend gewesen.

Thomalla als hängende Spitze/ Zehner gegen Dortmund sei eine Idee gewesen, eine Schwäche des Gegners auszunutzen. Heißt nicht, dass Thomalla in Darmstadt wieder die Zehn spielt. Zorniger scherzt noch, dass man Ideen habe, die Schwächen anderer auszunutzen und entweder klappe das oder die Spieler seien nicht in der Lage gewesen, die Idee umzusetzen. (Muss ich den Witz erklären? Es geht um Selbstironie.)

Christian Müller sei fit und heiß und will spielen. Müller habe auf Anmerkungen des Trainerteams reagiert und sei zu einem “viel, viel aggressiveren Außenverteidiger” geworden.”

13.42

Zuerst wird Denis Thomalla, den es zuletzt zweimal in die Startelf verschlug Rede und Antwort stehen.: “Habe mich in Leipzig gut eingelebt. Bin vier Monate hier. Schöne Stadt, guter Verein mit Vision. Am Anfang war es nicht leicht als neuer, junger Spieler. Habe mich aber gut eingelebt.”

“Müssen gegen Darmstadt an die Leistung aus dem Dortmund-Spiel anknüpfen.” Laufstark, zweikampfstark.

“Haben gegen Chemnitz den Biss und die Aggressivität nich auf dem Platz gehabt. Am Anfang die Zweikämpfe verloren und dann haben wir zwei Tore kassiert. Und dann wird es nicht einfach.”

Man müsse um sich durchzusetzen, in jedem Training angreifen. Von einem Durchbruch will Thomalla noch nicht sprechen. “Es kann immer schnell hoch und runter gehen.” Tipp auch an andere junge Spieler im Team: “Nie aufgeben.” Und das umsetzen, was der Trainer will.

Lieblingsposition: “Auf der Zehn ist man mehr am Ball und flexibler. Im Sturm stehst du immer mit dem Rücken zur Abwehr. Habe in Hoffenheim ein Jahr auf der Zehn gespielt und da fühle ich mich wohl. Aber da wo der Trainer mich hinstellt, spiele ich.”

Poulsens Qualität sei die Schnelligkeit. Frahns Qualitäten bestünden in der Ballverarbeitung, könne sich auch am Mann drehen.

“Verbessern muss man sich immer überall. Die ersten zwei Spiele von Anfang an meinerseits waren nicht so gut. Agressivität und Zweikampfstärke haben gefehlt. Die letzten beiden Spielen waren gut. So kann es weitergehen.”

Dritte Liga kann man nicht mit Bundesliga (wo Thomalla schon mal gespielt hat) vergleichen. Dritte Liga ist zweikampfbetont mit viel Aggressivität. “Da muss man dagegenhalten.”

Dass Zorniger Thomalla vor Heidenheim auf die Tribüne gesetzt habe, habe als Weckruf gewirkt. “Manchmal brauche ich schon einen Arschtritt.”

Warum man in Chemnitz nicht gegenhalten haben könne, kann Thomalla auch nicht wirklich erklären.

“Jedes Spiel ist wichtig. Versuchen in jedes Spiel mit Aggressivität anzugehen. Wie es dann auf dem Platz ist, weiß man nicht. Werden in Darmstadt versuchen, aggressiv aufzutreten.”

Hoffenheim und RB Leipzig seien vom Umfeld her ähnlich. “Man wird hier auch gleich beleidigt wie in Hoffenheim von den Fans.” (allseitiges Schmunzeln..)

Ambitionen Richtung Nationalteams (spielte früher im Nachwuchsbereich): Im Moment keine Kontakte nach Verletzungen. Die Nachwuchsnationalmannschaften sind für Thomalla noch Thema. Will “auf jeden Fall” zurück.

13.24

Insgeamt werden bis zu 10.000 Zuschauer erwartet. Was in Darmstadt Saisonrekord in der dritten Liga wäre. In Leipzig hält sich die Reiselust etwas in Grenzen. Zwei Busse werden fahren, dazu diverse Autos. Sollte auf etwa 300 Gästefans hinauslaufen.

13.20

Na dann, liebe Leute. Auf in die letzten Stunden bis zum erstmaligen Aufeinandertreffen vom SV Darmstadt 98 und RB Leipzig und bis zum Spitzenspiel Zweiter gegen Dritter, das für RB wieder mal die Chance ist, ein Zeichen im Kampf um  die Plätze hinter Heidenheim zu setzen. Man darf gespannt sein, wie die RasenBallsportler diese Chance diesmal in diesem schweren Spiel nutzen werden.

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Ein Gedanke zu „Mehr als nur Mentalität“

  1. Merkwürdige Entscheidung unseren besten Innenverteidiger (gefühlt und Kicker-Notenschnitt) auf die Bank zu setzen. Na, der Trainer wird sich dabei schon was denken…

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